Englische Münzen

In den Sommerferien habe ich wieder viel Papier in Ordner abgelegt, aber noch mehr Papier aus Ordnern entfernt und zum Altpapier gebracht. Es wird also weniger. Entsorgt habe ich diesmal vieles aus meiner Universitätszeit; beim Durchsuchen bin ich aber auch auf Interessantes gestoßen, etwa eine handschriftliche angefertige Liste der früher gültigen englischen Münzen.

Bis 1971 gab es im Vereinigten Königreich Pfund, Shilling und Pence. 1971 wurde der Shilling abgeschafft und das Dezimalsystem eingeführt – bis dahin war ein Pfund 20 Shilling, und der Shilling 12 Pence; das Pfund entsprach also 240 Pence. Wenn man heute gebrauchte englische Taschenbücher von vor 1971 kauft, sieht man noch die alten Preise, etwa 2’6 – also 2 Shilling und 6 Pence, als0 2 1/2 Shilling, also 1/8 Pfund.

In den Jahrhunderten zuvor gab es noch mehr Münzen; häufig stößt man beim Lesen von Literatur aus dieser Zeit auf die alten Bezeichnungen, bei Jane Austen wie bei Sherlock Holmes. Hier ein Überblick.
Es gelten folgende Abkürzungen: £ = Pfund, s.= shilling, d.= penny oder pence (vom lateinischen denarius/denarii – daher kommt auch die deutsche Abkürzung für Pfennig mit dem Sütterlin-Buchstaben d). Mit d. oder penny/pence ist hier immer der alte Penny vor dem Dezimalsystem gemeint; die Abkürzung für den Penny heute ist p.

Alte englische Münzen:

1/4 d.   farthing
1/2 d.   ha’penny ausgesprochen mit Betonung auf der ersten, langen Silbe [ei]
1 d.   penny
2 d.   tuppence/twopence ausgesprochen mit kurzen a-Laut auf der ersten Silbe, wie in but
3 d.   thruppence/threepence ausgesprochen mit kurzen a-Laut auf der ersten Silbe, wie in but
6 d.   sixpence umgangssprachlich auch tanner genannt
1 s.   shilling = 12 d., also 1/20 £; umgangssprachlich auch bob genannt
2 s.   florin es gab wohl mehrere verschiedene Münzen dieses Namens
2 s. 6 d.   half-a-crown so geschrieben: 2’6; auch: half-crown
5 s.   crown
10 s.   half-sovereign
1 £   sovereign
1 £ 1s.   guinea ausgesprochen zweisilbig mit zwei kurzen i; als Münze schon 1813 abgeschafft, aber später noch als Synonym für 21 s.

Die Münze zu 3 d. heißt auch thrupenny bit/threepenny bit – ausgesprochen zwei- oder dreisilbig, mit kurzem a oder schwa.
Ein ha’p’orth war soviel, wie ein halber Penny wert ist – etwa als Mengenangabe beim Einkaufen. Ausgesprochen wie man’s schreibt, also zweisilbig mit Betonung auf der ersten Silbe; die erste Silbe lang [ei], die zweite kurz, also mit schwa.
Die guinea gibt es zwar seit 1813 nicht mehr, sie wird aber immer noch in bestimmten Zusammenhängen als Synonym für 21 s. (1.05 £) verwendet, etwa bei Arzthonoraren. Ich kann mich dunkel erinnern, dass feine Leute früher mit guineas statt mit sovereigns/Pfundmünzen gezahlt haben – die zusätzlichen Schillinge waren quasi der Wir-können’s‑uns-leisten-Zuschlag. Das waren noch Zeiten! Ich weiß aber nicht mehr, wann das war und ob das überhaupt stimmt. Online steht’s das alles bestimmt irgendwo.

Die Münzen waren aus Kupfer, Kupfernickel, Bronze, Silber oder Gold. Vielleicht später mal mehr dazu – oder jemand hilft mir mit weiteren EInzelheiten doer weist mich auf Fehler hin, ich bin nämlich kein Fachmann.

Nachtrag: Auf der Suche nach dem half-sovereign bin ich auf folgende Seite mit Münzfotos gestoßen: Da kann man sie alle, alle ansehen, viel genauer, als ich sie oben genannt habe.

Benotung von Englisch-Schulaufgaben II

Teil Zwei:

Gestern ging es darum, dass die Schulaufgabennoten in Englisch gelegentlich zu Missstimmung zwischen Eltern und Lehrer führen. Ein Elternteil kommt in die Sprechstunde, weil das Kind eine 5 oder 6 gekriegt hat, und hat eine berechtigte Frage: “Ist das nicht zu streng?” Für die Eltern sieht die Schulaufgabe nämlich ganz ordentlich aus, und außerdem haben sie vielleicht mitbekommen, wie sehr das Kind auf die Schulaufgabe gelernt hat.

Gelegentlich folgen darauf zwei Bemerkungen. Erstens, es wird erklärt, dass es doch sonst üblich sei, bei 50% der Punkten noch eine 4 zu geben, und wieso man das hier nicht eingehalten habe. Zweitens, es wird eine befreundete Lehrkraft zitiert, die sich die Schulaufgabe angeschaut habe und sie für gar nicht so schlecht halte.

Zum zweiten Punkt:

Dieser Kommentar ist von Elternseite aus völlig verständlich. Natürlich kann man die Schulaufgabe anderen zeigen, wenn man selbst unsicher ist, ob die Note der Leistung entspricht. Als Lehrer fühlt man sich dabei auf den Schlips getreten. Das liegt zum einen an dem grundsätzlichen Misstrauen, das damit dem Lehrer entgegengebracht wird. (Ob dieses Misstrauen berechtigt ist, dazu später.) Vor allem ist das aber so, dass ein Außenstehender sich nur schwer ein Urteil über die Leistung bilden kann. Hoffentlich ist das kein bloßer Standesdünkel: Ich glaube tatsächlich, dass nur ein Lehrer der gleichen Schulart und des gleichen Faches, und im gleichen Bundesland, sicher beurteilen kann, wie die Leistung eines Schülers zu bewerten ist und wie schwer die Schulaufgabe gestellt ist. Und selbst da sollte dieser Lehrer am besten noch die Klasse und die Vorbereitung der Schulaufgabe kennen. Es reicht nicht, Muttersprachler in der Fremdsprache zu sein, oder auch in irgendeiner Form Englisch zu unterrichten. (Natürlich sind Extremfälle denkbar, bei denen man diese Informationen alle nicht braucht. Aber da kommt in der Praxis nicht vor.)

Ist man damit nicht der Willkür des Lehrers ausgeliefert, wenn der für sich beansprucht, als einziger entscheiden zu können, ob die Note gerechtfertigt ist? Irgendwie ist da schon etwas Wahres dran. Beim Arzt kann man eine zweite Diagnose einholen, die auf einer zweiten gründlichen ärztlichen Untersuchung basiert, aber eben diese zweite Untersuchung ist bei einem Schüler nur schwer möglich.
Allerdings werden die Schulaufgaben aller Lehrer eines Faches von einem anderen Lehrer des gleichen Faches an dieser Schule angeschaut (“respiziert”). Dieser Lehrer hat also einen Überblick darüber, welche Schulaufgaben geschrieben werden, und der weist die einzelnen Lehrer darauf hin, wenn Schulaufgaben im Vergleich zu den anderen Lehrern zu leicht oder zu schwer sind.
Trotzdem machen Lehrer auch Fehler; Fehler, die auch von Eltern entdeckt werden können. Und Eltern haben natürlich das Recht, die Lehrer auf diese Fehler aufmerksam zu machen und sich alles erklären zu lassen, was ihnen nicht einleuchtet.

