Das Flexibilisierungsjahr

In der Zeitung standen heute Informationen über das Flexibilisierungsjahr, das ab nächstem Schuljahr kommen wird, und das *keine* heimliche Rückkehr zum G9 ist. Ich betone das nur, weil das unser Unterrichtsminister extra so verstanden haben will, laut Presse. Mit uns redet er ja nicht. Wir Lehrer sind immer etwas pikiert, wenn wir von solchen Reformen erst aus der Zeitung erfahren. Allerdings – und das meine ich jetzt sogar ernst – gibt es wohl wirklich keine Grund, uns vor der Presse zu informieren. Mit Fachleuten, darunter auch Lehrervertretern, sind die Neuerungen ja theoretisch besprochen worden; unsere Meinung wird also ohnehin jetzt …

Bildungspolitisches aus England

In England habe ich fleißig Zeitung gelesen, und da geht es gerade viel um den Bildungsminister, Michael Gove. Dessen Änderungswünsche im Schulsystem stoßen auf Widerstand. Einmal geht es um die Einführung neuer Abschlussprüfungen, bei denen Gove vorläufig gescheitert ist. Dann geht es um den neuen Lehrplan, etwa im Fach Geschichte: Dort soll es wieder mehr um Fakten gehen und weniger um Kompetenzen. Weniger Quellenanalyse, weniger Europa, dafür mehr England, und mehr heroische Figuren aus der englischen Geschichte. Außerdem gibt es Klagen von den Fachleuten aus dem Ministerium über ihn und seinen Umgangston und seine inhaltliche Politik (“Dump F***ing Everyone”). Ein …

Über das Notengeben & querulante Lehrer

Ein beliebtes Aufsatzthema in der frühen Mittelstufe ist die Frage, ob man Noten in der Schule abschaffen soll. Die Schüler sind massiv dagegen, Eltern sicher ebenso; nur die Lehrer träumen gelegentlich davon, wie schön eine Schule ohne Noten wäre. Für Lehrer sind Noten das, was ihnen in der Schule am schwersten fällt, was der anstrengendste Teil des Unterrichts ist. Wenn ihr etwas gegen Noten habt: Mich habt ihr auf eurer Seite. (Allerdings ist das lästige Notengeben, das ständige Treffen von Entscheidungen, auch ein Grund dafür, warum wir relativ gut bezahlt werden.) Noten haben, hat man mir beigebracht, mehrere Aufgaben: Rückmeldung …

“Mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort – Die Eigenverantwortliche Schule in Bayern”

Pressemitteilung des Kultusministeriums. Wenn das Kultusministerium mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort möchte, hätte es das schon lange haben können: Keine Schreiben, in denen mir mitgeteilt wird, wie viele Übungsaufsätze ich zu schreiben lassen habe, oder wieviele Prüfungen. Keine Schreiben darüber, ob ich Diktate schreiben darf oder nicht. Keine Schreiben dazu, wie kontextbezogen Vokabelabfragen im Fremdsprachunterricht sein müssen. Keine Anweisungen, ob ein Test im Umfang eines Jahrgangsstufentests vom Anspruch im Bereich einer Schulaufgabe einzuordnen ist. Deswegen macht Kultusminister Spaenle ja auch klar: “Die Eigenverantwortliche Schule ist keine autonome Schule.” Die wichtigen Entscheidungen werden zentral getroffen. Tatsächlich geht es vielleicht nur …

Modus F, oder die mittlere Führungsebene und die eigenverantwortliche Schule

An einem Gymnasium mit 100 Lehrern gibt es nur einen Vorgesetzten: den Schulleiter. Unterstützt wird der durch, sagen wir mal, drei Mitarbeiter in der Schulleitung. Aber nur der Schulleiter beurteilt die Leistungen der Lehrer, repräsentiert die Schule nach außen, ist verantwortlich und trifft Entscheidungen – und kann mir etwas anschaffen. Dafür ist der Schulleiter in der Gehaltsstufe A16, die anderen Lehrern – und da geht es uns gut, ich weiß – sind am Anfang A13, später A14, und wer eine der begehrten Funktionsstellen erhält, wird früher oder später meist auch A15. Nun gibt es etwa doppelt so viele Funktionsstellen wie …

Erste volle Schulwoche 2012

1. Erste Klassen Machen netten Eindruck. Haben gleich nach Moodle-App gefragt. Gibt es kostenlos ab Moodle 2.1, aber Bayern wehrt sich noch gegen die 2 vor dem Komma. Eine Version, die mit dem Bayernmoodle läuft, kostet Geld, ich teste sie gerade; wirkt bisher etwas langsam, ist aber immer noch schöner anzusehen als die eigentliche Oberfläche. Die Organisation des Wandertags hat die Klasse auch übernommen. Ziel (Bowling), Anrufen dort, Kosten, Abfahrt mit der S‑Bahn und Route. 2. Kleinere Lebensumstellung Seit fünfzehn Jahren stehe ich an jedem Wochentag um sechs Uhr früh auf, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Ich wohne …

Bildungsumfrage 2012 – was wollen die Eltern?

Im Januar 2012 hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag des Versandhandelgeschäfts Jako‑o (Kindermode, Spielwaren und Accessoires) zum zweiten Mal eine Umfrage durchgeführt dazu, was sich Eltern schulpflichtiger Kinder – also bis 16 Jahre – von der Schule wünschen und inwiefern sie glauben, dass das bereits verwirklicht ist. Das Fazit: “Unser Schulsystem ist immer noch weit von den Wünschen und Vorstellungen der Eltern entfernt,” auch wenn es sich im Vergleich zum Jahr 2010 schon genähert hat. Die Geschäftsleitung wird weiter machen: Ich verspreche Ihnen: JAKO‑O wird nicht locker lassen. […] Vor allem, weil Familien unsere Kunden sind, für die wir uns …

Änderungen im G8

Zum Ende des Schuljahrs hat die bayerische Regierung eine Reform des G8 beschlossen. Das heißt, für die einen ist es eine einschneidende Reform, für die anderen sind es kleinere Änderungen als Folge eines kontinuierlichen Monitoring. Soll sein, soll sein. Die wichtigste Änderung ist das Flexibilisierungsjahr. Am Ende der 8., 9. oder 10. Klasse kann ein Schüler sich entscheiden, das Jahr zu wiederholen. Laut Ministerium sollen und werden das wenige Schüler sein, weil wir ja sonst doch wieder beim G9 wären. Man wiederholt allerdings nicht die ganze Klasse, sondern nur bestimmte Fächer. Hier fehlen allerdings noch Details. Kann sich der Schüler …

Facebook und Schule und Datenschutz und Urheberrecht und pädagogisches Handeln

Seit das Kultusministerium Urheberrecht und Datenschutz zu entdecken beginnt, passiert Einiges. Zum Beispiel gibt es einen zentralen Materialpool für schulinterne Jahrgangsstufenarbeiten im Fach Deutsch. Das ist praktisch: Solche Arbeiten sind aufwändig zu erstellen, und wenn man dann einen Nachschreiber hat, kann man eine geeignete Arbeit aus dem Pool nehmen und anpassen. Natürlich muss es auch genug eigene Arbeiten geben, die man in den Pool stellt; deshalb haben auch nur die Fachbetreuer Zugang dazu. Laut dem aktuellen Kontaktbrief Deutsch kann man diese Praxis so nicht fortsetzen: Aufgaben und Lösungen könne man gerne weiter per Mail einreichen, die Texte dazu aber nicht, …

Disingenuous

(Nachtrag: peinlichen Schreibfehler korrigiert.) “Disingenuous” ist ein sehr schönes englische Wort. Es bedeutet ungefähr, sich dümmer zu stellen, als man ist, um dadurch eigene Ziele zu erreichen. Das Wort ist mir spontan eingefallen bei der Pressemitteilung des Kultusministeriums heute: Kultusministerium zum eigenverantwortlichen Unterricht der Referendare an den Schulen – Zur Eingabe des Bayerischen Philologenverbandes an den Landtag MÜNCHEN. Die Lehrerausbildung gliedert sich in Bayern in zwei Phasen: 1. Eine erste, stark fachtheoretische Ausbildung an den Hochschulen, die mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen wird. Diese umfasst allerdings bereits Praxisanteile – je nach Schulart – in einem Umfang von etwa einem halben …