Atlas der Literatur

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Das war ein Projekt, aus dem dann nicht so viel geworden ist, wie vielleicht möglich gewesen wäre. Angeregt durch den Atlas der Erlebniswelten, der Karten eines imaginären Kontinents enthält, wollte ich mit Schülern einen Literaturatlas basteln.
Dazu hat eine 7. Klasse in Arbeitsgruppen überlegt, was es für Bereiche der Literatur gibt: Krimis, Western, Liebesgeschichten, Science Fiction, Märchen. Und wann zeichneten sie Karten dazu, mit Flüssen, Gebirgen, Seen. Das Schlachtfeld etwa liegt mitten im Land der Kriegsgeschichten, der Knutschfleck im Reich der Liebesgeschichten (das angrenzt an das Land der traurigen Geschichten).

Vorne im Atlas gibt es eine Übersicht über den gesamten Kontinent:

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Die einzelnen Seiten im Atlas sahen so aus:

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Noch war der Atlas aber leer. Aufgabe der Schüler wäre es nun gewesen, die Bücher, die sie gelesen haben, als Städte in den Atlas einzutragen. Dabei geschieht die eigentliche Denkarbeit: Gehört das Buch zu den Liebes- oder zu den Abenteuergeschichten? Oder doch zu den Detektivgeschichten? Man kann ja auch Straßen in die anderen Gegenden anlegen.
Auf diese Weise hätten die Schüler – vielleicht – Analyse betrieben, ohne es zu merken. Bei einem Regferat über ein Buch kommt oft wenig mehr heraus als eine reine Inhaltsangabe, so sehr wir Deutschlehrer uns auch um mehr bemühen. Wenn man Schüler aber begründen lässt, warum sie ein Buch an einer bestimmte Stelle im Atlas eingetragen haben, und welche Straßen von dort in andere bereiche führen, dann können sie plötzlich viel darüber reden.

Leider habe ich mich um diesen Teil des Projekts dann zu wenig gekümmert. Vielleicht hole ich das noch einmal nach – den Atlas habe ich ja jetzt schon.

The Anagrammed Bible

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Steht nicht schon in der Bibel (Sprüche 4, 4):

„Seek and learn many pure statements, then commit to memory. Mind well, thus avoiding death ahead.“

Also, eigentlich steht dort:

„He taught me also, and said unto me, Let thine heart retain my words: keep my commandments, and live.“

Nur haben sich Richard Brodie und Mike Keith das gesamte Buch der Prediger (Ecclesiastes), das Buch der Sprüche und das Hohelied Salomons vorgenommen (jeweils in der King-James-Version) und anagrammiert. Oder heißt das anagraphiert?
Bei den ersten beiden Büchern haben sie Vers für Vers genommen und die Buchstaben umgestellt, bis jeweils etwas Vergleichbares, möglichst Sinnvolles, aber nicht zu Ähnliches herauskam. Beim Erzeugen von Anagrammen gebietet der Ehrgeiz schließlich, möglichst interessante Lösungen zu finden – nur ein oder zwei Wörter zu ändern, vielleicht nur die Wortstellung, und den Rest zu lassen, das wäre technisch auch ein Anagramm.


„Is there any thing whereof it my be said, See, this is new?
It hath been already of old time, which was before us.“

wird zu:

„Is any item we see hither on this blasted earth original?
Oh, no, dear wife: it’s a shabby, fetid, cheesy fume. Whew!“


„Hear ye, children, the instruction of a father, and attend to know understanding.“

wird zu:

„Defiant kids fear an older generation; they don’t want the church, and turn to sin.“


Bei Salomon sind jeweils mehrere Verse zusammen in Anagramme umgeformt worden; diese müssen aber zusätzlich Gedichten von Keats, e.e. cummings, Wordsworth und anderen englischsprachigen Dichtern nachgebildet sein. Sonst wär’s ja gar zu einfach.

Es ist schön zu sehen, dass auch andere Leute zuviel Zeit haben.

Upthread

Heute habe ich ein neues Wort gelernt: upthread. Vermutlich bin ich wieder der letzte, der es kennen lernt. Gebildet analog zu „upriver“:

upthread (adv.) Earlier in the discussion (see thread), i.e., ‚above‘. „As Joe pointed out upthread, …“

Aus nachvollziehbaren Gründen ist das Pendant dazu, „downthread“, wesentlich seltener.

Homer, Die Odyssee

Jetzo entblößte sich von den Lumpen der weise Odysseus,
Sprang auf die hohe Schwell‘, und hielt in den Händen den Bogen
Samt dem gefüllten Köcher; er goß die gefiederten Pfeile
Hin vor sich auf die Erd‘, und sprach zu der Freier Versammlung:
Diesen furchtbaren Kampf, ihr Freier, hab‘ ich vollendet!
Jetzo wähl‘ ich ein Ziel, das noch kein Schütze getroffen,
Ob ich’s treffen kann, und Apollon mir Ehre verleihet.

