Vergnügliche Stunden in der Schule (für mich)

Englische Konversation, 11. Klasse, heute: Eigentlich schob ich nur kurz ein, dass viele Schüler und Schülerinnen, die ansonsten eher britisches Englisch sprechen, das intervokalische [t] lenisiert aussprechen, also fast wie ein [d]. Das heißt, sie sprechen “hot” [h​​​ɒt​] aus und “hotter” [‘hɒdə] – das stößt mir jedesmal auf. Das gibt es im amerikanischen Englisch, ja. Aber der Vokal ist ist bei den Schülern und Schülerinnen nicht zum amerikanischen [a] geworden. Also kurze Wiederholung zu stimmhaften und stimmlosen Konsonanten und zu Auslautverhärtung – dem Phänomen, dass ursprünglich stimmhafte Konsonanten am Wortende stimmlos werden, so dass sich “Pferd” auf “Wert” reimt, aber eben nicht “Pferde” auf “Werte”. Das befolgen Deutschsprechende erst einmal auch, wenn sie Englisch reden, wo es das Phänomen nicht so gibt.

Ein Schüler meinte dann, in England würden die doch eh alle [‘hɒʔə] sagen, also mit einem glottalen Plosiv, glottal stop, Glottisschlag. Deshalb weiter: Nein, vor allem und typisch in Südlondoner Akzent, aber auch im Aussterben begriffen. Aber der Glottisschlag ist so ein interessanter Laut, da holte ich mir die Erlaubnis zum Ausholen.

Den Laut gibt es im Deutschen auch, sogar häufig. Wir haben aber keinen Buchstaben dafür. Zwischen “be-inhalten” und “Spiegel-ei” ist dieser Laut, und zwischen “hin-auf” – außer man sagt “hi-nauf”, was inzwischen sicher häufiger ist. Aber auch zwischen nicht zusammengesetzten Wörter steht vor einem Vokal oft dieser Laut: zwischen “mein Auto” – außer man sagt “mei-Nauto”. Das ist empfohlen, wie auch geübte Vielsprecher einen Halbvokal wie [w] oder [j] als gleitenden Einstieg in einen Vokal wählen, eben um den Knacklaut zu vermeiden, der auf Dauer nicht gut für die Stimmbänder ist.

Auch die Aussprache von “Schüler:innen” oder “SchülerInnen” ist mit diesem Knacklaut kein Problem – man darf ja gerne dagegen sein, aber bitte nicht mit dem Argument, das könne man ja nicht aussprechen.

Diese Wort-Abtrennungen wie “mei-Nauto” gab es im Englischen auch, so dass “a nadder” (die deutsche Natter) zu “an adder” wurde und “an eke name” (ein, uh, auch-er Name) zu “a nickname”. Aber, was hat “eke” mit “auch” zu tun?

Also gut, schnell noch 2. Lautverschiebung und danach auf Wunsch auch noch die 1. eingeschoben. Grimm kennen sie gerade eh aus der Romantik. Das kann ich alles auswendig, und früher war die indoeuropäische Sprachfamilie sogar mal Stoff in der 8. Klasse. Vor der kompetenzorientierten Entschlackung der Lehrpläne.

Deutsch, Q11: In der darauf folgenden Doppelstunde ging es um E.T.A. Hoffmann, “Der Sandmann”. Ich hatte eh schon etwas zur Motivgeschichte vorbereitet, angefangen mit Hypnos und Morpheus. Aber ein mythologisch interessierter Schüler kam mir zuvor: Er hatte gelesen, dass in der germanischen Mythologie Schlaf und Traum als Sendboten galten, und das Wort Sandmann von “Sendbote” komme. Ich äußerte Skepsis, fand dazu aber zwei Zeilen auf Wikipedia (ohne weitere Quelle). Aber immerhin. Ich blieb bei meiner Skepsis, bat den Schüler, das weiter zu recherchieren.

Am 10. April 2010 erweiterte der Nutzer “Jbergner” den Beitrag “Sandmann” unter anderem um folgende Zeilen: (nein, aber so ähnlich jedenfalls):

Für die [[Germanen]] waren der Schlaf und der Tod Geschwister. Beide wurden als ”Sandmann” (”Sendbote”) bezeichnet.

Und seitdem steht das da wohl so. Der Text hat sich nur wenig verändert bis heute; es finden sich etliche Stellen im Web, die das gleiche behaupten – aber nie mehr, und nie mit genaueren Quellenangaben, so dass ich vermute, dass die alle auf eine einzige Quelle zurückgehen, nämlich Wikipedia. Und die wiederum geht vielleicht zurück auf Hans-Jürgen Möller, Psychiatrie und Psychotherapie, Ausgabe von 2005, S. 295 – da steht, ganz nebenbei, das mit den Sendboten. Diese Quelle fand und schickte mir der Schüler.

Natürlich bin ich kein Experte, und natürlich ist es so, dass Lehrkräfte vielleicht zu oft davon ausgehen, dass etwas, das sie nicht kennen, gar nicht stimmen kann. Und doch bleibe ich bei meiner Skepsis. Im Sandmann-Beitrag in der Enzyklopädie des Märchens (15 Bd.) habe ich nichts dazu gefunden; wenn man im Web auf Englisch sucht, findet man gar keine solche Behauptungen.

Aber der Schüler und ich, wir recherchieren weiter, und vielleicht findet sich ja jemand, der sich in germanischer Mythologie auskennt – und in der Etymologie von “Sandmann”.

