Neil Gaiman, Coraline, als begehbarer Text

Coraline als Buch

Ich habe vor, uh, sechzehn Jahren schon mal einen Blogeintrag dazu verfasst, und aktuell ist das die Englischlektüre in meiner 9. Klasse. (Damals eher 8.) Inzwischen gibt es auch eine Verfilmung, und ich glaube, ich lese das Buch tatsächlich zum ersten Mal mit einer Klasse. Es kommt gut an, auch mir gefällt es weiterhin gut.

Die Handlung: Coraline lebt mit ihren Eltern in einer Hälfte eines älteren Hauses; es gibt eine verschlossene Tür im Wohnzimmer, hinter der aber nur Mauer ist – das Haus ist vor Zeiten mal in zwei Teile getrennt worden. Coraline verschlägt es durch diese Türe in eine andere Wohnung, die fast genau so aussieht wie ihre eigene. Am Anfang sind nur Details anders, später kommen mehr Unterschiede hinzu, und vor allem lebt dort ihre andere Mutter mit ihrem anderen Vater, und im Dach und Keller leben andere Nachbarn. Die andere Mutter – die eigentliche Erschafferin dieser anderen Welt – hat gruselige angenähte Knöpfe statt Augen und will Coraline bei sich behalten, entführt und versteckt dazu Coralines Eltern. Coraline muss die Eltern und drei Geister vor der anderen Mutter retten und zurück in ihre eigene Welt; hilfreich dabei ist nur eine manchmal sprechende Katze, die eigene Wege zwischen den Welten kennt. Das ganze unbrutal, aber schon schaurig und mit etwas makabrem Humor.

Coraline als Spiel

Beim Wiederlesen in den Osterferien kam mir die Idee, daraus mit den Schülern und Schülerinnen ein Textadventure zu machen, interactive fiction, lange Geschichte, schon oft darüber geschrieben, aber in den letzten Jahren weniger, Zork und so. So ein Spiel lebt von der Sprache, von knappen, aber anschaulichen Beschreibungen, und die könnte die Klasse aus dem Buch übernehmen.

Außerdem eignet sich die Handlung des Buchs besonders gut für ein traditionelles Textadventure/Interactive fiction. Es gibt viele moderne Spiele, die andere Wege einschlagen, aber klassische Merkmale sind diese:

  • spielt in relativ überschaubarer Welt
  • dennoch spielt Exploration eine große Rolle
  • es gibt eine Tür mit Schlüssel als klares Hindernis (an den Schlüssel gelangt Coraline erst durch eine Kombination Küchenstuhl plus Besen, typische Aufgabe), daneben einen verschließbaren Spiegel als Gefängnis
  • es gibt relativ wenig Personen, und vor allem wenig Interaktionen und überhaupt wenig Interaktionsmöglichkeiten zwischen ihnen (zwischen Coraline und den Nachbarn und auch den Eltern findet wenig Kommunikation statt; die Erwachsenen hören Coraline nie richtig zu)
  • nur eine Hauptperson, keine Perspektivenwechsel
  • es gibt eine klare Suchaufgabe: finde drei magische Murmeln und das geheime Gefängnis der Eltern

Der Aufbau der Spielwelt (nerdig, gerne überspringen)

Erste Idee: Ich lege die Räume spiegelverkehrt an – so wie in der Karte oben. Sie unterscheiden sich vor allem in der gespiegelten Anordnung und natürlich in ihrer Beschreibung und der der Objekte darin. Die Gegenstände werden allerdings nicht gedoppelt, dachte ich mir, sondern alle Gegenstände haben die normale Beschreibung und eine andere Beschreibung. Wenn Coraline/die Spielerin durch die magische hölzerne Türe geht, wird bei allen Gegenständen Folgendes durchgeführt:

  • die normale Beschreibung und die andere Beschreibung werden – sofern die andere Beschreibung nicht leer ist – vertauscht, so dass ab jetzt die Gegenstände beim Betrachten anders beschrieben werden,
  • jeder Gegenstand, der nicht zu einem anderen Gegenstand gehört (also auf etwas oder in etwas liegt oder von jemandem getragen wird), der sich also unmittelbar in einem Raum befindet, tauscht den Raum mit dem zugeordneten Spiegelraum des aktuellen Raums – Ausnahme die Spielerin selber, und Türen.

Dazu musste ich erst die bijektive symmetrische Relation “ist Spiegelraum von” anlegen; Inform 7 macht das Arbeiten mit Relationen leicht. Natürlich könnte jeder Raum auch ein Raum-Attribut als Spiegelraum erhalten, aber das wäre doppelt so viel Arbeit, weil da die Symmetrie nicht von vornherein gegeben wäre.

Zweite Idee: Warum das nicht auch mit den Räumen machen? Dann gibt es keine Spiegelräume mehr, und ich brauche leider meine schöne Relation nicht mehr, dafür gibt es nur halb so viele Räume – und eine Variable (global oder als Attribut) entscheidet darüber, ob die normale Beschreibung von Gegenständen und Orten angezeigt wird oder die andere. Dann ist die andere Welt aber nicht mehr spiegelsymmetrisch angelegt zur realen – aber ist das im Buch nicht auch so? Eigentlich trifft es das Buch so besser, auch wenn die Situation mit der anderen Welt einen zuerst an eine Spiegelwelt denken lässt.

Also sieht die Welt dann doch so aus:

Ich hadere noch etwas damit. Beim Spielen kann man ja nicht erkennen, ob man sich in einem anderen Raum befindet, der dem eigentlichen nur sehr ähnelt, oder man im gleichen Raum ist, der nur anders beschrieben ist – und doch fühlt es sich anders an, da ich ja weiß, dass es nur eine Welt gibt. Die fehlende Spiegelverkehrtheit trägt außerdem zu meiner Desorientierung bei, aber das ist vielleicht auch gut.

Aufgabe der Schüler und Schülerinnen (ab hier wieder interessant)

Die Programmierarbeit mache ich, viel ist es nicht, schließlich erwarte ich nicht, dass ein besonders interessantes Spiel als Spiel daraus wird, sondern nur eine literarische Spielerei, eine Motivation zur Auseinandersetzung mit dem Text. Ein begehbarer Text sozusagen.

Aufgabe der Schüler und Schülerinnen: Beschreibungen aller Objekte und Räume anfertigen, teilweise in doppelter Ausführung, und sich dabei großzügig an der Buchvorlage bedienen. Die Beschreibungen dort sind sehr anschaulich und dabei kurz, gut für so ein Spiel geeignet. Davor muss die Klasse natürlich erst erst einmal sammeln, welche Gegenstände und Personen es überhaupt geben sollte im Spiel. (Mindestens: Telefon, Spiegel, Küchenstuhl, Besen, Schlüssel, 3 Murmeln, Schneekugel, Talisman, Brunnen, Bretter, Spielzeugbox, Nachbar oben, Nachbarn unten, Katze, andere Mutter, anderer Vater, diverse Möbel. Optional Hausschuhe, Gummistiefel, Morgenmantel.)

Einsammeln kann ich das zum Beispiel über die Datenbank-Aktivität bei Mebis, vereinfacht so:

Wenn die Schüler und Schülerinnen darüber hinaus Ideen für die Handlung oder Ergänzungen haben sollten, um so besser. Solche Spiele leben nicht nur von den Rätseln, sondern vor allem von den vielen Dingen, die es nebenbei zu entdecken gibt, und von den angemessenen Reaktionen auf diverse Versuche der Spieler. Selbst wenn “jump” und “break the mirror” und “eat the cat” zu nichts führen und den Zustand der Welt nicht beeinflussen, so freut man sich doch darüber, dass die Autoren und Autorinnen so ein Verhalten vorausgesehen haben und mit passendem Text darauf reagieren.

Inform-Beispielcode (nerdig)

Ich mache dann solchen Code aus den Beschreibungen, wobei Teile des Textes direkt aus Gaimans Buch kommen:

Coraline's Room is a room.

The description is "This is your room, your own, comfortable room. It may be a little bit boring and it may be a little too small for your age. A window lets you see a little bit of the world outside. Your bed is against one wall, a wardrobe is opposite it. The door leads north to the rest of the flat."


The other description is "This looks like your own room, but then it looks different, too. The walls are painted a very cheerful green and pink. A window lets you see a little bit of the world outside. Your bed is against one wall, a wardrobe is opposite it. The door leads north to the rest of the flat."

The window is scenery in Coraline's room.
The window can be either open or closed. It is closed.


The description is "You see trees, fields, and beyond them, on the horizon, distant purple hills. The window is [if open]open[otherwise]closed[end if]."
The other description is "You see trees, fields, and beyond them, on the horizon, distant grey hills. The trees look as if they were drawn in crayon by a little child. The window is [if open]open[otherwise]closed[end if]."

Instead of opening the window:
  if the window is open, say "It's already open.";
  otherwise:
    say "You open the window a little bit.";
    now the window is open.
Instead of closing the window:
  if the window is closed, say "It's already closed.";
  otherwise:
    say "You close the window.";
    now the window is closed.

So viele Umstände muss man sich aber gar nicht machen. Das Fenster kann man öffnen und schließen, aber das ist reine Deko zum Ausprobieren. Die Standardbeschreibung würde schon reichen.

Demoversion

Im Spiel sieht das dann so aus:

https://herr-rau.de/coraline

Demoversion, noch keine Beiträge aus der Klasse, nur Coralines Zimmer als Startraum ist halbwegs ausgearbeitet. Karte wie oben. Ausprobieren, jeweils nacheinander: n / w / take key / e / e / unlock door with key / open door / x door / close door / open door / x door / e / e.

Strukturierung

Während der Aufbau linearer Geschichten häufig durch eine Spannungskurve mit drei oder fünf Akten bestimmt wird, ist das bei solchen Spielen gerne mal bestimmt durch Erweiterung des verfügbaren Raums. Eine Phase ist dann vorbei, wenn man sich an der zugänglichen Umgebung vielleicht schon satt gesehen und nun endlich herausgefunden hat, wie man an einem Hindernis vorbei kommt, das einem neue Räume erschließt – an deren Ende irgendwo wieder das nächste Hindernis wartet:

  • zuerst ist man auf die eigene Wohnung und die Umgebung begrenzt und muss diese erkunden (eventuell muss man erst die Gummistiefel für draußen finden, um dort, sagen wir, sich mit der Katze anzufreunden?)
  • dann erhält man (via Schlüssel) Zugang zur anderen Wohnung, kommt aber aus dieser nicht mehr zurück und muss diese erkunden
  • dann erhält man von der anderen Mutter (Schlüssel) Zugang zur Nachbarwohnung, wo man die letzte verlorene Murmel findet
  • dann erhält man wieder Zugang zur eigenen Welt

Informatikaufgaben

Informatikaufgaben fallen auch ab, wie schön, dass ich in der 9. Klasse auch Datenbanken habe.

Überführe folgendes Klassendiagramm in ein relationales Modell, lege für jede Relation eine Tabelle an und fülle sie mit drei sinnvollen Datensätzen:

Dass es die Unterklasse Container gibt, habe ich mal weggelassen – Vererbung kommt erst im Jahr darauf.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Klasse Lust hat mitzumachen, und dass sie sich nicht zu viel erwarten: Ein gutes Spiel zu schreiben, erfordert mindestens so viel Aufwand wie eine gute Geschichte zu schreiben, und beides lernt man in der Schule nicht. Aber eine lustige Fingerübung, das reicht ihnen vielleicht auch.

Torrijas vom Torrijero

  • Dunstabzugshaube einschalten,
  • 1 überbaguettegroßes Weißbrot vom Vortag (←Planung!) in fingerdicke Scheiben schneiden,
  • 6 Eier trennen, die Eiweiße steif schlagen, dann die verquirlten Eigelbe unterheben,
  • 0,8 Liter Mich + 4 Päckchen Vanillinzucker + 250g Zucker so gut mischen, wie eben geht, etwas erwärmen vielleicht, dann löst sicher Zucker schon auf,
  • in Streifen abgelöste Schalen von 1 Zitrone und 1 Orange dazu,
  • jeweils 4 Brotscheiben in Milch tauchen, bis sie noch nicht auseinanderfallen,
  • in die Eimasse tauchen und
  • in reichlich Öl (aber nicht notwendigerweise schwimmend) von beiden Seiten braten,
  • in eine Form schichten und jede Schicht mit Zucker und Zimt bestreuen,
  • am Ende 1 Flasche trockenen Weißwein darüber gießen, vielleicht auch etwas mehr, wenn da ist (statt Wein, heißt es, kann man beim Servieren auch verdünnten Honig nehmen),
  • beim Servieren immer erst die untere Lage nehmen, weil die sich voll Wein gesogen hat

Und es gibt natürlich viele andere Rezepte dafür, aber so ist das Rezept nun einmal auf mich gekommen. Weil dabei ein bisschen Ei und viel zuckersüße Milch übrig geblieben ist, habe ich beides zusammengemischt und drei Esslöffel Milchreis dazu gegeben. Bei 150°C in den Ofen, zwei Stunden, je nachdem, wie breiig man das möchte. (Das ist dann so eine Mischung aus Reisauflauf und rice pudding.) Alternativ kann man natürlich mit etwas weniger Milch und Zucker anfangen.

Torrijero: Ich glaube nicht, dass das Wort so existiert. Ein Torero macht was mit Stieren, ein Churrero oder eine Churrera verkauft Churros, und wer Torrijas backt, ist dann halt Torrijero oder Torrijera.

Horrorfilm zu Hause

Ein schöner kleiner dreiminütiger Horrorfilm, vom Profi David F. Sandberg in der eigenen Wohnung produziert:

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Noch interessanter ist das Making Of. Ich hatte keine Ahnung, wie so etwas produziert wird. Und wie gut man als Produzent-Regisseur selber mit der Software umgehen kann.

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Darauf gekommen über Film School Rejects, wo noch mehr zum Hintergrund.

Und weil das vielleicht nicht reicht für einen Blogeintrag, hier Links zu Lehrern und Lehrerinnen und wie Schulen mit Schule zu Hause umgehen:

Anonsten: Für Nachbarn Päckchen angenommen, Post geholt, Blumen gegossen, Sim-Karte in neues Handy eingelegt.

Ausprobieren von Erklärvideos (Git und BlueJ)

Weil die Q11 bald nach den Osterferien ohnehin mit einem Programmierprojekt begonnen hätte und weil ich ihnen dazu Git vorstellen wollte, habe ich die Gelegenheit genutzt, mit Software zum Erstellen von Erklärvideos zu arbeiten. Ich mache das schon länger, wollte mich jetzt aber etwas gründlicher damit beschäftigen.

Hardware

Meine Hardware dazu: Eine uralte Webcam, die ich in meinem Regal gefunden habe und die gleichzeitig auch das Mikrofon darstellt. Mein Hauptrechner ist zwar ein Laptop mit Kamera (von Mitte 2013, im Herbst 2016 einmal zur Reparatur gebracht ), aber der steht unter dem Tisch, so dass ich davon nichts habe.

Software

Ganz einfach geht das Aufnehmen mit Microsoft Powerpoint, jedenfalls in den neueren Fassungen der letzten zehn Jahre. Da gibt es unter “Bildschirmpräsentationen” einen Punkt “Bildschirmpräsentation aufzeichnen”, und der tut genau das: Gespeichert werden die Zeitpunkte der Folienwechsel und – und nur dadurch wird es interessant – die parallele Mikrofonaufnahme dazu. (In den neuesten Versionen wohl auch mit der Möglichkeit, von der Videokamera aufzunehmen, aber ich habe nur Office 2016, und auch das noch nicht lange, und auch nicht wegen meiner.) Vorteil: Je Folie wird der Audiotext einzeln gespeichert, man kann also leicht eine Folie neu besprechen, ohne die anderen verändern zu müssen. Wenn man nicht voraussetzen will, dass das Zielpublikum die gleiche Software benutzt, muss man das als Film exportieren. Mein Vorgehen: Erstellen der Datei mit Libre Office unter Verzicht auf diejenigen Punkte, bei denen sich Microsoft anstellt, Öffnen und Besprechen in Powerpoint, Export als Film und Upload bei Youtube.

Flexibler ist man, wenn man ein Programm nutzt, um den Bildschirm oder einen Teilbereich davon aufzuzeichnen, egal was sich darauf befindet. Da gibt es viele Lösungen dafür, kostenlose und andere, webbasiert oder nicht, mehr oder weniger fisselig in den Einstellungen bei Videoformat und Mikrofoneingang. (Selbst VLC kann das zur Not von Haus aus.) Ich nutze ein paar davon und behalte sie, falls ich mal darauf zurückgreifen muss, aber im Moment nutze ich dafür die Bildschirmaufnahmefunktion von Active Presenter.

Active Presenter ist eine kommerzielle Software zum Erstellen von Lernpräsentationen. Die kostenlose Version davon reicht für mich aber völlig aus; sie ist in ihrer Funktionalität nur wenig eingeschränkt, allerdings auf nichtkommerzielle Benutzung beschränkt. Eigentlich kann das Programm viel mehr als nur den Bildschirm aufzeichnen:

  • Ähnlich wie bei anderer Präsentationssoftware gibt es Elemente, die erscheinen und verschwinden können.
  • Dazu zählen auch Elemente, die während der Präsentation interaktiv sind, Texteingabe‑, Frage/Antwortfelder.
  • Die Hauptmetapher ist aber nicht die von einzelne diskreten Folien, wie bei Impress oder Powerpoint, sondern das ist eher wie Filmschnittsoftware: Für die Elemente gibt es eine kontinuierliche Timeline, über die man das Erscheinen und anderes Verhalten regelt.

Das brauche ich aber alles gar nicht. Ich nutze fast nur die Bildschirmaufnahmefunktion in der Variante mit zusätzlicher Mikrofon- und Kameraaufnahme. Dann habe ich danach letztlich zwei separate Videos – vom Bildschirm und von mir. Die kann ich dann übereinander anordnen – oder nebeneinander.

Nachtrag: Eine freie Alternative, auch sehr schön, ist OBS (Open Broadcaster Software) Studio: https://obsproject.com – ich habe aber noch nicht damit gearbeitet.

Noch nicht ganz geklärte Formatfragen

Ich weiß noch nicht, welches Format mir am besten gefällt. Für meine Präsentationen verwende ich das Format 4:3 und nicht 16:9 – aus Tradition? Weil man das dann noch am besten als DIN-A4-nahe Pdf-Datei ausgeben kann? Weil ich weniger breitformatig denke? Tatsächlich weiß ich nicht, ob meine Entscheidung, an 4:3 festzuhalten, wirklich sinnvoll ist und hätte gerne Rat dazu.

Ich weiß auch noch nicht, ob ich mich selber als Sprecher in den Videos sichtbar machen soll oder nicht. Eitelkeit und Spielwunsch sagen ja, was der Kundschaft besser tut, weiß ich nicht. Jedenfalls ist es so, dass mein Bild-im-Bild dann regulär über der Präsentation liegen würde, ich also beim Erstellen der Präsentation bereits darauf achten müsste, Platz auszusparen.

Meine aktuelle Lösung: Ich nehme einen Bildschirmausschnitt der Größe 960x720 Pixel auf, Seitenverhältnis 4:3. Dann erweitere ich in Active Presenter das Projektformat auf 1080x720 Pixel, fachsprachlich halbherziges HD genannt. (Videos sind heutzutage ja eh alle entweder breitformatiger oder TikTok.) Dabei soll das bisherige Material, also die Filme, nicht skaliert werden, was dazu führt, dass ich einen breiten Rand habe. Und in den schiebe ich dann das kleine Video von mir. In diese Randspalte könnte ich dann noch mit Active Presenter weitere Ergänzungen vornehmen, so als eine Art Glossierung.

Beispiele

Gedacht für die Q11 Informatik. Jeweils nur ein Take, Fehler bleiben drin, weiter geht mein Anspruch nicht. Inhaltliche Fehler… gibt es vielleicht. Die kann ich nachträglich im Rand korrigieren!

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Didaktischer Ausblick

Vermutlich wäre es sinnvoller, erst einmal zu sichten und auszuwählen, was es schon an schönem Material gibt, statt eigene Videos zu produzieren. Aber man will ja auch basteln.

Und was ich eigentlich möchte, ist, dass Schüler und Schülerinnen so etwas produzieren. Gerne ohne Kamera. Aber wenn die etwas wissen, dann fällt es ihnen wirklich schwer, das herunterzubrechen für die, die nicht so weit sind, und wenn sie nichts wissen, dann lohnt es sich nicht. Aber ich will dran bleiben.

Selber mag ich Erklärvideos übrigens nicht besonders. Für die meisten Anlässe: Gebt mir Text!

Welche Haus-Aufgaben ich zur Zeit gebe

Es geht mir gut, ich koche viel, laufe jeden zweiten Tag eine Runde. Ich hätte nur gerne Zeit zum Lesen, dazu komme ich gar nicht; und ich würde gerne länger schlafen – ich wache immer so um halb sechs auf. Adrenalin? Außerdem verschwimmen die Wochentage, ich mache seit über zwei Wochen jeden Tag ungefähr das gleiche.

Ich kommuniziere gerade viel, auch weil ich die Finger nicht von Twitter lassen kann. Von wegen kontaktarm. Aber dafür kriege ich ein bisschen mit, was an anderen Schulen und in anderen Bundesländern so läuft. Da scheint es Missverständnisse zu geben. Das bayerische Kultusministerium hat – spät – eigentlich Offensichtliches klargestellt, nämlich dass es keine Prüfungen und keine Noten zur Zeit gibt, dass kein neuer Stoff gelernt wird, der später vorausgesetzt abgeprüft werden soll – es geht um Struktur, Normalität, Kontinuität. (Genauer und vielleicht einschränkender: siehe unten im Kommentar.)

Anderswo müssen Eltern viele Seiten Arbeitsblätter ausdrucken, und viele Stunden Nachhilfe geben müssen. Vielleicht gibt es Gründe dafür, das mag von Fach zu Fach und Schulart zu Schulart verschieden sein. Glücklickerweise komme ich ohne aus. Grundschule stelle ich mir sehr viel schwieriger vor.

Meine Klassen-Aufgaben zur Zeit

Ich schicke pro Klasse und Woche höchstens einen Arbeitsauftrag für die ganze Woche. Gelegentlich melde ich mich zwischendurch auch einmal, aber ohne Auftrag; bin über E‑Mail erreichbar und antworte. Ich gebe nur so viel auf, wie ich selber korrigierend bewältigen kann, oder versuche das zumindest – bei einer Klasse bin ich hinterher, deshalb auch keine neue Aufgabe, sondern nur regelmäßige Meldung.

Die Aufträge stelle ich sowohl als Pdf als auch als Forenbeitrag/E‑Mail, Abgabe wird im Forum, per Mail, oder per Moodle-Dateiabgaben-Aufgabe angenommen, als Dokument, Foto oder Pdf. Wichtiger als die Aufgaben ist so oder so der Kontakt.

7. Klasse Englisch

  • Ich gebe einen Satz Vokabeln aus dem Buch zu lernen vor, die Schüler und Schülerinnen lernen die Vokabeln und machen Sätze damit und schicken mir die Sätze, als Foto vom Heft oder Datei. Ich melde rück.
  • Aufgaben im Buch mit Fragen zu Texten im Buch: Lasse ich mir schicken, meist Einzelrückmeldung, teilweise Musterlösung online. Auch Hörverstehensübungen, anhören in Mebis oder als Download.
  • Audiodateien anhören (via Mebis, am Handy) und Lesen üben.
  • Optional: Ich habe mal das erste Kapitel von Roddy Doyle, The Giggler Treatment, hochgeladen, (2 1/2 Minuten, Geschwindigkeit 10% verlangsamt), falls jemand Arbeit braucht, und um Rückmeldung gebeten. Mal schauen, ob was kommt.

9. Klasse Englisch

Lektüre weiterlesen: Neil Gaiman, Coraline.

  • Filmfassung anschauen (bei Youtube).
  • Bildbeschreibungen zu Bildern schreiben, die ich dann korrigiere. (Bin gerade hinterher, aber mache das bei allen.)
  • Auf Englisch einfach ins Forum schreiben, wie’s einem geht und was man sich wünscht.
  • Optional und zur Übung der eigentlich geplanten mündlichen Schulaufgabe: Zu bearbeitetem fiktionalen Text im Buch einen Monolog schreiben, am Handy aufnehmen und hochladen.
  • Videokonferenz, nur mal zum Herumspielen.

9. Klasse Deutsch

Lektüre besprechen: Wolfgang Herrndorf, Tschick.

  • Kapitel mit Überschrift versehen und gruppieren, Foto von Hefteintrag dazu hochladen oder Datei.
  • Bestimmte erzähltechnische Sonderfälle in drei bestimmten Kapiteln finden und erklären. Foto oder Datei.
  • Diese Erklärung der Heldenreise anschauen und schriftlich festhalten, welche Elemente zu Tschick passen – schwierig, aber natürlich mit zusätzlicher schriftlichen Erklärung und Beschwichtigung:
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9. Klasse Informatik

  • Kapitel im Buch lesen.
  • Klassendiagramm zu Aufgaben im Buch oder frei erstellen.
  • Relationales Datenmodell aus Klassendiagramm entwickeln.
  • Musterlösung ausgeteilt.

11. Klasse Informatik

  • Mein zehn Jahre altes Erklärvideo zu Dijkstra-Algorithmus anschauen, Buch dazu lesen, Arbeitsblatt mit Beispiel-Durchführung dazu ausfüllen – auf Papier oder in die Datei. Drucker oder Computer nötig.
  • Kapitel zu Softwareentwicklung im Buch lesen und Präsentation von mir dazu anschauen, Aufgaben im Buch beantworten. Hochladen; mit meiner Musterlösung vergleichen.
  • Entwurfsmuster Model-View-Controller: 2 Seiten Pdf-Erklärung und Arbeitsauftrag lesen – Drucker oder Computer nötig. Inhaltlich eine Wiederholung, mit kleinem Arbeitsauftrag dazu, und Kapitel im Buch zu lesen.
  • Gedanken machen zur Projektarbeit nach den Ferien. Spätestens dann wird es wohl Zeit für Git.

12. Klasse Deutsch

  • Da mache ich am wenigsten. Kontakt halten, vager Arbeitsauftrag zur Lektüre (Bov Bjerg, Auerhaus), aber eigentlich sind die alle abiturreif. Abiaufgaben ausgeteilt, Musterlösungen angekündigt. Die sollen sich auf Mathematik konzentrieren.

- Das sind alles gewohnte, bekannte Formate, ohne technischen Aufwand zu bearbeiten. Ich nutze die vielfältigen Möglichkeiten, die Onlinezusammenarbeit bietet, nicht oder nicht aus. Kein Druck, oder nur ein bisschen – da wo ich Klassleiter bin, habe ich zumindest denen hinterhertelefoniert, von denen ich gar nichts gehört hatte: Alle könnten, wenn sie wollten. Von anderen Schulen höre ich, wie Schüler und Schülerinnen selbstständig Padlets befüllen und werde ein bisschen neidisch. Aber Deutsch 12 braucht das nicht, in Info 11 bietet sich das nicht an, und den anderen will ich das nicht zumuten.

Gut gefallen mir übrigens die Aufgaben, die ich von Kunst mitkriege: Letztlich zu Hause arbeiten, Foto hochladen, Kommentar dazu schreiben. Auch wenn nicht alle Schüler und Schülerinnen zu Hause gleiche Arbeitsmöglichkeiten haben: an der Technik wird es nicht scheitern.

Spätestens in den Osterferien, denke ich, wird man erfahren müssen, wie es danach weiter geht. Unterricht in der Schule für alle? Unterricht nur für Abschlussklassen, oder nicht einmal für die?

Wir haben uns die drei Wochen bis Ostern wacker geschlagen. Aber wenn wir danach noch weiter machen sollten, dann bräuchten wir ein paar mehr Regeln:

  1. Wenn weiterhin keine Noten mehr gemacht werden, dann halte ich das für meine Schulart nicht für problematisch. Keine Noten, keine Prüfungen, oder zumindest: keine Prüfungen mit Noten.
  2. Allerdings muss sicher gestellt werden, dass alle Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit haben, am Online-Unterricht teilzunehmen.
  3. Und alle müssen diese Möglichkeit soweit möglich auch nutzen. Im Moment kann ja jeder abtauchen und drei Wochen Urlaub machen – es gibt sicher keine Pflicht, an irgendwelchen Onlineaktionen von bayerischen Schulen teilzunehmen. Das müsste man ändern, zumindest formal – Druck würde man trotzdem nicht aufbauen sollen. Wer kann, muss mitmachen; sonst nicht.
  4. Schulintern müsste man sich einigen auf Aufgabenformate und Rechte und Pflichten von Schülern und Schülerinnen; dass man keinen Drucker zu Hause voraussetzen darf und keinen rgelmäßigen Zugang zu einem eigenen Cumputer; dass man Aufgaben so stellen muss, dass sie ohne Eltern bearbeitet werden können, dass Schüler, Schülerinnen und Eltern Rückmeldung geben müssen (mehr als sonst) über Belastung und Probleme und dass es dafür Kanäle gibt. Und Schüler und Schülerinnen müssten wissen, wie sie ihre Aufgaben machen sollen: langsamer, gründlicher, sorgfältiger als sonst, denke ich – wenn sie die Zeit haben.
  5. Dann könnte man die Gelegenheit auch für ein ganz anderes Arbeiten und Lernen nutzen.

Nachtrag – Was ich bei Kollegen und Kolleginnen so sehe: Umfrage in Mebis zu Umfang und Schwierigkeit des Arbeitens; Zehntklass-Lektürebesprechung im Discord-Chat (nicht das meine, aber wenn’s läuft, und – nachgefragt – alle Schüler und Schülerinnen sind drin).

Nachtrag: Sehr schöne Offline-Aufgabe via diesem Tweet:

Videokonferenz, Datenschutz, Essensfotos

Videokonferenz

(Zwei Rechner, aus technischen Gründen und zum Probieren. Kaffeetasse und Bluesharp an der Seite, aber Musik kommt nicht gut rüber, kompressionsalgorithmushalber.)

Gestern endlich mal Videokonferenz ausprobiert. Freiwillig, mit Schülern und Schülerinnen einer Klasse, ohne irgendwas mit Unterricht – sondern gegen Langeweile, zur Erprobung von und Vertrautmachung mit neuer Technik, für menschlichen Kontakt. Ich kann mir nicht vorstellen, das für Unterricht zu nutzen. Andere erzählen davon, wie sie das tun, eine halbe Stunde Frontalunterricht, dann Fragerunde – passt nicht zu mir, und ich mag ohnehin weder Telefon noch sonstige synchrone Kommunikation, kann genauso einen Film vorgeben. (In einer Klasse stehen, das mag ich aber schon.)

Es war schön, ein paar Gesichter zu sehen und Stimmen zu hören.

Technisch gibt es dazu viele viele Möglichkeiten: Zoom, Google Hangout, Skype, Microsoft Teams, Jitsi. Getestet habe ich alles außer Teams; aus Datenschutzgründen kommt nur Jitsi für mich in Frage – aber wer Video extensiv nutzen mag, findet anderes praktischer.

Jitsi ist eine Open-Source-Software, die auf verschiedenen Servern läuft. Kann man auch selber installieren, hat ein Ex-Schüler für uns mal ausprobiert, vielleicht interessiert sich ja der Sachaufwandsträger dafür. Wenn die Software auf einem Server läuft, kann erst einmal jeder dort ein Meet anlegen – man denkt sich einen Treffpunktnamen aus, und der erste, der sich zu dieser Adresse begibt, ist Moderator. Alle anderen sind Teilnehmer. Als Moderator kann ich ein Passwort vergeben, und einstellen, dass alle Neuankömmlinge im Meet erst einmal Mikrofon und Kamera aushaben. Das heißt, sie müssen sie bewusst einschalten, um gehört oder gesehen zu werden. Wenn alle den Meet verlassen haben, ist es so, als hätte er nie existiert – beim nächsten Mal müsste man also wieder Passwort eingeben, wenn man denn will, und so weiter. Man kann sich also keinen Meet-Namen reservieren.

Es gibt eine App dafür, “Jitsi Meet”, die macht es Schülern und Schülerinnen besonders leicht.

Ich habe einen halbwegs vertrauenswürdige Jitsi-Server gewählt und meinen Schülern und Schülerinnen gesagt, dass das freiwillig ist, dass sie keine schulichen Vorteile davon haben, dass sie ihre Eltern informieren sollen und dass sie ihre Kamera auslassen können. Denn: datenschutzrechtlich ist das alles trotz ein wenig gelockerter Regelungen höchst bedenklich.

Datenschutz

Mebis ist die einzige datenschutzrechtlich sichere Plattform in Bayern. Und selbst da gilt: Niemand muss eine E‑Mail-Adresse eintragen (denn E‑Mails werden ja unverschlüsselt versendet), und die Teilnahme an sich ist freiwillig – außer, das Schulforum hat das anders beschlossen, dann kann man das verpflichtend machen. Das Schulforum beschließt so etwas allerdings unter normalen Umständen unter der Bedingung, dass an der Schule genug Rechner für diejenigen sind, die zu Hause keinen Zugang zum Internet haben. Freiwillig kann an Schulen natürlich alles mögliche genutzt werden, erfordert aber die wirksame Einwilligung der Eltern bzw. auch der Schüler und Schülerinnen.

Jetzt sind aber keine normalen Umstände. Dennoch finde ich, man sollte Datenschutzregelungen behutsam hintergehen. Auf Twitter gibt es sicher nicht nur den einen Thread mit unterschiedlichen Meinungen dazu:

Tatsächlich hat sich das außerdemals Falschmeldung herausgestellt: Ist gar nicht verboten.

Ich halte Skype (und auch Jitsi) für den Schulbetrieb für unnötig. Ein Luxus, nice to have. Andere versteigen sich zur Ableitung der Notwendigkeit von Skype aus Artikel 7 Grundgesetz und UN-Menschenrechtskatalog, soll sein, soll sein, soll sein. Gerade, weil man damit die internetfernen Schichten errreichen könnte. Nun, man wird ganz bestimmt Lösungen für die Zukunft finden müssen – im Moment ist das noch nicht wichtig, aber dennoch sind weiterhin ganz viele Vorausschauende unterwegs, die etwas verkaufen wollen.

Suppe

Ein Glas Tomatensugo aus dem Kartoffelkombinat, zur Suppe gestreckt, Sahnerest vom Vortag, Dillrest vom Vorvortag, Kartoffeln aus dem Kartoffelkombinat zu Püree verarbeitet, auf Backblech gespritzt, nach Anregung durch diesen Tweet. Ich habe nämlich mal schlimme Erfahrungen mit Herzoginkartoffeln gemacht – lila Kartoffeln eignen sich nicht dafür.

Herby Polenta

Viel Knoblauch dran. Im Prinzip Polentagrieß mit Brühe/Milch in den Ofen (dazu Grünzeug und Maiskörner), nach zwanzig Minuten umrühren, dann nach zwanzig Minuten noch einmal umrühren, und Eier drauf, wie bei Shakshuka. (Rezept)

Rehpastete

Ich wollte schon lange mal wieder diese Pastete machen, also zum Viktualienmarkt, groß einkaufen. Nebenbei auch Zicklein, zum Einfrieren – ich kaufe gerade so viel wie möglich, und gebe Trinkgeld, wo ich kann, auch im Supermarkt. Vom übrigen Teig und vom übrigen Fleisch habe ich dann noch ein paar Pies nach meinem Pork-Pie-Rezept gemacht.

Ist hübsch, ja, aber der Deckel sitzt noch nicht ganz, und die Hülle ist zu dick. Bin aber schon zufrieden. Die Scheiben werden eingefroren, ich weiß noch nicht, wie gut das klappt, denke aber schon. (Rezept)

Dial-a-joke – niederschwellige Hörverstehensübung

Wenn man Telefonie über Internet ausführt, und das ist bei sehr vielen Anschlüssen so, auch wenn man das vielleicht nicht einmal mehr weiß, dann kann man sich bei seinem Anbieter leicht mehrere Telefonnummern zuweisen lassen. Ich habe mindestens eine für Eltern, eine für privat, und jetzt auch eine mit einem Witz der Woche.

Diese Nummer kriegten meine Englisch-Klassen. Optional: Sie schicken mir selber eine Witz-Aufnahme, die ich dann unter der Nummer einspiele, am besten täglich wechselnd. Bin noch ein bisschen skeptisch, ob sie sich trauen.

Hier der Witz (übrigens aus Zadie Smith, White Teeth):

Ansonsten bei Twitter: Lauter Besserwisser, furchtbar. Also, nicht in meiner sorgfältig kuratierten Timeline, da nur vernünftige Leute, aber was einem sonst reinkommt, schon schlimm.

Vom Wissen, Online-Ukulele, Mebis-Rückmeldungen

Vom WIssen

Wenn man an der Fußgänger-Ampel steht und die auf Grün umschaltet, sollte man dann einfach drauflos drüberlaufen? Nein, man wird sich dennoch umschauen, weil ja jemand mit Auto die eigene rote Ampel ignorieren könnte.

Würde man sich nicht mehr umschauen, wenn sich alle an die Verkehrsregeln oder zumindest an rote Ampeln halten würden? Man würde sich dennoch umschauen, denn es reicht nicht, wenn sich alle an die Regeln halten, man muss auch wissen, dass sich alle an die Regeln halten.

Ähnlich eine Diskussion im Lehrerforum zum Thema Klarnamenpflicht für Moderatoren, die sich einer dort gewünscht hatte. Am Ende hieß es: “Ok, du hast Recht. Ich kann vielleicht nochmals wiederholen, dass es mir nicht darum ging, Leute zu stalken.” – Das weiß vielleicht der Themeneröffner, aber das wissen die anderen nicht, und können es nicht wissen.

Ähnlich Schüler und Schülerinnen, für die man bei Klassenfahrten oder auf dem Pausenhof Verantwortung hat. “Ich stelle schon nichts Dummes an” (mit dem Handy; auf der schmalen Mauer; mit dem Schneeball) – selbst wenn das wirklich stimmt, entlastet das die Lehrkraft überhaupt kein bisschen, denn sie weiß ja nicht, dass das stimmt, und kann das auch nicht wissen.

Und so ist es auch mit den Regeln bei Corona: Wenn jemand gute Gründe hat, sich nicht an die Regeln zu halten, dann erleichtert das das Zuschauen nicht, denn als Zuschauer weiß ich ja nicht, dass es gute Gründe gibt. Selbst wenn alle sich an die Regel halten, nur im Notfall gegen Empfehlungen zu verstoßen: solange ich as nicht weiß, bin ich nicht beruhigt, und ich kann es nicht wissen. Was hilft? Vertrauen haben und Geduld und sich an Empfehlungen halten, wann immer es geht.

Laufen

Gestern im Frühlingslicht meine Runde um die Theresienwiese gelaufen, wie immer mit “Zombies, Run!” (der Hörspiel-Lauftrainer-App) im Ohr. Hat schon ein bissen etwas Merkwürdiges, durch die virtuelle Apokalypse zu laufen, während hier doch zumindest Ausnahmesituation.

It’s Pfötchengeben Time

Neues vom Bombenkoffer

Mail gekriegt, dass der Bombenkoffer-Bausatz (Blogeintrag) jetzt endlich lieferbar ist: Siehe hier. Ist aber auch schon wieder ausverkauft, daher bewerbe ich das vorläufig nicht groß.

Ukuleletreffen online

Sichtbar: Monitor und Tastatur vom Hauptrechner, Surface mit Kamera und MIkro für das Treffen, Ukulelenhals. Handy irgendwo parallel für Nachrichten.

Hat technisch leider nicht geklappt: Videokonferenz gut, Noten für alle eingeblendet, eine kleine Band spielte vor, wir hätten sie hören und mitspielen sollen – aber der Algorithmus, der die Audioinformation kompromiert, kann wohl nur mit Sprache umgehen: Bei Musikübertragung war er anscheinend überfordert. Nächstes Mal mit einem anderen Produkt.

Leute gibt es

Im (bundesweiten) Lehrerforum wird von manchen Leuten diskutiert, wie sehr ihr Bundesland sie überhaupt darum bitten darf, zu Hause private Geräte für Kommunikation zu nutzen. Ohne Diensthandy und ohne Dienstlaptop ginge da gar nichts, meinen manche. Nur manche. Aber dennoch, Leute gibt es.

Neues von Mebis

Die Kollegen und Kolleginnen an meiner Schule hatten Geduld, die Schüler und Schülerinnen und Eltern auch – soweit ich das mitkriege. Ich kriege aber viel zu wenig mit, wünsche mir dringend mehr Rückmeldung. Aber auch am Schultelefon ist wohl wenig los.

Was ich so über Mebis mitkriege:

  • Dateien bitte als pdf und nicht als docx (Eltern)
  • Kleinere Tippfehler der Lehrer und Lehrerinnen werden von Unter- und Mittelstufe moniert: aber das ist okay so, das macht man so im Internet :-)
  • “Darf ich das einkleben oder muss ich das abschreiben?” – Routine stellt sich ein.
  • Rückmeldungen eher: “Ich fand die Aufgabe leicht” oder: “Heute fand ich die Hausaufgaben anspruchsvoll, jedoch definitiv machbar”, aber vielleicht melden sich die anderen ja auch nicht, denen es zu viel wird
  • Einige Schüler und Schülerinnen versuchen inhaltliche, am Thema orientierte oder darüber hinausgehende Diskussionen zu starten, aber die anderen ziehen noch nicht so recht. Zu wenig Interesse an den Bildungszielen von Erasmus von Rotterdam oder Filmtheorie?
  • Ein bisschen ungeduldig bin ich mit manchen Mebis-Koordinierenden an den Schulen. Was ein kleiner Teil davon gerade an Anspruchshaltung hat, das ist echt frech. Keine Zitate hier, aber in meinem Mebis-Wetterbericht ans Kollegium habe ich ein paar weitergeleitet. Deshalb hier noch einmal die Grafik, die ich schon Anfang letzter Woche in meinen “Lehrkräfte”-Kurs gesteckt habe – zugegeben, ich habe ihn inzwischen unbenannt in “Lehrkräfte (zefix, lesen, steht Wichtiges drin)”:
Lizenz

(Ansonsten: Komme nicht dazu, mich groß um meine Klassen zu kümmern, aber da reicht eine Notversorgung und Ansprechbarkeit. Würde gerne ordentliches Heimschul-Material sammeln oder erstellen, aber noch lieber endlich fernsehen oder lesen. Bald vielleicht.)

Material auf Webserver zum Download

1. Überblick

Viele Schulen und Privatleute haben Zugang zu einem gemieteten Webspace. Dort liegen zum Beispiel die Dateien, die über die Homepage der Schule veröffentlicht werden. Dort liegt auch der Programm-Code, der die Homepage betreibt. Das ist eigentlich ganz genau so wie auf dem Rechner zu Hause, mit Verzeichnissen und Dateien darin, nur dass man einen Teil der Verzeichniss für die Öffentlichkeit aufmacht, damit die sich im Webbrowser deren Inhalte anschauen kann. Man möchte aber selten, dass jemand die Verzeichnisse direkt sieht, nicht einmal die mit Inhalten, die ohnehin auf der Webseite stehen.

Notfalls kann man das aber machen. Man wird am besten ein Verzeichnis auf dem gemieteten Webspace zur direkten Einsichtnahme und Downloadmöglichkeit freigeben, und alle anderen unangetastet lassen. Auf dem heimischen Rechner sieht ein Verzeichnis vielleicht so aus:

Auf dem Webserver ebenso, nur dass man da nicht einfach hinkommt. Gibt man das Verzeichnis frei, kann jeder im Webbrowser zu dem Verzeichnis gehen und sieht dann statt der üblichen HTML-Webseite zum Beispiel das:

2. Warum das ganze?

Wenn man zum Beispiel Schülern eine ganze Menge Material zur Verfügung stellen will, aber keine Zeit hat, eine Webseite mit vielen Links zu erstellen, öffnet man ein Verzeichnis auf dem Server, und alle Ordner und Dateien darin sind sichtbar und können heruntergeladen werden.

3. Wie geht das? (Die eigentliche Anleitung.)

Die einfachste Möglichkeit: Man legt eine Textdatei mit einer bestimmten Zeile Text in ein beliebiges neues Verzeichnis (zum Beispiel: „!zuhause“) auf dem Webserver. Dann ist das Verzeichnis öffentlich zugänglich. Das sollte jemand von der Systembetreuungmachen oder oder sich mit so etwas auskennt. Dann kann man im Browser darauf zugreifen unter der Adresse: http://test-gymnasium.de/!zuhause.

Diese Methode funktioniert nur, wenn als Webserver-Software auf dem Webspace das Programm „Apache“ eingesetzt wird. Das ist aber extrem weit verbreitet und dürfte bei den meisten Anbietern, die Schulen benutzen, so sein.

Kurzfassung:

Man kopiert eine Textdatei, die den Namen „.htaccess“ tragen muss und nur aus der einen Zeile „Options +Indexes“ besteht, in das Verzeichnis. Die fertige Datei gibt es unten als Download.

Langfassung:

  1. Man kann leider unter Windows nicht unmittelbar eine Datei erzeugen, die mit einem „.“ beginnt, und je nach Systemeinstellung werden solche Dateien auch vor dem Benutzer verborgen, sind also unsichtbar.
  2. Also legt man eine Textdatei mit einem anderen Namen an, etwa „test.htaccess“, lädt sie in das Server-Verzeichnis, und benennt sie dort um.
  3. Das Hochladen auf den Server und das Umbennen geschieht zum Beispiel mit einem FTP-Programm. Die Homepagebetreuung kennt sich damit aus.
  4. Man kann so eine Textdatei zwar in Word oder einem anderen Textverarbeitungsprogramm erstellen, muss dazu beim Speichern aber ein ganz bestimmtes Format auswählen, das meist auf „.txt“ endet, und selbst da sollte man noch bestimmte Dinge beachten. Einfacher ist es, einen ganz schlichten Texteditor wie Notepad zu verwenden.

4. Was kann schiefgehen?

Wenn man die Datei .htaccess in einen Ordner kopiert, in dem Material ist, das nicht öffentlich sein soll, ist das sehr, sehr schlecht. Wenn man die Datei etwa auf die oberste zugängliche Ebene auf dem Server legt, sind alle Verzeichnisse plötzlich öffentlich einsehbar. Deshalb nur ein neues Verzeichnis, das speziell dafür angelegt wurde, so auszeichnen.

Wenn man beim Hochladen eine vorhandene .htaccess-Datei überschreibt, hat man wahrscheinlich etwas falsch gemacht! Denn in dem leeren Verzeichnis kann ja noch nichts sein. Wenn irgendwo eine .htaccess-Datei liegt, die den Zugang kontrolliert, wird es sicher einen Grund dafür geben!

Personenbezogene Daten dürfen nicht auf einem Server liegen, solange es keine datenschutzrechtliche Genehmigung beziehungsweise Einwilligung gibt. Auch urheberrechtliche Einschränkungen gilt es vor der Veröffentlichung zu beachten.

5. Alternativen und Ergänzungen

Man kann mit Apache Verzeichnisse auch durch Passwörter schützen, siehe .htpassword. Man kann in der .htaccess-Datei noch viele weitere Einstellungen vornehmen. Für Fehler immer eine Kopie des Originals behalten!

Etwas komfortaber wird die Webseite, wenn man keinen unmittelbaren Zugriff gewährt, sondern eine php-Datei in ein Verzeichnis gibt, die ihrerseits den Zugang zu den anderen Dateien gewährt Verzeichnis. Man lädt man statt der .htaccess-Datei die php-Datei mit dem Programm hoch. Ein (von mir ungetestetes!) Beispiel für solche eine Datei ist hier: https://github.com/marekrei/encode-explorer.

Man kann verschiedenen Teilnehmern und Teilnehmerinnen FTP-Zugänge geben, entweder für alles oder Unterverzeichnisse, damit die Material hochladen können.

Unverbindlich, ohne Gewähr und urheberrechtlich völlig frei gegeben für alle (CC0):
Thomas Rau lehrerzimmer@herr-rau.de

  • Als Bonus zum Download: die oben beschriebene .htaccess-Datei, allerdings in eine zip-Datei verpackt. (Warum wohl?)
  • Ähnliche Erklärung auf Youtube, englisch: https://www.youtube.com/watch?v=lfy6XJyuLOw
  • Zu Passwortschutz (.htpasswd) siehe unten in einem Kommentar
  • Wer mag, kann noch eine Datei robots.txt in das Verzeichnis werfen, das hält legitime Suchmaschinen wie Google oder Duckduckgo davon ab, in den jetzt öffentlich zugänglichen Verzeichnissen herumzuschnüffeln. Eine böse Suchmaschine, die sich nicht an die Regeln hält, wird sich allerdings nicht um die Datei kümmern.

Superrationalität, Funkersprache, CSMA/CD

Ich weiß zwar nicht, was das bedeutet, aber ich kann ja mal einen Blogeintrag darüber schreiben. Vielleicht weiß ich danach mehr. Es wird a bissele was für Nerds werden, Verzeihung.

Superrationalität bei Hoftstadter

Neulich, vor vier Wochen vielleicht, las ich bei Twitter einen Beitrag, ich glaube, es war eine Abstimmung. Da musste man für eine von 4 Optionen stimmen, ohne die bisherigen Stimmabgaben zu kennen, und Ziel war, eine ganz bestimmte gegebene Reihenfolge am Ende zu haben, also A B C D von mir aus. Wie soll man stimmen, wenn das das Ergebnis sein sollte, und man den aktuellen Stand der Stimmen doch gar nicht kennt und auch nicht weiß, wie die Spieler nach einem abstimmen werden? (Leider weiß ich nicht mehr, was das für ein Tweet war.)

Ich weiß nicht, ob die Antwort offensichtlich ist; ich kannte sie jedenfalls schon, weil ich über das Prinzip schon mal in einem Aufsatz gelesen hatte: In Metamagicum stellt Douglas R. Hofstadter ein ähnliches Problem vor, das Platonia-Dilemma, in gewisser Weise eine Variante meines alten Freundes, des Gefangenendilemmas. Nach einer Form davon erhalten zwanzig räumlich getrennte Spieler, die nicht miteinander kommunizieren können, eine Anweisung: Wenn nur einer von ihnen ein Antworttelegramm schreibt, erhält dieser eine 1 Million Geld. Antworten mehr oder antwortet keiner, gibt es nichts. Wie soll man sich da als Spieler verhalten?

Hofstadter schrieb das für seine Kolumne im Scientific American, und es gab dann auch einen Wettbewerb: Unter allen Einsendern einer Postkarte sollte eine Million Dollar verteilt werden. Wenn nur eine schreibt, kriegt die das ganze Geld; wenn zwei schreiben, jeder eine halbe Million, und so weiter. Und man kan sogar mehr als eine Postkarte schicken, um seine Chancen zu erhöhen! Genau genommen: Es reicht eine Postkarte, auf die schreibt man halt, wie viele Postkarten man eigentlich gerne gesendet hätte. Wie soll man sich als Spieler unter diesen Umständen verhalten?

Hofstadter führt dazu den Begriff der Superrationalität ein. Der Begriff ist, entnehme ich Wikipedia, nicht allgemein akzeptiert in der Spieltheorie; davon verstehe ich nichts. Ein rationaler Spieler, so Hofstadter, versucht einen Gewinnn zu maximieren – würde eine große Zahl auf die Postkarte schreiben, um möglichst viel vom Kuchen zu kriegen und so oder so besser fahren würde als mit einer kleineren Zahl; ein rationaler Spieler würde das Telegramm im Szenario zuvor abschicken, um nur so Chancen auf den Gewinn zu haben.

Ein superrationaler Spieler dagegen würde im Telegramm-Szenario würfeln, um mit einer Wahrscheinlich von 1/20 das Telegramm zu schicken, weil das die sinnvollste Lösung ist, wenn alle Spieler sich gleich verhalten, weil alle gleich intelligent sind, und sich so superrational verhalten würden.

Im Wettbewerb-Szenario würde ein superrationaler Spieler ermitteln, wie viele Menschen wohl den Scientific American lesen, sagen wir: n, und würde mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/n eine einzelne Postkarte losschicken. (Tatsächlich kommt das meiner Meinung nach auf die Aufgabenstellung an; egal.)

Und ein superrationaler Spieler würde auch bei der Abstimmung zwischen A, B, C und D den Zufall entscheiden lassen und sich an diese Entscheidung halten, wie jeder andere superrationale Spieler auch. Die Wahrscheinlichkeiten müssten so sein, dass A wahrscheinlicher ist als B und so weiter – ich glaube, es ging sogar um bestimmte Werte, die herauskommen sollten, aber dazu müsste ich den Tweet finden.

Das leuchtetete mir alles sofort ein, als ich das Buch damals las, so zur Bundeswehrzeit, kurz vor dem Studium. Das Wort hatte ich vergessen, und auch bei meiner wirklich sehr spärlichen Kant-Lektüre vor ein paar Jahren fiel es mir nicht ein, aber auf, weil Kant es tatsächlich deutlich sagt, wenn auch nicht in diesen Worten: Der kategorische Imperativ funktioniert nur in einer superrationalen Gesellschaft.

Funkerjargon und Ethernet-Verbindungen

Ethernet: Das ist die Technologie hinter den LAN-Kabeln, mit denen man zu Hause den Computer und den Drucker und sonstwas mit dem Router verbindet. Ein Vorgänger davon hieß ALOHA, das war ein Protokoll (also eine Regelung), um per Funk Rechner miteinander zu verbinden, und zwar auf Hawaii.

Bei Funk gibt es ja ein Problem, wenn man nur einen Kanal zum Senden und Empfangen hat. Dann muss man ausmachen, wie man das regelt, und das heißt dann Protokoll. Wenn alle dazwischenquasseln, versteht keiner was. Deswegen muss man da so Sachen sagen wie OVER und ROGER. Wikipedia erklärt diese procedure words schön, OVER heißt zum Beispiel: “Ich bin jetzt fertig und warte auf Antwort, du musst jetzt noch was sagen,” während OUT heißt: “Ich bin fertig und geh jetzt vielleicht sogar weg, keine Antwort erwartet.” Bei Computerspielern gibt es dann noch so etwas wie AFK (away from keyboard), vielleicht ähnliche Geschichte.

Bei Rechnern, die miteinander über ein Funknetz oder eben auch über ein gemeinsames Kabel verbunden sind, gibt es ähnliche Probleme: Die müssen auch ausmachen, wer jetzt dran ist und den gemeinsamen Kanal belegt. Eine Möglichkeit dazu heißt “Token Ring”, das ist wie bei Der Herr der Fliegen: Es gibt ein Muschelhorn, und nur wer das Muschelhorn hat, darf etwas sagen, und das Muschelhorn reicht man der Reihe nach herum, damit jeder mal etwas sagen kann. Spätere Entwicklungen haben zu einem anderen Prinzip geführt, das etwas absurder klingt, aber wohl effizienter ist: Ja, jeder darf im Prinzip gleichzeitig reden/funken/das Kabel benutzen, und wenn das versehentlich zwei gleichzeitig machen, gibt das eine Kollision. Das Prinzip heißt CSMA/CD: Carrier Sense Multiple Access with Collision Detection (Wikipedia). Multiple Access: Es dürfen alle gleichzeitig. Carrier Sense: Man achtet darauf, ob der Kanal gerade frei ist oder nicht (verkürzt dargestellt). Collision Detection: Wenn es trotzdem zu einer Kollision gibt, also einem Konflikt, Durcheinanderreden, dann kriegt man das mit. Wie das geht, ist erst einmal egal.

Was macht man jetzt als Sender, wenn man versucht hat zu senden, aber eine Kollision mitgekriegt hat, sprich: die Sendung ist nicht angekommen, sondern gestört worden? Das Protokoll sagt: Na ja, man wartet ein bisschen, und dann versucht man es noch einmal.

Wenn aber alle beteiligten Rechner sich gleich verhalten, und das werden sie, weil sie einem Protokoll folgen, dann würden sie alle einfach zum Beispiel eine Sekunde warten und dann wieder gleichzeitig senden. Der nächste Konflikt ist damit, wait for it, vorprogrammiert. Was also tun? Superrational sein, wenn ich den Begriff metaphorisch verwenden darf und richtig verstehe: Jeder Sender wartet eine innerhalb gewisser Grenzen zufällige Zeitspanne und versucht dann, neu zu senden/den Kanal zu belegen. Ta da!

(Heute sieht Ethernet ein bisschen anders aus, aber das waren die Anfänge.)

Und warum das ganze? (Jetzt die Pointe.)

Die bayerische Lernplattform Mebis ist gerade massiv überlaufen. Nicht hoffnungslos überlaufen, mehr so wie bei dem Zitat von Yogi Berra, einem amerikanischen Baseballspieler der für seine “Yogi-isms” (Beispiele) bekannt war – überraschende, widersprüchliche Aussagen, von denen ich nicht weiß, wie ernst gemeint sie waren. Etwa hier, von einem Restaurant sprechend: “Da geht keiner mehr hin, weil es da immer so voll ist.” So ähnlich stelle ich mir das bei Mebis vor.

Ich glaube, da täte allen etwas Superrationalität gut. Oder zumindest der Gedanke: Was du gerade rational zu tun im Begriff ist, das machen gerade alle anderen auch, deshalb ist es superrational, das nicht zu tun (oder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit).

Also:

  • Wenn nichts läuft: Den Tag freigeben! Ein paar zufällige Studenten, wenn man davon ausgeht, dass alle Spieler superrational sind, wenn man dagegen von vielen rein rationalen Spielern ausgeht: Lieber den ganzen Tag. (Im täglichen Mebis-Wetterbericht habe ich das empfohlen. Allerdings kriege ich mit, wie die Kollegen trotzdem mit Mebis arbeiten. Ist ja auch rational… schön, wenn’s geht… aber nicht superrational.)
  • Bitte nicht Videos aus der Mebis-Mediathek in einen Kurs einbauen und die Schüler anschauen lassen. Das kostet Ressourcen. Streaming aus der Mediathek scheint kein Problem zu sein, da aus den Mediatheken gestreamt wird, wo die Filme tatsächlich liegen. Dennoch versuche ich die Schüler und Schülerinnen und Lehrkräfte möglichst raus aus Mebis zu halten. (Aber alle wollen sie jetzt auch noch damit spielen. Verstehe ich ja.)
  • Mit einer Notstruktur zufrieden sein.
  • 1 mal pro Woche pro Fach muss reichen, und nicht mal jedes Fach muss etwas machen. Ich kommuniziere mit meinen Schülern und Schülerinnen einzeln über Mail, über Mebis nur eine Nachricht, und das war’s.
  • Ja, man muss halt einen Tag nichtszun aushalten. Das ist machbar. Die meisten Lehrkräfte (nicht alle, you know who you are) und Schüler und Schülerinnen wollen arbeiten, aber man muss auch mal Selbstständigkeit aushalten.
  • Wie schön, dass es auch für Kunst und Religion Aufträge gibt. Sinnvolle Aufträge, rational voll begründbar, schön gemacht. (…)
  • “Tatsächlich wird ein großer Vorteil von Mebis, nämlichen das Einbinden von vielen interaktiven Übungen oder externen Tools wie learningApps durch die völlige under-performance [ …] zunichte gemacht.” Scheiß auf das Einbinden von vielen interaktiven Übungen oder externen Tools. Meine Güte. (Nicht meine Schule.)

Anders als bei den Hofstadter-Beispielen oben, wo echte Superrationalität gefragt ist, bräuchte es die hier gar nicht, weil hier theoretisch Kommunikation unter den Beteiligten möglich ist. Aber sie ist halt doch eingeschränkt. Dennoch: Entweder absprechen oder selbstdenken, aber dann superrational.

(Vermutlich voll falsch verstanden, den Begriff, ich habe nicht mal die Wikipediaseite dazu gelesen. Erklärungen und Einwände gerne hier.)

Nachtrag: Es ist übrigens auch superrational, zuhause zu bleiben, auch wenn man fast ganz sicher gerade nicht vom Virus infiziert ist.