Padlet, und was die Schule zahlt

Padlet ist ein schönes Informatiksystem, browserbasiert, mit dem man wie an einer virtuellen Pinnwand Zettelchen mit Text und Bildern und anderen Inhalten auf einer Oberfläche verteilen und verschieben und verbinden und ergänzen kann: Eine schöne Sache, um die eigenen Gedanken zu sortieren; noch schöner, wenn man das mit anderen gemeinsam tut.

Padlet war bisher ein kostenloses Angebot; in Zukunft gibt es eine etwas eingeschränkte Grundversion, die kostenlos – aber mit Werbung – bleibt, sowie die Möglichkeit, den Dienst für Geld zu abonnieren. Da geht ja ohnehin der Trend hin: Man kauft Software nicht mehr, sondern abonniert sie; bei webbasierten Systemen ist das nachvollziehbar.

Bei vielen Lehrern und Lehrerinnen auf Twitter war Padlet sehr beliebt, und die finden es schade, dass das jetzt nicht mehr so einfach geht. Schade finde ich das auch, aber absehbar war es, und ist es bei ähnlichen Produkten auch. Ein paar Twitterer werden den vollen padlet-Preis vielleicht zahlen; man kann ihn dann sicher von der Steuer absetzen, so dass man einen Teil des Gelds zurück erhält – mit Fachbüchern ist das ja auch so. Manche wünschen sich, die Schule käme für so etwas auf.

Ja und nein. Ich stimme A.R. Krommer zu, der einen alten Text von sich dazu herausgekramt hat:

Software sollte man genau so betrachten wie andere Lehr- oder Lernmittel, und muss dafür Geld ausgeben. Dass Schulen verlangen können, dass Schülerinnen und Schüler spezielle Software auf ihren Smartphones zu installieren – soweit sind wir noch nicht, aber grundsätzlich hal eich das für legitim. Acht Euro für eine Schullektüre oder acht Euro für eine App: Von den Kosten her vertretbar. Sinn muss das eine wie das andere machen; Sinn kann auch das eine wie das andere machen.

Wenn eine Schule jetzt schon mit Padlet arbeiten möchte, sollte die Finanzierung ja auch kein Problem sein: In Bayern am Gymnasium hat jede Fachschaft einen kleinen Etat, mit dem sich solche Software-Abonnements bezahlen lassen; jede Schule hat einen etwas größeren Etat, der auch dafür ausgegeben werden kann; und beim Sachaufwandsträger (dem Landratsamt etwa) kann man Anträge auf teurere Produkte stellen. Im Vergleich zu anderer Ausstattung ist viele Software noch recht billig – wenn auch oft im Abonnement.

Für welche Produkte sollte die Schule dieses Geld ausgeben? Als Fachschaft, oder fachschaftsübergreifend: Wofür sie will. Gerne auch Padlet. Dann kann man auch das neueste digitale Spielzeug mitnehmen, und diese Spielzeuge können wirklich toll sein. Sobald es mehr und teurer wird oder gar mehrere Schulen betrifft oder bald vom aller-neuesten digitalen Spielzeug abgelöst zu werden droht, muss man aber überlegen. Und das heißt, auf Open-Source-Projekte zurückzugreifen. Nur weil es das Open-Source-Projekt Moodle gibt, konnte Bayern allen staatlichen Schulen Mebis mit integriertem Moodle zur Verfügung stellen. Wenn es offene Äquivalente gibt, kann sich die Schule das Produkt auf dem eigenen Server installieren, oder das Kultusministerium für alle Schulen. So bleiben Schulen flexibel.

Das erfordert, dass es an jeder Schule jemanden gibt, der so etwas aufsetzen kann. Das gibt es noch nicht; die IT-Ausstattung von Schulen wird zwar häufig – immer häufiger, glaube ich – von externen Firmen betreut, aber die kümmern sich noch selten um Webdienste. Bei richtig großen und dauerhaften Projekten ist es natürlich am besten, wenn das Kultusministerium so etwas zentral regelt, wie bei Mebis etwa. Microsoft, Apple und Google wollen natürlich alle, dass Schulen jeweils ihre Softwareprodukte nutzen, und bieten auch wirklich verlockende Sachen an. (Datenschutz ist da halt noch ein Problem, aber das betrifft eigene Server nicht viel weniger.)

Man kriegt dann halt nicht das neueste Produkt. Aber von konkreten Produkten sollte man sich eh so wenig wie möglich abhängig machen.

ILTB 2018 – Basteln mit sozialen Netzwerken

So mag ich meine überregionalen Fortbildungen: Einmal ohne Umsteigen mit der U-Bahn von zu Hause aus, mit der Jahreskarte vom Münchner Verkehrsnetz. Diesmal war es der Informatiklehrertag Bayern 2018, der letztes Jahr in Passau war und nächstes Jahr Bayreuth stattfinden wird.

Dieses Jahr fiel der ILTB auf die Osterferien. Denn gleichzeitig fand die – größere – Tagung des MNU statt, eines Verbandes aller mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, und in die wurde der ILTB integriert. Manche Lehrer und Lehrerinnen mag der Termin abgeschreckt haben, und ich hätte auch meine Urlaubspläne nicht geändert – aber diese Ostern bleibe ich in München, und so passte mir das gut, und viele andere Informatiklehrer und -lehrerinnen waren auch da. Aber klar, wer Kinder hat und mit denen in den Ferien Urlaub macht, der kann zu den Ferienterminen nicht kommen.

Tasche mit MNU-Logo, Kressesamen als Verlagswerbung

Vortrag

Der Tag begann mit einem Vortrag von Prof. Daniel Cremers vom Lehrstuhl für Computer Vision & Artificial Intelligence an der TUM. Das Thema: Wie 3D-Modelle der realen Umwelt für den Computer entstehen. Da gibt es wohl zwei Möglichkeiten: Man scannt die Umwelt mit einem Laser ein. Das ist wohl genau, aber teuer, und eignet sich nur für eine unbewegte Umwelt. Die andere Möglichkeit, die von Cremers verfolgt wird, besteht darin, aus Foto- und Videoaufnahmen ein 3D-Modell zu erstellen. Das ist erst einmal gar nicht so einfach, weil diese Bilder ja nur ein 2D-Abbild darstellen. Aber wie schon bei der Kinect zu sehen, kann man aus mehreren zweidimensionalen Bildern schon rekonstruieren, wie weit ein Bildpunklt von der Kamera entfernt war.

Und so kann man jetzt mit ein oder zwei Kameras zu Fuß oder mit dem Auto oder mit einem Quadcopter eine Strecke entlanggehen, -fahren oder fliegen, und hat danach ein brauchbares 3D-Modell. Wenn man eine Szene filmt, etwa für einen Film, hat man danach ein animiertes 3D-Modell der Szene, farbig, und kann dann eine virtuelle, auch bewegte, Kamera an Stellen platzieren, an denen nie eine echte Kamera war.

Workshop: Socialbotnet

Mit den beiden Workshops, die ich besuchte, hatte ich Glück; sie waren gut und behandelten Themen, die mich interessierten. Im ersten stellte Benjamin Knorr seine Zulassungsarbeit vor, an der er gerade arbeitet: Socialbotnet. Das ist eine Art Twitter im Kleinformat, das man als Lehrer als Server laufen lässt. Man kann sich über den Browser registrieren, an- und abmelden, sein Profil bearbeiten und vor allem Mininachrichten veröffentlichen und die Nachrichten anderer Nutzer liken.

