Euromyths, Offline-Kommunikationssystem, Bilder von oben, Schulmöbel (Schulwoche)

Sideboard

Für den Englischunterricht, Q11: Alle Schüler und Schülerinnen kriegen einen Buchstaben A-Z zugewiesen und suchen sich aus dieser Liste von Europa-Mythen aus der britischen Presse eines aus und präsentieren das den Mitschülern: http://blogs.ec.europa.eu/ECintheUK/euromyths-a-z-index/

Meine Favoriten: Erstens P wie „Pets, dead“: Haustiere müssen laut einer Europa-Regelung vor der Beerdigung in einem pressure cooker gekocht werden. (Stimmt nicht: Es gab vergleichbare Regelungen für BSE-Fälle.) Zweitens R wie „Recycling“: Laut einem EU-Gesetz müssen Frauen ihr gebrauchtes Sexspielzeug zum Recyclen abgeben bevor sie neues kaufen können. (Stimmt nicht. Aber man kann laut EU Elektrogeräte natürlich beim Verkäufer zur Entsorgung abgeben.) Stand alles so in englischen Zeitungen.

Mit der sechsten Klasse haben wir heute für ein Projekt Klassenaufnahmen von oben gemacht, ein Schüler hatte seinen Quadrocopter dabei, Handy drangemacht, trotz Wind gab es ordentliche Aunahmen. Leider haben wir es trotz Bluetooth noch nicht geschafft, die Filme auf einen anderen Rechner (also meinen) zu kriegen, das kommt dann noch.

Wir haben ja das Lehrerraumprinzip an meiner Schule. Schüler wandern, die Lehrer haben feste Klassenzimmer, jedenfalls die meisten – ich zum ersten Mal, da ich sonst viel im Computerraum bin. Nachdem es eine Weile gedauert hat, bis ich mein Sideboard hatte, arbeite ich noch an der Ausstattung. Hier habe ich schon mal Magic Eight-Ball und Kamishibai deponiert:

Sideboard

Das ist mein Offline-Whatsapp-Ersatz-Kommunikationssystem für die Unterstufe:

Drehregeal für Grußkarten

Hier habe ich wieder mal eine Unterstufe gefragt, diesmal am Anfang des Schuljahrs, wie gut sie den Computer schon beherrschen, und wie sehr sie das möchten. Ein o für die Mädchen x für die Jungs. Und ja, die Jungs trauen sich schon enorm viel zu, abe auch die Mädchen wollen größtenteils den Rechner beherrschen. Ich sehe das als Auftrag und bin gespannt auf die Haltungen am Schuljahresende:

Tafel

— Reste vom Wandertag der Lehrer, a.k.a. Personalausflug. Ja, wir waren unter anderem in einer Käserei:

Stuhl im Käselöcherdesign

Und das war der Wandertag mit den Schülern:

leeres Ortsausgangsschild

(Mir ist tatsächlich mein Mitteilungsbedürfnis abhanden bekommen, ich weiß auch nicht wie, sonst hätte ich das alles zwischendrin mal gepostet.)

Einfach nur Lehrer, und andere Umstellungen – erste Woche 2017/18

Die ersten dreieinhalb Schultage sind herum. Bei der Unterrichtsverteilung hat die Schulleitung ein paar mutige* Entscheidungen getroffen, aber ich bin mit meinen Klassen recht zufrieden – nur die 10. Informatik, die vermisse ich. An Informatik-Oberstufe habe ich nur eine 12 dieses Jahr.

Mein Stundenplan ist voll in Ordnung – die letzten Jahre war er immer ganz wunderbar: das ist er diesmal nicht, aber ich unterrichte auch so viele Stunden wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Das ist schon eine gewisse Umstellung. Ich bin kein Personalrat mehr, nicht mehr an die Uni teilabgeordnet; die ISB-Arbeitsgruppen von vor meiner Uni-Zeit sind auch ohne mich ausgekommen; die Fachbetreuer haben nach einer Umstellung weniger Respizienzarbeit und weniger Anrechnungsstunden; das Arbeitszeitkonto, von dem ich noch letztes Jahr zehrte, ist auch vollständig zurückbezahlt. (Da musste man mal fünf Jahre Mehrarbeit machen, um danach fünf Jahr lang weniger arbeiten zu müssen. Eine Schweinezyklus und G8-Sache.)

Kurz: Ich bin jetzt ein ganz normaler Lehrer mit nur wenigen Zusatzaufgaben, und einer Vorlesung nebenbei. Zum ersten Mal seit vielen Jahren unterrichte ich nicht nur Deutsch und Informatik, sondern auch wieder Englisch. Ich habe mich schon gefragt, ob ich da wieder reinkomme. Nach der ersten Doppelstunde: ist wie Radfahren, das geht gleich wieder. Aber den Lehrplan und die Abfolgemöglichkeiten im Semester, die kenne ich überhaupt noch nicht.

Neu ist auch, dass ich jetzt einen eigenen Klassenraum habe. Die Tische habe ich gleich mal so weit in U-Form gebracht, wie möglich, also ein wenig. Dekoriert und bepostert ist noch nichts, aber es fehlt auch noch die Möblierung – ich habe um eine Art Sideboard ersucht, wie es sie in anderen Räumen auch gibt, wo man Zeug hinein- und vor allem daraufstellen kann. Ein Gipskopf, unbedingt.

Wie jedes Jahr bin ich am Anfang voller Enthusiasmus: Diesmal kopiere ich nicht so viel, sondern nutze das Buch! Diesmal mache ich meine Noten rechtzeitig und eifrig! Diesmal gehe ich ganz strukturiert vor! Mal sehen, wieviel davon übrig bleibt.

Von meinen acht Klassengruppen habe ich schon die meisten gesehen, und freue mich sehr über sie. Wir haben wirklich freundliche und motivierte Schülerinnen und Schüler. Also, am Anfang, und was danach passiert, dafür bin ich ja auch mit verantwortlich.
Sitzpläne sind erstellt. Datenschutzrechtlich kläre ich meine Schüler auf, dass ich, wenn ich sie für den Sitzplan fotographiere (nicht einzeln, sondern einmal die linke Klassenraumhälfte, einmal die rechte), mich laut Datenschutzbeauftragtem in einer hellen Grauzone befinde. Das Foto mache ich trotzdem.

Und jetzt muss ich erst einmal viel Stunden vorbereiten. Das dauert bei mir am Anfang doppelt so lang wie später, wenn ich die Klasse und die Richtung kenne, in die ich mit ihr will.

*nicht wörtlich zu verstehen

Projekttage 2017

Filmvorführung

Zum Sinn und Unsinn dieser Projekttage habe ich einen anderen Blogeintrag angefangen, der aber noch nicht fertig ist. Vorab ein paar Bilder von den zwei Projekttagen in der letzten Schulwoche.

Die Tage waren eine Art Schwundstufe des Konzepts „Schule als Staat“, es gab eine eigene Währung, daher musste man erst in der Bank Euro in Schulgeld umtauschen:

Bank zum Umtausch

Dafür konnte man dann vor allem essen, hier werden Döner zubereitet:

Dönerzubereitung

Allerdings gab es auch Kultur. Einer der Höhepunkte war für mich das Kino einer 7. Klasse, mit vier selbst gedrehten Kurzfilmen, abwechselnd im Programm:

Filmvorführung

Mehrfach gab es Quizshows, jeweils eine Schülerin oder ein Schüler gegen Lehrer oder Lehrerin, vor Publikum. Ich schlug mich mäßig, woher soll ich denn wissen, wo die Donau überall fließt. Immerhin konnte ich eine Sportfrage beantworten. Fies waren die Fragen zur Schule, weil sich die Veranstalter die Schilder durchgelesen hatten (Höchstbelegungszahl für die Aula), und wer tut das schon?

Quizshow

Die verschiedenen Unternehmen durften nicht selber Werbung platzieren, sondern mussten sich an die Werbeagentur wenden:

Reklame von Werbeagentur

Bei Streifällen gab es ein Gericht, und Anwälte dann eben auch:

Reklameschild für Anwälte

Eine Klasse verkaufte und verteilte Rosen-Botschaften, mit Briefchen und Süßigkeit:

Rosenverkauf

Eine andere Gruppe machte sich die Essensprojekte zunutze, indem sie einen Lieferservice anbot, der vor allem von den Lehrern im Lehrerzimmer genutzt wurde:

Reklame LieferRasso

Auch für die Müllentsorgung gab es Spezialisten:

Hinweisschild Müllentsorger

Während all dessen fand die Latinumsprüfung für externe Kandidaten statt. So einer war ich auch mal, im Studium als ich für Englisch oder Deutsch oder beides das Latinum nachholen musste. Die Prüfer, hört man, freuten sich über vorbereitete und motivierte Teilnehmer:

Hinweisschild Latinumsprüfung

In der Lehrer-Lounge hatte ich mir während einer Nackenmassage die Nägel machen lassen:

Herr Rau mit lackierten Nägeln

Fazit: Schöne Projekte im Rahmen dessen, was so üblich und am Schuljahresende machbar ist. Natürlich keine Projektarbeit im ursprünglichen Sinn. Vor allem die Unterstufe strengte sich sehr an; die oberen Jahrgangsstufen waren als Organisationassistenten oder Gerichtsbarkeit eingeteilt. Insgesamt hat mir vor allem das gefallen, was Dienstleistung war (auch: Autoreinigung, Fahrradreinigung), über das Essen habe ich mich gefreut, und ein wenig davon braucht es auch, aber nicht zu viel.

Bunter Tag Hilfsausdruck

Ein großer Stapel Rechnerkram

Erst eine zusätzliche Stunde in der siebten Klasse, Informatik, letzte Stunde. Zum Abschluss der Algorithmik setzte ich einen Großteil der Schülerinnen und Schüler vor Lightbot.. Das sanfte Gedudel der Hintergrundmusik vom Lehrerrechner erzeugte eine angenehme Atmosphäre.

Ein paar Schüler setzte ich vor meinen Surface-Minilaptop, damit die dort Human Resource Machine spielten:

Screenshot des Spiels

Das ist ein Spiel um ein kleines Männchen in einer großen Firma, das dort von einem Laufband Zeichen entgegennimmt, verarbeitet und das Ergebnis auf ein Ausgabeband legt. Die Befehle zum Steuern des Männchens erinnern sehr an Assembler-Befehle, mit denen ein Prozessor programmiert wird, und das Männchen selber ist eigentlich auch nur der Akkumulator, ein spezielles Register in einem Prozessor, also eine Stelle, wo sich der Computer etwas merkt, und zu der er etwas hinzuzählen kann, und so weiter. Ein schönes kleines Spiel.

Die Schüler spielten sich souverän durch die Level, nutzten sofort den Touchscreen (also ich nehme immer noch das Touchpad, aber ich bin auch alt). Wenn die Rückmeldung kam, dass der Level zwar gelöst sei, aber noch nicht in optimaler Laufzeit, ließ das die Schüler kalt – „Hauptsache es funktioniert“. Das mit der Optimierung kommt vielleicht später mal. Ich weiß nicht, wie ich in dem Alter war, heute muss ich erst einen Level perfektionieren, bevor ich zum nächsten gehe.

— Für die nächste Doppelstunde kam eine Praktikantin von der Uni, im Zusammenhang mit dem Seminar einer Kollegin, die dann auch für mich in der Stunde war. Kaffeepause. Dann Unterricht, und statt Mittagspause eine allerletzte mündliche Abiturprüfung. (Ja, wegen Erkrankung und Nachtermin und so kann sich das alles ganz schön nach hinten verschieben.)

— Und danach Klassenkonferenzen, in denen die Lehrer einer Klasse über die Zeugnisnoten abstimmen und Vorschläge für die Gesamt-Lehrerkonferenz vorzubereiten, was Vorrückungserlaubnis und so weiter betrifft.

