Schuljahresende 2019 und Malteserfalken

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – ja, aber manchem Ende auch. Heute war Schuljahresende, das dienstlich und privat mehr gefeiert wird als Ferienanfang, glaube ich. In den ersten sechs oder sieben Jahren meines Lehrerseins brauchte ich immer ein paar Tage, um mich an die Ferien zu gewöhnen. Ich glaube, dieses Jahr habe ich einfach schon in der vorletzten Woche angefangen, mich in die Ferien zu verabschieden, also gedanklich und emotional.

Die letzten zehn Tage und mehr findet ja eh nur eine Art Schule spielen statt. Wandertag, die sogenannten Projekttage, Konferenzen mit effizienzorientierten (quasi automatisierten) Abstimmungen. Da wird nicht viel gedankliche Anwesenheit von mir gefordert. Zugegeben: Ich könnte mit gedanklicher Anwesenheit dafür sorgen, dass etwa die Projekttage besser wären. Aber schon zu meiner Schulzeit waren diese SMV-Tage anarchische Phasen ohne ordentliche Aufsicht und ohne nachvollziehbares Programm; diese Erfahrung will ich den Schülern und Schülerinnen nicht nehmen.

– Dieses Jahr wieder ausgezählt, wieviel Unterricht ich tatsächlich gehalten habe und wieviel Prozent durch schulinterne Aktionen ausgefallen ist (zwischen 5,7% und 21% je nach Klasse; Nachmittagsunterricht ist immer ein Problem, aber das hört im G9 ja auf). Bevor ich das der Schulleitung noch einmal explizit mitteile warte ich sicherheitshalber, bis mir die nächste Fortbildung genehmigt ist. Ich gehe nämlich auf drei Fortbildungen pro Jahr; die machen aber nur einen kleinen Teil der ausfallenden Stunden aus. Krank bin ich eh nie.

– Frustrierend die sich abzeichnende Zukunft von Bring Your Own Device der Schule. Was man von Sachaufwandsträger und Kultusministerium hört, sieht das so aus, als werden Schüler und Schülerinnen zumindest im nächsten Jahrzehnt nie mit eigenen Handys oder Tablets ins Internet dürfen. Keine Moodle-App, keine Süddeutsche-Zeitung-App. Nicht mal freiwillig. Ich glaube ja immer noch, dass das der Einfluss der Hardwarelobby ist. (Datenschutz, Sicherheitsbedenken.)

– Rein technisch bietet das bayrische Mebis-Moodle ja schon eine Art datenschutzsichere Schulcloud. Alle Schüler und Schülerinnen haben 1 GB Speicherplatz, es müsste doch auch zu machen sein, dass sie Daten kursweise freigeben können. So oder so ist das aber nicht einsetzbar, da die Interfaces dazu – die Webseite und die Moodle-App – zu umständlich dazu sind. das müsste doch einfach per Kommandozeile gehen, und dann halt mit ordentlicher grafischer Oberfläche dazu. Das KuMi schreibt auch regelmäßig Stellen zur technischen Weiterentwicklung aus, am End wissen die noch, was geboten ist.

– Da Frau Rau drei Wochen auf Reha war, habe ich an langen, einsamen Abenden einige der Filme nachgeholt, zu denen ich sonst nicht komme. Unter anderem die ersten zwei Verfilmungen von Dashiell Hammetts The Maltese Falcon:

The Maltese Falcon (1931). Gar nicht schlecht, gar nicht schlecht. Ich mag das Buch sehr gerne, und die Verfilmung von 1941 ist zu Recht ein Klassiker. (Sydney Greenstreet in seiner ersten Filmrolle!) Die Fassung von 1931 dagegen kennt kaum jemand, dabei ist um Längen besser als die von 1936 (Satan Met A Lady) – eine freiere Fassung mit Bette Davis und Screwball-Elementen: Mit dem Stetson-Hut und dem weiten Mantel sieht da das Spade-Äquivalent („Shane“) den Großteil des Films über wie ein Schäfer aus. Es geht auch nicht um einen Falken, sondern ein Horn mit ähnlich historischer Vorgeschichte, und statt Casper Gutman gibt es eien sehr interessante Madame Barabbas (Alison Skipworth, viermalige Filmpartnerin von W.C. Fields). Alle drei Filme zeigen mehrfach Zeitungsseiten zur Informationsvermittlung, aber nur 1936 hat – in ähnlichem Stil – eine Art Poster außerhalb der Filmhandlung, das die gegenwärtige Situation zusammenfasst: „Who Will Be Next -„, gefolgt von Fotos der Schurken.