Screenshot Webseite socialbotnet

Das ist aber eigentlich nur die Bedingung für das eigentliche Projekt: Die Schüler und Schülerinnen schreiben Programme (zum Beispiel in Java, unter BlueJ), die sich die aktuellen Mininachrichten vom Server geben lassen, sie eventuell auswerten und auf sie mit eigenen Kommentaren oder Likes reagieren. So etwas nennt man gerne Bot. Man kann zum Beispiel einen Bot schreiben, der sich regelmäßig alle neuen Nachrichten geben lässt und auf diejenigen, die mit „Ich bin ja kein“ beginnen, eine Antwort schreibt: „Bist du doch!“

So etwas Ähnliches habe ich auch mal für Twitter programmiert, denn die echten sozialen Netzwerke bieten genau die gleiche Möglichkeit, programmgesteuert Nachrichten zu lesen und zu verfassen und mit anderen Nachrichten zu interagieren. Das kann gut gemacht sein; ich folge bei Twitter etwa dem MythologyBot, der regelmäßig die Kategorisierung verschiedener mythologischer Motive aus dem Thompson-Index twittert. Noch surrealer ist der MagicRealismBot, der bedachtsam generierte, oft fesselnd abstruse Kurznachrichten – oder Geschichtenvorschläge? – präsentiert.

Aber natürlich kann man auch Bots erstellen, die so tun, als wären sie echte Menschen, und die gezielt auf ausgewählte Nachrichten reagieren – ob sie Falschnachrichten verbreiten oder nur Stimmung machen, sie können zur Manipulation eingesetzt werden, indem sie eine große Zahl an Menschen vorgaukeln, wo keine sind, und gezielt auf bestimmte Nutzergruppen zugeschnitten sind. Wie groß die Gefahr durch diese Bots wirklich sind und ob die Falschnachrichten eher durch tatsächliche Menschen verbreitet werden: anderes Thema.

Technischer Einschub

Ein Programm kommuniziert mit so einem Server im Internet folgendermaßen: Der Server muss erst einmal so eine Möglichkeit zur Verfügung stellen, das heißt dann API (Application Programming Interface). Wenn man zum Beispiel den Server über folgende http(s)-Anfrage aufruft, eine sogenannte GET-Anfrage, manuell oder über ein Programm:

http://localhost:30003/api/posts?limit=5 bzw. auf Benjamins Beispielserver
https://social-bot-net.herokuapp.com/api/posts?limit=5

dann erhält man eine Antwort, nämlich die letzten 5 Beiträge, die im Browser etwas unübersichtlich dargestellt werden, für den Computer aber gut lesbar sind. Häufig sind GET-Anfragen, um Informationen zu erfragen, und POST-Anfragen, um Informationen zu senden. Die genaue Form dieser API variiert von Server zu Server, und auch die Art der zurückgegebenen Daten, beliebte Formate dazu heißen XML oder JSON. Diese maschinenfreundlich formatierte Server-Antwort kann man dann mit dem Programm auswerten.

Habe ich das Programm zum Laufen gekriegt? Ja. Aber wenn man, wie ich, nicht genau weiß, was man tut, ist das gar nicht so einfach. Man muss die Software Git und die Software Maven auf dem Rechner installiert haben. Dann kann man das von der Kommandozeile aus mit zwei Zeilen Code machen. Oder man hat die Entwicklungsumgebung Eclipse installiert, die Git und Maven bereits enthält. Mit Git kopiert man das Projekt aus dem Internet auf den eigenen Rechner (das geht, weil Benjamin wie viele andere auch ihren Code auf diese Weise zu Verfügung stellt). Aber lauffähig ist das Programm dann noch nicht.

Denn ein größeres oder auch kleineres Softwareprojekt entsteht heutzutage nicht mehr dadurch, dass sich ein Team oder auch nur einer hinsetzt und von vorne bis hinten alles programmiert. Vielmehr greift man auf Teilprojekte zurückt, die bereits von anderen erstellt wurden, und baut auf diesen auf. Es muss ja nicht jeder das Rad neu erfinden. Also besteht ein Projekt aus 90% Code von anderen, fremden, Leuten, zu denen 10% eigener Code kommen. Wenn ich den Code meines Projekts jetzt online stelle (und nicht nur das fertige, ausführbare Progamm), damit andere damit arbeiten können, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Ich stelle meine 10% online, und die 90% Fremdcode ebenso. Das macht Arbeit.
  • Ich stelle meine 10% Code online, und vermerke, welche 90% fremde Packackes nötig sind, damit mein Projekt funktioniert. Wer mein Projekt nutzen will, besorgt sich einfach diese 90% von anderswo her. Vielleicht hat er oder sie ja eh schon Teile davon.
  • Es wäre ziemlich umständlich, sich von Hand diese fehlenden Programmteile herunterzuladen. Also gibt es wieder Software, die das für einen tut, so dass ich zu den 10% heruntergeladenem Code sagen kann: Besorge mir bitte die 90% fehlenden Code. Ein solches System, das natürlich noch viel mehr kann, heißt Maven, und das wurde bei diesem Projekt benutzt.

Fazit für den Einsatz in der Schule:

  • Tolle Idee, gutes Design. Inhaltlich sehr interessant für die Schule, zur Zeit 10. oder 12. Klasse.
  • Wenn das Produkt ganz und gar fertig ist, hätte ich gerne das vollständige Programm als Download, nicht unbedingt den Code selber, sondern vor allem die ausführbaren Dateien. Das gibt es noch nicht.
  • Ich habe das Projekt auch nur unter Eclipse zum Laufen gekriegt und nicht von der Kommandozeile aus, das macht den Einsatz in der Schule einen Tick schwerer, aber geht schon. Irgendwann kriege ich das auch mit der Kommandozeile hin.
  • Die Änderungen an der Datenbank noch nicht gespeichert, sondern bei jedem Neustart wird der – allerdings veränderbare – Ausgangszustand wiederhergestellt. Wäre anders schöner, ist aber kein großes Problem.
  • Lieber wäre mir Software in PHP, die ich auch auf meinem gemieteten Server und damit im Internet laufen lassen könnte (auf dem ich keine Java-Programme installieren kann), aber für den Computerraum geht es auch so – vorausgesetzt die Windows-Firewall blockiert das nicht, wie an meiner Schule.

Workshop: InstaHub

Im zweiten Workshop stellte Julian Dorn sein Projekt InstaHub.org vor. (Für das ähnliche Vorgängerprojekt hat Julian 2017 den Preis der GI – Gesellschaft für Informatik – erhalten.) InstaHub ist ebenfalls ein soziales Netzwerk, angelehnt an Instagram. Man arbeitet aber nur im Browser damit, es gibt keine API, um von außen darauf zuzugreifen. Auf der Webseite kann man sich registrieren, an- und abmelden, ein Profil ausfüllen, und Bilder veröffentlichen und verschlagworten – und die Bilder der anderen Benutzer anschauen und mit einem Like-Sternchen versehen. Es geht aber gar nicht darum, dass man das macht; das Netzwerk ist von Anfang an bereits mit 200 Nutzern gefüllt und mit hunderten von Bildern.

Screenshot InstaHub

Vielmehr ist jede Schülerin der (alleinige) Administrator des eigenen InstaHub-Systems. Jeder Schüler kriegt also sein eigenes Netzwerk, das unabhängig von den anderen funktioniert. Als ein solcher Administrator hat man Zugang zur Rückseite des Netzwerks, sozusagen, und zwar insbesondere auf die Datenbank, in der (fast) alle Daten von InstaHub verwaltet werden. Die Datenbank ist vom im Web verbreiteten Typ MySQL, und man kann in der Datenbanksprache SQL – Stoff der 9. Jahrgangsstufe Informatik in Bayern – Anfragen stellen, also etwa:

select name from users where city = 'München' and gender = 'male'

Nach und nach können die Schüler und Schülerinnen weitere vorgegebene Tabellen anlegen (mit Bildern, Kommentaren) und automatisch befüllen und damit komplexere Anfragen über mehrere Tabellen durchzuführen. Außerdem können sie als Administratoren die Inhalte der Datenbank bearbeiten – Nutzer löschen, ihr Passwort ändern oder einsehen (allerdings in gehashter Form, also nicht im Klartext gespeichert), Beiträge der Nutzer ändern, was man als Admin halt so kann, aber nicht sollte.

