Schüler treffen

Letzte Silvesterparty, eingeladen bei Bekannten von Frau Rau. Ich läute, die Tür geht auf, eine überraschte Stimme quietscht schulisch-tonlos “Guten Tag Herr Rau”. Ich ganz cool “Hallo Sabine”. Das war das erste Mal, dass ich auf einer privaten Party zusammen mit einer ehemaligen Schülerin als Gast war.

(Noch bin ich nicht in dem Alter, wo ich ehemalige Schüler als Kollegen habe. Das gibt’s ja auch häufig.)

Pubertät aus Schülersicht (8. Klasse)

Folgendes hat eine Schülerin aus meiner 8. Klasse für ein laufendes Projekt geschrieben (mehr dazu wohl erst nach Weihnachten); ich habe den Text zwar schon auf unserer Schul-Homepage veröffentlicht, aber hier sehen ihn vielleicht dann doch noch andere Leute.


Ein normales Gespräch unter Müttern: “Und, wie läuft’s bei euch so?” “Ach, meine Tochter hat mal wieder randaliert, sie sind ja so aggressiv in dem Alter, immer passt ihnen was nicht.” “Sie sind halt in der Pubertät. Das geht vorbei. So ab 19 werden sie wieder zahm.”
So manch ein Teenie fragt sich bei diesen Worten: “Aggressiv? Pubertät?” Es kommt nicht selten vor, dass Erwachsene über das ‘zarte Alter’ wie über eine eklige Krankheit reden, die mit Pocken oder einer Grippe zu vergleichen und so ansteckend ist, dass alle Jugendlichen sie einfach bekommen müssen. Viele ratlose Eltern stellen sich dann eine Frage: Was mit den Halbstarken tun? Sie einsperren, bis sie 21 sind, sich mit ihnen an den Kaffeetisch setzen und das Sieh-mal-dein-Körper-verändert-sich-jetzt-Gespräch anfangen oder sie schlicht zum Tierarzt bringen? Doch sind die Eltern die armen Leidtragenden? Wie es der gute alte Instinkt der Menschheit will, schöpfen sie daraus einige Vorteile: Zum Beispiel ist ihr einziges Argument (außer: “Wir haben kein Geld dafür”), wenn ihr Sprössling ein viertes Rennrad möchte: “Du bist noch ein halbes Kind, du weißt doch gar nicht, was du willst.” Oder wenn er sie um Erlaubnis bittet, zur angesagtesten Party des Jahres zu gehen, heißt es: “Dazu bist du noch viel zu jung.” Dagegen ist man schon alt genug, wenn es darum geht, das Bad zu putzen, einkaufen zu gehen oder bei ihren kleinen Treffen die Bedienung zu spielen. Darf ich Ihnen noch ein Häppchen anbieten?” Und wie erklären wir uns dieses ganze Affentheater? Nun, einige kluge Köpfe meinen, es läge an den Hormonen, die in unserem Körper überall wie shoppingwütige Weibsbilder in einem XXL-Einkaufscenter herumwuseln.
So, meine lieben Eltern, Tanten, Ärzte und alle, die das Phänomen des Erwachsenwerdens nicht verstehen: Es liegt nicht an uns! Die Wahrheit ist, dass wir, wenn wir klein sind, automatisch den Älteren gehorchen und nur selten fragen, wieso dies und das so ist, und wenn wir es doch tun wird uns etwas aufgetischt wie: “Nein! Dein Hamster ist weg, weil er dem Nikolaus helfen muss, Geschenke auszutragen.” Mit dem älter (und intelligenter) werden erkennen wir, wie viele Lügen, Schwindel und bescheuerte Regeln und Verbote uns vorgelegt worden sind. Wir verstehen, wie ungerecht doch alles ist, und versuchen unsere Ansichten in das Alltägliche einzubauen, was den Erwachsenen gar nicht passt, weil wir doch eigentlich lieb, nett und brav sein sollten und selbst denken tabu ist.
Die Tatsache, dass wir mit höherem Alter ihrer Ansicht nach einfacher werden, ist schlicht und einfach darauf zurückzuführen, dass wir es aufgegeben haben, unsere Ideen, Meinungen und Anregungen zu erläutern. Man kann Eltern genauso wenig ändern wie einen Wiederholungstäter im Nasenbohren.
Fazit: Lasst uns bitte in Ruhe, nervt uns nicht und versucht schon gar nicht mit uns zu reden, dann dürften wir diese schwierige Zeit wohl alle gut überstehen.

