Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales

Als ich in der 11. Klasse war, hielt unser damaliger Englisch-Referendar Peter Ringeisen eine Stunde zu Geoffrey Chaucer. Eigentlich war es nur eine halbe Stunde: Ich habe gerade das Arbeitsblatt von damals herausgekramt; die linke Hälfte ist altenglisch, die rechte der Anfang eines mittelenglischen Chaucer-Textes, den ich heute noch auswendig kann. Das muss mich damals sehr beeindruckt haben. Ich hab dann auch später sowohl im Englisch- als auch im Deutsch-LK jeweils eine Stunde zu Chaucer gehalten, unter anderem mit den weiter unten stehenden Texten. Geoffrey Chaucer lebte von etwa 1340–1400 in England. Er arbeitete am Hof, war Page und beim …

Lee Server, Danger Is My Business

Danger Is My Business. An illustrated history of the fabulous pulp magazines Lee Server Danger Is My Business. An illustrated history of the fabulous pulp magazines, 1896–1953. San Francisco: Chronicle Books 1993 144 pp. Wer heißt Clark mit Vornamen, hat eine Festung der Einsamkeit in der Arktis und wird in den stets nach Synonymen ringenden Zeitungen gern als Mann aus (einem bestimmten) Metall bezeichnet? Wem auf diese Frage nur eine Antwort einfällt, der sollte sich schleunigst wieder hinsetzen und seine Hausaufgaben machen. Hilfreich ist dabei dieses Buch. Es erzählt die Geschichte der amerikanischen pulp magazines, der mit billigsten Druckverfahren und …

Gefundenes Gedicht

In den Münchner S‑Bahnen gibt es Reklametafeln, und die sind oft nicht vermietet und werden deshalb von der Deutschen Bahn mit einem erbauendem Spruch versehen – gerne nennen sich diese Sprüche “Chinesische Weisheit” oder “Arabisches Sprichwort”, und immer sind sie grottenschlecht. Tausendmal besser die Sprüche in den Muskote-Filterpapierchen. In Wagen 189 der S4 um 07.10 Uhr am 12.12.2001 sah ich dann folgenden Spruch, durch üble Schmierei verwandelt: Nun soll man ja bekanntlich nichts in S‑Bahn-Wagen schmieren. Im Deutschunterricht geht das aber, also zeigte ich Schülern der elften Klasse den geänderten S‑Bahn-Spruch, und gab ihnen Gedichte von Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, …

Der Meister des jüngsten Tages

Nach der Lektüre von Effi Briest wollte ich meinem Grundkurs etwas leichtere Kost zumuten: Einen Roman von 1923, Der Meister des jüngsten Tages von Leo Perutz. (Irgendeinen Roman aus dieser Zeit muss man laut Lehrplan mehr oder weniger lesen.) Wie es sich gehört, beginnt der Roman mit einem Vorwort des Erzählers, der jene grauenhafte Ereignisse im Herbste 1909 niedergeschrieben hat und betont, die volle Wahrheit geschrieben zu haben. Das Nachwort wiederum identifiziert die vorhergegangenen Seiten als Papiere aus dem Nachlass des Erzählers, Freiherrn von Yosch: “Natürlich, eine alte Handschrift”, wie Eco sagt. Der Bericht sei eher ein Roman, einem verwirrten …

Moderne Sagen II

Mit einer anderen 6. Klasse habe ich vor ein paar Jahren wiederum andere Sagen geschrieben. Die Prämisse war, dass es an unserer Schule Heinzelwesen gibt, die unerkannt im Schulgebäude leben – hinter Tafeln, in Schubladen, hinter den Lautsprechern im Klassenzimmer – und die verantwortlich sind für manche der ungeklärten oder unerklärten Dinge im Schulalltag. Dazu entwarfen Schülergruppen jeweils eine Reihe von Haupt- und Nebenpersonen, mit Beschreibungen, Ideen für Geschichten und Konflikte – ganz so, als wäre es die Grundlage für eine Fernsehserie. (Nebenbei: Das möchte ich ohnehin einmal machen: Schüler der Mittelstufe eine Serie entwerfen lassen. Mit Ideen, Zeichnungen, Handouts, …

Moderne Sagen I

Ich sollte mehr Schüleraufsätze aufheben. Aber dann denke ich doch nie daran. Der hier stammt von Stephanie, 6. Klasse (Schuljahr 1999/2000). Wir hatten Sagen im Unterricht besprochen, und selber moderne Erklärungssagen geschrieben. In der Schulaufgabe sah das zum Beispiel so aus: “Im Norden von Fürstenfeldbruck gibt es eine Straße, die heißt: ‘Am Kugelfang’. Man erzählt sich eine Geschichte, wie diese Straße zu ihrem Namen kam. Schreibe diese Geschichte!” Bei den Übungen sahen wir uns im Schulgebäude um, was es da wohl Erklärungsbedürftiges gab: Das Experiment Im Chemieraum gibt es einen großen, roten Fleck, an der Wand. Er soll von einem …