Habe ich das Programm zum Laufen gekriegt? Ja und nein, wie oben. Mit Git das Projekt aus dem Repository geklont, dann die 90% fehlenden Programmteile hinzugeladen – diesmal nicht mit Maven, sondern mit dem PHP-Äquivalent Composer. Nach Beseitigung meiner Tippfehler problemlos – im Nachhinein ist das alles leicht, wenn man erst einmal weiß, was das ist, was man gerade tut. Allerdings ist das Programm für den Einsatz auf einem echten Webserver gedacht, mit vollem Zugriff auf das benutzte MySQL-Datenbanksystem. Das schließt leider aus, dass das Programm auf meinem billigen gehosteten Server läuft, denn auf die MySQL-Datenbank dort habe ich keinen vollen Zugriff, sondern habe nur 1 Benutzer auf 1 Datenbank, und kann nicht automatisiert weitere Benutzer und weitere Datenbanken erstellen.

Also lasse ich das Programm nicht auf einem echten Server im Web laufen, sondern lokal auf dem Windows-Rechner zu Hause. Dazu muss man einen MySQL-Server installieren, und einen Webserver, und die Sprache PHP, in der viele Programme fürs Web geschrieben sind. So etwas gibt es glücklicherweise vorkonfiguriert unter dem Stichwort XAMPP. Nur gibt es dann immer noch zwei Probleme: Erstens habe ich mit XAMPP vorerst keine Domain oder Subdomain; die Webseite ist vielmehr unter der Adresse http://localhost oder http://127.0.0.1 erreichbar. Aber damit sind keine Subdomains möglich, und die verlangt InstaHub – jeder Schüler kriegt sein eigenes kleines Netzwerk unter einer eigenen Subdomain, also etwa fuhse15.instahub.grg. Aber auch das ist unter Windows möglich, dazu muss man in einer kleinen Textdatei im Windows-Ordner ergänzen, dass Browseranfragen an instahub.grg („GRG“ ist der Name meiner Schule) umgeleitet werden sollen nach 127.0.0.1. Dann kann ich auch tatsächlich einfach http://instahub.grg in den Browser eingeben, obwohl es diese Adresse im Web gar nicht gibt, und lande bei 127.0.0.1, also letztlich dem Webserver unter XAMPP. Leider bringt mir das für die Schule nichts: Zum einen kann ich da nicht in die Windows-Systemdateien eingreifen, zum anderen müsste ich jede mögliche Subdomain von Hand in diese Textdatei eintragen.

Leichter zu lösen ist das zweite Problem, dass der öffentlich zugängliche InstaHub-Ordner logisch auf der obersten Webserver-Ebene und nicht in einem Unnterverzeichnis liegen muss, wie es tatsächlich der Fall ist. Das lässt sich aber durch eine Konfigurierung des XAMPP-System anpassen. Und dieses XAMPP-System kann ich auch in der Schule laufen lassen.

Also werde ich in den sauren Apfel beißen und mir einen ordentlichen Webserver mieten müssen. Denn ausprobieren will ich InstaHub (das dann natürlich InstaMeineSchule heißen würde) schon.

Fazit für den Einsatz in der Schule:

  • Zur Didaktik wieder nichts, weil mir da viel einfällt.
  • Sehr schön: das Design. Mir selber würde es reichen, wenn es auf einer strukturellen Ebene Instagram und dergleichen entspricht, aber angenommen werden solche Projekte von vielen Schülern und Schülerinnen nur dann, wenn sie auch gut aussehen.
  • Lieber wäre mir, wenn eine einzelne Datenbank ausreichen würde. Aber das wäre sehr unpraktisch, umständlich, fehleranfällig und von der Leistung her ungünstig, okay, okay.
  • Installation: Auf einem echten Webserver sicher leichter zu installieren, aber unter Windows kann man – leider nicht für den Schulbetrieb – das ganze schon einmal ausprobieren. Julians Installationsanleitung ist verständlich und man kommt damit auch als verhältnismäßiger Laie zurecht.
  • Man kann auch Julians Server dazu benutzen, muss sich dazu nur bei ihm als Lehrer melden, dann gibt er einem Lehrerrechte auf seiner instahub-Installation, und als Lehrerin wiederum kann man die sich zugeordneten Schüler und Schülerinnen und deren Datenbanken verwalten.
  • Trotzdem erfordert das Eingewöhnungszeit, aber dann kann man schöne Sachen damit machen.

Wieder was gelernt, bei der Fortbildung, und vor allem danach, beim Ausprobieren. Fachliche Fehler sind nicht ausgeschlossen, ich habe viel zusammengefasst und möglicherweise falsch.

Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 4-5

Nachdem ich letztes Jahr die ersten drei Bände gelesen habe, kommen hier meine Anmerkungen zu 4 und 5. Lang geworden, da Notizen für mich; unter den DIagrammen steht jeweils das Wichtigste.

In den Schluchten des Balkan

Titelbild "In den Schluchten des Balkan"

Kapitel 1: Kara Ben Nemsi, Halef, Osko und Omar Ben Sadek verfolgen die drei Flüchtigen. Sie erfahren, dass noch jemand hinter diesen her ist, wohl ein Bote, der sie vom Überleben der Helden informieren will. Außerdem fällt zum ersten Mal der Name des Schut als Anführer der Räuberbande. Kara trennt sich, weil der mit seinem schnellen Pferd und Querfeldeinritt den Boten überholen will; er wird die anderen später treffen. Auf dem Weg gewinnt er das Vertrauen des Rosenzüchters Jafiz, der schenkt ihm Rosenöl (gegen Tabak), hilft ihm beim Weg, und empfiehlt ihm seinen Bruder Schimin, einen Schmied – der kenne Geheimzeichen der Räuberbanden. Kara erreicht die Schmiede und befreit den Schmied und dessen Frau – die drei Flüchtigen hatten sie im Keller gefangen, weil sie erkannt worden waren. Der Schmied erzählt vom neuen Geheimzeichen, einer silbernen Schnalle. Philosophisches Gespräch zwischen Kara und Schimin über Kolonialisierung.
Bald taucht auch der erwartete Bote (Pimosa/Mosklan) auf und wird selber in den Keller gesteckt.

Kapitel 2: Mosklan behauptet, Boschak, ein Zuckerbäcker und Färber, könne für ihn bürgen. Auf dem Weg zu diesem schließt Kara – wieder einmal – zufällig günstige Freundschaft mit einem Fremden, Ali, der Ikbala, die Tochter Boschaks liebt – unterstützt von der Mutter, wogegen der Vater sie eben dem Mosklan versprochen hat. Kara hilft der Mutter und entdeckt dabei ein Schmugglerlager Boschaks. Dessen Kontakt ist Deselim, Waffenschmied und Kaffeewirt in Ismilan (ein Schwager des Schut). Kara epresst Boschak, sich vom Schmuggelkumpan Mosklan zu lösen und seine Tochter Ali zu geben. Dann wird Kara von Boschak auf einen Botengang zu einem Bettler mit Wald geschickt – doch es deutet sich bereits an, dass dieser eine Falle vorbereitet hat.

Kapitel 3: Eine Falle, Kara wird überwältigt und für tot gehalten. Zur Hütte kommen weitere Schurken, auch Deselim. Halef kommt und rettet Kara. Deselim stiehlt Rih, stirbt aber bei der Verfolgungsjagd. Mosklan ist dem Schmied entkommen, sein Gebiss wird von Kara beim Kampf zerschmettert. Boschak stimmt endlich der Hochzeit zu, es gibt detailiert beschriebenen Hammel-Pilaw. Die Schurken – freigelassen, letztlich – gehen weg, einer will allerdings Verwandte Deselims zum Angriff anstacheln. Kara und der Schmied Schimin verfolgen ihn und holen ihn ein. (Halef so: „Du willst doch nicht etwa auch in dieser Nacht uns voranreiten?“ Aber klar will er.) Weitere philosophische Gespräche, Kara schenkt dem Schmied ein Neues Testament und macht diesen glücklich damit.

Kapitel 4: Kara trifft in heruntergekommener Kneipe Spuren des Reisenden Madi Arnaud, dem der Wirt eine Brieftasche gestohlen hat und der die Magd, die das gesehen hat, auspeitschen lässt, bis Kara eingreift. Alle vier wieder vereint reisen nach Ismilan, kehren beim Bruder des toten Deselim ein. Omar und Osko sind zwar wieder dabei, kriegen aber weiterhin nichts zu tun. Alle geben sich als Mitglied der Räuberbande aus. Sie erfahren, dass Manach el Barscha nach Menelik will, zum Fruchthändler Glawa. Sie treffen im Gasthaus den Madi Arnaud, tatsächlich: Martin Albani. Er sing Stanzl. Sie kennen ihn aus Band 1. Er will auch nach Menelik.

Kapitel 5: Auf dem Weg werden sie aufgehalten, weil sie eine tote Frau finden, eine heimliche Christin; sie trösten ihren Mann und die Kinder und erfahren ihre Geschichte. Sie war zum Christentum bekehrt worden von einer dann aus dem Haus gejagten Dienerin. Kara bringt dem Witwer das Christentum näher, wieder einmal. („Ich als Laie konnte freilich an ihm nicht zum Missionär werden.“) In Menelik werden sie abgepasst und landen bei einem Fuhrmann, der ihnen verheimlicht, dass das Haus des Fruchthändlers gleich nebenan ist – Kara soll von den Verschwörern gefangen genommen oder getötet werden. Hilfe erhalten sie von einer Dienerin im Haus des Fruchthhändlers, eben jener christlichen Magd. Kara belauscht die Bande von einem Taubenschlag aus, als Halef dazu kommt, stürzen sie herunter, entkommen aber. Vorher hören sie, dass Manach el Barscha in der Ruine von Ostromdscha wartet.

Kapitel 6: Auf dem Weg helfen sie einem Paar, dessen tote Tochter für einen Vampyr gehalten wird. Es war dann doch der Knecht, der den Verlobten der Verstorbenen vergiftet.

Kapitel 7: Ein Han, ein Gasthof: der gute Wirt Ibarek ist in der Nacht zuvor bestohlen worden, und zwar von den Flüchtigen, Manach el Barscha und dessen Gefährten. Kara macht sehr einen auf Sherlock Holmes, „die geknickten Nesseln sind nicht verwelkt; sie hängen nur matt ihre Blätter“. Er entdeckt, wie der Diebstahl abgelaufen ist, und will dem Wirt helfen – mit ihm Richtung Ostromdscha. Zwei Boten aus Menelik kriegen Freigetränke im Han, damit sie nicht nachkommen und warnen. (Kara belauscht sie noch vor der Abreise, obwohl Horchen eine Schande ist. Außerdem erfahren sie, dass es um einen Mübarek geht, der ein Passwort erwartet.) — Kara erklärt nebenbei ein bisschen Astronomie: dass es Sterne gibt, die wir noch gar nicht sehen, und welche die wir sehen, die es aber nicht mehr gibt.

Kapitel 8: Zur Ruine von Ostromdscha. In der Ruine soll es Geister geben, die der vor fünf oder sechs Jahren herbeigekommene und wie ein Heiliger verehrter Mübarek zu bannen sucht; die Geister gibt es aber auch erst seit der Zeit. Immer wieder werden Tote gefunden, mit den Hals umgedreht, das wird den Geistern zugeschrieben. Die Leute glauben, dass der Mübarek Krähen und andere Vögel als Boten hält, die ihm alles zutragen. Tatsächlich führt er ein Doppelleben als an Krücken gehender Bettler. Halef legt sich mit einem albernen Polizisten an, der die Gruppe daraufhin beim Richter anzeigt. Währenddessen bringt Kara einen Spitzel dazu, das Passwort zum Mübarek zu verraten („Ein Vertrauter“). Außerdem macht er sich wieder Freunde, indem er einer armen Frau Geld schenkt und ihr Rat gegen den Rheumatismus gibt. Dann das Übliche hin und her mit der korrupten und zu beeindruckenden Obrigkeit. Während der Mübarek als Schreiber bei der Gerichtsverhandlung wartet, überraschen die Helden die drei Verfolgten und fesseln sie. Dann auf zur Gerichtsverhandlung – die Handlung bricht mittendrin ab.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

  • Weniger interessant als Band 1 oder gar 1, Städte als Schauplatz sind mir lieber als Dörfer oder Gehöfte.
  • Das Wort „Firnis“, dem ich hier im Grundschulalter zum ersten Mal begegnete, taucht endlich auf, aber wirklich nur in einem Nebensatz. Was einem so alles hängen bleibt.
  • Schön beschrieben: Der fette und nicht sehr hygienische Hammel-Pilaw zur Verlobungsfeier von Ali und Ikbala.
  • Die Handlung ist letztlich linear und überschaubar: Am Anfang reiten sie den drei Verfolgten hinterher, am Ende haben sie sie endlich eingeholt, das war es letztlich. Kurzer Ausblick auf Band 5: Die Verfolgten entkommen, und es geht wieder den ganzen Band hinterher.
  • Unerwartet die Vampirgeschichte in Kapitel 6, die als ausgeführte, aber gänzlich unverbundene Geschichte nicht zum Rest passt. Hier wollte Karl May woll ein bisschen Dracula-Stimmung mitnehmen.
  • In Kapitel 1 und 2 ist Kara ben Nemsi weitgehend allein, danach ein bisschen mit Halef unterwegs; die beiden anderen – Osko und Omar – sagen kaum mal einen Satz und sind völlig überflüssig.
  • Am ehesten sind sie mit NPCs beim Rollenspiel zu vergleichen, Non-Player Characters, die man gut spielen kann oder nicht – hier reiten sie einfach mit, man kann sie vielleicht mal da oder dorthin als Boten schicken, aber alle Enstcheidungen werden von den NPCs getroffen. Wie bei einem nicht gar so guten Überland-Szenario bei einem Rollenspiel ist die Handlung linear, mit kleinen folgenlosen Sidequests, dazu farbige Hintergründe, Wikipediaten zu Preisen und Entfernungen, aber alles recht zweidimensional.
  • Der Diebstahl beim Gastwirt Ibarek ist ganz interessant; hier gibt Kara den Sherlock Holmes: Ein leerer Tresor, der nicht geöffnet worden zu scheint, Spuren vor dem Fenster, das volle Programm.
  • Zum Weiterlesen: „Von Arnauten und Skipetaren. Albanien und die Albaner bei Karl May“ von Michael Schmidt-Neke

Durch das Land der Skipetaren

Titelbild "Durch das Land der Skipetaren"

Der Mübarek wird entlarvt und gefangen genommen, entkommt aber mit den drei anderen Gefangenen – Spoiler: Am Ende des Buchs sind sie immer noch flüchtig, wie schon am Ende des vorletzten Bandes.

Kara macht den Leuten weis, er sei kugelfest, indem er Kugeln aus Wismut und Quecksilber gießt, die sich nach dem Schuss auflösen, bevor sie Schaden anrichten können. (Das Rezept gibt der Autor nicht an, weil kein Laie das nachmachen soll.) Den Helden lauert ein Räuber-Brüderpaar auf, die Aladschy, die werden aber überlistet, indem sich Kara als wandernder Moslem ausgibt. Dabei verstaucht er sich den Fuß und verbringt den Rest des Buchs hinkend oder sitzend beziehungsweise reitend.

