Shakespeare-Papiertheater

ElizabethanTheatre

Schön anschaulich ist „Mr. Jackson’s Elizabethan Theatre“, ein 50 Zentimeter hohes, halbkreisförmiges Spielzeugtheater aus Karton. Der Bausatz kostet unter 10 Pfund und enthält eine extrem gekürzte Fassung von A Midsummer Night’s Dream neben den dazu nötigen Figuren, ebenfalls aus Karton (Tobar Ltd. 1996, zu bestellen z.B. unter www.gizmoandwidget.com).

Die Schüler können das Modell zusammenbauen – man braucht nur einen geeigneteren Ort als das allen möglichen Gruppen zugängliche Klassenzimmer, um es aufzubewahren.
Noch wichtiger wäre das Spielen: Vielleicht ist eine deutsche Fassung dabei besser als eine englische, und sei sie noch so bearbeitet. Shakespeare mit deutschem Akzent: Dann vielleicht doch lieber gleich Faust.

Imaginary People

Ich mag alle Arten von Nachschlagewerken. Alphabetisch angeordnete laden natürlich besonders zum Schmökern ein, weil man sich an keine Reihenfolge halten muss. Früher oder später lese ich sie aber doch von A bis Z durch, so auch das hier: David Pringle, Imaginary People. A Who’s Who of Modern Fictional Characters.

Das Buch enthält Einträge zu 1300 fiktionalen Charakteren ab Robinson Crusoe: Aus Büchern, Comics, Filmen. Aufgenommen ist aber nur, wer Anklang und Nachahmer gefunden hat: Es muss Umformungen in andere Medien oder Fortsetzungen geben. Der Werther von Goethe ist also drin. Und der Struwwelpeter. Indiana Jones. Dorothy. Batman. Dafür erfährt man dann gleich, wer welche Fortsetzungen gerschrieben hat, welche Oper es dazu gibt.

Ich habe das Buch seit dem Ende der 80er Jahre, und damals hatte ich natürlich auch das Vorwort und das Literaturverzeichnis gründlich gelesen: Sie erwähnen Vorbilder und ähnliche Bücher. Buchstäblich jahrelang hatte ich danach ein paar Kärtchen in meinem kleinen schwarzen Karteikasten mit den Titeln einiger Bücher. Das war lange vor dem Internet und www.abe.com, da hatte ich kaum Möglichkeiten Gelegenheit, an die Titel zu kommen. Jung war ich ja außerdem. Die Doc-Savage-Biograpghie von Philip José Farmer. David Thomson, Suspects – ich wusste manchmal gar nicht mehr, warum ich mir ausgerechnet diese Titel herausgeschrieben hatte. Aber dass diese Namen auf den Karteikarten standen, das wusste ich.

Mit dem Internet war es dann, zehn Jahre später, kein Problem, die Bücher aufzutreiben. David Thomson, Suspects. Hat sich wirklich gelohnt.

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Streber und stolz darauf

streberundstolz

Schüler, die gute Leistungen bringen, haben es manchmal schwer. Bei den Mitschülern ist das oft nicht anerkannt, vor allem natürlich bei denen, die selber keine guten Leistungen erbringen wollen.

Deswegen hatte ich mal diesen Button entworfen und an Schüler verteilt, die einen haben wollten. Zweihundert Stück waren es damals, glaube ich, jedenfalls lief eine Woche lang ein großer Teil der Schüler damit herum.
Dann hat sich auch das wieder gelegt. Gebracht hat es vielleicht nicht viel, aber mir Spaß gemacht.

DK Eyewitness Classics

Im englischen Verlag Dorling Kindersley erscheinen die Eyewitness Classics: Illustrierte, kommentierte und glossierte Kinder- und Jugendfassungen von Abenteuergeschichten der Weltliteratur: Zum Beispiel Dracula, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Die drei Musketiere.
Auf Deutsch sind einige dieser Bände bei Gerstenberg als Visuelle Bibliothek: Klassiker für Kinder erschienen.

Die Seiten sehen etwa so aus:

musketiere

Und die Ränder sind mit Anmerkungen und Illustrationen versehen:

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So etwas würde ich gerne mal mit Schülern machen. Gibt’s keine nicht zu langen Novellen, die man mit Schülern aufbereiten könnte? Zeichnungen machen stelle ich mir noch leicht vor, schwieriger ist es sicher, die Randglossen zu schreiben: dazu müssten die Schüler wissen, was wichtig ist und was nicht, was interessant ist, und vermutlich würden sie sehr schnell einfach das nächstbeste aus dem WWW abschreiben.
Andererseits könnten ältere Schüler gerade bei Novellen den Aufbau gut kommentieren.
Vielleicht wird ja noch einmal etwas daraus.