(Caro Heep)

Die schönsten Sachen aus dem Future Dictionary

Vor kurzem habe ich schon etwas über The Future Dictionary of America geschrieben. Inzwischen habe ich noch ein paar schönere Einträge drin gefunden:

  • Bookmonster Babs: eine sagenhafte Gestalt, die an jedem Jahrestag des ersten gelesenen Wortes zu einem Kind kommt und ihm Buchgeschenke bringt. Babs hat lila Fell und gelbe Zauberstiefel. Am Vorabend des Jahrestages versuchen Kinder Babs anzulocken, indem sie ihr ein Buch mit Zeichnungen und selbst ausgedachten Geschichten erstellen. (Anne Ursu)
  • Adulteration: Den inneren Erwachsenen in sich entdecken (nachdem man festgestellt hat, dass das innere Kind ziemlich nervig ist); die Baseballkappe wieder richtig herum aufsetzen. (Marilynne Robinson)
  • and-yet: wird wie ein Wort ausgesprochen, Betonung auf der zweiten Silbe. Ein satzwertiges Element, findet sich oft am Schluss von Äußerungen und bedeutet soviel wie “Aber ganz hundertprozentig richtig ist das nicht.” (Nicole Krauss)
  • home accompanist: ein Musiker zu Hause, der für Familienfeste und ‑aktivitäten eine passende Hintergrundmusik spielt – bei Mahlzeiten, Abfahrten, Ankünften, Partys, zur Schlafenszeit und so weiter. Sie lassen die Leben ihrer Gastgeber bedeutsamer, wichtiger und filmartiger erscheinen. (John Henry Fleming)

Einleitung und Schluss

Bei der letzten Deutsch-Klausur hatte ich meinen Schülern erlaubt, auf “Einleitung” und “Schluss” zu verzichten. Darüber waren sie erleichtert, da sie die Suche nach einer Einleitung bestimmt immer zehn Minuten kostet. Trotzdem hat fast jeder Schülertext eine Einleitung, und die meisten einen Schluss, auch wenn die Schüler das vielleicht gar nicht so wahrnehmen.
Die Schüler wissen wirklich nicht, oder auch: wir Lehrer haben es ihnen nicht vermittelt, was eine Einleitung ist und wieso sie nötig ist. Wenn man die Schüler in Ruhe lässt, machen sie ganz von allein das, was sich gehört.

A Christmas Story – 9. Klasse (Fortsetzung)

Die Schülerin (9. Klasse), die neulich folgende Geschichte als Hausaufgabe geschrieben hat, war so freundlich, den Text noch einmal abzutippen. (Danke schön.) Dabei hat sie auch einige Fehler verbessert. Hier ist jetzt die lesefreundliche Fassung:


“Dear Santa,
You know I wrote you several letters in the last years anyway, I think they didn’t reach you. Perhaps you only think I’m too old to believe in you, but I totally do. OK, I don’t. But I’m 16 now and… I hope you understand. Well, I’m only writing to you because I really want to have a pet. You know, they always say when you really want something, you’ll get it. And writing to you gives me that feeling… see I’m writing to a fat, old man who doesn’t exist just for my wish. I always wanted to have a dog, but please: a big one. I love those which look dangerous because the make me look so too. Well, I hope it’s possible.
And say hello to your reindeers from me.
Love, Liz”