— Ja, und danach fuhr ich noch zu Intel, wo ein paar Schüler eine Führung durch das Rechnerzentrum in München organisiert hatten, so richtig mit Serverschränken und Routern und Kabeln und viel, viel mehr Hardware, als ich je verstehen werde. Auf dem Campus traf ich zufällig einen meiner Brüder, der bei der Konkurrenz arbeitet. Aber hauptsächlich waren wir dort, um für die Schule eine Hardwarespende an ausgedientem Rechnermaterial abzuholen — letztlich war ich deshalb mit dabei, weil eine Schul-Unterschrift nötig war.

Ein großer Stapel Rechnerkram

Das war jetzt erst einmal doch eine Menge Hardware – eingerichtet wird damit ein, uh, „kleines Netzwerk“ in einem Rechner-Versuchslabor, das hat also nichts mit dem regulären Computerraum. Aerb wir haben einen Werk- und Bastelraum an der Schule, auch mit 3-D-Drucker, und der soll jetzt zum Computerbastelen dienen, und mal sehen, wie es dann weitergeht.

Nachtrag – so sieht der Werk- und Bastelraum übrigens aus:

Werkraum an Schule

Wilde Woche, weiterhin (und Thomas Pynchon, Lot 49)

Bogenschützen beim Schießen

Montag

Nachmittags Fachsitzung Englisch, Informationen zum LehrplanPLUS. Fazit: Für Englisch keine Änderungen, das Fach war eh schon kompetenzorientiert. Es gilt weiterhin der SBR (spezielle bayerische Referenzrahmen für Sprachen), der an den GER (gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen) angelehnt ist, aber zusätzliche Stufen kennt – hier der Blogeintrag zur Faustregel, anhand derer man sich merken kann, in welchen Jahrgangsstufen A1, A1+, A2, A2+ und so weiter erreicht sein sollen.

Englischunterricht scheint mir inzwischen weitgehend reduziert zu sein auf ein: Englisch verstehen und sprechen und lesen können. Vielleicht ist das auch okay. In meiner Studienzeit wurde in der Fachdidaktik thematisiert, warum am Gymnasium der Englischunterricht traditionell mehr war als ein einfacher Sprachkurs – ob das Standesdünkel war oder Bildungsanspruch, ist eine andere Frage. Deswegen Shakespeare, Elisabethanisches Weltbild, beides noch drin im Lehrplan, ja. Aber die Zeiten, als ich im Leistungskurs Zeit für den Great Vowel Shift hatte, sind vorbei.

Dienstag

Den ganzen Tag in Feucht bei Nürnberg gewesen als Begleiter unseres Schulteams zu den Bayerischen Schulmeisterschaften im Bogenschießen, so wie letztes Jahr.

Bogenschützen beim Schießen

Wunderschönes Wetter. Ansonsten siehe letztes Jahr.

Mittwoch

Nach dem Unterricht Treffen einer der Schulentwicklungsgruppen, mal sehen, ob dieses Schuljahr noch etwas geht, ansonsten nächstes Jahr. Danach wie jeden Mittwoch die Vorlesung Informatik; leider fährt die Straßenbahn zur Zeit nicht von meinem Wohnort aus durch, so dass ich doch lieber die – schnellere – U-Bahn/Bus-Kombination nehme. Mir entgehen dabei halt die vielen Pokestops, die ich sonst bei der gemächlichen Straßenbahnfahrt mitnehmen kann. Thema der Vorlesung diesmal. Informatik udn Gender.

Donnerstag

Titelbild Thomas Pynchon: The Crying of Lot 49Abends Treffen der Leserunde bei Frau Rau und mir. Es gab kalten Wurst- und ebensolchen Zucchinisalat, beides ausgesprochen lecker, dazu Käseplatte. Das Buch, das wir diesmal gelesen hatten, war The Crying of Lot 49 von Thomas Pynchon. Leider war ich der einzige, der viel über das Buch reden wollte. Ich hatte es schon vor fünfundzwanzig Jahren im Regal stehen, zusammen mit Gravity’s Rainbow, und war bei beiden Büchern nie weit gekommen.

The Crying of Lot 49 erschien 1965 und ist ein waschechter postmoderner Roman; ich hatte nicht gewusst, dass das schon so früh losging mit der Postmoderne. The Shaodw wird zitiert auf den ersten Seiten, Perry Mason, Fu Manchu, Bonanza, „Road Runner in blank verse“ heißt es zu irgendeinem Thema, und das ist ja die Postmoderne. Stilistisch und sprachlich konnte ich dem Buch wenig abgewinnen, ausgenommen vielleicht das eingebaute und großzügig zitierte (fiktive) elisabethanische Drama, alles in Blankvers. Inhaltlich ist das Buch schon eher mein Ding: Paranoia, Geheimgesellschaften, Weltverschwörungen; die Welt bricht um die – allerdings gar nicht so bürgerliche – Hauptperson zusammen. Das Buch ähnelt darin dem zuvor gelesenen Philip K. Dick, Time Out of Joint. Und das wiederum hatte Gemeinsamkeiten mit Gravity’s Rainbow, aber die sah vielleicht nur ich. Geschichte und Fiktion werden gemischt, reale Geheimgesellschaften treffen sich mit erfundenen. Und das ist interessant einmal wegen der vielen Verschwörungstheorien der letzten sechzehn Jahre – Kondensstreifen und Identitäre Bewegung und all die ganzen Spinner. Hintergrund des Pynchon-Buchs ist die Kommunistenhatz der 1950er Jahre, die von der Regierung angeordnete Fluoridisierung des Trinkwassers, die schon in Dr. Strangelove als Anlass für Verschwörungstheorien herhalten muss. Eine Auswirkung all dessen, vielleicht von Pynchon beeinflussst, vielleicht nicht, aber auffallend ähnlich, ist die berühmte Illuminatus!-Trilogie von Robert Shea und Robert Anton Wilson, 1975 erschienen. Ähnlich wie Pynchon, aber deutlicher, ist das eine Parodie auf all das.