Spannend wie ein Krimi: Die Lehrerkonferenz

Oder eigentlich überhaupt nicht spannend wie ein Krimi. Spannend wie ein Fußballspiel: Es geht nicht um die Aufdeckung des Geheimnisses am Schluss, es geht nicht um die Abenteuer eines Helden, sondern es ist ein Hin und Her von verschiedenen Themen, Strömungen, Ideen, Vorschlägen, Stimmungen.

Vielleicht auch nicht spannend wie ein Fußballspiel: Dafür wechseln die Mannschaften und Parteien und Koalitionen zu rasch. Kleine Höhepunkte die Abstimmungen: Farbe bekennen. Und vor allem: Dinge entscheiden, die für die Zukunft der Schule und aller Schüler an ihr wichtig sind. Die Lehrer nehmen das sehr ernst. Allerdings entscheidet man unter Druck: dem der Zeit und der der anderen.

Die fünf Minuten Pause sind zu Ende: Es ist kurz vor fünf, die Lehrerkonferenz ist zwar vorbei, aber gleich im Anschluss findet die Personalversammlung statt. Jetzt muss ich ganz leise tippen.

Alle sind erschöpft (Unterricht, Konferenz), aber noch verhältnismäßig diszipliniert.

Mehr später.

…hm. Vielleicht doch spannend wie eine Schlammschlacht?

Ganz schön heiß hier

tanzen

Ich hab mich lang nicht mehr so gefreut: Letzte Woche war die Abschlussparty des Tanzkurses der Klasse 8d im Brucker Tanzstudio in der Hasenheide. Und es war toll.

In der Mitte eine große Tanzfläche, Parkett; darüber bunte Lichter. An einem Ende davon die Schüler: Fesch. Am anderen die Eltern: Auch fesch. Ich hätte doch den grauen Anzug und das rote Hemd nehmen sollen, denn mit dem S-Bahn-zerknitterten hellen Leinenanzug war ich eindeutig underdressed – und das mir, wo ich mich so gern aufbrezl.
Getroffen haben sich die Parteien in der Mitte des Saales, und das war das Schöne: Eltern tanzten mit Eltern, Eltern mit Kindern, die Schüler miteinander – und alle gleich bedeutend und gleichzeitig und nebeneinander und durcheinander auf der Tanzfläche.

Die Knaben trugen Anzug, die Mädchen Abendgarderobe: Hauptsächlich schwarz, auch mal ein Tupfer Rot oder ein weißes Tuch. Mich haben sie überzeugt, auch wenn ihnen der „Fummel“, so sagten sie, ungewohnt war.
Bewegen konnten sie sich jedenfalls: Ich war erstaunt, dass sie so gut tanzen gelernt hatten. Manche Schülerinnen schienen für Schuhe mit hohen Absätzen geboren zu sein, so drehten sie sich und schwangen herum – auch wenn sie bei genauerem Hinsehen gar keine hohen Absätze trugen.

Kurz nach 19 Uhr waren schon viele Eltern und Schüler da. Die Schülergesichter leuchteten – ob vor Freude, Aufregung oder Nervosität, das weiß ich nicht. Es war jedenfalls ein gutes Zeichen. Vorsichtig begrüßte ich die Eltern (man überschätzt das Gesichtergedächtnis von Lehrern gern). Bald hatte ich ein Plätzchen an einem Elterntisch gefunden. An der Theke holte ich mir ein Mineralwasser; entlang des großen Spiegels war ein Buffett aufgebaut. (Viel später stellte es sich dann als ausgesprochen lecker heraus.)

Dann marschierten die Schüler herein und präsentierten einige der Tänze, die sie gelernt hatten. Und das sah gut aus. Gleich danach griff sich jeder Schüler ein passendes Elternteil, so dass auch die Eltern aufs Parkett mussten. Ebenso der Lehrer, das hat mich besonders gefreut.

Zugegeben, manchmal mussten die Jungs zum Tanzen aufgefordert werden. Aber dann waren manche davon nicht mehr von der Tanzfläche zu bringen. Nach sieben Tänzen ohne Pause schaut ein Schüler beim Tisch der Eltern vorbei: „Ganz schön heiß hier“, stellt er fest, ganz rot im Gesicht, und scheint das nicht mit dem Tanzen in Verbindung zu bringen.

Die Gesichter der Eltern strahlten vor Freude und Stolz, aber auch vor eigenem Tanzvergnügen. Ich weiß nicht, ob die Schüler überhaupt auf ihre Eltern geachtet haben, vielleicht sogar etwas stolz auf sie waren.

Zwischendurch gab es Gruppentänze. Damit hatte ich gerechnet, mir liegen sie eigentlich nicht – aber an diesem von der Tanzschule durchweg gut organisierten Abend haben sie gepasst.

Einlass 19 Uhr, Beginn eine halbe Stunde später, Ende der Veranstaltung: 23 Uhr. Schließlich konnte man ja nicht wissen, ob nicht am nächsten Tag doch einer eine Ex schreiben würde.

– Natürlich, andere haben das ganze vielleicht gar nicht so erlebt. Vom Stress des Nachmittags habe ich nichts mitgekriegt, nichts von hektischen Telefonaten, nichts von den eventuellen Streitereien. Bestimmt hat nicht jeder mit jeder getanzt, und nicht jede mit jedem. Vielleicht haben die Schüler gar nicht alle mitgekriegt, wie schön dieser Abend war. Früher oder später werden sie’s hoffentlich tun.

Anmerkung fürs nächste Mal: Meine Frau mitnehmen, ein paar Kollegen mitnehmen. Weil’s einfach ein schöner Abend war, und mich herzzerreißend an meine eigene kurze Tanzschulvergangenheit erinnert hat.

Graf Rasso liest: Aufkleber-Album

Eine 7. Klasse hat mit mir ein Klebebilder-Sammelalbum erstellt. Dazu einigten wir uns auf 28 Jugendbücher, klassische und neue, und die Schüler schrieben knappe Inhaltsangaben dazu. Vor allem machten sie aber wunderschöne Bilder – die es, eingescannt und verkleinert, jetzt als Klebebilder gibt.
Für 2 Euro kann man das leere Album kaufen und hat dafür Anspruch auf alle 35 Aufkleber (zu manchen Büchern gibt es mehr als einen). Den Aufkleber kriegt man aber erst, wenn man das Buch gelesen hat.

Hier kann man sich die Klebebilder mal anschauen:
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Bislang haben schon vier oder fünf aus der Klasse ihr Album voll gekriegt. Für die muss ich bei Gelegenheit einen Button machen: „Belesen“ oder so. Das Album ist auch in anderen Klassen der Unterstufe verkauft worden: Da hängt es aber sehr vom Deutschlehrer ab, ob der die Schüler daran erinnert, dass sie Aufkleber kriegen. Von manchen Kolleginnen erhalte ich wöchentlich Listen mit neuen Aufkleberwünschen, von anderen Kollegen höre ich nie wieder etwas.

Und was soll das ganze? Wir haben ein bisschen Inhaltsangabe geübt, und ein bisschen illustrieren, vor allem haben wir ein wirklich schönes Produkt erzeugt. Mir gefallen Sammelalben und bunte Bilder. Außerdem bringt esSchüler vielleicht zum Lesen – vielleicht hätten sie es auch so getan. Allerdings dokumentiert dieses Graf Rasso liest den Lesefortschritt der Schüler. Ich sähe gerne mehr Möglichkeiten für Schüler, ihre Leistungen zu dokumentieren – nicht nur gelesene Bücher, auch selbst Geschriebenes, auch Referate, Fotos, Bilder.

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Den Dom bitte etwas nach rechts

Das Dienstmannwesen in Florenz muss blühen. Leute in schmucken Uniformen mit blauen Käppis stehen an jeder Straßenecke und warten auf deutsche Schülergruppen, ihnen Kultur hinterher zu tragen.

2003 lassen sich meine Schüler „auf eine Stadtführung ein, die uns […] auch die blutrünstige Medusa näherbrachte.“ Kurz darauf: „Eine kurze Führung durch die Synagoge von Firenze brachte uns das Judentum ein Stückchen näher.“
2004 – vermutlich wurde schon wieder gestreikt in Italien – packen die Schüler selbst mit an: „[Durch Referate] brachten wir uns gegenseitig Kulturstätten wie den berühmten Dom oder die Uffizien näher.“

Kann man denn in Florenz nichts anderes machen als sich Sachen näher bringen lassen? Ich seh sie schon im Café sitzen, die Schüler. „Herr Ober, wenn S‘ eh grad schon stehen, den Dom bitteschön zwanzig Meter mehr zu mir. Mille gracie, gibt auch ein Trinkgeld.“

Aber bitte nicht zu nah, die Medusa, das Judentum, den Dom. Sonst verstellen sie einem ja noch die Aussicht.