Die Fassung von 1931 sieht weit mehr als zehn Jahre älter aus als die von 1936. Die Kleidung ist älter. Die Möbel. Alte Telefone, und auf der Post schreibt man noch mit Feder und Tintenfass seine Adresse auf. Und weil der Film entstand, bevor der Selbstzensur-Code Hollywoods („Hays Code“, „Motion Picture Production Code“) umgesetzt wurde, gibt es anzügliche Stellen – halbnackte Frauen, deutlichere Anspielungen auf Homosexualität. Die Schauspieler sind nicht so gut, die Handlung zieht sich, die Gesichter sind manchmal fast noch stummfilmhaft. Aber Ricardo Cortez, der den Sam Spade spielt, hat ein sehr unsympathisches Lachen, und das passt gut zum Buch; und eine Gefängnis-Coda am Ende illustriert das Verhältnis zwischen Spade und Brigid O’Shaughnessy sehr schön.

– Damit ist der gleiche Roman 1931, 1936 und 1941 verfilmt worden, und damals hat wohl auch keiner gemeckert und ich finde das voll in Ordnung. Auch Romane sollte man in verschiedenen Versionen haben, finde ich, aber da kenne ich nur die Fantasy-Fassung von Der Richter und sein Henker, ein paar Gottfried-Keller-Reminiszenzen bei Walter Moers und Übersetzungen wie der Simplicissimus in modernem Deutsch.

Schneefrei! (2019 Edition)

Am Freitag, den 11. Januar 2019 fiel an den Gymnasien im Landkreis der Unterricht aus. Die Entscheidugn des Landratsamts wurde am Donnerstagmittag bekannt gegeben; Jubel in den Klassenzimmer. Und so musste am Freitag nur eine kleine Rumpfbesatzung an Lehrern und Lehrerinnen in der Schule bleiben – um Schüler oder Schülerinnen, die dennoch in die Schule gekommen wären, Herberge bieten zu können. Tatsächlich waren aber alle zu Hause geblieben, jedenfalls nicht in der Schule.

Ich will das hier nur aus Chronistenpflicht festhalten. Denn dass es das letzte Mal im März 2006 und Januar 2007 schneefrei gegeben hat, das weiß ich nur deshalb, weil ich das hier im Blog aufgeschrieben habe.

Dillingen 2018

Tablett mit Essen

Die letzte Woche war ich in Dillingen an der Donau auf Fortbildung. Dort gibt es die Akademie für Lehrerbildung und Personalführung. In einem früheren Blogeintrag habe ich ausführlich erklärt, was das ist.

Ich glaube, ich könnte mir das angewöhnen – eine Woche Fortbildung im Herbst. Ich kann länger schlafen als zu Hause (zumindest ein wenig) und komme am Abend zum Korrigieren (wenn ich nicht ausgehe oder in den Akademiekeller gehe, aber das bin ich nicht). Dafür habe ich den pädagogischen Tag an meiner Schule verpasst, der am Buß- und Bettag stattfindet, weil die Schüler und Schülerinnen da frei haben und die Lehrer und Lehrerinnen dafür einen Tag arbeiten müssen. Das muss nicht dieser Tag sein, aber der bietet sich an; lange Geschichte. Es mag sicher irgendwo pädagogische Tage geben, bei denen ich es schade finden würde, nicht dabei sein zu können. Aber bis dahin taugt mir der Termin.

In fast allen Bundesländern gibt es etwas, das Bildungsurlaub heißt – bis zu fünf Tage Urlaub im Jahr zur politischen oder beruflichen Bildung. Die Bundesrepublik hat sich 1974 verpflichtet, das einzuführen (sagt Wikipedia), aber wie das mit der Kulturhoheit der Länder ist: Bayern macht da nicht mit.

Dann eben so. Das Thema war Androidprogrammierung in Java, ein Thema, bei dem ich schon einige Vorkenntnisse hatte. Aber ich wusste, dass ich so oder so Zeit bekommen würde, vor mich hin zu programmieren, und da lerne ich am besten. Allerdings brauchte ich schon eine Einführung: Ich habe einfach keine Lust, über Tutorials oder gar – horribile dictu – Videos im Web mich in etwas einzuarbeiten.

Gelernt habe ich viel. Jetzt kann ich das so, wie ich möchte. Tatsächlich bietet einem der MIT App Inventor bereits viele wichtige Konzepte dafür, aber so ist man flexibler und kann vor allem eigene Klassen ergänzen.