Liz put the letter outside her window. She wrote the address with her left hand, to make it look like a little child had written it. “Tomorrow is Christmas” she said to herself. She wasn’t really because if your parents don’t want to realize you are simply not interested in books, coloured sweatshirts or anything your parents buy you every year… you have nothing to look forward to. OK, Liz’ parents could give her something she wants: a car, or painting her whole room black. Perhaps she would be happy with their allowing to dye her hair, but black and not like her parents would like it… “Life’s a mess!” she cried and kicked her bed (which she had painted black) with her black shoes. She went to bed to make this terrible day come to an end. (She thinks every day is terrible)
Like woke up with the twittering sound of her mother’s voice. “Daaaaarliiiiing, wake up, it’s Christmas day!” Liz opened her eyes. “Christmas? What a funny day!” Liz didn’t think the day was funny but her mother wanted her to be polite and Liz agreed with it as long she kept paying pocket-money. “Aaaaand, I’ve got a special present for you! Your sister Amy found a letter yesterday. A girl had written it to Santa Claus. Amy told me what the letter told her and so I found a perfect present for you.” She took a present and put it on Liz’ bed. Liz opened it. When she saw the little dog which was in there, she almost cried. “But… but… it’s a dog!” “Yes darling. I thought you wanted one.” “But not that kind of dog, mum. It’s a poodle!” “Yes, it is, Lizzy darling. And her name is Brittany.” “Brittany?” Liz couldn’t believe it. “You gave me a white poodle. And it exactly looks like the poodles on television. Can’t I ever give her another name or could I dye her fur black?” “Darling, you won’t dye it. Look how clean she looks with the white fur. And she already knows her name. Brittany?” The puppy barked. Well, it really tried to but it sounded like a guinea-pig when you’re hugging it too much. “Well, darling, I’ll let you two alone.” Brittany barked again and tried to reach Liz’ face. “You’re not going to do this, Britney… um sorry, Brittany.” Brittany looked at Liz, her eyes seemed to have doubled in size. “Forget it. But if you’re bored try jumping out the window and look if you can survive.” Brittany left the bed and tried if her teeth ware strong enough to destroy Liz’ shoes. “That’s enough, Britney. Perhaps I can send you to China but I suppose you’re not fat enough.”
Amy came into the room. “Oh, you’re sooooo lucky! Brittany is soo cute! And look how sweet she barks at you! You must be the luckiest girl in the world in the world.” “And if you won’t leave the room in a minute, you’ll be the deadest! And take this furry thing with you.” Amy almost cried but she had always been very sensitive. “You’re so cruel!” That was Amy’s favourite sentence. First Amy ran down the stairs, the two people came upstairs. Of course, Amy had to tell her mother. However, a minute later, Amy with her in Liz’ room. “What are you thinking? You can’t hurt such a cute, innocent dog.” Amy seemed very happy about what her mother said. She looked with her “It’s all you fault. If you hadn’t said it…” ‑face and enjoyed every minute. “It’s Christmas darling. Won’t you come downstairs and have breakfast with us?” “I don’t want to eat anything. Wait, perhaps I could cook a nice Chinese meal.” “No, you can’t, honey. And you’re a terrible chef, darling.” “Um, mum? Perhaps Britney isn’t that bad, although she isn’t black. Perhaps we can go outside.” “That’s a great idea, darling. Have fun!”
Of course Liz only wanted to do that because she needed a plan. She knew she wasn’t able to kill the dog at home. Maybe she could throw Brittany into a river and tell her mother she had fallen into it herself. Anyway, Liz went to the river which runs through the town. She stood on the bridge and stared into it. The water looked very could, and it had to be, it was December. she thought that she couldn’t throw Brittany from the bridge. She left her at a shop nearby and went down a few stairs. On a little piece of sand sat a girl, she had to be in Liz’ age. She had long, blonde hair and a pink anorak. One hand she had in the river. The girl turned around and looked at Liz. “Hi. I’m Ashley.” Ashley tried to smile. “Liz.” She didn’t say anything more. Ashley didn’t belong to the kind of people she talked with. Ashley looked at the water again. She dipped her hand, with pink fingernails, into the water again. “What do you think? If you fell there, how would you die?” Liz didn’t see any way out, so she answered: “I think you die of the coldness.” “Yeah, like in Titanic.” Suddenly, Ashley began to cry. Liz felt she had to ask about the reason Ashley cried, so she did.
“It’s my Christmas present. I wanted to have a dog. I wrote to Santa as I always do, and I even chose my best writing paper, the one which smells like roses. I mean, I’ve seen those dogs on television. Cute ones that you can pet all day. You can even dress them! My mum came to me this morning, with a huge present and I thought my greatest wish had come true. I though I got a cute puppy which I always wanted to have. But what did I see? An ugly thing, black, perhaps with red eyes, I didn’t want to look in its face. My mother said this dog would be funny because when anyone sees me, they would be absolutely surprised that that’s my dog. But it’s such an ugly creature!” Ashley cried like she’d never stop.
Liz smiled. It was so… like a miracle. “You know what? The same thing happened to me but I didn’t get an evil-looking dog, I got a stupid little poodle!” Ashley stopped crying and started to look confused. “What do you want to say?” It wasn’t enough that she was sensitive and spoiled, no, she obviously was stupid, too. Liz didn’t try to explain. She took her hand and ran to the shop where she hah left Brittany. As Ashley saw her, she picked her up and petted her. “Oh, how cute! You must be the luckiest girl in the world. But why are you showing me a dog which I always wanted and… You don’t like me, right? You don’t like me, that’s why you’re showing me my greatest desires which…… Oh, you’re so cruel!” Ashley started to cry again. Liz didn’t understand why, it seemed natural to her that you’re not liked by everyone. But she tried her best to explain. “No, I want you to change dogs with me. Could I see your… your…” “His name is Devil. I gave it to him.” Probably she had wanted to give him the worst name she could think of. Ashley stopped crying again and ran to fetch Devil. A few minutes later, she returned. Ashley tried to hold the dog as far away from her as possible. “Well, do you really want to me your nice, cute puppy for this creature?” She asked. “Of course.” Liz took Devil from Ashley’s arms. “Well, Britney… sorry, Brittany is yours.” Ashley picked her up and shrieked: “Thank you! And sorry for what I said. Oh, Brittany, we’ll win every Me and my dog competition!” Liz smiled. “Sure.”
And so they lived happily ever after…