In einer Ortschaft werden Kara und die anderen in eine Falle gelockt, weil der Mübarek und die anderen vor ihnen da sind und sie in eine Felsenhütte locken, in der die Helden verhungern sollen. Aber sie entkommen und verwunden dabei den Mübarek, töten den Fleischer, der sie in die Falle gelockt hat. Der Bruder des Fleischers nimmt sich der Blutrache an, wird von Kara besiegt und freigelassen, woraufhin er die Blutrache ruhen lässt und Kara zeremoniell sein Beil übergibt. Aber es gibt einen neuen Feind: Suef, der Schneider, der sie führen soll und in eine weitere Falle lockt, nämlich in das Haus des Habulam. Dort werden die Verfolger im Turm der alten Mutter untergebracht, ein Gift-Mordanschlag scheitert, weil Kara zuvor Freundschaft mit einer Magd und einem Knecht geschlossen hat. Ein weiterer Anschlag fällt ins Wasser – die belauschten Schurken wollen von oben herab die Helden überfallen, aber die verriegeln die Falltüre und setzen mit einem Schlauch das oberste Stockwerk unter Wasser.

Die eigentlichen Feinde entkommen wieder, die anderen – Habulam und Suef – erhalten die Bastonade und werden ausgehorcht, so dass Kara weiß, wo es weiter zum Schut geht, nämlich zum Karanirwan-Khan.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu Durch das Land der Skipetaren

  • Noch weniger ergiebig als der vorhergehende Band.
  • Das Phosphorfläschchen Karas, an das ich mich noch erinnerte, kommt endlich zum Einsatz.
  • Die Wasserspiele auf dem Turm sind selbst für Halef eine alberne Idee.
  • Eine schöne Nebenfigur: Der erst hochmütig-quacksalberische, aber später durchaus lernfähige Arzt, der von Kara ben Nemsi lernt, Brüche und Verstauchungen einzugipsen, sofort den Wert dieser Technik erkennt und voller Enthusiasmus das an einem Versuchskaninchen von Kopf bis Fuß erprobt.

Typographie in Deutsch und Informatik (nur so als Einstieg)

Informatik in meiner 6. Klasse findet nicht immer statt; nachmittags sind oft Konferenzen. Immerhin habe ich die Klasse parallel in Deutsch, so dass ich wenigstens die Namen der Schüler und Schülerinnen kenne. Im Deutschunterricht lasse ich sie am Rechner schreiben, im Informatikunterricht nehme ich als Beispiele Texte aus dem Deutschunterricht.

Gestern ging es um die Klasse ABSATZ bei Textverarbeitungssystemn und deren Attribute; davor wiederholten wir die lange zurückliegende Klasse ZEICHEN und deren Attribute – darunter zum Beispiel die gewählte Schriftart. Und dass solche Schriften entworfen werden und 10.000 Euro kosten (habe ich mal so geraten, hängt sicher von vielen Dingen ab) und dass es allein schon mal deswegen rücksichts- und geschmacklos ist, so einen sorgfältig gestalteten Zeichensatz durch automatische Unterstreichung zu verhunzen. Denn ja, liebe Kinder, Unterstreichung als Mittel der Hervorhebung ist legitim bei alten Schreibmaschinen; wenn man nicht auf einer solchen arbeitet, nutzt man stattdessen andere Möglichkeiten – der Text kann fett sein oder kursiv oder in einer anderen Schriftart und -größe (aber vielleicht auch nicht alles davon auf einmal). Auf Fortbildung neulich so ein Medienmensch, der iPads für seine Schüler forderte, aber munter die Unterlängen seiner Zeichen beim Unterstreichen durchsäbelte – wer keinen Sinn für Form hat, dem traue ich auch beim Inhalt nicht.

Und dann ging es um Times New Roman und Comic Sans, und was da jeweils das Problem ist oder nicht ist – genug, am nächsten Tag präsentierte ich im Deutschunterricht den Schülern und Schülerinnen ein Gedicht, das wir ein bisschen besprachen, bevor ich dann ihre Meinung zum verwendeten Zeichensatz einholte. Den hatte ich nämlich selbst entworfen, basierend auf meiner Handschrift.

Darauf teilte ich in der Klasse eine Tabelle aus, so dass jeder sich selber eine Schrift zusammenbasteln konnte. Und in einer halben Stunde im Lehrerzimmer hatte ich aus dem ersten Dutzend Entwürfen jeweils TrueType-Zeichensätze gemacht, die jetzt zum Beispiel unter Windows wie andere reguläre Zeichensätze verwendet werden können:

Schriftarten der Klasse 6a

Das sind die Schriftarten aus der Klasse, dazu meine und die eines Kollegen, der an der Theke im Lehrerzimmer auch rasch mitspielte. Dass manche Schriftarten sich ähnlich sind, liegt am Entstehungsprozess, dazu später mehr. Der Sinn… Wertschätzung von Schriftarten, Reflexion der eigenen Handschrift, Spaß am Gestalten. Dazu informatisch: Vektorgrafiken, Umgang mit Informatiksystemen. Denn der fertige Zeichensatz lässt sich noch bearbeiten; an einzelnen oder allen Zeichen kann man feilen.

Das Grundwissen dazu:

  • So ein Zeichensatz besteht aus einer Sammlung von Vektorgrafiken. Jedes Zeichen ist eine kleine Vektorgrafik, die mit einem Programm erstellt werden kann. FontForge ist so ein Propgramm, mit dem man unter anderem TrueType-Dateien einlesen und verändern kann. Open Source, gibt’s auch in portable.
  • Man kann handschriftliche Zeichnungen digitalisieren und in eine Vektorgrafik umformen lassen. Inkscape ist ein Programm, mit dem man das machen kann, auch Open Source.
  • Für vieles, was man manuell selber machen kann, gibt es Webseiten, die das für einen erledigen.

Unter http://www.myscriptfont.com/ ist so eine Seite. [Nachtrag: Die Seite gibt es nicht mehr, sondern stattdessen einen Nachfolger, für den man sich registrieren muss. Schade! Ich müsste mal schauen, ob es das noch anderswo gibt.] Man druckt eine Vorlage aus (einfacher gleich als png herunterladen und nicht als pdf, weil die pdf-Datei im Letter-Format ist), füllt sie mit schwarzem Filzstift aus. Füller geht nicht so gut, Kugelschreiber und Bleistift gar nicht, denke ich. Doppelt vorsichtig sein bei den Unterlängen, gerade beim g lieber noch zusätzlich Platz lassen. Dann scannt man die Vorlage ein, mit einem echten Scanner, nicht mit dem Handy. Bei Füller muss man unbedingt noch mit der Gammakorrektur kräftig verdunkeln. Die Bilddateien lädt man bei der Seite hoch, und schon hat man seine TTF-Datei.

Mit den richtigen Werkzeugen geht das wirklich im Handumdrehen: Die Schüler-Blätter per automatischem Einzelblatteinzug im Kopiergerät der Schule einscannen und auf USB-Stick speichern. (Das können Kopiergeräte heute.) Allerdings speichert das Kopiergerät das dann alles in einer einzigen pdf-Datei, also braucht man ein Programm, mit dem man aus pdf-Dateien Grafiken (png oder jpg) erstellen kann. Weil ich das oft brauche, habe ich das ohnehin auf meinem kleinen Privatrechner, den ich in der Schule immer dabei habe. Gammakorrektur braucht am längsten, und wenn es mehr gewesen wären, hätte ich den Batch-Modus bei IrfanView genutzt; ist eh auch am Rechner. Morgen kriegen die Schüler und Schülerinnen ihre Fonts, die anderen wollten noch zu Hause an den Vorlagen arbeiten. Danach schauen wir uns die Fonts in FontForge an. Es macht wirklich Spaß, mit Informatiksystemen umgehen zu können.

Mit einem Dienstrechner wäre das alles übrigens nicht gegangen. Deswegen ist es unsinnig, wenn in NRW gerade der Datenschutz dahingehend interpretiert wird, dass Lehrer keine Schülerdaten auf Privat-, sondern nur auf Dienstrechnern verarbeiten dürfen.