Treppenhaus und Handtücher:

Collage aus Handtuch mit Aufschrift und Gewölbe-Treppenhaus

Genau so – nur etwas weniger gut erhalten – sah der Ausblick aus meiner alten Schule aus, ein sehr ehemaliges Kloster in Augsburg. Aber in diesen Hof kam man nicht hin, das gehörte dem Hausmeister. Hieß es damals immer. Und jetzt, wo ich mir das überlege, wird das wohl so nicht ganz korrekt gewesen sein, aber das fällt mir erst jetzt auf.

Ausblick auf Innenhof mit Gras

Abendessen. Das bunte rechts oben ist ein Krabbencocktail:

Tablett mit Essen

Insgesamt war das Essen der schwächste Teil der Fortbildung. Kaffee gab es nur zum Frühstück, und das bei Lehrern. Ach, die Lehrer. Die Leute, mit denen ich in der Fortbildung war, waren ganz normal. Aber so im großen Speisesaal, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen sich versammeln, dann kommen sie mir schon komisch vor. Vielleicht sind sie nur einfach nicht mein vertrautes Kollegium. Oder man zieht sich besonders an, wenn man in Dillingen ist? Geht nur ein bestimmter Typ nach Dillingen? Vielleicht ist es auch das Ambiente, beruflich und doch außerschulisch – am Ende sind’s einfach die vielen Schwaben, die ich sonst nicht so treffe.

Erste Semester- und vorletzte Schulwoche (vor den Herbstferien)

Heftchen mit Tafelbildern

Am Wahlsonntag letzte Woche erstmals Schäufele gemacht, sehr lecker geworden, dazu ebenfalls erstmal Kartoffelknödel.

Davor die Schüler und Schülerinnen der 7. Klasse weitere Tafelbilder machen lassen, zu den Episoden von Michael Köhlmeiers Nibelungen-Nacherzählung (Youtube). Sie haben die Episoden untereinander aufgeteilt, so dass jeweils ein Paar eine Episode hörte und ein Tafelbild dazu machte. Obwohl viele daran gedacht hatten, ihre eigenen Kopfhörer mitzunehmen, war weder mit denen noch mit den verschlisseneneren Kopfhörersätzen im Computerraum gut zu arbeiten – dass Audioaufnahmen bei uns nicht gehen, bin ich ja gewöhnt, aber jetzt kann man nur noch sporadisch an manchen Rechnern etwas hören, manchmal leise, manchmal gar nicht, manchmal nur über PC-Lautsprecher. Auf die Audioeinstellungen hat man keinen Zugriff. Dass man mit Computern mehr machen kann als nur Word, das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. – Wenn dann endlich mal WLAN ist, können die Schüler und Schülerinnen so etwas mit dem Handy machen, aber derzeit musste ich ein paar bitten, das zu Hause zu Ende zu bringen. Es war tatsächlich eine Bitte, und ging auch problemlos.

Die Ergebnisse habe ich in einem kleinen Heftchen gesammelt und ausgeteilt, nachdem jedes Team ihren Teil der Geschichte anhand des projizierten Tafelbildes erklärte.

Heftchen mit Tafelbildern

Ich mag Heftchen.

An der Uni hat die Vorlesungszeit begonnen, dieses Semester gebe ich relativ kurzfristig Informatikdidaktik 2 statt wie bisher Informatikdidaktik 1. Aber gut, so habe ich weniger Zeit, mich nervös zu machen, und habe die Sommerferien dafür mehr genossen. Genossen habe ich auch die Vorlesung, ich glaube, die wird mir Vergnügen bereiten. Auf die Frage: „Was erwarten Sie sich inhaltlich von dieser Vorelsung? Was hoffen Sie hier zu lernen?“ kam erst einmal keine Antwort, so dass ich doch die Kärtchen und Magnete zückte, um in Gruppenarbeit Stichwörter an die Tafel pinnen zu lassen:

Whiteboard mit beschrifteten Kärtchen

Und schon war eine Methode vorgestellt. Mein Hauptproblem, ehrlich gesagt: Ich weiß oft nicht, was ich lehren soll. Das wie ist leichter.

Bei Wikipedia kurz zu Vorlesung recherchiert, ob man die hält oder gibt oder liest, und auf diese schöne Beschreibung gestoßen:

Heutzutage ist es in der Regel von den Dozenten der Vorlesungen gewünscht, dass Studenten aufzeigen, um Nachfragen zu stellen. Auch versuchen Dozenten manchmal die Studenten direkt anzusprechen und durch das Stellen von Fragen aktiv an der Vorlesung zu beteiligen.

Bin nur ich, oder klingt das leicht resigniert? So mit „aufzeigen“ und „versuchen zu beteiligen“?

