Liebestest(a,b)

Gestern letzter Schultag, danach sind ein gutes Dutzend Lehrer noch zum Pizzaessen gegangen. Das ist schön, wenn nicht alle gleich davon rennen, bloß weil Wochenende ist oder Ferien sind. Davor habe ich im Informatikunterricht jetzt endlich einen Zugang zu Funktionen gefunden, mit dem meine Zehntklässler mehr anfangen können: def Liebestest(a,b):    …    return ergebnis Die Funktion nimmt zwei Strings als Argumente und liefert nach einem bekannten Sechstklässleralgorithmus einen Prozentwert zurück. Damit kann man testen, wie gut zwei Leute zusammenpassen. So ergibt Liebestest(“HerrRau”, “FrauRau”) einen Wert von 37%, aber umgekehrt Liebestest(“FrauRau”, “HerrRau”) einen Wert von 73%. Richtig zuverlässig ist der Test also …

Italienischer Akzent in der 6. Klasse

Heute im Unterricht: Wir lernen, im Hotel ein Frühstück und im italienischen Restaurant ein Abendessen zu bestellen. Von der Hörverstehenskassette – Begleitmaterial zum Buch, an sich viel Schönes dabei – spricht der Kellner mit wenig überzeugendem italienischen Akzent. “Are you ready to order now, sir?” Das klang eher nach Bela Lugosi in Dracula und seinem berühmten “I never drink… wine”. Danach hat ein Schüler schon einen besseren Akzent hingelegt. “Some feesh – or would you prefer meat?”

Geheimnisvolle Ruinenstadt mit Robot Karol

Robot Karol ist ein weit verbreitetes Programm für den Anfangsunterricht Informatik. (Herunterladen und Informationen.) Man bewegt darin einen Roboter, der nur die Anweisungen Linksdrehen, Rechtsdrehen, Vorwärtsschritt, Hinlegen und Aufheben (jeweils eines Steines bzw. einer Marke) versteht. Man kann kann aus diesen elementaren Anweisungen aber neue Anweisungen zusammenstellen und diesen Namen geben: zum Beispiel Umdrehen (=zweimal Linksdrehen), Sidestep (=Linksdrehen, Schritt, Rechtsdrehen), Zurück (=Umdrehen, Schritt, Umdrehen). Steuern kann man den Roboter durch Wiederholungsschleifen mit fester Anzahl oder Abbruchbbedingung und Wenn-dann-sonst-Bedingungen. Es gibt keine Variablen (aus didaktischen Gründen) und damit auch keine For-Next-Schleife, obwohl die die Schüler schon vermisst haben. Rekursion ist möglich. …

Moderne Sagen III

Die Geschichte der verbotenen Mützen Vor vielen Jahren war das Tragen von Mützen in der Schule noch nicht verboten. Fast alle trugen Mützen. Doch von einem Tag auf den anderen sollte sich das ändern: Wie immer kamen die Kinder mit den Mützen in die Schule, wie immer grüßten sie den Lehrer. In der ersten Stunde war Englisch angesagt. Das war zwar schwer, der Unterschied zwischen Adjektiven und Adverben, aber die Schüler überstanden es. In der zweiten Stunde war Mathe, was noch schwerer war, dritte Stunde Bio, auf einmal fingen die Köpfe der Schüler an zu rauchen, nur ein kleines bisschen, …

Kate Fox, Watching the English

Kate Fox sitzt in einem Pub, vormittags, einen Brandy vor sich: Teils um sich Mut anzutrinken, teils als Belohnung. Die letzten zwei Stunden hat sie damit verbracht, Passanten im Vorbeigehen anzurempeln und zu zählen, wie oft die Angerempelten “Sorry” sagen. Die nächsten zwei Stunden wird sie damit verbringen, sich in Warteschlangen vorzudrängeln und zu notieren, wie sich die Wartenden daraufhin verhalten. Kate Fox ist Anthropologin und schreibt ein Buch über: The Hidden Rules of English Behaviour, so der Untertitel. (Die Sache mit dem “Sorry”-sagen ist tatsächlich ein auffälliges Merkmal: Engländer entschuldigen sich, wenn sie jemanden versehentlich anrempeln, und entschuldigen sich …

Cricket

Gestern war ich hier und habe bei einem Cricket-Spiel zugeschaut. (Den brillanten Magnifier habe ich von hier. Die Lupe läuft unter Firefox, Netscape, IE; bei Opera und Mac-Browsern weiß ich’s nicht bei Mac unter Safari, IE und Firefox, aber nicht zumindest manchmal unter Opera. Es funktioniert mit zwei Bildern, einem großen und einem kleinen. Das große ist fürs WWW arg komprimiert.) Cricket wäre die englische Nationalsportart, wenn das nicht eigentlich Fußball wäre. Aber Cricket hat mehr Geschichte und ist vor allem durch das Britische Empire und das Commonwealth in die ehemaligen Kolonien gelangt, so dass auch heute noch in Australien, …

Was heißt “Interpretieren”?

Schüler meinen, man liest was in Gedichte rein, was da gar nicht steht, und das ist dann Interpretieren. Das liegt zum einen daran, dass Schüler keine geübten Leser sind. Nuancen in einem Text, die jedem erfahrenen Leser sofort deutlich vor Augen sind, sehen sie nicht so schnell. Wenn in Faust die jungen Burschen beim Frühlingsspaziergang sich auf das Tanzfest freuen, weil es dort “Händel von der ersten Sorte” gibt, dann hat ein gesamter Deutsch-Leistungskurs keine Ahnung, was gemeint ist, weil sie das Wort “Händel” nicht kennen und ganz automatisch davon ausgehen, dass es um “Hendl” geht, also Hähnchen. Es fällt …

Abenteuer im Computerraum

Ich habe ja schon mal über Textadventures geschrieben. Jetzt war ich mit einer 9. Klasse im Computerraum und habe sie Zork spielen lassen. Das hat ganz gut funktioniert. Ich habe ein zweiseitiges Arbeitsblatt (pdf) dazu erstellt. Gut ist, dass Zork den Spielern einen Punktestand anzeigt. So vergleichen die Schüler den Punktestand untereinander und sehen, dass es durchaus möglich ist, bestimmte Probleme zu lösen. Außerdem rufen sie durch den Computerraum Fragen wie: “He, wie seid ihr an dem Troll vorbei gekommen?” Das gefällt mir. Interessant ist, dass manche Schüler sich einfach nicht die Zeit nehmen, den Text zu lesen, den ihnen …

The Jazz Singer II

In meinem letzten Eintrag habe ich meine Vorkenntnisse zu The Jazz Singer dargelegt, den Arte letzte Woche in einer 1998 restaurierten Fassung gezeigt hat. Wie geschrieben, war ich nicht wirklich vorbereitet auf das, was kommen sollte. Überraschung 1: Der Film, oft gepriesen als erster Tonfilm, ist das nur zum Teil. Nur die Musiknummern und ein paar Zeilen gesprochener Text um sie herum hat synchronisierten Ton, der Rest ist Stummfilm, komplett mit Texttafeln. Aber es gibt etliche Musiknummern: In dem Film geht es um Gesang, er ist gedreht nach einem Theaterstück mit Gesang; der Hauptdarsteller war berühmt als Sänger. Ich glaube, …

The Jazz Singer I (Hintergrund)

Vor einer Woche kam The Jazz Singer auf Arte, spät nachts. Ich bin stolz auf meine Familie, denn selbst meine Mutter hat diesen Film unabhängig von mir aufgenommen. Es folgt eine längere Geschichte. Ich bin aufgewachsen mit amerikanischen Film-Musicals der 30er bis 50er Jahre. (Than which, there are few things better, believe you me.) Die frühen, schwarz-weißen Fred-Astaire-Filme; die nächste Generation mit Gene Kelly; die wunderbaren Filme nach Fred Astaires Comeback: The Band Wagon, Easter Parade. Eines der berühmtesten dieser Musicals, und eines der letzen reinen Filmmusicals ohne Broadway-Vorlage, ist Singin’ in the Rain (deutsch: Du sollst mein Glücksstern sein). …