Impf-Ungeduld und Testen in der Schule

Seit Anfang dieser Woche (also nach den Osterferien) kommen in Bayern ab einer 7‑Tage-Inzidenz von 100 nur die Abschlussklassen in die Schule, das heißt fürs Gymnasium: die Kurse der 11. und 12. Klassen, und das jeweils abwechselnd nur in halber Besetzung. Außerdem müssen sich diese Schüler und Schülerinnen alle in der Schule im Klassenzimmer mit einem Selbsttest auf eine Covid-19-Infektion testen. Vor den Osterferien war das als freiwillig angekündigt, aber das ist lange her.

Ich finde es sehr lästig, dass ausgerechnet diese beiden Jahrgangsstufen in die Schule kommen. Gerade die kämen noch am besten ohne den Sozialkontakt aus und gut mit dem Distanzunterricht zurecht. Aber gut.

Getestet werden muss mindestens zweimal in der Woche. Da bietet sich tatsächlich der tägliche statt wöchentliche Wechsel der Kurshälften: bei uns wird einfach jeden Morgen getestet, in der jeweils ersten Stunde der Schüler und Schülerinnen. Wenn das erst in der dritten Stunde ist, muss man das halt mitkriegen; das geht aber schon.

Ohne Husten und Niesen laufen die Tests aber nicht ab. Deshalb Fenster auf, Desinfizieren, Augsburger Puppenkiste, dauert zehn Minuten mit Vorbereitung – dann muss man nur noch daran denken, nach einer Viertelstunde auf die Ergebnisse zu schauen. Das vergesse ich gerne mal. Ansonsten bei uns: sehr viel Aufwand, sehr gute Organisation. Aber insgesamt alles undramatisch.

(Anders ist das an anderen Schulen – die Schulleiterfreundin von Hauptschulblues berichtet.)

Bisher hatte ich kein Positiv-Ergebnis in einem Kurs. Müssen wir tiefer bohren? Vermutlich rechnen landauf, landab alle Schüler und Schülerinnen bedingte Wahrscheinlichkeiten aus – wenn ich ein Positiv-Ergebnis kriege, ist es wahrscheinlicher, dass ich infiziert bin (sehr unwahrscheinlich) und der Test das anzeigt (sehr wahrscheinlich), oder dass ich nicht infiziert bin (sehr wahrscheinlich) und der Test das falsch anzeigt (unwahrscheinlich)? Bei uns werden jeden Tag hundert Schüler und Schülerinnen getestet, ungefähr, und da müsste man eigentlich schon immer wieder mal ein paar falsch-positive Ergebnisse erwarten.

Der tägliche Wechsel und das zweitägliche Testen ist auch insofern gut, als der Test erst dann korrekt eine Infektion signalisiert, wenn man schon einige Tage infiziert und bereits infektiös ist. Ein “negativ” am Mittwoch sagt also nur, dass man, vielleicht, am Montag noch nicht infiziert war, ein “positiv” am Freitag sagt, dass man vielleicht schon am Mittwoch jemanden angesteckt hat. Es geht also nicht darum, konkret Schüler:innen und Lehrkräfte unmittelbar zu schützen, sondern einen möglichen Ausbruch rasch zu unterdrücken. Das sehe ich sogar ein.

Und dennoch werde ich jetzt langsam ein bisschen impfungeduldig. In Augsburg, lese ich, fangen sie jetzt schon mit Prioritätsgruppe 3 an. Und im Lehrerforum höre ich von Lehrkräften an Gymnasien, die bereits Impfangebote erhalten haben. Ich bin auch Gruppe 3, als Lehrer am Gymnasium. Außerdem bin ich bald Mitte fünfzig, übergewichtig, habe Bluthochdruck – ich würde jetzt auch gerne mal. Hab mich schon mal höflich ganz vorsichtig bei der Hausärztin gemeldet, dass ich also schon würde, wenn ich könnte; aber es gibt natürlich wenig Dosen dort. Nun, ich stehe auf der Liste.

Ich könne es allen, die bereits geimpft sind, und es gitb sicher viele Fälle, die noch vor mir drankommen sollten. Aber ich werde ungeduldig.

Nachtrag: Ein paar Stunden später kam tatsächlich eine Mail mit Einladung zur Impfterminvereinbarung. Die lesen aber nicht mein Blog, oder? Jetzt muss ich nur noch von der Hausärztin starkes Übergewicht und Bluthochdruck bestätigen lassen.

Intensive und extensive Beschäftigung mit Lektüre: Avengers 142

Im 18. Jahrhundert änderte sich auch das Leseverhalten in Westeuropa, soweit ich weiß. Davor lasen viele Leute nur wenige Werke, oft erbauliche, und vor allem die Bibel; diese wenigen Werke dafür aber um so gründlicher: intensive Lektüre. Mit wachsender Alphabetisierung, mit der schnell wachsenden Popularität von Romanen las man danach viel und schnell und gierte nach Fortsetzungen und neuen Romanen: extensive Lektüre.

