„Es sieht derzeit so aus, als ob die Lehrer die Schüler unzureichend motiviert hätten“

So laut Presse der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger. Es geht um die private Fachoberschule in Schweinfurt, an der fast ein kompletter Jahrgang durchs Fachabitur gefallen ist. Dafür gibt es sicher viele Gründe, naheliegend scheinen mir Fehler bei der Schulaufsicht, der Schulleitung und den Lehrern zu sein, möglicherweise auch bei den Schülern; dazu weiß ich zu wenig. Aber es sollte nicht Aufgabe der Lehrer sein, diejenigen Schüler, die ein Abitur oder Fachabitur wollen, dazu zu motivieren. Zumindest am Gymnasium sollen laut Lehrplan ohnehin nur Schüler sein, „die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für … Continue reading „„Es sieht derzeit so aus, als ob die Lehrer die Schüler unzureichend motiviert hätten““

Informatik als Schulfach?

Der Haltungsturner beklagt, dass seine Kinder kein Schulfach Informatik haben. Er hält Smartboards und Tablets und Suchstrategien im Web für wichtig und wünscht sich mehr davon, bemerkt aber, dass das nichts mit Informatikunterricht zu tun hat. Manche der Kommentatoren dort, wenn ich sie denn recht verstanden habe, sehen eher die Notwendigkeit für eine neue Art Medienerziehung. Dass die jungen Leute mit einem Wiki umgehen können. Sachen suchen können im Web. Das halte ich alles auch für wichtig. Das sind moderne Arbeitstechniken, die man beherrschen sollte. Dafür ein eigenes Fach „Medienkunde“ einzurichten, wie es gelegentlich gefordert wird, halte ich für überflüssig. … Continue reading „Informatik als Schulfach?“

Abitur, Berufsinfomessen, Krimskrams

Diese Woche: Elternsprechabend, angenehm und entspannt. Keine schwierigen Themen diesmal. Dann war da noch die Einschreibung für zukünftige Fünftklässler – immer wieder spannend: mehr Schüler, weniger Schüler, mehr mit Probeunterricht oder weniger? (Probeunterricht: An dem kann jeder Grundschüler teilnehmen, egal was er für Noten hat. Wer den besteht, kann auch ohne Gymnasialempfehlung aufs Gymnasium.) Und es gab die letzten Stunden vor dem Abitur. Seit zwei Wochen müssen die Schüler nur noch in ihren Abiturkursen erscheinen. Manche Jahrgänge fangen erst jetzt das Mitarbeiten an, andere sind von Anfang an fleißig dabei. In meinen Kursen müssen Schüler zu einer Nachprüfung, wenn sie … Continue reading „Abitur, Berufsinfomessen, Krimskrams“

Leonie Zoch, Weniger ist mehr

Leonie Zoch hat 2011 am Gymnasium Ottobrunn bei München mit dem ersten G8-Jahrgang Abitur gemacht und darüber ein Buch geschrieben: Weniger ist mehr. Ein Insider über das G8 und das Abitur. Als book on demand ist es in jeder Buchhandlung bestellbar, normaler Taschenbuchpreis, knapp 90 Seiten ohne Anhang. In zehn kurzen Kapiteln teilt Zoch ihre Meinung und Erfahrungen zu Themen wie „Richtiges Lernen“, „Schummeln“, „Nachhilfe“ oder „Vorbereitung auf das Abitur“. Zoch empfiehlt ein gesundes Selbstbewusstsein für Schüler, dann traue man sich auch, Antworten zu geben, ohne von deren 100%-iger Korrektheit überzeugt zu sein. Neu war mir der Tipp, dazu ab … Continue reading „Leonie Zoch, Weniger ist mehr“

Links

1. Warum ich nie in die GEW eintreten kann. Weil die solche Pressemitteilungen macht: „Bayern isoliert sich schulpolitisch immer mehr!“ Was sich nach einer kühnen Aktion Bayerns anhört, ist lediglich Folgendes: Baden-Württember ist empfohlen worden, nicht mehr für Grundschule/Realschule/Gymnasium auszubilden, sondern für Klasse 1-4, Klasse 5-10 und Klasse 11-12/13, unabhängig von Schularten. Selten so unseriöse Argumentation gelesen wie dort. Zum selben Thema kommentiert Johann Osel in der Süddeutschen, dass die Furcht vor dem Ende des Gymnasiums unbegründet ist. Und zwar deshalb, weil es das Gymnasium, so wie man es sich früher vorgestellt hat, eh nicht mehr gibt – das mit … Continue reading „Links“