So oder so hängt die Leistung eines Schülers nicht an einem einzelnen Fehler oder Nicht-Fehler. Wenn der Schüler einen Buchstaben als “a” gedacht, der Lehrer aber “o” gelesen hat, dann kann der eine Punkt Abzug den Unterschied zwischen 4 und 5 ausmachen. Denn eine Punkteskala gibt es leider meist, und irgendwo muss man die Grenze ziehen.
Tatsächlich schaut sich der Lehrer hoffentlich jedenfalls alle Schulaufgaben im Grenzbereich 4/5 und 5/6 an, und entscheidet dann aufgrund der Gesamtleistung, ob die Schulaufgabe ausreichend, mangelhaft oder ungenügend ist. Wenn sich da nachträglich noch ein übersehener Punkt finden lässt, dann wird der Lehrer die Schulaufgabennote ändern müssen – aber die Leistung des Schülers bleibt deswegen trotzdem mangelhaft oder ungenügend. Die geänderte Zahl auf der Schulaufgabe ist rein kosmetisch, die tatsächliche Leistung des Schülers hat sich ja nur wirklich minimal verändert. Wenn es um das Versetztwerden geht, kann diese Zahl den Eltern allerdings tatsächlich wichtiger sein als die eigentliche Leistung des Schülers.

Zuletzt ist es natürlich möglich, dass ein Lehrer tatsächlich ungerecht benotet, dass also die Leistung des Schülers nicht der Note entspricht, die auf der Schulaufgabe steht. Aber wie kriegt man das heraus? Wohl nur durch Vergleich mit den Leistungen anderer Schüler dieser Klasse und paralleler Jahrgänge – schauen, wieviel die anderen unter vergleichbaren Bedingungen können.
Danach muss man mit dem Lehrer reden (und wiederum erst danach zur Schulleitung gehen). Wenn das dem Lehrer nicht bewusst ist, wird er es begrüßen, wenn man ihn darauf hinweist. Wenn es ihm bewusst ist – aber welchen Grund sollte ein Lehrer dafür haben? Lehrer unterrichten viel zu viele Schüler, als dass sie einzelnen davon etwas Böses antun wollten. Ich habe vielmehr nur Fälle erlebt, in denen Lehrer mit Kollegen im Lehrerzimmer lang und breit besprechen, wie eine einzelne Schulaufgabe am treffendsten zu bewerten sei.

Was also tun? Das Misstrauen zwischen Eltern und Lehrern abbauen durch mehr Transparenz? Schulaufgaben erstellen, bei denen die Leistung leichter auch für Außenstehende zu beurteilen ist? (Aber auch da wird der Umfang der Vorbereitung eine große Rolle spielen.)

(Teil Eins: Gestern.)

Benotung von Englisch-Schulaufgaben I

Teil Eins:

Die Schulaufgabennoten in Englisch führen gelegentlich zu Missstimmung zwischen Eltern und Lehrer. Ein Elternteil kommt in die Sprechstunde, weil das Kind eine 5 oder 6 gekriegt hat, und hat eine berechtigte Frage: “Ist das nicht zu streng?” Für die Eltern sieht die Schulaufgabe nämlich ganz ordentlich aus, und außerdem haben sie vielleicht mitbekommen, wie sehr das Kind auf die Schulaufgabe gelernt hat.

Gelegentlich folgen darauf zwei Bemerkungen. Erstens, es wird erklärt, dass es doch sonst üblich sei, bei 50% der Punkten noch eine 4 zu geben, und wieso man das hier nicht eingehalten habe. Zweitens, es wird eine befreundete Lehrkraft zitiert, die sich die Schulaufgabe angeschaut habe und sie für gar nicht so schlecht halte.

Zum ersten Punkt:

Folgendes gilt nur für Gymnasien in Bayern, bei allen anderen Schulen kenne ich mich nicht aus.

Es gibt erstmal für kein Fach und – abgesehen von der Kollegstufe vom Abitur – für keine Jahrgangsstufe irgendwelche Vorgaben und Vorschriften, was den Notenschlüssel betrifft. Das gilt für Mathematik ebenso wie für Englisch. Stattdessen legt jeder Lehrer den Notenschlüssel selbst fest. Das ist dem Kultusministerium sogar so wichtig, dass es in einem Schreiben an die Lehrer betont hat, dass man sich an fest ausgemachte Notenschlüssel nicht halten muss, und seien sie auch von der Fachlehrerkonferenz an der Schule festgelegt.
Denn üblicherweise einigen sich die Fachlehrer (zum Beispiel in Mathematik, Englisch, Französisch) tatsächlich auf einen Richtwert. Das ist aber wirklich nur ein Richtwert. In Englisch gilt in der Unterstufe und im Großteil der Mittelstufe am häufigsten die Faustregel, dass man mit 60% der Punkte gerade noch eine 4 erhält. Das ist aber nur eine Faustregel.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo die Vorstellung herkommt, die Grenze zwischen 4 und 5 müsse bei 50% liegen. Ist das in Mathematik so üblich, oder an anderen Schularten, vielleicht an der Grundschule? Oder war das früher so?

Jetzt zu den Gründen dafür, dass es einen Richtwert gibt, dass man ihn nicht immer einhalten darf, und warum er bei uns bei 60% liegt.

Schulaufgaben sind unterschiedlich schwer. Das liegt am Lehrer, der entweder lieber schwere Schulaufgaben schreibt und sie freundlicher bewertet, oder leichtere, und dafür strenger ist. Das liegt an der Vorbereitung: Manchmal bleibt weniger Zeit, als man will, oder Klassenfahrten kommen dazwischen. Das liegt am Stoff, der ja tatsächlich manchmal schwerer und manchmal leichter ist. Das liegt vor allem auch an der Art der Schulaufgabe: Wenn man nur Wörter in Lücken einsetzen muss, dann hat man weniger Gelegenheit, Fehler zu machen. Wenn man da die Hälfte der Wörter richtig hat, ist das sehr schwach. (Häufig ist das bei Exen so.) Müssen die Schüler dagegen eigene Texte produzieren, machen sie natürlich mehr Fehler. Wenn da die Hälfte der Sätze richtig ist, ist das schon eine viel bessere Leistung.

Man kann es so sehen: Entweder man stellt leichte Aufgaben, dann sind zwei Drittel der Punkte eine schwache Leistung. Was muss man von einem Sekretär halten, der zwei Drittel aller Worte richtig schreibt? Oder von einem, der sogar 90% aller Worte richtig schreibt? Das ist absolut ungenügend. Oder man stellt schwerere Aufgaben, dann kann man auf zwei Drittel der Punkte schon ein bisschen stolzer sein.

Ein strenger Notenschlüssel ist bei leichten Aufgaben also sinnvoll, bei schweren nicht. Wir Lehrer haben uns darauf geeinigt, dass der Schwierigkeitsgrad in der Unterstufe eben so liegen sollte, dass 60% der Punkte eine noch ausreichende Leistung sind.

(Wir hätten auch eine andere Zahl wählen können: Bei 50% wären die Schulaufgaben alle etwas schwerer geworden, bei 70% alle etwas leichter. Der Grund, warum wir uns überhaupt auf eine Zahl geeinigt haben, ist der, dass die Schulaufgaben so vergleichbarer werden und einsichtiger für Eltern und Schüler. So richtig würde das aber wohl nur funktionieren, wenn wir tatsächlich 50% genommen und schwerere Schulaufgaben in Kauf genommen hätten.)

