Zweite Schulwoche: Alles neu (Hose, Nibelungen, Venediggeschichten)

Neue Kleidung:

Selfie im Spiegel

In Berlin bei fein und ripp im Schaufenster gesehen, also Frau Rau, die so etwas sieht, und die mich am Ärmel zupfte, und dann sagte ich ja, kann ich mir gut vorstellen, und dann sind wir da rein. Schuhe und Mütze auch noch dazu, aber der Ausgangspunkt war die Hose – schwedische Forstarbeitermontur, siebzig Jahre eingelagert, ans Licht befördert und jetzt in Berlin verkauft. Hat nur ganz leicht nach Kiste gerochen.

In der Schule so gut wie nicht kommentiert, nur eine aufmerksame Schülerin traute sich etwas zu sagen.

Neue Lektüre:

Das Nibelungenlied in der 7. Klasse. Da macht man Mittelalter, und höfische Epik interessiert mich so gar nicht, das Nibelungenlied deutlich mehr. (Und englische Artusepik am meisten, die kommt dann auch noch.) Das kann man auch als Schullektüre lesen, muss man aber nicht – an Prosaübersetzungen gibt es eine von Franz Fühmann, die hätte mir am besten gefallen, weil sie sehr nah am Text ist. Dann gibt eines Jugendbuchfassung von Auguste Lechner, der für mich jedes Flair fehlt. Die habe ich schon mal vor Jahren gelesen, geht, aber ich wollte das nicht noch einmal, auch weil mich die geglättete lineare Erzählreihenfolge stört. Und es gibt eine Fassung von Michael Köhlmeier (den man von den Sagen des klassischen Altertums kennt), die den Schülern und Schülerinnen am besten gefiel. Ich hatte ihnen alle drei Anfänge gezeigt, auch um zu zeigen, dass es verschiedene Fassungen eines Stoffes geben kann. Mir sagte der Köhlmeier am wenigsten zu, weil der Tonfall so ein charmanter Plauderton ist und vor allem Nacherzählung und Kommentar mischt.

Der Kompromiss: Wir lesen das gar nicht, sondern hören uns die Köhlmeier-Fassung in einzelnen Episoden an (hier bei Youtube), nach jeder Episode machen die Schülerinnen und Schüler ein eigenes Tafelbild dazu – am Anfang noch sehr grafisch, mit Pfeilen und Herzen, später immer mehr in Stichpunkten, und schon sind wir bei der Textzusammenfassung, neu in der 7. Klasse.

Neue Bücher:

Thomas Mann, „Tod in Venedig“, und Daphne du Maurier, „Don’t Look Now“ – letztes heißt auf Deutsch, zumindest in der berühmten Verfilmung, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Deswegen habe ich früher die beiden Titel auch immer durcheinandergebracht, auch weil die Verfilmungen beide aus der gleichen Zeit sind. Es gibt auch inhaltliche Gemeinsamkeiten: Rot als Symbol- und Signalfarbe, der vergebliche Versuch, aus der todbringenden Stadt zu entkommen, das Unheimliche und Dräuende, die von der Polizei kleingeredete Gefahr, die Stadt selber natürlich mit ihren Gerüchen und ihrer Symbolik.
Bei Mann sind die Sätze des Erzählers und das Innenleben Aschenbachs interessant sind – mein Lieblingssatz ist ein langer aus der Sicht Aschenbachs (wie überhaupt der Erzähler sich erst im letzten Drittel bemerkbarer macht, finde ich), der voller heißer Luft und halbgaren Gedanken beginnt, so dass ich mich schon echauffieren möchte… aber noch im letzten Drittel der – langen – Periode kommen die Gedanken Aschenbach dann selber so traumhaft vor: Traumhaft in dem Sinn, dass sie nachts unglaublich klug scheinen und am Morgen dann unverständlich-oberflächlich sind.
Der Plot selber ist simpel, während er bei du Maurier verrätselt ist, so verrätselt, dass man auch am Ende nicht weiß, was das eigentlich genau passiert ist. Hier ist es die Situation, die fasziniert.

Neue Nachrichten:

Ich hatte mich schon gefreut, dass meine Buchhandlung mir als Antwort auf eine Frage eine PGP-verschlüsselte Mail geschickt hat. Dazu muss sie ja auch meinen (öffentlichen) PGP-Schlüssel haben. Den hatte ich vielleicht mal mitgeschickt, als Anhang? Erinnern konnte ich mich nicht daran. Also antwortete ich, dass ich die Bücher gleich holen würde – und antwortete ebenso verschlüsslte, wozu ich den (öffentlichen) PGP-Schlüssel der Buchhandlung haben musste. Den fand ich auch online, in einer Art Verzeichnis.
Kurzum: Die Buchhandlung war etwas überfordert davon, eine verschlüsselte Mail erhalten zu haben, und konnte sie auch nicht entschlüsseln. Ich klärte auf, soweit möglich: Die Buchhandlung hatte den E-Mail-Client Thunderbird installiert, und dazu das Verschlüsselungs-Addon Enigmail, und jemand hatte mal einen Schlüssel für die Buchhandlungsadresse angelegt, und meinen (öffentlichen) Schlüssel hatte sich Enigmail gemerkt, und ich habe den dann dort gelöscht, und gut war’s. Thunderbird/Enigmail schicken nämlich standardmäßig verschlüsselte Mails, wenn sie einen passenden Schlüssel parat haben.

Erste Schulwoche, aber dann doch nur über Essen

Die letzten Tage über habe ich Geburtstag gehabt, Twitter war voller Wünsche, vielen Dank. Hier ist der schöne Geburtstagskuchen, den mir Frau Rau gebacken hat:

Geburtstagskuchen von oben

In der Schule bekam ich von zwei Schülern und Ex-Schülern – wir machen gerade Poe im Unterricht – diesen schönen Raben-Grabstein geschenkt (via 3D-Drucker der Schule):

Grabstein aus 3D-Drucker mit Poe-Zitat

Dann werde ich also wohl auch „The Raven“ im Unterricht machen, vielleicht Übersetzungen vergleichen – davon gibt es sehr viele. „The Tell-Tale Heart“ sowieso, gerne mit der Alan-Parsons-Project-Version zum Einstieg – das macht neugierig auf die Kurzgeschichte.

Ansonsten schreibe ich gerade nicht viel aus der Schule. Ich bin dann wohl eher kein Lehrerblogger mehr, sondern überhaupt einfach so Blogger. Aber wenn ich mir meine alten Beiträge von vor vierzehn Jahren anschaue, dann war das auch damals schon so.