In meiner Kindheit und Jugend las ich viel, und wenn ich auch immer wieder zu bewährten Lieblingstexten griff und diese wieder und wieder las, intensiv, dann insgesamt doch wahrscheinlich extensiv, stets auf der Suche nache Neuem. Bei Musik und sogar bei Film war das teilweise anders. Da hörte ich ein Lied, eine Platte dutzendfach hintereinander an, schrieb die Liedtexte mühsam heraus und kaute so auf jedem Wort herum. Das war eine intensive Beschäftigung damit, bei der ich viel gelernt habe. Auch die Kindheitskassetten mit Hörspielen wurden wieder und wieder zum Einschlafen gehört, allein schon, weil es nicht so viele davon gab. Und da schon seit früher Kindheit – wir reden von den späten 1970er Jahren, meine Damen und Herren – ein Videorekorder im Haus war, gab es auch Filme, die ich immer wieder ansah. Es war eben keine enorm große Anzahl an Filmen. Auch dabei habe ich viel gelernt.

Und dann waren da meine Marvel-Superheldencomics. Sind 100 Hefte Fortsetzungsgeschichte, bei denen doch immer wieder das gleicher geschieht, nur scheinbar anders, eigentlich ein Text – intensive Lektüre – oder verschiedene – extensive? So oder so, ich habe intensiv gelesen, alle Hefte mehrfach, allein schon, weil ich das gemeinsame Universum nicht gut genug kannte und erst mal alle Zusammenhänge verstehen wollte.

Ein besonderer Fall war meine spärliche Sammlung originaler US-Hefte, ein paar aus dem Urlaub, ein paar von Flohmärkten. Die habe ich wieder und wieder gelesen, vor allem wieder, weil ich nur wenige davon hatte. Außerdem kannte ich viele Wörter nicht und suchte sie zu erschließen. Vor allem war es aber so, dass viele dieser amerikanischen Originalhefte, auch wenn sie teilweise älter waren als meine deutschen Hefte, in deren fiktionaler Zukunft spielten – Die Rächer waren in Deutschland 1978 mit der Entsprechung zu Heft Nr. 101 eingestellt worden, und das amerikanische Heft Avengers 142 aus dem Jahr 1975, lange Zeit mein einziges altes US-Avengers-Heft, war gleichzeitig Zukunft und Vergangenheit. Was mochte inzwischen, also seit Heft 101, passiert sein?

Avengers 142 ist obendrein eine Zeitreisegeschichte. Ein paar der Avengers sind in der US-Vergangenheit im Wilden Westen und treffen dort auf Kid Colt, the Two-Gun Kid, the Ringo Kid und natürlich Rawhide Kid und Night Rider (vormals Ghost Rider, nachmals Phantom Rider; lange Geschichte). Und diese Western-Helden kannte ich zum Teil schon! Neue Wörter, die mir in diesem Heft begegneten und an denen ich lernte: Owlhoots, savvy, ethereal, palooka, butte, throttle, polecat, pardner, fancy. Wobei fancy, das begegnete mir in der Zeit immer wieder, auch in sichtlich unterschiedlichen grammatischen Kategorien. – Geübt auch, aber wohl nicht neu gelernt: “thou”, “he standeth” und andere ältere Formen, wie Thor sie gerne benutzt, darunter auch “enow” statt “enough”. Shakespeare im Leistungskurs Englisch ein paar Jahre später war dann kein Problem. – Aber wer war diese komische kahlköpfige Frau, die ich nur von einem Quartett her kannte?

Der zweite Teil der Handlung betraf die Gegenwart, auch die für mich verrätselt bekannt-unbekannt, vergangen-zukünftig: Die Squadron Supreme hatten die Rächer gefangen genommen, unter Mitwirkung der bösen Roxxon Corporation, deren Name mir schon mal begegnet war. Die Squadron Supreme waren Superhelden aus einer Parallelwelt, sehr an die Gerechtigkeitsliga von DC angelehnt, entstanden aus einem inoffiziellen Crossover. Davor (Publikationsreihenfolge) bzw. danach (in-world) gab es allerdings die gleich aussehende Squadron Sinister, lange Geschichte, hat etwas mit Parallelwelten zu tun. Schuld am aktuellen Schurkentum der an sich guten Squadron war wieder einmal die Serpent Crown, auch das eine lange Geschichte, deren Fährte ich zum ersten Mal in den ganz alten Hit-Comics aufgenommen hatte.

Gezeichnet war das alles übrigens von einem jungen George Pérez, leider nicht besonders gut getuscht von Vince Colletta. Aber die Layouts von Pérez erkenne ich sofort wieder, jetzt, wo ich jüngere Werke von ihm kenne.

Hier wird das Heft besprochen: http://marveluniversity.blogspot.com/2015/04/december-1975-part-one-long-awaited.html

Exkurs: Western-Helden

Im Golden Age der spätern 1930er und 1940er Jahre gab es viele Superhelden-Comics. In den 1950er Jahren waren sie suspekt geworden. Anders als die Horror-Comics, mit denen zusammen sie verfolgt wurden, starben sie nicht ganz aus, aber die Verlage setzten in dieser Phase auf Comics mit Liebesgeschichten oder Western. Und diese Westernhelden überlebten bis weit in das Silver Age, wie die Renaissance der Superhelden mit dem Aufstieg der Marvel-Comics auch heißt – teils mit neuen Geschichten, teils mit Nachdrucken. Zu den bekanntesten gehörten: Kid Colt, Rawhide Kid, Two-Gun Kid, Ringo Kid. Dabei waren Kid Colt und Ringo Kid für mich stets austauschbar, hatten keine Eigenschaften, die ich mir gemerkt hätte; Two-Gun Kid hatte immerhin eine kleine Maske und eine Geheimidentität, fast wie der Lone Ranger. Die einzige Figur, die anders war als die anderen, war Rawhide Kid.