Ist die Schulaufgabe leichter als im Durchschnitt, dann wären 60% noch viel zu gut. Ist sie, aus welchen Gründen auch immer, schwerer als im Durchschnitt geworden, dann wären 60% tatsächlich nicht fair.
Die Frage ist also nicht: “Sind 60% zu streng?”, sondern: “Passen 60% zu den gegebenen Aufgaben?” Und diese Frage ist auch für Lehrer nicht immer leicht zu beantworten. Erfahrung, Vergleich mit anderen Lehrern, das alles hilft ein bisschen. Vor allem hilft der Vergleich innerhalb der Klasse: Wenn zumindest ein Teil der Schüler bei gegebenem Notenschlüssel gute Leistungen erbracht hat, dann war der Notenschlüssel vermutlich passend. Das heißt nicht, dass immer ein Schnitt von 3,50 oder 3,30 herauskommen muss, mit ein paar Einsern und Sechsen, etwas mehr Zweiern und Fünfern, und einem Haufen Dreier und Vierer – aber bei durchschnittlichen Klassen ist das nun mal das zu erwartende Ergebnis.

Allerdings sind nicht alle Klassen durchschnittlich leistungsfähig. Es gibt besonders starke und und besonders schwache Klassen, auch wenn die meisten Klassen im Mittel liegen. Da gibt es tatsächlich die Versuchung, einen Notendurchschnitt um 3,50 oder 3,30 anzupeilen – aus Gewohnheit sozusagen. Man versucht als Lehrer darauf zu achten, dass das nicht geschieht.

Auf jeden Fall schaut sich der Lehrer die Schulaufgaben im Grenzbereich 4/5 und 5/6 noch einmal insgesamt an, und entscheidet, ob die Note 4, 5 oder 6 hier wirklich passt – im Vergleich zu dem, was man erwarten kann. Erwarten kann hinsichtlich der Schwierigkeit der Aufgaben, hinsichtlich Art und Umfang der Vorbereitung in der Schule, und hinsichtlich dessen, welche Leistungen Schüler in dieser Jahrgangsstufe bringen können. Und nur, wenn die Note 4, 5 oder 6 wirklich passt, dann sollte auf der Schulaufgabe eben diese Note stehen. Lehrer geben keine 5, weil die Punkte das so erzwingen, sondern weil die Leistung nun mal in den Augen des Lehrers insgesamt mangelhaft ist.

(Ich werde in Zukunft einige Schüleraufsätze posten, damit man sieht und vergleichen kann, welche Leistungen von Schüler der einzelnen Jahrgangsstufen zu erwarten sind.)

Zuletzt ist es natürlich möglich, dass bei einem Lehrer oder einer Schulaufgabe Schwierigkeitsgrad und Punkteskala nicht zusammenpassen. Das ist dann tatsächlich ein Fehler des Lehrers. Wenn gar keine gute Noten dabei sind, oder gar keine schlechten, dann sollte man misstrauisch werden: In diesen Fällen bespricht sich der Lehrer rechtzeitig mit anderen Kollegen, dem Fachrespizienten oder gar der Schulleitung (das ist sogar Vorschrift bei uns). Wenn es gute Gründe für diese extremen Ergebnisse gibt, dann sind diese Ergebnisse selbstverständlich zugelassen. Wenn es keine guten Gründe gibt, dann hat der Lehrer tatsächlich etwas falsch gemacht. Dann muss man mit dem Lehrer reden, und wenn das nicht hilft, zur Schulleitung gehen. Das kommt aber sehr selten vor, viel seltener, als Eltern unzufrieden mit einer Schulaufgabe sind.

(Teil Zwei: Morgen.)

Englandaustausch: Nützliche Wörter

uk-austausch

Das ist ein Arbeitsblatt, das ich den Schülern und Schülerinnen meiner Klasse, die am Englandaustausch teilnehmen durften, mitgegeben habe. Sie sollten Wörter aufschreiben, die sie in England gebraucht hatten, die sie aber nicht im Unterricht in Deutschland in den Schuljahren zuvor gelernt hatten.

Hier ist die vollständige Liste der Wörter aller Schüler. (Einige, nicht viele, dieser Wörter waren in den Jahren zuvor allerdings sehr wohl zu lernen gewesen.) Einige davon sind sehr interessant. Vielleicht sollten wir die den Schülern zeitiger beibringen.

alarm clock
amazing
as well (instead of: too)
belt
bless you
canteen (where pupils eat)
cereal
cheers
dodgy
drugstore
Excuse me
gosh!
Have you done your books?
honestly
I don’t mind
I used to do
ice-cream
I’ll help myself / help yourself
I’m full
liar
loo
moody
nasty
naughty
pardon? what? sorry?
plug
queue
racket (play tennis with)
raisins
rubbish
scale(s)
theme park
to bother
to fancy
to get a lift
to get a shock (electricity)
to hail
to have a paper round
to pick up
to save up
trash
umbrella
What’s up?

Neil Gaiman, American Gods


Von Neil Gaiman habe ich schon Coraline gelesen, und die Sandman-Serie, Neverwhere und seine Koproduktion mit Terry Pratchett, Good Omens.

Die Prämisse von American Gods ist folgende: Mit den Einwanderern kamen auch deren Götter nach Amerika, oder genauer: Die Götter wurden in Amerika noch einmal neu geboren. Diese Götter sind abhängig davon, dass an sie geglaubt wird. Und so fristen Odin, Anubis, irische Kobolde und eine Vielzahl von anderen Göttern ein meist eher kärgliches Dasein. Amerika sei kein gutes Land für Götter, meinen einige der Beteiligten.
Vor allem gibt es eine Reihe von aufstrebenden neuen Göttern. American Gods ist die Geschichte des großen Kampfes zwischen den alten und den neuen Göttern. Die alten Götter sind müde und unorganisiert, sie müsssen erst zum Kampf überredet werden, was einen Großteil der Handlung ausmacht. Geschildert wird alles aus dem Blickwinkel eines einfachen Menschen. Der einfache Mensch heißt lediglich “Shadow”. So einfach kann der also doch wieder nicht sein. Später gibt es zwar eine Erklärung dafür, dass die Hauptperson nur unter diesem Namen läuft. Aber das reicht mir nicht: Wenn ich die Hauptperson in einem Buch, das nach der Pulp-Ära entstanden ist, ernst nehmen soll, dann darf sie nicht “Shadow” heißen.

Ähnlich wie in Silverlock (deutsch leider: Die Insel Literaria) von John Myers Myers (wozu ein Eintrag schon lange fällig ist) ist die Welt des Buches bevölkert von mythologischen Gestalten. Bei Silverlock sind das aber konsequenterweise Figuren aus den schriftlichen oder nichtschriftlichen Geschichten der Menschheit: Götter, Sagengestalten, legendäre Gestalten, aber auch Helden der mittelalterlichen oder neuzeitlichen Literatur: Davy Crockett, Faust, Shakespeares Falstaff, Balzacs Goriot, Poes Usher. Auch in Silberlock gibt es einen einzelnen Menschen, der in diese irre Welt gerät.

In American Gods gibt es ebenfalls eine Fülle an mythologischen Gestalten, wenn auch bei weitem nicht den Reichtum von Silverlock. Die meisten davon kannte ich; von den wichtigsten war mir nur der slawische Czernobog beziehungsweise Bielebog (auch: Belobog) kein Begriff.
Diese Gestalten sind aber in drei Gruppen eingeteilt, die sich auch nicht mischen. Das legt nahe, dass es zwischen diesen drei Gruppen grundsätzliche Unterschiede gibt, und eben das gefällt mir nicht.

Den Großteil der Gestalten machen die vielen aus Europa, Asien, dem Pazifikraum und Afrika importierten Götter aus: Odin, Anansi, Kali, Czernobog, Gorgonen, Ganesha und viele, viele mehr.