Hot Potatoes

Hot Potatoes ist eine Suite von Programmen zum Erzeugen von Multiple-Choice- und ähnlichen Tests. Man kann sie kostenlos herunterladen unter http://web.uvic.ca/hrd/halfbaked/; für den vollen Funktionsumfang muss man sich registrieren lassen. Das kostet nichts und man bekommt ein Passwort zugemailt.

(Nachtrag: Für die aktuelle Version braucht man keine Registrierung mehr.)

Die einzelnen Programme:

JBC: Multiple Choice
JQuiz: Wörter in Textfelder eingeben (Antworten geben)
JMix: Wörter in bestimmte Reihenfolge bringen
JCross: Kreuzworträtsel
JMatch: Zuordnunge linke Spalte – rechte Spalte (auch mit Grafiken)
JCloze: Lückentexte erstellen

Man erstellt die einzelnen Übungen in dem Hot-Potatoes-Programm (wo sie als XML-Dateien gespeichert werden); die Aufgaben können in dieser Form beliebig geändert und bearbeitet werden. Wenn man fertig ist, exportiert man sie ins HTML-Format und kann sie dann online stellen oder offline Schülern zugänglich machen.
Man kann die einzelnen Testformate allerdings nicht ohne größere Umstände miteinander kombinieren, sondern muss separate Tests erzeugen. Farbe und Layout können angepasst werden.
Auch die Details sind sinnvoll: Bei Multiple-Choice-Übungen kann man beliebig viele richtige Antworten in beliebiger, bei jedem Durchgang neu erzeugter Reihenfolge angeben; bei den Quizzes können jeweils auch mehrere Lösungen als richtig akzeptiert werden; bei den Übungen, wo man Wörter in die richtige Reihenfolge bringen muss, wird ein “the”, das vielleicht zweimal auftaucht, tatsächlich so behandelt, dass die Reihenfolge egal ist. (Bei “dog man bone gave the the a” zu “The man gave the dog a bone” kann man jedes “the” an die erste Stelle ziehen.)

Es gibt wohl eine Menge Lehrer, die mit Hot Potatoes Aufgaben entwerfen und sie online stellen. Bei dieser portugiesischen Englischlehrerin kann man schauen, was man alles für Übungen machen kann.

Meine eigenen Versuche sind noch nicht soweit gediehen:
Kreuzworträtsel 1 (von Sechstklässlern selbst mit dem Programm im Computerraum erstellt)
Kreuzworträtsel 2 (ebenso)
Kreuzworträtsel 3 (ebenso)
Gegenteile finden (auch von Sechstklässlern im Computerraum)
then/than-Übung (Text von einem Achtklässler)

(Das Layout der Seiten ist nicht optimal; sie waren mal in einen anderen Kontext eingebunden.)

Zur Demonstration noch eine Übung zur Wortreihenfolge und ein
Multiple-Choice-Test
mit jeweils 20 von 46 Fragen zum VOA-Wortschatz, Buchstabe A. Wer schafft mehr als 90%?

