6 Fragen zu Büchern

Auf speziellen Wunsch hin: 1. You’re stuck inside Fahrenheit 451, which book do you want to be? Wer’s nicht weiß: In Fahrenheit 451 von Ray Bradbury sind Bücher verboten und werden verbrannt. Manche Leute lernen heimlich Bücher auswendig, um sie so zu retten. Mein Buch wäre Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales. Es ist leicht auswendig zu lernen, da in Versen geschrieben (im 14. Jahrhundert in England). Mein Mittelenglisch ist ordentlich, ich kann jetzt schon einige Chaucer-Fragmente auswendig – mehr als von jedem anderen Buch jedenfalls. Leichter als Mittelhochdeutsch ist es allemal, wenn man schon Englisch kann. Vor allem macht es …

Georges Perec, A Void

Das Buch, das ich kürzlich zurück in das Schrankfach tat, ist im Original französisch und trägt dort als Inschrift “La Disparation”. Die Fassung Das Buch aus London hat aber dafür “A Void” vorn am Umschlag. Und darum rankt sich manch’ Arkanum. Und zwar nämlich: (Das ist anstrengend. Ich geb’s auf! Weiter ganz normal.) Ich mag Kuriositäten, und als Kuriosität ist mir dieses Buch begegnet: La Disparation von Georges Perec. Gelesen habe ich es in der englischen Übersetzung A Void von Gilbert Adair. Der gesamte Text des Buches enthält kein einziges Mal den Buchstaben “e” – den häufigstenBuchstaben im Französischen, Englischen …

Storisende No. 1113

(Eine Buchgeschichte.) Ich habe mir einen Wunsch erfüllt. Vor zwölf Jahren stand ich in der Unibibliothek in Augsburg und betrachtete ehrfürchtig-liebevoll achtzehn grün eingebundene Bände im Regal: Die Storisende-Ausgabe der Biographie von Manuel von James Branch Cabell. Cabell hat später noch viele weitere Bücher geschrieben, aber sein Hauptwerk ist die Biographie von Manuel, ein Roman in 18 Bänden. Sozusagen. Man könnte sie auch realistischer als 18 Bände mit Romanen, Kurzgeschichten, Essays und ein wenig Lyrik zu einem gemeinsamen Thema und mit einem verbindenden Element nennen: Es geht um den legendären Dom Manuel und seine Nachkommenschaft durch die folgenden Jahrhunderte. Die …

The Time Traveler’s Wife

Die dreifach hochgezogene Augenbraue in Gold für: Audrey Niffenegger, The Time Traveler’s Wife. Ich hatte das Buch einige Wochen im Regal, ohne rechte Lust. “The International Bestseller” steht vorne drauf, und dass die Autorin eine Künstlerin ist, die in Chicago am College unterrichtet. Und dann habe ich’s gelesen. Die Prämisse ist wunderbar simpel: Henry leidet an Zeitsprüngen. Immer wieder reißt es ihn aus seiner Gegenwart und er landet, nackt, in der Vergangenheit (ganz selten auch in die Zukunft), oft zu Zeiten und an Orten, die für sein Leben wichtig waren. Nach Minuten oder Stunden reißt es ihn dann wieder zurück …

The Unfair Sex

1953 erschien The Unfair Sex, ein Ratgeber für junge Frauen. Der Autorin war das Buch nötig erschienen, “ever since [her] eighteenth birthday, when she surrendered her virginity because she was afraid to seem rude”. Zwei Prämissen gibt es im Buch: Männer wollen nur das eine, nämlich Sex; und Frauen sollen das so teuer wie möglich verkaufen oder sich zumindest nicht von Männern zum Sex überreden lassen, ohne es selber zu wollen. Das Ziel der Frau ist allerdings die Heirat. Das Buch ist heiter geschrieben, im Stil etwa des Films How to Marry A Millionaire / Wie angelt man sich einen …

Andre Norton

Andre Norton ist gestorben. 93 Jahre, hat anscheinend immer noch geschrieben, und ich wusste natürlich nicht, dass sie überhaupt noch lebte. Sie war nie eine meiner Lieblingsautorinnen, aber ich habe doch alle Hexenwelt-Romane aus der Terra-Fantasy-Reihe gelesen. Zugeben, ich habe sowieso alles gelesen aus dieser Reihe, was ich gefunden habe, aber die Norton-Romane waren mit die Glanzlichter, neben Abraham Merritt, REH, und den ausgezeichneten Anthologien (in denen ich zum ersten James Branch Cabell, Jorge Luis Borges, Lord Dunsany und Peter S. Beagle begegnete). Ein prägender Teil meiner Jugendjahre.

Die schönsten Sachen aus dem Future Dictionary

Vor kurzem habe ich schon etwas über The Future Dictionary of America geschrieben. Inzwischen habe ich noch ein paar schönere Einträge drin gefunden: Bookmonster Babs: eine sagenhafte Gestalt, die an jedem Jahrestag des ersten gelesenen Wortes zu einem Kind kommt und ihm Buchgeschenke bringt. Babs hat lila Fell und gelbe Zauberstiefel. Am Vorabend des Jahrestages versuchen Kinder Babs anzulocken, indem sie ihr ein Buch mit Zeichnungen und selbst ausgedachten Geschichten erstellen. (Anne Ursu) Adulteration: Den inneren Erwachsenen in sich entdecken (nachdem man festgestellt hat, dass das innere Kind ziemlich nervig ist); die Baseballkappe wieder richtig herum aufsetzen. (Marilynne Robinson) and-yet: …

Alles über die Giraffe (McSweeney’s III)

Viele von uns sind mit den Was-ist-Was-Büchern aufgewachsen. Giraffes? Giraffes! ist auch so ein Buch. Es enthält einige Fotos (in diesen leicht pastelligen Kinderbuch-Tönen), deutlich mehr Zeichnungen und viele Diagramme. So erfährt man alles Wissenswerte über die Giraffen: Ihre evolutionären Vorläufer, warum sie diese Flecken haben und welche verschiedenen Muster es gibt, wo die Giraffen herkommen, ihren Lebensraum, ihre Spiele, ihre natürlichen Feinde, berühmte Giraffen, den Zusammenhang zwischen Giraffen und Ölförderung, Madagaskar, Aufstieg und Niedergang der Giraffen-Schiffbauindustrie, die Geschichte der Fehde zwischen den Giraffen und dem Landwirtschaftsminister Donald J. Pendleton, giraffische Aberglauben, außerirdische Herkunft der Giraffen, und vieles andere mehr. …

It want the vehicle!

Weitere Abenteuer aus dem Portugiesisch-Englisch-Sprachlehrbuch von 1855. Reisende scheinen früher wie heute grundsätzlich betrogen und übervorteilt zu werden, und sind ständig am jammern. (Thurber hatte das ja schon festgestellt.) Kaum mal ein Wort des Dankes, nur Klagen: For to ride a horse: Here is a horse who have a bad looks. Give mi another; i will not that. He not sall know to march, he is pursy, he is foundered. Don’t you are ashamed to give me a jade as like? he is undshoed, he is with nails up; it want to lead to the farrier. He go limp, he …

The Future Dictionary of America (McSweeney’s II)

“This dictionary was conceived as a way for a great number of American writers and artists to voice their displeasure with their current political leadership, and to collectively imagine a brighter future.” Dieses fiktive Lexikon stammt aus der näheren Zukunft, einer schönen Zukunft, in der Bush nur Vergangenheit ist. Genauer: Es ist die 6. Auflage nach 2016. Es enthält kurze Lexikoneinträge wie den obigen, verfasst von knapp 200 Autoren und Zeichnern. Diejenigen davon, die ich kenne zumindest dem Namen nach kenne: Jonathan Ames, Paul Auster, Charles Baxter, T.C. Boyle, Peter Carey, Michael Chabon, Dave Eggers, Jefrey Eugenides, Jonathan Franzen, Glen …