Gestern abend Leserunde. Buch eher so mittel, aber der Tisch war sehr schön:

gedeckter Tisch mit kleinen Speisen

Mir fällt das erst beim Bild auf, wie sehr das nach Essensfotos der (frühen?) Sechziger Jahre aussieht. Die knalligen, bunten Farben, das Karo, die Portiönchen. Sehr fein.

– Resteessen: So kenne ich das aus meiner Kindheit, wo es keineswegs ein besonderes Lieblingsgericht von mir war. Aber seit ich das nicht mehr kriege, mag ich es immer lieber. Übriges gekochtes Rindfleisch – schwierig genug, weil das ja auch schon lecker ist – mit Zwiebeln in der Pfanne herausbraten. Gerne noch krosser als im Bild:

Teller mit Rindfleischgericht

Pfeffern, salzen. Ei optional.

– Schule: Bin mit Unterrichtsverteilung und Stundenplan zufrieden, aber das bin ich meistens. Ich habe jetzt auch mit Instagram angefangen, aber nur zögerlich; prompt finden mich da Schüler und Schülerinnen. Im Moment halte ich es noch so, dass ich keinen Schülern und Schülerinnen folge, die ich selber unterrichte.

Zwerchfell aller Art, zum Essen

Es fing damit an, dass ich ein Rezept für Cornish pasties las. „Beef skirt“ wurde da als Fleisch empfohlen, und da begann ich ernsthaft zu recherchieren, was denn das mir vom Namen her bekannte „skirt steak“ eigentlich ist. Das ist aber alles andere als einfach, weil die Bezeichnungen wild durcheinandergehen, und nicht alles, was man im Web dazu liest, auch wirklich stimmt.

Also: Das Rind hat ein Zwerchfell. Das ist ein Muskel, der rein technisch zu den Innereien zählt; er besteht aus zwei (oder vielleicht drei) Teilen. Horizontal gibt es eine linke und eine rechte Seite, die heißen „inside skirt“ und „outside skirt“. Aber diese Unterscheidung wird nur selten getroffen, obwohl laut Stack Overflow die Unterschiede gar nicht so klein sind. Optisch sehen sich die Teile recht ähnlich: unwahrscheinlich lang und dünn und schmal. Auf Deutsch heißen diese Teile „Kronfleisch“ oder „Saumfleisch“. Vertikal hängt unten noch ein anderes Stück dran, das bei meinem Innereienmetzger „dicke Kron“ heißt, sonst auch „Nierenzapfen“ oder „Herzzapfen“, auf Englisch „hanger steak“ (Wikipedia), auf französisch „onglet“.

Oft werden diese beiden deutlich unterschiedlichen Teilen als „Zwerchfell“ bezeichnet, und das stimmt ja auch, ist aber halt nur die halbe Wahrheit. Nicht einfacher macht es, dass das amerikanische „flank steak“ in England „skirt steak“ („bavette“) genannt wird (Quelle), wobei es auch da zunehmend Interferenzen aus dem Amerikanischen geben wird. (Fürs Cornish Pasty brauche ich also gar kein skirt steak!) Und zumindest auf manchen UK-Seiten werden „skirt steak“ und „hanger steak“ synonym verwendet und dabei als „thin, long cut of beef from the diaphragm“ bezeichnet (Quelle) – vermutlich ist da nur das dünne Kronfleisch gemeint? Auch was die BBC hier als „skirt“ bezeichnet, sieht eher nach Nierenzapfen aus.

Die Verwirrung ist nicht nur mir aufgefallen, auch dieser Blogeintrag von 2010 erklärt die Situation.

Dass die Bezeichnungen durcheinander gehen, sollte nicht wundern. Verschiedene Sprachen teilen die Welt unterschiedlich ein. Berühmt sind die Farbbezeichnungen, es gibt „rellow languages“, in denen es für den Rot-Gelb-Bereich nur eine Bezeichnung gibt, und häufiger die „grue languages“, wo die entsprechende Farbbezeichnung für den Grün-Blau-Bereich gilt. Die deutsche Tasse ist im Englischen „mug“ oder „cup“, die Schnecke „snail“ oder „slug“, dafür ist da sowohl Wand als auch Mauer „wall“. So ähnlich ist das wohl auch, wenn man das Kontinuum eines Tieres in Teile zerlegt: Manchen Ortes kommt ein Schäufele dabei heraus, anderswo ist dieser Zuschnitt unbekannt. Und wenn sprachlich Pfannkuchen, Eierkuchen, Berliner und Krapfen für Verwirrung sorgen, ist das beim essbaren Zwerchfell auch kein Wunder.

Hier ist ein ganzer Nierenzapfen, 828 Gramm:

Nierenzapfen roh

Man muss ihn vor dem Zubereiten wegen der dicken Sehne in der Mitte in zwei Teile trennen:

Nierenzapfen in zwei Hälften, mit Mittelsehne,

Dann habe ich ihn gesalzen und unter den Grill gelegt. 4 Minuten von jeder Seite bei 270 Grad:

Nierenzapfen gegrillt, aufgeschnitten

Eher noch dünner schneiden als im Bild. Das Fleisch schmeckt sehr gut, ist aber recht fest. Quellen warnen davor, das Fleisch ganz durchzubraten, es sollte also eher rot als rosa sein, sonst werde es zäh. Ich hab’s jetzt zweimal gemacht und habe mich daran gehalten, war nie zäh.

– Noch ungewöhnlicher ist das eigentliche Kronfleisch, das in Bayern laut Wikipedia traditionell gekocht wird. Man kann es aber auch in der Pfanne braten oder grillen.

Das ist das eigentliche, horizontale Zwerchfell. So sieht ein Stück davon aus (der ganze Muskel ist noch länger):

Kronfleisch mit Sehne

Beim ersten Mal hatte mein Metzger die dicke Sehne schon entfernt, diesmal musste ich das selber machen – aber das geht recht leicht:

Kronfleischgericht von Sehne befreit

Eine Möglichkeit der Zubereitung ist, das Kronfleisch in Stücke zu schneiden, und in sanft köchelnder Brühe zu 6 bis 10 Minuten. Wenn man keine Brühe hat, nimmt man Salzwasser, und lässt das Fleisch ein wenig länger drin, dann hat man auch Brühe.

Eine andere Möglichkeit ist, das Kronfleisch zu grillen oder zu braten. Möglichst heiß, nur zwei oder drei Minuten auf jeder Seite, es soll innen noch rosa sein:

Kronfleisch aufgeschnitten

Außerdem habe ich mal, einem Internetrezept folgend, so ein Stück Kronfleisch gesalzen und gepfeffert, und mit einer Füllung belegt aus der Schale von zwei Zitronen, viel Kräutern (Petersilie und Oregano in meinem Fall) und viel Parmesan:

Kronfleisch belegt mit Füllung

Zusammenrollen, zweimal zubinden und so zwei dicke Scheiben erhalten:

Kronfleisch-Rouladen roh

Die jeweils vier Minuten auf jeder Seite grillen:

Das Ergebnis war leider…. nun, sehr fest, wenn auch nicht zäh. Nicht optimal. (Optimal… vermutlich zwei Stunden sous-vide, und dann noch kurz auf den Grill, aber so etwas mache ich nicht.) Vielleicht doch mal schmoren? Das halbe Internet sagt, dass Schmoren gar nicht geht, die andere Hälfte hält das für okay. Frau Rau meint, wenn das mit Rouladen geht, dann auch damit.

Feature Creep? Englisch-Schulaufgabe im Wandel der Zeiten: 1979/1980

Beim Stöbern in meinen alten Schulunterlagen habe ich das hier gefunden:

Schulaufgabenangabe, eine Seite

Es handelt sich allem Anschein nach um eine Nachholschulaufgabe (Schulaufgabe: angekündigte große Leistungserhebung) im Fach Englisch, 6. Klasse. Ich vermute, dass sie für einen anderen Schüler oder eine andere Schülerin angelegt wurde, und der Rest der Klasse das Blatt als Übung erhalten hat. Denn erstens hätte ich dieses Blatt zurückgeben müssen, wenn es sich um eine echte benotete Prüfung gehandelt hätte, und zweitens sehen mir die Rotstiftanmerkungen zu sehr nach meiner eigenen Schrift aus; auch der dicke Filzstift wirkt nicht sehr lehrerhaft. (Andererseits sehe ich auch heute bei der Durchsicht von Kollegen-Schulaufgaben gelegentlich solche Filzstifte, und schaudere.)

Ich habe meinen Englischunterricht in guter Erinnerung. Englisch gelernt habe ich auch, obwohl ich nicht weiß, wie viel meine USA-Besuche und meine Lektüre amerikanischer Comics und später Bücher dazu beigetragen haben; mit den Comics fing ich richtig wahrscheinlich erst in der 7. Klasse an. In der 6. Klasse war meine Zeugnisnote zum Halbjahr: 3, zum Schuljahrsende: 2.

Will heißen: Schlecht war der Unterricht nicht. Pattern drill, keine Fotos in den Büchern, nur blaue und rote Farbe bei den Zeichnungen. Und die Schulaufgaben waren eine Seite lang.

Heute hat eine Schulaufgabe in der 6. Klasse vier Seiten.

In der Softwareentwicklung gibt es das Konzept feature creep: Das eigentlich funktionale Programm kriegt noch ein paar Fähigkeiten mehr, und noch ein paar, bis es unübersichtlich und unnötig umständlich und kompliziert wird. Ist da bei den Schulaufgaben etwas Ähnliches geschehen? Man bemüht sich, darin alles abzuprüfen, was die Schülerinnen und Schüler je gelernt haben könnten. Und ja, lobenswert, es ist gerne mal ein Hörverstehensübung dabei und Gelegenheit zu einer gelenkten, aber doch eigenständigen Textproduktion. Aber das viermal im Jahr, jeweils vier Seiten.

Ich würde gerne sagen, dass das eine schleichende Entwicklung ist, aber das sind bestimmt schon seit 20 Jahren vier Seiten. Wann ist denn das passiert? Und warum? Und ist das wirklich sinnvoll – könnte man nicht auch mal auf zwei Seiten prüfen? Einfach – weniger? Was in der Prüfung von damals sicher fehlt, ist mehr oder weniger frei gestalteter Text; der ist heute immer dabei. Das ist auch gut, aber da könnte man das simple past doch gleich mitprüfen statt separat noch einmal eine halbe Seite dazu.

– Darf ich die Schulaufgabe oben überhaupt veröffentlichen, obwohl der Urheber ein anderer Lehrer oder eine andere Lehrerin ist? Aber ja, entnehme ich dem Heft 3 von Schule & wir aus dem Jahr 2016:

Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen gelten nach der Rechtsprechung nicht als Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (vgl §2 UrhG). Daher genießen sie auch keinen Schutz vor Vervielfältigung, Weitergabe oder öffentlicher Zugänglichmachung. Davon ausgenommen sind Angabentexte zentral gestellter schulischer Abschlussprüfungen wie etwa des Abiturs.

(Ich bin allerdings kein Jurist und kann nichts darüber sagen, wie sehr das auch für eine vor vierzig Jahren erstellte Schulaufgabe gilt.)

Tagebuchbloggen, einen Tag mal jedenfalls (Auberginenscheiben, Irish Pub)

Am Vorabend gab es als Vorspeise überbackene Auberginenscheiben nach einem Rezept von Rachel Roddy. Frau Rau fand sie ganz okay, mir schmeckten sie ganz hervorragend:

Überbackene Auberginenscheiben

  • 1 Aubergine in dünne Scheiben schneiden (5mm), auf Backblech legen
  • mit Olivenöl bepinseln und salzen
  • 2 Mozzarella oder 1 Scamorza in Scheibchen oder Stückchen schneiden und auf den Scheiben verteilen (bei mir war’s jeweils die Hälfte)
  • 1 Zwiebel in dünne Ringe schneiden und auf den Scheiben verteilen
  • 1/2 Sardelle aus dem Glas auf jedes Türmchen legen – oder für Vorsichtige etwas weniger, aber ich fand gerade die Sardellen-Zwiebel-Kombination ausgesprochen lecker
  • darauf ein bisschen frischer Oregano (weil ich den gerade da hatte; passiert nur einmal im Jahr, im Original getrockneter Oregano geht sicher auch),
  • und ein paar Semmelbrösel,
  • und gemahlener schwarzer Pfeffer,
  • und noch etwas Olivenöl.

Das alles bei 200°C für 20 Minuten in den Ofen. Ich hätte gedacht, dass die Auberginen länger brauchen, aber das kommt gut hin. Die Aubergine kommt dabei geschmacklich etwas kurz, die Zweibel-Sardellen-Kombo dominiert, wie man es von der Pizza kennt, aber: sehr lecker.

Am nächsten Tag traf ich mich mit einem Freund zum späten Frühstück im Kennedy’s, einem irischen Pub in der Mitte von München, oder was hier halt so Pub heißt. Mehr Platz, als man meint; vormittags ziemlich leer. Es gibt zum Frühstück aber auch nur ein Gericht, nämlich das irische Frühstück:

Frühstücksteller mit Eiern und Speck

Auch an Tee gibt es nur PG Tips oder halt keinen Tee. White Pudding ist leider keiner dabei (der steht beim Kilian’s, einem vergleichbaren Pub noch mehr in der Mitte von München, zumindest auf der Karte), die Würstchen waren aber authentisch, ebenso der bacon – was man in England und Irland unter diesem Namen zum Frühstück kriegt, hat nämlich wenig zu tun mit dem, was man hierzulande darunter versteht. Kurz gesehen, dass es ein Sunday Special gibt, das ist aber leider auch nur Steak. Für einen kurzen Moment hatte ich auf einen Sunday Roast gehofft, wie es ihn in England am Sonntag in vielen Pubs gibt. (In Irland: Weiß ich nicht.)

Nebenbei erfahren, dass der Freund schon zwei – sich nur sehr mäßig verkaufende – Romane im Kindle-Shop hat, jeweils Alternative History, bei der Deutschland den ersten Weltkrieg gewonnen hat. Mit Raketen. Jetzt muss ich die nur noch finden, unter seinem Namen waren sie nicht da.

Das Ambiente im Kennedy’s ist durchaus angenehm, in dem Bereich, in dem wir uns aufhielten, waren die Wände voller Bücherregale:

Regal mit Büchern

Alle Bücher, die ich ausprobiert habe, waren festgeklebt. Auch die, die horizontal liegen, oder auch nur horizontal auf den vertikal stehenden liegen, weil scheinbar kein Platz mehr für sie war – alles festgezurrt.

– Gut, mehr ein Aufbrauchen der Sommerferienreste als ein echtes Tagebuchbloggen. Aber diesen Ingolstädter Brunnen möchte ich noch festhalten. Die haben sich wohl vor gar nicht so langer Zeit darauf besonnen, dass der Vorläufer des Reinheitsgebots in Ingolstadt erlassen wurde, und sich aus diesem Anlass einen kleinen Brunnen hingestellt, aus dem zu festlichen Anlässen Bier statt Wasser fließt:

Schild am Ingolstädter Bierbrunnen

Ansonsten: Schmerzende Schulter wird langsam besser. In den Ferien war ich ein paar Tage in Berlin, großes Familientreffen. Cousins und Cousinen aus den USA, herzerfrischend. Ich bin da eher schweigsam, aber gerne dabei. Außerdem vorzeigenswertes Outfit gekauft und in einem Hotel gewohnt, dem man schönerweise noch ansieht, dass es ursprünglich ein Stadtbad war – einschließlich Kacheln und Seifenhalter an der einen Zimmerwand.

Übermorgen ist dann der erste Schultag für Lehrer und Lehrerinnen.

Pork Pie, selbstgemacht, erster Versuch

Als Jugendlicher hat mich das Wort „Pastete“ irritiert, vor allem als Übersetzung für das englische pie. Was war an einem apple pie pastetenhaft? Die Pastete, die ich kannte, war eine feinere Leberwurst, nur halt in eckig.

Pasteten werden in Formen gebacken. Die können rund oder eckig sein, mit Deckel oder ohne, mit Teigmantel oder ohne. Auf Deutsch geht das mit der Pastete und der Terrine und der Königin-Pastete und der Wildpastete im Blätterteigmantel arg durcheinander, auf Englisch gibt es pie und paté und pasty, und das verstehe ich. (Obwohl es auch da noch terrine und rillettes gibt, zugegeben.) Jedenfalls würde ich apple pie und pork pie ungerne mit „Pastete“ übersetzen.

Ein Pork Pie ist klein gewürfeltes Schweinefleisch (Salz, Pfeffer, vielleicht Thymian, als Geheimtipp ein paar Tropfen englische anchovy essence) in einer Teighülle, im Ofen gebacken, nach dem Erkalten mit noch flüssiger Schweinesülze (oder Brühe mit Gelatine) aufgefüllt. Wird kalt gegessen.

Ich kenne die aus englischen Supermärkten, esse sie recht gern, und die Lektüre eines noch zu verbloggenden historischen Werks zur englischen Küche hat mich darauf gebracht, sie einmal selbst zu machen. Das ist noch nicht so recht gelungen, aber ich kann schon mal darüber bloggen.

Der Knackpunkt ist nämlich der Teig. Zu Mehl und Salz wird eine heiße Schweineschmalz-Wasser-Kombination gegeben, und der noch warme und formbare Teig wird dann traditionell um einen runden Holzzylinder gewickelt. Füllung rein, Teigdeckel drauf, mit etwas Eigelb festkleben, Loch rein. Das heißt dann raised pork pie. Die meisten heutigen Rezepte nehmen statt des Holzzylinders herkömmliche Förmchen, die – wie man das kennt – innen mit Teig ausgekleidet werden, und in denen der Pie gebacken wird.

Dieses Formen hat bei mir nicht gut geklappt. Zum einen habe ich eine moderne Super-Duper-Holzform benutzt statt eines einfachen Zylinders, und ich bin mir nicht sicher, ob die besser ist. Vermutlich tut es ein großes Glas übrigens genauso. Aber hauptsächlich wird es am Teig gelegen haben: Der war zu weich. Entweder war es das Rezept, oder – wahrscheinlicher – ich habe die Anleitung zu wörtlich genommen und den Teig zu warm verarbeitet. Kälter hätte er vermutlich besser gehalten und weniger an der Holzform geklebt.

Die Holzform und die Füllung:

Pork Pie Form und Fleischmasse

Üblicherweise ist die Holzform ein glatte Zylinder ohne Löcher. Aber hey, habe ich mir gesagt, kaufst du das neuentwickelte Supermodell mit Kerben und Löchern, alles, damit der Teig sich danach besser löst. Ja, Pustekuchen. Das nächste Mal nehme ich auch mal ein Marmeladenglas zum Vergleich.

Hier, arg unglücklich und viel zu niedrig, der Teig zu dick, ein gefüllter Rohling:

Roher, gefüllter Pie

Vier fertige Pies bereit für den Ofen:

Rohe Pies auf Backblech

Vier Pies nach dem Ofen, bereit zur Füllung mit gelierter Schweinsfußbrühe*:

Gebackene Pies mit Einfülltrichter

Ein angeschnittener Pie:

Angeschnittener fertiger Pie

Er hat sehr gut geschmeckt. Einen habe ich eingefroren.

Das Rezept und schöne Fotos von einem richtig gelungenen Pie poste ich, sobald ich solche mal habe. Das Originalrezept für den Teig lautet eh: „1 stone of flour, 4 lb. of lard, 4 pints of slightly salted water“, und muss dementsprechend abgewandelt werden.

*Dabei an das schöne Wort head cheese erinnert worden. So heißt weißer Pressack oder Presskopf oder Schwartenmagen auf Englisch. Sollte man nicht meinen.


Nachtrag: So, jetzt habe ich es noch einmal versucht, und fühle mich schon etwas sicherer. Diesmal habe ich nur einen Pie gemacht – eine gute Idee für den Anfang. Hier wird der Teig um die Holzform gewickelt:

Teighülle um Holzform

Ich glaube, die Superspezialform mit den Schlitzen ist gar keine so gute Idee, eine rein runde Form ist besser. Denn die Hauptschwierigkeit besteht darin, die fertige Teighülle von der Holzform zu lösen, ohne sie wieder zu zerstören. – Der Teig wird flachgedrückt, die Form aufgesetzt, und dann der überstehende Rand nach open getrieben. Schön rund kriegt man die Form, wenn man den Holzzylinder mit dem Teig daran ein wenig über die Arbeitsfläche rollt. Und schön löst sich die Form, vielleicht, wenn man den Holzzylinder innerhalb der Form drehen kann – und das geht mit der Superspezialform gar nicht. Das nächste Mal nehme ich einfach ein Glas.

Immerhin sieht das Ergebnis schon ein wenig besser aus als zuvor:

roher fertiger Pork Pie

Und so gebacken:

fertig gebackener Pork Pie

Aufgeschnitten:

angeschnittener Pork Pie

Der Teig weiterhin zu dick. Vielleicht klappt es nächstes Mal mit einem Glas als Form besser. Man kann natürlich auch eine herkömmliche Backform nehmen und innen mit Teig auskleiden, aber dann ist das kein raised pork pie mehr. Und man kann das auch ohne jegliche Form machen, indem man einen Klumpen Teig aushöhlt oder die Ränder an der Füllung entlang nach oben pappt – heißt es.


Das (überarbeitete) Rezept für 1 Pork Pie aus einer Form von 8,5 cm Durchmesser (Marmeladenglas)

Die Füllung:

  • 180g Schweineschulter (oder anderes Schweinefleisch) in kleine Stückchen schneiden, von so einem guten halben Zentimer Durchmesser
  • dazu eher mehr Salz als wenig, Pfeffer, etwas frischen Thymian (weil der gerade da war, ansonsten irgendwas anderes), ein guter Schuss asiatische Fischsoße als Ersatz für anchovy essence, alles mischen.

Der Teig, für 1 runde Form von etwa 7,5 cm Durchmesser:

  • 150g Mehl und
  • 1 guter halber Teelöffel Salz in eine Schüssel geben,
  • 70g Schweineschmalz und
  • 10ml Wasser in einem Topf erhitzen, heiß ins Mehl geben und (mit einem Holzlöffel) verrühren, dann mit den Händen verkneten, sobald das geht. Das gibt eine weißliche, gut formbare, aber sehr weiche Masse.

Zusammenbau:

  • Möglichst kurz Glatt kneten, dann ein Viertel davon für den Deckel beiseite legen, den Rest ausrollen oder flachdrücken. Dann das Marmeladenglas in die Mitte der Teigscheibe und den Rand an den Seiten andrücken und heraufziehen. Das Glas immer wieder mal drehen, es ist ziemlich schwierig, das Glas herauszukriegen, ohne die eben erstellte Form zu zerstören. Das Glas mit dem Teig auch mal einfach hin und her rollen, das gättet. Aufpassen, dass keine Löcher entstehen, sonst fließt am Ende das Gelee dort hinaus.
  • Mit dem Fleisch füllen; da ich gerne ein bisschen mehr Gelee im Pie habe, packe ich das Fleisch nicht zu dich. Über dem Fleisch muss noch ein Teigrand sein.
  • Diesen Teigrand innen mit verquirltem Ei bestreichen, aus dem Teigrest einen Deckel formen und den auf das Fleisch legen. Andrücken, aber der Teigrand muss weiter überstehen.
  • Den Teigrand nach innen drücken, und zwar mit je einem Finger auf zwei gegenüberliegenden Stellen. Wenn man das ein paarmal ringsum macht, gibt es so eine Art sternförmiges Muster.
  • Ein kleines Loch formen (für den Dampf und um später mit Gelee aufzufüllen) und den Teigdeckel mit dem verquirlten Ei bestreichen.

Eine halbe Stunde bei 180 Grad, dann noch einmal eine ganze Stunde bei 160 Grad backen.

Wenn das ausgekühlt ist, mit ein wenig verflüssigtem Gelee füllen. Ich hatte dazu einen (zersägten) Schweinefuß gekauft und eine Stunde mit einer Karotte und Zwiebel gekocht, und danach wohl noch ein wenig weiter eingekocht und gesalzen – das wird dann im Kühlschrank schön fest, und zum Befüllen erwärmt und verflüssigt man das dann wieder. Alternativ nimmt man Gelatine und gekörnte Hühner- oder Fleischbrühe. Mit einem Trichter füllt man das in das Loch, das man oben gebohrt hat, so dass das flüssige Gelee die letzten Hohlräume füllt und das ganze auch noch ein wenig saftig hält. Wenn der Pie allerdings ein Loch unten hat, dann fließt das Gelee da wieder heraus.

(Die Fischsoße macht keinen echten Unterschied, glaube ich, der Thymian passt aber sehr gut. Mehr Wasser, weniger Schmalz: Geht wohl auch. Und das mit der gelierten Brühe… wenn’s klappt, lecker; wenn’s nicht klappt, auch gut.)

Kommunikation mit Pokémon Go

Bis vorgestern bin ich davon ausgegangen, dass ich weiter die Didaktik-Vorlesung 1 im Sommersemester halten werde. Mein Kollege, der im Wintersemester die Didaktik-Vorlesung 2 hält, hört auf; die Nachfolge war noch unklar. Und jetzt hieß es, dass ich seine Vorlesung übernehmen soll, jetzt gleich im Wintersemester.

Also, inhaltlich ist das okay. Im Sommer macht dann jemand anderes meine Vorlesung 1, wird auch Zeit dafür. Aber es wäre besser gewesen, wenn der Zuständige, der mich fragen sollte, ob ich das überhaupt machen kann oder will, das getan hätte. (Weitere Interna behalte ich für mich.) Immerhin, so musste ich mich nicht auf irgendetwas vorbereiten. Der Zuständige ist gerade im Urlaub, aber zumindest über Pokémon Go erreichbar:

Pokemon-Go-Screenshots

Das unten und oben bin ich, und ich führe als Buddy einen Kindwurm mit mir, das ist das kleine blaue Monster. Nur dass ich meinen Kindwurm umbenannt habe. Dieser Zuständige und ich, wir sind über Pokémon Go befreundet; das heißt, ich sehe, mit welchem Buddy-Tierchen er gerade herumläuft, und er sieht meines. Also habe ich meinen umbenannt, und er dann seinen, und ich dann wieder meinen. So kann man immerhin ganz kurze Textnachrichten austauschen.

Natürlich hätte ich auch eine E-Mail schreiben können. Aber dann hätte ich meinen Unmut nicht für mich behalten können.

Lord Dunsanys Gürtel

Einschusslöcher an Dubliner Hauptpostamt
Einschusslöcher an Dubliner Hauptpostamt

In Dublin machten wir eine Führung zum Easter Rising mit. Das waren sechs Tage Aufstand in (hauptsächlich) Dublin; das Hauptpostamt wurde besetzt und zum Hauptquartier des Aufstands. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, die 15 Anführer hingerichtet – was wiederum zu Wahlgewinnen für die Unabhängigkeit fordernde Partei Sinn Féin im (englischen) Parlament führte, dann einer Unabhängigkeitserklärung, dem Krieg danach. Nicht gewusst hatte ich, dass eigentlich ein irlandweiter Aufstand vorbereitet war, der dann aber wegen mehrfacher Kommunikationsprobleme doch weitgehend auf Dublin begrenzt war.

Ein englisch-irischer Autor jener Zeit, den ich sehr schätze, ist Lord Dunsany – Edward John Moreton Drax Plunkett, 18. Baron Dunsany; Betonung auf der langen zweiten Silbe, mit Diphtong; aus bekannter, verzweigter und reicher irischer Familie. Ich wollte wissen, wie er sich eigentlich während des Osteraufstands verhalten hatte. Also schlug ich bei Wikipedia nach.

Er war im Militär, aber gerade im Urlaub; fuhr trotzdem gleich nach Dublin, um (den Briten) zu helfen, wurde verwundet, dann aus dem Krankenhaus entlassen. Und dann steht bei Wikipedia, ohne Quellenangabe:

His military belt was lost in this episode and was later used at the burial of Michael Collins.

Michael Collins ist ein Nationalheld, Führer des Unabhängigkeitskampfes, und starb 1922 in einem Feuergefecht im irischen Bürgerkrieg. Was niemanden auf Wikipedia verwundert, mich aber schon: Wie kommt Lord Dunsanys Gürtel, von dem wir zuletzt 1916 gehört haben, sechs Jahre später zur Beerdigung von Michael Collins?

Dunsany beschreibt diese Tage in dem ersten seiner drei schmalen Bändchen Autobiographie. Ich habe nur den zweiten Band im Regal, aber auf Lord Dunsany in the Great War werden Dunsanys Erfahrungen beschrieben, mit vielen Zitaten aus der Autobiographie. Anscheinend steht in dieser aber nichts von dem Gürtel, auch eine Google-Books-Suche im (nicht öffentlich zugänglichen) Scan nach „Belt“ bringt kein Ergebnis. Genannt wird in dem Blogeintrag allerdings eine Seite aus der Dunsany-Biographie von Mark Amory, und die habe ich im Regal:

A curious postscript was told to him [Dunsany] long afterwards by a doctor who necessarily knew many of the secrets of both sides. Dunsany’s Sam Browne belt was taken from him by the Sinn Feiner who delivered him to the hospital. Seven years later when Michael Collins, the Nationalist leader, was murdered, it chanced to be lying around and Collins was laid out and buried with it. (Mark Amory, Lord Dunsany: A Biography. London: Collins, 1972, p. 129)

Das war’s. Keine Quelle angegeben. „It chanced to be lyring around?“ Das klingt recht unwahrscheinlich, aber hey, das ist Irland, das passieren unwahrscheinliche Dinge, und Irland ist klein. Der nächste Schritt wäre, sich Michael Collins vorzunehmen und die Umstände seiner Beerdigung. Wikipedia dazu:

The body was first presented at Shanakiel Hospital in Cork, a small military establishment, and then shipped around the coast to Dublin where it was laid out in St Vincent’s Hospital Dublin. From there it was removed to the City Hall beside Dublin Castle where it was laid in state.

In keiner der Biographien, die mir über die Google-Büchersuche zugänglich waren, habe ich etwas zum Gürtel gefunden. Nur sehr gelegentlich wird Amory zitiert. (Viele Bücher sind bei von Google eingescannt und zwar nicht als Ganzes zugänglich, können aber nach Wörtern durchsucht werden.)

Sicher ranken sich um Michael Collins auch viele Legenden. Ist das eine davon? — Ich habe den Historiker, der die Easter-Rising-Tour geleitet hat, angeschrieben; er kennt einen Michael-Collins-Spezialisten und will es diesem weiterleiten. Wenn etwas herauskommt, hänge ich das hier an.

„Das finde ich schon sehr stark übertrieben!“ (Meine Aufsätze aus der vierten Klasse)

Wo ich gestern über effekheischende und sensationslüsterne Literatur geschrieben habe: Hier sind, beim Aufräumen gefunden und eingescannt, einige meiner Aufsätze aus der vierten Klasse, 1977/1978. Überrascht hat mich, dass die meisten Aufsätze in zwei Fassungen im Heft stehen, einer ersten und einer verbesserten. Außerdem habe ich viel mit Bleistift geschrieben, das muss wohl so verlangt gewesen sein.

Man merkt vielleicht, dass ich schon damals ein fleißiger Leser und Filmeschauer war. Und Terroristen hat es damals schon gegeben.

Aufsatz aus der Grundschule

Aufsatz aus der Grundschule

Aufsatz aus der Grundschule

Weird Menace: Spicy Mystery Stories August 1935

Die pulp magazines, das war eine Art seichte Unterhaltungsliteratur der USA hauptsächlich in den 1920er bis 1940er Jahren, abgelöst dann durch die Comic-Hefte. Ihren Namen haben die Magazine von dem billigen, holzhaltigen Papier, auf dem sie gedruckt waren, mit „wood pulp“ als Ausgangspunkt. Das Gegenstück waren die seriösen Magazine für Hausfrau und Hausmann auf teurerem Papier, die slicks.

Pulps gab es in allen möglichen Genres und Subgenres – Horror, Krimi, übermenschliche Verbrechensbekämpfer, Western, Liebesgeschichte, Science Fiction. Science Fiction auf der Erde, auf anderen Planeten, mit Raumschlachten oder mit Außerirdischen, technisch, weniger technisch – sehr auf den diskriminierenden Kunden ausgerichtet. Ganz ohne Sex oder mit ein bisschen Sex, das heißt: heftig wogende Busen und halbdurchsichtige Gewänder. Das gab es vor allem bei den Spicy Pulps aus dem Haus Culture Publications: Spicy Adventure Stories, Spicy Detective Stories, Spicy Mystery Stories, Spicy Western Stories.
Titelbild Pulp-Magazin

Anfang der 1930er brachten einige reguläre Detektiv-Pulps Geschichten mit übernatürlichen, bedrohlichen Geschichten; das kam an, ein neues Genre war geboren, und damit eine neue Reihe von Magazinen. Die Detektiv-Pulps kehrten zu ihren regulären Geschichten zurück oder stellten wie Dime Mystery (Book) Magazine ganz auf die neue Mode um. Diese Genre nannte man shudder pulps oder weird menace oder the weirds. Da ging es um sinistre Verbrechen, fehlende Körperteile, Entführung, Folter – eher unangenehmes Zeug. Ich habe eine Anthologie davon; deprimierende Lektüre.

Ein wenig besser – aber immer noch schlecht – ist die spicy Variante davon, und da habe ich gerade eine Faksimile-Ausgabe von Spicy Mystery Stories Vol I, No. 4, August 1935 gelesen. Hier die Geschichten darin:

(1) Robert Leslie Bellem, „The Executioner“

Enttäuschend, Bellem ist sonst einer der angenehm übertrieben blumigen Autoren. Hier eine schlichte Geschichte um den New Yorker Gerard, der einen Unfall erleidet und danach den Geist mit seinem ihm unbekannten eineiigen Zwillingsbruder Gerhardt (Scheidung, Emigration, Trennung der Kinder) in Deutschland taucht, der dort für Hitler als amtlicher Scharfrichter arbeitet und dazu gezwungen wird, seine Geliebte hinzurichten. (Die Zwillingstauschgeschichte ist völlig unnötig für die Handlung; in Deutschland ist Gerard auch nur ein bisschen ein verwirrter Gehrhardt. Am Ende sind beide tot.)

(2) Atwater Culpepper, „The Isle of the Restless Dead“

Schatzsuche mit einer kleinen Crew, Meuterei, verführerische exotische Frau (aber dazu mehr in späteren Geschichten), eine Bambuskathedrale eines wahnsinnigen Missionars, Juwelen. Ich kann mich an nicht viel erinnern aus dieser Geschichte; das spricht eher für sie. Ein paar Tahitianische Fremdwörter dazwischen, also nicht alles verloren.

(3) Ellery Watson Calder, „Cats of Cassandra“

Eine Wahrsagerin und cat lady erzählt ihrem Gast, der in Wirklichkeit ein Räuber ist, die Geschichte von Homers Kassandra, hat dann Sex mit ihm. Als sie sich in eine Katze verwandelt, tötet er sie, worauf er dann wiederum von ihren Katzen gefressen wird.

(4) Carl Moore, „Mate for Medusa“

Wir begeben uns zum ersten Mal in echtes weird menace territory. Ein Reporter besucht das Labor eines exzentrischen weltberühmten Chirurgen, das sich inmitten eines Sumpfes vor der Stadt befindet. Der hält seine Schwägerin gefangen, nachdem seine Frau – ihrer Schwester – Opfer seiner Experimente wurde. Der Reporer ertastet den Puls der Schwägerin:

There was no mark to mar the unflecked perfection of her loveliness; the racing heart-beat burning through soft flesh into the palm of his questing hand proved she had merely fainted.

Overwritten, much? Die Erwachte berichtet davon, wie sie davor schon mal erwacht war, weil sie von einem fremden Mann – eben nicht befingert wurde, denn:

The fumbling, passionate digits that swept across burning breasts, caressing he vibrant flesh, were not fingers. They were toes!

Kursiv im Original. Der verrückte Chirurg hat einem Patienten die Arme abgenommen und sich und seinem – schwarzen – Unterling jeweils einen dritten Arm verpasst. Der Armlose macht sich wieder an sein Opfer:

Seeking, probing toes skimmed caressingly over every curve of her round hips, across those tapering thighs so white in the moonlight

Den Rest der Beschreibung schenke ich mir. Die Frau des Doktors lebt noch, ist aber zu einer grotesken Riesing verformt; seine Assistenten lehnen sich aus niederen oder nicht niederen Gründen gegen ihn auf; die Helden werden gerettet und auch für die Ehefrau gibt es wohl noch Heilung.

(5) E. Hoffmann Price, „Naga’s Kiss“

Eine fast schon brauchbare Geschichte. Burma; der weiße Finlay unter abergläubischen Eingeborenen, unterstützt von seinem treuen Sikh-Gefährten. Eine Riesenschlange macht das Dorf unsicher, oder vielleicht ist es ein Schlangendämon? Eine geheimnisvolle Frau erscheint in manchen Nächten und verführt Finlay. Ist sie in Wirklichkeit das Schlangenmonster? Nein, stellt sich heraus, ist sie nicht, aber sie ist ein anderes Schlangenwesen. Am Ende tötet der Sikh die Schlangenfrau. – Interessant ist, wie sie im Bettgeflüster versucht, Verständnis für die Schlangenwesen zu erwecken.

(6) Jerome Severs Perry, „Dead Legs Walk“

Wieder weird. Ein Paar nackter wandelnder Frauenbeine – ohne Körper darüber – erschreckt den Zeitungsmann Dexter im nächtlichen Schlafzimmer; als der Licht macht, liegen zwei amputierte Frauenbeine und ein Drohbrief auf dem Boden: Er solle sich heraushalten, sonst gehe es ihm und den Beinen seiner Verlobten Doris schlecht; gez. The Doctor of Death.

Doris wohnt mit ihrer Halbschwester und dessen Ehemann zusammen. Ihr französisches Dienstmädchen ist verschwunden. Die Polizei wird verständig, die amputierten Beine sind verschwunden. — Der Drohbrief kann nur von Professor Astro kommen, einem Scharlatan, gegen den Dexters Zeitung eine Kampagne führt. Dexter dorthin:

The place was a brooding, rococo frame structure overshadowed by ancient, gnarled trees that wispered with a thousand sinister tongues in the night wind. Grotesque wooden ornamentation, twisted carvings, rotting and weather-decayed filigrees marked every inch of the black facade of the house; shuttered, unlighted windows loomed liked close eyes of a corpse. […] A malevolent, noxious atmosphere of foreboding permeated the very air that surrounded the house. In the trees above Dexter’s head, a bat flitted eerily… An owl hooted…

Das ist schon sehr viel sinistre Atmosphäre auf einmal. Zu viel, das ahnt der geübte Leser bereits: Professor Astro ist unschuldig, auch wenn die Leiche des Zimmermädchens bei ihm gefunden wird:

Her nude body gleamed whitely in the bluish light; her breasts, firm and heavy and crimson-centered[,] were rounded melons of pathetic, lifeless beauty.
And her swelling white thighs ended horribly in blood-raw, hacked ends of flesh from which pinkish bones protruded nauseatingly…

Es war wieder der Schwager, und alles nur ein elaborierter Plan.

(7) Don King, „Hell Hole of Horror“

Die Zirkusbesitzerfamilie Elkins scheint verflucht; es verschwinden im Lauf von Jahren mehrere ihrer Kinder. Der Polizist Lane ermittelt auf eigene Faust; die Spur führt in den Black Forest, wo es Schlangenspuk gibt und er eine exotische Schöne trifft:

It was already too dark to see the feminine ripeness that was so rapturously soft against him, but Lane’s sense of touch was keen enough to appreciate each quivering hill and each undulating valley of her figure.

Man möchte sich waschen nach der Lektüre. Auffällig die Metaphorik aus der Geologie, mit der hier Frauenkörper beschrieben werden. (Ein paar Zeilen davor erscheint noch „firm hillocks“.) Aufgeräumt aund aufgeklärt wird alles hektisch auf der letzten Seite der Geschichte: Böse alte Frau entführt Elkins Kinder und wandelt sie in Schlangenwesen um, die sie dann als Freaks an Zirkusse verkauft, um sich zu rächen. Stirbt an ihren eigenen Schlangen.

(8) Charles R. Allen, „Out of the Tomb“

Martin, Reporter, kriegt mit, wie im Hotelzimmer nebenan die schöne Helen einen kryptischen Drohbrief kriegt; als sie zum angeführten Ort fährt (einem örtlichen Friedhof mit Vampirlegenden), folgt er ihr heimlich mit dem Betreiber des Hotels, Costigo. Damit ist für erfahrene Leser alles klar. Auf dem Friedhof ist es unheimlich, am Ende stellt sich heraus, dass Costigo der unbekannte Mann war, der Helen und ihren Vater epresst hat (der war mit „Hasheesh“ willenlos gemacht worden). Costigo wird erschossen. – Eine zivile Geschichte, keine zu übertriebenen Stellen, nichts Unappetitliches, auch die Frauenkörperbeschreibung hält sich in Grenzen. Bin ich schon mal dankbar für.

(9) Charles A. Baker, Jr., „Bride of the Serpent“

Hier merkt man, dass die Autoren nach Wortzahl bezahlt wurden. Sich wiederholende Beschreibungen, die nichts zur Wirkung beitragen. – Sandra und ihr Ehemann Clive sind irgendwo in einem für sie exotischen Land; wir erfahren nicht mal einen Namen, aber es gibt natives und tropical heat. Die beiden besuchen Clives Cousin Malik, dessen Haus ganz im Schlangenmotiv gehalten ist: Teppich, Wandbehänge, Kaminsims, Feuerzangen, Leuchter. In der Nacht geht Sandra wie hyptnotisiert in das Haus, trifft eine Riesenschlange, liebkost sie auf metaphorisch auffällige Weise, bevor Clive die Schlange erschießt – und das Haus anzündet, denn der Schlangenleichnam war verschwunden; stattdessen lag dort Maliks toter Körper!

(10) Arthur Wallace, „Death Vault of Venus“

Ein frisch verheiratetes Paar im Bus Mailand-Rom. Der hat einen nächtlichen Unfall; in Begleitung eines anderes Fahrgasts, Dr. Vecchio (sic) suchen sie das in der Nähe gelegenen Haus von dessen Bekannten auf, Dr. Cagliostro (sic). Gruselschloss mit groteskem Zweg Ubaldo, mit Stiletten. Als wär seit Ann Radcliffe und der gothic novel nichts passiert. Vecchio ist ein ehemaliger Kollege von Cagliostro, der ein wahnsinnsiger, mordender Wissenschaftler, der dessen Frau und Tochter gefangen hält. Er wird überwältig.
Zuerst wollte ich lobend die Brocken Italienisch erwähnen, die man in der Geschichte aufschnappen kann, aber non podemos liberarnos kam mir recht Spanisch vor.


Zum Format: Alle Geschichten beginnen auf einer geradzahligen Seite, also links; so kann man auf die ersten Seiten jeder Geschichte eine große, über zwei Seiten gehende Illustration platzieren. Nach acht oder zwölf Seiten wird die Geschichte abgebrochen, falls sie nicht gerade zu Ende ist, damit die nächste Geschichte wieder auf einer Doppelseite beginnen kann; die letzten ganzen oder halben Seiten der ersten Geschichte stehen viele Seiten später am Ende des Magazins („Continued on page 118“).

Auffälliges: Der Held ist stets ein Mann; gibt es einen zweiten Mann als Nebenfigur, stellt sich dieser am Ende als der drahtziehende Schurke heraus. Eine Ausnahme ist (5), aber vielleicht zählt ein Sikh nicht als ebenbürtig. Der Mann besiegt das Böse stets, mit Ausnahme von (1) und (3) – in der letzten Geschichte ist das aber auch kein Held, sondern ein Räuber; und auch in diesen Geschichten stirbt – wie in allen – der Schurke. (3) und (5) sind die einzigen Fälle, in denen sich die Frau als zumindest teilweise böse herausstellt; sonst ist sie Opfer und muss gerettet werden. Die Frau ist entweder bereits mit dem Mann liiert (6, 9, 10) oder die beiden werden nach der Rettung ein Paar (2, 4, 7, 8). Zweimal hat die Frau eine Schwester oder Halbschwester (4, 6), das ermöglicht, diese stellvertretend für die Frau zum Opfer oder zur Mittäterin zu machen. Wissenschaft taucht als Chirurgie auf und ist gefährlich (4, 10). Verwirrspiel um Körperteile gibt es in (4) und (6).

Siehe auch: Ignaz Ferdinand Arnold, Der Schwarze Jonas (Blogeintrag) – das Äquivalent aus der deutschen Räuberromantik.