Cheapass Games

Einige meiner schönsten Stunden hatte ich bei Spieleabenden mit Freunden. Stunden, die so selbstverständlich und schön waren, dass mir das immer erst im Nachhinein aufgefallen ist. Dieser Eintrag ist diesen Spielerunden gewidmet.

Cheapass Games ist ein kleiner amerikanischer Spieleverlag mit viel Humor und kleinen Preisen. Die ersten Spiele kamen in weißen Papeirumschlägen und enthielten keinerlei Würfel, Münzen doer Spielfiguren. Jeder Hobbyspieler hat davon ohnehin genug zu Hause herumliegen. Die nächste Generation kam dann schon in etwas stabileren Pappkartons, und einige Luxusausgaben in Farbe gibt es auch schon. Die Preise sind nicht mehr ganz so niedrig, aber ab US$ 7.50 gibt’s schon eine Menge Spiele; wer keinen äußerst gut sortierten Spieleladen kennt (in München kenne ich keinen), muss auch noch Porto aus den USA zahlen.

Die Spiele heißen zum Beispiel “Give Me The Brain”. Die Spieler übernehmen die Rolle von Zombies in Friedey’s, the fast food restaurant from hell. Ihr Ziel: Alle aufgetragenen Arbeiten zu erledigen und Feierabend zu haben. Jeder Spieler kriegt eine Reihe von Karten auf die Hand, die größtenteils verschiedene Aufgaben enthalten. Wer alle Karten los ist, hat gewonnen.
Auf manchen Arbeits-Karten ist eine Hand abgebildet, auf anderen zwei. Auch ein Zombie hat nur zwei Hände, jedenfalls ohne die Zusatzkarte “I found this in the back”: Man kann pro Runde zwei Karten ausspielen, die nur eine Hand abgebildet haben, oder eine Karte, für die man zwei Hände braucht.

Außerdem braucht man für manche Jobs etwas Gehirn. Das erkennt man an dem abgebildeten Gehirn links unten. Das Problem ist nur, es gibt nur ein einziges Gehirn für alle mitspielenden Zombies, daher auch der Name des Spiels: “Give Me The Brain”. Nach jedem Gehirneinsatz besteht die Gefahr, dass man das Gehirn auf den Boden des Fast-Food-Restaurants fallen lässt, worauf alle Zombies dann erst mal darum wetteifern, das Gehirn zu ergattern.
Ich find’s lustig.
Es gibt bei Cheapass Game auch eine komplett tschechische Ausgabe des Spiels. Die tschechisch-englische Übersetzungshilfe darf immer nur der Spieler benutzen, der gerade das Gehirn hat.

Das Spiel “Before I Kill You, Mr Bond” heißt jetzt aus rechtlichen Gründen nicht mehr so, sondern “James Ernest’s Totally Renamed Spy Game”. Es erklärt, warum die Helden immer doch noch aus den Fängen der Superschurken entkommen. Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Superschurken, der sich sein geheimes Superschurkenzentrum aufbaut. Punkte kriegt man durch opulent ausgestattete Zentren, und durch gefangene Geheimagenten. Die kann man gleich töten, oder man kann sie erst noch etwas zappeln lassen. Dann sind sie mehr Punkte wert. Und wenn man sie dann noch einmal zappeln lässt, bringt das wieder mehr Punkte. In jeder Zappelphase haben Mitspieler Gelegenheit, dem gefangenen Agenten zur Flucht zu verhelfen.
Das schöne am Spiel sind die Karten, mit denen man sein Geheimzentrum ergänzt (Espressomaschine, Faxgerät, Luxusyacht, Klonfabrik, Obst, Unterlinge), und vor allem die Karten, mit denen man dem gefangenen Agenten mehr Punkte entlockt (und die gleichzeitig den Mitspielern eben Gelegenheit zum Stören geben): “I insist on engaging you a in a blindfolded karate match.” “I shall taunt you with this deadly weapon, blithely unaware that a child could have untied those ropes by now.” “Allow me to reveal the full extent of my depravity by hunting you alive on my wild game preserve.” “I shall dazzle you with my brilliance by revealing the secret manner in which I intend to conquer the world.”
Kreative Spieler lassen diese Sätze dramatisch von der Zunge rollen, ergänzt um eigene Kommentare, wahnsinniges Lachen und triumphierende Gesten.

