Rehpastete

Nach ersten Versuchen mit Terrinen und Pasteten schenkte mir Frau Rau vor zwei Jahren dieses Pastetenkochbuch:

Es ist aus dem Jahr 1980, der erste Band der Teubner Edition im Verlag Gräfe und Unzer, von Friedrich W. Ehlert, Edouard Longue, Michael Raffael und Frank West; Fotos von Christian Teubner. Die Bücher dieses Verlags und des Fotografen kannte ich schon, insbesondere Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie begleitet mich seit 1982 (Blogeintrag).

In den Osterferien hatte ich Zeit, ein erstes der Rezepte darun auszuprobieren: Die Rehpastete. Hier halte ich mal für mich und die Zukunft fest, wie das mit der Pastete geht.

Kurzer Überblick:

  1. Man braucht die richtige Form für die Pastete.
  2. Man erstellt, wenn man Osterferien hat, eine dicke Sauce für den Geschmack.
  3. Man präpariert die Füllung aus mehrfach durchgedrehtem Fleisch und Rehfilet (und der Sauce).
  4. Man macht einen Mürbteig und stellt den kalt.
  5. Man baut alles zusammen,
  6. bäckt die Pastete,
  7. und füllt sie mit Madeiragelee.

1. Die Form

Frau Rau hat mir auch eine schöne Pastetenform geschenkt. Die besteht aus zwei Seitenteilen und einer Unterseite; die zwei Seitenteile steckt man mit zwei Stiften zu einer Form zusammen, die man dann auf das Unterteil schiebt. Der große Vorteil: Man kann die Form, wenn die Pastete fertig ist, behutsam auseinanderbauen, ohne die Pastete heraushieven zu müssen. Wenn man nur eine Terrinenform aus Keramik hat, kann man in diese wohl vor dem Auskleiden mit Teig ein Blatt Backpapier (nur über die Längsseiten) einfalten, so dass die Papierseiten herausschauen: an denen zieht man dann die ganze Pastete, wenn sie fertig ist, aus der Form. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

2. Einen Fond herstellen, vielleicht

Gefüllt wird die Pastete später mit einer Farce und angebratenem Rehfilet. Das Rehfilet wird mit einer dicken selbst gemachten Sauce eingestrichen. Das macht sicher etwas für den Geschmack aus, aber ich kann mir vorstellen, dass man diesen Schritt – so wichtig er dem Kochbuch ist – für den Anfang auslassen kann.

  • 1 kg Wildknochen in eine Bratraine mit ein paar Esslöffeln Öl geben, bei 250°C im Ofen 15 Minuten rösten
  • 1 Zwiebel, 1 Karotte hacken, dazu geben, weitere 20 Minuten rösten
  • dazwischen 30g Tomatenmark dazu geben
  • mit Wasser ablöschen und den Satz schön lösen
  • alles zusammen in eine große Schüssel umfüllen
  • mit 2 1/2 Litern Wasser auffüllen, 2 Stunden simmern lassen
  • im letzten Drittel der Kochzeit dazu geben: Stück Sellerieknolle, Stück Lauch (weiß), Lorbeerblatt, Thymian, Petersilie, 2 Schalotten in Scheiben, 1 Knoblauchzehe, 8 Wacholderbeeren, 8 Pfefferkörner (weiß), 1 TL Salz – was so da ist, ich habe mich nicht ganz genau daran gehalten
  • danach passieren und noch ein bisschen einkochen lassen

Das gibt einen dunklen Wildfond, viel mehr als man für eine Pastete braucht. Rest einfrieren.

3. Die Farce und Füllung

Das ist das schwierigste bei der Pastete, denke ich. Man erstellt die eigentliche Farce, in die mengt man dann noch Pistazien und Zeug, und brät noch ein paar Rehfilets an dazu. Ich hatte am Ende für meinen Geschmack viel zu wenig Farce und zu viel Rehfilet. Wegen meiner bräuchte ich gar kein Rehfilet in der Pastete, Farce allein reicht. Deshalb würde ich beim nächsten Mal eineinhalb mal so viel Füllung machen, auch auf die Gefahr hin, dass dann welche übrig bleibt.

  • 140g g Rehfleisch (lieber mehr!)
  • 140 g Schweinefleisch (lieber mehr!)
  • 160 g frischer, „grüner“ Speck (lieber mehr!) – gesalzener weißer Speck tut’s aber auch
  • 5 Wacholderbeeren, Schale von 1/2 Zitrone und 1/2 Orange, etwas Pastetensalz (wohl auch mehr, wenn mehr Fleisch)

(Pastetensalz: Salz mit Pastetengewürzen drin. Das Kochbuch geht davon aus, dass man das kaufen kann. Ich habe gegoogelt und letztlich Salz gemischt mit: Muskat, Muskatblüte, Pfeffer, Paprika, Thymian, Majoran, Nelken, Ingwer, Wacholder, Piment. Nicht im Haus: Basilikum, Liebstöckel, gemahlener Lorbeer.)

Das Fleisch so gründlich wie möglich putzen, alles irgendwie Sehnenartige weg. Fleisch und Speck in Streifen schneiden und würzen. Dann den Speck einmal durch den Fleischwolf (kleinste Scheibe, habe mir extra eine dafür gekauft), das Fleisch zweimal.

Sieht am Ende so aus:

Zwei Dinge muss man beim Durchdrehen des Fleisches beachten: Jede kleine Sehne und jedes Häutchen verstopft den Fleischwolf ein bisschen. (Zumindest meinen nicht elektrischen.) Man macht es sich also wirklich leichter, wenn man das Fleisch vorher gut putzt. Zweitens: Das alles muss möglichst kalt geschehen. Ich orientiere mich hier sehr am Pastetenbuch: Das Eiweiß des Fleisches ist es, das am Ende dafür sorgt, dass die gebackenen Farce zusammenhält, also bindet. Dazu darf das Eiweiß vorher nicht erhitzt werden. Beim Durchdrehen durch den Wolf erhitzt es sich aber. Also: Immer wieder in den Kühlschrank zwischendurch, und die Schüsseln gerne mal auf Eiswürfeln platzieren, wenn und wo es sich machen lässt.

Der durchgedrehte Speck und das Fleisch werden dann gemischt und laut Kochbuch durch ein Sieb gestrichen, aber irgendwann muss Schluss sein, das habe ich nicht mehr gemacht. Hinein kommen noch (laut Rezept, für die Rezeptmenge an Fleisch, in Klammern meine Ergänzungen):

  • 30 g Pistazien, gehackt (kann man so lassen, wenn mehr Füllung, dann vielleicht ein bisschen mehr)
  • 50g gekochter Schinken, gewürfelt (weglassen)
  • 50g Pökelzunge, gewürfelt (beibehalten, eventuell dann ein bisschen mehr)
  • 20 g Trüffeln, gewürfelt (weglassen)

Damit hat man dann die Farce. Dazu kommt noch die Fleischfüllung:

  • 2 Rehfilets (insgesamt 250 g, gerne weniger) mit Pastetensalz in Öl kurz anbraten, aus der Pfanne nehmen
  • in der gleichen Pfanne 25 g Schalotten (oder Zwiebeln, was da ist) in 1 EL Butter anschwitzen, mit 2cl Weinbrand ablöschen, dazu 0,12 l des Rehfonds
  • dazu 4 Wacholderbeeren, abgeriebene Schale einer 1/2 Orange udn 1/2 Zitrone
  • einköcheln zu einem Jus und über die Rehfilets geben

4. Der Mürbteig

Das Rezept aus dem Kochbuch war gut, die Menge reicht für mehr als die Form, so dass man sich keine Sorgen machen muss:

  • 400 g Mehl
  • 200 g Butter (kalt, in kleinen Stücken)
  • 6 g Salz
  • 1 Eiweiß
  • 5-8 Esslöffel Wasser

Daraus stellt man einen Mürbteig her. Entweder nach englischer Methode („rub the butter in“), oder sonstwie. Für den ersten Versuch reicht es, alles in eine Schüssel zu geben und zu vermischen. Am Anfang wirkt der Teig zu trocken, und man kann sicher noch ein bisschen Wasser dazu geben – aber nicht irre machen lassen, da wird nach kurzem, aber kräftigem Kneten doch noch ein glatter Teig draus. In Klarsichtfolie wickeln oder eine übrige Plastiktüte oder sonstwie abdecken und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

5. Das Zusammenbauen

Das Auskleiden: Den Teig flach ausrollen, 2mm dick, zu einer Scheibe, so lang und hoch wie die ausgeklappte Form:

Dabei die Ecken nicht wegschneiden! Zum Einfüllen die Terrinenform buttern und die Teigplatte zweimal auf der langen Seite falten, erst ein Drittel auf das mittlere Drittel, dann das andere Drittel wieder in die Mitte. Sieht dann im Querschnitt so aus:

Wenn das erst mal in der Form ist, faltet man das auseinander und kleidet die Form aus. Dabei nicht mit den Finger andrücken, schon gar nicht mit ungeschnittenen Fingernägeln, sondern eine kleine Kugel Teig nehmen und die quasi als Stempel nehmen und damit den Teig an die Wände drücken. Auf die Ecken besonders achten.

Das Füllen: Eine Schicht Farce in die Pastete geben, am Rand etwas hochziehen, so dass in der Mitte eine Art Rinne entsteht. Dort das Rehfilet hinein, mit Jus betröpfeln, mit der restlichen Farce auffüllen.

Das Deckeln: Die überstehen Seitenränder zuklappen. Der Teig oben soll – anders als im Buch angegeben – nicht zu weit in die Mitte ragen. Aber mit Ei bestreichen, denn auf das ganze kommt jetzt noch eine dünne Teigschicht als Deckel. (Es ist doch noch Teig übrig, oder?) Darauf dann ein oder zwei Kamine (mit Alufolie zum Freihalten) und Deko – Gabelmuster, Röllchen, Blätter. Ich bin noch die auf die IDee gekommen, dazu mit Förmchen etwas auszustanzen, aber das klingt gut.

Alles mit verkleppertem Ei oder Eigelb bestreichen.