– Auf Twitter habe ich zum ersten Mal eine Umfrage erstellt:

Ich vermute jedenfalls mal, dass in den wenigsten Schulbibliotheken Kochbücher sind, selbst wenn sie dorthin gehören. Selber habe ich aus Kochbücher viel gelernt (schöner Blogeintrag dazu), und je einmal Delia Smith, Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi würden sich eigentlich gut machen. Diese Bücher sind auch zeitlos, anders als das Buch von Christian Wulff, das ich bei den Neuerscheinungen gesehen habe. Soll sein, soll sein, soll sein, aber was bei Schulbibliothekn für Bücher rausgehauen wird, die nie einer liest, nur weil der Etat da ist, das will ich gar nicht wissen.

Die Wochen vor den Pfingstferien – jedes Jahr das gleiche? (Und Schafsherden, sprachlich.)

Vielleicht läuft es in manchen Jahren tatsächlich besser, in anderen Jahren schlechter; vielleicht vergesse ich auch im Lauf des Jahres immer wieder, wie anstrengend die Zeit vor den Pfingstferien ist. Aber diesmal ist es bestimmt wirklich schlimmer!

Die Vorlesung läuft gut, der Unterricht auch, ich korrigiere meine Schulaufgaben rechtzeitig, halte Abitur, holte wöchentlich unsere Kartoffelkombinat-Kiste, koche fast jeden Abend, wofür ich einkaufe; dann kam noch ein schneller Podcasts dazwischen, Ukuleletreffen, Leserunde, Verwandtenbesuch. Ich organisiere einen Wettbewerb und – verflixte Sucht – programmiere an einer kleinen App herum, immer nur noch kurz ein Stückchen. All das nicht wirklich anstrengend, aber zeitlich schwer unter einen Hut zu kriegen – einen Slot für in drei Tagen einplanen, notieren, und dann drei Tage nicht mehr daran denken, so versuche ich das.

Nicht mehr geschafft: Zwei kurze und eine lange Nachholschulaufgabe korrigiert, Aufgaben für die mündliche Abiturprüfung Informatik nach den Ferien erstellt – das muss ich in den Pfingstferien machen, die ich sonst einigermaßen frei habe.

Im Englischunterricht Q11 Denotation-Connotation gemacht, dabei Autonamen der 1960er (Thunderbird, Falcon, Charger, Comet, Mustang, Barracuda) mit Namen der 1970er (Rabbit, Pinto, Colt, Civic, Starlet, Gremlin) und 1980er Jahren verglichen (Escort, Fiesta, Cavalier, Sierra, Metro, Astra, Cortina, Orion, Nova, Maestro). Jahr 2000: Silverado, Explorer, Camry, Accord, Taurus, Civic, Focus, Caravan, Cherokee. – Nicht mit allen kann man gleich viel anfangen. Bei der Aufgabe, die Wörter gaunt, lanky, skinny, slender, slim, thin nach positiven oder negativen Konnotationen zu sortieren, gab es Unterschiede: skinny ist für meine Schüler und Schülerinnen erst mal deutlich positiver besetzt als für Englischsprecher meiner Generation – und, wie die Google-Recherche zeigt, gilt das auch heute noch. Liegt auch an „skinny jeans“, denen nichts Negatives anhängt. Aber Vorsicht bei der Google-Bilder-Suche; erst öffentlich zeigen, wenn man sich vergewissert hat, dass die Bilder altersangemessen sind.

Die Anwendung auf die Praxis ist dann für Schüler und Schülerinnen noch eimal schwieriger: Es ging darum, bei einem Text nach interessanten Konnotationen zu suchen. Eine Gruppe von Leuten „flocked outside“, und das führte zu einem Abstecher zu collective nouns, speziell zu denen aus der Jagd- und Fachsprache: Es heißt „a flock of sheep“, aber „a pride of lions“. Oder geht auch „herd of sheep“? Wikipedia gibt Antwort. Bei Enten „a paddling of ducks“ auf dem Wasser, sonst „a plump of ducks“. Was ein dotterel ist, muss ich auch nachschlagen, ein Haufen davon heißt jedenfalls trip.

Vertretungsstunde, Konferenzen, vorgemachte Dramenanalyse

Vertretungsstunde: Spontan und unvorbereitet und verspätet, weil sonst keiner da war. Die Klasse, ich kannte sie ein bisschen aus dem Vorjahr, war in der Aula verteilt und wartete. Wenige spielten Karten, viele lasen die Deutschlektüre, andere unterhielten sich, ein paar trieben Gymnastik. Also blieben wir da und ich unterhielt mich mit einigen. Das mit der Gymnastik musste ich etwas bremsen, leider, wegen fehlender Hilfestellung und keinen Matten und so. Dafür demonstrierte ich Foxtrott zu Musik vom Handy.

Dienstagnachmittag Arzttermin, Mittwochnachmittag Vorlesung. Donnerstagnachmittag Konferenz in kleinerem Kreis, Adrenalin und Gegenantrag; danach Teamtreffen zur Vorbereitung des Freitags, danach Elternsprechabend. Freitagmittag Konferenz in kleinem Kreis zum Mediencurriculum. Lief okay. Danach Weiterarbeiten am Curriculum.

Samstag Biergarten mit angereister Berliner Verwandtschaft, Sonntag dann Nichtenkommunion. Dazwischen Korrekturen.

Davor mal mit Deutschklasse Dramenanalyse getrieben; da schreiben sie bald Schulaufgabe, geübt ist alles, also machten wir das so: Ein Schüler versprach, einen auch mir unbekannten Text mitzubringen, den ich dann quasi vor Augen der Schüler und Schülerinnen mir aneignen würde. Also vormachen, wie ich mit einem solchen Text umgehe, wenn ich ihn denn analysieren will. Also brachte der Schüler sechs Buchseiten Václav Havel mit, aus Largo Desolato. Das war für mich sehr interessant, für die Schüler und Schülerinnen hoffentlich auch.

1. Ich beschrieb beim Lesen, was mir auffiel. Stilmittel, Wiederholungen, unklare Stellen, Referenzen auf andere Stellen, Assoziationen. Erst mal neutral, ohne große Deutung. „Da ist ein unvollständiger Satz.“

2. Sobald ein Stilmittel, ein Wort, irgendein Element zum zweiten Mal auftauchte, zum Beispiel ein unvollständiger Satz, formulierte ich mehrere Hypothesen, was es damit auf sich haben könnte. Olbram sagt ein zweites Mal zu Leopold, dass sie es doch alle gut mit ihm meinen, und wird zum zweiten Mal überraschend wortgleich von Lucies Stimme aus dem Off unterbrochen. Das kann Zufall sein. Oder Lucie hat gelauscht. Oder das Stück foppt uns, gleitet ins Absurde ab. Bei der dritten Wiederholung festigt sich dann die Hypothese, und ich baue andere Punkte ein, die mir auffallen. Manches bleibt offen, das halte ich aus, anderes wird erst spät klar, manches übersehe ich sicher auch. Das Wichtige, glaube ich, ist das, dass man eine Weile konkurrierende Erklärungen mit sich herumträgt und erst nach und nach sich für eine davon entscheidet.

Alles Dinge, die ich im Bereich der reader-response theory schon an der Uni aufgeschnappt hatte, aber vermutlich wird das im Klassenzimmer nicht so klar. Also mehr vormachen?

Typische Schulwoche: Nathan, Fahrenheit, Lyrik, Konferenzen

Am Montag Datenbankentwürfe in der 9. Klasse – die Schüler haben Klassendiagramme für ein Fantasy- oder Science-Fiction-Spiel gezeichnet und präsentiert, dann in einem Diagramm-Editor verfeinert; nächster Schritt: Umsetzen in Tabellen für eine Datenbank. In der 11. Jahrgangsstufe: Vorbereitung für Fahrenheit 451 im Englischunterricht, einen Radio-Beitrag zu Ray Bradbury angehört und Fragen dazu gestellt oder beantwortet. Davor noch abgestimmt, mit welchem englischsprachigen Land außerhalb UK/USA wir uns beschäftigen – ich bot Irland und Indien an, dazu kamen die Vorschläge Neuseeland, Südafrika, Australien. Wär mir auch recht gewesen, aber die Entscheidung fiel für Indien. In Deutsch 10 die Ergebnisse des Mebis-Workshops besprochen. Workshop: Das ist eine bestimmte Moodle-Aktivität, bei der Schüler und Schülerinnen die Lösung einer Aufgabe abgeben, die dann von zugewiesenen anderen Schülern und Schülerinnen nach gegebenen Kriterien kommeniert wird. Thema war: Einen Fernseh-Fünfteiler entwerfen, mit kurzen Inhaltsangaben zu den Episoden, jeweils den Akten eines klassischen Dramas entsprechend, also mit Exposition, steigender Handlung, Wendepunkt, fallender Handlung, Katastrophe. Danach weiter Nathan.

Am Dienstag Informatik-Klausur in Q11. In 7 mit Algorithmik weitergemacht, ohne das Wort zu verwenden – zweite Schritte mit Scratch. Am Nachmittag Lehrerkonferenz. Schön fand ich, dass auch SMV-Vertreterinnen da waren, um bestimmte Punkte anzusprechen. In Bayern ist das nicht vorgeschrieben oder üblich, aber ich freue mich über jeden Kontakt. Ein weiteres Thema war das Medienkonzept, von dem ich über Twitter mitkriege, dass das auch bei anderen Schulen angekommen ist und zu laufen scheint. Meine Rede: Wenn so etwas endlich mal top-down kommt, dann wird das auch gemacht.

Mittwoch: Weitermachen mit Lyrik in 6. Klasse. Anlass: Einige Schüler und Schülerinnen mussten aus Gründen Gedichte aufsagen. Aber Gedichte stehen ja eh im Lehrplan. Erst mal Begriffe geklärt: Silbe (und der Unterschied Sprechsilbe und Silbentrennung), Betonung (und damit erklärt, warum der Schüler im Vortrag „Penelope“ und „Persephone“ falsch, nämlich nach deutschem Muster, betont hatten), Verteilung von betonten und betonten Silben. Ich kann nie vorhersagen, welche Schülerinnen ein Ohr für Metrik haben und welche nicht, aber das Thema interessiert sich, und ein paar wussten schon, dass man später irgendwann mal Aufsätze über Gedichte schreiben würde; der Gedanke faszinierte sie sichtlich ob dessen Unvorstellbarkeit. – Mittags kurzes Team-Treffen, danach noch ein paar Informatik-Reste in 11.

Donnerstag: Nathan-Analyse, close reading. Die Schulaufgabe (Prüfung) mit dem Thema Drama ist war erst im Mai, aber dazwischen liegen Austausch und Berlinfahrt und Ferien, deswegen muss das alles jetzt schon vorbereitet werden. Thema der Prüfung ist immer ein Ausschnitt aus einem unbekannten Drama, der Übungsaufsatz auch, aber geübt wird anhand des bekannten Nathan. Der fällt dieser Klasse leichter als sonst; sprachlich ist das nämlich kein leichtes Stück, aber dafür geht das dann im Jahr darauf mit dem Faust besser. Meine Lieblingsstelle: „Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt? – Zu sagen: – ausgenommen, was die Kirch‘ an Kindern tut.“ Deckt sich mit meinem Menschenbild. Danach weiter Lyrik.

Freitag: Konkretes Arbeiten an Fahrenheit 451. Ich hatte mir beim Lesen Arbeitsaufträge gesammelt, dazu Vorschläge von den SuS, Paare gebildet, die die Ergebnisse jeweils präsentieren müssen. Ein Schüler fragte, ob Guy Montags Entwicklung als Heldenreise gesehen werden könnte. Habe ich so noch nie gesehen, ist aber dann doch ein verfolgenswerter Gedanke; schauen wir uns an, was er am Montag erzählen wird. – Sicher sind nur wenige meiner Arbeitsaufträge originell, die meisten sind offensichtlich: Symbole im Roman, Parallelen zwischen konkreten Neben- und Hauptfiguren, das ist alles naheliegend. Und die Lösungen dafür gibt es zuhauf im Web. Das wird mit diesem Kurs kein Problem sein – aber grundsätzlich ist es schon möglich, die Antworten zu recherchieren und einfach abzuschreiben. Das bringt wenig; Ziel ist ja nicht, dass die SuS die Symbolik in Fahrenheit 451 kennen (obwohl das dann später im mündlichen Abitur vorausgesetzt werden wird), sondern dass sie Symbolik in einem Werk erkennen können. – Die meisten SuS haben Papierausgaben, nur ganz wenig Kindle ist im Gebrauch.

Kleiner Unterrichtsbesuch

Getsern war die Praktikantin da, unerwartet. Nicht meine Praktikantin, aber sie wollte sich dann auch eine Stunde von mir anschauen – die war dann etwas turbulenter als früher. Eine 6. Klasse, Deutsch. Der Teil der Klasse, der ein Smartphone mitgenommen hatte, machte Bilder vom Kamishibai (für den späteren Homepage-Eintrag), und ich zeigte den Schülern und Schülerinnen dann draußen, wie man am Smartphone Bilder beschneidet und mit Bluetooth austauscht.

Der andere, größere Teil kriegte eine Bastelanleitung für die Knalltüte (Blogeintrag) und musste den versprachlichen – Zielpublikum weider Homepage, und dort auch mit Bildern, aber die Anleitung sollte erst einmal auch ohne Bilder verständlich sein. Kein ganz realkistischer Fall, zugegeben. Danach mussten die von draußen die Knalltüte anhand der Aufsätze nachbauen. Weiter als bis Punkt 4 kam dabei aber niemand. (Nachtrag: In der Folgestunde präsentierte ich meine Musterlösung, und wir probierten sie an einer aus einer anderen Klasse entliehenen Schülerin aus. Was soll ich sagen: Mit meiner Lösung klappte das. Nicht ganz fair, weil ich aus den Fehlern meiner Klasse lernen konnte; aber es zeigt, dass eine funktionierende Lösung eben durchaus möglich ist.)