Daher auch die Einordnung dieses Eintrags zu Schulkram (mal machen). Das wäre doch mal was für meine Neuntklässler. Oder vielleicht das: Unter http://www.cheapass.com/free/index.html gibt es kostenlose Spielanleitungen zum Herunterladen, auf Englisch natürlich. Die meisten dieser Spiele brauchen kein lustiges Zusatzmaterial, aber Bleeding Sherwood gibt’s als pdf zum Herunterladen, Ausdrucken und Ausschneiden. Ich hab’s noch nicht gespielt, es hat sich wohl nur mäßig verkauft, aber ich bring’s meinen Schülern mal mit.

Englisch spielend lernen

Also, ich hab so Englisch gelernt: Einmal über das Lesen von englischen Büchern und Comics, und außerdem über Spiele. Ganz am Anfang standen zum Beispiel die Text-Adventures. Das waren Computerspiele ganz ohne Bilder; man wurde in eine mehr oder weniger gefährlich-phantastische Situation versetzt; bekam in englischen Sätzen beschrieben, was um einen herum geschah, und musste in englischen Sätzen oder Satzfragmenten selber dem Computer mitteilen, was man tat. Häufige Mitteilungen waren zum Beispiel: “Go east”, “Look around”, “Take the sword” und “Attack the monster with the sword”. Da konnte man zumindest seinen Wortschatz erweitern. Ich weiß heute noch, wie lange ich gegrübelt hatte, wie ich die Flüssigkeit aus der Flasche auf das Boot kriegen sollte, bis ich endlich auf das Verb “to pour” kam.

Der Großpapa der Textadventures ist Zork I, mit den Fortsetzungen II und III. Und es freut mich sehr zu hören, dass Zork auf seine alten Tag eimmer noch rüstig ist: Man kann sich alle drei Spiele bei Infocom kostenlos herunterladen. (Infocom waren die erklärten Meister der Textadventures; aus diesem Haus kamen die besten.)

So etwa sieht Zork dann aus:

Kein Bild, nur Text, hellgrau auf schwarz. Wer lesen kann, den stört das nicht, der kann sich auch ohne bewegte Bilder Welten erschaffen. Tatsächlich waren mir die reinen Textadventures tatsächlich immer am liebsten. Aber schon bald darauf erschienen die ersten Bild-Adventures: Bei diesem wurde der Text durch Grafiken ergänzt. So etwa “Blade of Blackpool”:

und “Gruds in Space”:

Beide hatten mir damals viel Spaß gemacht. Selten haben wir sie alleine gespielt, meistens zu zweit oder zu dritt. Irgendwer hatte meist eine Idee, wie man weitermachen konnte. Aber irgendwann war immer der Zeitpunkt erreicht, wo man nicht mehr weiter wusste und wirklich erst eine Nacht darüber schlafen musste. Am nächsten Morgen fiel einem dann schon ein, dass man ja versuchen konnte, die goldene Feder in das Nest auf dem Baum zu legen oder die rostige Tür im Keller mit dem Ölkännchen aus der Werkstatt zu reparieren.

Danach wiederum kamen die reinen Bildadventures: Kein Text mehr, nur noch Klicken mit dem Mauszeiger auf verschiedene Symbole für “nehmen”, “geben”, “benutzen”. Und auch diese letzten Textreste waren bald verschwunden. Bäh. Wie fade.

Schön, dass es der Textadventure-Szene gut geht. Unter http://www.martin-oehm.de/adv/index.html kann man sich informieren, was es alles gibt; außerdem gibt es dotr einen einfachen Programmiersprache und einen Compiler dazu, mit deren Hilfe man selber Textadventures erstellen kann – und das sogar auf Deutsch, wo doch die deutsche Grammatik einem mehr Schwierigkeiten bereitet als die englische. Ich hab auch schon mal unser Schulgebäude in dieser Sprache modelliert, das funktioniert ganz gut. Jetzt müsste ich nur noch ein paar feuerspeiende Drachen verteilen, und Schlüssel verstecken, und geheimnisvolle Bände in der Bibliothek deponieren. Wär das nicht mal was für den Informatikunterricht?

(Wer alte 64er-Spiele sucht: Hier gibt’s den besten Commodore 64-Emulator für Windows; Spiele selber gibt es im WWW ebenso.)