Verwandte Blogeinträge dazu:

– Als ich bei Twitter etwas über Pynchon twitterte, wurde das gleich von einem Pynchon-Kanal geliked, der das Stichwort wohl abonniert hatte. Über den Kanal stieß ich zu einem Alternative Reality Game zu The Crying of Lot 49, das zur Zeit in Shoreham bei Brighton, meiner englischen Urlaubsgegend, gespielt wird.

Freitag

Seit 2009 bin ich regelmäßig Anfang Juli am Tag der Informatiklehrer und -lehrerinnen an der LMU München. Fünf Jahre lang als Mitorganisator, dieses Jahr nur mehr als Workshopleiter – ich stellte mein Storyworld-Projekt vor (Blogeintrag dazu).

Der Eröffnungsvortrag war von irgendwem über Calliope, einen gerade viel diskutierten Mikrocontroller, entwickelt für die Grundschule. Der „irgendwer“ als Vortragender erzählte dann von seiner kleinen Tochter, einem großen Merkel-Fan, und da dachte ich mir: das kennst du doch irgendwer. Kurze Recherche bei Twitter: der Vortragende war niemand anderes als der Herr Holadiho, mir seit vielen Jahren über Blog und Twitter ein Begriff. Aber wer merkt sich denn schon, dass die Leute echte Namen haben, in diesem Fall „Stephan Noller“? Über Frau Rau, auf Twitter und in Blogs aktiver als ich, kriegte ich immer wieder mal etwas von @holadiho mit. Die Anekdote mit der Tochter, die Merkel so schätzt, war allerdings eine Fehlerinnerung: Eine andere Blog-/Twitter-/Re:publica-Bekannte von Frau Rau war es, deren kleiner Sohn so ein großer Merkel-Fan ist.

Calliope: Sah übrigens sehr, sehr fein aus.

Jetzt Feierabend. Am Wochenende Korrekturen.

Konzentriertes Arbeiten im Klassenzimmer

In einer Klasse musste ich neulich Aufsicht führen für eine Lehrkraft, die absehbar verhindert war und deshalb einen Arbeitsauftrag in Form eines umfangreichen Arbeitsblattes hinterlassen hatte. Theoretisch ist es so, dass man in solchen Fällen Aufträge hinterlassen soll; tatsächlich funktioniert das nur so mittel – die Kollegen, mich eingeschlossen, sind da nicht diszipliniert genug, und nicht alle Schülerinnen und Schüler sind es gewohnt, allein zu arbeiten.

Diese Klasse war es jedenfalls nicht gewohnt.

Also habe ich – erst einmal mit einer anderen Klasse, aus organisatorischen Gründen – etwas ausprobiert: Jede Schülerin, jeder Schüler musste sich etwas mitnehmen, um sich vierzig Minuten lang zu beschäftigen. Weitere Regeln: Kein Musikhören, Videoschauen, Computerspielen; kein Basteln, kein Stricken, keine Kreuzwort-, Sudoku- oder Logikrätsel. Keine Mandalas ausmalen. Vokabeln lernen: Ja. Hausaufgaben: Auch möglich. Möglich: Zeitschriften, Zeitungen, Bücher lesen. Verboten: Mit Nachbarn kommunizieren.

Zwei Schüler hatten Laptops dabei (Unterrichtsstunde vorbereiten, Programmieren), zwei Handys (jeweils mit Buch zum Lesen). Die meisten anderen hatten Bücher (Romane). Zwei oder drei lernten Vokabeln/aus einem Schulbuch; einer las Zeitschriften (zwei andere waren bald von Zeitschriften zu Romanen gewechselt). Alle beschäftigten sich vierzig Minuten allein, wortlos. Als dann die Glocke läutete und ich die regelmäßige kurze Pause ankündigte (Toilettengang, Beine vertreten), fühlte ich mich, als müsste ich alle erst behutsam in die Schulwelt zurückholen, wie nach einer Meditationsrunde. Ich redete auch ganz leise. Die Schülerinnen und Schüler blieben ebenfalls ganz leise, egal ob sie aufstanden oder weiterlasen; danach sprachen wir kurz über die Erfahrung. (Tenor: Viel konzentrierter als in einer normalen Stunden; nur zwei waren ermüdet.) Auf Wunsch der Klasse wurde der Rest der Doppelstunde dann weiter so gemacht, nachdem ich meine Pläne für die nächste Woche vorgestellt hatte. Leider störte Musik von draußen am Ende etwas, jedenfalls mich.

Fazit: Zumindest diese Klasse kann 40 Minuten konzentriert arbeiten, wenn die Arbeit Lesen ist, und wenn sie sich die Arbeit selber aussuchen können.

Die Eskalationsstufe nächste Woche, in Absprache mit der Klasse: Wieder 40 Minuten konzentrierte intellektuelle Einzelarbeit; diesmal muss es aber fachbezogen sein – Englisch, Physik, Deutsch. Es muss aber kein Schulbuch sein. Ein englischer Roman, ein populäres Physikbuch reicht.

Die Woche danach, wenn das bunte Schuljahresendtreiben das noch zulässt: Es muss etwas mit dem Fach Deutsch zu tun haben. Reines Romanelesen zählt nicht, es muss irgendetwas Schriftliches entstehen. Aber wieder selbstgewählt.

Und wenn die Schülerinnen und Schüler das auch können, dann werden wir mal schauen, wie das mit Aufgaben geht, die nicht selbstgewählt sind.

Es gibt eine Unterstufenklasse, die ich einmal pro Woche mucksmäuschenstill arbeiten sehe, wenn ich mit dem Treppensteigen den Schultag beginne; die Klassenzimmertüre ist dabei immer offen. Geht also auch da.