6. Das Backen

Bei 220 Grad für 15 Minuten backen (Ober- und Unterhitze), dann auf 180 Grad reduzieren und weitere 35 Minuten. Und dann noch einmal acht Minuten, weil man Angst vor nicht ganz durchgegartem Fleisch hat.

7. Das Gelee

Am nächsten Morgen, oder jedenfalls wenn die Pastete schön kalt ist, bereitet man das Madeiragelee zu. Ich habe das so gemacht:

  • 6 Blatt Gelatine für 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen
  • 200 ml Wildfond (oder Geflügel, oder was halt da ist) und 100 ml Madeira erwärmen, aber nicht kochen; vom Herd ziehen
  • die Gelatine ausdrücken und in die Flüssigkeit einrühren
  • dann am Topf lauern und immer wieder umrühren: irgendwann gibt es diesen Moment, nach zehn Minuten? später?, wenn die Mischung anfängt fest zu werden, und das zwar nicht furchtbar plötzlich, aber doch so schnell, dass man unbedingt ein Auge darauf haben muss
  • wenn die Mischung also fest wird, mit einem Trichter in die vorbereiteten Öffnungen einfüllen – wenn nichts ausläuft, hat man Glück gehabt (übrigens glaubt man, dass eh kein Platz für das Gelee in der Pastete ist; ist aber doch)

Entformt anschneiden und servieren:

Die Pastete war sehr lecker, nur hätte ich gerne etwas mehr Farce gehabt. Und ich hatte oben zu viel Teig, das sieht man auf dem Bild ganz gut. Aber sonst bin ich erst einmal sehr zufrieden.

Osterferienkochen

Schon zwei Wochen lang nichts gebloggt. Deswegen ein kurzes Lebenszeichen; die halbfertiggestellten längeren Texte brauchen noch etwas.

Während ich vor den Faschingsferien recht entspannt war, hatte ich die Osterferien dringend nötig. Die erste Arbeitswoche ist herum, ich habe:

  • Steuer für 2018 gemacht
  • eine alte Freundin angerufen, deren Kind – vielleicht – ins Lehrersein hineinschnuppern möchte
  • Englisch-Nachhilfe gegeben
  • drei Klausurvorschläge für Q12 Deutsch erstellt und weitergeschickt – Epikanalyse; alle fünf Kurse arbeiten zusammen und stellen die gleiche Prüfung (Epik, Lyrik)
  • mich mit einer anderen alten Freundin getroffen, deren Kind – vor ein paar Jahren – ins Lehrersein hineinschnuppern wollte
  • mich an die Auswertung eines Informatikwettbewerbs gemacht, den ich organisatorisch betreue; diesmal praktisch: Anmeldung über eine Mebis/Moodle-Datenbank mit einfachem Export der meisten Daten, Teilnehmerliste erzeugt und mit kurzem Skript für jeden automatisch ein Verzeichnis erstellt
  • ein paar Stunden in der Schule verbracht, um den letzten großen Stapel Respizienzen zu erledigen (eine bayerische Spezialität: die Fachbetreuungen sichten – nachträglich, und stichprobenhaft, und inzwischen immer, uh, stichprobenhafter – die Prüfungen der Kollegen und Kolleginnenen, ob lehrplankonform und angemessen und so weiter)
  • Deutsch-Schulaufgabe halb korrigiert, die andere Hälfte morgen
  • eine Mebis-Fortbildung angefangen
  • gekocht und gebacken:

Das sind die Reste einer gypsy tart. Habe ich im Guardian entdeckt: How to cook the perfect Gypsy tart (Felicity Cloake). Anscheinend ist das ein Nachtisch, häufig wohl ein Schulkantinen-Nachtisch, den in der Grafschaft Kent jeder kennt, und außerhalb davon niemand. Unten Mürbteig, oben… oben ein Gemisch aus viel Kondensmilch und viel Zucker und sonst nichts, und das wird wild aufgeschlagen, bis es ein bisschen schaumig ist, auf den gebackenen Boden gegeben und dann nochmal für 20 Minuten bei niedriger Temperatur zu Ende gebacken. Läuft dann auch beim Anschneiden ein bisschen aus und ist natürlich qietschsüß.

Auch vom Guardian: How to make the perfect bean burgers (Felicity Cloake). Bratlinge aus gekochten schwarzen Bohnen und Kartoffeln (und Koriandergrün, Limette, Paprika, Zwiebel, dicke Bohnen, Kreuzkümmel, Koriander). Lecker, aber gebraten auch nicht besser – lieber einfach als Füllung für Tortillas. (Bild oben: vor dem Braten.)

Einen ganzen Tag Kocharbeit hat mich die Rehpastete gekostet. Rehknochen und später Karotten und Zwiebeln anrösten, um daraus dann eine dickflüssige Sauce zu kochen:

Speck einmal und Reh- und Schweinefleisch zweimal durch die feinste Scheibe des Wolfs drehen:

In die Masse dann noch Pistazien, Schinken, Zunge, Trüffel, Zitronen- und Orangenschale. Mürbteig, angebratene Rehfilets, bestrichen mit der dicken Sauce, Deko dran und in den Ofen:

Nicht abgebildet: Das Ausgießen mit Madeiragelee. Angeschnitten wird erst am Wochenende, hält sich hoffentlich bis dahin – bin schon gespannt.

Bleibt noch zu tun in den Ferien:

  • Eltern und Schwiegereltern
  • Wanderung
  • Mebisfortbildung planen
  • Kolloquiumsthemen erstellen (Englisch)
  • Medienkonzept, weiterarbeit am

Nachtrag: Inzwischen ist die Pastete angeschnitten. Geschmacklich sehr gut, zu wenig Farce und zu viel Rehfilet für meinen Geschmack, und Teigdecke oben zu dick. Ich arbeite weiter daran.

Runcode

Von Christoph, der das schöne Datenflussdiagramm-Werkzeug Orinoco geschrieben hat, gibt es etwas Neues: Runcode. Das ist eine Art Robot Karol mit Minecraft-Ästhetik. In einer einfachen Lernersprache (abwärtskompatibel zu Robot Karol) programmiert man eine Robotergestalt in einer 3D-Welt. Per Knopfdruck kann man Teile der Welt aber planieren; in einer flachen Welt lässt sich erst einmal leichter programmieren.

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Wenn man mehr mit der Welt interagieren will, kann man zwei Anweisungen verwenden, die es bei Robot Karol nicht gibt: Man kann den Würfel vor sich (unmittelbar oder schräg oben/unten) abbauen und hat dann im Inventar ein Stück des entsprechenden Rohstoffs – Erde oder Holz oder Granit. Und das kann man an anderer Stelle wieder einbauen. Damit habe ich noch nicht viel gearbeitet, aber man kann jedenfalls Kanäle graben (in die dann Wasser einläuft) oder Tunnels zwischen Inseln.

Für die Schüler und Schülerinnen, mit denen ich das gerade ausprobiere, war diese Welt sehr viel motivierender als der ursprüngliche Robot Karol. Das Programm ist nach den letzten Erweiterungen voll einsatzfähig, aber ich stoße gelegentlich noch auf kleine Problemchen, die ich Christoph melde, und schwupps ist alles korrigiert.

Erweiterungen gegenüber Robot Karol:

  • Die Welt ist sicher weiterhin höhenbegrenzt, aber man kommt höher hinauf als die 10 bzw. mit Schummeln 30 Stockwerke bei Karol.
  • Man kann endlich Löcher in eine Ziegelmauer bohren, also Häuser mit Dach konstruieren.
  • Es gibt eine ein wenig erweiterte Entwicklungsumgebung: Man kann seinen Code trennen in die Bibliothek, in der gespeicherte Anweisungen aufbwahrt werden, und das eigentliche Programm, das durch diese Trennung kürzer und übersichtlicher wird. Beide Bereiche, Editor und Bibliothek, werden separat geladen und gespeichert.

Was nicht geht und mir egal ist: Struktogramme erzeugen. Was nicht geht und ich gerne hätte, irgendwann mal: Variablen, Code-Autovervollständigung.

Deutschfachschaftsfahrt ins Schwäbische

Früher kam das öfter vor, in den letzten Jahren nicht mehr so oft: Die Deutschlehrer und -lehrerinnen machen einen Ausflug. Diesmal ging es ins Schwäbische:

  • Übernachtung in Bönnigheim: achttausend Einwohner, Museum Sophie La Roche – Roman- und Reiseschriftstellerin und Herausgeberin in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Kloster Maulbronn: Weltkulturerbe, sehr gut erhaltene große mittelalterliche Klosteranlage, schon lange nicht mehr als solche genutzt – im Kloster ein Internat, in dem auch Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse Schüler waren. Die Klosteranlage ist wohl auch Stadtzentrum von Maulbronn – Markplatz und Rathaus sind mittendrin.
Maulbronn, Weltkulturerbe-Klosteranlage und Stadtzentrum
Klosteranlage im Modell
  • Marbach: Schiller-Nationalmuseum mit verschiedenen Ausstellungen und Foto unter der Schillerstatue.
Marbach 1998 (links hinten ich)
Marbach 2019
(unverändert allein der Klassiker)
Ausstellungsstück im Schiller-Nationalmuseum
  • Ludwigsburg: Führung im Schlosstheater im Residenzschloss. Das Hoftheater wurde 1758 für Herzog Karl Eugen eingerichtet (das war der mit Schiller). Die Bühne ist noch sehr nah am Originalzustand und vor allem die Bühnentechnik: Oben der Schnürboden, in dem die herunterlassbaren Kulissen befestigt sind; unterhalb der Bühne (da wo die Falltüren hinführen) der große horizontale Mast, um den die Schnüre gewickelt sind. Das war sagenhaft! Wir durften mit der Maschine künstlichen Wind, Regen und Donner machen – letzteren mit der Rumpelkammer, einem Kanal, der im Schnürboden mit unregelmäßigen Holzwürfeln gefüllt wird, die auf Schnurzug dann darin herunterdonnern. Fotos leider nicht erlaubt, aber das ganze sieht aus wie ein elaboriertes gebasteltes Papiertheater, nur eben voll funktionsfähig.
  • Gegessen: Maultaschen, und regelmäßig davon enttäuscht worden. Sie servieren Kartoffelsalat dazu, kann man machen; sie sind eher gerollte zusammengefaltete Strudelstücke als echte Taschen, nun gut; aber was als „geschmelzt“, also ordentlich angebraten, verkauft wird, war fast immer nur warmgemacht. Es war wohl auch noch keine Saison. (Und: Kässpätzle mit Schinkenwurststreifen und Kartofeelsalat als Beilage. Das Allgäu ist weit, weit weg.)

