Jane Austen and Seth Grahame-Smith, Pride and Prejudice and Zombies

“Such joys are scarce since the good Lord saw fit to close the gates of Hell and doom the dead to walk amongst us.” Eben gelesen: “Pride and Prejudice and Zombies” von Jane Austen und Seth Grahame-Smith. Schon lustig. Die Prämisse: Seit 35 Jahren ist England von Zombies geplagt, man hat sich daran gewöhnt, das Leben geht weiter. Zu den accomplishments, die junge Damen vorweisen können, gehört jetzt allerdings auch der Umgang mit Schusswaffen, waffenloser Kampf und Schwertkampf – statt grand tour in Europa verbringt man ein paar Jahre in China oder Japan und lernt asiatische Kampfkünste. (Daher auch die …

Was der Autor sich an Herausgeberhaftem unter den Nagel reißt

Sommerloch: Bis die Schule wieder anfängt, schreibe ich mir ein paar angefangene Blogeinträge von der Seele und der Warteliste, die seit Jahren darauf warten, dass ich mal richtig Energie in sie investiere. Wir haben uns entschieden, jetzt nicht mehr länger auf die Energie zu warten. Ich reime mir das so zusammen: Es gab dereinst Leute, die Geschichten erzählten. Oder vermutlich noch eher: Es gab Geschichten. Diese Geschichten wurden später von Herausgebern aufgeschrieben. Und nach und nach sind verschiedene paratextuelle Elemente, die ursprünglich herausgeberische Zusätze waren, von späteren Autoren als Teil eines Werks übernommen worden. Ein Beispiel erklärt vielleicht, was ich …

The LibraryThing Meme

These are the top 106 books most often marked as “unread” by LibraryThing’s users. The rules: bold what you have read, italicize what you started but couldn’t finish, strike through what you couldn’t stand and underline those you have no intention of reading. Jonathan Strange & Mr Norrell Anna Karenina Crime and Punishment Catch-22 One Hundred Years of Solitude Wuthering Heights The Silmarillion Life of Pi The Name of the Rose Don Quixote Moby Dick Ulysses Madame Bovary The Odyssey Pride and Prejudice Jane Eyre A Tale of Two Cities The Brothers Karamazov Guns, Germs, and Steel: The Fates of …

Geschichten-Parallelen

In A Treasury of North American Folk Tales habe ich eine Variante von “Die Kuh Elsa ist tot” entdeckt. Viele Angehörige meiner Generation kennen diesen Witz von Dieter Hallervorden, 1977 aus Nonstop Nonsens. Stellt sich heraus, die Geschichte ist alt und weit verbreitet, als “Häufung des Schreckens” hat sie im Erzähltypus-Index AaTh die Nummer 2040. Die Enzyklopädie des Märchens nennt zahlreiche Tradierungen und Beispiele, darunter auch das hier aus dem Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes von Johann Peter Hebel: Ein Wort gibt das andere Ein reicher Herr im Schwabenland schickte seinen Sohn nach Paris, daß er sollte Französisch lernen, und ein …

CSI: Full circle

In seinem Essay “The simple art of murder” preist Raymond Chandler seinen Vorgänger Dashiell Hammett: Hammett gave murder back to the kind of people that commit it for reasons, not just to provide a corpse; and with the means at hand, not with handwrought duelling pistols, curare, and tropical fish. Vorher hatten Verbrechen in einem Landhaus stattgefunden, mit sorgfältig konstruierten Mordmethoden und Situationen, um das Rätsel möglicht schwer zu machen – der Detektiv hatte das Mordrätsel zu lösen, und der Leser mit ihm, und das machte einen Mordsspaß. Bei Hammett und Chandler und der amerikanischen hard-boiled school war das dann …

Bücherwürmer

Hungrige kleine Biester mit merkwürdigem Geschmack. (Bei aller Liebe zu Perry Mason: Dieses Titelbild…) Ich weiß nicht mal, ob das Bücherwürmer waren, und was die genau sind. Jedenfalls war das Buch erst einmal wochenlang in Quarantäne, bevor es ins Regal kam, und es steht da immer noch in einer Plastikhülle. Man weiß ja nie.

Rashomon-Episoden

Rashomon, auch: Rasho-Mon, Rashômon, ist ein Filmklassiker von Akira Kurosawa von 1950; Grundlage des Films sind Kurzgeschichten von Ryunosuke Akutagawa. Hier ist der Eintrag bei IMDB dazu. Der Film hat viele interessante Aspekte, aber der bekannteste ist wohl der Aufbau: Ein Verbrechen ist geschehen, der Bandit Tajômaru hat einen Mann ermordet und dessen Frau vergewaltigt. Drei Personen treffen sich und berichten aus ihrer Sicht vom Geschehen. Zuletzt wird der Geist des Ermordeten beschworen und erzählt seine Fassung. Die vier Geschichten erzählen vier unvereinbare Versionen eines Geschehens. Was wirklich passiert ist, können die Personen nicht klären. Mit dieser kurzen Zusammenfassung ist …

6 Fragen zu Büchern

Auf speziellen Wunsch hin: 1. You’re stuck inside Fahrenheit 451, which book do you want to be? Wer’s nicht weiß: In Fahrenheit 451 von Ray Bradbury sind Bücher verboten und werden verbrannt. Manche Leute lernen heimlich Bücher auswendig, um sie so zu retten. Mein Buch wäre Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales. Es ist leicht auswendig zu lernen, da in Versen geschrieben (im 14. Jahrhundert in England). Mein Mittelenglisch ist ordentlich, ich kann jetzt schon einige Chaucer-Fragmente auswendig – mehr als von jedem anderen Buch jedenfalls. Leichter als Mittelhochdeutsch ist es allemal, wenn man schon Englisch kann. Vor allem macht es …

Storisende No. 1113

(Eine Buchgeschichte.) Ich habe mir einen Wunsch erfüllt. Vor zwölf Jahren stand ich in der Unibibliothek in Augsburg und betrachtete ehrfürchtig-liebevoll achtzehn grün eingebundene Bände im Regal: Die Storisende-Ausgabe der Biographie von Manuel von James Branch Cabell. Cabell hat später noch viele weitere Bücher geschrieben, aber sein Hauptwerk ist die Biographie von Manuel, ein Roman in 18 Bänden. Sozusagen. Man könnte sie auch realistischer als 18 Bände mit Romanen, Kurzgeschichten, Essays und ein wenig Lyrik zu einem gemeinsamen Thema und mit einem verbindenden Element nennen: Es geht um den legendären Dom Manuel und seine Nachkommenschaft durch die folgenden Jahrhunderte. Die …

Was ich bei Karl May gelernt habe

Ammoniak (und: Riechfläschchen) Bonze Firnis Granatapfel Kotau Kris Lariat Lotse Nachgetragen: Vatermörder(kragen) Köhler Kadi Piaster, Mariatheresientaler Sure Pilaw, Kebab gelesen, aber nicht aktiv behalten: Sunnit, Schiit, Shisha …bei diesen Wörtern und den Dingen, für die sie stehen, weiß ich, dass ich ihnen zum ersten Mal bei Karl May begegnet bin. Bestimmt habe ich aus Karl May noch viel mehr gelernt (die Kaaba? ben = Sohn?), aber das ist mir nicht immer im Gedächtnis geblieben. Vielleicht liegt das daran, dass die Konzepte allein für mich nicht erinnernswert sind, es müssen auch immer die ungewohnten Wörter dazu kommen. Jetzt fragt mich nicht, …