Für Jan-Martin Klinge mit seinen Lerntheken sind so etwas alte Hüte. Und auch von der Grundschule höre ich häufig, wie selbstständig die Schüler dort sind, aber das halte ich nicht für einfach übertragbar.

Wege zur Hochschulreife, Prüfungsanforderungen I-II-III

Stichwörter: Abitur, externe Bewerber, Begabtenabitur, Einheitliche Prüfungsanforderungen Abitur, mündliche Prüfungen

In Bayern gibt es viele Wege zur Hochschule. Die allgemeine Hochschulreife kriegt man mit dem Abschluss des Gymnasiums oder der Beruflichen Oberschule; die fachgebundene mit der Fachoberschule. Einen allgemeinen Hochschulzugang erhält man – nach einem Beratungsgespräch – auch als Handwerksmeister oder Absolvent einer Fachakademie oder Fachschule. Einen fachgebundenen Hochschulzugang gewährt eine Hochschule auch jemandem mit Berufsausbildung und Berufspraxis, nach einem Beratungsgespräch und einem bestandenen Prüfungsverfahren, das in der Hand der Hochschule liegt (Link zu KuMi).

Man kann die allgemeine Hochschulreife auch über das Begabtenabitur erreichen: Dazu braucht man eine abgeschlossene Berufsausbildung und im Anschluss daran eine mindestens fünfjährige Berufstätigkeit, außerdem muss man mindestens 25 Jahre alt sein. Das machen nicht viele, glaube ich – gedacht ist was für Menschen, die besonders begabt sind, aber halt durch die Schullaufbahnentscheidungen kein Abitur erworben haben. (Details hier beim Kultusministerium.) Das Begabtenabitur wird im Kultusministerium abgelegt, es gibt drei schriftliche Prüfungen (Deutsch; Mathematik oder Fremdsprache; wissenschaftliches Fachgebiet) und vier mündliche (noch einmal das wissenschaftliche Fachgebiet; Mathematik oder Fremdsprache, je nach Wahl der schriftlichen Prüfung; Geschichte; ein gesellschaftswissenschaftliches oder ein naturwissenschaftliches Fach). Die schriftlichen Prüfungen sind 5 Stunden (wissenschaftliches Gebiet, Deutsch) oder 3 Stunden lang (Fremdsprache), die mündlichen jeweils 30 Minuten. Ich habe leider nicht herausgefunden, was alles als „wissenschaftliches Fachgebiet“ zählt, also ob damit auch Geisteswissenschaften gemeint sind, oder ob sich das mit Bio/Physik/Chemie doppeln darf – das wären ja dann drei Prüfungen zu einem Gebiet, das kann ich mir nicht vorstellen.

Ich weiß von dieser Begabtenprüfungen, weil ich während meiner Unizeit daran beteiligt war, im Rahmen des gewählten Fachgebiets Informatik. Die schriftliche Prüfung dazu entspricht „Leistungskursniveau“ – die Regelungen dazu stammen aus Zeiten, als es noch Leistungskurse gab, und die Prüfung dauert ja auch 5 Stunden statt 3 wie im Informatikabitur am Gymnasium. Na ja, nimmt man halt noch die Datenbanken dazu. Tatsächlich unterscheiden die von der Kultusministekonferenz beschlossenen Einheitlichen Prüfungsanforderungen auch für das Fach Informatik (1989/2004) zwischen Grund- und Leistungskursniveau:

[Der Schwerpunkt ist bei] den Grundkursen die Vermittlung einer wissenschaftspropädeutisch orientierten Grundbildung, den Leistungskursen die systematische, vertiefte und reflektierte wissenschaftspropädeutische Arbeit. […]

Grundkurse führen in grundlegende Sachverhalte, Probleme, Zusammenhänge, Strukturen und Fragestellungen des Faches ein. In ihnen werden wesentliche Arbeitsmethoden und grundlegenden Zusammenhänge erarbeitet. Schülerinnen und Schüler können wesentliche informatische Arbeitsmethoden nutzen und fachübergreifende bzw. fächerverbindende Zusammenhänge exemplarisch erkennen.

Leistungskurse befassen sich methodisch ausgewiesener und systematischer als die Grundkurse mit wesentlichen, die Breite, die Komplexität und den Aspektreichtum des Faches Informatik verdeutlichenden Inhalten, Theorien und Modellen. Sie orientieren sich stärker an der Systematik der Fachwissenschaft, sind auf sichere und selbstständige Anwendung informatischer Methoden und ihre Übertragung und theoretische Reflektion gerichtet. Die Schülerinnen und Schüler lernen im Leistungskursfach fachübergreifende bzw. fächerverbindende
Zusammenhänge zu erkennen.

An der Uni hielten wir – vor allem mein Kollege – Kontakt zu den Kandidaten für die Informatik-Prüfungen und haben sie beraten.

— Häufiger als die Begabtenprüfung dürfte die Teilnahme als Andere Bewerberinnen und Bewerber an Gymnasien sein, obwohl ich keinerlei Zahlen darüber habe. Es braucht keine besonderen Bedingungen, um als externer Bewerber das Abitur abzulegen – im Referendariat habe ich gelernt, dass man nicht automatisch das Recht dazu hat, sondern glaubhaft machen muss, dass man sich ernsthaft vorbereitet hat. Das gilt wohl nicht mehr. (Immer noch gilt, dass man so oder so maximal zwei Versuche hat, das Abitur abzulegen.)

Als anderer Bewerber hat man acht Prüfungen, vier schriftliche und vier mündliche. Die schriftlichen sind die drei regulären schriftlichen Abiturprüfen, also Deutsch, Mathematik und ein weiteres Fach; dazu kommt eine von der Schule erstellte Prüfung. Die mündlichen sind dann die restlichen Fächer – insgesamt müssen Deutsch, Mathematik, zwei Fremdsprachen, Geschichte, eine Naturwissenschaft dabei sein, und ein paar Details beachtet werden (KuMi-Seite dazu). Die mündlichen Prüfungen dauern 30 Minuten, der Inhalt sind Grundkenntnisse und – schau an, das wusste ich nicht – nur die letzten beiden Kurshalbjahre.