Tagebuchbloggen

Es soll ja auch wöchentliche Tagebücher geben, vielleicht ja auch monatliche.

Ausschreibung einer Stelle als Seminarlehrer/-lehrerin

Sogar hier in München. Dass die Stelle zu diesem Zeitpunkt zu besetzen sein wird, weiß ich seit bestimmt einem Jahr, aber jetzt ist sie endlich wirklich ausgeschrieben. Soll ich mich bewerben? Ich will ja eigentlich schon noch mal eine andere Schule sehen, und diese wäre auch noch in München und sehr nah. Klar wäre das Arbeit und Umstellung für auch nicht mehr Geld oder mehr Beförderung, aber für ein bisschen neue Arbeit ist immer Luft. Zu einem gewissen Ausmaß kann ich sicher dabei helfen, ein guter Informatiklehrer oder eine gute Informatiklehrerin zu werden. Allerdings tue ich mir immer schwer, sicher zu sein bei irgend etwas, dazu zweifle ich zu viel. – Meine Chancen sind so mittel. Bestens qualifiziert bin ich, aber ich kenne ähnlich und noch besser qualifizierte Leute, die sich vielleicht auch bewerben wollen; außerdem bin ich alt und würde das nur noch höchstens fünfzehn Jahre machen können. Und am Ende braucht man auch noch ein Auto dafür?

Nachtrag: Beworben habe ich mich, es ist aber leider nichts daraus geworden. Ich bin sehr qualifiziert und glaube, ich hätte das sehr gut gemacht, aber andere halt auch.

Übungsaufsätze

Mit den Kollegen gibt es Diskrepanzen, es geht um die Übungsaufsätze im Deutschunterricht.

Am besten lernt man das Schreiben durch Schreiben. Deshalb halten auch immer wieder Schreiben aus dem Kultusministerium dazu an, dass die jungen Leute möglichst viel schreiben sollen. Von und für sich allein schreiben Schüler und Schülerinnen aber meistens nicht viel, sie wollen ihre Texte meist auch begutachtet und bewertet haben. Wie viel dieser Aspekt konkret zur Verbesserung der Schreibfähigkeit beiträgt, da bin ich skeptisch – sei‘s drum, es gibt da dieses Konzept der Übungsaufsätze.

Wie viele sollen die Lehrer und Lehrerinnen verlangen beziehungsweise einsammeln? „So viele wie möglich“ ist nicht die Anwort, denn mit dem Fach Deutsch arbeitet man eh mehr als in anderen Fächern, eben wegen dieser Korrekturen und Übungsaufsätze. „So viele wie nötig“ ist ein edler Ansatz, der aber zu unverhältnismäßig viel Arbeit führen kann – irgendwann ist Feierabend, im wörtlichen Sinn. „So viele, wie die Schüler und Schülerinnen wollen“ halte ich für problematisch. In der Unter- und Mittelstufe müssen alle einen Aufsatz abgeben, ob sie wollen oder nicht. In der Oberstufe wird das meist anders gehandhabt – aber auch da, behaupte ich, beeinflusst man als Lehrkraft, wie viele Übungsaufsätze man kriegt, je nachdem, wie sehr man auf diesen insistiert. Wie viele man kriegen will, das ist aber eine schwierige Frage. Ich würde sie ja radikal kürzen. „So viele wie immer“ funktioniert nicht mehr, da sich die Zeiten und Vorschriften ändern. Vorschriften: Früher gab es nämlich vorgeschriebene Regeln für die Anzahl an Übungsaufsätzen, und diese Regeln sind als Tradition irgendwie noch vorhanden; tatsächlich drücken sich die Vorschriften unklar aus und um eine eindeutige Regelung. Bei neuen Aufsatzformaten muss man mindestens einen Übungsaufsatz einsammeln und korrigieren, bei bekannten muss man nur allgemein üben und vorbereiten.

Aufsatzformate

Früher gab es im Lehrplan nämlich auch explizit genannte und vorgeschriebene Aufsatzformate. Die hießen „Inhaltsangabe“ oder „Erweiterte Inhaltsangabe“ oder „lineare/antithetische/dialektische Erörterung“. Schon seit mehreren Lehrplangenerationen gibt es diese Begriffe nicht mehr. Die Schüler und Schülerinnen sollen zusammenfassen und darstellen können, erzählen, begründen, diskutieren – im neuen LehrplanPlus gibt es die Stränge Erzählen, Informieren und Argumentieren, und das gerne auch kombiniert eingesetzt und geprüft. – Für das Abitur wiederum gibt es dann aber wieder doch ganz klare, vorher detailliert kommunizierte Aufgabenformate.

Umfrage

Die Schüler und Schülerinnen der scheidenden Q12 haben für die Abizeitung einen Umfragebogen vorbereitet, den die Lehrkräfte ausfüllen können. Mir gefällt diese Idee; ich begrüße alles, was zu mehr Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Gruppen an der Schule gehört, und habe nach bestem Wissen und Gewissen mitgemacht.

Viele der Fragen kann ich aber gar nicht beantworten, darunter auch Fragen, die mich gar nicht groß interessieren. Wer war der notorischste Zuspätkommer? Wer der Stufenclown? – Das weiß ich nicht und das ist mir auch egal. Offene Fragen wären besser, statt „Wer wird dem Kollegium noch lange in Erinnerung bleiben?“ ein „Was unterscheidet unsere Stufe von anderen Jahrgängen?“ interessanter, aber die Ergebnisse lassen sich dann nicht mehr so schön in eine Toirtengrafik umwandeln.

Literatur von Frauen

Mitlesender Kollege liest vielleicht Frankenstein von Mary Shelley mit der Klasse. Das finde ich auch deshalb gut, weil es ein Roman von einer Frau ist. Klar kann man sagen, dass das Geschlecht da irrelevant ist, sondern es nur auf die Qualität eines Romans ankommt. Aber die Qualität ist ja nicht gottgegeben, die misst man an Kriterien, die der eigenen Kultur und Tradition entspringen. Und selbst da ist es ja keinesfalls so, dass stets die wertvollen Werke eines Zeitraums überleben, selbst nach diesen Kriterien beurteilt.

Fortbildung

Vor allem war ich aber auf einer Fortbildung, dem jährlichen Informatiklehrer/-lehrerinnen Tag Bayern. Wieder viel Notizen gemacht, wenige Leute getroffen – Bayreuth ist halt weit weg – und Inspiration geholt, wenn auch nicht ganz so viel wie in den Jahren zuvor. Trotzdem, ich will hier wieder mehr über Informatikprojekte aus der Schule bloggen.

Nachtrag: Mit dem Masterplan Bayern Digital II kommt viel Geld an die Schulen. Förderungswürdig sind dabei viele Sachen, insbesondere neue Hardware. Nicht förderungswürdig sind allerdings alle möglichen Arten von pädagogischer Software: Das ist der Euphemismus für die Art Software, die es ermöglicht, Rechner von Schülern und Schülerinnen zu kontrollieren – wer ins Web darf und wer nicht, welche Software zu einem bestimmten Zeitpunkt verwendet werden darf, Anzeigenlassen der Bildschirme. Ich hasse diese Programme beziehungsweise die Art ihres Einsatzes. Fördern will man diese Programme eben nicht, weil man selbstbestimmtes Arbeiten der Schüler und Schülerinnen im Vordergrund sehen will.

Im Kino gewesen: Captain Marvel (weitgehend spoilerfrei)

Dann also doch noch etwas zu dem jüngsten Marvel-Film. Kurzfassung: Hat mir gefallen. Aber ich fand ja auch Avengers: Infinity War bewundernswert und enorm langweilig.

Der andere Captain Marvel

Captain Marvel ist dann doch eine der weniger erfolgreichen Figuren in den Marvel-Comics. Und das kam so: Der Konkurrenzverlag DC hat auch einen Captain Marvel im Angebot, und das seit wesentlich längerer Zeit. Genau genommen gehört der DC-Captain-Marvel auch nicht ursprünglich zu DC, sondern entstammt dem einstigen Konkurrenzverlag Fawcett Comics. Der wurde aber von DC verklagt und 1951 entschied ein Gericht (noch nicht letztinstanzlich) zugunsten von DC: Der Fawcett-Captain-Marvel sei dem DC-Superman zu ähnlich. Groß und stark und Cape, viel mehr Ähnlichkeit ist das nicht, aber wie heißt es so schön: Intellectual property is not a shield, it’s a weapon. Jedenfalls gab Fawcett 1953 den Kampf auf und stellte das Heft ein. 1972 kramte DC die Figur wieder heraus (lizenziert von Fawcett, die ihn selber als Folge des Rechtsstreits nicht mehr verwenden durften) und integrierte ihn und seine ganze Bande an Freund, Feind und Familie nach und nach ins reguläre DC-Universum.

Die anderen Captains Marvel

Nur hatte der Marvel-Verlag in der Zwischenzeit die Gelegenheit genutzt, selber einen Captain Marvel zu erfinden und ein Heft dieses Namens herauszugeben. Warum: Weil das rechtlich möglich war (da es seit einiger Zeit kein so getiteltes Heft gegeben hatte) und sie sich den Namen sichern wollten. Und seitdem hat Marvel darauf geachtet, dass immer wieder mal eine Serie Captain Marvel veröffentlicht wurde, so dass die Konkurrenz das nicht mehr konnte – auch wenn die Figur selber nicht besonders erfolgreich war. Deswegen heißt der DC-Film mit dem DC-Captain-Marvel, der in vier Wochen herauskommt, auch wie dessen Comics Shazam!