Daneben gibt es die neuen Götter, mit denen sie sich bekriegen. Auch diese neuen Götter brauchen den Glauben der Menschen, um zu überleben. Sie sind einer der Pluspunkte im Buch, aber sie tauchen leider nur am Rande auf: Es gibt Media, die aussieht wie eine Fernsehsprecherin (und die durch Charaktere in Fernsehserien sprechen kann), es gibt die Men in Black, es gibt Tech Kid, der picklige zukunftsgläubige Computerspezialist. Und das war’s fast schon.
Gut ist, wie Gaiman mit dieser Idee spielt. Die Helden flüchten mit dem Auto quer durch die USA, können aber die Autobahnen nicht benutzen – because they “don’t know which side the freeways are on”.
Gut ist auch die Erklärung für die in den USA so verbreiteten Roadside Attractions: Sie sind “places of worship”, magische Orte, an denen früher Kathedralen oder Steinkreise gebaut worden wären, und wo es jetzt Leute hinzieht, die dort irgendwelche größten Garnknäuel der Welt oder den Eiffelturm aus Streichhölzern aufstellen. Und wo Vorbeifahrende auf magische Art und Weise anhalten.
Gut sind vor allem weitere der neuen Götter, die jedoch leider alle nur in Nebensätzen bei der großen Schlacht zum Ende des Buches erwähnt werden: die Automobilgötter, denen Menschenopfer dargebracht werden wie keinem Gott seit der Zeit der Azteken; der Eisenbahnbaron (dem es allerdings nicht mehr so gut geht); eine Droge (das vermutet der Held jedenfalls, weil der Sprecher so funkelt und schimmert).

Die dritte Gruppe ist kleiner und besteht aus den Gestalten, die nicht teilnehmen am Kampf zwischen den neuen und den alten Göttern. Da ist zum einen “Whiskey Jack” – von “Whiskey John”, über Cree “wiiskachaan”; noch heute heißt der Grau- oder Kanadahäher “Whiskey Jack” (Perisoreus Canadensis). Er ist einer der beiden einzigen Nichtgötter, die beide auch als einzige nicht an dem Kampf teilnehmen, obwohl sie darum gebeten werden. Whiskey Jack ist ein indianischer Held; er bezeichnet sich selbst nicht als Gott, sondern als “culture hero” – als archetypischer Trickster. (Letztlich ist aber Loki eben solch ein archetypischer Trickster, ähnlich wie der Lichtbringer der Genesis, oder der griechische Prometheus, oder der afrikanische Anansi – und zumindest Loki und Anansi dürfen bei Gaiman mitspielen.)
Der zweite ist Apple Johnny/John Chapman: “Johnny Appleseed” ist eine Figur der amerikanischen Folklore, die auf dem historischen John Chapman basiert. Die Folklore will es, dass zu Pionierzeiten John Chapman durch den Westen zog und überall Apfelbäume pflanzte für die Zukunft. Natürlich ist das historisch nicht korrekt, aber die mythologische Gestalt ist da – und beklagt sich in American Gods bitterlich über eine weitaus populärere Gestalt der amerikanischen Folklore, Paul Bunyan, den mächtigen Holzfäller. Und das, obwohl Paul Bunyan 1910 von einer Werbeagentur erfunden wurde und damit gar keine echte Folklore darstellen würde, sagt Gaimans John Chapman. (Aber macht das wirklich einen Unterschied – zumal Paul Bunyans Ursprung in einer Werbeagentur heute ziemlich vergessen ist? Existiert Paul Bunyan in Gaimans Welt?)

Warum kämpfen die beiden nicht mit? Weil sie die einzigen sind, die keine Götter sind? (Wieso tauchen dann nicht mehr ihrer Art auf?) Liegt es daran, dass Whiskey Jack (Beziehungsweise “wiiskachaan”) und Johnny Appleseed originär amerikanische Mythen sind? (Aber das sind die “Men in Black” doch auch?) Vielleicht gibt es auch einfach unter den mythologischen Gestalten vernünftige und weniger vernünftige.

Insgesamt ist das Buch zu dick. Es wird viel gereist, aber trotzdem bekommt man keinen Eindruck vom nordamerikanischem Kontinent als Raum. Die Reisen sind zu ziellos, zu willkürlich. Es gibt viele Schauplatzwechsel, viele Personen, aber alle wirken beliebig. Leben gewinnt nur die liebevoll gezeichnete Kleinstadt Lakeside, die für die Haupthandlung nebensächlich ist. Es entsteht, von einzelnen sehr phantasiereichen Gedanken abgesehen, kein Eindruck einer neuen oder alten amerikanischen Götterwelt. Dazu kommt noch “Shadow”, ein Bilderbuchheld: Markig; nach den ersten Kapiteln ohne nachvollziehbares Innenleben; mit plötzlichen Eingebungen, die die Handlung vorantreiben.

Lesetipp: Nur jedes zweite Kapitel

Viele Bücher, gerade im Abenteurergenre, haben zwei mehr oder weniger unabhängig voneinander agierende Heldentruppen. (Genre heißt für mich: Mein Interesse liegt nicht an der Sprache oder an den Charakteren, sondern am Fortgang der Handlung. Raymond Chandler gehört für mich also nicht zu Genreliteratur.) Die eine Gruppe versucht mit Elefanten und Lasern die Palastwache des Sultans abzulenken, und die andere gräbt mit Hilfe der Kobolde einen Geheimgang durch das Reich der Zwerge. Oder so ähnlich.

Nachdem ich vor vielen, vielen Jahren schon einmal Mona Lisa Overdrive von William Gibson gelesen hatte, habe ich vor einigen Jahren das Buch noch einmal gelesen, ich wiß auch nicht, warum. Das ganze Buch war mir aber zuviel, und nachdem es auch in Mona Lisa Overdrive zwei solcher Handlungsstränge gibt, habe ich nur den einen Handlungsstrang gelesen. Das war der, in dem es um die Figur Kumiko geht, mit der der Roman auch beginnt: Kumiko fliegt aus ihrer Heimat in eine etwas ungewisse Zukunft in London. Die Welt dort ist ihr ziemlich fremd, wenn ich mich recht erinnere, und so eignet sie sich als Identifikationsfigur für den Leser, dem die Welt der Zukunft ebenso fremd ist. Kumiko kriegt wenig vom Geschehen mit, erst spät im Buch treffen die beiden Heldengruppen aufeinander.
Und da hat es zumindest beim Wiederlesen mein Lesevergnügen enorm erhöht, dass auch ich nicht mehr mitgekriegt habe als Kumiko. Und das hat sehr gut funktioniert.
Bei 45 Kapiteln von Mona Lisa Overdrive sind das übrigens die Kapitel: 1, 5, 9, 14, 17, 22, 26, 29, 32, 34, 37, 41 und 44, also nicht mal ein Drittel des Buches.

Fragt sich nur, warum Gibson das Buch nicht gleich auf ein Drittel gekürzt hat. Oder für jeden Handlungsstrang ein eigenes Buch geschrieben hat.

Außerdem habe ich das noch gemacht mit Magic Time von Kit Reed (deutsch: Magische Zeit, ein mittelalter Heyne-Schmöker) . Das hat ebenfalls und aus den nämlichen Gründen gut funktioniert, aber das Buch kennt wohl kaum einer.
Ich bin sehr interessiert an anderen Büchern, bei denen das auch funktioniert.

The Whistler

1. Die Filme
2. Erste Folgen
3. Radio
4. Das Handy
5. Vergleichendes

Kapitel 1: Die Filme

Ich bin der Whistler. Niemand kennt mein Gesicht. Ich weiß viele Dinge, denn ich wandere durch die Nacht. Ich weiß viele seltsame Geschichten. Ich weiß die tiefsten Geheimnisse von Männern und Fraue, die das Dunkle gesucht haben. Ja, ich kenne ihre unbeschreiblichen Ängste, von denen sie nicht zu sprechen wagen.

Dazu eine Silhouette unter einer Straßenlaterne oder ein Schatten an einer Hauswand: Ein Mann im Mantel mit Hut. Und dann pfeift er eine ungewöhnliche Erkennungsmelodie und erzählt eine Geschichte – eine seltsame Geschichte eben, über Menschen, die das Dunkle gesucht haben, und ihre Ängste, von denen sie nicht zu sprechen wagen.