Heute ist Verabschiedung eines Kollegen, der sich auf eine Stelle am Kultusministerium beworben hatte und dafür auch genommen wurde. Ich hatte mich zeitgleich auf eine andere Stelle beworben, die mich sehr gereizt hatte, etwas mit der Umsetzung der Digitalisierung-Pläne für Schulen, aber das Ministerium hat sich für einen anderen Bewerber entschieden. Schade, aber die Stelle war auch für A13/A14 ausgeschrieben, und ich bin eh schon A15. Mir gefällt es an meiner Schule gut, dazu ein bisschen Uni, und Praktikumslehrer, aber wenn noch mal etwas Spannendes kommt, versuche ich das gerne – nur auf Schulleitung oder auch nur Mitarbeiter habe ich gar keine Lust. Also gibt es nicht viel Angebote für mich.

Ich muss mehr bloggen. Dass Eltern (mein Vater hat heute Geburtstag, noch lange soll es ihm gut gehen!) über ihre Kinder aus Blogs erfahren, ist ja schon leicht gruslig, aber meine Eltern kriegen Informationen eher über das Blog von Frau Rau als von hier, das ist extra gruslig und muss sich mal wieder ändern.

Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war

Ich schmettere derzeit jedem Kollegen, der über zuviel Vertretung oder fehlendes Wissen bei den Schülerinnen und Schülern klagt, ein frohes: „Schule muss mehr sein als Unterricht!“ entgegen. Meine Hoffnung, dass die Kollegen dabei einen Zusammenhang herstellen (oder mir wenigstens widersprechen), wurde bisher noch nicht durch eine eindeutige Reaktion als eine begründete bestätigt.

Das mit dem „mehr als Unterricht“ höre ich etwas zu oft im Moment.

***

Griechische Sagen: Kommen sehr gut bei der 6. Klasse an, aber die wollen wirklich sehr viel wissen, da reicht mein sehr solides Halbwissen nicht ganz aus. Hier meine Diagramme dazu:

theogonie1

theogonie2

Aber natürlich fehlt immer noch was: Was war mit der Mutter von Prometheus? — Mir kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler das als ein gewachsenes Flickwerk verstehen, dass nie unbedingt jemand an all das gleichzeitig geglaubt hat. Dass Aphrodite nicht die Tochter von Zeus ist, oder doch schon, auch, dass es jedenfalls mindestens zwei Mythen gibt, die sich widersprechen, und dass Aphrodite nach dem anderen Mythos aus dem Geschlechtsteil des Uranos stammt, als das ins Meer fiel, nachdem Kronos es abgeschnitten hatte.

Ich zeigte diesmal gleich am Anfang das Kamishibai, und die Schüler und Schülerinnen spielten mit meinem Bildern zum Urteil des Paris (ganz unten hier) gleich etwas, das fast schon ein bisschen Powerpoint-Karaoke ist, erzählten also die gerade gelesene und gesehene Geschichte unvorbereitet mit den Bildern nach. Ging gut.

***

The Importance of Being Earnest: Mit der Q11 gelesen. Oll, aber gut. Mit Psychologietests Persönlichkeitsprofile der Charaktere festgestellt und spätestens da festgestellt, dass die eigentlich alle eher keine netten Menschen sind. Danach kurz Inszenierungsmöglichkeiten verglichen – eigentlich wollte ich nur Ausschnitte aus dem Film von 2002 zeigen, aber der war dann so interessant, dass wir den ganz ansagen. Die Inszenierung erinnert mich sehr an die Jeeves-und-Wooster-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie, ist nur etwas besser. Firth ist solide, Rupert Everett vor allem in der ersten Hälfte brillant, Judi Dench ist Judi Dench, und Frances O’Connor als Gwendolyn ist sa-gen-haft mit hingehauchter Verführung. Hier eine Fassung von 1986 zum Vergleich, man achte auf das „That makes me so nervous“:

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Und hier 2002:

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(Später lässt sich Gwendolyn den Namen „Ernest“ auf ihren Po tätowieren.)

***

Früher waren vielleicht die Lehrer cool, die mit der Zigarette ins Klassenzimmer kamen, was schon zu meiner Schulzeit extrem selten vorkam, selber gehe ich wenigstens ab und zu mit der vollen Kaffeetasse in den Unterricht. (Essen und Trinken – außer Wasser – ist Schülern und Schülerinnen im Unterricht verboten.) Aber die Teetasse mit Teebeutel drin, die ich beim Kollegen sah, ist noch cooler.