Sprach’s, und Antinoos traf er mit bitterm Todesgeschosse.
Dieser wollte vom Tisch das zweigehenkelte schöne
Goldne Geschirr aufheben, und faßt‘ es schon mit den Händen,
Daß er tränke des Weins; allein von seiner Ermordung
Ahnet‘ ihm nichts: und wer in der schmausenden Männer Gesellschaft
Hätte geglaubt, daß einer, und wenn er der Tapferste wäre,
Unter so vielen es wagte, ihm Mord und Tod zu bereiten!
Aber Odysseus traf mit dem Pfeil ihn grad‘ in die Gurgel,
Daß im zarten Genick die Spitze wieder hervordrang.
Und er sank zur Seite hinab; der Becher voll Weines
Stürzte dahin aus der Hand des Erschossenen; und aus der Nase
Sprang ihm ein Strahl dickströmendes Bluts. Er wälzte sich zuckend,
Stieß mit dem Fuß an den Tisch, und die Speisen fielen zur Erde;
Brot und gebratenes Fleisch ward blutig. Aber die Freier
Schrien laut auf im Saale, da sie den Stürzenden sahen,
Sprangen empor von den Thronen, und schwärmten wild durcheinander,
Schaueten ringsumher nach den schöngemauerten Wänden:
Aber da war kein Schild und keine mächtige Lanze!

(Aus dem 22. Gesang, Übersetzung von Johann Heinrich Voß)

In den letzten Tagen habe ich die Odyssee gelesen. Auslöser war nicht die Ilias-Verfilmung von Petersen mit Brad Pitt, sondern ein episches Gedicht, das mir seit langem im Kopf herumgeht: Die Schlacht um die Alamo als germanisches Heldengedicht (aus dem Roman Silverlock von John Myers Myers).
Epischer Stimmung griff ich zur Odyssee, und zwar zur Prosa-Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt, aus der ich lediglich aus Urherberrechtsgründen weniger zitieren möchte als aus dem Voß.
Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen, auch über den Reiz hinaus, vor sich selber mit Homer angeben zu können. Wenn ich müde war, musste ich mich sehr konzentrieren, um gut lesen zu können; war ich wach, hatte ich bald vergessen, welche unvertraute Sprache ich da las: So ähnlich, wie man bei Filmen in der Fremdsprache die Untertitel gar nicht mehr als solche wahrnimmt. Noch schöner als Lesen muss es aber sein, sich die Odyssee vortragen zu lassen. Wie man oben sieht, sind einige Stellen wunderschön detailliert und voller lebendiger Einzelheiten.

Schöne Bilder:

„Mein Kind, welch Wort entfloh dem Gehege deiner Zähne?“ (1, p. 8, Zeus zu Athene)
„Mein Kind! welch Wort entfloh dem Gehege deiner Zähne!“ (23, p. 298, Eurykleia zu Penelopeia)

Das ist doch viel anschaulicher, als das bloße „kam über die Lippen“, wie es bei Voß heißt.

Geflügelte Worte

Bei der wörtlichen Rede gibt es das die Rede einleitende Verb gerne mal doppelt: „Sprach und benannte das Wort“. Oft sind es aber auch Einzelformen, mein Favorit „sprach zu ihr die geflügelten Worte“. Das kann ich mir richtig gut vorstellen, wie Comic-Sprechblasen mit kleinen Flügelchen dran.
Dann bin ich auf diese Stellen gestoßen:

„So sprach er. Der aber blieb die Rede unbeflügelt“ (17, p. 220) (Telemachos und Peneleopeia)
„So sprach er. Ihr aber blieb die Rede unbeflügelt“ (19, p.246) (Telemachos und die Pflegerin Eurykleia)
„So sprach er, ihr aber blieb die Rede unbeflügelt.“ (21, p. 281) (Odysseus und die Pflegerin Eurykleia)
„So rief er. Der aber blieb die Rede unbeflügelt“ (22, p.294) (Telemachos und die Pflegerin Eurykleia)

(Ich zähle die Stellen nur deshalb auf, weil ich zutiefst organisierungssinnig bin – und gerne endlich die Einmerk-Zettelchen aus dem Homer nehmen möchte. Die Seitenzahlen beziehen sich auf meine Insel-Ausgabe, die leider die Verse nicht genau mitzählt.)

Ah ja. Heißt das jetzt, dass in den angesprochenen Frauen die Rede schon vorhanden war, aber eben unbeflügelt, und deshalb nur nicht herauskam zum anderen? Unbeflügelte Rede entspricht Gedanken; kriegen sie Flügel, werden Wörter daraus?