Ich hatte bisher nie mündliche Prüfungen bei anderen Bewerbern, nur schriftliche – und mündliche Zusatzprüfungen. Die sind etwas ganz Besonderes; es gibt sie auch für reguläre Abiturteilnehmer: Man kann in den schriftlichen Fächern eine mündliche Zusatzprüfung machen, 20 Minuten, mit 20 Minuten Vorbereitung, die dann mit den vorliegenden schriftlichen Noten „im Verhältnis 2:1 gewertet“ wird. Der Stoff ist identisch zu den bereits abgelegten schriftlichen Prüfungen, allerdings kann man ein Semester ausschließen und ein Schwerpunktsemester wählen.

Die Rolle dieser Prüfungen ist in manchen Kreisen… umstritten. Man kann an ihnen teilnehmen in der Hoffnung, die Abiturgesamtnote in der Nachkommastelle etwas zu erhöhen. Das sind die wenigsten. Die meisten müssen an den Prüfungen teilnehmen, weil sie sonst nicht auf die Mindestpunktzahl im Abitur kommen. Gedacht war das vermutlich als Notlösung, aber inzwischen scheint das von vielen Schülerinnen und Schülern von vornherein einkalkuiert zu werden – deshalb auch das große Drunterunddrüber bei dem diesjährigen Abiturtermin: Die Korrekturzeit für die Lehrer wurde plötzlich verkürzt, damit die Ergebnisse vor den Pfingstferien bekannt gegeben werden können, damit die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit haben, sich auf die eventuellen Zusatzprüfungen nach den Ferien vorzubereiten. Wir erinnern uns, das ist der gleiche Stoff wie bei der bisherigen Prüfung. Auslöser dieser kurzfristigen Änderung war laut Kultusministerium nicht die von Schülerinnen und Schülern vorbereitete Petition zur Vorverlegung des Termins.

An meiner Schule gibt es wohl weniger mündliche Zusatzprüfungen als an anderen, offizielle Zahlen dazu kenne ich keine. (Dabei wäre das mal interessant.) Trotzdem sind das jedes Jahr einige zusätzliche Nachmittage. Das mit dem G8 eingeführte Prinzip, in der Oberstufe die – traditionell immer besseren – mündlichen Leistung gleich zu gewichten wie die schriftlichen, führt dazu, dass es bei den rein schriftlichen Abiturprüfungen enttäuschende Ergebnisse gibt, die durch die Zusatzprüfungen nie ganz ausgeglichen werden können.

— Zurück zu den anderen Bewerbern: Ich weiß nicht, wie diese sich auf die Prüfungen vorbereiten. Zum Teil gibt es wohl Institute dafür, aber ich weiß nicht, in welchem Umfang diese besucht werden. Ich habe mal nach Online-Aussagen zu den Prüfungen gesucht und in diesem Foren-Thread gefunden:

Das Gymnasium, an dem ich die Prüfungen geschrieben habe, meinte, dass zuletzt vor einigen [Jahren?] der letzte bestanden hätte. Auch die Durchfallquote sei hoch. Jedoch kann ich dir Entwarnung geben. So schwer ist es auch wieder nicht, wenn man weiß was man tut.

Der Autor oder die Autorin des Beitrags klingt insgesamt recht vernünftig, schreibt aber auch:

Ich habe ungefähr 2 Wochen vor Prüfungsbeginn mit dem Lernen begonnen(Mathe ungefähr 3 Wochen davor). Die mündlichen Fächer sind ziemlich billig.

Ich vermute mal, dass es sich dabei um eine große, große, große Ausnahme handelt. Ich zitiere: „Auch die Durchfallquote sei hoch.“ Offizielle Zahlen dazu kenne ich keine, und aus meiner Schule darf ich nicht berichten, aber das kann schon stimmen. Ich weiß nicht, wie die anderen Bewerber und Bewerberinnen sich tatsächlich vorbereiten; nicht alle scheinen zu wissen, was sie erwartet; Kontakt zwischen Instituten und der Schule gibt es wenig. Ich habe gehört, die Zahl der anderen Bewerber steigt jedes Jahr, auch hier wüsste ich gerne offizielle Zahlen.

Exkurs: Einheitliche Prüfungsanforderungen, Bildungsstandards, Anforderungsbereiche

Es gibt von der Kultuministerkonferenz beschlossene Einheitliche Prüfungsanforderungen für das Abitur mit ursprünglich fachspezifisch unterschiedlichen Anforderungsbereichen.

In Informatik entspricht EPA I in etwa reiner Reproduktion: die Wiedergabe von Bekanntem; auch die Verwendung geübter Techniken in einem wiederholenden Zusammenhang. EPA II entspricht spezifischem Transfer: die selbstständige Übertragung von Gelerntem auf vergleichbare neue Situationen. EPA III entspricht für mich dem nichtspezifischen Transfer: die bewusste und selbstständige Auswahl und Anpassung geeigneter gelernter Methoden und Verfahren in neuartigen Situationen. Im schriftlichen Abitur sollen ein Großteil der Aufgaben EPA II sein, daneben auch EPA I und III (wobei ersteres überwiegt). Für mündliche Prüfungen habe ich nur gefunden, dass „unter Beachtung der Anforderungsbereiche“ grundsätzlich jede Note erreichbar sein muss.

Für einige Fächer, darunter Deutsch, Englisch und Mathematik, gibt es seit 2012 Bildungsstandards für die allgemeine Hochschulreife, die die älteren Einheitlichen Prüfungsanforderungen von 2002 ablösen. Dort sind für alle Fächer die Anforderungsbereiche so definiert:

Anforderungsbereich I umfasst das Wiedergeben von Sachverhalten und Kenntnissen im gelernten Zusammenhang, die Verständnissicherung sowie das Anwenden und Beschreiben geübter Arbeitstechniken und Verfahren.

Anforderungsbereich II umfasst das selbstständige Auswählen, Anordnen, Verarbeiten, Erklären und Darstellen bekannter Sachverhalte unter vorgegebenen Gesichtspunkten in einem durch Übung bekannten Zusammenhang und das selbstständige Übertragen und Anwenden des Gelernten auf vergleichbare neue Zusammenhänge und Sachverhalte.

Anforderungsbereich III umfasst das Verarbeiten komplexer Sachverhalte mit dem Ziel, zu selbstständigen Lösungen, Gestaltungen oder Deutungen, Folgerungen, Verallgemeinerungen, Begründungen und Wertungen zu gelangen. Dabei wählen die Schülerinnen und Schüler selbstständig geeignete Arbeitstechniken und Verfahren zur Bewältigung der Aufgabe, wenden sie auf eine neue Problemstellung an und reflektieren das eigene Vorgehen.

Bei Abiturprüfungen ist der Schwerpunkt II, daneben I und III (bei Grund- und Leistungskursniveau unterschiedlich gewichtet). Was genau bei Deutsch und Englisch welchem Anforderungsbereich entspricht, ist in den Bildungsstandards nicht wirklich erklärt; eine Operatorenliste wird bewusst vermieden (was ich auch für sinnvoll halte), es gibt allerdings viele Beispielaufgaben mit Erklärungen, welchem Anforderungsbereich sie zuzuordnen sind. In den Lösungshinweisen zum bayerischen Abitur taucht weder bei Informatik noch Englisch das Wort „Anforderungsbereich“ auf, lediglich bei Deutsch steht ohne weitere Details etwas wie: „Beide Teilaufgaben erfordern vornehmlich Fähigkeiten aus den Anforderungsbereichen II und III.“ Zusätzlich gibt es bei Deutsch ausführliche Beschreibungen für gute und ausreichende Leistungen; in den anderen Fächern gibt es das nicht, da in diesen ja einfach Punkte zusammengezählt werden.

In meinen Informatikklausuren notiere ich mir seit kurzer Zeit übrigens, welche Aufgaben EPA I, II und III sind, und bemühe mich, das Verhältnis dabei wie beim Abitur zu haben.

Alltagsbekenntnisse

Heute habe ich mit meiner 9. Klasse ausgemacht, dass sie in der nächsten Stunde in 7 Tagen das Thema für den Übungsaufsatz kriegen, damit sie den in 14 Tagen abgeben können (in einer Woche, in der sie nicht da sind, sondern in einem Betriebspraktikum), damit sie den in 19 Tagen zurückkriegen können (dann sehe ich sie das übernächste Mal), damit sie in 26 Tagen die Schulaufgabe (=angekündigte, größere schriftliche Prüfung; hier: Aufsatz) dazu schreiben können.

So ähnlich läuft das in allen Klassen. In einem Kernfach wie Deutsch muss ich einfach sehr vorausschauend arbeiten, in Nicht-Kernfächern muss ich eine Stegreifaufgabe (=unangekündigte Prüfung über die letzten zwei Stunden) dann schreiben, wenn sich eine Lücke bietet – ob das gerade didaktisch sinnvoll ist oder nicht, spielt dabei eine sehr untergeordnete Rolle.

Der Richter und sein Henker, und heldenhafte Lehrer (Alpha Alpha)

Ich habe zum Halbjahr zwei Informatikklassen mit zusammen 4 Stunden abgegeben und eine Klasse in Deutsch neu erhalten, mit vier Stunden. Das kommt öfter vor: Zum Halbjahr gehen immer einer paar Referendare und Referendarinnen, andere werden der Schule neu zugewiesen, und deren Fächerkombinationen sind selten genau die gleichen, so dass sie nicht einfach die Klassen der Vorgänger übernehmen können. Also gibt es Tausche und Ringtausche, und mit meiner Deutsch-Informatik-Englisch-Kombination bin ich da eine geeignete Tauschstelle, ein sehr kurzer Weg zwischen Sprachen und den exakteren Wissenschaften.

Das Arbeiten mit der neuen Klasse macht Vergnügen. Eine Schülerin liest gerade sogar Stalky & Co. Tiralala-itu! Dass es so etwas noch gibt!

Wir lesen Der Richter und sein Henker, von der Referendarin ererbt. Ich glaube, ich habe das Buch 1998 in meinem ersten halben Jahr als Lehrer als Schullektüre eingesetzt und in guter Erinnerung; allerdings weiß ich auch, dass es mich als Schüler überhaupt nicht interessiert hatte. (Denn ich arbeite immer noch mit der Ausgabe, die ich 1982 als Lektüre erwarb; damals ein deutlichg jüngeres Buch als heute; Seitenzahl identisch, aber die – aus der Seitenzählung herausgenommene – zweiseitige Reklame für Pfandbriefe und Kommunalobligationen gibt es heute nicht mehr.)

Anzahl der Frauen im Buch: 3, davon 2 mit Namen. Keine ist wichtig, zwei sind dezidierte Anhängel von Männern, eine davon wird als Besitz quasi weitervererbt, wenn auch ganz höflich: „Werden Sie mir […] das gleiche wie Ihrem verstorbenen Bräutigam sein?“
Der ermittelnde Polizist verrät seine dem Leser verborgenen Informationen über den Täter nicht etwa dadurch, dass er diesen als „Mann“ deklariert. An eine Frau in so aktiver Rolle denkt man im Rahmen dieser Männergeschichte gar nicht.
In der Parallelklasse lese ich „Schachnovelle“, eine Schülerwahl. Anzahl der Frauen: 1, ohne Namen, eine beiläufig erwähnte Krankenschwester, wenn ich mich richtig erinnere. Darauf sollte man Schülerinnen und Schüler immer wieder mal hinweisen, bis es ihnen vielleicht selbst einmal auffällt.

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Bin ich der einzige, der bei Der Richter und sein Henker von Friedrich Dürrenmatt an The Maltese Falcon von Dashiell Hammett denken muss? Ich sehe da Parallelen. Der übermächtige Gegenspieler des Ermittlers begegnet dem Leser in dem einen Buch zuerst als mysteriöse Initiale G, von der man nicht weiß, wer sich dahinter verbirgt. Im anderen Buch erscheint der mächtigste Gegenspieler des Ermittlers dem Leser zuerst als ein von einem anderen Schurken in die Luft gezeichnetes G – das Kapitel heißt sogar „G in the Air“. Bei Dürrenmatt steckt dahinter „Gastmann“, bei Hammett „Gutman“ – gespielt von Sydney Greenstreet in der bekanntesten Falcon-Verfilmung, und auch wenn wir über Gastmanns äußere Erscheinung nicht mehr erfahren als dass er „bäuerlich“ wirkt, was alles und nichts heißen kann, habe ich mir immer Sydney Greenstreet in dieser Rolle vorgestellt.

In beiden Romanen geht es um eine jahrzehnte dauernde Jagd, nach Gastmann im einen, nach dem Falken im anderen. Beide Romane haben eine philosophische Note: Das Gespräch von Gastmann und Bärlach in Istanbul; die Anekdote, die Sam Spade von Charles Pierce erzählt. Istanbul ist der Ausgangspunkt der Fehde Bärlach-Gastmann, und Konstantinopel (also Istanbul) ist der Punkt, von dem die Falkenjäger nach San Francisco gehen und zu dem sie am Ende des Romans wieder hinwollen, um die Spur weiter zu verfolgen.
Eine Falkenstatue haben wir nicht bei Dürrenmatt, aber einen Schlangendolch.

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Neulich beim Ukuleletreffen im Gastwirtschafts-Nebenraum gesellten sich Mutter und Kind zu uns, die uns von außen durch ein Fenster gesehen und zugehört hatten. Dann wollten sie halt noch mehr hören und kamen herein. Wir haben dann ein paar Wünsche erfüllt und hatten überhaupt seine sehr schöne Zeit.

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Mein Freund B. hat mir eine Fernsehserie der frühen 1970er Jahre empfohlen. Die weiteren Episoden – es gibt insgesamt nur 13 – sollen überraschend gut und ihrer Zeit weit voraus sein. Die erste Episode ist es noch nicht so sehr.

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Die Geschichte: Eine Geheimorganisation sucht für internationale Einsätze hochkarätige Agenten, sogenannte Alphas. „Persönlichkeiten, die fähig sein müssen, für die Menschheit zu entscheiden.“ Nicht jeder ist qualifiziert, viele arbeiten nur als Betas – schon auch wichtig, aber halt nur Helferlinge.
So futuristisch die Organisation ist: Am Anfang kriegen wir zu sehen, wie Nachrichten aus aller Welt eingehen und verteilt werden – von Frauen, versteht sich. Die Führungsriege der Organisation besteht aus fünf – Männern, versteht sich.

Anklänge von The Prisoner, Mission Impossible, durchaus ehrenhaft. Sehenswert die Drehorte: München zur Baustellenzeit vor den Olympischen Spielen 1972. Eine Szene spielt auf dem Olympiaturm.
Produktionsqualität: Na ja, schon okay, öffentlich-rechtlich. Aber wegen eines Schauspieler-Versprechers hat man da noch lange keine zweite Aufnahme einer Einstellung gemacht.

Für unsereiner zusätzlich interessant: Der Held und zukünftige Alpha, der in der ersten Episode allerlei Prüfungen besteht und schließlich in die Organisation aufgenommen wird, ist — ein Studienrat. Graumeliert, Mathematik und Sport. Bewährt sich gegen fiese Rockerbanden („Bill, Jim, erledigt das!“); setzt bei der Exkursion in die Satellitenzentrale seine anwesenden Mathematikschüler, männlich, zur Berechnung ein, weil ein Computer ausfällt; vertauscht erfolgreich – wenn auch nicht überzeugend – den Medizinball in der Sporthalle gegen Kampfkunstmanöver, um sich eines Pistolenheinis zu erwehren.

Bücherausstellung

Tisch mit Büchern darauf ausgebreitet

In der wirklich schönen Bibliothek meiner Schule ist gerade die Quasi-Wanderausstellung „Die 100 besten Kinder- und Jugendbücher“ aufgebaut, und mit meiner 9. Klasse war ich sie heute eine Viertelstunde anschauen.

Tisch mit Büchern darauf ausgebreitet

Schon schöne Idee. Aber für so viele Jahrgangsstufen sind hundert Bücher nicht viel, und es sind vor allem halt die hundert besten Neuerscheinungen und nicht Klassiker. Natürlich hat es mich sofort gereizt, die hundert besten Kinder- und Jugendbücher nach Herrn Raus Meinung vorzustellen. Vielleicht kriege ich gar nicht so viel zusammen, aber interessant wären ja vermutlich auch Bücher für alle Altersstufen, und außerdem müssten meine alten Exemplare auch pfleglich behandelt werden.

Man könnte ja auch 50 Bände aus der Bibliothek selber empfehlen, aber ob ich da so viel finde… Empfehlungen der Schülerinnen und Schüler selber wären auch möglich, aber ich denke, wenn eine konkrete Person hinter der Zusammenstellung steckt, kommt mehr heraus als bei einer Auswahl durch ein Schülerkomitee.

– Außerdem war diese Woche wieder ein Sportturnier an der Schule. Da ist Unterricht schwer möglich, wenn die meisten Schüler einer Klasse mitspielen und der Rest zuschauen möchte. Sehr stolz war ich auf zwei Unterstufenschüler, die fragten, ob sie nicht stattdessen den Unterricht einer anderen Jahrgangsstufe bei einem anderen Lehrer besuchen könnten. Das machen die wohl ab und zu, auch in Freistunden. Da machen die Kollegen wohl irgendwas richtig.