Warum eigentlich? Es muss die spezielle Lederkluft gewesen sein. Keine Maske, aber trotzdem nicht so gar cowboyhaft wie die anderen. An die Geschichten mit Rawhide Kid, die ich gelesen habe, kann ich mich nämlich gar nicht erinnern. Sie werden nicht gar so anders gewesen sein? – Er wurde immer wieder mal aus der Klamottenkiste geholt, 2003 in einer allerdings nicht besonders guten Miniserie als schwul inszeniert. Seitdem taucht er immer mal wieder auf.

Osterferien 2021

Zeit für einen neuen Avatar, Unterricht neulich:

Nach den Ferien lasse ich mir vielleicht von einem Kurs oder einer Klasse die Haare schneiden, das wäre lustig.

Osterferien, verdiente, oder zumindest ersehnte:

Das sind hot cross buns, süßer Hefeteig mit Rosinen und Zitronat und Orangeat und Gewürzen, ein englisches Ostergebäck. Ich habe sie schon einmal gemacht, aber das muss vor Blogzeiten gewesen sein, weil es keine Spuren davon gibt. Damals gelangen sie mir besser, aber sie schmeckten gut.

Heute wandern gewesen in der Stadt, den Auer Mühlbach entlang. Der fängt in Thalkirchen hinter dem Zoo an und fließt nach dem bayerischen Landtag wieder in die Isar. Dazwischen kommt man mal am Archiconvent des (eines) Templer-Ordens vorbei, hier von außen:

Vor dem Eingang Informationen zu gemeinnützigen Tätigkeiten, insbesondere Abgabe von Mittagessen.

Erwähnenswert ist das deshalb, weil ich vor den Osterferien noch schnell den Nathan an meine 10. Klasse ausgeteilt habe. Ich hatte ihn rechtzeitig als Klassensatz bestellt, obwohl wir erst in einer ganzen Weile dazu kommen werden – aber wer weiß, wann ich die Klasse wieder persönlich sehe. Ich rechne nicht damit, dass das bald nach den Ferien sein wird.

Und mit dem einen Teil habe ich angefangen, Nathan der Weise zu lesen, um das Hineinkommen zu erleichern. Was ist ein “Mameluck”, was bedeutet: “Die Szene ist in Jerusalem”, und was ist ein “Tempelherr”? Also kurz Kreuzzüge in Erinnerung gerufen, den Templerorden, Abstecher zu Verschwörungsmythen, dann angefangen zu lesen.

Ich mag Nathan und würde ungern stattdessen Emilia Galotti oder Kabale und Liebe lesen. (Allenfalls die Räuber sind denkbar, aber da begnüge ich mich mit Auszügen.) Vom wichtigeren Inhalt – Wunderglaube, Toleranz – abgesehen, finde ich auch den Aufbau des Stücks viel interessanter, und der Einstieg erzeugt Spannung. Auch die Schüler merkten: Da ist irgendwas zwischen Daja und Nathan, erpresst sie ihn oder was geht in ihr vor? Ein Templer soll die Recha gerettet haben: “Aber ich dachte, die sind der Feind und belagern die Stadt?” Genau!

Morgen dann Montag, und kein Unterricht! Dann erst beginnen die Ferien richtig. Pläne und Arbeit habe ich natürlich genügend auch so.

Gelesen: Bernhard Spring, Folgen einer Landpartie (2010)

Das Buch ist ein Krimi oder wird jedenfalls als solcher verkauft: “Ein historischer Halle-Krimi” aus der Reihe TatortOst. Ich mag Krimis – Hammett und Chandler aus den einen, den englischen Whodunnit aus den anderen Gründen. Bei letzterem gibt es oft einen Mehrwert: Der klassische Krimi mit seinen Serienfiguren verlangt, dass die Figur in jeder neuen Geschichte an einen neuen interessanten Ort kommt oder in einem neuen Milieu arbeitet. Ich habe Krimis gelesen, die in der Briefmarkensammlerszene spielten, unter Comicsammlern, bei englischen Moriskentänzern, auf einer Buchhandelsmesse. Man kriegt immer so ein bisschen interessante Information mit.

Ein bisschen anders sind die Regionalkrimis. Die erschienen Mitte der 1980er an meinem Horizont. Frieder Faist, Schattenspiele (1984) war mein erster – spielte in meiner Heimatstadt Augsburg, ich erkannte viel wieder. Und zehn Jahre später oder so ging das mit dem Allgäu los. Da gibt es keinen Mehrwert in Folge eines neuen Milieus, nur Freude über das Wiedererkennen des bekannten – und wer nicht aus der Gegend stammt, für den ist vielleicht das das Interessante.

Dazu möchte ich auch die historischen Krimi gesellen. Die sind wie Regionalkrimis, nur in der Zeit. Da war sicher Umberto Ecos Der Name der Rose Auslöser für viele andere Bücher.

Folgen einer Landpartie ist ein historischer Krimi. Die Hauptperson und der ermittelnde Detektiv, wenn man so viel, ist der junge Joseph von Eichendorff, der eben als 17-jähriger Student in Halle eingetroffen ist. Später wird er einer der bekanntesten romantischen Schriftsteller werden, und das ist ja auch der Grund, warum er Hauptperson ist. Ähnliches gibt es in Das Erlkönig-Manöver von Robert Löhr aus dem Jahr 2007, wo Goethe, Schiller, Kleist und Konsorten spannende Abenteuer erleben.

Der junge Eichendorff, aus dessen Perspektive in 3. Person erzählt wird, ist als Ermittler uninteressant und unfähig. Am Ende fragt er sich selber: “Nun dämmerte es Eichendorff langsam. O nein, wie hatte er sich doch auf dem Irrweg befunden! Warum hatte er nicht schon viel zeitiger bemerkt, wer der eigentliche Täter war?” und wenige Zeilen darauf: “Natürlich! Wie hatte Eichendorff nur so blind sein können!” Das hatte ich mich beim Lesen schon lange zuvor gefragt. Und da fehlt mir dann doch der auktoriale Erzähler, der mir versichert, dass Eichendorff alles richtig macht oder eben wirklich äußerst nachlässig ist – an beidem könnte ich mich reiben. So fehlt diese Erzählinstanz als Autorität, und das stört mich. Selber beurteilen und werten ist schön und gut, aber mit einem starken auktorialen Erzähler liest man weniger allein.

Eichendorff handelt auch nicht. Er befindet sich zufällig zur Tatzeit als Gast auf einem Anwesen, auf dem jemand zu Tode kommt. Ja, er schaut sich den Tatort an, einmal, und findet dort etwas, aber das war es an Ermittlung. Er befragt eigentlich keine Zeugen, sucht keine Spuren, überführt keinen Täter und bildet sich dabei doch ein, den Fall zu lösen (nachdem er den Großteil des Buchs über sehr, sehr beschränkt denkt) – bildet sich überhaupt ein, dass es einen Fall gibt. Außer ihm und seinem Bediensteten Jakob glaubt nämlich niemand an ein Verbrechen, und niemand erfährt von Eichendorffs Verdacht, seiner Vermutung, seiner Lösung. Und das ist dann schon wieder reizvoll. Und das finde ich dann schon wieder sehr reizvoll, so dass ich mit dem Kriminalfall, wenn es den einen gibt (und Eichendorffs Datenbasis dafür ist tatsächlich sehr kümmerlich), halbwegs versöhnt bin. Umberto Ecos Krimi ist die Geschichte eines Irrtums, hier wird die Hypothese nicht mal mehr an der Realität überprüft.

Wir erfahren ansonsten Biographisches über den jungen Eichendorff (hat mich nicht interessiert) und immerhin ein wenig Zeitgeschichte, wenn auch genug für meinen Geschmack. Armut, Hunger, Prostitution, Juden, Napoleon, Ständeordnung, Theaterbau, Goethe, immerhin angerissen.

Wenn ich mal dazu komme, so in ein, zwei Jahren, will ich etwas über Manly Made Wellmans Kurzgeschichten-Serienhelden Silver John schreiben, der in den sehr ländlichen Appalachen mit einer Gitarre umherzieht und phantastische Abenteuer erlebt. In denen geht um authentische und dazuerfundende Folklore, Hexergestalten und Fabelwesen, und die Geschichten gefallen mir sehr gut. So etwas hätte ich gerne auf Deutsch, die Wahrheit über Lorelei oder die schöne Lau und den Blautopf und das Stuttgarter Hutzelmännlein. Gerne mit Eichendorff als Helden, oder Chamisso.

(Es gibt wohl einen weiteren Eichendorff-Krimi von Spring, dann wohl mit einem älteren Eichendorff.)

Noch zwei Wochen bis Osterferien

In zwei Wochen sind Osterferien. In diesen zwei Wochen ist Unterricht – Wechselunterricht zwar, tageweise (epidemiologisch weniger klug), und mit Masken, aber ohne vollmundig angekündigte Tests. Nicht dass ich mir von den viel erwarte; sinnvoll wäre allein, die Schulen geschlossen zu halten.

Ich verstehe nicht, warum die Schule jetzt für diese zwei Wochen aufmachen. Natürlich wird es schön sein, Schüler und Schülerinnen zu sehen, für mich und vor allem sie selber. Aber es ist für meine Schulart pädagogisch nicht nötig und psychologisch nicht so nötig, dass das die Infektionen rechtfertigt. Der Großteil der Bürger und Bürgerinnen verlangt nicht nach Öffnungen zu den aktuellen Bedingungen, sondern nach Plänen und Perspektiven. Warum wird dann aufgemacht?

Ist es, weil es keine Pläne und Perspektiven gibt? Ich fürchte, das stimmt. Mir sind keine wirklichen mittel- oder längerfristigen Pläne bekannt.

Ist es, weil absehbar ist, dass nach den Osterferien keine Gelegenheit dazu sein wird? Lieber zwei Wochen jetzt, damit alle wenigstens kurz einander sehen, und danach die Sintflut?

Ist es, weil die Entscheider – Ministerpräsident:innen – dumm sind? Ich will das wirklich nicht ausschließen. Glauben die wirklich, dass die Bevölkerung das will? Glauben die wirklich den Scharlatanen, die meinen, das wird alles nicht so schlimm jetzt?

Ist es, weil die Entscheider die falschen Ratgeber haben, die ihre Ansicht gut verkaufen, aber natürlich nicht das Gemeinwohl im Sinn haben?