Sandman

„Denn zwiefach sind die Tore der wesenlosen Träume. Die einen sind aus Horn gefertigt, die anderen aber von Elfenbein. Und welche nun von den Träumen kommen aus dem gesägten Elfenbein, die äffen rein, indem sie unerfüllbare Worte bringen. Doch die da ausgehen aus dem geglätteten Horn, die sind zur Wahrheit auserkoren, wenn einer der Sterblichen sie sieht.“ (19, p. 259f)

Daher also die Tore aus Horn und Elfenbein bei Neil Gaimans Sandman-Comic. Im Original wohl auch ein Wortspiel, ich selber bin des Griechischen ja nicht so recht mächtig.

Zuletzt

Jetzt weiß ich endlich, wo der Witz herkommt, der mich seit Jahren plagt: Ein Seemann mit einem Ruder auf dem Rücken, das eine Landratte als solches nicht erkennt. Nach seiner Heimkehr soll Odysseus mit einem geschulterten Ruder nämlich solange landeinwärts laufen, bis man ihn fragt, was das denn eigentlich für ein Teil sei. Und da soll er dann dem Poseidon opfern.
Was ich allerdings nicht mehr weiß: Warum ich diese Anekdote mit mir herumtrage, nach ihrer Quelle suche. Ich muss sie irgendwo mal gelesen haben, vielleicht sogar mit einem Bezug zu Homer.

Internet-Geographie

Ganz wunderschöne Karten des Internets kann man hier anschauen. Es gibt verschiedene Kartographen, verschiedene Absichten, verschiedene Karten. So sehen sie zum Beispiel aus:

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(Diese Bild von Hal Burch and Bill Cheswick’s Internet Mapping Project.)

Weitere Kartographie-Projekte gibt es bei http://www.touchgraph.com/. Darunter auch der Google Browser, der aus Google-Ergebnissen eine Karte erstellt, und der Amazon-Browser.

nyt

(Via scribblingwoman)

Shakespeare-Papiertheater

ElizabethanTheatre

Schön anschaulich ist „Mr. Jackson’s Elizabethan Theatre“, ein 50 Zentimeter hohes, halbkreisförmiges Spielzeugtheater aus Karton. Der Bausatz kostet unter 10 Pfund und enthält eine extrem gekürzte Fassung von A Midsummer Night’s Dream neben den dazu nötigen Figuren, ebenfalls aus Karton (Tobar Ltd. 1996, zu bestellen z.B. unter www.gizmoandwidget.com).

Die Schüler können das Modell zusammenbauen – man braucht nur einen geeigneteren Ort als das allen möglichen Gruppen zugängliche Klassenzimmer, um es aufzubewahren.
Noch wichtiger wäre das Spielen: Vielleicht ist eine deutsche Fassung dabei besser als eine englische, und sei sie noch so bearbeitet. Shakespeare mit deutschem Akzent: Dann vielleicht doch lieber gleich Faust.

Imaginary People

Ich mag alle Arten von Nachschlagewerken. Alphabetisch angeordnete laden natürlich besonders zum Schmökern ein, weil man sich an keine Reihenfolge halten muss. Früher oder später lese ich sie aber doch von A bis Z durch, so auch das hier: David Pringle, Imaginary People. A Who’s Who of Modern Fictional Characters.

Das Buch enthält Einträge zu 1300 fiktionalen Charakteren ab Robinson Crusoe: Aus Büchern, Comics, Filmen. Aufgenommen ist aber nur, wer Anklang und Nachahmer gefunden hat: Es muss Umformungen in andere Medien oder Fortsetzungen geben. Der Werther von Goethe ist also drin. Und der Struwwelpeter. Indiana Jones. Dorothy. Batman. Dafür erfährt man dann gleich, wer welche Fortsetzungen gerschrieben hat, welche Oper es dazu gibt.

Ich habe das Buch seit dem Ende der 80er Jahre, und damals hatte ich natürlich auch das Vorwort und das Literaturverzeichnis gründlich gelesen: Sie erwähnen Vorbilder und ähnliche Bücher. Buchstäblich jahrelang hatte ich danach ein paar Kärtchen in meinem kleinen schwarzen Karteikasten mit den Titeln einiger Bücher. Das war lange vor dem Internet und www.abe.com, da hatte ich kaum Möglichkeiten Gelegenheit, an die Titel zu kommen. Jung war ich ja außerdem. Die Doc-Savage-Biograpghie von Philip José Farmer. David Thomson, Suspects – ich wusste manchmal gar nicht mehr, warum ich mir ausgerechnet diese Titel herausgeschrieben hatte. Aber dass diese Namen auf den Karteikarten standen, das wusste ich.

Mit dem Internet war es dann, zehn Jahre später, kein Problem, die Bücher aufzutreiben. David Thomson, Suspects. Hat sich wirklich gelohnt.

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