Peacock Revolution

Vor zwei Jahren im Fashion Museum in Bath hörte ich zum ersten Mal von der Peacock Revolution. So hieß das, was Ende der 1960er Jahre für ein paar kurze Jahre die Männermode dominierte: Rüschen und Längsstreifen, Samt und Kord, Lila und Rot und Orange, der volle Sgt. Pepper halt.

Und da habe ich mich wiedererkannt. Kleidung war mir einerseits nie sehr wichtig, ich habe angezogen, was da war und noch einigermaßen frisch roch. Aber es hat mich gefreut, und freut mich immer noch, wenn das auch noch schöne Sachen sind, und zwar: eher etwas extravagante schöne Sachen, mitunter sogar flamboyant. Moden habe ich nur ein einziges Mal bewusst mitgemacht, mit zehn oder zwölf Jahren, als ich mit der Schere Fransen in eine kurze Jeanshose schnitt. Das war eine sehr kurze Phase. Und Marken – Marken hatte man zu meiner Zeit fast noch gar nicht erfunden. (Levi’s Jeans, Kaugummimarken, C&A-Hausmarke Palomino, Salamander.)

Nein, mein Vorbild war wohl einfach Errol Flynn – dünnes Bärtchen, weites Piratenhemd, lachend auf einer Rahe stehend und die Locken im Wind. Nicht dass ich so war, aber so wollte ich vielleicht sein. So etwas war seit dem Ende der Peacock Revolution nicht mehr Mode, das kam dann erst wieder mit Prince und ist auf Bühnenshows begrenzt.

Man sieht hier, wie ich bereits in jungen Jahren so gekleidet war, wo ich noch heute sage: Respekt.

Zugegeben, das letzte Bild ist tatsächlich eine Faschingskostümierung. Aber vor zwanzig Jahren, als ich noch ranker war, hatte ich ein weißes und ein schwarzes Hemd, das ich explizit als Heldenhemd gekauft hatte – tiefer Ausschnitt, weiter Ärmel. Die Kleidung auf den linken Bildern, zumindest auf dem mittleren, stammt aus Berlin: da hatten wir Verwandtschaft mit Modeläden, und von dort wanderte oft Kleidung in die bayerisch-schwäbische Provinz. Ich fühlte mich sehr wohl darin.

Der bunte Auftritt kam dann immer im Doppelpack, weil ich ja einen Zwillingsbruder habe:

Kinder geringelt

Kinder in grün und gelb Kind im Jeansanzug

Als Teenager dann so:

vogelfütternd, weiße Hose, rosa Hemd

(Nicht gut zu erkennen: die fette Gürtelschnalle in Spinnennetzform. Kann ich interessierten Besuchern heute noch zeigen.)

Manchmal hatte das… Auswüchse. Hier mit 17 Jahren in San Francisco. Man beachte das kleine Bärtchen, lange, lange bevor es mal Mode wurde. (War das in den frühen 2000ern? Ich weiß es gar nicht mehr.) Und, uh, den Rest. Aber immerhin: das Hemd. In der Hand: ein frisch gekauftes Buch, entweder Tolkien-Briefe oder The Return of the King, beide hatte ich in diesem Urlaub gekauft.

Teenager in Chinatown

In der Abizeitung, als jeder von uns 5 Zeilen bekam und gut war’s, stand dann unter anderem „Genie und Dressman“. Heute verstehe ich das besser als früher. Ich sah es schon als Kompliment, aber dressman, moi?

In den Zwanzigern entdeckte ich eine Reihe von dreifarbigen Hemden mit schwarzen Punkten. Hach, waren die schön! Frau Rau war dann aber doch sehr froh, als sie dann mal verschwanden.

Hemd mit Punkten

Von Teenager-Jahren an mochte ich Hawaii-Hemden. Ich hatte stets ein oder zwei, die – wohl wieder durch die Verwandtschaft – den Weg zu mir fanden, später dann immer wieder selbst gekaufte. Ganz zu Anfang dieses Jahrtausends erstand ich dieses schöne Marvel-Hemd, lange vor dem filmischen Erfolg des Marvel-Universums. Einmal im Jahr ziehe ich es in die Schule an:

Für diese Jacke muss ich ein bisschen abnehmen, sonst würde ich sie öfter tragen:

Heute etwas gesetzter und ruhiger, fühle ich mich sehr wohl in diesen Längsstreifen:

Sakko mit Streifen

Wenn es ein bisschen kühl ist oder regnet, aber nicht genug für einen Schirm, dann bietet sich die grüne Melone an:

im Zug mit grüner Melone

Aus dem Irlandurlaub mitgebracht: neue Socken.

bunte Socken

Alles, was noch passt, ziehe ich regelmäßig in die Schule an, daneben manche Nerd-Shirts, und mein Fischgrät-Tweed-Hoodie. Oder graue Pullover. Kaum etwas davon wird je kommentiert, übrigens; wir sind eine sehr höfliche Schule. Aber ich habe Fasching ja auch mal im Ganzkörper-Löwenkostüm unterrichtet, ohne dass das irgendeinen Unterschied gemacht hätte.

Unterricht zur Abiturzeit

Beim Vorbereiten von Unterricht muss man, das lernt man im Studium, auch die anthropologisch-psychologischen Voraussetzungen berücksichtigen. Damit meint man meist die Zusammensetzung, die Stimmung, das Vorwissen bei den Schülern und Schülerinnen – aber das alles gibt es bei mir als Lehrer auch. Gerade in der Abiturzeit gehört zu den menschlichen Voraussetzungen bei der Unterrichtsgestaltung: dass ich keine Zeit dafür habe.

