George Macdonald Fraser, Flashman

„Humanity never ceases to amaze me.“ (Harry Flashman, Flash for Freedom)

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FLASHMAN, Harry Paget, Brigadier-General, VC, KCB, KCIE; Chevalier, Légion d’Honneur; US Medal of Honour; San Serafino Order of Purity and Truth, 4th Class. b. 1822, s. H. Flashman, Esq., Ashby and Hon. Alicia Paget; Educ. Rugby School. m. Elspeth Rennie Morrison, d. Lord Paisley; one s. one d. Served Afghanistan, 1841-2 (medals, thanks of Parliament); Crimea (staff); Indian Mutiny (Lucknow, etc., VC); China, Taiping Rebellion. Served US Army (major, Union forces 1862); colonel (staff) Army of the Confederacy, 1863. Travelled extensively in military and civilian capacities; A.D.C. Emperor Maximilian of Mexico; milit. adviser, HM Queen Ranavalona of Madagascar; chief of staff to Rajan of Sarawak; dep. marshal, US. Chmn, Flashman and Bottomley Ltd; dir. British Opium Trading Co., governor, Rugby School; hon. pres. Mission for Reclamation of Reduced Females. Publications: Dawns and Departures of a Soldier’s Life; Twixt Cossack and Cannon; The Case Against Army Reform. Clubs: White’s, United Service, Blackjack (Batavia). Recreations: Oriental studies, angling. Address: Gandamack Lodge, Ashby, Leics.

Harry Flashman begann als Nebenfigur des englischen Internatsromans Tom Brown’s Schooldays (1857) von Thomas Hughes. Dort macht er als bully seinen jüngeren Mitschülern das Leben zur Hölle: Er traktiert und piesackt sie, bis er endlich von der Schule fliegt.
Ende der 1960er Jahre tauchten, glaubt man dem Vorwort des ersten Flashman-Romans, auf einem Speicher die Memoiren des gefeierten viktorianischen Militärhelden Sir Harry Flashman auf, geadelt und mit Orden behängt – siehe dern oben abgedruckten Eintrag im Who’s Who. Tatsächlich ist dieser Flashman der gleiche wie in Tom Brown’s Schooldays, und die Romane von George Macdonald Fraser schildern als fiktive Memoiren seine schillernde Karriere.

PLUS:
– Er kann reiten,
– er kann Fremdsprachen,
– er kann’s mit Frauen.

MINUS:
– Er ist ein Feigling,
– ein Lügner,
– ein Betrüger,
– ein Angeber;
– er ist gewissenlos,
– nachtragend.
– ein Lüstling,
– selbstsüchtig,
– verschwenderisch,
– arrogant.

Flashman ist immer noch der gleiche bully, Feigling und Weiberheld. Schieres Pech lässt ihn immer wieder in die berühmtesten Schlachten des 19. Jahrunderts geraten, und als Soldat im britischen Empire kommt man damals schon herum:
Afghanistan (der katastrophale Rückzug aus Kabul, wo Dr Brydon als einziger Überlebender von 4500 Soldaten und 12000 weiteren Männern und Frauen Jalalabad erreichte), der große Aufstand in Indien; die Charge of the Light Brigade im Krim-Krieg (von Tennyson verewigt), der Opiumkrieg in China (wo Hong Kong für hundert Jahre an das Vereinigte Königreich geriet); er ist auf Borneo und Madagaskar, aber auch bei dem Angriff auf Harper’s Ferry, einem Auslöser des amerikanischen Bürgerkriegs, und bei der Schlacht am Little Big Horn.
Er trifft John Brown (der von „John Brown’s body“), Abraham Lincoln, Bismarck, Lola Montez, Mitglieder der englischen Königsfamile und indische Vizekönige; Helden des Empire rauf und runter.
Schieres Glück (und Verrat, Intrige und Feigheit) sorgt dafür, dass er all das auch überlebt, oft als einziger, und ganz und gar zu Unrecht als Held gefeiert wird.
Das ganze ist erzählt mit vielen historischen, vor allem militärhistorischen Details, versehen mit Anhängen und Bibliographien und augenzwinkernden Fußnoten, die auf Diskrepanzen zu oder Gemeinsamkeiten mit anderen Berichten hinweisen. So richtig Spaß macht das Spiel mit fiktiven Gestalten und echter Geschichte ja nur dann, wenn man möglichst eng an der aufgezeichenten Geschichte bleibt und die Erlebnisse der Hauptperson möglichst geschickt einflicht. Dieses Spielen unterscheidet für mich die Flashman-Romane auch sehr von anderen historischen Romanen: Fraser bleibt so nahe dran an der Geschichte wie möglich, ohne dass seine Geschichten deswegen das Vergnügen der schnöden Glaubwürdigkeit opfern. Immer wieder verweist er auf Gemälde, auf denen Flashman im Hintergrund zu sehen ist; allein wegen Fraser bin ich in die National Portrait Gallery in London, um mir einige Bilder anzuschauen, von denen ich gelesen hatte. (Etwa James Brooke, den Rajah von Sarawak.)

Vielleicht wird Harry im Laufe seines Lebens ja wirklich immer menschlicher; gar so garstig wie in seinem ersten Buch ist er später nicht mehr. Vielleicht bin ich nur abgestumpft und habe mich an ihn gewöhnt. Irgendwie hängt er doch an seiner Frau, einen Rest Ehrgefühl besitzt er, und Mitgefühl und Verständnis für seine Umwelt zeigt er eher noch mehr als seine viktorianischen Zeitgenossen – als ich alle Bücher gelesen hatte, schien er, der Anti-Held schlechthin, sich die Bezeichnung „Held“ doch irgendwie verdient zu haben – und sei es auch ein egoistischer und feiger Held.

Flashman (1969)
Royal Flash (1970)
Flash for Freedom! (1972)
Flashman at the Charge (1973)
Flashman in the Great Game (1975)
Flashman’s Lady (1977)
Flashman and the Redskins (1982)
Flashman and the Dragon (1985)
Flashman and the Mountain of Light (1990)
Flashman and the Angel of the Lord (1994)
Flashman and the Tiger (2000)
Nachtrag: Flashman on the March (2005)

„For a moment I stood rooted, hornily agog before all that magnificent meat, and then, as any gentleman would have done, I seized one in either hand, nearly crying.“ (Flashman and the Dragon)

Der Meister des jüngsten Tages

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Nach der Lektüre von Effi Briest wollte ich meinem Grundkurs etwas leichtere Kost zumuten: Einen Roman von 1923, Der Meister des jüngsten Tages von Leo Perutz. (Irgendeinen Roman aus dieser Zeit muss man laut Lehrplan mehr oder weniger lesen.)

Wie es sich gehört, beginnt der Roman mit einem Vorwort des Erzählers, der jene grauenhafte Ereignisse im Herbste 1909 niedergeschrieben hat und betont, die volle Wahrheit geschrieben zu haben.
Das Nachwort wiederum identifiziert die vorhergegangenen Seiten als Papiere aus dem Nachlass des Erzählers, Freiherrn von Yosch: „Natürlich, eine alte Handschrift“, wie Eco sagt. Der Bericht sei eher ein Roman, einem verwirrten Geist entsprungen, der sich zu rechtfertigen versucht.
Die eigentliche Erzählung enthält Elemente des Krimis, des Thrillers und des phantastischen Romans.

Die Schüler haben, natürlich nicht freiwillig, zu diesem Roman weitere Dokumente erstellt: Die chemische Analyse eines Giftes, das eine große Rolle in der Handlung spielt; die Urkunde zur unehrenhaften Entlassung des Freiherrn von Yosch; ein Liebesbrief.

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James Branch Cabell

„Der Optimist glaubt, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Und der Pessimist fürchtet, dass das stimmt.“

Cabell hat eine kleine, rege Fangemeinde; in den Uni-Bilbliotheken gibt es einige Bücher über ihn. Im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war sein Name in vielen amerikanischen Haushalten ein Begriff, nicht zuletzt wegen der versuchten Unterdrückung seines Buches Jurgen wegen des vermeintlich obszönen Inhalts. Ansonsten kennt man Cabell vage aus der phantastischen Literatur, da sein Hauptwerk im fiktiven mittelalterlichen Land Poictesme angesiedelt ist. Seine Romane strotzen vor (mitunter durchaus auf die Nerven gehender) sophistication, vor Bildung, Ironie, Zynismus und feinen Anspielungen.

Sein Weltbild ist letztlich dieses: Man kommt auf die Welt, bleibt dort, wenn’s gut kommt, achtzig Jahre, und stirbt dann. Die Zeit dazwischen verbringt der Mensch damit, nicht daran zu denken, dass seine Existenz letztlich sinnlos ist. Das geschieht weniger aus Feigheit, sondern eher aus Höflichkeit und Respekt den guten Sitten gegenüber.
Das Leben ist ein langer Korridor hin zum Tod. Es gibt kleine Nischen an den Seiten, an denen man sich auf dem Weg zum Ende aufhält und die Zeit vertreibt. Eine solche Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben und nicht an die Sinnlosigkeit zu denken, ist das Erfinden von Geschichten: Das ist für Cabell Literatur. (Letztlich schreibt jeder Autor, so Cabell, nur, um sich zu unterhalten.)

Diese letzte Sinnlosigkeit des Lebens ist Cabells Charakteren bewusst, aber es ist unhöflich, das zu erwähnen. Darüber spricht man nicht – Cabell ist halt doch alter amerikanischer Virginia-Adel, der selbst die Pilgerväter von 1620 als Neuankömmlinge betrachtet (und deshalb gegen die puritanischen Strömungen immun ist).

Sein Hauptwerk ist die 20-teilige Biographie von Manuel (in 18 Bänden). Nach einem einleitenden ersten Band mit Essays tritt in Figures of Earth Dom Manuel auf: Und die restlichen Bände erzählen von den Leben seiner Nachkommen, zusammen genommen bilden sie die Biographie von Manuel. Die Bände sind zum Großteil Romane und ein paar Sammlungen von Kurzgeschichten. Manuel und seine Nachfolger versuchen erfolgreich, nicht an der Sinnlosigkeit des Daseins zu verzweifeln; drei Wege lässt Cabell sie dazu beschreiten: the Way of Gallantry, the Way of Chivalry und the Way of the Artist. Letztlich unterscheidet sie nur die Art der Illusionen, die sich die jeweilige Hauptperson macht.
(Mir ist klar, dass nur jemand so schreiben kann, der keine anderen Probleme hat.)

Recht anstrengend zu lesen sind die Essaybände, die die Biographie eröffnen und schließen. Gerade habe ich mich durch „Straws and Prayer-Books“, den Schlussband, getrieben. Auf S. 280-281 (Kalki-Edition) fasst er noch einmal zusammen:
Der Mensch lebt ein unbefriedigendes und monotones und sinnloses Leben. Das macht er sich erträglich durch Erfindungen verschiedener Art. Der Schriftsteller zum Beispiel erfindet sich Geschichten, um sich zu amüsieren und sich lustig zu machen über gesunden Menschenverstand, Frömmigkeit und den Tod. Und unterhält sich mit unterhaltsamen Ideen (dem Altruismus etwa). Was hat der Autor davon: Nichts. Aber wenigstens hat er sich unterhalten.
(Wenn ich mich wiederhole: Cabell macht das auch.)

Ein Thema von Cabell ist der Verlust von und das Nachtrauern nach Illusionen. Deshalb begegenen auch so oft Figuren ihrem jüngeren Ich in der Biographie.

In einem Vorwort von 1923 zu „The Eagle’s Shadow“ sieht Edwin Björkman das ganze positiver:

With the help of romance, he [der Demiurg, der sich durch Cabells Werk zieht, aber ebenso der Schriftsteller als solches, und der Mensch] creates a number of „dynamic illusions“, as of love and honor, patriotism and respectability, beauty and common-sense. Caught and moved by these, man will act as he would not otherwise, departing gradually from the ways of his original nature, until in the end that very nature seems changed. „For man alone of animals plays the ape to his dreams“, says Mr. Cabell, and it is by these dreams and the aping of them that he becomes more and more a man.

Viel anders sieht das Goethe in „Das Göttliche“ auch nicht.

Die Virginia Commonwealth University hat eine nach James Branch Cabell benannte Bibliothek und deshalb bei den Online-Exponanten auch eine Seite zu Cabell.


Dass die meisten deutschen Ausgaben bei Bastei erschienen sind, trägt nicht zur Bekanntheit Cabells bei (die Titelbilder sind, vorsichtig gesagt, irreführend). Auch die amerikanische Kritik stand den Büchern bei ihrem ersten Erscheinen eher skeptisch gegenüber, wie man an den folgenden Ausschnitten aus den Rezensionen sieht.

Cabell revanchiert sich in Straws and Prayer-Books durch bissige Fußnoten an Kritikern und Philistern. Zu einem Dr Frank Crane, einem Zeitgenossen, lautet die komplette Fußnote: „A newspaper writer of the day.“ (p270) Von Richter Leonard Doughty heißt es lediglich: „Nothing is known of him.“ (p288), und zu „an enterprising young person named Bierstadt“ lautet die komplette Fußnote: „See note on Judge Leonard Doughty, page 288.“ (p294)

SOME OTHER BOOKS BY MR. CABELL
(With Tributes of the Press)

Mr. Cabell’s style of writing bristles with the maudlin and lachrymose romantics such as fascinate the shop-girls in the pages of George Barr McCutcheon. And then too has Mr. Cabell’s irony a way of losing itself in the burbles of profound and academic inanities. Also, he is lacking in the courage of his disillusion, and […] because of this lack of courage does his irony become a sort of meandering wistfulness like the whine of a little old man suffering from false teeth. Finally Mr. Cabell is lacking as a poet. He is unable to create those illusions so necessary for the reality of fiction. […] So Cabell remains the sardonic professor mouthing in the boring rhetoric of the classroom. – BEN HECHT, in The Chicago News.


THE CREAM OF THE JEST
(A Comedy of Evasions)

Mr. Cabell is a self-conscious sentimentalist, hopelessly so. In this book he goes further in speculative and vague imaginings than he has ever ventured before, with the result that he has developed to an amazing extent a purposeless fantasy. Mr. Cabell is guilty also of a curious intellectual egotism. He thus assumes on the part of the reader a necessary interest and sympathy, perhaps even admiration, that are hardly justified by the book itself. The result is a mystery without interest, a fanciful construction of character and experience that does not stir the fancy. – New Orleans Picayune.
The author fails of making his dull characters humanely pitiable. But it is material for a short story, not for a novel. A single slight situation, and a group of persons who do not act as or change from the first page to the last are not heavy enough to weight a volume. – New York Post.
A rambling story, without form, and told in a blundering disorderly fashion. The work is uneven, […] with passages of gray dullness. – New York Tribune.


THE RIVET IN GRANDFATHER’S NECK
(A Comedy of Limitations)

A conventional Southern story. […] There is no new discernment, no stimulating social criticism. Mr. Cabell may think that he has discovered […] these things, and recently, but they are no discoveries to the rest of the world. There is no understanding in this book of social currents of the past, much less of the present. The story is [..] almost banal enough to become a best seller. – CLEMENT WOOD, in The New York Call.
Certainly the reading public of both North and South cannot forgive Mr. Cabell for writing a story in which not one man or woman is above reproach, not one who is not besmirched by scandal, not one who has any message of hopefulness to teach us how to live nobly. – Buffalo News, New York.
The title is not the only queer thing about Mr. Cabell’s novel, […] but the reviewer fails to find it significant. The women are not the kind one likes to read about, and […] the heroine is a good deal of a fool. The scheme of the book is impossible, and […] it is a mass of commonplaces, through which is run a thread of the wildly improbable. […] The book is illogical in the extreme, and ]…] it is not one that is likely to be long discussed or remembered. –Brooklyn Eagle, New York.
A story of the Robert W. Chambers sort. […] If the book is typical, there can be no regret that such people are disappearing. – Springfield Republican, Massachusetts.


THE CERTAIN HOUR
(Dizain de Poëtes)

A collection of „romantic“ tales about poets dead and gone, prefaced by a fatuous essay on literature. […] Two poems, far from poetic, are included in the book. – The Independent, New York.
After indulging in a trite and tedious prologue, in which he virtually goes over the ground we covered in college, on the significance of American literature, and gives his reasons for believing there is nothing worth while in literature at this time, the author offers some dozen short stories to prove his point – stories of his own composition. […] Dioes not create the proper illusions. […] The author is not true to the people and the times with which he deals. [..] Readers will prefer Mr. Black’s novel „Judith Shakespeare,“ […] or, for pure enjoyment, we might prefer „The Hessamy Bride.“ – Philadelphia Press.
It may please some, but it displeases others to encounter such stereotyped acerbity […] Why should a creative artist waste his time upon a form which has passed out of fashion even among the most juvenile? – San Francisco Chronicle.


THE CORDS OF VANITY
(A Comedy of Shirking)

About as poor stuff as one can find in a book put out by reputable publishers. […] The whole thing is slushy and disgusting. – Cleveland Plain Dealer, Ohio.
There is very little in the book either in manner or matter to commend it. – Utica Observer, New York.
The frontispiece is about the only commendable feature of „The Cords of Vanity.“ – New York World.
Why any author should waste his time in writing the memoirs of a heartless, selfish, penniless and conceited libertine, is more than most readers of this book will be able to understand. […] Pity it is that some more elevating subject might not be chosen. – Portland Journal, Oregon.
We close the book with a disposition to ponder upon the singular perversity of those who need a trespass-warning to keep them from so sterile and malodorous a field. […] Worse than immoral – dull. […] The narrative is cheap and sickly […] the effect is revolting. – New York Post.
Inconsequent and rambling, […] rather nauseating at times, […] a series of episodes of cold-blooded sordidness, […] a very unpleasant theme, […] a most disreputable character for hero. […] We cannot go further than this is commendation of the book. – A. L. SESSIONS, in Ainslee’s Magazine.


DOMNEI
(A Comedy of Woman-Worship)

The book is well bound, with colored illustrations. – Detroit News-Tribune.
There are four illustrations in color by Howard Pyle. – News-Leader, Richmond, Virginia.
The illustrations by Howard Pyle are gems of his talent as a colorist. – Philadelphia Press.
The book is attractively printed, with illustrations by Howard Pyle. – Boston Globe.
The story is illustrated with full-page pictures in color by Howard Pyle. – Pittsburgh Chronicle Telegraph.
The Pyle pictures are exceedingly spirited and colorful. – Brooklyn Standard Union, New York.
Will make a suitable Christmas present to a girl, and is illustrated in color by Howard Pyle. – JOSEPH M. QUENTIN, in The Portland Oregonian, Oregon.

This Comedy is now issued without illustrations.


JURGEN
(A Comedy of Justice)

Represents and is descriptive of scenes of lewdness and obscenity, and particularly upon pages 56, 57, 58, 59, 61, 63, 64, 67, 80, 84, 86, 89, 92, 93, 98, 99, 100, 103, 104, 105, 106, 107, 108, 114, 120, 124, 125, 127, 128, 134, 135, 142, 144, 148, 149, 150, 152, 153, 154, 155, 156, 157, 158, 161, 162, 163, 164, 165, 166, 167, 168, 170, 171, 174, 175, 176, 177, 186, 196, 197, 198, 199, 200, 203, 206, 207, 211, 228, 229, 236, 237, 238, 239, 241, 242, 271, 272, 275, 286, 321, 340, 342, 343 thereof, and is so obscene, lewd, lascivious and indecent that a minute description of the same would be offensive. JOHN G. SUMNER (Agent New York Society for the Suppression of Vice) in an affidavit.
While Mr. Cabell’s curiosity is possibly equal to the task, his intellect, his emotivity, his tastes, are not. […] His attempts at light irony are clumsy and obvious. […] „Jurgen“ is merely the recital of the erotic exploits of its hero, each exploit precisely like the last, each reduced by the author to the lowest common denominator of animalism. Granted that Mr. Cabell wishes to show himself a cynic in […] a theme not wholly new, he has shown himself only the more, dealing with it thus, as lacking imagination and art. – CONRAD AIKEN (an American writer) in The Athenaeum.

Terry Pratchett, Thief of Time

1. What happens
2. Why I want to write about it
3. My credentials

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1. What happens:

The Auditors from outside our dimensions audit the Discworld universe. It’s what they do. Ever since humans appeared, things have become much more complicated. The Auditors resent that, but they cannot interfere too much. They find a loophole in the cosmic laws and trick a clockmaker on Discworld into making a Perfect Clock, which measures the tick of the universe. In this universe at least, there is a basic time unit, which is the time for the the briefest possible thing to happen. A clock that measured this tick of the universe could not be part of the universe, but would have to be partly outside – which would mean the end of time, the universe would stop, everything would be frozen still. Happy news for the Auditors: it makes counting and measuring everything so much easier.

A handful of people find out about the Auditor’s plan and try to stop them and their hapless clockmaker. They include:
Miss Susan, a schoolteacher of the old school, and granddaughter of Death
Death himself – who is trying to bring the band together again: himself, War, Famine, Pestilence. They’re all a bit reluctant, having got on with their lives, but for the showdown they all appear: Even the final Fifth Horseman, who left the band for reasons of artisitic differences before they became famous.
Lu-Tze, a history monk from a sort of Discworld Shangri-La. The history monks look after time, collect it and redistribute it. That explains the common feeling of „Wow, is it Tuesday already“. They collect time from schoolrooms and meetings, and if necessary from prehistoric times. Lu-Tze is a common sweeper in the monastery, but the most uncommon monk there. „Is it not written,“ he often begins, but noboy can say for sure, because what he is quoting from is The Way of Mrs Cosmopilite – whose pearls of wisdom include „it won’t get better if you pick at it“. He promotes knowledge of Rule One: „Do not act incautiously when confronting a little bald wrinkly smiling man.“ His hobby is bonsai mountains (complete with glaciers).
Lobsang is his apprentice, and has a very special relationship with Time. He is forbidden to call his master „Master“, who in turn promises never to call him by the name of any insect. People who remember David Carradine in Kung Fu know the setup.

2. Why I want to write about it:

I have been entertained by all Pratchett books so far, if only for a fun read and one or two brilliant ideas per book (stunt linguists pronouncing difficult names, bonsai mountains). This book, I really, really liked. I think this is because it is a science fiction story set in a fantasy world. Bear with me.

One thing is, the story is full of scientific and philosophical concepts. I associate this much more with science fiction than with any other kind of fiction.

There is the question of whether there is a basic time unit, a time quantum. In the book, Time moves like this. From tick to tick, the universe is completely destroyed and completely rebuilt by Time. Consequentially, the philosopher Wen, with whom the book begins and who is said to have understood time, is called the Eternally Surprised. Every morning, every moment, he is continually surprised by trees, sun, people, because he is aware of seeing them for the first time. Much to the annoyance of his disciples, by the way.
When the clock (responsible for the halt of the universe) is destroyed, the hero has to remember everything (but everything), because he then has to rebuild everything to start history again (p. 317). Some feat, eh? I’ll get back to supermen later on.

Early in the book, Lobsang, the thief of time, plummets to his death. Before he hits the ground, time stops, and one of the history monks offers to take him to their monastery. They manage to break his fall by transferring his kinetic energy to a nearby cart, which jumps up into the air as Lobsang falls his final metre (p 58).

The history monks store time in prayer-wheel-like cylinders of varying size. At the beginning and at the end of the book, something is wrong with the complex machinery; there is an accident, but the heroes manage to stop and realign the machine before things come to a nasty end. That’s traditional science fiction fare!
The monks themselves remind me of Arthur C. Clarkes „The Nine Billion Names of God“. It features monks in Tibet or such, who recite all the names of God, that is, all permutations of a number of possible letters in a particular alphabet. Once they have finished this, the world ends. It would have taken them eons, had they not taken advantage of modern science in the form of computers. The story is narrated from the viewpoint of an American computer expert/salesman who helps the monks with the new machinery. Of course, he thinks the monks are wasting their time.
All of these owe much to the Tower of Hanoi puzzle by Edouard Lucas. (Three stacks, two empty, one full of concentric disks, smaller disks can only be placed above larger ones or on an empty stack.) The fictious story that goes with the puzzle is that once the monks in Hanoi manage to transfer all disks from one stack to the other stack, the world comes to an end.

The time-storing devices in Thief of Time are called Procrastinators. Lu-tze and Lobsang carry two experimental portable Procrastinators which allow them to continue moving for a while even when time around them has stopped – like diving, or indeed, space suits.
The monks are able to move fasther through time anyway. The faster they go, the harder it gets. But once they go really fast, they can reach Zimmerman’s valley (p. 219). (Some my remember how I love these names. It’s a local minimum, where they have to expend less energy to keep moving.

One character carries a sword, infinitely long (just like the coast of England) (p. 315), the Doppler effect plays a role (p. 319). But this is my favourite: The Auditors don’t like messy humans. People devise tests to measure the proximity of Auditors by using the „fear and hated that matter has for life“ (p. 313). It appears to be the case that the „local hostility of things toward nonthings always increases when there’s an Auditor about“ (p. 241). One such test is a machine that measures how often a slice of bread will fall on the buttered side (p. 4-6). Another test is the „hosepipe test“ (p. 241): throw a length of rubber hosepipe into a corner, and when you pick it up and it is „knotted and tangled like rubber spaghetti“, you know that Auditors are near.

At first, Auditors are a bit like the Grey Gentlemen of Michael Ende’s Momo. Featureless. Un-human. Grey. Fond of hierarchies and orders. Signs like this (p. 268) are way to confuse them:

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In order to appear on Discworld, they take human form. But they find they cannot take human form without becoming more human than they care for: „She was being harassed by her internal organs“, it says. They find that bodies have a mind of their own. They act refexively, instinctively. They develop individuality. „It is essential for humans to use the personal pronoun. It divides the universe into two parts. The darkness behind the eyes, where the little voice is, and everything else. It is…a horrible feeling. It is like…being questioned all the time.“ The taste explosion after eating a chocolate kills them. (Reminds one of the killer music from Attack of the Killer Tomatoes and Mars Attacks!, doesn’t it?)

Most important, the story just feels like Space Opera. I’m thinking Weapon Shops of Isher or World of Null-A. We have the youthful hero out against other-dimensional malign forces, we have the youthful hero turn out to be all-powerful superman; we have people see-sawing through time, alternate realities, doppelgangers; we have beings from an alien dimension invading earth; we have a ground team dealing with an extradimensional device (the clock) while overhead space ships… make that: Horsemen of the Apocalypse do battle.

The one difference is vital: humour. Neither book nor heroes take themselves too seriously. The book is full of fun ideas: the Fifth Horseman, who left for reasons of artistic differences, whose identity is kept secret for some time. (The final clue is a masterpiece of lateral thinking for the analytically-minded reader.) The monks‘ abbot is being reincarnated, he now is a baby, asking for „bikkit! bikkit now!“ between giving sage advice.

3. My credentials:

I used to read a lot of science fiction as a teenager; it was a good time. Many of the books I read back then I couldn’t read now, but a few of them have held up surprisingly well. I’m still fond of all and rememember many of them.
I’ve read most of Terry Pratchett’s Discworld novels. Even when I don’t feel like reading, for lack on concentration, boredom, self-pity or a particularly foul mood, a new Terry Pratchett book always does the trick. (The only other writer that seems to be able to do that is Kurt Vonnegut, for completely different reasons.)

The history monks reappear in Night Watch. I haven’t read the book yet, but it is reviewed here, where the idea behind the history monks is heavily criticized, possibly justly so.

All quotations from: Terry Pratchett, Thief of Time, New York: Harpertorch 2001.

Geheimnisvolle Läden

(Lord Dunsany berichtet) Ein verstörter junger Mann erschien gestern abend bei der Pariser Polizeipräfektur und verlangte von den Beamten, ihm bei der Suche nach einem Bureau d’Echange de Maux zu helfen. In der von ihm genannten Straße waren jedoch keinerlei Spuren eines solchen Ladens zu finden, obwohl der Mann beteuerte, erst wenige Tage zuvor dort Kunde gewesen zu sein. Über die Art seines Handels wurde nichts bekannt.

Diese Seite enthält drei Listen zu diesem Thema, die sich teilweise überschneiden. In der ersten habe ich alle mehr oder weniger merkwürdigen Seitenstraßen-Läden gesammelt – ob sie verschwinden oder nicht. Danach habe ich alle Orte gesammelt, die verschwinden, als hätte es sie nie gegeben – ob es sich um solche Läden handelt oder nicht. Und schließlich habe ich Clubs und Häuser gesammelt, in denen sich Leute mehr oder weniger regelmäßig treffen – ob diese Örtlichkeiten nun verschwinden oder nicht. (Alle Kombinationen treten nämlich auf.)

Tut mir leid, dass ich nicht mehr anbieten kann als nur Titel- und Autorenangaben. Besonders das Jahr der Erstveröffentlichung wäre interessant; vielleicht ergänze ich die Liste bei Gelegenheit. Zusätzliche bibliographische Angaben stehen nur gelegentlich (wenn ich nämlich die Geschichten sonst nicht mehr in meinen Büchern finden würde).

Titel ohne Autoren beziehen sich auf Filme.
Angaben mit Fragezeichen müssen noch überprüft werden.
An weiteren Geschichten bin ich sehr interessiert.


1. „Yes, the shop was one of those.“ (Harlan Ellison)

Geheimisvolle Läden, abseits der Straße gelegen, in denen es mehr oder weniger merkwürdig zugeht. Oft, aber nicht immer übernatürlich. Gerne sind das übrigens Buchläden, ansonsten kauft man dort auch noch Gift. Bei Bloch sogar beides. Ich habe auch Grenzfälle aufgenommen, wie unheimliche Zirkusse (Big, Bradbury, Finney) und ein geheimnisvolles Hinterzimmer (Norton), in dem ein Fluchthelfer in eine andere Welt hilft (wie bei einem von Ellisons Läden übrigens auch).

  • Aickman, Robert. „Le Miroir“, Whispers, ed. Stuart David Schiff ?
  • Big
  • Bloch, Robert. „The Cape“
  • Bloch, Robert. „Night School“ („Kain und Abel“)
  • Bond, Nelson. „The Bookshop“ („Der Buchladen“)
  • Bond, Nelson. „Fuddle’s Finger“ ?
  • Bradbury, Ray. „Drink Entire: Against the Madness of Crowds“
  • Bradbury, Ray. Something Wicked This Way Comes (Das Böse kommt auf leisen Sohlen)
  • Braunbeck, Gary A. „Curtain Call“, in: P. N. Elrod (ed.), Dracula in London
  • Brooks, Terry. Magic Kingdom For Sale/Sold (wieder mal Fluchthelfer)
  • Peter H. Cannon, „The Fantasy and Mystery Bookshop“, in: The Horror of it All.
  • Chandler, Raymond. „The Bronze Door“ („Die Bronzetür“)
  • Collier, John. „The Chaser“ („Ein Schluck zum Nachspülen“)
  • Collier, John. „Bottle Party“
  • Corman, Avery. The Old Neighborhood
  • Dickens, Charles. The Old Curiosity Shop
  • Dunsany, Lord. „The Bureau d’Echange de Maux“ („Das Bureau d’Echange de Maux“ – aber auch schon mal als „Der Tauschladen in Maux“ übersetzt)
  • Dunsany, Lord. „A Shop in Go-by-Street“ („Der Laden in der Go-by-Street“)
  • Dunsany, Lord. „The Wonderful Window“ („Das wundersame Fenster“)
  • Ende, Michael. Die Unendliche Geschichte
  • Ellison, Harlan. „Adrift Just Off the Islets of Langerhans: Latitude 38° 54′ N, Longitude 77° 00′ 12“ W“
  • Ellison, Harlan. „Djinn, no Chaser“
  • Ellison, Harlan. „The Museum on Cyclops Avenue.“ (Slippage)
  • Ellison, Harlan. „The Place with No Name“
  • Ellison, Harlan. „Shoppe Keeper“
  • Finney, Charles G. The Circus of Dr. Lao
  • Finney, Jack. „Of Missing Persons“ (S-F. The Year’s Greatest Science-Fiction and Fantasy, ed. Judith Merril) (Reisebüro)
  • Finney, Jack. „Lunch-Hour Magic“ (Normaler Scherartikelladen, der manchmal Exotisches anbietet)
  • Fritch, Charles E. „The Pawnshop“, Whispers, ed. Stuart David Schiff) (vor 1977)
  • Théophile Gautier, „Der Mumienfuß“
  • Gremlins
  • Jackson, Shirley. „Seven Types of Ambiguity“
  • Jacobi, Carl. „Revelations in Black“.
  • King, Stephen. Needful Things
  • Leiber, Fritz. „Bazar of the Bizarre“ Swords Against Death (dt. in Schwerter im Nebel)
  • Lalumière, Claude. The Door to Lost Pages (Buchhandlung)
  • Little Shop of Horrors
  • Ranald MacDougall, „The Ineffable Essence of Nothing“
  • Eine Monkees-Folge (Fernsehserie) (Titel unbekannt, aber einer der Monkees kauft im Laden eine Harfe nebst der Fähigkeit, sie zu spielen, worauf ihn der Teufel kassieren will)
  • Morley, Christopher. The Haunted Bookshop
  • Mysterious Traveler, The: „Death Is the Judge“, 1947-06-15 (old time radio show)
  • Norton, Andre. Witch World (Gefangene der Dämonen. Ein Roman aus der Hexenwelt)
  • Pound, Ezra. „The Lake Isle“ (ein Gedicht, gehört vielleicht nur am Rand hierher)
  • Pratchett, Terry. The Light Fantastic (in der Corgi-Ausgabe zumindest auf Seiten 133, 153, 162-175)
  • Pratchett, Terry. Soul Music
  • Rowling, Joanne K. Harry Potter and the Philosopher’s Stone (Harry Potter und der Stein der Weisen)
  • Sheckley, Robert. „Something For Nothing“ („Die Wunschmaschine“)
  • Sheckley, Robert. „Is THAT what people do?“ („Wenn Leute ganz allein sind“)
  • Robin Sloan, Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore
  • Smoke/Blue in the Face ?
  • Stevenson, Robert L. „Markheim“
  • Tenn, William. „Everybody Loves Irving Bommer“ („Alle Welt liebt Irving Bommer“) (vor 1955)
  • Travers, Pamela L. Mary Poppins, „The Gingerbread Shop“
  • Vogt, A.E. van. (Die Waffenläden von Isher)
  • Vogt, A.E. van. (Die Waffenhändler von Isher)
  • Warschawski. „Der Traumladen“
  • Wells, H.G. („Der Zauberladen“)
  • Wells, H.G. „The Diamond Maker“
  • Wells, H.G. „The Door in the Wall“
  • Wu, William F. „Wong’s Lost and Found Emporium“ („Wongs Fundsachen“)

Traditionell kauft man dort übrigens Spiegel, Gemälde, Türen, Fenster oder Bücher, glaube ich. Kombiniert wird das gern mit Geschichten um einen Pakt mit dem Teufel; dazu gibt es bereits etliche Anthologien, anders als zu den Läden (obwohl die schon so bekannt sind, dass sie oft genug parodiert werden).
Die Läden haben nun außerdem die Eigenschaft, dass sie gerne verschwinden, nachdem der Kunde wieder gegangen ist. Darum meine zweite Liste:


2. Now You See Them – Now You Don’t

Hier geht es um diverse Orte und Örtlichkeiten (darunter eben auch Läden), die plötzlich nicht mehr da sind, in die man plötzlich nicht mehr hinein kann, oder in denen nicht mehr dieselben Leute wohnen. Variante bei Michael Ende: Der Besitzer behauptet, den Jungen und das Buch (Die unendliche Geschichte) noch nie gesehen zu haben. Mitunter sind es auch Orte, die vorher nicht da waren (Jack Finney, Sheckley), oder Orte außerhalb unseres gewöhnlichen Kontinuums (King).
Die Erklärungen für das Verschwinden müssen dabei nicht immer übernatürlich sein, gerne handelt es sich allerdings doch um verschwindende dreizehnte Stockwerke.

  • Anderson, Poul. A Midsummer Tempest (Ein Mittsommernachts-Sturm)
  • Bond, Nelson. „The Bookshop“ („Der Buchladen“)
  • Bradbury, Ray. „Drink Entire: Against the Madness of Crowds“ ?
  • Braunbeck, Gary A. „Curtain Call“, in: P. N. Elrod (ed.), Dracula in London
  • Brednich, Rolf Wilhelm. „Das verschwundene Hotelzimmer.“ Die Maus im Jumbo-Jet. Neue sagenhafte Geschichten von heute. München: Beck 1991, 66-67. (Beck’sche Reihe 435)
  • Chetwynd-Hayes, Robert. The Monster Club (Der Monster-Club) ?
  • Doyle, Arthur Conan. „The Red-Headed League“
  • Dunsany, Lord. „The Bureau d’Echange de Maux“ („Das Bureau d’Echange de Maux“)
  • Dunsany, Lord. „A Shop in Go-by-Street“ („Der Laden in der Go-by-Street“) ?
  • Eichendorff. Joseph von. „Das Marmorbild“
  • Eichendorff, Joseph von. „Die Zauberei im Herbste“
  • Ellison, Harlan. „Adrift Just Off the Islets of Langerhans: Latitude 38° 54′ N, Longitude 77° 00′ 12“ W“
  • Ellison, Harlan. „The Museum on Cyclops, Avenue.“ (Slippage)
  • Ellison, Harlan. „The Place with No Name“
  • Ellison, Harlan. „Shoppe Keeper“
  • Ellison, Harlan. „Tired Old Man“ (1975)
  • Ende, Michael. Die Unendliche Geschichte
  • Finney, Charles G. The Circus of Dr. Lao
  • Finney, Jack. „The Third Level“
  • Fowler, Christopher. The Victoria Vanishes (2008) – entpuppt sich als Trick
  • Gaiman, Neil. The Sandman Library 8: World’s End.
  • Gruber, Frank. „The Thirteenth Floor“, The Day of the Dragon and other Tales of Terror, ed. Kurt Singer (vor 1967)
  • King, Stephen. Needful Things ?
  • King, Stephen. „A Winter’s Tale: The Breathing Method“
  • Lalumière, Claude. The Door to Lost Pages (verschwindet möglicherweise nur in Alptraumsequenz)
  • Leiber,Fritz. „Bazar of the Bizarre“ Swords Against Death (dt. in Schwerter im Nebel)
  • Lovecraft, H.P. „The Music of Erich Zann“ („Die Musik des Erich Zann“)
  • Ranald MacDougall, „The Ineffable Essence of Nothing“
  • Pratchett, Terry. The Light Fantastic (siehe oben)
  • Pratchett, Terry. Soul Music (siehe oben)
  • Ray, Jean. Malpertuis, Frankfurt: Insel 1974 (Bibliothek des Hauses Usher), S. 128
  • Robeson, Kenneth. Devil On the Moon (Der Mann vom Mond, S. 108 [Anspielung auf verschwundenes Stockwerk])
  • Rowling, Joanne K. Harry Potter and the Philosopher’s Stone (Harry Potter und der Stein der Weisen)
  • Rushdie, Salman. Midnight’s Children. Does the following belong here? „Bulldozers were rushed to the scene of the reported hovels; they found nothing. After that the existence of the moving slum of the escaped illusionists became a fact know to all the inhabitants of the city, but the wreckers never found it.“ (p. 431)
  • Russell, Ray. „Comet Wine“ („Kometenwein“) (Terra Fantasy Taschenbuch 74) ?
  • Sheckley, Robert. „The Altar“ („Der Altar“)
  • Tenn, William. „The Tenants“ („Die neuen Mieter“) (vor 1955)
  • The Twilight Zone. „The After Hours“. Season One, Episode 34, June 10, 1960: Ninth floor of department store
  • Vogt, A.E. van. The Weapon Shops of Isher
  • Vogt, A.E. van. The Weapon Makers
  • Wells, H.G. („Der Zauberladen“)
  • Wells, H.G. „The Door in the Wall“ ?
  • Wilson, Robert Anton. Masks of the Illuminati (Masken der Illuminaten)
  • Wu, William F. „Wong’s Lost and Found Emporium“ („Wongs Fundsachen“) ?

(Nach einer im 15. Jh. niedergeschriebenen Legende soll das Heilige Haus [Santa Casa = Jesu Wohn-/Elternhaus in Nazareth] auf wundersame Weise am 7.9.1295 nach Loreto bei Ancona gelangt sein. Gehört das auch hierher?)

Und nachdem es sehr unbefriedigend ist, wenn einem so plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, gibt es neben diesen ach so flüchtigen Orten das gerade Gegenteil (vielleicht zum Ausgleich?): Eine sichere, feste Heimat fern der Heimat. Ein Club, mit bequemen Sesseln, einem offenen Kamin, ein Club, der immer da ist, wo man ihn vermutet… oder zumindest fast immer. Deshalb die nächste Liste.


3. Kneipen, Clubs und Bars.

Nicht unbedingt phantastische, aber auf jeden Fall mehr oder weniger regelmäßig besuchte Treffpunkte. Eventuell auch Clubs ohne feste Räumlichkeiten (Stevenson, Chesterton). Zimmer Bradley ist ein Sonderfall: Greyhaven gibt’s wirklich.
Club Stories sind sicher schon sehr alt. Schon die frühen Novellensammlungen (Bocaccio, Chaucer, Tausendundeine Nacht, Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter bis zur deutschen Romantik) haben als Rahmen die geschlossene Gesellschaft, der die Geschichten erzählt werden. Ende des 19. Jahrhunderts erhalten dann auch viele englische Geschichten, gerne auch die unglaubwürdigeren, phantastischen (Heart of Darkness, The Turn of the Screw) diesen Rahmen.
Die Erzählsituation reicht dabei von dem Club, der für viele Geschichten den Rahmen abgibt (Clarke, King, Wodehouse), bis zur zufälligen Begegnung mit dem Fremden im Zug, der einem seine Geschichte erzählt. (Angefangene Liste vorhanden.)

  • Adams, Douglas. The Restaurant at the End of the Universe
  • American Graffiti
  • Anderson, Poul. A Midsummer Tempest (Ein Mittsommernachts-Sturm)
  • Bangs, John Kendrick. A House-Boat on the Styx ?
  • Clarke, Arthur C. Tales of the White Hart (Geschichten aus dem Weißen Hirschen)
  • Cheers
  • Chesterton, G.K. The Club of Queer Trades
  • Chesterton, G.K. „The End of the World“: „Then we found ourselves filling up the strict main street of a tiny hamlet, and across the wall of its inn was written in large letters, LE BOUT DU MONDE—the end of the world.“
  • Chetwynd-Hayes, Robert. The Monster Club (Der Monster-Club)
  • DC Comics: House of Mystery und House of Secrets, wo jeweils die Geschichten der Pensionsgäste erzählt werden
  • Doyle, Arthur Conan. (der Diogenes-Club, in dem Holmes‘ Bruder Mycroft sich gerne aufhält) ?
  • Dunsany, Lord. (der Club, in dem die meisten Jorkens-Geschichten erzählt werden)
  • Fowler, Christopher. „Lost in Leicester Square“
  • Gaiman, Neil. The Sandman Library 8: World’s End.
  • Gilgamesh-Epos: Siduris Schenke am Ende der Welt
  • Hemingway, Ernest. „A Clean Well-Lighted Place“ (gehört das vielleicht tatsächlich irgendwie hierher?)
  • King, Stephen. „A Winter’s Tale: The Breathing Method“
  • King, Stephen. („Der Mann, der niemandem die Hand geben wollte“)
  • Kipling, Rudyard. „In the Interests of the Brethren“
  • Kipling, Rudyard. „The Janeites“ (Jane-Austen-Fans)
  • Kipling, Rudyard. „A Madonna of the Trenches“
  • Kipling, Rudyard. „A Friend of the Family“
  • Linklater, Eric. Poet’s Pub
  • Morley, Christopher. The Haunted Bookshop (der Corn-Cob Club darin)
  • Robinson, Spider. Die Callahan-Geschichten
  • Sheckley, Robert. „The Altar“ („Der Altar“)
  • Sprague de Camp, Lyon/Pratt, Fletcher. Tales from Gavagan’s Bar (Geschichten aus Gavagans Bar)
  • Stevenson, Robert Louis. „The Suicide Club“ („Der Selbstmörder-Club“)
  • Rumble Fish ?
  • Tinniswood, Peter. Tales from a Long Room
  • Verne, Jules. In 80 Tagen um die Welt
  • Wells, H.G. „The Truth about Pyecraft“
  • Wodehouse, P.G. Meet Mr Mulliner
  • Zimmer Bradley, Marion (ed.) Greyhaven (Geschichten aus dem Haus der Träume)

Burma Shave

burmashave

Das erste Mal bin ich wohl in einem Johnny-Hart-Cartoon darauf gestoßen („Neander aus dem Tal“ / „B.C.“). Dort rollt einer den Berg hinunter und liest nacheinander die Schilder: „Kurve scharf / Abfahrt wild / Schauf auf die Straße / Nicht aufs Schild“. So etwas merke ich mir, ich weiß auch nicht warum.

Dann kamen mir immer wieder mal Hinweise auf „Burma Shave“ unter, nicht zuletzt etwa bei dem gleichnamigen Lied von Tom Waits. Oder bei Thomas Pynchon, Gravity’s Rainbow, S. 65 meiner Ausgabe (ich hab’s nie zu Ende gelesen, aber wohl immerhin mal bis dorthin geschafft).
Das war Jahre, bevor ich wusste, wie man ein Lexikon bedient. Das Internet war damals noch gar nicht gefunden.

Jetzt weiß ich’s endlich, nicht zuletzt dank Frank Rowsome, Jr., The Verse By the Side of the Road: Reklame für rasierpinselfreien Rasierschaum von 1927 bis 1963. Die Firma Burma Shave stellte entlang der reichlichen und damals noch weniger befahrenen Landstraßen der USA Schilder auf, rot mit weißer Schrift. Meist jeweils sechs Schilder mit je einer Zeile eines Gedichts; die letzte Zeile war dabei immer „Burma Shave“. Versmaß, Reim, Tonfall und typische Themen kann man den folgenden Beispielen entnehmen:

Frauen

His cheek
Was rough
His chick vamoosed
And now she won’t
Come home to roost
Burma-Shave

If your peach
Keeps out
Of reach
Better practice
What we preach
Burma-Shave

To kiss
A mug
That’s like a cactus
Takes more nerve
Than it does practice
Burma-Shave

Verkehrssicherheit

On curves ahead
Remember, sonny
That rabbit’s foot
Didn’t save
The bunny
Burma-Shave

Violets are blue
Roses are pink
On graves
Of those
Who drive and drink
Burma-Shave

Frauen und Verkehrssicherheit

The place to pass
On curves
You know
Is only at
A beauty show
Burma-Shave

Hygiene

His brush is gone
So what’ll we do
Said Mike Robe I
To Mike Robe II
Burma-Shave

My job is
Keeping faces clean
And nobody knows
De stubble
I’ve seen
Burma-Shave

Süß.

James Hilton

Sommer 1989, eine Jugendherberge in Großbritannien (Llwyn-y-Celyn in Wales). Ich kannte James Hilton schon als Autor von Lost Horizon – ein sentimentaler, abenteuerlicher Roman mit schöner Rahmenhandlung. In der Jugendherberge las ich das erste Kapitel eines weiteren seiner Bücher. Es begann mit einem Zeitungsartikel über den hochlobenswerten Einsatz eines englischen Geistlichen bei einem Zugunglück: Bei einem Zusammenstoß waren die hinteren Waggons in Brand geraten. Heldenmutig und ohne Rücksicht auf das eigene Leben versuchte der Geistliche, die Passagiere darin zu retten, und musste letztlich mit Gewalt davon abgehalten werden.
Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt kehrt der Geistliche zurück, sichtlich mitgenommen, und quält sich durch die Tage.

– und als geübter Leser wusste ich genau, dass da jemand hinten in den Waggons saß, den der Geistliche retten wollte, und von dem niemand erfahren durfte. Irgendeine bittere Liebesgeschichte.
Das Buch ließ ich damals in der Jugendherberge zurück. Zehn Jahre dauerte es, bis ich den Rest der Geschichte endlich erfahren konnte (den Titel des Buchs hatte ich inzwischen längst vergessen).


James (Ernest Benn) Hilton
9.9.1900 Leigh (Lancashire, UK) – 20.12.1956 Long Beach (California, USA)

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In den 30er Jahren schrieb er mit Lost Horizon einen Beststeller (berühmt verfilmt von Frank Capra), mit dem er der englischen Sprache den Begriff Shangri-la gab, und mit Goodbye, Mr Chips gleich noch einen. Später ging er als Drehbuchautor von England nach Hollywood. Heute ist er ein wenig vergessen – das Suchen im WWW liefert hauptsächlich „Shangri La“-Hotels. Zu seinem 100. Geburtstag wurde allerdings die James Hilton Society gegründet.

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Biographisches (aus dem Nachwort von Jahr um Jahr, München: Desch 1956):

James Hilton wurde im Jahre 1900 in der englischen Industriestadt Lancashire geboren. Schon während seiner Studentenzeit am Christ-College in Cambridge schrieb er seinen ersten Roman und gewann schon früh Ansehen als literarischer Mitarbeiter bedeutender englischer Zeitungen. Nach Beendigung des Studiums widmete er sich in London literarischen Arbeiten, von denen er selbst später sagte, daß »sie die Themse nicht in Flammen setzten«. Im Frühjahr 1933 gewann er über Nacht [das stimmt nicht ganz, siehe weiter unten] mit seinem Roman Lost Horizon, der ein Jahr später mit dem Hawthornden-Preis ausgezeichnet wurde, literarischen Weltruhm. Die Zeitschrift »The British Weekly« gab ihm einige Monate später für die Weihnachtsnummer eine längere Novelle in Auftrag; die Frist betrug vierzehn Tage. Nachdem die halbe Frist verstrichen war, setzte Hilton sich an einem regnerischen Morgen an den Schreibtisch und schrieb dann in vier Tagen Goodbye Mr. Chips, ein Buch, das sehr schnell ein Bestseller im anglo-amerikanischen Sprachraum wurde. Mit dreiunddreißig Jahren war James Hilton einer der bekanntesten Autoren Englands geworden.
Seit 1935 lebte er mit einigen Unterbrechungen in Südkalifornien als Autor erfolgreicher Bücher und Filme. In Hollywood zeichnete er sich dadurch aus, daß er – als typischer Engländer – durch nichts zu erschüttern war. Seine besondere Zuneigung galt der Musik; lange wollte er Pianist werden. Früh schon entwickelte er sich beim wiederholten Besuch der Schweiz zu einem passionierten Bergsteiger, der er bis zu seinem Tode geblieben ist.


Seine Buchveröffentlichungen sind:

Catherine Herself (1920)
Storm Passage (1922)
The Passionate Year (1923? 24?)
The Dawn of Reckoning (1925) / US: Rage in Heaven (1932)
The Meadows of the Moon (1926)
Terry (1927?)
The Silver Flame (1928 – 1936?) / US: Three Loves Had Margaret
And Now Good-Bye (1931) / D: Ein Abschied (?)
Murder At School (1931) (as Glen Trevor) / US: Was It Murder?
Contango (1932)/ US: Ill Wind / US: Nine Short Stories (in Avon Modern Short Story Monthly No. 5)
Rage in Heaven (1932)
Lost Horizon (1933) / D: Irgendwo in Tibet / D: Der verlorene Horizont
Good-Bye Mr. Chips (1933/34) / D: Leb Wohl, Mister Chips
Knight Without Armour (1933) / US: Without Armor
We Are Not Alone (1937) / D: Wir sind nicht allein
To You, Mr. Chips (1938)
Random Harvest (1941) / D: Gefundene Jahre (?)
The Story of Dr Wassell (1944)
So Well Remembered (1945) / D: George Boswells Geschick
Nothing So Strange (1947)
Morning Journey (1951) / D: Der Regisseur (?)
Time And Time Again (1953) / D: Jahr um Jahr

Twilight of the Wise (London 1949) – a very short (59 p.) personal narrative of World War I 1914-1918
The Duke of Edinburgh (London 1956) (biography/non-fiction)

„The Bat King“, in: Horrors Unseen, ed. Sam Moskowitz. New York: Berkley 1974.
„The Mallet“, in: Shafts of Fear, ed. Dennis Wheatley. London: Arrow 1964. (Auch in der größeren Sammlung A Century of Horror.)
„The Perfect Plan“, in: Ellery Queen’s Eleven Deadly Sins, ed. Eleanor Sullivan. New York: Walker and Company 1991.

Die deutschen Titel habe ich nur angegeben, soweit sie mir bekannt waren. Bei einigen deutschen Titeln weiß ich, dass sie existieren, aber nicht, zu welchem Buch sie gehören; diesen Titeln habe ich ein Fragezeichen beigegeben. Ich gehe davon aus, dass noch weitere Bücher übersetzt worden sind; zumindest eines ist noch als Gewitterwind erschienen.


Drehbücher von James Hilton (alle US):

1936 Camille (dt. Die Kameliendame) mit Zoe Atkins und Frances Marion
1939 We Are Not Alone (dt. Ihr seid nicht allein)
1940 Foreign Correspondent (dt. Mord) mit Charles Bennett, Joan Harrison und Robert Benchley
1942 Mrs. Miniver mit Arthur Wimperis und George Froeschel
1943 Forever and a Day (dt. Auf ewig und drei Tage) Episodenfilm, 7 Regisseure, 21 Autoren, darunter Hilton
1944 The Story of Dr Wassell (Dr. Wassells Flucht aus Java) mit Alan LeMay und Charles Bennett

Also fast alles zusammen mit anderen Autoren, fast alles Filme mit britischem Hintergrund.


Verfilmungen seiner Romane:

1937 GB Knight Without Armour
1937 US Lost Horizon
1939 GB Goodbye Mr Chips
1939 US We Are Not Alone
1942 US Random Harvest
1944 US The Story of Dr Wassell
1947 US So Well Remembered
1969 GB Goodbye Mr Chips (Musical)
1973 US Lost Horizon (Musical)

Hörspielfassung seiner Romane:

James Hilton präsentierte unter anderem die Hörspielreihe Hallmark Playhouse (1948-53) (später, ohne Hilton, The Hallmark Hall of Fame, 1953-1955) und wählte auch die Buchvorlagen für die Reihe aus.
Unter anderem waren das:
· Lost Horizon (Dec 30, 1948)
· Random Harvest (Feb 17, 1949)
· Goodbye Mr. Chips (Sep 16, 1948 & Feb 1, 1951).

Die Reihe Lux Radio Theater brachte an aktuelle Verfilmungen angelehnte Radiofassungen, häufig mit denselben Schauspieler wie im Film:
· Goodbye Mr. Chips (Nov 20, 1939)
· Lost Horizon (Sep 15, 1941)
· Random Harvest (Jan 31, 1944 & Apr 19, 1948).

Academy Award Theater präsentierte:
· Lost Horizon (Nov 27, 1946)

Orson Welles zeigte in The Campbell Playhouse (ursprünglich Campbell Theater):
· Lost Horizon (?) (Dec 3 1939)

Es gibt noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Hörspielaufnahmen.


Zur Publikations- und persönlichen Geschichte Hiltons:

Seinen ersten Roman, Catherine Herself, schrieb er als junger Student (undergraduate) mit 17 Jahren, zwei Jahre später wurde er veröffentlicht. Im Anschluss daran schrieb er einige Jahre lang für den Irish Independent eine zweimal pro Woche erscheinende Kolumne, seine Haupteinnahmequelle. 1921 beendete er sein Studium in Cambridge (Christ College; honours in English and a history degree). Daneben schrieb er weiter Romane, Beiträge für Zeitungen, Kritiken und unterrichte in Cambridge.
Erstes literarisches Lob holte er sich 1931 mit And Now Good-Bye, finanziell war aber erst Good-bye Mr. Chips (1933) ein Erfolg. Dessen Bekanntheit trug dann auch zu besseren Verkaufszahlen des eines halben Jahr zuvor erschienenen Lost Horizon bei, das zu einem der bekanntesten Bücher der Epoche wurde. Hilton bekam den Hawthornden Prize als vielversprechendster junger Autor; Lost Horizon wurde zum ersten Buch, das je als Paperback veröffentlicht wurde (je nachdem zumindest, wie man Paperback definiert – es war jedenfalls No. 1 der Reihe Pocket Book); Franklin Roosevelt nannte seinen Sommersitz in Maryland „Shangri-La“ (das heutige Camp David), es wurde zu einem Theaterstück, einem Film, einem Musical, einem Fernsehfilm.
1935 zog Hilton nach Kalifornien. Er schrieb weiter Romane, Artikel, Kritiken und daneben Drehbücher; er hielt Vorträge, auch im Radio.
Hilton wehrte sich gegen die Wiederveröffentlichung seiner Werke vor Lost Horizon und Good-bye Mr Chips. Die einzigen Ausgaben, die ich kenne, sind amerikanische oder kanadische Taschenbuchausgaben aus den 40er Jahren. Viele seiner Bücher tragen unterschiedliche britische und amerikanische Titel. Er blieb, was seine Schauplätze und Personen betrifft, eigentlich immer ein britischer Autor, der aber in Amerika lebte und schrieb und veröffentlichte.
1951 sagte er über sich selbst: „I dislike organized games, swimming pools, fashionable resorts, night clubs, music in restaurants and political manifestos; I enjoy driving from coast to coastm good food and drink,a few friends, dogs, the theatre, long walks, music (except grand opera) and free conversation. I read a dozen so so [sic] books a week (if I can find that many I want to read). I spend three or four hours a week in radio listening and an hour or so with television.“ (Zitiert nach: Lost Horizon. Notes [Coles Notes 991]. Toronto et al.: Coles 1965)


Gemischte Gedanken, aus historischen Gründen auf Englisch:

1. What I Found Interesting

I think there is a clue, or a key, to reading James Hilton. With Hilton, you often have characters with a much richer inner life than their surroundings suspect.
You often have a) an outside world that is aware only the surface appearance of a set of events, and b) stories in a what-really-happened-mode that are known to a very few characters only (two, one, or sometimes even none at all). I’ll call these stories inner stories.

For example:

· In Lost Horizon there is the story of what really happened to Conway. For some time, not even Conway himself is aware of his inner story (while he is suffering from amnesia). After his full recovery he confides in Rutherford, who then – in the frame story – tells it to the unnamed narrator, but only after they have got rid of the third member of their party, Wyland. „I don’t much care for Wyland“, Rutherford says. Conway’s inner story is not for everyone to hear. (An additional point is that there is no certainty that Conway’s story is the true at all. At the end of the book, the narrator and Rutherford discuss the arguments for and against the truth of the story. Maybe we have not got the real inner story after all.)

· In Random Harvest, Charles Rainier is also suffering from amnesia. Twice. As a shell-shocked officer in World War I, having no memories of his former life, he escapes from an asylum and marries a singer and is idyllically happy. Years later, another shock erases his memories of this life and he returns to his former life, even remarrying. At the time of the beginning of the novel he suspects that he has lost something terribly important. Here, his inner story is hidden not only from his family and colleagues, but also from himself. Until he remembers.

· In Knight Without Armour, Fothergill, a British diplomat, rescues a very young Russian princess during the Russian Revolution 1917 (I don’t remember exactly – was it Anastasia herself?) and arranges for her to be brought up in America. Years later, when she is a young woman, middle-aged Fothergill traces her and makes her acquaintance. He does not reveal himself and for a long time does not tell her who she really is, finally even burning the papers that would have proven her identity. That night, they climb a mountain. He tells her: „I’d rather wanted to have a particular talk with you about something“ but the climb has proven too strenuous. He has a weak heart. They decide he will tell her the following morning, but we are not certain just what he is going to tell her. He dies during the night.

· In We Are Not Alone, a young doctor is accused of murdering his wife, sentenced to death and executed. The main witness at the trial was a young boy. Now, as an adult, he has doubts. He discovers that the doctor’s son (who had not been present at the trial) had inadvertently been responsible for his mother’s death. (That is, if the doctor’s son is to be believed. As a child, he was fond of telling tall stories.) But since they cannot prove anything, and since it all happened so long ago anyway, they don’t see any point in telling anybody.

· My favourite example is And Now Good-Bye. In the summer of 1989, I found a copy of this book in a British youth hostel, a bound copy too. Sigh. Anyway, I read the prologue (with Hilton, almost inevitable) and was hooked. I did not pinch the book, but it took me ten years to find another copy and read it (in 1998 I found the book, read it in 1999).
The prologue contained the following (this is a summary, not a quotation):
Howat Freemantle, a British clergyman, is highly praised by the British press, by his wife and daughter, by the people of the small town he lives in, for a heroic deed. Travelling from London by train, he was in a serious rail accident, 14 dead. More people would have lost their lives if it hadn’t been for him, desparately trying to get people out of the burning carriages. His action was the more laudable as he did not even know any of the other passengers. Ah yes, and among the charred bodies were two unaccounted for, both of women. Throughout the prologue we never hear Freemantle himself, who seems to have grown very quiet after the accident.
And from the first paragraph you realize that there is something the public does not know about Howat Freemantle, about his trying to save people from the burning carriage, and about the unidentified bodies. The main part of the novel consists of the events leading up to that accident. In the epilogue, only one person gets to hear Freemantle’s story, and he tells him better to forget it.

· Nothing So Strange takes its title from a quotation, chosen as the book’s motto: „There is nothing so powerful as truth – and often nothing so strange.“ (Daniel Webster). Since it has been quite a while that I read the book, I don’t remember all that much, so I’ll just quote from the very first page:

„Yes, I knew him,“ I said, „but it was years ago – in England….“
You can make things sound very simple when you are answering questions on oath […] And all the time, behind the facts as you truthfully state them, there’s the real truth that you remember slowly […] That, of course, isn’t the kind of truth you’ve promised to tell, but it probably shows in your eyes and makes you look as if you were hiding something. Which, in a sense, you are.

· Morning Journey: Same here; I have forgotten a lot. At the end of the prologue, George and Randolph are having a telephone conversation about actress Carey Arundel and director Paul Saffron:
„Personally, I can’t understand it. Not only throwing away a career but for God’s sake what can she see in Saffron? What on earth did she see? Don’t suppose we’ll ever get the whole truth about that.“
[…] „She must have had an interesting life, Randy. Born in Ireland, she told me – on a farm. …I wonder how she ever…“ But there were so many things he wondered.
Hilton takes us back in time and space to Ireland, in order to tell the whole story.

· Murder at School is a mystery novel, and therefore carries by definiton an inner story with it that, again by definition, is discovered at the end. Everybody gets to know the true story, for a change.

· Then there is Hilton’s collection of short stories, as it were. Contango a.k.a. Ill Wind consists of nine short stories with a common thread. The main character of one story becomes a minor character in the next, and so on. This time, not a single character is aware of how their lives are interacting and interconnected, and how a hat blowing off at the beginning of the first episode ultimately influences the fate of a British minister of state in the last story. (An illustration of chaotic systems.)
Incidentally, several of the stories on their own contain variations of the inner story theme:
– In the first story, a British diplomat gets all the blame, while he in fact has only tried to be fair and just (coupled with some fatal indecisiveness, though). He is made out to be incapable of doing his job, and nobody wants to hear how everything really happened.
– The second story features a case of mistaken identity, where a character dreams up a secret inner story for another character, just to have it pierced at the end.
– Three: An impostor, which we realize only in the next story.
– Four: The same impostor, in a different role this time.
– Five: Three corpses in the aftermath of an earthquake. They died through a misunderstanding, one of them realizes with his dying thoughts. He is the only one who has seen through the misunderstanding (not that he can tell anybody).
– Sixth story: A journalist is the only one who has discovered a corpse’s identity (US film celebrity) after an earthquake in South America, but fails to reach civilization and tell.
– Seven: The journalist is living as a madman in the jungle, under unusual circumstances. The men who discover this don’t tell his surviving relatives, as the true story would be too cruel, they couldn’t get the strange details across anyway.
– Eight: A former aristocrat and survivor of the Russian revolution works as a chambermaid in a Swiss hotel and gets to know and even like a Russian diplomat. She never tells him her story. (Actually, she shoots him at the end of the story, for complicated reasons.)

So, in many of Hilton’s stories, there is a secret, more exciting, story that the public never learns about. This explains the narrative structure of many of Hilton’s books: Frequently there is a prologue (and an epilogue), constituting a frame for the story. Rarely the story is told in chronological order, flashbacks are frequent. We often get first the outside view of a character, and then go back into the past to the hidden story. Often we know the outcome of a story (the end of the novel, as it were) before we get told the events that led to it. (Lost Horizon, Knight Without Armour, And Now Good-Bye, Morning Journey, Random Harvest, We Are Not Alone, Nothing So Strange). Typically, this takes the form of knowing at the beginning that somebody is going to die at the end, so you can’t avoid a sense of doom while you watch the love affair unfold.


This is just a list of motives that seem to appear often in Hilton. It serves as a reminder to myself to work on this at some later stage; I haven’t had the time yet to go through my Hilton books again, so this is mostly from memory.

Ireland (Morning Journey, Knight Without Armor)
Piano/Chopin (Lost Horizon, And Now Good-Bye)
Mountains (Lost Horizon, Knight Without Armour, Random Harvest, Ill Wind [Florence Faulkner])
Doctors (We Are Not Alone, And Now Good-Bye)
Clergymen (And Now Good-Bye)
Amnesia (Random Harvest, Lost Horizon)
Courtroom scenes (Ill Wind [Gathergood], Nothing So Strange)
Diplomats (Ill Wind [Gathergood], Time and Time Again, Ill Wind [Henry Elliot]t)
Middle-Aged Man with Young Woman (Knight Without Armour, We Are Not Alone, And Now Good-Bye, Morning Journey [Hare and Arundel])

Knowing the ending of a story at the beginning (Lost Horizon, Knight Without Armour, And Now Good-Bye, Morning Journey, Random Harvest [partly])
Russia (Ill Wind [Paula Courvier], Knight Without Armour)
Murder (We Are Not Alone, Murder at School)


2. James Hilton and Mediocrity

„Lost Horizon, which won the Hawthornden Prize in 1933 for the most promising young novelist, is Hilton’s best book. It is prophetic that as „Glory“ Conway never fulfilled the promise of his early brilliance, so Hilton did not go on to write a great novel. He was content to turn out pleasant stories rather than serious works. Perhaps he had found his own private Shangri-La, and that satisfied his inner needs.“ Lost Horizon. Notes (Coles Notes 991). Toronto et al.: Coles 1965 .

There is very little on James Hilton on the web. There is one highly critical review of Lost Horizon by James Schellenberg. It is quite a damning review, actually, but not unfairly so. While I do not agree with some of the minor points, I can see the point in accusing Lost Horizon of championing mediocrity, a claim that is supported by the relevant entry in the Kindler, Germany’s major (4 ft.) encyclopedia of world literature.
Schellenberg accuses Conway, the hero of Lost Horizon, of exhibiting „a lethal (to the reader’s interest, that is) mix of indecision and introspection.“ In my opinion, this is also valid, even characteristic, for other Hilton heroes. Compare: „Brown was a likeable and even interesting personality, but he wore an almost constant air of observing life rather than participating in it“ (Ill Wind). Many of Hilton’s characters have, as I have tried to show above, incredible or moving stories to tell but, for whatever reason, they remain silent. Gathergood’s (Ill Wind) career is ruined because he can’t or doesn’t want to explain his actions. David Newcome (We Are Not Alone) is hanged for a murderer, though he knows that he is innocent. Fothergill (Knight Witout Armour has an incredible story to tell; he doesn’t. Carey Arundel and Paul Saffron (Morning Journey) could explain their elopement; they don’t. Freemantle (And Now Good-Bye) is suffering in silence instead of telling people that there was somebody he tried to rescue from the burning carriage.

These characters seem to be content with the outside world being unaware of the true story. They prefer it that way.
His heroes are not happy in the world they live in, not happy with the part they have taken upon themselves to play (out of a sense of responsibility?). Rather than do anything about it and change their surroundings, they create and live in their own world.
„But he was thinking of something else; he was thinking – By God, I believe there is something in me, if it had a chance; I believe what I’m everlastingly seeking for wouldn’t always elude.“ (And Now Good-Bye)
Freemantle will always continue to believe that there is something in him, for he will never get the chance to show it, he will never have to prove it, either to himself or others.
While I agree with Kurt Vonnegut that you don’t have to use your talents just because you happen to have them, I am suspicious of the feeling of „I too could be brilliant, if the world only knew“ I get when reading Hilton.
Hilton almost never shows the dangers of being too introspective. It is only in Ill Wind that Charles Gathergood’s indecisiveness leads to catastrophe. When a native on an island is accused of murdering a white man (which he is possibly not guilty of), Gathergood waits too long and the native is killed by a lynch mob. This leads to a revolution (of sorts) on the island, and more white people are killed. For once, the narrator’s sympathies do not lie with the puzzled main character (although Hilton does not offer any solution for Gathergood’s dilemma).

Hilton’s is a sense of wonder. He looks at all the windows in a street and wonders what strange stories may take place behind them. I find that splendid. But he does not go on and make a statement about appearances and reality. Maybe, if this had been what Hilton wanted to explore, and if he had questioned his indecisive heroes more, he would have been more recognized as an author.
As it is, I dearly love him for his stories (sentimental as I am), for his twisted way of telling, for his glimpses under the surface of ordinary-looking people.


Footnote

There have been at least two sequels to Lost Horizon. One is Return to Shangri-La by acclaimed British film critic Leslie Halliwell (1987). It’s been some time that I read it, and I only remember that I found it uncomfortably conservative (looking back to the good old days when workers wouldn’t go on strike all the time), but I may be quite wrong there. The blurb says it is „a tribute to the magical adventure movies of the 1930s“. The action takes place 50 years after the publication of Lost Horizon, when „two chance acquaintances in the Californian desert find reason to believe that the celebrated story may have had a basis is truth. A trail of danger, detection and excitement leads them from a flooded canyon in Death Valley back to the London blitz of 1940; from the spurious glamour of Hollywood to a peaceful island off the Pembrokeshire coast; and finally by an obscure Asian route to a discovery which changes their lives and could even affect the future of the world“ (blurb again).
The other book is Shangri-La: The Return to the World of Lost Horizon by Eleanor Cooney and Daniel Altieri (1996). I haven’t read that one yet.

The Anagrammed Bible

anabook

Steht nicht schon in der Bibel (Sprüche 4, 4):

„Seek and learn many pure statements, then commit to memory. Mind well, thus avoiding death ahead.“

Also, eigentlich steht dort:

„He taught me also, and said unto me, Let thine heart retain my words: keep my commandments, and live.“

Nur haben sich Richard Brodie und Mike Keith das gesamte Buch der Prediger (Ecclesiastes), das Buch der Sprüche und das Hohelied Salomons vorgenommen (jeweils in der King-James-Version) und anagrammiert. Oder heißt das anagraphiert?
Bei den ersten beiden Büchern haben sie Vers für Vers genommen und die Buchstaben umgestellt, bis jeweils etwas Vergleichbares, möglichst Sinnvolles, aber nicht zu Ähnliches herauskam. Beim Erzeugen von Anagrammen gebietet der Ehrgeiz schließlich, möglichst interessante Lösungen zu finden – nur ein oder zwei Wörter zu ändern, vielleicht nur die Wortstellung, und den Rest zu lassen, das wäre technisch auch ein Anagramm.


„Is there any thing whereof it my be said, See, this is new?
It hath been already of old time, which was before us.“

wird zu:

„Is any item we see hither on this blasted earth original?
Oh, no, dear wife: it’s a shabby, fetid, cheesy fume. Whew!“


„Hear ye, children, the instruction of a father, and attend to know understanding.“

wird zu:

„Defiant kids fear an older generation; they don’t want the church, and turn to sin.“


Bei Salomon sind jeweils mehrere Verse zusammen in Anagramme umgeformt worden; diese müssen aber zusätzlich Gedichten von Keats, e.e. cummings, Wordsworth und anderen englischsprachigen Dichtern nachgebildet sein. Sonst wär’s ja gar zu einfach.

Es ist schön zu sehen, dass auch andere Leute zuviel Zeit haben.

Homer, Die Odyssee

Jetzo entblößte sich von den Lumpen der weise Odysseus,
Sprang auf die hohe Schwell‘, und hielt in den Händen den Bogen
Samt dem gefüllten Köcher; er goß die gefiederten Pfeile
Hin vor sich auf die Erd‘, und sprach zu der Freier Versammlung:
Diesen furchtbaren Kampf, ihr Freier, hab‘ ich vollendet!
Jetzo wähl‘ ich ein Ziel, das noch kein Schütze getroffen,
Ob ich’s treffen kann, und Apollon mir Ehre verleihet.

Sprach’s, und Antinoos traf er mit bitterm Todesgeschosse.
Dieser wollte vom Tisch das zweigehenkelte schöne
Goldne Geschirr aufheben, und faßt‘ es schon mit den Händen,
Daß er tränke des Weins; allein von seiner Ermordung
Ahnet‘ ihm nichts: und wer in der schmausenden Männer Gesellschaft
Hätte geglaubt, daß einer, und wenn er der Tapferste wäre,
Unter so vielen es wagte, ihm Mord und Tod zu bereiten!
Aber Odysseus traf mit dem Pfeil ihn grad‘ in die Gurgel,
Daß im zarten Genick die Spitze wieder hervordrang.
Und er sank zur Seite hinab; der Becher voll Weines
Stürzte dahin aus der Hand des Erschossenen; und aus der Nase
Sprang ihm ein Strahl dickströmendes Bluts. Er wälzte sich zuckend,
Stieß mit dem Fuß an den Tisch, und die Speisen fielen zur Erde;
Brot und gebratenes Fleisch ward blutig. Aber die Freier
Schrien laut auf im Saale, da sie den Stürzenden sahen,
Sprangen empor von den Thronen, und schwärmten wild durcheinander,
Schaueten ringsumher nach den schöngemauerten Wänden:
Aber da war kein Schild und keine mächtige Lanze!

(Aus dem 22. Gesang, Übersetzung von Johann Heinrich Voß)

In den letzten Tagen habe ich die Odyssee gelesen. Auslöser war nicht die Ilias-Verfilmung von Petersen mit Brad Pitt, sondern ein episches Gedicht, das mir seit langem im Kopf herumgeht: Die Schlacht um die Alamo als germanisches Heldengedicht (aus dem Roman Silverlock von John Myers Myers).
Epischer Stimmung griff ich zur Odyssee, und zwar zur Prosa-Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt, aus der ich lediglich aus Urherberrechtsgründen weniger zitieren möchte als aus dem Voß.
Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen, auch über den Reiz hinaus, vor sich selber mit Homer angeben zu können. Wenn ich müde war, musste ich mich sehr konzentrieren, um gut lesen zu können; war ich wach, hatte ich bald vergessen, welche unvertraute Sprache ich da las: So ähnlich, wie man bei Filmen in der Fremdsprache die Untertitel gar nicht mehr als solche wahrnimmt. Noch schöner als Lesen muss es aber sein, sich die Odyssee vortragen zu lassen. Wie man oben sieht, sind einige Stellen wunderschön detailliert und voller lebendiger Einzelheiten.

(Zitate aus der Prosaübesetzung von Wolfgang Schadewaldt.)

Schöne Bilder:

„Mein Kind, welch Wort entfloh dem Gehege deiner Zähne?“ (1, p. 8, Zeus zu Athene)
„Mein Kind! welch Wort entfloh dem Gehege deiner Zähne!“ (23, p. 298, Eurykleia zu Penelopeia)

Das ist doch viel anschaulicher, als das bloße „kam über die Lippen“, wie es bei Voß heißt.

Geflügelte Worte

Bei der wörtlichen Rede gibt es das die Rede einleitende Verb gerne mal doppelt: „Sprach und benannte das Wort“. Oft sind es aber auch Einzelformen, mein Favorit „sprach zu ihr die geflügelten Worte“. Das kann ich mir richtig gut vorstellen, wie Comic-Sprechblasen mit kleinen Flügelchen dran.
Dann bin ich auf diese Stellen gestoßen:

„So sprach er. Der aber blieb die Rede unbeflügelt“ (17, p. 220) (Telemachos und Peneleopeia)
„So sprach er. Ihr aber blieb die Rede unbeflügelt“ (19, p.246) (Telemachos und die Pflegerin Eurykleia)
„So sprach er, ihr aber blieb die Rede unbeflügelt.“ (21, p. 281) (Odysseus und die Pflegerin Eurykleia)
„So rief er. Der aber blieb die Rede unbeflügelt“ (22, p.294 ~V. 398) (Telemachos und die Pflegerin Eurykleia)

(Ich zähle die Stellen nur deshalb auf, weil ich zutiefst organisierungssinnig bin – und gerne endlich die Einmerk-Zettelchen aus dem Homer nehmen möchte. Die Seitenzahlen beziehen sich auf meine Insel-Ausgabe, die leider die Verse nicht genau mitzählt.)

Ah ja. Heißt das jetzt, dass in den angesprochenen Frauen die Rede schon vorhanden war, aber eben unbeflügelt, und deshalb nur nicht herauskam zum anderen? Unbeflügelte Rede entspricht Gedanken; kriegen sie Flügel, werden Wörter daraus?

Sandman

„Denn zwiefach sind die Tore der wesenlosen Träume. Die einen sind aus Horn gefertigt, die anderen aber von Elfenbein. Und welche nun von den Träumen kommen aus dem gesägten Elfenbein, die äffen rein, indem sie unerfüllbare Worte bringen. Doch die da ausgehen aus dem geglätteten Horn, die sind zur Wahrheit auserkoren, wenn einer der Sterblichen sie sieht.“ (19, p. 259f)

Daher also die Tore aus Horn und Elfenbein bei Neil Gaimans Sandman-Comic. Im Original wohl auch ein Wortspiel, ich selber bin des Griechischen ja nicht so recht mächtig.

Zuletzt

Jetzt weiß ich endlich, wo der Witz herkommt, der mich seit Jahren plagt: Ein Seemann mit einem Ruder auf dem Rücken, das eine Landratte als solches nicht erkennt. Nach seiner Heimkehr soll Odysseus mit einem geschulterten Ruder nämlich solange landeinwärts laufen, bis man ihn fragt, was das denn eigentlich für ein Teil sei. Und da soll er dann dem Poseidon opfern.
Was ich allerdings nicht mehr weiß: Warum ich diese Anekdote mit mir herumtrage, nach ihrer Quelle suche. Ich muss sie irgendwo mal gelesen haben, vielleicht sogar mit einem Bezug zu Homer.