Nur: So richtig erfolgreich war der Marvel-Captain nie. Der erste Captain hatte ein langweiliges Kostüm und mehr Science-Fiction-Hintergrund als üblich. Recht spät erst entdeckte ich, dass der viel coolere zweite Captain Marvel, den ich vorher kennen gelernt hatte, tatsächlich der erste mit neuem Kostüm und neuen Kräften und neuem Stil war. (Leider wurden die deutschen Comics mitten in der Entwicklung zu diesem eingestellt.) Ein paar Jahre später starb die Figur dann für damalige Verhältnisse dramatisch und groß angelegt. Und so ging der Name auf einen neuen, diesmal weiblichen Captain Marvel über, und danach auf einen Sohn des ursprünglichen, und danach erst auf die zwischendrin erschienene Ms. Marvel – Carol Danvers, eine Nebenfigur bereits aus der ersten Captain-Marvel-Geschichte mit langer Geschichte danach. Und diese letzte Captain Marvel, um die geht es in dem Film.

Jetzt endlich: Der Film

Wie gesagt: Hat mir gefallen. Natürlich ist das Popcornkino, es bewegt mich nicht wie es Jules et Jim, Casablanca, Sullivan’s Travels, After Hours taten, auch alles Mainstream-Filme. Allerdings war nicht nur ich von der Stan-Lee-Würdigung am Anfang gerührt. — Keine interessanten Schnitte, keine kühne Kameraeinstellungen. Aber ich fühlte mich an keiner Stelle in meiner Intelligenz beleidigt (da bin ich besonders empfindlich) und habe mich nicht gelangweilt. Der Film ist bunt und lustig, wenigstens ansatzweise nichtlinear erzählt, bin ja schon froh; wartet mit kleinen und großen Überraschungen auf – vor allem eine finde ich beeindruckend. Und: Endlich mal keine Liebesgeschichte im Film, also gar keine; eine starke Frau und ein verspielter Geheimagent. Dazu die vielen Elemente der Originalgeschichte, die mti aufgenommen wurden: Angefangen mit den Uniformen der Kree und dem Kostüm der Captain Marvel. Sehr zufrieden. Eine Post-Credit-Szene, die in ihrer Vorhersehbarkeit und Banalität geradezu ein freches Zungeherausstrecken dem gegenüber ist, der sich auf den nächsten Film in ein paar Wochen freut – Avengers: Endgame natürlich.

Deutung und Rezeption

Ich habe den Film dann auch gleich als Beispiel im Deutschunterricht herangezogen für das, was wir bei der Arbeit mit Texten von den Schülern und Schülerinnen wollen: Eine Inhaltsangabe zur Orientierung (damit die SuS, die den Film nicht gesehen haben, überhaupt unserem Fachsimpeln folgen können), eine Beschreibung/Analyse von Auffälligkeiten (Stilmittel, Motive) und dann vor allem eine Deutung/Interpretation. Und der Film lässt sich auf verschiedene Art deuten und wird im Netz auch auf verschiedene Art gedeutet: Als Vorstufe zu Avengers: Endgame; als feministischer Film; als Film zum Thema Kolonialismus; als männerfeindlicher Propagandafilm.

Denn als solcher wird der Film von einer kleinen lauten Minderheit gesehen. Ähnlich wie schon bei diesem einen Star-Wars-Film neulich oder bei Ghostbusters davor stören sich diese Fans daran, dass eine Frau die Hauptrolle hat. Das ist meine Deutung; tatsächlich heißt es meist eher: dass es vor allem darum ging, gewaltsam die Hauptrolle mit einer Frau zu besetzen und eine feministische Botschaft zu verbreiten, so dass die erzählerischen und gestalterischen Qualitäten des Films darunter litten. Captain Marvel schießt im True-Lies-Pappaufsteller Arnold Schwarzenegger den Kopf weg und nicht Jamie Lee Curtis, und Samuel Jackson wird zum Geschirrspülen degradiert. Brie Larson als Captain Marvel agiere hölzern – schon nach den ersten Trailern hieß es, sie schaue immer so verbissen, sollte doch öfter mal lächeln. Und tatsächlich gibt es eine Szene im Film, wo ein aufdringlicher Passant ihr vorschlägt, doch mal zu lächeln. Diese Szene, so hieß es, sei aber keine Reaktion auf Fankritik, sondern von Anfang an drin gewesen. Weil Frauen das nun einmal gesagt kriegten.

Meine Meinung dazu: Marvel hat schon immer so Sozialkram gemacht. Social Justice Warrior wird als Schimpfwort verwendet, aber was waren Marvel-Superhelden je anders? Das hier habe ich bei Twitter gefunden, eine von Stan Lees Kolumnen aus den Comics, ich tippe mal auf 1970er Jahre:

Klar ging es Stan Lee und Marvel vor allem ums Geschäft. Aber die Marvelhefte hatten alle auch Tränendrüse und Moral und Dilemmata und Minderheiten, nie nur Eskapismus. Das unterschied – im Silver Age – Marvel von DC. (Ja, weiß schon, auch da gab’s Green Lantern/Green Arrow.)

Natürlich kleidet sich die Kritik am Film auch anders. Eine Besprechung (4/10 Sterne) in der Internet Movie Database („But, I still went in with an open mind“) klagt:

It just all felt sloppy and rushed. It’s like they never heard of Joseph Campbell and how a hero tell is made. Where is the journey a hero has to go through to get to that point they are one. That’s basic.

That’s basic. Und ich war so froh, endlich mal einen Film zu haben, der mir nicht wieder die hunderste Version der Heldenreise auftischt. It’s like they never heard of Joseph Campbell. Man sollte meinen, dass man Filme, selbst über Heldinnen, auch mal anders aufbauen kann als Joseph Campbell das beschrieben und nicht etwas vorgeschrieben hat.

Essen in Brighton, 2019

Das Frühstück unten stammt übrigens aus der Gaststätte Brightons mit der schlechtesten Hygienebewertung der ganzen Stadt, Stand Herbst 2018. Ich fand es sehr lecker und würde jederzeit wieder hingehen.

Als Erstes aßen wir dieses Mal, noch vor dem Auspacken, Dim Sum – gemischte chinesische Kleinigkeiten. Glibber in Erdnusssauce, Reis im Lotusblatt, Turnip Cake (trotz des Namens mit chinesischem Rettich, schmeckt aber nicht nach Rettich).

Am Tag darauf Sunday Roast im Pub. Alles sehr gut, besonders das Gemüse, aber der schöne große Yorkshire Pudding war leider enttäuschend.

Danach Food for Friends, die erste Anlaufstelle für leckeres (vegeatrisches) Essen. Diesmal weniger überwältigend als sonst, trotzdem: Fried Tofu geht immer.

Höhepunkt für mich: Das Market (vormals Graze). Das tut so, als gäbe es da Tapas, und auf der Speisekarte steht „Tapas“, und wir haben am Tapas-Tag das Tapas-Menü bestellt – eine Auswahl aus Vorspeisen-, Hauptspeisen- und Nachtisch-Tapas. Aber das waren keine Tapas: Churros, sonst in Kakao getippt, hier mit Ziegenkäse im Teig und Trüffelhonig-Dip. Eine Kohlrabischeibe auf leckerer roter Soße unter Käse, Muscheln, und vor allem eine Aubergine, kreuzweise eingeschnitten, mit Sirup-Soja-Teriyakisoße getränkt.

Kein Foto vom letzten und vorletzten Restaurantbesuch, obwohl vor allem der sagenhaft, Keim Foto auch von den Käse&Keks-Abenden vor dem Fernseher.

Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 6 (Der Schut)

Titelbild "Der Schut"

Vor zwei Jahren habe ich die Bände 1-3 gelesen, letztes Jahr die Bände 4-5, jetzt bin ich endlich auch zu Band 6 gekommen.

Titelbild "Der Schut"Kara Ben Nemsi und Halef sind weiterhin auf der Jagd nach dem Schut und seinen Genossen. Sie verfolgen den schwer verwundeten Mübarek und Barud el Amasat, begleitet werden sie von Osko (der sich wegen der Geschehnisse aus Band 1 an Barud rächen will) und Omar (der sich an Baruds Bruder Hamd el Amasat rächen will).

Der Mübarek stirbt an seinen Wunden und am Angriff eines Bären; Osko tötet Barud; sie weichen der Falle aus, die ihnen der Köhler Scharka stellt: Dort gibt es eine als Meiler getarnte Höhle, in der Gefangene verwahrt und getötet werden. Die Helden befreien dabei ihren alten Freund Sir David Lindsay. Zuvor war Lindsay Gefangener des Schut und gibt ihnen wertvolle Hinweise zum Aufbau dessen unterirdischer Anlage, wo noch andere Gefangene warten: der reiche Skipetar Stojko Wites und Henri Galingré.

Zusammen reiten sie zu Kara Nirwan, dem angesehenen Betreiber des Newera-Khan, nehmen ihn gefangen und bezichtigen ihn, der Schut zu sein. Die Einwohner des Dorfes sind mehr als skeptisch. Als es den Helden gelingt, die Gefangenen zu befreien, muss der Schut allerdings fliehen – noch besteht außerdem die Möglichkeit, den letzten Teil des Schurkenplans auszuführen: Hamd el Amasat hatte sich bei der Familie Galingré eingeschlichen und begleitet jetzt Henri Galingrés Frau und Kind mit dem Vermögen der Galingrés, angeblich zum Kauf neuer Waren bestimmt. Die Familie soll allerdings in eine Schlucht geworfen werden.

Kara Ben Nemsi erreicht die Gruppe noch rechtzeitig, verfolgt den Schut, der in einer Schlucht stirbt. Omar blendet Hamd el Amasat, tötet ihn aber nicht. De Zusammenhänge werden aufgeklärt: In Band 1 war Kara Ben Nemsi ja auf einen kurz zuvor ermordeten Franzosen gestoßen, nahm die Verfolgung dessen Mörders auf (Hamd el Amasat), der dabei Omars Vater tötete, worauf sich Omar der Verfolgung anschloss. Der Franzose war Paul Galingré, Sohn von Henri, auf der Suche nach seinem Onkel.

Ein Anhang erzählt von einem letzten Besuch bei Halef und seinem Stamm und dem Tod Rihs bei einer sinnlosen Racheaktion der Beduinen.

— Fazit: Meh. Bonuspunkte für die Dinge, an die ich mich noch aus meiner Kindheit erinnere: Die Jagd auf den Bären und das Braten der Bärentatzen, das mit Kennerhand geworfene Wurfbeil, das erst am Boden entlang fliegt und dann nach oben steigt. (Das wollte mir als Kind nie richtig plausibel erscheinen und ist es wohl auch nicht.) Die ganze Köhleranlage: So und durch anschließendes Nachfragen bei meinen Eltern habe ich gelernt, was ein Köhler ist. Das Fläschchen mit Phosphor, um im Dunkel Licht zu haben. Und was Pökeln ist.

Es gibt wie immer viel Anschleichen und Lauschen, aber relativ wenig Gefangenenbefreiung. Diesmal trifft Kara Ben Nemsi nicht auch Unbeteiligte am Straßenrand, zu denen er freundlich ist und die ihm dafür hilfreiche Hinweise oder Rettung in späterer Not geben. Überhaupt ist das Personal sehr übersichtlich, ein Diagramm wie bei den letzten Malen nicht nötig. Die Schurken werden recht früh dezimiert, die Heldengruppe bleibt konstant. Bis auf den überflüssigen Anhang gibt es verhältnismäßig wenig penetrantes Christentum; das war schon mal schlimmer. (Aber der Anhang.)

Der Schut als anerkannter Mann im Dorf doppelt sich ein wenig mit dem Mübarek als anerkanntem Mann in seinem Dorf. Neu aber die Situation, wie Kara Ben Nemsi inmitten des eher feindseligen Dorfes einen Gefangenen macht. Die Anlage des Schut und deren Zerstörung erinnert ein wenig an den Schatz vom Silbersee.

Auffällig wieder einmal die Parallele zu Sherlock Holmes beim Spurenlesen:

Da diese Schärfe fehlt, so hat der Mann keine Fußbekleidung getragen; er ist barfuß gewesen. Willst Du das nun einsehen?«
»Wenn Du es in dieser Weise erklärst, muß ich Dir Recht geben.«

Man kann Halef da schon ein bisschen als genervt lesen, wenn man möchte:

»Kannst du dir denken, wer hier gegangen ist?« fragte ich Halef.
»Nein, Effendi,« antwortete er. »Da du mir deine Meinung noch nicht mitgeteilt hast, weiß ich noch nicht, von welchem Gedanken ich auszugehen habe.«

Insgesamt kann ich Band 1 und Band 3 des Orientzyklus‘ noch zur Lektüre empfehlen. Die letzten drei Bände, die auf dem Balkan und nicht mehr im Orient spielen, haben mir als Kind gefallen, jetzt stören mich ihre Schwächen mehr als bei den anderen Bänden.

Magie- und andere Systeme

Die Teile 1 bis 3 sind vielleicht von allgemeinem Interesse, der Rest sind dann wohl doch eher Notizen für mich.

Teil 1: Zauberei im Rollenspiel

Anfang der 1980er Jahre gab es in den Spielwarenhandlungen Deutschlands Das Schwarze Auge und Dungeons & Dragons als Rollenspielsysteme. In beiden Spielen gab es Zauberer, die wohl alle auf Tolkiens archetypischen Gandalf zurückgingen: Spitze Hüte, große Stäbe, weiße Bärte. Anders als im Roman braucht der klassische Rollenspiel-Zauberer aber feste Spielregeln, und da unterschieden sich D&D und DSA doch sehr.

DSA schien mir damals das normalere System zu sein, wer weiß, wo meine Einstellung, wie Zauberei zu funktionieren hat, herkommt. Ein Zauberer lernte und konnte danach erst wenige, im Laufe der Jahre immer mehr Zaubersprüche aus einem begrenzten Vorrat an vorhandenen, in den Regelbüchern erklärten Zaubersprüchen. Jeder Zauber kostete Astralpunkte, pro Tag stand einem Zauberer nur eine begrenzte (mit der Erfahrung aber wachsende) Anzahl davon zur Verfügung. Die konnte er ausgeben für einen oder mehrere „Balsamsalabunde – Heile, Wunde!“ oder „Flim-Flam-Funkel – Bring Licht ins Dunkel!“ (Ja, die Namen waren meistens so.)

D&D hatte dagegen ein merkwürdigeres System. Hier waren die Zauberer noch schwächer und eingeschränkter; erst mit einiger Erfahrung wurden sie zu mächtigeren Spielfiguren (nehme ich mal an), die mit Feuerbällen nur so um sich werfen konnten. Am Anfang hatte man wie bei DSA nur eine begrenzte Anzahl an Sprüchen im Repertoire, die hatte man gelernt. Dazu kam aber folgende Einschränkung: Jeden Morgen konnte sich der Zauberkundige aus seinem Zauberbuch (mit dem Repertoire an erlernten Sprüchen) eine sehr kleine Anzahl an Sprüchen einprägen, und nur diese Sprüche konnte er an diesem Tag wirken; war ein Zauberspruch gewirkt, verschwand er aus dem Gedächtnis des Zaubernden. – Das war mir fremd. Jahre danach stieß ich auf die Quelle, nämlich die Geschichten von der Sterbenden Erde von Jack Vance, eine sehr fremd-vertraute zukünftige Welt, wo Zauberei genau so funktioniert. Die Namen der Sprüche bei Jack Vance sind noch fantasievoller als bei DSA: „Hoularts Bauchgrimmen“, „Lugweilers unwiderstehlichr Juckreiz“, „Grüner Aufruhr“, „Zauber der Gehirnwucherung“, „Hoularts blaue Extraktion“, „sofortwirkender elektrischer Strahl“.

Teil 2: Wie ich fast mal ein eigenes Zaubereisystem erfunden hätte

Ich hatte mal folgende Idee: Ein Zauberkundiger kriegt jeden Tag fünf Zauberpunkte (die er zum Zaubern braucht), aber nur, wenn er an diesem Tag nicht zaubert. Es gibt keine Obergrenze für die Anzahl an Zauberpunkten, die man haben kann, und sie gehen auch nicht verloren, es sei denn natürlich, man gibt sie aus, um zu zaubern. Ein kleiner Straßenzauberer schlägt sich vielleicht damit durch, dass er jeden Tag für fünf Punkte ein paar Tricks macht, und ist danach weitgehend schutzlos; ein Mitglied einer Abenteurergruppe zaubert ein paar Tage nichts, um am Ende des Spiels einen ordentlichen Feuerball loslassen zu können. Und der mächtigste Zauberer ist der, der nie zaubert: der hat dann so viele Punkte, dass er jederzeit in Hülle und Fülle zaubern könnte, und eben deshalb ist er mächtig und muss es gar nicht mehr tun.

Dann fiel mir auf, dass das eine Analogie zum Kapitalismus ist und man die Zauberpunkte einfach als Analogie zum Geld sehen kann, und dann hatte ich keine Luste mehr auf dieses Zaubereisystem.

Teil 3: Noch ein Zaubereisystem

Wieder andere Rollenspiele – und spätere Fassungen von DSA und D&D – versuchten sich an noch komplexeren Magiesystemen: Zauber, bei denen man die Hände frei haben musste oder die nur mit dem Geist funktionieren; die eine bestimmte Vorbereitungszeit oder – schon interessanter – bestimmte Zutaten brauchten. Das schien mir eine adäquate, aber noch verbesserbare Näherung an die Funktionsweise von Zauberei in Fantasygeschichten. Dazu gehören:

  • Es gibt einfache und schwierige Zauber.
  • Die kann man lernen.
  • Man kann neue Zauber erfinden.
  • Mit der Erfahrung kann man immer besser zaubern.
  • Es können sich Fehler in Zauberformeln einschleichen, wenn man nicht sorgfältig arbeitet.
  • Zaubern kostet Zeit und Vorbereitung.
  • Es gibt Zauberbücher.

Das klingt für mich nach Programmierung. Zaubern ist wie Programmieren. Es gibt einfache und schwierige Algorithmen. Manche davon haben Namen. Man kann neue Algorithmen erfinden. Einen Algorithmus zu implementieren, kostet Zeit und Mühe; Fehler können sich einschleichen. Mit der Erfahrung geht es besser; erfahrene Programmierer können mehr Algorithmen auswendig und sicher implementieren. Wenn man noch Bots dazu nimmt oder gegeneinander kämpfende Assemblerprogramme wie in Core War (Wikipedia), hat man Zaubererduelle. Einfache Zauberer haben pro Tag vielleicht nur drei Kontrollstruktren und vier Anweisungen zur Verfügung und können damit machen, was sie halt damit machen können. Mit der Erfahrung kriegt man weitere Kontrollstrukturen oder neue Datenstrukturen zur Verfügung. Zaubererschulen wären quasi Anhänger verschiedener Programmiersprachen. Man kennt „Dijkstras Pfad aus der Finsterniß“ auswendig, oder schlägt im Zauberbuch (uh, Stack Overflow?) nach. die spannende Szene, wo die junge Zauberei-Anfängerin sich zum Finale an einen mächtigen Zauber macht, der eigentlich viel zu schwer und zu mächtig ist, aber nötig um den Endgegner zu besiegen — das ist quasi, auswendig in möglichst wenig Zeilen Rot-Schwarz-Bäume zu implementieren, auch wenn man nur mal kurz überflogen hat, wie das geht.

Diese Parallelen sind sicher in der Fantasy-Cyberpunk-Literatur durchgespielt worden. Aber im Brett-, Rollen- oder Computerspiel? Hm. Ist nicht Second Life so etwas, weil, da gibt es doch auch Leute, die ganz tolle Dinge machen können? Im Indy-Spiel else Heart.Break() – größtenteils ein Point-and-Click-Adventure – kann man als Hacker Elemente des Spielwelt umprogrammieren, indem man echten Code schreibt (eventuell bei begrenzter Anzahl von Kontrollstrukturen und Anweisungen). Und ja, so steht es im Interview, man kann dadurch auch das Spiel zum Abstürzen bringen, weil aufgrund der vielen Möglichkeiten sich nicht alles bfangen lässt.