Das Flexibilisierungsjahr

In der Zeitung standen heute Informationen über das Flexibilisierungsjahr, das ab nächstem Schuljahr kommen wird, und das *keine* heimliche Rückkehr zum G9 ist. Ich betone das nur, weil das unser Unterrichtsminister extra so verstanden haben will, laut Presse. Mit uns redet er ja nicht. Wir Lehrer sind immer etwas pikiert, wenn wir von solchen Reformen erst aus der Zeitung erfahren. Allerdings – und das meine ich jetzt sogar ernst – gibt es wohl wirklich keine Grund, uns vor der Presse zu informieren. Mit Fachleuten, darunter auch Lehrervertretern, sind die Neuerungen ja theoretisch besprochen worden; unsere Meinung wird also ohnehin jetzt … Continue reading „Das Flexibilisierungsjahr“

Bildungspolitisches aus England

In England habe ich fleißig Zeitung gelesen, und da geht es gerade viel um den Bildungsminister, Michael Gove. Dessen Änderungswünsche im Schulsystem stoßen auf Widerstand. Einmal geht es um die Einführung neuer Abschlussprüfungen, bei denen Gove vorläufig gescheitert ist. Dann geht es um den neuen Lehrplan, etwa im Fach Geschichte: Dort soll es wieder mehr um Fakten gehen und weniger um Kompetenzen. Weniger Quellenanalyse, weniger Europa, dafür mehr England, und mehr heroische Figuren aus der englischen Geschichte. Außerdem gibt es Klagen von den Fachleuten aus dem Ministerium über ihn und seinen Umgangston und seine inhaltliche Politik („Dump F***ing Everyone“). Ein … Continue reading „Bildungspolitisches aus England“

Über das Notengeben & querulante Lehrer

Ein beliebtes Aufsatzthema in der frühen Mittelstufe ist die Frage, ob man Noten in der Schule abschaffen soll. Die Schüler sind massiv dagegen, Eltern sicher ebenso; nur die Lehrer träumen gelegentlich davon, wie schön eine Schule ohne Noten wäre. Für Lehrer sind Noten das, was ihnen in der Schule am schwersten fällt, was der anstrengendste Teil des Unterrichts ist. Wenn ihr etwas gegen Noten habt: Mich habt ihr auf eurer Seite. (Allerdings ist das lästige Notengeben, das ständige Treffen von Entscheidungen, auch ein Grund dafür, warum wir relativ gut bezahlt werden.) Noten haben, hat man mir beigebracht, mehrere Aufgaben: Rückmeldung … Continue reading „Über das Notengeben & querulante Lehrer“

„Mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort – Die Eigenverantwortliche Schule in Bayern“

Pressemitteilung des Kultusministeriums. Wenn das Kultusministerium mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort möchte, hätte es das schon lange haben können: Keine Schreiben, in denen mir mitgeteilt wird, wie viele Übungsaufsätze ich zu schreiben lassen habe, oder wieviele Prüfungen. Keine Schreiben darüber, ob ich Diktate schreiben darf oder nicht. Keine Schreiben dazu, wie kontextbezogen Vokabelabfragen im Fremdsprachunterricht sein müssen. Keine Anweisungen, ob ein Test im Umfang eines Jahrgangsstufentests vom Anspruch im Bereich einer Schulaufgabe einzuordnen ist. Deswegen macht Kultusminister Spaenle ja auch klar: „Die Eigenverantwortliche Schule ist keine autonome Schule.“ Die wichtigen Entscheidungen werden zentral getroffen. Tatsächlich geht es vielleicht nur … Continue reading „„Mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort – Die Eigenverantwortliche Schule in Bayern““

Modus F, oder die mittlere Führungsebene und die eigenverantwortliche Schule

An einem Gymnasium mit 100 Lehrern gibt es nur einen Vorgesetzten: den Schulleiter. Unterstützt wird der durch, sagen wir mal, drei Mitarbeiter in der Schulleitung. Aber nur der Schulleiter beurteilt die Leistungen der Lehrer, repräsentiert die Schule nach außen, ist verantwortlich und trifft Entscheidungen – und kann mir etwas anschaffen. Dafür ist der Schulleiter in der Gehaltsstufe A16, die anderen Lehrern – und da geht es uns gut, ich weiß – sind am Anfang A13, später A14, und wer eine der begehrten Funktionsstellen erhält, wird früher oder später meist auch A15. Nun gibt es etwa doppelt so viele Funktionsstellen wie … Continue reading „Modus F, oder die mittlere Führungsebene und die eigenverantwortliche Schule“