***

Später dann mal in der Q11 die ersten paar Takte des Klassikers „Who’s on First“ (Youtube) gezeigt, dann ausgeteilt und eine Audioversion dazu hören lassen. Dass das ein immer noch sehr lebendiges amerikanisches Kulturgut ist, sieht man auch an der Fassung von Jimmy Fallon mit Billy Crystal und Jerry Seinfeld. Immerhin kennen ein paar Schüler Jimmy Fallon, die anderen, na ja, nicht mehr so.

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Danach probierten die Schülerinnen und Schüler den paarweisen Vortrag in Ausschnitten. Ein Klassenzimmer voller Leute, die gleichzeitig und durcheinander „Who’s on First“ üben, das ist schön.

Fleisch, Calliope, Eulenspiegel, Tempelritter

Calliope und Eightball

Calliope und Eightball

Über Calliope habe ich ja noch gar nicht geschrieben, glaube ich. Das ist schon seit einiger Zeit die letzte heißeste Sache in Schul-Microcomputern, und der Hype ist absolut gerechtfertigt. Ich habe ja in meinem Klassenzimmer eine magische Billiardkugel, die man umdrehen kann und die einem dann eine Orakelantwort auf eine Entscheidungsfrage gibt – Yes, No, Maybe, Not Sure und so weiter. Kleine und große Schüler greifen immer wieder mal zu dieser Kugel. Ich habe einfach eine Calliope danebengelegt, mit Batteriekästchen daran. Wenn man die Calliope schüttelt, piepst sie und gibt auf ihren 5×5 Leuchtdioden eine lesbare Laufschrift aus: Ja, Nein, Kaum, Sicher, Vielleicht. Frag Herrn Rau. Das interessiert die Schülerinnen und Schüler ebenso. Und bald verteile ich Calliopes an meine 6. Klasse zum Ausprobieren im Informatikunterricht.


Fleischteile in Plastik

Zum Geburtstag hatte ich Gutscheine für kaufnekuh.de gekriegt. Dort kauft man Anteile an einer Kuh, und wenn die Kuh ganz verkauft ist, wird sie geschlachtet und das Fleisch an die Käufer verteilt. Nach etwas Reifezeit kam heute die Kiste mit dem Fleisch an. Kommt ins Tiefkühlfach.


Meine 6. Klasse hatte sich beim Kinderkanal für die Quizshow „Deutschlands beste Klasse“ beworben und einen schönen Videofilm produziert. Gestern kam die Nachricht, dass wir leider nicht zu den gehören, die eingeladen werden – es gab aber auch 1100 Anmeldungen. Aber mit Film könnte man noch mal etwas machen.

Im Arbeitsheft ging es in einigen Aufgaben um Eulenspiegel, und sie wollten mehr von ihm erfahren. Also brachte ich ein paar Geschichten mit und las sie vor, brave und schulbekannte, aber auch die, die man sonst gerne mal nicht zeigt, darunter die, „wie Eulenspiegel einer Wirtin in das Bett schiss und ihr einredete, das habe ein Pfaffe getan.“ Sehr vergnüglich.


Im meiner zehnten Klasse muss jetzt jede Stunde von einem Schüler oder einer Schülerin eröffnet werden, mit Begrüßung und irgend etwas Interessantem zum Einstieg. Wir hatten schon Rätsel, Bilder, Witze, Wissenswertes – darunter neulich etwas zu Freitag dem 13., der deshalb als Unglückstag gilt, weil Jacques de Molay – der letzte Großmeister des Templerordens – an diesem Tag hingerichtet wurde. Das habe der Schüler aus verlässlicher Quelle. (Assassin’s Creed vielleicht?) Im Zusammenhang mit Aufklärung und Nathan war schon mal vorab ganz kurz von Templern und Illuminaten die Rede gewesen. Jedenfalls bot es sich an, gleich mal das Recherchieren und Beurteilen von Quellen zu üben. Diese Begründung für den Aberglauben kam mir sehr unwahrscheinlich vor, und Wikipedia, und die Links und Quellenangaben dort bestätigten das auch.

— Danach in Erörterung eingestiegen, aber das wird ein eigener Beitrag.


Elternsprechabend. Diesmal voll ausgebucht, anders als in den Jahren zuvor, aber wieder sehr angenehm und freundlich und interessant. Zumindest für mich gewinnbringend. Danach noch traditionell Imbiss mit dem Elternbeirat – von diesem üppig organisiert.