Teil 4: Anhänge/Andere Simulationen

Ich mag Simulation, Modellbildung, und damit auch Spiele: Spiele sind Modelle. Es folgen einige Ideen zu Spielen, die ich mal hatte.

Poker-Spiel

Ich würde mal gern ein Poker-Kartenspiel sehen, also eine Pokersimulation. Die Spieler kriegen auf die Hand eine Reihe von Karten, die sie der Reihe nach ausspielen; auf denen steht zum Beispiel „busted flush“ oder „four of a kind“. Jeder Spieler legt pro Runde eine Karte aus, die beste Karte gewinnt. Jetzt muss man nur das mit dem Bluffen noch unterbringen. Und schon hat man… ein Standard-Stichmachen-Spiel?

Vor dem Hintergrund dieser Poker-Simulation versteht man vielleicht auch meinen nächsten Gedanken: Bei einem Spiel als Modell/Simulation eines spannenden Geschehens kann man je nach Art des Spiels sich zum Beispiel durch einen cleveren unerwarteten Trick, mit dem die anderen Spieler nicht gerechnet haben, Vorteile verschaffen. Oder man kann sich durch das Ausspielen der Ereigniskarte „Cleverer Unerwarteter Trick“ ebensolche Vorteile verschaffen – der Unterschied ist quasi im Abstraktionsgrad. Schach und Go sind anstrengend, da muss man selber clevere unerwartete Züge machen; bei Spielen mit Ereigniskarten ist das leichter.

Brettspielideen: Herr der Ringe

Ich überlegte auch mal, wie man ein Herr-der-Ringe-Brettspiel gestalten könnte. Der erste Gedanke war, zwei Spielerinnen zu haben: Sauron auf der einen, die Ringgemeinschaft auf der anderen Seite. Das Problem ist nur: Im Buch kann sich Sauron nicht vorstellen, dass irgendwer den Ring zerstören wollen könnte, er hat da sozusagen einen blinden Fleck. Er rechnet fest damit, dass seine Gegenspieler andere Pläne haben, das heißt, jemand wird den Ring tragen und sich gegen Sauron stellen.

Wenn im Brettspiel die Entscheidung über Sieg und Niederlage wirklich so überraschend kommt wie im Buch, dann würde das wohl enttäuschend und eine Antiklimax sein. Der Ringspieler müsste quasi eine Karte ausspielen: „Völlig überraschender Gewinn“; Ziel des Spiels wäre also, irgendwie an diese Karte zu kommen. Oder der Gewinn kommt völlig überraschend, weil der Sauronspieler tatsächlich etwas übersehen hat – aber damit nähern wir uns wieder der Schach- oder Go-Komplexität von Spielen. Gibt es gute und faire und einfache Fallenstellerspieler, also mit echten raffinierten Fallen statt mit „Du tappst in eine Falle“-Karten?

Sonst noch eine Idee für den nichtfrustrierenden Überraschungsaspekt: Ringspieler kann eine beliebige Regel außer Kraft setzen oder die Gewinnbedingungen ändern?

Die Bewegung wäre wie bei Scotland Yard oder dem weniger bekannten (The) Fury of Dracula. Der Sauron-Spieler weiß also nicht, wo die Figuren der anderen tatsächlich sind, aber er kann in verschiedenen Gebieten den Level of Evil steigern – das erhöht die Chance für gefährliche Zufallsbegegnungen; z.B. Gebiete, die an Nazgul angrenzen, haben +3 auf gefährliche Zufallsbegegnung. Begegnungen kann man auf verschiedene Weise überstehen, die letzte Möglichkeit: Ringbenutzen. Damit entkommt man der unmittelbaren Gefahr, aber Sauron erfährt, wo der Spieler ist.

Der Ringspieler zieht am Anfang Karten, darunter „Friends“: wer die Fangorn-Karte hat, für den ist Fangorn ungefährlich, sonst wär’s Fangorn nicht. Der Sauronspieler weiß natürlich nicht, welche – falls überhaupt – Orte für den Spieler betretbar sind und welche nicht

Computerspielprojekt: Kneipengerüchte

Man kennt das ja: Erschöpft zieht man im Fantasy-Computerrollenspiel nach langer Wanderung durch das Stadttor und geht gleich in die Kneipe, hängt den staubigen Hut an einen Haken, lehnt das Schwert gegen den Stuhl und wartet darauf, dass der Wirt mit Krügen von schäumendem Bier und den neuesten Nachrichten kommt. „In den Bergen oben soll Gold zu finden sein. Und die Kobolde im Osten planen einen Kriegszug“, heißt es.

Und diese Gerüchte stimmen immer und lenken einen zur nächsten größeren oder kleineren Aufgabe. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, Gerüchte als solche in einem Spiel zu modellieren. Ausgangspunkt dabei waren wohl falsche Erinnerungen an die kurzen Erzählungen „Carcassonne“ von Lord Dunsany und „The Quest of Iranon“ von Howard Phillips Lovecraft (von Lord Dunsany inspiriert). In beiden Geschichten geht es um Helden, die eine legendäre Stadt suchen, sie nie finden und darüber alt werden. Bei Lovecraft erhält der Held zumindest am Ende einen Hinweis – von mir etwas fehlerinnert hört er letztlich seine eigene Geschichte, also von jemandem, der auszog, diese Stadt zu finden.

Ich hätte gerne eine Fantasy-Spielwelt, in der die Spielerhelden große oder kleine Ereignisse auslösen und von diesen dann in veränderter Form später zu hören bekommen. Gerüchte wären demnach erst einmal Nachrichten, die sich wie Reisende auf bestimmten Strecken – oder quasi als Gepäck von tatsächlich reisenden Nichtspielercharakteren – fortbewegen, eventuell auch Ableger von sich produzieren. Und während der Reise ändert sich der Nachrichteninhalt durch Mutation: Es ändert sich entweder der Ort, oder die Anzahl der Beteiligten, oder der Ausgang oder die Art des Ereignisses – so wie beim Spiel Stille Post. Man müsste das nur so feineinstellen, dass es eine angemessene Anzahl an Gerüchten auf der Welt gibt.

Armee, die sich verdeckt nähert

Spieler A legt einen kleinen gemischten Stapel von 5-10 Informationskarten aus. Davon enthält 1 Karte die tatsächlich relevante Information („Die Armee hat den Zielort erreicht“), die anderen Karten sind letztlich leer. Spieler B nimmt jeden Zug 1 Karte vom Stapel und sieht sie an – wenn während einer bestimmten Anzahl von Zügen nicht die Karte mit der relevanten Information aufgedeckt wird, tritt das Ereignis ein, ohne dass Spieler das verhindern kann oder rechtzeitig davon erfährt (eben etwa den Einmarsch der Armee).

(Erweiterung: Anzahl der Späher entspricht Anzahl der Karten, die man aufdecken kann.)

Fanny-Burney-Spiel

Aus einem alten Blogeintrag von mir zum Roman Evelina von Fanny Burney (1778):

Etwas förmlicher laufen die Treffen in assembly rooms ab. Die jungen Leute tanzen, streng reglementiert; die alten spielen Karten. Beim Lesen ist mir selber die Idee zu einem Kartenspiel gekommen. Für zwei oder mehr Spieler, kooperativ oder kompetitiv, als Erzählspiel oder doch eher klassisch mit nachgeahmten Erzählelementen – das weiß ich alles noch nicht. Die Spieler haben jedenfalls eine Reihe von Personenkarten auf der Hand, verdeckt von einem Stapel: junger Mann, junge Frau, alte Frau. Außerdem gibt es noch Funktionskarten: „ist Geschwister von“, „ist Kind von“, „ist in Liebe verfallen“ oder auch „ist verfeindet mit“. Spieler können zuerst Personenkarten ausspielen, etwa bei einem Treffen im Teehaus, als Begleitung von bekannten, bereits gespielten Karten. „Lord Orville erscheint zusammen mit einer jungen Frau“ heißt es dann. Oder Spieler können zuerst Funktionskarten ausspielen, also an bereits ausgespielte, vom Typ dazu passende Karten: „Lord Orville hat ein Geschwister“, „Polly ist verliebt“. Und man kann vor allem bereits ausgespielte Karten ergänzen, Personen um zusätzliche Funktionen, oder Funktionenkarten mit der noch fehlenden Person dazu versehen. Eine assembly-Phase bietet immer Gelegenheit, neue Karten auszuspielen; ansonsten gibt es noch Ereigniskarten, „Ein Brief“ etwa, die ermöglichen, neue Karten ins Spiel zu bringen.

Na gut, ich müsste noch mal darüber nachdenken. Jedenfalls ist Evelina die Art Geschichte, wo zuerst eine Person auftaucht („unglücklicher Mann in Schwarz“), dann eine Geschichte dazu offenbart wird, aber natürlich diskret und ohne Namen („ist verstoßenes Kind von“ und „ist verliebt in“), wo man genau weiß, dass die passenden Personenkarten dazu später noch aufgedeckt werden („ist verliebt in“) oder bereits auf dem Tisch liegen, aber noch nicht zugeordnet („ist verstoßenes Kind von“). Und tatsächlich kommt der eine oder andere Twist im Plot sehr überraschend und unerwartet: „[T]hat lady – is the daughter of Sir John Belmont! – of my father!“

Spiel-Idee: Rechthaber-Kartenspiel

Zu spielen mit einem Satz von Kartenpaaren, etwa wie beim Schwarzen Peter. Ein Teil der Karten wird verdeckt auf die (vorerst zwei?) Spieler verteilt, der Rest kommt auf einen Stapel.

Man spielt eine Karte („Die Behauptung“) und behauptet, die passende Begleitkarte dazu auf der Hand zu haben („Der Beweis“). Der andere Spieler kann die Behauptung angreifen (am sichersten natürlich, wenn er selber die passende Karte hat, dann weiß er, dass er recht hat), woraufhin der erste Spieler die passende Karte zeigen oder klein beigeben muss; wenn er die passende Karte tatsächlich hat, gewinnt er doppelt. Müsste man noch erweitern.