So fing ein Film an, den ich etwa 1986 im Fernsehen sah. Schwarzweiß, nur etwa 60 Minuten lang, aus den 40er Jahren. Ein nicht ganz sauberer Privatdetektiv, eine Erbschaft, eine lange zurückliegende Geschichte – und am Schluss war das Objekt, hinter dem sie alle her waren, zerstört, und alle Hauptdarsteller tot. Hat mir sehr gut gefallen. Der Whistler selbst sorgte nur für den Rahmen, und kommentierte zwischendurch mal das Geschehen, danach verschwand er wieder in der Nacht.

Im Laufe einiger Monate danach wurden noch mehr Filme aus der Whistler-Reihe gezeigt. Jeder Film war nur gut 60 Minuten lang, Hauptdarsteller war fast immer Richard Dix, der natürlich immer andere Rollen spielte. Der Whistler sorgte für den Rahmen, und die Geschichten waren voller skuriller bis schmieriger Nebenpersonen, alle mit einer überraschenden Wendung am Schluss, und alle gingen sie nicht gut aus. Die Filme waren B‑Produktionen: Billig produziert, mit Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe, es waren Genrefilme mit oft hanebüchener Handlung. Diese Filme sind trotzdem liebenswert, und die Whistler-Reihe sowieso, denn sie wächst über die Grenzen der B‑Filme hinaus. (Und ohne B‑Filme hätte ich im selben Jahr noch weniger mit dem Blues Brothers-Titel “B Movie Box Car Blues” anfangen können.)


Richard Dix in The Whistler

Die einzelnen Filme sind:

The Whistler/Der Whistler (1944) (William Castle)
The Mark of the Whistler/Das Zeichen des Whistler (1944) (William Castle)
The Power of the Whistler (1945)
The Voice of the Whistler (1945) (William Castle)
Mysterious Intruder/Der geheimnisvolle Gast (1946) (William Castle)
The Secret of the Whistler (1946)
The Thirteenth Hour (1947)
Return of the Whistler (1948)

Regisseur der Hälfte der Filme war William Castle. William Castle wurde später bekannt als Regisseur und Produzent von billigen Horrorfilmen mit überzogenen Reklameeffekten: Bei The Tingler wurden die Kinositze verkabelt, um die Besucher an einer besonders spannenden Stelle zu erschrecken; bei anderen Filmen wurde für die Zuschauer eine Lebensversicherung abgeschlossen; Plastikskelette wurden an Seilen durchs Kino gezogen; die Zuschauer durften über das Ende des Films abstimmen.

(Ein Vorteil des Jahres 1986. Damals gab es noch kein nennenswertes Privatfernsehen, man kam mit maximal sechs Fernsehsendern aus, und gegen Mitternacht war Sendeschluss. Die Fernsehauswahl war begrenzt, und das hatte einen Vorteil: Man schaute das an, was kam. Und wenn nichts anderes lief, dann schaute man auch mal etwas an, das man nicht kannte, und von dem man vielleicht gar nicht so viel erwartete. Heute läuft zu jeder Zeit irgendein Film, den man schon kennt, und man muss nicht mehr auf unbekanntes Material ausweichen. Heute wäre ich vielleicht nicht auf die Whistler-Reihe gestoßen.)

Kapitel 2: Erste Folgen

In den 80er Jahren gab es auch noch AFN (American Forces Network), einen Radiosender für im Ausland, also hier, stationierte US-amerikanische Soldaten. Und da hörte ich zufällig im Radio eine Episode von The Whistler:

I am the Whistler, and I know many things, for I walk by night. I know many strange tales hidden in the hearts of men and women who stepped into the shadows. Yes, I know the nameless terrors of which they dare not speak.

Kurz zusammengefasst: Roy hat früher mit Dan und Paul erfolglos in Mexiko nach Gold gesucht. Er kehrt nach Riondo zurück, als ihm Lola, die Betreiberin des örtlichen Cafés, schreibt, dass Dan sich die langersehnte silberne Uhr gekauft hat. Manuel, Lolas Freund und der örtliche Sheriff, ist über Roys Rückkehr nicht erfreut.

Roy macht sich auf zu Dan; leider ist Paul, der andere Partner, auch aufgetaucht. Paul improvisiert gerne auf der Gitarre:

Welcome back to Riondo, Roy,
And if I may be so bold,
May I ask, did you come to see an old pal,
Or did you come for gold?

Oh yes, we’re right back in Riondo,
Two of the unholy three.
We’re going to take Dan’s gold away,
Half for you and half for me.

Ein feines Pärchen: Sie wollen Dans Gold. Nachdem es Roy nicht gelungen ist, Paul abzuhängen, stürzt er Paul einen Felsen herunter.

Oh my partner, he does not like me,
He slipped out of town and fled,
But I found him now, By this oak tree,
And I’ll stick with him till I’m dead.

Seine Leiche am Fuß des Felsens ist allerdings verschwunden. Roy tötet danach den in einer Blockhütte lebenden Dan, verbirgt die Leiche unter den Bodendielen, und flieht mit dem Gold, das dort versteckt gewesenen ist. Unweit der Hütte gerät er in Treibsand: Denselben Treibsand, in dem schon Pauls Leiche versunken ist. Das schwere Gold zieht Roy herunter. Da taucht Manuel, der mexikanische Sheriff auf. Manuel überlegt kurz, ob er Roy einfach untergehen lassen soll, aber dann macht er sich doch auf, den Versinkenden zu retten. Dazu braucht er nur einen Ast, oder ein langes, flaches Stück Holz – wie die Bodendielen in der Blockhütte…

Und das alles in gut zwanzig Minuten. Spannend; das Lied als Leitmotiv; einige Wendungen, die ich gar nicht erst erwähnt habe; mehrfache Ironien (das geraubte Gold zieht ihn herunter; die Bodendielen bringen Verdammnis statt Rettung; und letztlich auch die Zeile des im Treibsand versunkenen Paul “And I’ll stick with him till I’m dead”).

Jetzt wollte ich mehr über den Whistler wissen. Die Namen der Drehbuchautoren, die ich aus dem Abspann der Filme hatte, halfen mir nicht weiter. Aber die Story für zumindest einen der Filme (The Mark of the Whistler) stammte von Cornell Woolrich – zu diesem Autor fand ich viel Material. Ich schrieb einen Brief an AFN, nachdem ich mühsam deren Adresse herausgekriegt hatte, ob sie mir vielleicht Informationen zu “The Whistler” schicken könnten. Immerhin bekam ich eine Antwort: Zwei Zeilen Formbrief, dass sie mir leider bei meinem Anliegen nicht weiterhelfen könnten.

Damit war erst mal aus mit Recherchen. Das Web gab es damals noch nicht; mein Krimilexikon erwähnte nur knapp, dass die Filme auf einer alten Radioserie basierten; ich hatte noch keine Erfahrung im Recherchieren. Damit ruhte die Angelegenheit – auch wenn mich der Anfang der Radioepisode, die ich nur unvollständig auf Kassette aufgenommen hatte, schon interessierte.

(In der Woche nach der Whistler-Sendung darauf kam eine Episode von The Green Hornet. Die hatte ich ganz aufgenommen. Danach muss ich das Interesse verloren haben; oder die Sendungen wurden eingestellt, oder kamen zu unregelmäßig.)

Kapitel 3: Radio

Zehn Jahre später hatte ich OTR (Old Time Radio) entdeckt. Und jetzt weiß ich, dass The Whistler eine Radioserie war (eine von oh so vielen), die von 1942–1955 in den USA lief. Jede Episode beginnt damit, dass Dorothy Roberts das Whistler-Thema pfeift (komponiert von Wilbur Hatch), darauf hört man:

I am the Whistler, and I know many things, for I walk by night. I know many strange tales hidden in the hearts of men and women who stepped into the shadows. Yes, I know the nameless terrors of which they dare not speak.