Der Unterricht bis zum Schuljahresende ist schon verplant, ab jetzt fällt ohnehin ständig irgendetwas aus. In meiner 6. Klasse mache ich noch ein wenig Rest (Kommunikationsmodell, Etymologie) und dann die Lektüre – Erebos übrigens. Beim Kommunikationsmodell kamen wir schnell zu Beleidigungen und dann zum Strafrecht – die Schüler und Schülerinnen wollten unbedingt wissen, was alles passieren kann, wenn was passiert. Also spontan Strafmündigkeit erklärt und Zivilrecht, und Bußgeldkatalog für Beleidigungen im Straßenverkehr recherchiert.

Auch in der 10. Klasse ist Lektürezeit, und zwar tatsächlich Naomi Alderman, Die Gabe. Bin schon sehr gespannt. Weil ich keine Zeit für irgendwas habe, sollen die Schüler und Schülerinnen allein ein Lektüre-Begleitheft dazu erstellen. Viel Computerraum, wenig Vorbereitung, weil, geht halt nicht anders.

Die 9. Klasse darf mit InstaHub spielen.

Und in der 11. Klasse Englisch… in der 11. Klasse habe ich Urlaubsdias gezeigt. Eigentlich machen wir ja gerade noch die Reste von Indien, aber ein Vergleich ist immer gut, also schob ich kurz eine andere Quasi-Kolonie mit ähnlichem Unabhängigkeitsstreben (aber anderen Methoden) ein: Irland halt. Black pudding erklärt und white pudding, Bilder vom Urlaub gezeigt, und eine kurze Timeline irischer Geschichte angeschrieben.

Ganz wichtig als letztes Urlaubsbild: Was es in irischen Supermärkten für Grußkartenabteilungen gibt. Ich hoffe, ich war deutlich genug:

Grußkartenbereich mit Lehrer-Dankeskarten

Aber eigentlich ging es darum, ein paar Lieder auf Youtube vorzuspielen und zu fragen, wo die geschichtlich einzuordnen sind. Texte hatten die SuS natürlich; alte Faustregel: nie von SuS verlangen, bei unbekannten Liedern den Text einfach so durch Zuhören zu verstehen.

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Und hier einer meiner Favoriten, mit gleich noch etwas spanische Geschichte dazu:

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(Diese Lieder sind natürlich keine Geschichtsschreibung; die verklären und vereinfachen – aber halten auch fest. Irgendwann biete ich vielleicht mal ein W-Seminar an, „Songs about historical events“, bräuchte dazu aber sicher Unterstützung aus der Geschichte.)

Angelesenes zur irischen Ort(h)ographie, soviel wie für 1 Portion reicht

Meine Irlandeindrücke der letzten Woche muss ich erst noch verarbeiten. Ein schönes und interessantes Land, über das ich fast nichts wusste, wie ich jetzt weiß – dabei hatte ich sogar eine Irland-Vergangenheit, ohne Böll, aber mit Synge und Joyce, Brendan und Domic Behan, J.P. Donleavy, James Stephens, Lord Dunsany sowieso (aber der zählt nicht, glaube ich, obwohl: Biographie und Autobiographie ebenfalls), und Lady Gregory und das Mabinogion, und eigentlich waren es doch eine Menge Bücher aus Irlands wilder Zeit. Dazu Christy Moore rauf und runter, da lernt man auch viel. Und doch.

Die Wegweiser auf den Straßen sind alle zweisprachig Englisch-Irisch, auch sonst sieht man viele irische Namen. Wie diese Namen ausgesprochen werden, das hat aber erst auf den zweiten Blick mit der Schreibung zu tun. Das Amt des Regierungschefs heißt zum Beispiel Taoiseach. Dabei ist das vielleicht gar nicht so schwer. Ich habe mich bei Wikipedia und anderen Seiten kundig gemacht und fasse hier mal zusammen, was in 1 Lektion irischer Ortographie für den Urlaub passt.

Also: Es gibt wie im deutschen Vokale und Konsonanten. Die Vokale gibt es als Kurzvokal (häufig durch die Buchstaben a, e, i, o, u ausgedrückt; die Lautung entspricht ungefähr der deutschen) oder als Langvokal (durch die Buchstaben á, é, í, ó, ú ausgedrückt; auch hier ungefähr wie im Deutschen, nur halt in der langen Fassung). Dass die Lang- und Kurzvokale sich nicht nur durch die Länge unterscheiden, und dass es auch Diphtonge gibt: Erst mal geschenkt.

Und dann gibt es eine ganze Menge Konsonaten. Anders als im Deutschen gibt es die Konsonaten alle in zwei Versionen: slender (palatalisiert, Zungenrücken angehoben) und broad (nicht-palatalisiert). In der Umgebung von hellen, vorderen Vokalen (e, i) werden Konsonanten palatalisiert ausgesprochen, in der Umgebung von dunklen, hinteren Vokalen (a, o, u) nicht.

Auch im Deutschen gibt es diese Unterscheidung. Das „K“ in „Kuh“ wird (weil danach ein dunkler Vokal kommt) anders ausgesprochen als das „K“ in „Kind“ (mit einem hellen Vokal). Das hört man nicht, weil das für die Bedeutung im Deutschen egal ist. Mehr fällt das bei dem Laut auf, der mit „ch“ geschrieben wird: in „ich“ ist der anders (nach hellem Vokal, palatal) als in „ach“ (nach dunklem Vokal, velar). Wenn man das „ich“ mit dem anderen, unpassenden ch-Laut ausspricht, wird man zwar verstanden, hört sich aber schweizerisch an.

Im Irischen ist diese Unterscheidung wichtig, und zwar nicht nur beim „ch“, sondern bei allen Konsonanten. Ob ein Konsonant slender oder broad ausgesprochen wird, sieht man an den Buchstaben drumherum: Sind die hell (e,i), dann: slender, sind sie dunkel (a, o, u), dann: broad. Beim irischen Wort „Sinn“ ist sowohl das „S“ als auch das „n“ slender, da in der Umgebung eines Buchstabens, der für einen hellen Vokal steht.

Zum Üben habe ich irische Wörter genommen, die ich kenne, und anhand der Liste bei Wikipedia versucht herauszufinden, wie man sie aussprechen müsste, und dann mit der korrekten Aussprache verglichen. Mit etwas Übung und reichlich Nachschlagen geht das auch: man kann von der Schreibung tatsächlich gut auf die Lautung schließen.

Siobhán:

  • S: slender s (ähnlich deutsch „sch“)
  • io: leider schwierig; Regel sagt /ʊ/, ich höre aber immer nur einen unbetonten Schwa-Laut
  • bh: broad w/v (dass es broad sein muss, sieht man am o und á drumrum)
  • á: langes a (der Akzent steht immer für Länge), wobei ich das a stets offener höre, als es die IPA-Umschrift mich Laien vermuten ließe
  • n: broad n (muss ja, wegen á)

Kein Wunder, dass Wikipedia sagt:

Alternative Schreibweisen von Siobhán sind Siavon, Siobhan, Siobhain, Siobhann, Siobhon, Siovhan, Shivaune, Shivaun, Shavon, Sioban, Shivonne, Shvaugn, Shivaughn, Shivaughne, Shavaughn, Shavaughne, Shavaugn, Shavaugne, Shavaun, Shavaune, Sheavaughn, Shavone und Chevonne.

Siobhán ist übrigens das Äquivalent zu „Johanna/Jean“. Die Verkleinerungsform („Jeanette“) ist:

Sinéad:

  • S: slender s
  • i: kurzes i
  • n: slender n
  • éa: é ist wieder langes e, das a braucht man für den Folgekonsonant)
  • d: broad d (broad: sieht man am a vorer)

Taoiseach:

  • T: broad t (weil danach dunkler Vokal)
  • aoi: langes i, weil das bei ao so ist (das i ist für den folgenden Konsonanten da)
  • s: slender s (also wieder „sch“)
  • ea: in unbetonter Stellung ein Schwa
  • ch: broad ch (wie in deutsch „ach“)

So heißt das Amt des Regierungschefs im Parlament. Das irische Parlament heißt:

Dáil Éireann:

  • D: broad d
  • ái: langes a (und Zwischenvokalzeichen für den Folgekonsonant)
  • l: slender l (am i davor sieht man, dass es slender sein muss)
  • Éi: langes e (und eingeschobenes i)
  • r: slender r
  • ea: in unbetonter Stellung ein Schwa
  • n: broad n

Im Parlament sitzen unter anderem folgende Parteien:

Fianna Fáil:

  • F: slender f (slender sieht man an folgendem i)
  • ia: ein echter Diphtong, /iə/ – Diphtonge gibt es vor allem bei ia und ua, sonst sind es meistens Zwischenvokale
  • nn: broad n
  • a: Schwa
  • F: broad f (broad sieht man am folgenden á)
  • ái: kein Diphtong (weil nicht ia und ua), sondern ein langes a (wegen Akzent), gefolgt von Zwischenvokalzeichen
  • l: slender l (damit es auch wirklich klar slender ist, muss eben das i zwischen á und l)

Fine Gael:

  • F: slender f
  • i: kurzes i (wenn betont)
  • n: slender n
  • e: Schwa
  • G: broad g
  • ae: langes e, das kam überraschend, und es zählt vor allem trotzdem als dunkles Vokalzeichen, da hier vor einer Rechtschreibreform Mitte des 20. Jahrhunderts „aedhea“ geschrieben wurde, also mit einem „a“ am Schluss – Gaedheal statt heute Gael
  • l: broad l (das Vokalzeichen davor ist zwar hell, früher stand da aber ein dunkles)

Sinn Féin:

  • S: slender s
  • i: kurzes i (in betonter Stellung)
  • nn: slender n
  • F: slender f
  • éi: langes e (wir erinnern uns, der Akzent) – gilt für é und éi, aber ist das i dann nicht völlig unnötig?
  • n: slender n (aber das wäre auch ohne das i slender)

Dann noch Aongus > mit langem /i:/ vorne, broad consonants in der Mitte und hinten. Ebenso Aoife > mit langem /i:/ vorne, aber slender f (daher das i in der Schreibung), Schwa am Ende. Saoirse > mit /i:/ in der Mitte, vorne ist das s broad, in der Mitte slender, Schwa am Ende – alles sind Vornamen. I think he’s got it!

Zum merken für mich:
Ao(i) ist /i:/.
Ae(i) ist /e:/.
S in der Umgebung von e und i ist „sch“, sonst „s“.
Wenn ein Akzent darauf ist, ist es immer lang und ein Monophtong, auch wenn noch so viel Vokalbuchstaben drumrum sind.

Und wie sich das r oder l als broad oder slender consonant nun ahören, und was die ganzen h sollen, das ist wieder eine andere Geschichte und wäre sicher etwas für eine 2. Portion.

Links:

Wicklow Way, Tag 5 & 6: Laragh – Glenmalure – Laragh

Nach unserem Pausen-Wander-Tag in Laragh ging es weiter nach Glenmalure, um an Tag darauf – auf einer anderen Route – wieder zurück nach Laragh zu wandern. Der Wicklow Way selber geht noch ein gutes Stück weiter nach Süden, aber sechs Wandertage reichten.

Wir gingen zuerst durch gepflegte Waldwege westlich von Glendalough, vorbei am Lower Lake.

Wald

Der Anfang vom bergauf, wieder so etwa 400 Meter.

Weg im Wald

Ein kleiner Wasserfall zwischendurch, alles noch innerhalb der parkartigen Waldlandschaft.

Wasserfall

Wir wanderten von Glendalough nach Glenmalure über den Spink, einen Bergrücken, wenn man bei 600 Meter überhaupt von Berg sprechen kann. So sah es oben auf dem Spink aus. Allerlei Singvögel. Wieder ein sehr bequemer Bohlenweg:

Landschaft mit Ausblick

Frau Rau blickt nach hinten. Von dort kamen wir her:

Landschaft mit Ausblick

Frau Rau blickt nach vorne. Links der Weg, der sich den ganzen Rücken entlang zieht:

Landschaft mit Ausblick

— Tags darauf gingen wir auf einem anderen Weg zurück. Endlich Fasane! Die hatten wir die Tage zuvor schon immer wieder in den Wäldern gehört, aber nie gesehen. In der Nähe werden wohl im großen Stil Fasane für die Jagd aufgezogen (und zur Jagd freigelassen), aber manche entkommen vorher und treiben sich dann in den Wäldern herum – oder in den Gärten:

Fasan

Fasanenpaar

Danach ein mir unbekannter Singvogel. Ich habe zuerst mal bei der Nabu-Vogelbestimmseite die Farben orange, weiß und schwarz angegeben und mir die Ergebnisse angeschaut. Nichts dabei. (Auch nicht mit beige.) Also solange Google-Bildersuche nach songbird orange black white, bis etwas kam, das so aussah – „Bergfink“ sah okay aus. Via dem lateinischen Namen (Fringilla montifringilla) kam ich auf die englische Bezeichnung, brambling. Den soll es in Irland aber nur im Winter geben, sagt dieses Seite. Bei http://www.irishbirding.com/birds/web werden Sichtungen von Vögeln gesammelt, in Wicklow (und überhaupt Irland) wurde der letzte brambling am 19. April 2018 gesehen, vor über einem Monat, davor schön regelmäßig. Also doch kein Bergfink? Twitter gefragt, Antwort nach einer Minute gekriegt: Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola), englisch: European stonechat. Bei der bird sighting search zwar nur Funde für März 2018, aber hier sieht man Verbreitung in Irland und Bilder, die genau den Vogel treffen. Also, alle weitergehen, es gibt nichts zu sehen, außer einem Schwarzkehlchen:

Vogel

Auf dem Weg ein Pferd mit hinreißender Frisur:

Pferd

Das war auch auf dem Weg. Völlig harmlos. Eine stabile Konstruktion, verschraubt. Ich hab’s mal fotografiert, falls ich mal für ein Call-of-Cthulhu-Rollenspielszenario ein geheimnisvolles Zeichen im Wald brauche:

Wegzeichen

Frau Rau auf einem weiteren, sehr windigen Bergrücken.

Landschaft mit Wandernder

Und da dann wieder herunter:

Landschaft mit Ausblick

Insgesamt: Wir hatten sehr großes Glück mit dem Wetter und eine sehr schöne Landschaft. Die Bed & Breakfasts waren alle eher kleine Pensionen; beim Cotswold Way waren auch Privatwohnungen dabei. Oft waren die Unterkünfte recht weit weg vom eigentlichen Wicklow Way, so dass wir jeweils mit dem Auto abgeholt und wieder abgesetzt wurden, das war nicht so schön. Ein bisschen unbefriedigend auch die letzten Etappen hin und zurück nach Laragh – beide Strecken waren zwar mit die schönsten der Wanderung, aber dennoch ist es unelegant, sich nicht weiter auf dem Weg Richtung Süden fortzubewegen.

Ich fürchte, der Cotswold Way hat uns verdorben: Nichts schlägt das Hineinwandern in eine große Stadt – in diesem Fall Bath – am Ende eines langen Marsches. Außerdem habe ich gemerkt, dass mir Landschaft allein nicht reicht – ich will Kirchen, Pubs, Ruinen, Hügelgräber, Anwesen zwischendurch. Und da sind wieder die Cotswolds führend, das ist seit vielen hundert Jahren Kulturland, im Mittelalter reich geworden, viel dichter besiedelt als es die costa de la muerte oder Irland je war. (Viereinhalb Millionen Einwohner für die ganze Insel, vor ein paar hundert Jahren ein Maximum von acht Millionen, immer noch wenig.) Da steht an jeder Ecke irgendwas Sehenswürdiges, und die Natur dazu.

Wicklow Way, Tag 3 & 4: Lough Dan – Laragh – Glendalough

Am Bed & Breakfast fingen die Schwalben an, Material oder einen Platz für den Nestbau zu suchen:

Schwalben beim Nestbau

Heute den ganzen Tag sonniges Wetter, ohne Jacke unterwegs:

Landschaft

Fluss

Lough Dan, an dem unser B&B war:

Lough Dan

Nur zur Notiz: Eukalyptus hat es auch bis hierhin geschafft:

Eukalyptus

Mehrfach gesehen, dieses Schild. „Premises“ kenne ich als Wort, fast nur im Plural, für „Örtlichkeit, Grundstück“ im rechtlichen Kontext. Aber als „on a premises“? Ich tippe auf Fehler.

Warnschild

Wegweiser am frühen Morgen. Oder mittelfrüh, wir brachen immer so um halb zehn auf, das wird hier zehn Uhr sein.

Wegweiser

Mücken gab es nicht viele, sicher keine stechenden, aber dafür auf Abschnitten immer wieder diese kleinen Insekten. Mit diesem Dingsel unten dran erinnerten sie mich immer wieder an die B-Wing-Raumschiffe aus Star Wars:

Stechginster mit Insekt

Sonne, Heide & Weide:

Landschaft mit Stechginster

Fluss

Blick auf die Stauseen bei Roundwood. Jeden Tag so etwa 400 Meter rauf, 400 Meter runter:

Landschaft mit Ausblick

Dann waren wir in Laragh, wo wir zwei Nächte verbringen würden. Den folgenden Tag wanderten wir also in der Gegend um Glendalough herum. Glendalough, zwei Kilometer von Laragh, ist hier die Touristenattraktion, riesiger Parkplatz, aber gar nicht so viel los.

(Nicht fotografiert: Gebirgsstelze, Rotkehlchen, Distelfink, Dohlen, Krähen.)

Glendalough: Das sind die Reste einer frühen christlichen Klosteranlage. Es stehen noch der Rundturm, die Ruine eines „Kathedrale“ genannten Gebäudes, und eine Kapelle, „St. Kevins Kitchen“ genannt. (So hieß auch der Chippie vor der Anlage, an dem ich mir eine Portion cheesy chips holte.)

Fluss

St. Kevin’s Kitchen, man beachte – ungewöhnlich – das steinerne Dach:

Kirche in Glendalough

Kirche in Glendalough

Buchfink an Ruinenmauer bei der Nahrungssuche:

Buchfink

Buchfink

Grabsteine in Glendalough:

Gräber in Glendalough

Gräber in Glendalough

Gräber in Glendalough

Am Nachmittag, eigentlich zur Erholung vorgesehen, gingen wir dann auf den Camaderry.

Landschaft

Auf dem Weg dorthin Rehe.

Rehe

Raben hatten wir schon an den Tagen zuvor gesehen, auf dem Djouce etwa. Sie sind größer als Krähen, und hören sich vor allem anders an. Hier endlich auch mal ein Bild:

Rabe, Silhouette

Ausblick von nicht-ganz-oben. Da bin ich ich nämlich sitzen geblieben und habe Pause gemacht:

Landschaft

Frau Rau dagegen, die unverwüstliche, mit dem kaputten Kreuz und den schmerzenden Beinen, die ging noch weiter bis an die Spitze des Camaderry. Also diesen Weg hinauf bis ganz nach oben, und danach nochmal ein Stück nach oben, hinter dem Hügel verbogen. Eine halbe Stunde hin, eine halbe Stunde zurück:

Landschaft mit Hügel

Auf dem Weg zurück: wieder Rehe.

Rehe

Wicklow Way, Tag 1 & 2: Dublin – Enniskerry – Lough Dan

Der südliche Teil des Cotswold Way vor zwei Jahren war unser erster Fernwanderweg; dann kam letztes Jahr die costa de la muerte in Galizien – dieses Jahr Irland. Jeweils so fünf bis sieben Tage, um die 120 Kilometer, das Gepäck lassen wir uns von Unterkunft zu Unterkunft bringen; wir sind Memmen und es ist ohnehin zuviel, da danach immer noch eine Woche Stadturlaub folgt.

Die erste Etappe, von Dublin nach Eniskerry. Wetter bedeckt, aber meist trocken, zwischendurch einige Male heftiges Nieseln. Die neue Wanderjacke ist toll: Leicht, ich schwitze nicht darunter, sie hält Wind und Nässe erstaunlich fern. Wenn der Wind um einen bläst, dass man ihn eigentlich kühl spüren müsste, ändert sich nichts an der Temperatur.

Der Weg beginnt im Marlay Park in Dublin, wo am Pfingstsonntagmorgen Fußball gespielt und spazieren gegangen wird:

Am Anfang noch Parklandschaft:

Parklandschaft mit Weg

Bald ist da aber nichts Städtisches mehr. Nur noch Heide, und hinten Berge:

Landschaft mit Weg

Feldlerche beim Frühstück:

Lerche

Und weiter Heide und Berge.

Landschaft

Zwischendrin sah es immer wieder mal verbrannt aus. Ist das der Versuch, den allgegenwärtigen und schönen Stechginster zurückzudrängen, der noch viel zu sehen sein wird? Der nicht sehr gute Wikipedia-Artikel dazu bezeichnet ihn als schlimme invasive Pflanze, aber hier gehört er sicher hin. Und: Ist außerdem leicht entzündlich, ah, ja.

Landschaft mit verbranntem Stechginster

Wenn nicht Heide, dann Weideland. Nicht sehr intensiv genutzt, die Schafe – nur sehr selten sahen wir Rinder – hatten viel Platz:

Landschaft mit Weg

Landschaft mit Weg

(Bed and Breakfast mit Full Irish breakfast: Ei, Würstchen, Schinken, white and black pudding – so eine Art gebratene Blut- beziehungsweise Leberwurst in Scheiben. Und diesmal auch baked beans, obwohl die bei späteren Frühstücken nicht mehr dabei waren. Dazu Toast und soda bread.)

Am nächsten Tag dann ähnliches Wetter. Bedeckt, aber trocken; Warnung der Reiseagentur vor der schwierigen Etappe, der Überquerung des Berges Djouce. Da werde es schnell dunstig und nass. Ich bin ja ein großer Schisser, aber selbst ich machte mir keine Sorgen. Im Vergleich zum Kraxeln in Spanien ist das Gehen hier fast ein Spaziergang.

Heute trägt Frau Rau den Rucksack:

Waldweg

Bluebells, oder wir wir hier sagen: Atlantisches Hasenglöckchen.

Landschaft mit atlantischem Hasenglöckchen

Hier der versprochene Stechginster, gorse oder furze. „When gorse is out of bloom, kissing is out of season.“ Will heißen, der blüht lange und und viel und überall:

Landschaft mit Stechginster

Mönchsgrasmücke, englisch blackcap:

Grasmücke

Im Hintergrund der Wasserfall von Powerscourt:

Landschaft mit Wasserfall

Landschaft mit Weg

Zwar nur von fern, aber immerhin – ein Kuckuck (der gut zu hören war):

Kuckuck

So sah es dann oben auf dem gefährlichen Djouce aus – bei Nebel und Regen sicher matschiger und unangenehmer, aber sicher nichts Gefährliches:

Landschaft mit Weg

Der Bohlenweg besteht aus alten Eisenbahnschwellen, mit Nägeln und Drahtgitter trittfest gemacht. Sehr gangbar, aber wer hat die hier alle verlegt? Muss viel Arbeit gewesen sein, und wird wohl regelmäßig erneuert:

Balkenweg

Auch durch diesen unheimlichen Zauberwald führen die Bohlen:

Waldweg

Die Wochen vor den Pfingstferien – jedes Jahr das gleiche? (Und Schafsherden, sprachlich.)

Vielleicht läuft es in manchen Jahren tatsächlich besser, in anderen Jahren schlechter; vielleicht vergesse ich auch im Lauf des Jahres immer wieder, wie anstrengend die Zeit vor den Pfingstferien ist. Aber diesmal ist es bestimmt wirklich schlimmer!

Die Vorlesung läuft gut, der Unterricht auch, ich korrigiere meine Schulaufgaben rechtzeitig, halte Abitur, holte wöchentlich unsere Kartoffelkombinat-Kiste, koche fast jeden Abend, wofür ich einkaufe; dann kam noch ein schneller Podcasts dazwischen, Ukuleletreffen, Leserunde, Verwandtenbesuch. Ich organisiere einen Wettbewerb und – verflixte Sucht – programmiere an einer kleinen App herum, immer nur noch kurz ein Stückchen. All das nicht wirklich anstrengend, aber zeitlich schwer unter einen Hut zu kriegen – einen Slot für in drei Tagen einplanen, notieren, und dann drei Tage nicht mehr daran denken, so versuche ich das.

Nicht mehr geschafft: Zwei kurze und eine lange Nachholschulaufgabe korrigiert, Aufgaben für die mündliche Abiturprüfung Informatik nach den Ferien erstellt – das muss ich in den Pfingstferien machen, die ich sonst einigermaßen frei habe.

Im Englischunterricht Q11 Denotation-Connotation gemacht, dabei Autonamen der 1960er (Thunderbird, Falcon, Charger, Comet, Mustang, Barracuda) mit Namen der 1970er (Rabbit, Pinto, Colt, Civic, Starlet, Gremlin) und 1980er Jahren verglichen (Escort, Fiesta, Cavalier, Sierra, Metro, Astra, Cortina, Orion, Nova, Maestro). Jahr 2000: Silverado, Explorer, Camry, Accord, Taurus, Civic, Focus, Caravan, Cherokee. – Nicht mit allen kann man gleich viel anfangen. Bei der Aufgabe, die Wörter gaunt, lanky, skinny, slender, slim, thin nach positiven oder negativen Konnotationen zu sortieren, gab es Unterschiede: skinny ist für meine Schüler und Schülerinnen erst mal deutlich positiver besetzt als für Englischsprecher meiner Generation – und, wie die Google-Recherche zeigt, gilt das auch heute noch. Liegt auch an „skinny jeans“, denen nichts Negatives anhängt. Aber Vorsicht bei der Google-Bilder-Suche; erst öffentlich zeigen, wenn man sich vergewissert hat, dass die Bilder altersangemessen sind.

Die Anwendung auf die Praxis ist dann für Schüler und Schülerinnen noch eimal schwieriger: Es ging darum, bei einem Text nach interessanten Konnotationen zu suchen. Eine Gruppe von Leuten „flocked outside“, und das führte zu einem Abstecher zu collective nouns, speziell zu denen aus der Jagd- und Fachsprache: Es heißt „a flock of sheep“, aber „a pride of lions“. Oder geht auch „herd of sheep“? Wikipedia gibt Antwort. Bei Enten „a paddling of ducks“ auf dem Wasser, sonst „a plump of ducks“. Was ein dotterel ist, muss ich auch nachschlagen, ein Haufen davon heißt jedenfalls trip.

DSGVO

Ab in gut zwei Wochen gilt europaweit eine neue Datenschutzregelung, die Datenschutz-Grundverordnung DSGVO. Die sorgt im deutschen Mittelstand für Unruhe, habe ich gehört, vielleicht sitzt man sie auch aus. Sie betrifft jedenfalls auch uns Blogger. Wenn wir uns nicht an die Regeln halten, dann… uh, kann es teure Strafen geben, oder, in Deutschland wahrscheinlicher, mehr oder weniger gerechtfertigte Abmahnwellen. Etliche Blogs haben schon angekündigt, die Kommentare zu schließen, oder sogar ganz aufzuhören. Wie sehr die Sorge begründet ist, weiß ich nicht; tatsächlich habe ich aus der Wirtschaft gehört: „Intellectual property law is not a shield, it’s a weapon“, und das gilt dann in Zukunft wohl auch für den Datenschutz. Aber gut gemeint ist das sicher mit der DSGVO, warten wir’s ab.

Der Kerngedanke: Personenbezogene Daten dürfen sowohl Facebook als auch ich kleines Bloggerlein nur speichern, soweit es nötig ist, und wenn derjenige, dessen Daten gespeichert werden, zustimmt. Wenn jemand anderes für mich Bloggerlein die Daten speichert oder anderswie verarbeitet, muss ich mit diesem einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung eingehen.

Für jemanden, dessen Blog bei wordpress.com oder bei blogger.com gehostet wird, sind die Möglichkeiten, auf die Datenverarbeitung im Zusammenhang mit dem Blog Einfluss zu nehmen, gering; da hoffe ich sehr, dass diese Anbieter den deutschen Kunden geeignete Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Dafür dürften diese Möglichkeiten dann auch einigermaßen sicher sein. Jemand wie ich mit selbst gehostetem Blog kann viel mehr eigene Vorkehrungen treffen, hat aber auch wenig juristische Beratung dabei. Also: Daumen drücken.

Grundsätzliches:

  • Man braucht ein ordentliches Impressum. Das geht zum Beispiel über diesen Generator, aber es gibt viele andere.
  • Man braucht eine ordentliche Datenschutzerklärung. Das geht zum Beispiel über diesen Generator, aber es gibt auch andere.
  • Beides muss gut erreichbar sein, also am besten in die Seitenleiste damit.
  • Blog umschalten von http auf https, damit diejenigen, die Kommentare übertragen, sicher sein können, dass niemand mitlauscht. Erfordert Änderungen bei den Zählpixel-Adressen von VG Wort – für mich nicht so wichtig, aber ich betreue ja auch andere Blogs.

Daten, von denen man gar nicht unbedingt mitkriegt, dass andere sie speichern:

  • Google Analytics, und ähnliche Besucherzahlen-Counter. Habe ich bei mir alles nicht.
  • Antispam-Schutz wie Akismet: Der leitet Kommentar-Daten (Text, IP-Adresse) weiter, um auf einem anderen Server zu überprüfen, ob es sich um Spam handelt. Lösung: Das Plugin Antispam Bee verwenden, und bei diesem die Weiterleitung auf einen anderen Server ausschalten. (Allerdings kollidiert das Plugin eventuell mit einem anderen Plugin, das erlaubt, Kommentare nachträglich zu editieren. War nicht hier ein Problem, aber auf einem anderen von mir betreuten Blog. Und auf dem war das WordPress-Theme so alt, dass der Code dort erst angepasst werden musste. Das gilt für aktuelle Blogs aber kaum.)
  • Eingebette Videos, zum Beispiel von Youtube: Wenn ein Youtube-Nutzer eingeloggt ist und auf meinem Blog einen eingebetten Video anschaut, kriegt Youtube die IP-Adresse mit, und die ist bereits ein personenbezogenes Datum. Gilt für andere Dienste analog. Lösung: Das Plugin EU Cookie Law hat eine Funktion „Auto Block“, die da vielleicht hilft. Oder das Plugin Embed videos and respect privacy.
  • Facebook-Buttons und so: habe ich alles nicht.
  • WordPress lädt automatisch Google Web Fonts, jedenfalls potentiell. Lösung: Entweder Blogbasteln, oder das Plugin Autoptimize, das vieles kann, was ich nicht brauche, aber eben auch per Klick diese Fonts ausschalten.
  • Das Plugin Jetpack: Benutze ich nur wegen der schönen Slideshow-Funktion. Dennoch kann Jetpack sehr viel mehr und telefoniert viel nach Hause; bis Ende Mai ist vom Hersteller DSGVO-Konformität versprochen worden, wenn das nicht reicht, werde ich es ganz abschalten.
  • Gravatare, diese lustigen Bildchen neben manchen Kommentatoren? Muss man wohl ausschalten.

Daten, die man mehr oder weniger absichtlich selber speichert:

  • Seitenstatistiken: Die meisten Hoster dürften Zugriffsstatistiken auf dem Server speichern, auf dem auch das Blog selber liegt. Mein Anbieter, all-inkl.com, bietet an a) einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung an, den man herunterladen kann. Unterschreiben muss man nichts extra. Und b) kann ich einstellen, ob überhaupt Statistiken gespeichert werden sollen oder gar nicht, oder ob die IP-Adressen teilweise oder ganz anonymisiert werden.
  • Cookies: Muss man eh schon länger machen. Ich nutze dazu das oben schon erwähnte Plugin EU Cookie Law, das vor dem Setzen eines Cookies eine Bestätigung erwartet. Cookies setzt WordPress ziemlich automatisch, wie viele anderen Seiten. Vor allem mit Hilfe von Cookies merkt sich ein Browser, dass er schon einmal auf einer Seite war und dort ein Passwort eingegeben hat, und die Seite kann mit Cookies eben genau das auch überprüfen.
  • Kommentare: Wer kommentiert, gibt dazu Daten an, die gespeichert werden. Man muss jetzt vorher ankreuzen, dass man das weiß. Mit Verlaub: Äh, ja? Das geht automatisch mit dem Plugin WP GDPR Compliance. (Auch das erforderte bei sehr alten Themes etwas Bastelei.)
  • Das gleiche Plugin übernimmt eine ähnliche Funktion bei Kontaktformularen. Die setze ich zwar nicht ein, aber auf der Schulhomepage gibt es welche. Ich musste dazu das alte Formular-Plugin ersetzen durch das neue Contact Form 7, aber das alte mochte ich eh nicht mehr. Das alte Impressum der Schulhomepage war irgendwann mal vom zuständigen Landratsamt geschrieben worden, ich habe es um die Datenschutzeerklärung ergänzt; vielleicht meldet sich das Landratsamt ja auch mal deswegen bei den Schulen.
  • Benachrichtigung über weitere Kommentare zu einem Beitrag, meist wenn man schon selber einen getätigt hat: Gibt es verschiedene Plugins, unbedingt mit Double Opt-In.
  • Benachrichtigung über neue Blogeinträge per Mail: Läuft noch über Jetpack. Entweder das wird noch konform, oder ich muss es abschalten.

Reicht das alles? Theoretisch sicher nicht. Ich hoffe auf die Praxis und bin ansonsten weiter am Werkeln. Was ich nicht machen kann: alle meine Blogeinträge der letzten vierzehn Jahre auf mögliche Probleme durchgehen. Da mag schon das eine oder andere eingebette Bild von einer anderen Adresse dabei sein.

Ist die DSGVO den Aufwand wert? Weiß nicht. Der Gedanke, dass man wirklich über jedes Fitzelchen Daten nachdenkt, das man von anderen speichert, ist erst mal nicht schlecht. Inwiefern das bei den großen Datensammlern dann wirklich zu weniger Datenspeicherung führt, da bin ich skeptisch.

Nachtrag: Nu, manche sagen, all das braucht man nicht. Mag sein. Schadet aber auch nicht. Warten wir ab.

Abitursemaphoren

Colaflaschen auf Tisch

Abituraufsicht gehabt. Ganz wichtig dabei: Immer nur ein Schüler oder eine Schülerin darf gleichzeitig auf eine Toilette, von denen es zwei gibt. Es ist schwieriger, als man denkt, sich als Aufsicht zu merken, ob gerade jemand in diesen ist oder nicht. Deshalb dienen, schon seit Generationen von Aufsichten, also seit bestimt schon ein paar Jahren, diese Flaschen als Merkzeichen – man kippt sie oder schiebt sie nach vorn, wenn die Toilette besetzt ist, und bringt sie wieder in Ausgangslage, wenn die Toilette frei ist. „Semaphor“ heißt so etwas in der Informatik. Im Bild oben ist die rechte Toilette besetzt.

Und ja, es sind zwei Toiletten und drei Flaschen. Auch das Traditon? Vielleicht ja eh nur Beschäftigung während des Aufsichtführens.

Daneben stehen übrigens die Kicker der offenen Ganztagsschule, die nachmittags bespielt werden. Nur um mal zu zeigen, dass es auch ganz große Kicker gibt:

großer Kickertisch

Vertretungsstunde, Konferenzen, vorgemachte Dramenanalyse

Vertretungsstunde: Spontan und unvorbereitet und verspätet, weil sonst keiner da war. Die Klasse, ich kannte sie ein bisschen aus dem Vorjahr, war in der Aula verteilt und wartete. Wenige spielten Karten, viele lasen die Deutschlektüre, andere unterhielten sich, ein paar trieben Gymnastik. Also blieben wir da und ich unterhielt mich mit einigen. Das mit der Gymnastik musste ich etwas bremsen, leider, wegen fehlender Hilfestellung und keinen Matten und so. Dafür demonstrierte ich Foxtrott zu Musik vom Handy.

Dienstagnachmittag Arzttermin, Mittwochnachmittag Vorlesung. Donnerstagnachmittag Konferenz in kleinerem Kreis, Adrenalin und Gegenantrag; danach Teamtreffen zur Vorbereitung des Freitags, danach Elternsprechabend. Freitagmittag Konferenz in kleinem Kreis zum Mediencurriculum. Lief okay. Danach Weiterarbeiten am Curriculum.

Samstag Biergarten mit angereister Berliner Verwandtschaft, Sonntag dann Nichtenkommunion. Dazwischen Korrekturen.

Davor mal mit Deutschklasse Dramenanalyse getrieben; da schreiben sie bald Schulaufgabe, geübt ist alles, also machten wir das so: Ein Schüler versprach, einen auch mir unbekannten Text mitzubringen, den ich dann quasi vor Augen der Schüler und Schülerinnen mir aneignen würde. Also vormachen, wie ich mit einem solchen Text umgehe, wenn ich ihn denn analysieren will. Also brachte der Schüler sechs Buchseiten Václav Havel mit, aus Largo Desolato. Das war für mich sehr interessant, für die Schüler und Schülerinnen hoffentlich auch.

1. Ich beschrieb beim Lesen, was mir auffiel. Stilmittel, Wiederholungen, unklare Stellen, Referenzen auf andere Stellen, Assoziationen. Erst mal neutral, ohne große Deutung. „Da ist ein unvollständiger Satz.“

2. Sobald ein Stilmittel, ein Wort, irgendein Element zum zweiten Mal auftauchte, zum Beispiel ein unvollständiger Satz, formulierte ich mehrere Hypothesen, was es damit auf sich haben könnte. Olbram sagt ein zweites Mal zu Leopold, dass sie es doch alle gut mit ihm meinen, und wird zum zweiten Mal überraschend wortgleich von Lucies Stimme aus dem Off unterbrochen. Das kann Zufall sein. Oder Lucie hat gelauscht. Oder das Stück foppt uns, gleitet ins Absurde ab. Bei der dritten Wiederholung festigt sich dann die Hypothese, und ich baue andere Punkte ein, die mir auffallen. Manches bleibt offen, das halte ich aus, anderes wird erst spät klar, manches übersehe ich sicher auch. Das Wichtige, glaube ich, ist das, dass man eine Weile konkurrierende Erklärungen mit sich herumträgt und erst nach und nach sich für eine davon entscheidet.

Alles Dinge, die ich im Bereich der reader-response theory schon an der Uni aufgeschnappt hatte, aber vermutlich wird das im Klassenzimmer nicht so klar. Also mehr vormachen?