– Für meine Zulassungsarbeit in Mittelhochdeutsch im letzten Jahrtausend habe ich übrigens bereits Zeichensätze angepasst. Da ging es um die Analyse einer frühneuhochdeutschen Handschrift hinsichtlich der Schreibung und des mutmaßlichen Lautstands bei Lautveränderungen, und da brauchte ich viele spezielle diakritische Zeichen. Klar hätte ich die alle unter „å“ zusammenfassen können, aber so war es viel lustiger.

Nachtrag: So sieht ein Zeichen aus, wenn man es nachträglich bearbeiten will.

Zeichen "e" in Software FontForge

In der sächsischen Schweiz

Eigentlich wollte ich über das Pflichtfach Informatik schreiben, aber das habe ich schon vor Jahren getan und es hat sich nicht viel geändert: Vier Bundesländer haben es in der einen oder anderen Form (neu: auch Österreich und Schweiz), die anderen eiern noch herum. Was gegen das Pflichtfach Informatik spricht: Es kostet Geld. Was gegen ein Pflichtfach Informatik vorgebracht wird: Das braucht doch keiner; Medienkunde ist aber auch wichtig; die Inhalte kann man auch ohne ein Fach vermitteln; Fächer an sich sind überholt. Das erste ist falsch, das dritte auch, das zweite nicht (aber irrelevant), das vierte ist interessant – und wenn sich abzeichnet, dass ein Bundesland auf Fächer sinnvoll verzichten will, dann fein; ich sehe das aber auf absehbare noch nicht kommen. Der Mensch ist schlecht in Prognosen, aber so schnellt rollt die Revolution hier nicht heran.

Ich kam auf den Gedanken, weil ich letzte Woche bei einem Informatikdidaktiker-Treffen in der sächsischen Schweiz war. Das war sehr interessant. Es war kalt und der Handy-Empfang war nicht gut, aber dafür waren vierzig Informatiker und Informatikerinnen auf einem Haufen und arbeiteten in Gruppen und tauschten sich aus. Produktiv, und lauter gescheite Leute.

Alle Züge hin und zurück waren übrigens pünktlich, selbst die ICEs. (WLAN ging auch.) Zwischen Leipzig und Dresden las ich bei Twitter, dass ich in Leipzig auf dem Bahnhof als Twitterer erkannt worden war – wo natürlich nicht damit zu rechnen war, dass ich da sein würde. Da war ich verblüfft, selber bin ich sehr schlecht mit Gesichtern. Mein Avatarbild sieht wohl wirklich so aus wie ich, und dann taucht mein Foto ab und zu auch in anderen Blogs auf. Hat mich jedenfalls sehr gefreut.

Blick nach Böhmen:

Landschaft: Ausblick nach Böhmen

(„Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich entstand hier, aus verschiedenen Bergen zusammengebastelt. Der in der Mitte ganz hinten ist ein Kandidat für einen davon, ich weiß aber nicht mehr, ob es der Rosenberg doer der Kaltenberg ist.)

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2018)

Vieles an dem Buch hat sich sehr gut gehalten, manches ist erstaunlich gut extrapoliert. Zugegeben: Die Männer gehen arbeiten und die Frauen bleiben zu Hause, und als der emotional mitgenommene Guy Montag sich im Wohnzimmer erbricht, ist es seine Frau Mildred, die sofort den Wischmopp zum Saubermachen holt.

Aber das betrifft kein zentrales Thema des Buchs. Anders ist es bei Folgendem: In der Welt von Fahrenheit 451 sind Bücher verboten. Das Medium Buch wird dabei keineswegs anderen Medien gegenüber als etwas prinzipiell Besseres dargestellt; Faber erklärt, dass die wichtigen Dinge, wegen derer Bücher nach und nach verboten wurden, sich genau so gut in Hörspielen oder Fernsehsendungen mitteilen lassen. Um die Inhalte geht es, nicht um die Form. Weiterhin sind zwar Bücher verboten, und es gibt einen autoritären, vielleicht totalitäten Staat, der über Medien die Gesellschaft belügt und ruhig hält – aber es war nicht der Staat, der die Bücher abgeschafft hat, sondern die Gesaellschaft selber. Die Gesellschaft hat beschlossen, nicht mehr Originale zu lesen, sondern nur Wikipedia-Fassungen davon; die Gesellschaft hat beschlossen, dass Gedanken, die Unwohlsein auslösen können, nicht mehr veröffentlicht werden. Bücher enthalten kritische und unliebsame Inhalte, das führt zu Unfrieden, deshalb verzichtet man auf sie.

So weit, so gut. Das sehen meine Schüler und Schülerinnen sofort ein. Zensur nicht gut – aber um Zensur, das habe ich betont, geht es ja gar nicht, allenfalls um Selbstzensur. Es ist ja eben nicht der Staat, der das eingreift. Sondern: Die Minderheiten. Je größer die Gesellschaft, desto mehr Minderheiten, so erklärt es im Buch der Feuerwehrmann Beatty, der allerdings zu den Bösen gehört. Niemandem darf man in solch einer großen Gesellschaft auf den Schlips treten – zu empfindlich sind „the dog-lovers, the cat-lovers, doctors, lawyers, merchants, chiefs, Mormons, Baptists, Unitarians, second-generation Chinese, Swedes, Italians, Germans, Texans, Brooklynites, Irishmen, people from Oregon or Mexico.“ Der Markt sorgt dafür, dass man niemanden verschreckt (diesen Effekte halte ich für realistisch). „Colored people don’t like Little Black Sambo. Burn it. White people don’t feel good about Uncle Tom’s Cabin. Burn it. Someone’s written a book on tobacco and cancer of the lungs? The cigarette people are weeping? Burn the book.“ Alles um des lieben Friedens willen.

Vor dem Hintergrund der Kommunistenhatz der frühen 1950er Jahre in den USA ist das verständlich. Und doch: Liest sich das nicht wie eine Verteidigung gegen die damals noch gar nicht so existierende political correctness? Können die Minderheiten nicht einfach zufrieden sein mit dem, was für die Mehrheit gut genug ist? Der Negerkönig von Takatukaland soll nicht mehr so heißen, ist das schon der erste Weg Richtung Fahrenheit 451? Mir fehlt ein wenig das Verständnis dafür, dass die Minderheiten vielleicht mit manchen Vorwürfen Recht haben könnten. Wie man dann mit diesen Problemen umgeht, ist eine andere Frage, aber man sollte die Vorwürfe als legitim anerkennen. Da macht es sich Bradbury zu leicht, finde ich.

Die Schüler und Schülerinnen konnte ich nicht überzeugen. Hier geht es um Verbrennung von alten Pipi-Langstrumpf-Ausgaben, da um eine Petition, ein Bild eines jungen Mädchens aus dem Museum zu nehmen – ein Bild, das übrigens für das Titelbild der Ausgabe von Nabokovs Lolita gewählt wurde, das sich im Hause Rau befindet. Würde man heute auch nicht mehr machen, und ist das auch schon ein Schritt Richtung Fahrenheit 451?

Vom Gendern halten die beiden Klassen, die ich heute dazu gefragt habe, übrigens auch nichts. Als Anrede für eine einzelne Frau ist die weibliche Form schon begrüßenswert (Bundeskanzlerin, Studiendirektorin, Schülerin), aber das generische Maskulinum ist voll akzeptiert.

Typische Schulwoche: Nathan, Fahrenheit, Lyrik, Konferenzen

Am Montag Datenbankentwürfe in der 9. Klasse – die Schüler haben Klassendiagramme für ein Fantasy- oder Science-Fiction-Spiel gezeichnet und präsentiert, dann in einem Diagramm-Editor verfeinert; nächster Schritt: Umsetzen in Tabellen für eine Datenbank. In der 11. Jahrgangsstufe: Vorbereitung für Fahrenheit 451 im Englischunterricht, einen Radio-Beitrag zu Ray Bradbury angehört und Fragen dazu gestellt oder beantwortet. Davor noch abgestimmt, mit welchem englischsprachigen Land außerhalb UK/USA wir uns beschäftigen – ich bot Irland und Indien an, dazu kamen die Vorschläge Neuseeland, Südafrika, Australien. Wär mir auch recht gewesen, aber die Entscheidung fiel für Indien. In Deutsch 10 die Ergebnisse des Mebis-Workshops besprochen. Workshop: Das ist eine bestimmte Moodle-Aktivität, bei der Schüler und Schülerinnen die Lösung einer Aufgabe abgeben, die dann von zugewiesenen anderen Schülern und Schülerinnen nach gegebenen Kriterien kommeniert wird. Thema war: Einen Fernseh-Fünfteiler entwerfen, mit kurzen Inhaltsangaben zu den Episoden, jeweils den Akten eines klassischen Dramas entsprechend, also mit Exposition, steigender Handlung, Wendepunkt, fallender Handlung, Katastrophe. Danach weiter Nathan.

Am Dienstag Informatik-Klausur in Q11. In 7 mit Algorithmik weitergemacht, ohne das Wort zu verwenden – zweite Schritte mit Scratch. Am Nachmittag Lehrerkonferenz. Schön fand ich, dass auch SMV-Vertreterinnen da waren, um bestimmte Punkte anzusprechen. In Bayern ist das nicht vorgeschrieben oder üblich, aber ich freue mich über jeden Kontakt. Ein weiteres Thema war das Medienkonzept, von dem ich über Twitter mitkriege, dass das auch bei anderen Schulen angekommen ist und zu laufen scheint. Meine Rede: Wenn so etwas endlich mal top-down kommt, dann wird das auch gemacht.

Mittwoch: Weitermachen mit Lyrik in 6. Klasse. Anlass: Einige Schüler und Schülerinnen mussten aus Gründen Gedichte aufsagen. Aber Gedichte stehen ja eh im Lehrplan. Erst mal Begriffe geklärt: Silbe (und der Unterschied Sprechsilbe und Silbentrennung), Betonung (und damit erklärt, warum der Schüler im Vortrag „Penelope“ und „Persephone“ falsch, nämlich nach deutschem Muster, betont hatten), Verteilung von betonten und betonten Silben. Ich kann nie vorhersagen, welche Schülerinnen ein Ohr für Metrik haben und welche nicht, aber das Thema interessiert sich, und ein paar wussten schon, dass man später irgendwann mal Aufsätze über Gedichte schreiben würde; der Gedanke faszinierte sie sichtlich ob dessen Unvorstellbarkeit. – Mittags kurzes Team-Treffen, danach noch ein paar Informatik-Reste in 11.

Donnerstag: Nathan-Analyse, close reading. Die Schulaufgabe (Prüfung) mit dem Thema Drama ist war erst im Mai, aber dazwischen liegen Austausch und Berlinfahrt und Ferien, deswegen muss das alles jetzt schon vorbereitet werden. Thema der Prüfung ist immer ein Ausschnitt aus einem unbekannten Drama, der Übungsaufsatz auch, aber geübt wird anhand des bekannten Nathan. Der fällt dieser Klasse leichter als sonst; sprachlich ist das nämlich kein leichtes Stück, aber dafür geht das dann im Jahr darauf mit dem Faust besser. Meine Lieblingsstelle: „Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt? – Zu sagen: – ausgenommen, was die Kirch‘ an Kindern tut.“ Deckt sich mit meinem Menschenbild. Danach weiter Lyrik.

Freitag: Konkretes Arbeiten an Fahrenheit 451. Ich hatte mir beim Lesen Arbeitsaufträge gesammelt, dazu Vorschläge von den SuS, Paare gebildet, die die Ergebnisse jeweils präsentieren müssen. Ein Schüler fragte, ob Guy Montags Entwicklung als Heldenreise gesehen werden könnte. Habe ich so noch nie gesehen, ist aber dann doch ein verfolgenswerter Gedanke; schauen wir uns an, was er am Montag erzählen wird. – Sicher sind nur wenige meiner Arbeitsaufträge originell, die meisten sind offensichtlich: Symbole im Roman, Parallelen zwischen konkreten Neben- und Hauptfiguren, das ist alles naheliegend. Und die Lösungen dafür gibt es zuhauf im Web. Das wird mit diesem Kurs kein Problem sein – aber grundsätzlich ist es schon möglich, die Antworten zu recherchieren und einfach abzuschreiben. Das bringt wenig; Ziel ist ja nicht, dass die SuS die Symbolik in Fahrenheit 451 kennen (obwohl das dann später im mündlichen Abitur vorausgesetzt werden wird), sondern dass sie Symbolik in einem Werk erkennen können. – Die meisten SuS haben Papierausgaben, nur ganz wenig Kindle ist im Gebrauch.

Zweierlei Rinderfett, mit Rezept: Steak and Kidney Pie

In England gibt es zwei Arten Rinderfett, denen man in Deutschland selten begegnet. „Beef dripping“ kann man im Supermarkt und beim Metzger kaufen, so wie bei uns Schweineschmalz – nur dass es eben quasi Rinderschmalz ist. Bratkartoffeln kann man darin machen, und Zwiebeln anbraten, für Yorkshire Pudding ist es ganz wichtig. Früher wurden Fish & Chips in beef dripping zubereitet.

Der Name kommt noch aus den Zeiten, als das Stück Rindfleisch über dem offenen Feuer oder den Kohlen gebraten wurde, an einem Spieß oder von oben herabhängend. Darunter befand sich die dripping pan, in die das Fett tropfte und wo es gesammelt wurde. (Und man konnte auch etwas reintunken, ja.)

Wenn man das dripping aus der Pfanne oder Schale abschöpft, ist noch etwas Bratensatz dran, das macht es besonders lecker. Hier mein dripping für das folgende Rezept:

Kochrezept

Das andere Fett heißt „suet“, und auch das gibt es beim Supermarkt und beim Metzger, und es taucht in vielen Rezepten auf. In deutschen Kochbüchern mit englischen Rezepten erscheint es gelegentlich als „Riedernierentalg“, Wikipedia informiert mich, dass es auf Österreichisch „Kernfett“ heißt. Um die Niere, also die Rinderniere, ist eine Fettschicht, und zwar eine ziemlich dicke. (Manchmal, wenn man eine Niere kauft, sieht man noch ein paar Spuren davon.) Dieses Fett wird kleingehackt und für Mürbteig verwendet, bei Süßspeisen wie bei salzigen. Man kann es auch fertig kaufen, dann hält es sich sogar – außerhalb des Kühlschranks – sehr lange:

Kochrezept

Jetzt zum Rezept: Steak and Kidney Pie. Ich bin da überhaupt keine Autorität, aber ich habe diesen Pie jetzt schon sechs oder sieben Mal gemacht, und er ist immer sehr lecker geworden. An der Dekoration kann man sicher noch arbeiten, wenn man mehr Geduld hat als ich. Zubereitungszeit mit viel Warten: Dreieinhalb Stunden. Das Rezept ist von Delia Smith.

  • 700g Rindfleisch, gewürfelt, irgendwas Gulaschartiges
  • 2-3 Zwiebeln, grob gehackt
  • 200 Gramm Rinderniere, ersatzweise auch Kalbsniere
  • 1 EL dripping, ersatzweise anderes Fett
  • 1 1/2 EL Mehl
  • 1/2 TL getrocknete Kräuter (Oregano, Thymian, Majoran, was so da ist)
  • 1/2 TL Worcestershire-Sauce (ganz wichtig für den typischen Geschmack!)
  • 425 ml Rinderbrühe (oder auch mehr)
  • 250 g Pilze, in Scheiben
  • 110 Gramm Suet
  • 225 Gramm Mehl
  • Salz, Pfeffer
  • Eine ofenfeste Form für 1,2 Liter Inhalt

Das Fleisch würfeln, so 2-3 cm groß:

Kochrezept

Pilze vorbereiten, in Scheiben schneiden:

Kochrezept

Das ist eine halbe Kalbsniere. Eine Rinderniere gab es bei meiner Innereienmetzgerin nicht, sie klagte im Gegenteil: Die müssten sie immer wegwerfen, die kaufe keiner.

Kochrezept

Die Niere in Stückchen schneiden:

Kochrezept

Die Zwiebeln im dripping ein bisschen anbraten:

Kochrezept

Fleisch und Nieren dazu, und wer die Geduld hat, das auf zweimal zu machen, kann sie vielleicht wirklich scharf anbraten und braun werden lassen. Sonst halt so gut es geht:

Kochrezept

Wenn das Fleisch braun ist, 1 1/2 Esslöffel Mehl dazu, umrühren:

Kochrezept

Aufgießen mit der Rinderbrühe:

Kochrezept

DIe Pilze dazu:

Kochrezept

Jetzt nicht vergessen: Pfeffern, salzen, die Worcestershire-Sauce, die getrockneten Kräuter. Deckel drauf und zwei Stunden ganz sanft köcheln lassen. Danach noch einmal abschmecken, eventuell etwas nachsalzen. Wenn man zu viel Flüssigkeit hat, ist das nicht schlimm, dann hat man ein bisschen Extrasoße, wenn man am Tag darauf die Reste mit Kartoffelbrei serviert.

So eine knappe halbe Stunde vor Ende der Kochzeit macht man sich an den Teig. (Gleichzeitig kann man schon mal den Backofen vorheizen, 220 Grad.) Dazu mischt man Mehl und suet und gibt Pfeffer und Salz dazu (einen halben Teelöffel? mehr?). Man sieht schön die Körnchen im Mehl:
Kochrezept

Nach und nach ein bisschen Wasser darübersprengen, zuerst mit einem Messer und dann mit den Händen verkneten (immer wieder ein bisschen Wasser dazu), bis ein glatter Teig entsteht. Eigentlich ist das Ziel, möglichst wenig zu kneten, und wenn man den Teig mit kalten Butterstückchen macht, ist das wohl auch wichtig – aber das suet ist so robust, da kann man ruhig ordentlich kneten. Die Fettstückchen im Teig sorgen später dafür, dass der Teig schön blättrig wird.

Ausrollen, vielleicht einen knappen Zentimeter, dick, und jedenfalls 2-3 Zentimeter mehr Rand lassen als der Rand der verwendeten Form. Dann schneidet man nämlich diesen Rand weg und klebt den auf den Rand der Form, den man dazu zuvor mit etwas Wasser angefeuchtet hat. Der restliche Teig ist der Deckel; man macht ein kleines Loch hinein, damit später der Dampf austreten kann, und aus Teigresten macht man Dekoration – ein paar Blätter vielleicht:
Kochrezept

Da kommt dann die Füllng hinein:

Kochrezept

Den Rand anfeuchten, den Deckel aufsetzen und andrücken. Verzieren, wer kann und mag:

Kochrezept

Das kommt dann bei 220 Grad für 30 bis 35 Minuten in den Ofen und sieht danach so aus:

Kochrezept

Das gibt dann ein Abendessen für drei Personen, vielleicht vier als Teil eines Menüs oder wenn man nicht so gierig ist wie Frau Rau und ich. Aber es schmeckt halt so gut:

Kochrezept

Man sieht vielleicht, wie schön flaky, blättrig, die Kruste ist:

Kochrezept

Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.

Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (Link zum Text), „My mistress‘ eyes are nothing like the sun“, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt schöner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund – und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit übertriebenen vergleichen überhäuft.

Als drittes „Reported Missing“ von Barry Cole (Text, Audio): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst – in blumigen Vergleichen, wären der Polizist gerne konkrete Angaben hätte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht lässt sich auch gut das Vorlesen üben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonfälle dafür braucht

(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)

Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. „My love is like a red, red rose“, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich für den Adressaten oder die Adressatin zu erklären:

Go, lovely Rose –
Tell her that wastes her time and me,
That now she knows,
When I resemble her to thee,
How sweet and fair she seems to be.

Tell her that’s young,
And shuns to have her graces spied,
That hadst thou sprung
In deserts where no men abide,
Thou must have uncommended died.

Small is the worth
Of beauty from the light retired:
Bid her come forth,
Suffer herself to be desired,
And not blush so to be admired.

Then die – that she
The common fate of all things rare
May read in thee;
How small a part of time they share
That are so wondrous sweet and fair!

Aber es stimmt schon, jüngere Gedichte kommen besser an bei Schülerinnen und Schülern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr geschätzten e.e.cummings (experimentell und zugänglich, also irgendwie safe), beide wieder mit viel Symbolik.

„o by the by“ ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (Hier ist der Text.) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein grüner Hügel, darauf eine Person oder zwei („little you-i“), darüer blauer Himmel… wenn man nur wüsste, was mit „threw/his wish at blue“ gemeint ist… aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:

(it dived like a fish
but it climbed like a dream)
throbbing like a heart
singing like a flame

Singing like a flame? Sind das die Gasflammen früher, die ein kleines Geräusch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach schön, besonders in den letzten Versen.

Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings‘ bekanntesten Gedichten: „Somewhere I have never travelled“ (Text hier). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.

Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer für ein Liebesgedicht gehalten, weil… na ja, man ist so geprägt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gefühl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich weiß es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erklärt auch „in your most frail gesture“, „the power of your intense fragility“ und den feinen letzten Vers: „nobody,not even the rain,has such small hands“. Das Öffnen und Schließen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.

In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht über eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person übt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tatsächlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.

Notenmachen, leidiges: Transparenz und Notengerechtigkeit

Neulich klagte eine Oberstufenschülerin über ihre mündliche Note (nicht in meinem Fach, und ohne dass der Name der anderen Lehrkraft oder des anderen Fachs fiel). Neun Punkte seien einfach nicht angemessen für die rege und kluge Mitarbeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schülerin da kluge Sachen sagt.

Schülerinnen und Schüler glauben immer noch daran, dass es die eine mündliche Mitarbeitsnote gibt. Wir machen es ihnen auch leicht, in diesem Glauben zu verharren – weil es vielleicht manches einfacher macht. Tatsächlich ist es so, dass es einen Durchschnitt aus „kleinen Leistungserhebungen“ gibt, also angesagten und nicht anegsagten kleineren schriftlichen Prüfungen, Ausfragen, Gedichtaufsagen, Referat, Unterrichtsbeobachtung, irgendetwas davon. Diese kleinen Leistungserhebungen hießen früher „mündliche Leistungen“, obwohl sie zum Großteil gar nicht mündlich sind. Heute muss man in der Oberstufe mindestens zwei solcher kleinen Noten haben, und davon wiederum muss eine echt mündlich sein. All diese Noten – und das ist für eine Behörde am wichtigsten – müssen mit Datum versehen sein, und man muss gegebenenfalls nachweisen können, dass sie gerechtfertigt entstanden sind: Datum, und am besten noch ein kurzes Protokoll der Fragen und Antworten.

Und das führt dazu, dass man mit Kursen bis zu 31 Schülern und Schülerinnen auch nicht zu mehr kommt als zu zwei kleinen Leistungserhebungen. Davon ist vielleicht ein schriflticher Test und eine mündliche Note, und das reicht, und das zählt 50% der Semesterpunkte, und ob diese eine mündliche Note der tatsächlichen Leistung über das ganze Semester entspricht, ist, behördlich gesprochen, egal.

Am liebsten würde ich tatsächlich nach Gefühl eine mündliche Note für die ganze Mitarbeit (deren Qualität, natürlich, nicht die Quantität) verteilen. Und ich bilde mir ein, dass das gerechter wäre als das aktuelle Verfahren. Aber das aktuelle Verfahren ist nun mal transparent (wenn auch nicht unbedingt gerecht im Sinne von: der Leistung entsprechend), und meines wäre das nicht. Und ja, gerecht wäre es vielleicht doch nicht – lieber ein schlechtes Korrektiv als gar keines. Ansonsten sitzt man den üblichen Vorurteilen auf.