Daraufhin erzählt der Whistler eine Geschichte, die manchmal gut ausgeht, meist aber nicht. Häufig geht es um betrogene Betrüger. Gerne mal übernimmt ein Flüchtling oder Kleinganove die Identität eines anderen (eines Toten bei einem Zugunglück, eines verschollenen Erben, eines für tot gehaltenen Verschwundenen), nur um festzustellen, dass er mit der neuen Identität jede Menge Schwierigkeiten und Verfolger übernommen hat – und letztlich für eine Tat büßen muss, die er gar nicht begangen hat, die aber in ironischem Verhältnis zu seinem eigenen Verbrechen steht.
Oder es geht um ausgeklügelte Mordpläne, die dann doch an einem Detail scheitern. In “Brief Pause For Murder” (9. August 1946 und 11. September 1949) verschafft sich ein Radiomoderator ein Alibi für einen Mord, indem er einen Kollegen erpresst und vor allem sich selber auf Schallplatte aufnimmt, wie er eine Sendung moderiert. Während der halben Stunde Schallplattenaufnahme führt er den Mord aus, aber dann hört er beim Zurückfahren im Auto, wie die Schallplatte hängt und die Nadel immer wieder zurückspringt. (Einige Details sorgen dafür, dass der Plot nicht ganz so unwahrscheinlich ist, wie er hier klingt.)

Auch sonst klingen viele Geschichten wie Columbo-Episoden: Nur entdeckt nicht der Kriminalinspektor das verhängnisvolle Detail, sondern ein ironischer Zufall oder der Verfolgungswahn des Täters selbst entlarvt die Tat. Triefend vor Ironie sagt der erzählende Whistler kurz vor dem Finale etwa: “It all worked out so perfectly, didn’t it, Roger” oder: “Yes, Roy, you have it all figured out, haven’t you?” Und dann fängt es an schlecht auszusehen für Roger, oder Roy, so wie in “Return to Riondo” (8. Januar 1950) – so heißt nämlich die Episode, die ich 1986 bei AFN gehört hatte. Fünfzehn Jahre hatte es gedauert, bis ich die Geschichte endlich ganz anhören konnte, da ich ja nicht mal ihren Titel wusste.

Yes, Roy, you have it all figured out, haven’t you. […] You have only to pack all the gold you can carry into knapsacks, strap them onto your back and then hurry to the river. At its edge you stop a moment […], wondering for a fleeting moment about Paul’s body. What became of him? And then you have another idea. You can cover your tracks, can’t you, Roy […]. You wade along the river’s edge, ankle-deep […] and then a sudden clutching fear grips you as your feet seem to give way and you begin to sink. Now you know what happened to Paul’s body. It fell into quicksand, Roy, and you’ve walked into the same quicksand.

Der hinzugekommene Manuel entscheidet sich doch für die Rettung, und das mit den Worten:

I know this quicksand. You need something long and flat, something you can hold on to while I pull you out. […] I will tear up the floorboards in Dan’s Shack […] I’m sure under these circumstances your old partner Dan Bosley will not mind my pulling them up.

Paukenschlag und Pfeifen.

Kapitel 4: Das Handy

Seit meiner Fahrt mit dem Leistungskurs Deutsch habe ich auch ein Handy. Ich habe schon gelernt, dass es Spaß macht, telefonierend durch die Stadt zu laufen – obwohl ich es hasse, wenn Fußgänger vor mir ein Handy benutzen: Die stellen sich nämlich keineswegs aus dem Weg, sondern werden nur langsamer und stehen allen anderen im Weg.
Jedenfalls hat mein mp3-fähiges Handy als Klingelton eben jenes Whistler-Thema. Es hat sich als gute Wahl herausgestellt: Ich selbst erkenne es bereits beim ersten Ton, und jeder andere identifiziert das Pfeifen erst mal gar nicht als Handyton.

Kapitel 5: Vergleichendes

Anders als bei den meisten Filmen und Hörspielen gibt es bei The Whistler einen echten Erzähler, wie man ihn sonst nur aus der Epik kennt. Erzählt wird im epischen Präsens (das ist das, was Schüler in der Unterstufe am Höhepunkt ihrer Erlebniserzählung verwenden sollen). Es handelt sich dabei allerdings weder um einen Ich-Erzähler, noch um einen Erzähler in der 3. Person, sondern um einen Du-Erzähler. Den habe ich sonst nur erlebt in einem missglückten Unterstufenaufsatz, und vor allem in dem Roman Complicity von Iain Banks (deutsch: Verschworen). Nochmal zum Veranschaulichen:

Yes, Roy, you have it all figured out, haven’t you. […] You have only to pack all the gold you can carry into knapsacks, strap them onto your back and then hurry to the river. At its edge you stop a moment […], wondering for a fleeting moment about Paul’s body. What became of him? And then you have another idea. You can cover your tracks, can’t you, Roy […]. You wade along the river’s edge, ankle-deep […] and then a sudden clutching fear grips you as your feet seem to give way and you begin to sink. Now you know what happened to Paul’s body. It fell into quicksand, Roy, and you’ve walked into the same quicksand.

Das Konzept des Fremden, der einem Passanten eine Geschichte erzählt, ist alt. Meistens stellt sich der Fremde selbst als Teil der Geschichte heraus – als Pointe unzähliger Horrorgeschichten, oder bei “The Ancient Mariner” von Coleridge.

Für eine Serie ist so etwas weniger geeignetet, also hält sich der Whistler aus der Handlung heraus. Ähnlich war es vorher bei der Radioserie The Shadow (1930–1954) : Bis der Shadow dann Woche um Woche Teil der Handlung wurde, damit aber die die Erzählerrolle aufgab. Der Mysterious Traveler (1943–1952) saß im Zug und erzählte dort seine Geschichten.

Bei DC Comics gibt es einen Phantom Stranger, der zumindest in seiner eigenen Serie ebenfalls Erzähler ist, aber auch aktiv in das Geschehen eingreift. Weil DC Superheldencomics produziert, trägt der Phantom Stranger statt Trenchcoat ein Cape, und das Gesicht liegt nicht nur im Schatten des Hutes, sondern hat auch noch eine kleine Maske gekriegt. Außerdem sind seine Geschichten Geistergeschichten.

Drei Goldgräber, die sich gegenseitig umbringen, gibt es auch bei Emanuel Geibel. Allerdings sind in dieser Ballade alle drei ähnlich schuldig und habgierig, während in der Whistler-Episode von oben zumindest einer der drei schuldlos bleibt:

Die Goldgräber

Sie waren gezogen über das Meer,
Nach Glück und Gold stand ihr Begehr,
Drei wilde Gesellen, vom Wetter gebräunt,
Und kannten sich wohl und waren sich freund.

Sie hatten gegraben Tag und Nacht,
Am Flusse die Grube, im Berge den Schacht,
In Sonnengluten und Regengebraus,
Bei Durst und Hunger hielten sie aus.

Und endlich, endlich, nach Monden von Schweiß,
Da sahn aus der Tiefe sie winken den Preis,
Da glüht es sie an durch das Dunkel so hold,
Mit Blicken der Schlange, das feurige Gold.

Sie brachen es los aus dem finsteren Raum,
Und als sie’s fassten, sie hoben es kaum,
Und als sie’s wogen, sie jauchzten zugleich:
“Nun sind wir geborgen, nun sind wir reich!”

Sie lachten und kreischten mit jubelndem Schall,
Sie tanzten im Kreis um das blanke Metall,
Und hätte der Stolz nicht bezähmt ihr Gelüst,
Sie hätten’s mit brünstiger Lippe geküsst.

Sprach Tom, der Jäger: “Nun lasst uns ruhn!
Zeit ist’s, auf die Mühsal uns gütlich zu tun.
Geh, Sam, und hol uns Speisen und Wein,
Ein lustiges Fest muss gefeiert sein.”

Wie trunken schlenderte Sam dahin
Zum Flecken hinab mit verzaubertem Sinn;
Sein Haupt umnebelnd umschlichen ihn sacht
Gedanken wie er sie nimmer gedacht.

Die andern saßen am Bergeshang.
Sie prüften das Gold, und es blitzt’ und es klang.
Sprach Will, der Rote: “Das Gold ist fein.
Nur schade, daß wir es teilen zu Drein!”

“Du meinst?” – ‘Je nun, ich meine nur so.
Zwei würden des Schatzes besser froh -”
‘Doch wenn -” “-Wenn was?” “Nun nehmen wir an,
Sam wäre nicht da” – “Ja, freilich dann -”

Sie schwiegen lang; die Sonne glomm
Und gleißt’ um das Gold; da murmelte Tom:
“Siehst du die Schlucht dort unten?” – “Warum?”
“Der Schatten ist tief, und die Felsen sind stumm.”

“Versteh ich dich recht?”-“Was fragst du noch viel!
Wir dachten es beide und führen’s ans Ziel.
Ein tüchtiger Stoß und ein Grab im Gestein.
So ist es getan und wir teilen allein.”

Sie schwiegen aufs neu. Es verglühte der Tag.
Wie Blut auf dem Golde das Spätrot lag;
Da kam er zurück, ihr junger Genoss,
Von bleicher Stirne der Schweiß ihm floss.

“Nur her mit dem Korb und dem bauchigen Krug!”
Und sie aßen und tranken mit tiefem Zug.
“Hei lustig Bruder! Dein Wein ist stark;
Er rollt wie Feuer durch Bein und Mark.

Komm, tu uns Bescheid” – “Ich trank schon vorher;
Nun sind vom Schlafe die Augen mir schwer.
Ich streck ins Geklüft mich.” – “Nun, gute Ruh!
Und nimm den Stoß, und den dazu!”

Sie trafen ihn mit den Messern gut;
Er schwankt’ und glitt im rauchenden Blut.
Noch einmal hob er sein blass Gesicht:
“Herr Gott, im Himmel, du hältst Gericht!

Wohl um des Goldes erschlugt ihr mich.
Weh euch! Ihr seid verloren wie ich.
Auch ich, ich wollte den Schatz allein
Und mischt’ euch tödliches Gift in den Wein.”

Fast die gleiche Geschichte erzählt Chaucer übrigens in “The Pardoner’s Tale” in den Canterbury Tales, es wird sich also um europäisches Novellengut handeln.

My radio shows

Das ist keinesfalls eine Liste aller OTR Shows, die es gibt. Aber es ist eine Liste aller Sendungen, von den ich mindestens eine Episode habe (digital, Kassette oder Audio-CD). Irgendwann schreibe ich zu einigen davon noch einen Eintrag.

2000 Plus
A Life In Your Hands
Abbott & Costello Show, The
ABC Radio Workshop
Academy Award Theater
Ace Williams, The Adventures Of
Adventures By Morse
Adventures In Research
Adventures of Hornblower
AFRS Radio Playhouse
Air Adventures Of Jimmy Allen, The
Al Jolson Show, The
Aldrich Family, The
American Trail
American Weekly
Amos & Andy
An American In England
Anderson Family, The
Answer Man, The
Arch Oboler’s Plays
Archie Andrews
Arthur Godfrey Time
Author, Author
Avenger, The
Babe Ruth, The Adventures Of
Baby Snooks Show, The
Barry Craig, Confidential Investigator
Batman Mystery Club, The
Behind the Mike
Behind the Scenes
Believe It Or Not
Beulah Show, The
Beyond Tomorrow
Bickersons, The
Big Story
Big Town
Bing Crosby Show, The
Black Castle, The
Black Chapel, The
Black Hood, The
Black Museum, The
Blondie
Bob & Ray
Bob Burns Show, The
Bob Hope Show, The
Bold Venture
Boris Karloff Show, The
Boston Blackie
Box 13
Broadway Is My Beat
Buck Rogers In the 25th Century
Burns & Allen
Camel Comedy Caravan
Campbell Playhouse
Campbell’s Short Short Story
Can You Top This
Candid Microphone, The
Candy Matson
Captain Midnight
Case Dismissed
Casey, Crime Photographer
Cavalcade of America
CBS Radio Workshop
Challenge Of The Yukon
Chandu the Magician
Charlie Chan
Cinnamon Bear
Cisco Kid, The
Clock, The
Columbia Masterworks
Columbia Workshop
Command Performance
Counterspy
Crime Club
Crisco Radio News
Curtain Time
Damon Runyon Theater
Danger, Dr Danfield
Dangerous Assignment
Danny Kaye Show, The
Dark Fantasy
Date With Judy, A
Defense Attorney
Dennis Day, A Day In the Life Of
Destination Freedom
Diary of Fate
Dick Tracy
Dimension X
Dinah Shore Show (Bird’s Eye Open House)
Don’t You Believe It
Dragnet
Duffy’s Tavern
Easy Aces, The
Eddie Cantor Show, The
Edgar Bergen Charlie McCarthy Show, The
Ellery Queen, The Adventures of
Escape
Exploring Tomorrow
Falcon, The
Family Theater
Fat Man, The
Father Knows Best
Favorite Story
Federal Agent
Fibber McGee & Molly
First Nighter Program, The
Fitch Bandwagon
Five Minute Mystery
Flash Gordon
Flywheel, Shyster & Flywheel / Five Star Theater
Ford Theater
Forecast
Frank Farrell, The Adventures Of
Frankenstein
Fred Allen Show, The
Free Company, The
Frigidaire Star Time
Frontier Gentleman
Frontier Town
G.I. Journal
Gangbusters
Ghost Corps, The
Globe Theater
Good News of 1939
Goon Show, The
Grand Central Station
Great Gildersleeve, The
Green Hornet, The
Green Valley Line
Guest Star
Guilty Party
Gunsmoke
Guy Lombardo
Hall of Fantasy, The
Hallmark Playhouse, The
Halls of Ivy, The
Haunting Hour, The
Have Gun, Will Travel
Henry Morgan Show, The
Hercule Poirot
Hermit’s Cave, The
High Adventure
Hobby Lobby
Hollywood Barn Dance
Hollywood Mystery Time
Hollywood On the Air
Hollywood Playhouse Of Romance
Hollywood Spotlight
Horace Heidt Show, The
House of Mystery
I Love a Mystery
I Love Adventure
I Was a Communist for the FBI
Incredible But True
Information Please
Inner Sanctum Mysteries
It Pays to be Ignorant
Jack Benny Program, The
Jane Endicott, Reporter
Jimmy Durante Show, The
Joe E. Brown Show
John Steel, Adventurer
Journey into Space
Kraft Music Hall, The
Land of the Lost, The
Last Man Out
Laurel & Hardy Show, The
Les Miserables
Let George Do It
Let’s Pretend
Life of Riley
Life With Luigi
Lights Out
Lineup, The
Lives of Harry Lime, The
Living 1949
Lone Ranger, The
Louella Parsons
Lum & Abner
Lux Radio Theater
Magic Island
Magic Key of RCA, The
Maisie
Majestic Master of Mysteries
Man Called X, The
Mandrake the Magician
Manhunt
Mark Trail
Martin & Lewis Show
Mayor Of The Town
Meet Corliss Archer
Meet the Meeks
Mel Blanc Show, The
Melody Ranch
Mercury Summer Theater
Mercury Theater of the Air
Milton Berle Show, The
Minnesota School of the Air
Molle Mystery Theater
Moon Over Africa
Movietown Radio Theatre
Mr and Mrs North
Mr District Attorney
Mr. Keene, Tracer of Lost Persons
Murder At Midnight
Murder By Experts
Murder Will Out
My Favorite Husband
My Friend Irma
My Little Margie
Mysterious Traveler, The
Mystery In The Air
National Barn Dance
NBC Presents Short Story
NBC University Theater
Nero Wolfe, The Adventures Of
New World A‑Coming
New York Close-Up
Nick Carter, Master Detective
Night Watch
Nightbeat
Obsession
Old Gold Show
Omar, Wizard of Persia
On Stage
Operation Nightmare
Our Miss Brooks
Out Of The Night
Ozzie & Harriet, Adventures of
Pat Novak, For Hire
Pete Kelly’s Blues
Phil Harris & Alice Faye Show, The
Philip Marlowe, The Adventures Of
Philip Morris Playhouse
Quiet Please
Quiz Kids, The
Radio City Playhouse
Radio Guild
Railroad Hour, The
Red Skelton Show, The
Results, Inc.
Richard Diamond, Private Detective
Ripley’ Believe It Or Not
Rocky Fortune
Rogue’s Gallery
Romance
Sad Sack Show, The
Saint, The
Sam Spade, The Adventures of
Screen Directors’ Playhouse/Guild
Screen Guild Theater
Sealed Book, The
Sealtest Variety Theater
Sealtest Village Store
Shadow of Fu Manchu, The
Shadow, The
Sherlock Holmes
Six Shooter, The
Sky King
Sleep No More
Smiths of Hollywood, The
Spike Jones Show, The
Stan Freberg Show, The
Stars On Parade
Strange As It Seems
Strange Doctor Weird, The
Studio One
Superman, The Adventures of
Suspense
Tailspin Tommy
Tales Of The Texas Rangers
Tarzan
Terry and the Pirates
Texaco Star Theater
The Lives of Harry Lime
Thin Man, The
This Is My Best
This Is Your FBI
Time For Love, A
Troman Harper, Rumor Detective
True Detective Mystery
Truth Or Consequences
Twenty-First Precinct
Vic and Sade
Voyage Of The Scarlet Queen, The
Walter Winchell’s Jergen’s Journal
Wednesdays With You
Weird Circle, The
Which Is Which?
Whisperer, The
Whistler, The
Wild Bill Hickock
Witch’s Tale, The
Words At War
World Adventurer’s Club, The
X‑1
You Are There
You Bet Your Life
Your Hit Parade
Yours Truly, Johnny Dollar
Zorro, Adventures of

OTR

OTR heißt Old Time Radio und man meint damit die Zeit von den dreißiger bis zu den frühen fünfziger Jahren, als Radio die gleiche Rolle in den USA spielte wie heute das Fernsehen.
Es kam natürlich auch Musik im Radio. Aber es gab auch Quizsendungen und Bauchredner und Nachrichten und Theaterkritiken und Krimis und Western und Daily Soaps und Drama. Und Science Fiction und Abenteuergeschichten und Kochtipps und Sendungen für Kinder. Und Gruselgeschichten wie Inner Sanctum Mysteries mit der ewig quietschenden Tür.
Das waren keine Hörspiele, so wie das Wort heute verwendet wird – genauso wenig, wie das, was heute im Fernsehen kommt, Fernsehspiele sind. Also nichts Außergewöhnliches, sondern Radioserien, so wie es heute Fernsehserien gibt. Gute und schlechte, teure und billige.

Aufzeichnungen der Sendungen waren nicht die Regel, keinesfalls jedenfalls waren sie für die Aufführung gedacht: Sämtlicher Inhalt war live. Jede Soap wurde live gespielt und übertragen, häufig vor Publikum; jede Eröffnungsmelodie wurde live vom Studioorchester gespielt; das Geräusch jedes klingelnden Telefons und jedes zerbrechenden Glases in einer Situationskomödie wurde vom sound effects man live erzeugt. (Der war konsequenterweise auch in der Schauspielergewerkschaft Mitglied und hatte eine wichtigere Rolle zu spielen als heute der Geräuschemacher beim Film.) Tanzmusik war live und wurde gerne aus großen Hotels übertragen. Wenn es bei einer an der Ostküste produzierten Sendung eine zweite Ausstrahlung für das Publikum an der Westküste gab, dann trafen sich alle Teilnehmer vier Stunden später noch einmal im Studio und wiederholten die Sendung Wort für Wort.

Am 21. September 1939 wurden die gesamten Ausstrahlungen des Radiosenders WJSV in Washington, DC aufgezeichnet, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Dass ausgerechnet dieses Datum gewählt wurde, liegt wohl an der Ansprache des Präsidenten Roosevelt vor dem amerikanischen Kongress: Es ging darin darum, die strikte Neutralität der USA zu beenden und Waffenlieferungen an das Ausland, allen voran das Vereinigte Königreich, zuzulassen. Drei Wochen zuvor, am 1. September, war Deutschland in Polen eingefallen, am 3. September hatten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg erklärt.

Hier kann man sich das Programm dieses Tages anschauen.

OTR Complete Radio Day

Am 21. September 1939 wurden die gesamten Ausstrahlungen des Radiosenders WJSV in Washington, DC aufgezeichnet, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Dass ausgerechnet dieses Datum gewählt wurde, liegt wohl an der Ansprache des Präsidenten Roosevelt vor dem amerikanischen Kongress: Es ging darin darum, die strikte Neutralität der USA zu beenden und Waffenlieferungen an das Ausland, allen voran das Vereinigte Königreich, zuzulassen. Drei Wochen zuvor, am 1. September, war Deutschland in Polen eingefallen, am 3. September hatten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg erklärt.

Und so sah ein Radiotag aus:

06:30 Sundial with Arthur Godfrey (music)
08:30 Certified Magic Carpet (quiz show)
08:45 Bachelor’s Children (soap)
09:00 Pretty Kitty Kelly (soap)
09:15 The Story of Myrt & Marge (soap)
09:30 Hilltop House (soap)
09:45 Stepmother (soap)
10:00 Mary Lee Taylor (soap)
10:15 Brenda Curtis (soap, featuring Agnes Moorehead)
10:30 Big Sister (soap)
10:45 Aunt Jenny’s True Life Stories (soap)
11:00 Jean Abbey (news for women)
11:15 When a Girl Marries (soap)
11:30 The Romance of Helen Trent (soap)
11:45 Our Gal Sunday (soap)
12:00 The Goldbergs (comedy)
12:15 Life Can Be Beautiful (soap)
12:30 Road of Life (soap)
12:45 This Day Is Ours (soap)
1:00 Sunshine Report (news)
1:15 The Life & Love of Dr. Susan (soap)
1:30 Your Family and Mine (soap)
1:45 News (news)
2:00 President Roosevelt’s Address to Congress (speech)
2:40 Premier Edouard Daladier
3:00 Address Commentary (news)
3:15 The Career of Alice Blair (soap)
3:30 News (news)
3:42 Rhythm & Romance
3:45 Scattergood Baines
4:00 Baseball: Cleveland Indians at Washington Senators (sports)
5:15 The World Dances (music)
5:30 News (news)
5:45 Sports News (news)
6:00 Amos and Andy (comedy)
6:15 The Parker Family (comedy)
6:30 Joe E. Brown (comedy)
7:00 Ask-It Basket (quiz)
7:30 Strange as it Seems (true stories)
8:00 Major Bowes’ Original Amateur Hour (variety)
9:00 The Columbia Workshop – “Now It’s Summer” (drama)
9:30 Americans at Work (true stories)
10:00 News (news)
10:15 Music (music)
10:30 Albert Warner (news)
11:30 Teddy Powell Band (music)
12:00 Louis Prima Orchestra (music)
12:30 Bob Chester Orchestra (music)

OTR heißt Old Time Radio und man meint damit die Zeit von den dreißiger bis zu den frühen fünfziger Jahren, als Radio die gleiche Rolle in den USA spielte wie heute das Fernsehen. Erklärungen dazu gibt’s in einem anderen Eintrag.