Spiel-Idee: Interpretationsspiel

Bei diesem Kartenspiel geht es um die Simulation eines Deutschaufsatzes vom Typ Interpretation.

Die Spieler spielen Textkarten aus. An eine Textkarte kann man (farblich) passende Aussagekarten anlegen. Wenn man diese durch passende Begründungskarten unterstützt, erhält man Punkte dafür – je nachdem, wie interessant die Aussagekarte ist, etwa von 1-9. Aussagekarten haben noch einen zweiten Wert, sie müssen nämlich in unterschiedlichem Maß (wieder 1-9) durch die Begründungskarten gestützt werden.

Wenn bei Spielende Aussagekarten nicht ausreichend durch Begründungskarten gedeckt sind, zählen sie negativ, sonst positiv.

Wer nicht genug Karten auf der Hand hat, kann in die Bibliothek gehen und neue Karten vom Stapel ziehen. Insgesamt stelle ich mir da ein Spiel aus der Rommé/Canasta-Familie vor.

Das Karl-May-Spiel

Vielleicht nur, weil ich gerade den letzten der sechs Bände des Orient-Zyklus‘ lese: Auch das bietet sich als Spiel an, allein schon der vielen immer wiederkehrenden Handlungsbausteine. In eine neue Stadt kommen, wo der Wirt ein Freund oder ein Mitglied der Schurkenbande ist. Spurenlesen, Anschleichen, gefesselte Leute befreien. Mitglieder der Heldengruppe werden gefangengenommen: Spurenlesen, Anschleichen, Befreien. Zufallsbegegnungen am Straßenrand: Immer Gutes tun, dann hat man eine Freundeskarte, gut für einmal „Du kommst aus dem Gefängnis frei“ (oder gar nicht erst hinein). Weitere Ereigniskarten „Der Engländer“ oder „Du verlierst einen Gefährten“.

Jedesmal, man eine Person rettet, wird Karte eine Karte gezogen – entweder eine Aufgabenkarte mit einer einer Nebenquest, oder Hauptquest-Teilinformation, von denen man immer eine bestimmte Anzahl haben muss, um weiterzukommen. Spieler hat 1 Quest und maximal 3 Nebenquesten; wenn er keine mehr hat und 1 Abenteuer übersteht, zieht er eine neue Questkarte.

Gerne auch als Spiel auf dem Smartphone. Oder als Patience?

Arthur Conan Doyle, Der Hund der Baskervilles


Schullektüre in der 7. Klasse, Abstimmung nach einigen Vorschlägen; dieser Vorschlag kam von der ansonsten wenig ergiebigen Liste an Lektürevorschlägen des Kultusministeriums für diese Jahrgangsstufe.

Die Schüler und Schülerinnen lasen das Buch erst einmal zu Hause und sollten dabei für jedes Kapitel eine kurze Inhaltsangabe schreiben – in Stichpunkten oder als Fließtext, was die meisten wählten – und was ihnen dabei aufgefallen ist; außerdem eine Liste der Schauplätze anlegen. Ich möchte das nicht Lesetagebuch nennen; etwas Ähnliches kennt die Klasse vom Vorjahr bei einem anderen Buch.

Kurzes Inhaltsverzeichnis dieses Blogeintrags:

1. Fragen und Anmerkungen der Klasse 7a zu Der Hund der Baskervilles
2. Vorläufig unerklärte Vorfälle und andere Merkwürdigkeiten
3. The Game
4. Weitere Sachen, die man machen kann

1. Fragen und Anmerkungen der Klasse 7a zu Der Hund der Baskervilles

Nach der Lektüre haben die SuS in Gruppenarbeit ihre Unterlagen verglichen und ergänzt. (Das Vergleichen klappt gut, das Ergänzen weniger.) Außerdem sollten sie Fragen an das Buch stellen, die wir dann nach und nach beantworten würden. Ich tippte die Fragen dann im Klassenzimmer in den Rechner, sortierte sie ein wenig um und gab den SuS einen Ausdruck, um ihn ihrem Geheft beizulegen.

  1. Was wäre, wenn Selden Holmes getötet hätte?
  2. Was wäre, wenn der Hund überlebt hätte?
  3. Wie ist Selden ausgebrochen?
  4. Was wäre, wenn Stapleton überlebt hätte?
  5. Was wäre, wenn Sir Charles überlebt hätte?
  6. Was wäre, wenn Beryl Stapleton Mittäterin wäre?

Das sind die Fragen, zum Großteil kontrafaktische, die ich selber nicht sehr interessant finde. Aber klar, muss man dann auch drüber reden. Nur Frage 6, ide interessiert mich sehr – auf die möchte ich nachher noch einmal zu sprechen kommen.

  1. Das Klauen des Schuhs macht keinen Sinn, da der Geruch des Besitzers schnell verschwindet?
  2. Wieso nimmt Stapleton den Schuh mit, als er ins Moor flüchtet?
  3. Wieso geht der Hund nicht näher an Charles Baskerville heran, als der tot ist?

Fragen 7-9 habe ich gruppiert, weil die Antwort auf alle nämlich lautet: Weil der Autor schlampig gearbeitet hat bzw. es gibt keinen guten Grund innerhalb der Handlung dafür. Das haben die Schüler und Schülerinnen klug erkannt. Außer es gibt etwas, das allen entgangen ist, einschließlich Sherlock Holmes – dazu später mehr.

  1. Was stellt das Titelbild der Ausgabe dar?

Wir recherchierten und fanden den Namen des Fotografen heraus, der wiederum für eine Agentur arbeitet, die Bilder für Buchcover anbietet. Wir blickten ein bisschen ins Sortiment. Fazit: Das Titelbild stellt eine generisch spannend Szene dar, die aber mit der konkreten Handlung nichts zu tun hat. (Hier alle Bilder des Fotografen bei dieser Agentur.)

  1. Wer ist eigentlich die Hauptperson, Watson oder Sherlock Holmes?

Das ließ sich durch einen Lehrervortrag klären: Doyle hatte Sherlock Holmes satt, ließ ihn mit dem dafür erfundenen Moriarty die Reichenbach-Fälle hinunterstürzen und sterben – vermeintlich, wie sich ein paar Jahre später herausstellte, als Holmes zurückkehrte. Der Hund der Baskervilles war der erste Roman nach dieser Pause, und auch der spielte in der Frühzeit der Partnerschaft, also vor dem scheinbaren Tod. Dennoch hatte Doyle wohl keine rechte Lust auf Holmes, und so lässt der Watson den Großteil der Handlung über allein.

  1. War das SH Büro oder seine Wohnung am Anfang?
  2. Wurde SH eigentlich bezahlt?
  3. Lebt Watson bei SH oder was?
  4. Wo haben Holmes und Watson ihre Waffen her?

Schöne Fragen, die den Alltag betreffen. Beim Guardian gibt es einen Grundriss der Wohnung. Es gibt keine Grenze zwischen Wohnung und Büro, und Watson und Holmes leben berühmtermaßen zusammen. Und ja, das Geschäftsmodell von Sherlock Holmes ist nicht sehr überzeugend. Im Hund wird tatsächlich nie über Geld geredet, alles reine Gentleman-Sache. Klar wird sich Henry Baskerville am Ende nicht lumpen lassen, aber so richtig der Klient ist er eigentlich auch nicht. – Es war für Holmes und Watson zwar schon etwas Besonderes, eine Waffe mitzunehmen, aber an Waffen zu kommen war damals wohl nicht sehr reglementiert.

  1. Kein spannendes Kapitel
  2. Warum haben die am Anfang so viel gesprochen und am Ende nicht? Warum so viel Dialog am Anfang und dann nicht mehr?
  3. Manche Kapitel spannend, bei anderen passiert gar nichts
  4. Spannend erst ab dem 6. Kapitel

Dazu habe ich den Begriff Exposition eingeführt. Am Anfang wird Holmes recht klassisch vorgestellt, und dannt gerät er in den Hintergrund und die Atmosphäre von Dartmoor übernimmt. Was man spannender findet, da unterschieden sich die Meinungen.

  1. Welche Farbe hat Phosphor/wieso leuchtete der Hund?

Ließ sich klären. Reiner Phosphor wird es ja wohl eh nicht gewesen sein.

  1. Warum wird so oft erwähnt, dass Dr Mortimer gerne Schädel untersucht? Das hat doch gar keinen Einfluss auf die Geschichte?

Die einfachste Antwort: Um ihn als Mann der Wissenschaft auszuweisen, was Holmes mehrfach lobend erwähnt. Damit hätten wir auch ein Motiv des Romans, den Gegensatz zwischen Wissenschaft und Aberglauben. (Wobei das Schädelvermessen ja schon arg an der Grenze zur seriösen Wissenschaft schwimmt.)

  1. S. 47 „bedeuten“ ausgeschnitten → taucht S. 44 gar nicht auf!

Eine sehr kluge Leserin, der das aufgefallen ist: Im Buch gibt es einen anonymen Brief, aus Zeitungszeilen ausgeschnitten, dessen Text lautet: „Halten Sie sich vom Moor fern, wenn Ihnen Leben und Verstand lieb sind.“ Zwei Seiten später konstatiert Holmes, dass der Text mit einer Nagelschere ausgeschnitten worden ist, weil zweimal angesetzt werden musste, „um das Wort ‚bedeuten‘ auszuschneiden.“ Aber das Wort taucht im Brief gar nicht auf!

Tatsächlich ist das schlicht ein Fehler des Übersetzers. Überhaupt, der übersetzt auch „Murphy, a gipsy horse-dealer“ mit „ein als Pferdehändler tätiger Roma namens Murphy“. Aber erstens hätte in der Zeitung damals Zigeuner gestanden und nicht Roma, aber darüber kann man streiten; allerdings war der Murphy sicher kein Roma, sondern ein Irish Traveller oder Tinker – in England bezeichnete „gypsy“ oder „gipsy“ beides.

2. Vorläufig unerklärte Vorfälle und andere Merkwürdigkeiten

So begann ein Tafelbild von mir, und weder die Schüler und Schülerinnen noch die Kollegin, die im Rahmen gegenseitiger Besuche hinten drin saß, erkannten die Zeichnung:

Wie kann man das nur für eine Bratpfanne halten! Das ist eindeutig eine Lupe! Unter der Lupe waren dann VUV, RH, C und F:

  • VUV: Vorläufig unerklärter Vorfall. Dient zur Spannungssteigerung, und Krimis sind voll davon. (Verfolgung in London, geklauter Schuh, Hundespuren bei Leiche, Gerüchte um Hund im Moor.)
  • C: Clue, Hinweis, der später bei der Lösung des Falles einbezogen wird. (Die gestohlenen Schuhe, der Aschehaufen, der Brief von LL.)
  • RH: Red Herring, ein Hinweis oder VUV, der den Leser und/oder Detektiv auf eine falsche Fährte lockt, weil er dann doch nichts mit der Lösung des Falls zu tun hat. (Das Schluchzen der Frau in der Nacht, der kerzenwandelnde Butler nachts.)
  • F: Fehler des Autors (oder Übersetzers?), offene Fragen, für die es keine Antworten gibt.

Diese VUV wurden dann in Gruppenarbeit gesammelt und als Stichpuntke oder Randbemerkungen im erstellten Exzerpt notiert.

3. The Game

Im klassischen Krimi und auch in den meisten Tatort-Folgen gibt es Fakten (als VUV oder Clue oder Red Herring), die den Leser zu einer Interpretation in einer Richtung lenken: Ein gespenstischer Hund wars, oder Person X. Das nenne ich die exoterische Deutung (aber nicht, wenn ich mit Schülerinnen spreche). Am Ende stellt sich aber üblicherweise heraus, dass der Hudn nur ein Trick war oder Person Y die Täterin. Das nenne ich die esoterische Deutung der Fakten.

Aber warum da aufhören? Die Fakten des Krimis lassen sich sicher auch anders deuten. In Ein Fall für drei Detektive (1936) werden die Fakten eines Falles von drei Detektiven und einem Poliziste gleich auf vier verschiedene Arten gedeutet. (Siehe alten Blogeintrag dazu und zu ähnlichen Fällen.) Und gerade bei Sherlock Holmes gibt es seit Ronald Knox‘ Aufsatz „Studies in the Literature of Sherlock Holmes“ (1911) – wohl entstanden als Parodie auf Bibeldeutungen und -umdeutungen – die Tradition, die Werke des Meisters umzudeuten, die Geschichten hinter den Geschichten aufzudecken, zusätzliche Informationen zu entdecken und dabei, ahem, den einen oder anderen Fehler des Meisters auszubügeln. Man nennt das auch The Game.

Seit 1946 erscheint das Baker Street Journal der Baker Street Irregulars mit Aufsätzen zu Holmes, oft auch genau zu diesem Thema. Ahem, und ich habe zufällig nicht nur den ersten Band davon, sondern zwei dicke Sammelbände mit den besten Aufsätzen daraus, und sämtliche Hefte von 1946-2011 als Facsimile-PDF-Dateien. Man ist dann ja doch interessierter Holmes-Freund.

Und natürlich hat man sich auch dort schon der Fragen angenommen, denen ich oben in der Liste die Nummern 6-9 gegeben habe: Das Schuhklauen macht doch keinen Sinn? Wieso verfolgt die Kutsche in London Henry Baskerville zum Hotel, wo Stapleton doch schon weiß, in welchem Hotel Baskverille absteigt? Wieso nimmt Stapleton den Schuh mit, als er ins Moor flüchtet? Wieso geht der Hund nicht näher an Charles Baskerville heran, als der tot ist? Was ist, wenn Beryl Stapleton Komplizin ist? Wieso ist Dr. Mortimer, der doch ständig Schädel vermisst und sogar einen Aufsatz zu Atavismen verfasst hat, die Ähnlichkeit zwischen Stapleton und dem Baskerville-Vorfahr nicht aufgefallen?

Den gleichen Fragen geht auch Pierre Bayard in seinem eher schlechten Buch Freispruch für den Hund der Baskervilles: Hier irrte Sherlock Holmes (2008) nach. Tatsächlich ist seine Interpretation der Fakten originell und lesenswert, aber die ersten drei Viertel des Bandes sind selbstverliebte Überflüssigkeit. Der Mann tut außerdem ständig, als sei er der Erfinder des Prinzips, Krimis gegen den Strich zu lesen.

Jedenfalls erklärte ich meinen Schülern und Schülerinnen, die schon brav Fakten (als VUV, Clue, Red Herring oder Flüchtigkeitsfehler) gesammelt hatten, das Prinzip, und bot Ihnen drei Alternativen zu Stapleton als Alleintäter an: (1) Beryl war es, oder (2) Mortimer war Komplize, oder (3) ganz etwas anderes. In Gruppenarbeit – sie mögen Gruppenarbeit – mussten sie dann ihre Deutung der Fakten unterstützen.

Eigentlich ist das ein bisschen früh in der 7. Klasse, aber die Schüler und Schülerinnen schlugen sich recht gut. Ich hoffe nur, ich animiere sie dadurch nicht zu Verschwörungstheorien, sondern sie verstehen, dass das nur ein Spiel ist. Hier ihre Lösungen, von mir in Stichpunkten mitnotiert:

Team 1:

  • Beryl und Mortimer sind Komplizen
  • haben Affäre, wollen deshalb Stapleton ermorden
  • Stapleton flüchtet vor Mortimer ins Moor
  • Beryl spielt Laura Lyons; weil sie maskiert war, nicht erkannt
  • Beryl war die mit dem Bart in der Droschke
  • Beryl war nur zum Schein gefangen
  • Der Hund gehörte in Wirklichkeit Mortimer
  • Beryl hat Stapleton zu Seldens Leiche geschickt, damit Verdacht auf ihn fällt
  • Sie haben den Schuh ins Moor gelegt, um Verdacht auf Stapelton zu lenken

Team 2:

  • Mortimer spielt doppeltes Spiel: arbeitet mit Stapleton zusammen, danach mit Beryl gegen ihn verschworen
  • sie wollen an das Erbe, Mortimer hat Stapleton nämlich als Erbe erkannt
  • Mortimer will Hälfte des Erbes, damit er Stapleton nicht verrät; später will er dann aber doch das ganze Erbe, hätte es über Beryl gekriegt, die von Stapleton geerbt hätte
  • Mortimer zu Holmes, um Verdacht auf Stapleton zu lenken
  • Mortimer stiehlt den Schuh, hat auch eher Zugriff auf Schuh als Stapleton
  • hat Erfahrung mit seinem eigenen Hund
  • sie haben den Hund ohne Essen eingesperrt, damit der blutrünstig wird, als er rausgelassen wird, tötet der den Cockerspaniel
  • Beryl soll sich bei Henry einschleimen
  • Mortimer schubst Stapleton während Flucht ins Moor – Stapleton würde selbst nicht sterben, kennt ja den Weg
  • Mortimer legt Schuh ins Moor, um zu bestätigen, dass Stapleton der Böse ist

Team 3:

  • Theorie 1
    • Mortimer ist Komplize von Stapleton, hat diesem von Sir Charles‘ Herzschwäche erzählt
    • Stapleton hilft Mortimer dafür, den begehrten Schädel von Charles Baskerville zu bekommen
  • Theorie 2
    • Laura Lyons will Stapleton heiraten
    • Larua Lyons erkennt Lücken in dessen Plan, erzählt deshalb Holmes und Watson von den Heiratsplänen
  • Theorie 3
    • Der Hund ist ein echter Nachfahre des Legendenhunds
    • Die Hundenachkommen haben sich von den im Moor verendeten Pferden ernährt
    • Hundm ist zufällig auf Charles gestoßen; hat Baskerville in der Nähe gerochen, als Henry eingeladen war

Team 4:

  • Beryl ist Komplizin von Stapleton; sie nutzt ihn aber nur aus, um an das Erbe zu kommen
  • Der anonyme Brief ist von Stapleton
  • Stapleton ist weggelaufen, weil er denkt, Beryl wird ihn verraten
  • Stapleton wollte Laura Lyons um Hilfe bitten, aber die hat sich mit Beryl zusammengetan (die beiden hatten vielleicht sogar Affäre)
  • Beryl Stapleton hatte 2 Hunde, hat beide befreit, der eine hat Henry verfolgt, der andere Stapleton
  • Mortimer ist weiterer Komplize von Beryl, hat sich in sie verliebt, will sich von seiner Frau trennen – deshalb hat er Holmes die Schädelverwandtheit Hugo/Stapleton verschwiegen
  • Mortimer versucht hinter Beryls Rücken Stapleton mit Sherlock Holmes‘ Hilfe loszuwerden
  • beim Tod von Sir Charles hat Hund Selden gesehen, und den dann verfolgt, deshalb hat er Sir Charles nicht weiter verfolgt

Alle noch nicht ganz ausgereift, aber die Erkenntnisse decken sich durchaus mit dem, was andere Forscher vermutet haben. Vor allem die ersten beiden sind überzeugend, beim dritten gefällt mir die Theorie, dass doch echte (Geister-)Hunde dahinterstecken und die vierte Theorie ist so schön kompliziert und hat ein gleichgeschlechtliches Liebespaar.

4. Weitere Sachen, die man machen kann

  • Es gibt eine deutsche Hörspielfassung und bei Amazon das Skript dazu, wenn auch nur für den Kindle. Könnte man vielleicht mal nachspielen. Audiobookfassungen gibt es etliche, ganz oder teilweise bei Youtube.
  • Die entsprechene Sherlock-Episode anschauen (das ist die Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman) und vergleichen.
  • Bilder und Karten von Dartmoor, klar.
  • Kapitel 4 im Buch und laut Lehrplan: Schilderungen. In Doyle selber gibt es zwei Passagen, in denen das Moor ausführlich anschaulich geschidlert wird, dazu mindestens eine Schilderung von Baskerville Hall und zwei des unheimlichen Huneheulens über dem Moor. Den Schülern und Schülerinnen habe ich ein noch mehr zum Buch passendes Stimmungsbild von Dartmoor gezeigt als das folgende, aber nur das folgende ist für die CC-Veröffentlichung hier lizenziert: