Nachschlagewerke, die ich von A-Z gelesen habe

Zu den sechs kuriosen Dingen über mich als Nachtrag meine kleine Liste der Nachschlagewerke, die ich von A-Z gelesen habe.

In keiner besonderen Reihenfolge:

  • The Penguin Dictionary of Modern Humorous Quotations. Compiled by Fred Metcalf. (319pp)
  • Very interesting… but stupid. A book of catchphrases from the world of entertainment. Compiled and introduced by Nigel Rees. (160pp)
  • Frankensteins Gruselkabinett von A-Z. Carey Miller, Schneider-Buch. (128pp)
  • Imaginary People. A Who’s Who of Modern Fictional Characters. David Pringle. (518pp)
  • On the Air. The Encyclopedia of Old-Time Radio. John Dunning. (822pp)
  • Oulipo Compendium. Edited by Harry Mathews & Alastair Brotchie. (333pp)
  • The Oxford A to Z of Word Games. Tony Augarde. (249pp)
  • King Kong, Spock & Drella. Was sie schon immer über amerikanische Pop-Kultur wissen wollten. Denis Scheck. (358pp)
  • The Traditional Games of England, Scotland, and Ireland. Alice B. Gomme. (2vols, 433pp and 531pp)
  • Lexikon des Kriminalfilms. Meinolf Zurhorst. (362pp)
  • Lexikon des Science Fiction Films. Ronald M. Hahn/Volker Jansen. (1037pp)
  • Von Atlantis bis Utopia. Ein Führer zu den imaginären Schauplätzen der Weltliteratur. Alberto Manguel und Gianni Guadalupi. (400pp)
  • The Penguin Encyclopedia of Horror and the Supernatural. Jack Sullivan. (482pp)
  • Lexikon der phantastischen Literatur. Rein A. Zondergeld. (314pp)
  • 100 Years of American Newspaper Comics. An Illustrated Enyclopedia. Maurice Horn. (413pp)
  • Kleines Wörterbuch des Kostüms und der Mode. Claudia Wisniewski. (282pp)
  • Kleines Wörterbuch der Architektur. (144pp)
  • Complete World Bartender Guide. (462pp) Ein Beispiel für mehrere Cocktailbücher. Erschienen 1978
  • William Safire, Safire’s Political Dictionary. (829pp) (Updated and expanded edition 2008)
  • Craig Conley, Magic Words. A Dictionary. (352pp)

Nicht aufgenommen habe ich vergnügliche, alphabetische Bücher, die zu wenig Nachschlagecharakter haben – The Meaning of Liff natürlich, Lost Worlds von Michael Bywater, The Devil’s Dictionary von Ambrose Bierce, Dummdeutsch von Eckhard Henscheid, Das Chasarische Wörterbuch von Milorad Pavić und The Future Dictionary of America. Ebensowenig R.C. Bell, Board and Table Games from Many Civilizations. Revised Edition. Two volumes bound as one, da das Buch nicht alphabetisch, sondern nach Spiel-Arten sortiert ist. Nicht aufnehmen konnte ich einige Bücher, die ich nicht mehr habe, insbesondere den geschätzten Lexikonband Zitate und Sprichwörter aus dem Bücherregal meiner Eltern.

Für ein Stöckchen ist das wohl etwas zu speziell.

Buchstabensalat

Die folgende Liste stammt aus dem Jahr 1996, also vor dem Siegeszug von SMS, daher keine Beispiele aus diesem Bereich. Aus Archivierungsgründen stelle ich sie mal hier ein.

In einem Lehrerzimmer fragten sich einige Lehrer einmal, ob es Abkürzungen wie „cu“ für „see you“ schon gab, bevor E-Mails aufkamen. Ei freilich, lautete die Antwort, und ich habe alle interessanten Beispiele, auf die ich gestoßenen bin, zusammengestellt. Außerdem enthält die Liste auch Beispiel für die gegenteilige Entwicklung, also etwa „emcee“ statt „mc“ oder „Jay Score“ statt „J-20“, und verwandte Gebiete.

Buchstaben oder andere Zeichen als Abkürzung für ganze Silben

(also einzelne Buchstaben statt mehrerer)

INXS
in excess, Musikgruppe [seit 1977]- und diverse weitere Beispiele aus der Musikszene, z.B. XTC, Ice-T, im Extremfall sogar „symbol“ beziehungsweise „the artist formerly known as prince“, der inzwischen nur noch ein abstraktes Zeichen als Repräsentation seines Namens – auf lautlicher und schriftlicher Ebene – gelten lassen will)
Ich habe nicht sehr nach Beispielen aus dieser Richtung gesucht, da die alle recht jung sein dürften.
CU
Eine Geschichte aus dem Jahr 1952 hat mich darauf gebracht, „Make Mine Mars“ von Cyril M. Kornbluth. In dieser SF-Geschichte kommuniziert man zwischen Planeten über eine Art Teletype und benutzt – wohl gängige – Teletype-Abkürzungen. XPCT für „expect“ und CU für „see you“, etwa in „GB FRB CU LTR“ („Good-bye, Frostbite [=Name des Planeten]. See you later.“)
see you – e-mail-Kürzel, aber möglicherweise nicht nur dort
Johnny B. Goode
Johnny be good – Titel eines Chuck-Berry-Hits aus den 50ern über einen Jungen von Land, der phantastisch Gitarre spielt und sein erstes großes Konzert gibt; Refrain: „Johnny B. Goode tonight“
124C4U
one to foresee for you, Name eines Roboters in einer SF-Story von Hugo Gernsback, 20er Jahre oder so
IOU
I owe you, Schuldschein-Kurzformel, 17. Jahrhundert – übrigens: in Ulysses merkt sich Stephen Dedalus die Tatsache, dass er sich von dem irischen Dichter George William Russell, bekannt unter dem Namen A.E., ein Pfund geliehen hat, mit der Vokalfolge: AEIOU (siehe Martin Gardner, „The Puzzles in Ulysses“, Gardners Whys & Wherefores, Oxford: Oxford University Press 1990, S. 109f.)
Can-D und Chew-Z
candy beziehungsweise ein Bezug zum lautlich allenfalls verwandten juicy: zwei futuristische Drogen in Philip K. Dicks Roman The Three Stigmata of Palmer Eldritch
Toys R Us
toys are us, ‚Spielzeug sind wir‘, amerikanische Kette von Spielzeugläden, das R ist dabei eigentlich spiegelverkehrt)
Bar-B-Q
barbecue; wohl älter
isotonic NRG drinks
Stephen Fry, Moab is my Washpot, p. 203
NRJ
oder mit vollem Namen: Radio NRJ – ausgesprochen wie energy, obwohl das dann korrekterweise NRG geschreiben werden müsste – aber die deutschen haben halt Schwierigkeiten mit der Aussprache von englisch G und J
B6y!
ist ähnlich falsch. Es soll „be sexy“ heißen und war eine Überschrift in der Zeitschrift Amica (04/00, S. 195)
K9
Polizei-Hundestaffel in den USA, ausgesprochen wie canine
AXN-News
zu lesen: Action – irgendeine Sendung auf PRO 7 oder so
While-U-Wait
while you wait; Sofortservice, älter
The We Rent M Car Company
we rent ‚em; Erle Stanley Gardner, The Case of the Spurious Spinster
a Drive Urself service
drive yourself; Ellery Queen, Double, Double, p. 98 (Tuesday, April 11)
U NO HOO
you know who; Erle Stanley Gardner, The Case of the Fabulous Fake – im Roman die Signatur unter anonym erschienenen Anzeige in einer Zeitung)
OK
für okay – oder umgekehrt?
evtl. G-string
Mini-Tanga, Herkunft unklar, möglicherweise für gee! ‚Toll!‘
X für die Silbe „ex“
etwa in PX – postal exchange, wo die amerikanischen G.I.s ihre Lebensmittel etc. kaufen
FX
im Filmwesen Abkürzung für effects, vor allem special effects, gibt’s mittlerweile auch bei Haarfestigern oder -spray
The Mind’s I
auch interpretierbar als das bekanntere „The Mind’s Eye“: mehrdeutiger Titel eines von Douglas R. Hofstadter und Daniel C. Dennett herausgegebenen Buches, deutsch geschickt übersetzt als: Einsicht ins Ich (Einsicht in Sich?), vergleiche dazu die Schreibung „Eye“ für „I“ weiter unten – „I“ ist in diesen Fällen allerdings weniger als Zeichen sondern als Wort zu sehen; hiermit läge ein FeldWald&Wiesen-Fall von Homophonie vor
L
„L“ für „elevated train“, oft auch „el“ abgekürzt. Etwa in: John O’Hara, BUtterfield 8, achte Seite von Kapitel 5 (bei mir: S. 119): the only station that came in good, because of the „L,“ which was half a block away.
2LTIME
Dadurch, dass es in den USA möglich ist, sein Autokennzeichen gegen eine Gebühr selbst zu wählen, wählt man gerne Buchstabenkombinationen, die ein englisches Wort ergeben, das den Fahrer charakterisiert; aus Platzmangel oder Orginalitätsstreben finden sich dabei oft ähnliche Erscheinungen wie in den oben angeführten Fällen.

Als Beispiel habe ich bisher 2LTIME für TOOLTIME, Kennzeichen eines Autos in der amerikanischen Sitcom Tooltime (dt. Hör mal wer da hämmert). Dazu gibt es noch D-FENS für defense aus dem Film Falling Down mit Michael Douglas (Joel Schumacher, USA 1993). Es gibt noch viel mehr Beispiele, ich muss mal mehr amerikanische Actionserien anschauen.

9W
Scherzfrage: Auf welche Frage ist die Antwort „9W“? Lösung : „Mr Wagner, do you spell your name with a ‚V‘?“ „9W“ (gemeint ist der deutsche Name, wenn nicht gar Komponist, Wagner) (in: John Smyth, Playing Word Games. A compendium of new and traditional word games. London: BCA 1995, S. 3)
Rebus-Tradition
ähnlich dem französischen G a; auch als Kinderrätsel (Beispiele sogar in den workbooks); „2B or not 2B“ beziehungsweise noch verschlüsseltere Fassungen, etwa „2BR02B“, Titel einer Kurzgeschichte von Kurt Vonnegut (wohl aus den 1950ern?), hier wird die 0 „naught“ ausgesprochen)
evtl. U.P.
für you pee (in Ulysses: siehe Martin Gardner, „The Puzzles in Ulysses“, Gardners Whys & Wherefores, Oxford: Oxford University Press 1990, S. 110f.)
Einzuordnen ist hier wohl auch: „Smiling wickedly, she held her nose with two fingers the way kids do when something stinks – P U!“ (Jonathan Carroll, A Child Across the Sky, p.103)

„P U“ ebenfalls in The Jack Benny Show Nov. 6, 1938 („The Crowd Roars“)
Auch: The George Burns & Gracie Allen Program, „Gracie Writes A Play“ (1940-12-16) (~21.55) & „George’s Job in Washington“ (1946-02-21) (~17:10)
Auch: Fibber McGee & Molly, „Fibber Changes His Name to Ronald“ (41-03-25)
Auch: The Red Skelton Show, „Vacation Time & Mad NCB Producers“ (46-06-04)

Qt („cutie“), e-z („easy“) und b-z (für „busy, obwohl lautlich nicht ganz zutreffend)
sind mir als Beispiele genannt worden, ich habe aber selber keine schriftlichen Belege dafür
@ für At-, 1/4 für Quater-
in dem futuristischen Kriminalroman The Demolished Man von Alfred Bester gibt es die Eigennamen 1/4maine (Quatermain) und @kins (Atkins [@ ist ja das postalische und jetzt durch das Internet verbreitete Kürzel für „at“ – wie heißt das Teil eigentlich wirklich, oder gibt es tatsächlich nur die Bezeichnung „Klammeraffe“?]); interessant ist der Roman auch aus weiteren Gründen: Es gibt darin eine Art Gilde von Gedankenlesern, den sogenannten Espern. Ihre telepathische Kommunikation untereinander ist typographisch durch Figurengedichte und andere visuelle Formen ausgedrückt. Mitglieder der Gilde haben unterschiedliche Ränge, etwa Esper 1, Esper 2, Esper 3 – eine Nebenfigur des Romans ist dabei ein ehemaliges, ausgeschlossenes Gildenmitglieder: ein Esper 3.
Z für -zy
In einem Cartoon von Gary Larson aus der Reihe The Far Side (The Far Side Gallery 3, S. 48) taucht das Brandzeichen Lay-Z Q (gesprochen „lazy“) auf – unabhängig davon stellt sich die Frage, ob es vielleicht tatsächlich derartige Brandzeichen gab, die – ähnlich dem Rebus – ein englisches Wort ergaben
A (Initiale) für a (Artikel)
oder doch zumindest als beabsichtigte Nebenbedeutung: der Held und fiktive Autor des Romans Flatland von Edwin A. Abbott, der in einer zweidimensionalen Welt spielt (ein mathematisches Kabinettstücken, das viele gedankliche Weiterführungen erfahren hat), ist ein Quadrat und nennt sich: A(.) Square)
π
für das englische „pie“: schön wär’s. Ich habe nur die Erzählung „Pi am Himmel“ von Rudy Rucker gefunden (in: Rudy Rucker, Mixmischmasch. Geschichten aus der Hypersphäre. Frankfurt: Fischer 1988, S. 154ff.); auf englisch ist das ein Wortspiel mit „pie in the sky“ – ob im Originaltitel aber „pi“ oder „[der griechische Buchstabe]“ steht, weiß ich nicht (zuzutrauen wär’s dem Autor, einem Mathematiker)
π
als Eigennamen, „pi“ ausgesprochen (in Stefano Benni, Terra!)

Ich bleib dir 3, 4+4
traditionelle Lebkuchenaufschrift, auch bei Arno Schmidt
Sprachspiele/Rebusse:
ND=Ende, KC=Katze, LB=Elbe, ZL=Zettel, GZR=Gezeter; LA NDT (Ella endete), BAT RÖTT (Beate errötete), MA BTT (Emma betete);
Mit anderen Zeichen: 2G (Zweige), H& (Hund), M= (Mist); 2 ge8tete Kla4spieler m8en gem1amen Urlaub im 7gebirge;
über die Sprechsilbengrenzen hinaus: L8auben, Kur2l, Meere6en;
hier gilt nicht der Lautwert der Ziffer, sondern ihre Scheibung: Routi9tersuchung (alle diese Beispiele und noch mehr zu direkten Rebussen bei: Eugen Oker, Wortspielereien. Ravensburg: Maier 1984, S. 23f.)

In dem kurzen Prosatext „Rätselhaftes Ostermärchen“ von Joachim Ringelnatz ist die Digraphie ei jeweils durch ein kleines typographisches Ei („O„) ersetzt, ebenso die Buchstaben eier durch zwei davon („OO„). Beispiel: WOhnachtsfOO. (Weiterhin steht an einer Stelle OOOO für das Wort „Eier“.)


Buchstaben für Silben, wohl als Schreibvariante zu interpretieren:
amerikanisch „thru“ für „through“ und so weiter

Ganze ausgeschriebene Silben für Zeichen

(also viele Buchstaben/Zeichen statt eines einzigen)

emcee
„mc“: master of ceremonies, Conferencier
Jaycee
„jc“: Austral., N.Z., U.S. and Canadian Mitglied einer junior chamber of commerce; ich glaube aber auch einmal eine Kurzgeschichte gelesen zu haben, in der damit Jesus Christ, eventuell abwertend, gemeint war – vielleicht täuscht mich aber meine Erinnerung)
jayvee
ist mir nur in einem Cartoon aus der Reihe The Wizard of Id von Johnny Hart und Brent Parker (im Band Help Stamp Out Grapes) begegnet; kurz für (member of) a junior varsity. Der König meint resignierend zu seinem Berater: „Other kings get armies, I get jayvees!“
Jay Score
„J-20“: Name eines Roboters in einer Reihe von SF-Kurzgeschichte von Eric Frank Russell
ellfivers
people living in a space station at one of the L-5 points (Legrange points; five stable positions where earth and moon gravity cancel each other out); in: John Varley, Demon, New York: Ace 1987, p. 46
Ecchs für X
in der amerikanischen Werbung heißt das Produkt, mit dem das eigene verglichen wird, und das sich natürlich als minderwertig herausstellt, traditionell „Brand X“, also „Marke X“; in „Stan’s Soapbox“ in Peter Parker, Spider-Man Vol 1, No. 86, December 1997 wird Stan Lee nach Lieblingsmagazinen gefragt, die nicht aus seinem Haus (=Marvel Comics) stammen; er antwortet mit Newsweek und ähnlichem und kommentiert schelmisch: „Thought I’d have to mention one of the Brand Ecchs, didn’tcha?!!“ – außerdem gab es auch mal einen Marvel-Titel, der Not Brand Ecchs hieß
tee
t: in den Varianten tee-shirt und tee-joint, oder, wie es mein Collins English Dictionary ausdrückt: „any part or component shaped like a T“; daneben gibt es auch tee: „a mark used as a target in certain games such as curling or quoits“ – „perhaps from T-shaped marks, which may have originally been used in curling“
okay
„OK“ – oder umgekehrt? Siehe auf jeden Fall „and kayoed a fourth with a perfect straight left“, George Macdonald Fraser, The Pyrates, p. 175
Eye
„I“: ein Sonderfall allerdings, da der Sprecher in Thor, Vol. 1, No. 293 (March 1980 issue) tatsächlich ein großes Auge ist; aus einzelnen Textstellen geht aber hervor, dass dieses eye grammatisch wie das Personalpronomen der 1. Person funktioniert: „Eye say“
Dazu gibt’s auch eine TV-Produktionsfirma namens „MME – Me, Myself & Eye“
(siehe oben „I“ für „eye“)
Kaycee, Cee Vee
Namen zweier Städte im Westen der USA, entstanden aus Brandzeichen „KC“ und „CV“. Weitere Städtenamen aus Brandzeichen: Ucross, Anchor, Twodot, Circle Back. (George R. Stewart, Names on the Land, p. 318.)
Katy
Darauf gekommen auch durch das Buch von George R. Stewart. „Katy“ wie in „She Caught the Katy (and left me a mule to ride)“, das man als erstes Lied im Film Blues Brothers kennen könnte. Der Name steht füt „K-T“, und das wiederum für Missouri-Kansas-Texas Railroad.
eventuell and für „N“
in dem versteckten derben Witz in Shakespeares Twelfth Night (Was ihr wollt); Malvolio findet einen angeblich von seiner Herrin geschriebenen anonymen Liebesbrief an ihn selbst, und überlegt laut, ob das wirklich ihre Handschrift ist:

By my life, this is my lady’s hand: these be her very C’s
her U’s, and her T’s; and thus makes she her great P’s.
(Akt II, Szene V)

„If you see kay“ und „See you in tea“
aus Ulysses sind ähnlich obszön (siehe Martin Gardner, „The Puzzles in Ulysses“, Gardners Whys & Wherefores, Oxford: Oxford University Press 1990, S. 113f.)
Private Eye für P.I.
für Private Investigator (Privatdetektiv); der Ausdruck private eye ist möglicherweise älter als die Abkürzung, dennoch fällt die I/Eye-Parallele auf

Sonstiges

Se7en
– eigentlicher Titel des Films, der auch als Seven bekannt ist (USA 1996 oder so); Grund: im Vorspann verwandelt sich die 7 in „Se7en“ in den Buchstaben „v“; filmrechtlich gilt aber das erste Erscheinen des Titels als die korrekte Schreibung (stand mal in einer britischen Filmzeitschrift)
$0
„because of petty fighting betweeen professionals who have $0 other than their fees at stake“ (aus einem Fax, zitiert in Dan Raviv, Comic Wars, New York 2002, p. 217)
S.M.I2.L.E.
ein einst von Timothy Leary geschaffener Slogan, ausgeschrieben: Space Migration, Intelligence Increase, Life Extension; interessant ist dabei vielleicht die Verwendung des Exponenten, um die zwei „I“ abzukürzen;
leider ist mit noch nie der phantasievollere Madison2 Garden begegnet
Poker-Fachsprache:
die 9er werden wegen der Form auch pothooks genannt, die Buben (J für Jack) – seltener die Siebener – auch fishhooks oder nur hooks (Dank an Uwe Krings, „Poker Parlance“, in: Festschrift anläßlich des 30. Geburtstags von XXX, Augsburg 1997 [Selbstverlag], S. 50-55)
$ für S
wie etwa in der Simpsons-Episode $pringfield
Xmas
für Christmas: X wegen des ähnlichen griechischen „Chi“ für „Christos“

am Rande muss erwähnt werden: L7 (gesprochen tatsächlich „el seven“) als Bezeichnung für „Spießer“ (steht allerdings nur in guten Slang-Wörterbüchern); Grund: die Zeichen L und 7 bilden – vor allem handschriftlich – zusammengenommen ein Quadrat, engl. „square“ = „Spießer“

Beleg zum Beispiel in Peter Parker, The Spectacular Spider-Man Vol I, issue 111, als zwei Journalisten in einen Szene-Club möchten und die entsprechend gekleidete Reporterin sich für den konservativer gekleideten Kollegen verbürgt: „The L-7’s with me. I’ll keep him on a leash.“


Akronyme, teils als Wort, teils als Buchstabenfolge ausgesprochen
(eine Auswahl, gehört wohl nur am Rand hierher)

AWOL (absent without leave – US-Army-Slang)
ASAP (as soon as possible)
snafu (situation normal, all fucked up – US-Army-Slang)
WYBADIITY („Will you buy a[nother] drink if I tell you?“, alte Inschrift in Bars, die die Frage: „Was heißt denn das?“ provozieren soll)


Buchstaben für ihnen entsprechende Formen
(eine Auswahl, gehört wohl nur am Rand hierher)

U-Turn, T-Bone, T-Shirt, T-Träger


Noch zu untersuchen:

  • Tradition der spiegelverkehrt geschriebenen Buchstaben unter ansonst normalen Zeichen (als Designmerkmal in der Werbung, erweckt entweder die Assoziation „flott, überdreht“ oder „russisch“)
  • in diesem Zusammenhang auch die Verwendung von Ziffern für Buchstaben („3“ für „E“, „1“ für „I“)
  • gibt es eine Vorgeschichte bei konkreter Poesie oder verwandten Richtungen?
  • gibt es eine Vorgeschichte bei Brandzeichen? (siehe oben)
  • gibt es eine Vorgeschichte bei Teletype-Abkürzungen?
  • bei amerikanischen Autokennzeichen? (siehe oben)

Rashomon-Episoden

Rashomon, auch: Rasho-Mon, Rashômon, ist ein Filmklassiker von Akira Kurosawa von 1950; Grundlage des Films sind Kurzgeschichten von Ryunosuke Akutagawa. Hier ist der Eintrag bei IMDB dazu.
Der Film hat viele interessante Aspekte, aber der bekannteste ist wohl der Aufbau: Ein Verbrechen ist geschehen, der Bandit Tajômaru hat einen Mann ermordet und dessen Frau vergewaltigt. Drei Personen treffen sich und berichten aus ihrer Sicht vom Geschehen. Zuletzt wird der Geist des Ermordeten beschworen und erzählt seine Fassung. Die vier Geschichten erzählen vier unvereinbare Versionen eines Geschehens. Was wirklich passiert ist, können die Personen nicht klären.
Mit dieser kurzen Zusammenfassung ist dem Film lange nicht genüge getan, aber die Kenntnis des Films setze ich mal voraus. Er ist ein Meilenstein.*

Die Struktur von Rashomon ist von vielen anderen Erzählern aufgenommen worden. Gerade Fernsehserien haben gerne mal Rashomon-Episoden (ähnlich wie es viele Fassungen von „Twelve Angry Men“ gibt, aber dazu später mal). Typischerweise gibt es dabei drei widersprüchliche Fassungen eines Geschehens, die episodenartig nacheinander erzählt werden. Bei den furchtsameren Serien gibt es zum Schluss eine Instanz, die eine der Fassungen zur richtigen erklärt. Man traut dem Zuschauer anscheinend nicht zu, die Spannung auszuhalten, die eine unvollkommene Auflösung mit sich bringt.

  • The Dick van Dyke Show: „The Night the Roof Fell In“, Staffel 2 (1962), Drehbuch John Whedon, Regie Hal Cooper.
    Rob (Dick van Dyke) und Laura (Mary Tyler Moore) streiten sich, bis Rob die Nacht wütend in der Garage verbringt. Beide erzählen ihren jeweiligen Freunden ihre Fassung des Geschehens, stellen sich selbst als absolut unschuldig am Streit hin. Es gibt eine dritte Fassung.
  • Magnum, P.I.: „I Witness“ (dt. „Rashomon, die Fortsetzung“ bzw. „Augenzeugen“), Staffel 4 (1984)
    Ein kleines Meisterwerk. Der Nachtclub wurde überfallen, die Kasse geraubt; die Polizei und Magnum finden Rick, T.C. und Higgins nackt und gefesselt. Jeder der drei erzählt seine Variante; keine der drei ist glaubwürdiger als die anderen, jeder stellt sich selber als Held und die anderen als Jammerlappen hin. Die drei Fassungen unterscheiden sich nach Hintergrundmusik, nach Tiefe des Dekolletés bei der Sängerin und vielen, vielen weiteren Einzelheiten. — Zum Schluss ist der Überfall geklärt, aber warum die drei nackt waren, erfährt Magnum aus keiner der drei Geschichten.
  • Peter Parker The Spectacular Spider-Man (Vol. 1): Issue No. 121 (1986), „Eye Witness!“ Keine Fernsehserie, sondern ein Superhelden-Comic. J. Jonah Jameson (Herausgeber des Daily Bugle und Spider-Man-Hasser), Peter Parker (Spider-Man) und dessen Freundin Mary Jane erzählen drei Fassungen des gleichen vereitelten Banküberfalls. Sehr schön gemacht, bis in die Details. Kein Wunder: Als ich gerade nach den Credits gesucht habe, ganz hinten, steht da als Autor „Peter David“. Und der ist nunmal einer der besten. (Für die verschiedenen Teilgeschichten gab’s auch verschiedene Zeichner, sechs insgesamt.)
  • Star Trek The Next Generation: „A Matter of Perspective“ (dt.: „Riker unter Verdacht“), Staffel 3 (1990).
    Eine Raumstation explodiert, dabei stirbt der Forscher Apgar, Riker und Apgars Frau Manua überleben. Nach Rikers Fassung war Apgar grob unhöflich und Manua versuchte Riker zu verführen; laut Manuas Fassung versuchte Riker sie zu vergewaltigen und fing Streit mit Apgar an (Troi erkennt, dass Manua zumindest nicht bewusst lügt). Danach wird die Fassung von Apgars Assistenten gehört. Schließlich gelingt es, im Holodeck das wirkliche Geschehen zu simulieren.
  • Emergency Room: „Four Corners“, erste Episode von Staffel 8 (2000).
    Ich hab die Folge noch gar nicht gesehen, es ist aber eine klare Rashomon-Hommage.
  • Coupling: „Remember This“, Episode 19, Staffel 3 (2002).
    Patrick und Sally erinnern sich, wie sie sich kennen gelernt haben. Wir sehen zwei sich widersprechende Fassungen. Man kann sich zusammenreimen, was genau geschehen ist, da ziemlich klar und schreiend komisch ist, welcher Erzähler welche Details im Gedächtnis behalten hat. Keine der beiden Fassungen ist durchweg korrekt.
    (Coupling ist eine brillante englische Serie. Brillant geschrieben, sehr gut gespielt. Der Versuch, eine US-Fassung zu drehen, ging wohl schief; nach 4 von 11 gesendeten Episoden wurde die US-Serie abgesetzt. Wie konnte man nur auf die Idee kommen, das ließe sich für Amerika zurechtschneiden.)
  • That 70s Show, Episode „I Can’t Quit You Babe (a.k.a. Jackie and Hyde Get Busted)“ (September 24, 2002) – drei Versionen davon, wie Jackie und Hyde zusammenkamen. Für die Episode aber nicht zentral, sondern Beiwerk.
  • How I Met Your Mother, Staffel 8, Folge 17 (Folge 177), „The Ashtray“. Drei Varianten eines Abends, und eine vierte dann als das, was tatsächlich passiert ist.
  • Ein Mord mit Aussicht, Spielfilmauskopplung (2015) aus der Serie Mord mit Aussicht. Wir sehen hier zuerst die Version, die als tatsächlich geschehen und neutral geschildert vorgestellt wird, danach kommen gefärbte Zeugenaussagen, aber jeweils nur kurze Szenen. (Und zwar durch Filtereinsatz wörtlich gefärbt.)
  • Gambit/Das Mädchen aus der Cherry-Bar (1966) Nicht wirklich Rashomon, die ersten 25 Minuten der Einbruchsfilm-Handlung stellen sich danach lediglich als Vorstellung des Plan heraus; darauf folgt der tatsächliche Ablauf, der sich deutlich unterscheidet. Typisch Rashomon etwa: Im Plan spricht Shirley MacLaine kein einziges Wort und setzt sich akrobatisch-delikat auf die Couch; im tatsächlichen Ablauf spricht sie so viel, dass die Michael Caine auf die Nerven geht, und ist wesentlich burschikoser.

Bestimmt gibt es noch mehr Folgen, Matlock hat doch bestimmt auch eine gemacht. Kennt jemand noch welche?

*Gerade gesehen, dass der Film auf der Kurzgeschichte „Yabu no naka“ („In the Grove“) von Ryunosuke Akutagawa basiert, die wiederum auf „The Moonlit Road“ von Ambrose Bierce zurückgeht. Schon bei Bierce haben wir drei unzuverlässige Erzähler, die jeweils – vermutlich – das gleiche Ereignis beschreiben, eine Frau, die von ihrem Mann aus Eifersucht umgebracht wird. Ihre Aussage gibt es ebenfalls durch ein Medium.

Nachtrag: Siehe Liste bei TV Tropes.
Nachtrag: Liste bei Wikipedia.

My radio shows

Das ist keinesfalls eine Liste aller OTR Shows, die es gibt. Aber es ist eine Liste aller Sendungen, von den ich mindestens eine Episode habe (digital, Kassette oder Audio-CD). Irgendwann schreibe ich zu einigen davon noch einen Eintrag.

2000 Plus
A Life In Your Hands
Abbott & Costello Show, The
ABC Radio Workshop
Academy Award Theater
Ace Williams, The Adventures Of
Adventures By Morse
Adventures In Research
Adventures of Hornblower
AFRS Radio Playhouse
Air Adventures Of Jimmy Allen, The
Al Jolson Show, The
Aldrich Family, The
American Trail
American Weekly
Amos & Andy
An American In England
Anderson Family, The
Answer Man, The
Arch Oboler’s Plays
Archie Andrews
Arthur Godfrey Time
Author, Author
Avenger, The
Babe Ruth, The Adventures Of
Baby Snooks Show, The
Barry Craig, Confidential Investigator
Batman Mystery Club, The
Behind the Mike
Behind the Scenes
Believe It Or Not
Beulah Show, The
Beyond Tomorrow
Bickersons, The
Big Story
Big Town
Bing Crosby Show, The
Black Castle, The
Black Chapel, The
Black Hood, The
Black Museum, The
Blondie
Bob & Ray
Bob Burns Show, The
Bob Hope Show, The
Bold Venture
Boris Karloff Show, The
Boston Blackie
Box 13
Broadway Is My Beat
Buck Rogers In the 25th Century
Burns & Allen
Camel Comedy Caravan
Campbell Playhouse
Campbell’s Short Short Story
Can You Top This
Candid Microphone, The
Candy Matson
Captain Midnight
Case Dismissed
Casey, Crime Photographer
Cavalcade of America
CBS Radio Workshop
Challenge Of The Yukon
Chandu the Magician
Charlie Chan
Cinnamon Bear
Cisco Kid, The
Clock, The
Columbia Masterworks
Columbia Workshop
Command Performance
Counterspy
Crime Club
Crisco Radio News
Curtain Time
Damon Runyon Theater
Danger, Dr Danfield
Dangerous Assignment
Danny Kaye Show, The
Dark Fantasy
Date With Judy, A
Defense Attorney
Dennis Day, A Day In the Life Of
Destination Freedom
Diary of Fate
Dick Tracy
Dimension X
Dinah Shore Show (Bird’s Eye Open House)
Don’t You Believe It
Dragnet
Duffy’s Tavern
Easy Aces, The
Eddie Cantor Show, The
Edgar Bergen Charlie McCarthy Show, The
Ellery Queen, The Adventures of
Escape
Exploring Tomorrow
Falcon, The
Family Theater
Fat Man, The
Father Knows Best
Favorite Story
Federal Agent
Fibber McGee & Molly
First Nighter Program, The
Fitch Bandwagon
Five Minute Mystery
Flash Gordon
Flywheel, Shyster & Flywheel / Five Star Theater
Ford Theater
Forecast
Frank Farrell, The Adventures Of
Frankenstein
Fred Allen Show, The
Free Company, The
Frigidaire Star Time
Frontier Gentleman
Frontier Town
G.I. Journal
Gangbusters
Ghost Corps, The
Globe Theater
Good News of 1939
Goon Show, The
Grand Central Station
Great Gildersleeve, The
Green Hornet, The
Green Valley Line
Guest Star
Guilty Party
Gunsmoke
Guy Lombardo
Hall of Fantasy, The
Hallmark Playhouse, The
Halls of Ivy, The
Haunting Hour, The
Have Gun, Will Travel
Henry Morgan Show, The
Hercule Poirot
Hermit’s Cave, The
High Adventure
Hobby Lobby
Hollywood Barn Dance
Hollywood Mystery Time
Hollywood On the Air
Hollywood Playhouse Of Romance
Hollywood Spotlight
Horace Heidt Show, The
House of Mystery
I Love a Mystery
I Love Adventure
I Was a Communist for the FBI
Incredible But True
Information Please
Inner Sanctum Mysteries
It Pays to be Ignorant
Jack Benny Program, The
Jane Endicott, Reporter
Jimmy Durante Show, The
Joe E. Brown Show
John Steel, Adventurer
Journey into Space
Kraft Music Hall, The
Land of the Lost, The
Last Man Out
Laurel & Hardy Show, The
Les Miserables
Let George Do It
Let’s Pretend
Life of Riley
Life With Luigi
Lights Out
Lineup, The
Lives of Harry Lime, The
Living 1949
Lone Ranger, The
Louella Parsons
Lum & Abner
Lux Radio Theater
Magic Island
Magic Key of RCA, The
Maisie
Majestic Master of Mysteries
Man Called X, The
Mandrake the Magician
Manhunt
Mark Trail
Martin & Lewis Show
Mayor Of The Town
Meet Corliss Archer
Meet the Meeks
Mel Blanc Show, The
Melody Ranch
Mercury Summer Theater
Mercury Theater of the Air
Milton Berle Show, The
Minnesota School of the Air
Molle Mystery Theater
Moon Over Africa
Movietown Radio Theatre
Mr and Mrs North
Mr District Attorney
Mr. Keene, Tracer of Lost Persons
Murder At Midnight
Murder By Experts
Murder Will Out
My Favorite Husband
My Friend Irma
My Little Margie
Mysterious Traveler, The
Mystery In The Air
National Barn Dance
NBC Presents Short Story
NBC University Theater
Nero Wolfe, The Adventures Of
New World A-Coming
New York Close-Up
Nick Carter, Master Detective
Night Watch
Nightbeat
Obsession
Old Gold Show
Omar, Wizard of Persia
On Stage
Operation Nightmare
Our Miss Brooks
Out Of The Night
Ozzie & Harriet, Adventures of
Pat Novak, For Hire
Pete Kelly’s Blues
Phil Harris & Alice Faye Show, The
Philip Marlowe, The Adventures Of
Philip Morris Playhouse
Quiet Please
Quiz Kids, The
Radio City Playhouse
Radio Guild
Railroad Hour, The
Red Skelton Show, The
Results, Inc.
Richard Diamond, Private Detective
Ripley‘ Believe It Or Not
Rocky Fortune
Rogue’s Gallery
Romance
Sad Sack Show, The
Saint, The
Sam Spade, The Adventures of
Screen Directors‘ Playhouse/Guild
Screen Guild Theater
Sealed Book, The
Sealtest Variety Theater
Sealtest Village Store
Shadow of Fu Manchu, The
Shadow, The
Sherlock Holmes
Six Shooter, The
Sky King
Sleep No More
Smiths of Hollywood, The
Spike Jones Show, The
Stan Freberg Show, The
Stars On Parade
Strange As It Seems
Strange Doctor Weird, The
Studio One
Superman, The Adventures of
Suspense
Tailspin Tommy
Tales Of The Texas Rangers
Tarzan
Terry and the Pirates
Texaco Star Theater
The Lives of Harry Lime
Thin Man, The
This Is My Best
This Is Your FBI
Time For Love, A
Troman Harper, Rumor Detective
True Detective Mystery
Truth Or Consequences
Twenty-First Precinct
Vic and Sade
Voyage Of The Scarlet Queen, The
Walter Winchell’s Jergen’s Journal
Wednesdays With You
Weird Circle, The
Which Is Which?
Whisperer, The
Whistler, The
Wild Bill Hickock
Witch’s Tale, The
Words At War
World Adventurer’s Club, The
X-1
You Are There
You Bet Your Life
Your Hit Parade
Yours Truly, Johnny Dollar
Zorro, Adventures of

Geheimnisvolle Läden

(Lord Dunsany berichtet) Ein verstörter junger Mann erschien gestern abend bei der Pariser Polizeipräfektur und verlangte von den Beamten, ihm bei der Suche nach einem Bureau d’Echange de Maux zu helfen. In der von ihm genannten Straße waren jedoch keinerlei Spuren eines solchen Ladens zu finden, obwohl der Mann beteuerte, erst wenige Tage zuvor dort Kunde gewesen zu sein. Über die Art seines Handels wurde nichts bekannt.

Diese Seite enthält drei Listen zu diesem Thema, die sich teilweise überschneiden. In der ersten habe ich alle mehr oder weniger merkwürdigen Seitenstraßen-Läden gesammelt – ob sie verschwinden oder nicht. Danach habe ich alle Orte gesammelt, die verschwinden, als hätte es sie nie gegeben – ob es sich um solche Läden handelt oder nicht. Und schließlich habe ich Clubs und Häuser gesammelt, in denen sich Leute mehr oder weniger regelmäßig treffen – ob diese Örtlichkeiten nun verschwinden oder nicht. (Alle Kombinationen treten nämlich auf.)

Tut mir leid, dass ich nicht mehr anbieten kann als nur Titel- und Autorenangaben. Besonders das Jahr der Erstveröffentlichung wäre interessant; vielleicht ergänze ich die Liste bei Gelegenheit. Zusätzliche bibliographische Angaben stehen nur gelegentlich (wenn ich nämlich die Geschichten sonst nicht mehr in meinen Büchern finden würde).

Titel ohne Autoren beziehen sich auf Filme.
Angaben mit Fragezeichen müssen noch überprüft werden.
An weiteren Geschichten bin ich sehr interessiert.


1. „Yes, the shop was one of those.“ (Harlan Ellison)

Geheimisvolle Läden, abseits der Straße gelegen, in denen es mehr oder weniger merkwürdig zugeht. Oft, aber nicht immer übernatürlich. Gerne sind das übrigens Buchläden, ansonsten kauft man dort auch noch Gift. Bei Bloch sogar beides. Ich habe auch Grenzfälle aufgenommen, wie unheimliche Zirkusse (Big, Bradbury, Finney) und ein geheimnisvolles Hinterzimmer (Norton), in dem ein Fluchthelfer in eine andere Welt hilft (wie bei einem von Ellisons Läden übrigens auch).

  • Aickman, Robert. „Le Miroir“, Whispers, ed. Stuart David Schiff ?
  • Big
  • Bloch, Robert. „The Cape“
  • Bloch, Robert. „Night School“ („Kain und Abel“)
  • Bond, Nelson. „The Bookshop“ („Der Buchladen“)
  • Bond, Nelson. „Fuddle’s Finger“ ?
  • Bradbury, Ray. „Drink Entire: Against the Madness of Crowds“
  • Bradbury, Ray. Something Wicked This Way Comes (Das Böse kommt auf leisen Sohlen)
  • Braunbeck, Gary A. „Curtain Call“, in: P. N. Elrod (ed.), Dracula in London
  • Brooks, Terry. Magic Kingdom For Sale/Sold (wieder mal Fluchthelfer)
  • Peter H. Cannon, „The Fantasy and Mystery Bookshop“, in: The Horror of it All.
  • Chandler, Raymond. „The Bronze Door“ („Die Bronzetür“)
  • Collier, John. „The Chaser“ („Ein Schluck zum Nachspülen“)
  • Collier, John. „Bottle Party“
  • Corman, Avery. The Old Neighborhood
  • Dickens, Charles. The Old Curiosity Shop
  • Dunsany, Lord. „The Bureau d’Echange de Maux“ („Das Bureau d’Echange de Maux“ – aber auch schon mal als „Der Tauschladen in Maux“ übersetzt)
  • Dunsany, Lord. „A Shop in Go-by-Street“ („Der Laden in der Go-by-Street“)
  • Dunsany, Lord. „The Wonderful Window“ („Das wundersame Fenster“)
  • Ende, Michael. Die Unendliche Geschichte
  • Ellison, Harlan. „Adrift Just Off the Islets of Langerhans: Latitude 38° 54′ N, Longitude 77° 00′ 12“ W“
  • Ellison, Harlan. „Djinn, no Chaser“
  • Ellison, Harlan. „The Museum on Cyclops Avenue.“ (Slippage)
  • Ellison, Harlan. „The Place with No Name“
  • Ellison, Harlan. „Shoppe Keeper“
  • Finney, Charles G. The Circus of Dr. Lao
  • Finney, Jack. „Of Missing Persons“ (S-F. The Year’s Greatest Science-Fiction and Fantasy, ed. Judith Merril) (Reisebüro)
  • Finney, Jack. „Lunch-Hour Magic“ (Normaler Scherartikelladen, der manchmal Exotisches anbietet)
  • Fritch, Charles E. „The Pawnshop“, Whispers, ed. Stuart David Schiff) (vor 1977)
  • Théophile Gautier, „Der Mumienfuß“
  • Gremlins
  • Jackson, Shirley. „Seven Types of Ambiguity“
  • Jacobi, Carl. „Revelations in Black“.
  • King, Stephen. Needful Things
  • Leiber, Fritz. „Bazar of the Bizarre“ Swords Against Death (dt. in Schwerter im Nebel)
  • Lalumière, Claude. The Door to Lost Pages (Buchhandlung)
  • Little Shop of Horrors
  • Ranald MacDougall, „The Ineffable Essence of Nothing“
  • Eine Monkees-Folge (Fernsehserie) (Titel unbekannt, aber einer der Monkees kauft im Laden eine Harfe nebst der Fähigkeit, sie zu spielen, worauf ihn der Teufel kassieren will)
  • Morley, Christopher. The Haunted Bookshop
  • Mysterious Traveler, The: „Death Is the Judge“, 1947-06-15 (old time radio show)
  • Norton, Andre. Witch World (Gefangene der Dämonen. Ein Roman aus der Hexenwelt)
  • Pound, Ezra. „The Lake Isle“ (ein Gedicht, gehört vielleicht nur am Rand hierher)
  • Pratchett, Terry. The Light Fantastic (in der Corgi-Ausgabe zumindest auf Seiten 133, 153, 162-175)
  • Pratchett, Terry. Soul Music
  • Rowling, Joanne K. Harry Potter and the Philosopher’s Stone (Harry Potter und der Stein der Weisen)
  • Sheckley, Robert. „Something For Nothing“ („Die Wunschmaschine“)
  • Sheckley, Robert. „Is THAT what people do?“ („Wenn Leute ganz allein sind“)
  • Robin Sloan, Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore
  • Smoke/Blue in the Face ?
  • Stevenson, Robert L. „Markheim“
  • Tenn, William. „Everybody Loves Irving Bommer“ („Alle Welt liebt Irving Bommer“) (vor 1955)
  • Travers, Pamela L. Mary Poppins, „The Gingerbread Shop“
  • Vogt, A.E. van. (Die Waffenläden von Isher)
  • Vogt, A.E. van. (Die Waffenhändler von Isher)
  • Warschawski. „Der Traumladen“
  • Wells, H.G. („Der Zauberladen“)
  • Wells, H.G. „The Diamond Maker“
  • Wells, H.G. „The Door in the Wall“
  • Wu, William F. „Wong’s Lost and Found Emporium“ („Wongs Fundsachen“)

Traditionell kauft man dort übrigens Spiegel, Gemälde, Türen, Fenster oder Bücher, glaube ich. Kombiniert wird das gern mit Geschichten um einen Pakt mit dem Teufel; dazu gibt es bereits etliche Anthologien, anders als zu den Läden (obwohl die schon so bekannt sind, dass sie oft genug parodiert werden).
Die Läden haben nun außerdem die Eigenschaft, dass sie gerne verschwinden, nachdem der Kunde wieder gegangen ist. Darum meine zweite Liste:


2. Now You See Them – Now You Don’t

Hier geht es um diverse Orte und Örtlichkeiten (darunter eben auch Läden), die plötzlich nicht mehr da sind, in die man plötzlich nicht mehr hinein kann, oder in denen nicht mehr dieselben Leute wohnen. Variante bei Michael Ende: Der Besitzer behauptet, den Jungen und das Buch (Die unendliche Geschichte) noch nie gesehen zu haben. Mitunter sind es auch Orte, die vorher nicht da waren (Jack Finney, Sheckley), oder Orte außerhalb unseres gewöhnlichen Kontinuums (King).
Die Erklärungen für das Verschwinden müssen dabei nicht immer übernatürlich sein, gerne handelt es sich allerdings doch um verschwindende dreizehnte Stockwerke.

  • Anderson, Poul. A Midsummer Tempest (Ein Mittsommernachts-Sturm)
  • Bond, Nelson. „The Bookshop“ („Der Buchladen“)
  • Bradbury, Ray. „Drink Entire: Against the Madness of Crowds“ ?
  • Braunbeck, Gary A. „Curtain Call“, in: P. N. Elrod (ed.), Dracula in London
  • Brednich, Rolf Wilhelm. „Das verschwundene Hotelzimmer.“ Die Maus im Jumbo-Jet. Neue sagenhafte Geschichten von heute. München: Beck 1991, 66-67. (Beck’sche Reihe 435)
  • Chetwynd-Hayes, Robert. The Monster Club (Der Monster-Club) ?
  • Doyle, Arthur Conan. „The Red-Headed League“
  • Dunsany, Lord. „The Bureau d’Echange de Maux“ („Das Bureau d’Echange de Maux“)
  • Dunsany, Lord. „A Shop in Go-by-Street“ („Der Laden in der Go-by-Street“) ?
  • Eichendorff. Joseph von. „Das Marmorbild“
  • Eichendorff, Joseph von. „Die Zauberei im Herbste“
  • Ellison, Harlan. „Adrift Just Off the Islets of Langerhans: Latitude 38° 54′ N, Longitude 77° 00′ 12“ W“
  • Ellison, Harlan. „The Museum on Cyclops, Avenue.“ (Slippage)
  • Ellison, Harlan. „The Place with No Name“
  • Ellison, Harlan. „Shoppe Keeper“
  • Ellison, Harlan. „Tired Old Man“ (1975)
  • Ende, Michael. Die Unendliche Geschichte
  • Finney, Charles G. The Circus of Dr. Lao
  • Finney, Jack. „The Third Level“
  • Fowler, Christopher. The Victoria Vanishes (2008) – entpuppt sich als Trick
  • Gaiman, Neil. The Sandman Library 8: World’s End.
  • Gruber, Frank. „The Thirteenth Floor“, The Day of the Dragon and other Tales of Terror, ed. Kurt Singer (vor 1967)
  • King, Stephen. Needful Things ?
  • King, Stephen. „A Winter’s Tale: The Breathing Method“
  • Lalumière, Claude. The Door to Lost Pages (verschwindet möglicherweise nur in Alptraumsequenz)
  • Leiber,Fritz. „Bazar of the Bizarre“ Swords Against Death (dt. in Schwerter im Nebel)
  • Lovecraft, H.P. „The Music of Erich Zann“ („Die Musik des Erich Zann“)
  • Ranald MacDougall, „The Ineffable Essence of Nothing“
  • Pratchett, Terry. The Light Fantastic (siehe oben)
  • Pratchett, Terry. Soul Music (siehe oben)
  • Ray, Jean. Malpertuis, Frankfurt: Insel 1974 (Bibliothek des Hauses Usher), S. 128
  • Robeson, Kenneth. Devil On the Moon (Der Mann vom Mond, S. 108 [Anspielung auf verschwundenes Stockwerk])
  • Rowling, Joanne K. Harry Potter and the Philosopher’s Stone (Harry Potter und der Stein der Weisen)
  • Rushdie, Salman. Midnight’s Children. Does the following belong here? „Bulldozers were rushed to the scene of the reported hovels; they found nothing. After that the existence of the moving slum of the escaped illusionists became a fact know to all the inhabitants of the city, but the wreckers never found it.“ (p. 431)
  • Russell, Ray. „Comet Wine“ („Kometenwein“) (Terra Fantasy Taschenbuch 74) ?
  • Sheckley, Robert. „The Altar“ („Der Altar“)
  • Tenn, William. „The Tenants“ („Die neuen Mieter“) (vor 1955)
  • The Twilight Zone. „The After Hours“. Season One, Episode 34, June 10, 1960: Ninth floor of department store
  • Vogt, A.E. van. The Weapon Shops of Isher
  • Vogt, A.E. van. The Weapon Makers
  • Wells, H.G. („Der Zauberladen“)
  • Wells, H.G. „The Door in the Wall“ ?
  • Wilson, Robert Anton. Masks of the Illuminati (Masken der Illuminaten)
  • Wu, William F. „Wong’s Lost and Found Emporium“ („Wongs Fundsachen“) ?

(Nach einer im 15. Jh. niedergeschriebenen Legende soll das Heilige Haus [Santa Casa = Jesu Wohn-/Elternhaus in Nazareth] auf wundersame Weise am 7.9.1295 nach Loreto bei Ancona gelangt sein. Gehört das auch hierher?)

Und nachdem es sehr unbefriedigend ist, wenn einem so plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, gibt es neben diesen ach so flüchtigen Orten das gerade Gegenteil (vielleicht zum Ausgleich?): Eine sichere, feste Heimat fern der Heimat. Ein Club, mit bequemen Sesseln, einem offenen Kamin, ein Club, der immer da ist, wo man ihn vermutet… oder zumindest fast immer. Deshalb die nächste Liste.


3. Kneipen, Clubs und Bars.

Nicht unbedingt phantastische, aber auf jeden Fall mehr oder weniger regelmäßig besuchte Treffpunkte. Eventuell auch Clubs ohne feste Räumlichkeiten (Stevenson, Chesterton). Zimmer Bradley ist ein Sonderfall: Greyhaven gibt’s wirklich.
Club Stories sind sicher schon sehr alt. Schon die frühen Novellensammlungen (Bocaccio, Chaucer, Tausendundeine Nacht, Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter bis zur deutschen Romantik) haben als Rahmen die geschlossene Gesellschaft, der die Geschichten erzählt werden. Ende des 19. Jahrhunderts erhalten dann auch viele englische Geschichten, gerne auch die unglaubwürdigeren, phantastischen (Heart of Darkness, The Turn of the Screw) diesen Rahmen.
Die Erzählsituation reicht dabei von dem Club, der für viele Geschichten den Rahmen abgibt (Clarke, King, Wodehouse), bis zur zufälligen Begegnung mit dem Fremden im Zug, der einem seine Geschichte erzählt. (Angefangene Liste vorhanden.)

  • Adams, Douglas. The Restaurant at the End of the Universe
  • American Graffiti
  • Anderson, Poul. A Midsummer Tempest (Ein Mittsommernachts-Sturm)
  • Bangs, John Kendrick. A House-Boat on the Styx ?
  • Clarke, Arthur C. Tales of the White Hart (Geschichten aus dem Weißen Hirschen)
  • Cheers
  • Chesterton, G.K. The Club of Queer Trades
  • Chesterton, G.K. „The End of the World“: „Then we found ourselves filling up the strict main street of a tiny hamlet, and across the wall of its inn was written in large letters, LE BOUT DU MONDE—the end of the world.“
  • Chetwynd-Hayes, Robert. The Monster Club (Der Monster-Club)
  • DC Comics: House of Mystery und House of Secrets, wo jeweils die Geschichten der Pensionsgäste erzählt werden
  • Doyle, Arthur Conan. (der Diogenes-Club, in dem Holmes‘ Bruder Mycroft sich gerne aufhält) ?
  • Dunsany, Lord. (der Club, in dem die meisten Jorkens-Geschichten erzählt werden)
  • Fowler, Christopher. „Lost in Leicester Square“
  • Gaiman, Neil. The Sandman Library 8: World’s End.
  • Gilgamesh-Epos: Siduris Schenke am Ende der Welt
  • Hemingway, Ernest. „A Clean Well-Lighted Place“ (gehört das vielleicht tatsächlich irgendwie hierher?)
  • King, Stephen. „A Winter’s Tale: The Breathing Method“
  • King, Stephen. („Der Mann, der niemandem die Hand geben wollte“)
  • Kipling, Rudyard. „In the Interests of the Brethren“
  • Kipling, Rudyard. „The Janeites“ (Jane-Austen-Fans)
  • Kipling, Rudyard. „A Madonna of the Trenches“
  • Kipling, Rudyard. „A Friend of the Family“
  • Linklater, Eric. Poet’s Pub
  • Morley, Christopher. The Haunted Bookshop (der Corn-Cob Club darin)
  • Robinson, Spider. Die Callahan-Geschichten
  • Sheckley, Robert. „The Altar“ („Der Altar“)
  • Sprague de Camp, Lyon/Pratt, Fletcher. Tales from Gavagan’s Bar (Geschichten aus Gavagans Bar)
  • Stevenson, Robert Louis. „The Suicide Club“ („Der Selbstmörder-Club“)
  • Rumble Fish ?
  • Tinniswood, Peter. Tales from a Long Room
  • Verne, Jules. In 80 Tagen um die Welt
  • Wells, H.G. „The Truth about Pyecraft“
  • Wodehouse, P.G. Meet Mr Mulliner
  • Zimmer Bradley, Marion (ed.) Greyhaven (Geschichten aus dem Haus der Träume)