Geht es um Wahlkampf? Angst davor, dass deie Covid-Spinner alle AfD wählen? Das fällt für mich unter dumm/schlechte Beratung.

Oder ist es, weil die Entscheider mehr Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge haben? Sonstiges Geheimwissen?

In drei, vier Wochen wird es heißen: das sei nicht absehbar gewesen; wir haben nach bestem Wissen und Gewissen; wir haben auf unsere Berater gehört, die sich geirrt haben – und Verantwortung wird niemand übernehmen.

Gelesen: Gretchen McCulloch, Because Internet: Understanding the New Rules of Language. War leider nicht ganz so interessant, wie ich gedacht habe; wahrscheinlich habe ich mir anderes erwartet oder war missgestimmt. An sich nämlich schon interessant und lesenswert. Mitgenommen habe ich, zu welchen Änderungen in der Sprache die Verbreitung des Telefons geführt hat, angefangen mit Begrüßungen. Statt “Good morning!” oder welcher Tagezeit auch immer beginnt man mit “Ahoy” (Bell) oder “Hello” (Edison) – beides vorher unübliche Begrüßungen, die etwas Befehlshaftes haben. – Die Etymologie scheint unklar, für das deutsche “Hallo” wird eine alte Imperativform zu holen angegeben, und zwar war das der Anruf an den Fährman, überzusetzen (“hol über”), während für das englische “hello/hallo/hullo” eine alte Kombination von “hey” und “lo” genannt wird, also ein völlig anderer Ursprung.

“Hello” hat sich dann verselbständigt und ist eine Standard-Begrüßungsformel geworden, auch wenn sie noch eine Weile den abrupten Tonfall behielt und von konservativen Sprechern abgelehnt wurde. So wie “Servus” als Begrüßung durch Schüler:innen, das kann ich gar nicht ab.

Jedenfalls ist es mit dem Internet ähnlich: Twitter, WhatsApp, Chat führen zu neuen Umgangsformen, die von manchen Sprecherinnen voll akzeptiert, von anderen als irritierend verstanden werden. Junge Leute finden “…” passiv-aggressiv, auch der Punkt am Satzende ist aggressiv – der unmarkierte Normalfall ist oft kein Satzschlusszeichen, sondern Leerzeile oder neue Nachricht.

Gelesen: In der Zeitung stand, dass Schüler der 12. Klasse unserer Schule einen anonymen Brief an Schulleitung (und Zeitung) geschrieben haben: Sie sind unglücklich mit dem verpflichtenden, benoteten Sportunterricht in Fußball und anderen Kontaktsportarten, weil sie einander dabei unangenehm nahe kommen, und sie bitten die Schulleitung, das auszusetzen. Das war alles völlig nachvollziehbar und gut argumentiert, meine Untersützung haben sie. Aber: a) man muss zumindest informiert sein über die formalen Vorgaben des Kultusministeriums, bevor man so einen Brief schreibt, und das klang nicht so, und b) anonym geht gar nicht. Noch dazu mit der faulsten aller faulen Behauptungen, sie hätten Angst davor, dann schlechte Sportnoten zu kriegen und ihre Abiturnote zu gefährden. Ich finde das peinlich. – Wenn nicht anonym, dann hätte es außerdem ein Interview auf der Homepage und mit der Zeitung gegeben und damit vielleicht ein wenig Wirkung.

Fortbildung: Dienst-Email-Adressen

Nu, jetzt sind sie da. Also, das sind sie schon länger, sie werden nach und nach eingeführt. Wie oft machten sich Leute, die es nicht besser wissen, lustig darüber, dass Lehrkräfte an staatlichen Schulen noch keine Dienst-Email-Adressen haben – wobei das ja von Bundesland zu Bundesland verschieden ist. Und wie oft (allerdings etwas seltener) krähten Lehrkräfte danach. Also bitte, wer fragt, kriegt Antworten.

Die Dienstadressen sind nämlich unpraktisch. Das müssen sie leider auch sein. Die Dienstadressen erfüllen alle Anforderungen, was Datenschutz betrifft, die auch die Adressen etwa von Finanzbeamten erfüllen müssen. Heißt: Ich kann sie nur im Browser ansehen, sie verbleiben auf dem Server. Kein IMAP, kein Outlook, kein Thunderbird. Keine Weiterleitung an andere Adressen. Immerhin: Ich kann und darf von zuhause aus darauf zugreifen, anders als im Finanzamt, nehme ich an. Obwohl, Homeoffice. Aber keine App, keine Pushnachrichten. Mit To-do-Liste und Kalenderfunktion, schon praktisch – aber ich muss sie halt so benutzen, wie ich sie nie benutzen würde: Einmal pro Tag auf einer Webseite einloggen, schauen, ob da etwas für mich ist, beantworten, und bis zum nächsten Tag alles ruhen lassen. Datenschutzmäßig sicher ist dabei allerdings die Kommunikation unter Nutzern dieses Dienstes, also Lehrkräften – auch da darf man nicht alles kommunizieren, aber immerhin mehr als per regulärer E‑Mail.

Verwenden darf ich die Dienst-E-Mailadresse nicht privat. Also, ich will das auch nicht, eben weil sie so unpraktisch ist, und zur Kommunikation mit Schülern, Schülerinnen, Eltern ist auch meine reguläre E‑Mail praktischer und nicht weniger sicher, insofern E‑Mail da überhaupt das richtige Werkzeug ist. Aber wie sieht es mit dem Google-Alert aus, den ich für den Namen meiner Schule erstellt habe, so dass ich sehr früh erfahre, was in der Zeitung über uns steht – ist das eine private Nutzung?

Als Nächstes kommen dann die Dienstrechner, weil alle danach gekräht haben. Die gleiche Geschichte wahrscheinlich.

Alles in allem: Vielleicht ist das ja auch sinnvoll, mehr Trennung von privat und dienstlich. Reaktionszeiten wie jetzt gibt es dann nicht, aber am Ende ist das gesund.

(Etwas peinlich, dass die Fortbildungsgeber heute nebenbei Twitter geguckt und meine Kommentare gelesen haben. Nun, war schon okay. Sie können ja auch nichts dafür.)

Nachtrag: “Mit dem dienstlichen E‑Mail-Postfach bieten wir Ihnen eine datenschutzkonforme Lösung zur sicheren Kommunikation mit allen Beteiligten Ihrer Schulfamilie.” Ist natürlich Unfug; datenschutzkonform ist das insofern, als es dem Datenschutz nicht widerspricht, solange ich keinerlei personenbezogene Daten übermittle. Im Kontakt zu Eltern ist das kein anderer Status als eine andere Adresse auch. Nur zwischen Teilnehmenden, die die Dienstmail nutzen, geht etwas mehr – aber das ist dann eine kleinere Schulfamilie (ich mag das Wort nicht) als gemeinhin gemeint.

Mein Zimmer in der neuen Wohnung, mit alten Möbeln

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Jetzt bitte erst einmal keine Aufregungen mehr.

(Und ja, wie vermutlich viele Schulen bereitet auch meine einen virtuellen 360-Grad-Rundgang vor, weil es jetzt zum Übertritt schwierig wird, sich ein Bild der Schule zu machen.)

Wohnzimmer:

Es war alles ein bisschen zu viel in letzter Zeit

Stretching yourself too thin, sagt man auf Englisch. Ich habe mir viel zugemutet in den letzten Monaten, und erst langsam lichtet sich das. Da ist natürlich die Schule, die anstrengend ist. Mündliche Schulaufgaben in Englisch in der elften Klasse im Januar. Und da das einstündige Fach Informatik in der 7. Jahrgangsstufe bei uns in Doppelstunden, dafür nur im ersten Halbjahr unterrichtet wird, habe ich im ersten Halbjahr auch diese zwei Stunden mehr Unterricht als im zweiten Halbjahr, so dass das sich das erst übernächste Woche entspannt, wenn dann endlich mal, irgendwann, ich weiß es nicht, das verschobene zweite Halbjahr beginnt. Außerdem gab es das Informatik-Praktikum mit diesmal gleich fünf Teilnehmern und Teilnehmerinnen, mehr als zuvor, das auch jetzt erst vorbei ist. Und die Vorlesung an der Uni im Wintersemester, ein letztes Mal; letzte oder vorletzte Woche Woche waren die mündlichen Prüfungen dazu. Ich habe das deutliche Gefühl, allem nicht gerecht worden zu sein – zu wenig für die Schüler, die Praktikumsleute, die Studierenden; aber es ging halt nicht mehr. Stretching yourself too thin. Ansprechpartner für Kollegen und Kolleginnen bin ich auch, aber das läuft wirklich gut nebenbei.

Außerdem ziehe ich mit Frau Rau um, wenn auch weitgehend im gleichen Haus. (Nur die Küche zieht in eine aushäusige Lagermöglichkeit.) Und mein Vater ist im Krankenhaus, auf Reha, im Krankenhaus, auf Reha, seit zwei Monaten oder mehr, und wenn die kritischen Momente, die es durchaus gab, jetzt überwunden scheinen, mache ich mir natürlich weiterhin Sorgen. Nächste Woche kommt er nach Hause, wenn alles gut geht.

Dann ist noch Umzug, und dann kann ich mich endlich wieder um die Pandemie kümmern.

Malen mit Zahlen in der Unterstufe

Nach dem Malen neulich brachte mich Michael Brenner auf die Idee, mal so richtig Malen nach Zahlen zu machen. In der Faschingswoche hatte ich meiner 6. Klasse keine Aufgaben aufgegeben, auch die Videokonferenz war freiwillig, dennoch waren die meisten da und wollten malen. Ich hatte kurz vorher ein gemeinsames Tabellendokument vorbereitet, in dem mit “bedingter Formatierung” Zellen abhängig von ihrem Inhalt eine bestimmte Formatierung bekamen – sprich: einen farbigen Hintergrund. Es gab nur 16 Farben zur Auswahl. Die Bereiche außerhalb des Malfelds wurden geschützt, so dass sie nicht verändert werden konnten, und damit auch nicht die Breite oder Höhe der Zeilen oder Spalten. Und dann malte die Klasse gemeinsam das:

Danach teilte ich meinen Bildschirm mit GIMP darin und bearbeitete auf Wunsch eine Abbildung der Mona Lisa: wie die mit 16 Farben aussehen würde, mit 4, mit 256; wie sie mit 100x100 oder 25x25 Pixeln aussehen würde. Pixelgrafiken sind Stoff in der 6. Klasse.

(Das ist übrigens alles nicht neu, das mit der Tabellenkalkulation; neu ist allenfalls das gemeinsame Bearbeiten.)

Für ein späteres Mal habe ich noch mehr Malen nach Zahlen vorbereitet:

Das Bild rechts unten ist die Mona Lisa, die es in 25x25 Pixeln nachzubauen gilt. Zur Verfügung stehen 16 Grautöne. Man kann das entweder als Aufgabe ohne Lösung präsentieren oder mit der Lösung nebenan – dann ist es tatsächlich Malen nach Zahlen, und man muss nur die Zahl in das korrekte Feld übertragen.

Warum so komische Zahlen und nicht wieder Zahlen von 0 bis 16? Könnte man natürlich auch machen, aber ich wollte die tatsächlichen Grauwerte, zwischen 255 (weiß) und 0 (schwarz), wie sie intern auch gespeichert werden. In der Bilddatei ist nämlich tatsächlich, etwas vereinfacht, eine 62 gespeichert, wo der Pixel dunkelgrau sein soll.

Warum überhaupt Grautöne und keine Farben? Weil ich nur 16 Farben anbieten will, mehr wären mir zu mühsam. Und da ich nicht für jedes Bild eine neue Palette aufmachen möchte – mit den 16 ursprünglichen bunten Farben lässt sich die Mona Lisa auf 25x25 Pixeln ja extrem schlecht abbilden. Mit einer Auswahl von 16 Farben, die genau auf die Mona Lisa zugeschnitten sind, ginge das viel besser – aber dann bräuchte ich eben für jedes Bild eine neue, optimierte Palette. Diese 16 Grautöne kann ich aber auch auf andere Bilder anwenden.

Wie ich vorgegangen bin: In GIMP die Mona Lisa ausschneiden, auf 25x25 Pixel verkleinern und die Farbpalette auf 16 Farben reduzieren. Dann in Grautöne umwandeln. Die im Bild verwendeten Farben speichere ich mir in einer Palette (das muss nicht manuell geschehen, GIMP kann aus einem gespeicherten Bild eine Palette erstellen). In Zukunft kann ich auf neue Bilder die gleiche Palette anwenden und somit meine Tabellenkalkulations-Datei wiederverwenden.

Die Bilddatei speichere ich im .png-Format. Der Grund: beim Speichern in .jpg wird die Palette wieder verändert, da jpg seine eigenen Vorstellungen davon hat, wie man eine Datei schön komprimiert. Das will ich aber nicht, da ich ja immer exakt die gleiche Palette möchte. Dann habe ich mir ein kleines Java-Programm geschrieben, das aus einer .png-Datei die Farbwerte für die einzelnen Pixel ausliest. (Welches Format .png dafür intern verwendet, ist egal – ich lade die Bilddatei und speichere für jeden Pixel den Wert in einem Array.) Das Ergebnis sieht dann so aus:

Binär:      10000110,01111100,01111100,01111100,01111100...
Hex:        86,7c,7c,7c...
Dezimal:    134,124,124

Dabei bedeutet letztlich “134”, dass dieser Pixel einen Rotwert von 134, einen Grünwert von 134 und einen Blauwert von 134 haben soll. Wenn die RGB-Anteile gleich sind, kommt immer ein Grauton heraus, und da es hier nur um Grautöne geht, brauche ich den Wert nur einmal zu verwenden.

Den Java-Export schreibe ich in eine .csv-Datei, die wiederum mit Libre-Office-Calc geöffnet wird. Dann muss ich die Zellen nur noch mit copy&paste in meine Vorlage übertragen.

Die Palette mit den 16 Farben sieht so aus:

Hex-RGB Dez
#161616	22
#1a1a1a	26
#202020	32
#272727	39
#323232	50
#3e3e3e	62
#4a4a4a	74
#555555	85
#616161	97
#6e6e6e	110
#7c7c7c	124
#868686	134
#929292	146
#a0a0a0	160
#ababab	171
#bdbdbd	189

Hier die Mona Lisa mit drei weiteren Bildern, alle mit der gleichen Palette aus den 16 Grautönen, alle 25x25 Pixel groß:

           

Also zumindest das letzte Bild lässt sich sicher gut nachbauen.

Meine Originaldatei ist webbasiert, es gibt zwar einen Excel-Export, den ich gerne zur Verfügung stelle, aber der funktioniert leider nur halbwegs, tut mir leid. Dass das Schützen der Zellen nicht geht, verstehe ich, aber leider hakt auch die bedingte Formatierung, der Kern des ganzen. (Nachtrag: Geht wohl doch einigermaßen!)

Das mit den Rot-Grün-Blau-Anteilen sieht man auch, wenn man sich den eigenen Monitor mal ganz genau anschau – da gibt es für jeden Bildpunkt auch drei separat und unterschiedlich stark leuchtende Rot‑, Grün- und Blau-Punkte:

(Da man am Monitor Bilder oft vergrößert oder verkleinert sieht, gibt es aber keine 1:1‑Entsprechung zwischen den gespeicherten RGB-Anteilen in der Datei und zu den Anteilen am Bildschirmpixel. Der Weg von den gespeicherten RGB-Werten zur Abbildung am Monitor ist ein komplizierter, man kann ja allein schon mal Kontrast und Helligkeit und Farmtemperatur am Monitor individuell einstellen, so dass man kaum exakt den gespeicherten Wert zu sehen kriegt – das ist dann etwas für Profis.)

Noch ein Nachtrag, damit auch wirklich mal alles an einem Ort gespeichert ist: