Moriturilyrik

Audioaufnahme: Unten kann man mitlesen. Spaß und Husten gehabt während der Aufnahme. Ehrlich, beim Aufnehmen klang das total over the top, aber das Ergebnis selber klingt relativ zahm. Da hätte ich an einigen Stellen noch mehr aufdrehen können. Na, ich hab so schon den Monitor ziemlich vollgespuckt. Der Unterschied zum Original ist natürlich der, dass Heinrich V mit in die Schlacht zieht, deshalb musste ich die vielen “wir” und “uns” im Text ersetzen; außerdem geht es bei Shakespeare nur um Männer, auch das passt nicht. Originalübersetzung von August Wilhelm von Schlegel hier. Ob es sinnvoll ist, die Schulen offen zu …

Freie Fahrt für freie Lehrer: Twitterdiskussionen

Wenigstens weiß ich jetzt, was mich dazu bringt, mich auf Twitterdiskussionen einzulassen. Hintergrund ist vordergründig die Diskussion um den Datenschutz, im Mittelgrund geht es um die Frage, ob man an Schulen mit Microsoft Teams arbeiten soll oder nicht (in Bayern eine durch Entscheidungen des Kultusministeriums akute Frage), und tatsächlich geht es ums Rechthaben und Haltungen. Auslöser war dieser Tweet des geschätzten Tobias Schreiner, Schulleiter, Bayern, mit digital sehr aktiver Schule: Die Aufforderung, irgendetwas zu facen, reizt mich oft und reizte mich auch hier zum Widerspruch, und wir diskutierten mittel- oder vielleicht nur viertelheftig. (Also, eigentlich streitet man auf Twitter und …

Distanzunterricht in Bayern – Rahmenkonzept (01.09.2020)

Auf den Seiten des Kultusministerium findet sich eine einseitige Kurzfassung (pdf) eines längeren Dokuments, das man da und dort im Web findet; ich weiß aber nicht, ob es wirklich öffentlich ist. Dieses Dokument legt für das kommende Schuljahr fest, wie die Schulen damit umgehen sollen, wenn Schulgebäude aufgrund der Pandemie ganz geschlossen werden müssen oder der Unterricht nur in halben Klassen stattfinden kann. Zusammengefasst: Das Rahmenkonzept für den Distanzunterricht ist ein bisschen enttäuschend, aber ich hätte es vermutlich nicht anders gemacht. 1. Der Rahmenplan für den Distanzunterricht orientiert sich grundsätzlich am Stundenplan für den Präsenzunterricht. “Grundsätzlich” mag ich, das lässt …

Neue Oberstufe in Bayern; Süßigkeiten aus Weißrussland

1. Die neue Oberstufe Bayern stellt ja gerade wieder von acht- auf neunjähriges Gymnasium zurück, mit mittlerem Schulabschluss nach der 10. Jahrgangsstufe, Oberstufenreife nach der 11. Jahrgangsstufe. Die soll wohl eine Art Festigungs-/Wiederholungs-/Orientierungsstufe sein, die man wohl nicht getrost, aber doch möglichst glimpflich überspringen können soll – das ist auch das Feigenblatt für das Abitur im eigenen Tempo, damit niemand sagen können soll, das mit dem achtjährigen Gymnasium sei keine gute Idee gewesen. Gestern sind erste Eckdaten für die Jahrgangsstufen 12–13 veröffentlicht worden: Eine Rückkehr zu zwei Leistungskursen gibt es nicht, allerdings wählt jeder Schüler und jede Schüler ein Fach …

Historische Lehrpläne (Bayern)

Das waren die Lehrpläne am bayerischen Gymnasium, die ich miterlebt habe: Fettgedruckt in der rechten Spalte heißt: Abiturjahrgang. Im Schuljahr 2024/25 gibt es gar keinen*, im Jahr 2010/11 gab es zwei davon. Die mit x markierten Zellen am Anfang sind meine eigene Schulzeit; die fett und kursiv markierten Zellen in den Jahren 1995–1998 sind meine Referendariatszeit und die Jahrgangsstufen, die ich da unterrichtete – zum Teil eben wohl noch nach dem alten curricularen Lehrplan meiner Jugend. *Nachtrag: Auf Twitter bin ich auf den Schulversuch “Mittelstufe Plus” hingewiesen worden, den es 2015/16 und 2016/17 gab. Die Schüler und Schülerinnen, die daran …

Hausaufgaben, die gar nicht so gemeint sind

Wenn am Ende der Lehrprobe die Schüler und Schülerinnen die Hausaufgabe gestellt kriegen, wissen sie genau, dass sie die dann doch nicht zu machen brauchen. Oft ist sie ja eh von einer Form, die bisher noch nie da gewesen war, sie ist ja auch eher für die Seminarlehrer gedacht. Auch Lehrer kriegen manchmal solche Anweisungen. Gerne fangen die an mit “Wie Sie alle wissen” (ein Signalwort dafür, dass man vergessen hat, rechtzeitig an eine Sache zu erinnern), aber auch so ist manchmal klar, dass man diese Anweisung nicht so ernst nehmen muss wie andere. Details sind hier leider nicht möglich. …

Das Internet ist nicht mehr böse

Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache schreibt anlässlich der Verleihung der Goldenen Blogger, dass sich die Wahrnehmung von Blogs geändert hat: Die Presse beschmäht sie nicht, sondern interessiert sich dafür. Selber fällt mir auf, dass in der Tagesschau regelmäßig von Twitter die Rede ist, mehr noch als von Facebook. (Gut, das liegt an Trump.) Und vor ein paar Tagen war ich auf einer Fortbildung, wo ich mich ins Jahr 2005 zurückversetzt wähnte: Das Internet war plötzlich kein Ort des Bösen mehr, sondern auch ein Ort der Verwirklichung, der Kommunikation und Zusammenarbeit. Das war ja bereits die Sicht der Minderheit, die 2005 …

Meinst, sagst was bleds, triffst

Vor ein paar Monaten habe ich mal auf einen Tweet geantwortet mit einem anderen Tweet, thematisch passend, aber darum geht es nicht: Und dazu ist Schule ja da: Schöne Erinnerungen zu schaffen! Der Tweet ist auch geliked worden, nicht oft, aber doch ein paar Mal. Ich weiß nicht, ob allen klar war, dass ich das ironisch gemeint habe. Ich weiß auch nicht, ob ich wollte, dass meine Ironie erkannt wird. Jedenfalls glaube ich nicht, dass es die Aufgabe der Schule sein sollte, dafür zu sorgen, dass Schülerinnen und Schüler schöne Erinnerungen haben. Ich glaube, dass Kinder und Jugendliche möglichst viele …

Abitur 2017: Neue Termine

Das Abitur in Bayern: Es wird zentral gestellt, aber an den Schulen vom jeweiligen Fachlehrer korrigiert; eine zweite Lehrerin an der Schule ist Zweitprüferin der Klausuren; die beiden einigen sich auf eine Note. (Können sie sich nicht einigen, wird ein dritter Prüfer herangezogen.) Es gibt in drei Fächern schriftliche Klausuren, im Anschluss daran mündliche Prüfungen in zwei Fächern. Die erste der schriftlichen Prüfungen war traditionell Deutsch, vielleicht aus historischen Gründen, vielleicht weil die Korrektur dieser Aufgaben am längsten dauert. Inzwischen ist die Reihenfolge aber offen, und das liegt daran, dass immer wieder Teile der Aufgaben bundeslandübergreifend gestellt werden. Und damit …

Digitale Strategie der KMK (Dezember 2016)

Bildung ist Ländersache, der Bund darf da auch gar nicht mithelfen; Ausnahmen von diesem „Kooperationsverbot“ gibt es nur ganz wenige, insbesondere darf – und das ist ja gerade im Geschehen – der Bund Geldmittel zum Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung stellen. Damit nun nicht alle Länder ohne Rücksicht auf die anderen machen, was sie wollen, gibt es die Kultusministerkonferenz: Dort sprechen sich die Länder ab und beschließen gemeinsame Vorgaben – wie viele Unterrichtsstunden Schüler bis zum Abitur hinter sich gebracht haben müssen; gemeionsame Bildungsstandards (zumindest in einigen Fächern); was im Abitur in den einzelnen Fächer drankommen muss (EPA – einheitliche …