{"id":101,"date":"2004-08-19T08:29:47","date_gmt":"2004-08-19T06:29:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/the-whistler.htm"},"modified":"2023-06-03T18:52:23","modified_gmt":"2023-06-03T16:52:23","slug":"the-whistler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/the-whistler.htm","title":{"rendered":"The Whistler"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/the-whistler.htm#comments'>11 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><small><b>1. Die Filme<\/b><br><b>2. Erste Folgen<\/b><br><b>3. Radio<\/b><br><b>4. Das Handy<\/b><br><b>5. Vergleichendes<\/b><\/small><\/p>\n\n\n\n<p><b>Kapitel 1: Die Filme<\/b><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich bin der Whistler. Niemand kennt mein Gesicht. Ich wei\u00df viele Dinge, denn ich wandere durch die Nacht. Ich wei\u00df viele seltsame Geschichten. Ich wei\u00df die tiefsten Geheimnisse von M\u00e4nnern und Fraue, die das Dunkle gesucht haben. Ja, ich kenne ihre unbeschreiblichen \u00c4ngste, von denen sie nicht zu sprechen wagen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dazu eine Silhouette unter einer Stra\u00dfenlaterne oder ein Schatten an einer Hauswand: Ein Mann im Mantel mit Hut. Und dann pfeift er <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/whistler.mp3\">eine ungew\u00f6hnliche Erkennungsmelodie<\/a> und erz\u00e4hlt eine Geschichte &#8211; eine seltsame Geschichte eben, \u00fcber Menschen, die das Dunkle gesucht haben, und ihre \u00c4ngste, von denen sie nicht zu sprechen wagen.<\/p>\n\n\n\n<p>So fing ein Film an, den ich etwa 1986 im Fernsehen sah. Schwarzwei\u00df, nur etwa 60 Minuten lang, aus den 40er Jahren. Ein nicht ganz sauberer Privatdetektiv, eine Erbschaft, eine lange zur\u00fcckliegende Geschichte &#8211; und am Schluss war das Objekt, hinter dem sie alle her waren, zerst\u00f6rt, und alle Hauptdarsteller tot. Hat mir sehr gut gefallen. Der Whistler selbst sorgte nur f\u00fcr den Rahmen, und kommentierte zwischendurch mal das Geschehen, danach verschwand er wieder in der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe einiger Monate danach wurden noch mehr Filme aus der Whistler-Reihe gezeigt. Jeder Film war nur gut 60 Minuten lang, Hauptdarsteller war fast immer Richard Dix, der nat\u00fcrlich immer andere Rollen spielte. Der Whistler sorgte f\u00fcr den Rahmen, und die Geschichten waren voller skuriller bis schmieriger Nebenpersonen, alle mit einer \u00fcberraschenden Wendung am Schluss, und alle gingen sie nicht gut aus. Die Filme waren B-Produktionen: Billig produziert, mit Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe, es waren Genrefilme mit oft haneb\u00fcchener Handlung. Diese Filme sind trotzdem liebenswert, und die Whistler-Reihe sowieso, denn sie w\u00e4chst \u00fcber die Grenzen der B-Filme hinaus. (Und ohne B-Filme h\u00e4tte ich im selben Jahr noch weniger mit dem Blues Brothers-Titel <a href=\"http:\/\/www.bluesbrotherscentral.com\/song.php?song_id=9\" target=\"new\" rel=\"noopener\">&#8222;B Movie Box Car Blues&#8220;<\/a> anfangen k\u00f6nnen.)<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/whistler.jpg\" alt=\"\"><br><small>Richard Dix in <em>The Whistler<\/em><\/small><\/p>\n\n\n\n<p>Die einzelnen Filme sind:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0037461\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Whistler<\/a>\/Der Whistler (1944) (William Castle)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0037049\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Mark of the Whistler<\/a>\/Das Zeichen des Whistler (1944) (William Castle)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0037997\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Power of the Whistler<\/a> (1945)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0038230\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Voice of the Whistler<\/a> (1945) (William Castle)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0038766\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Mysterious Intruder<\/a>\/Der geheimnisvolle Gast (1946) (William Castle)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0038917\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Secret of the Whistler<\/a> (1946)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0039127\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Thirteenth Hour<\/a> (1947)<br><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0040733\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Return of the Whistler<\/a> (1948)<\/p>\n\n\n\n<p>Regisseur der H\u00e4lfte der Filme war <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0145336\/bio\" target=\"new\" rel=\"noopener\">William Castle<\/a>. William Castle wurde sp\u00e4ter bekannt als Regisseur und Produzent von billigen Horrorfilmen mit \u00fcberzogenen Reklameeffekten: Bei <em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0053363\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Tingler<\/a><\/em> wurden die Kinositze verkabelt, um die Besucher an einer besonders spannenden Stelle zu erschrecken; bei anderen Filmen wurde f\u00fcr die Zuschauer eine Lebensversicherung abgeschlossen; Plastikskelette wurden an Seilen durchs Kino gezogen; die Zuschauer durften \u00fcber das Ende des Films abstimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>(Ein Vorteil des Jahres 1986. Damals gab es noch kein nennenswertes Privatfernsehen, man kam mit maximal sechs Fernsehsendern aus, und gegen Mitternacht war Sendeschluss. Die Fernsehauswahl war begrenzt, und das hatte einen Vorteil: Man schaute das an, was kam. Und wenn nichts anderes lief, dann schaute man auch mal etwas an, das man nicht kannte, und von dem man vielleicht gar nicht so viel erwartete. Heute l\u00e4uft zu jeder Zeit irgendein Film, den man schon kennt, und man muss nicht mehr auf unbekanntes Material ausweichen. Heute w\u00e4re ich vielleicht nicht auf die Whistler-Reihe gesto\u00dfen.)<\/p>\n\n\n\n<p><b>Kapitel 2: Erste Folgen<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>In den 80er Jahren gab es auch noch AFN (American Forces Network), einen Radiosender f\u00fcr im Ausland, also hier, stationierte US-amerikanische Soldaten. Und da h\u00f6rte ich zuf\u00e4llig im Radio eine Episode von <em>The Whistler<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>I am the Whistler, and I know many things, for I walk by night. I know many strange tales hidden in the hearts of men and women who stepped into the shadows. Yes, I know the nameless terrors of which they dare not speak.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Kurz zusammengefasst: Roy hat fr\u00fcher mit Dan und Paul erfolglos in Mexiko nach Gold gesucht. Er kehrt nach Riondo zur\u00fcck, als ihm Lola, die Betreiberin des \u00f6rtlichen Caf\u00e9s, schreibt, dass Dan sich die langersehnte silberne Uhr gekauft hat. Manuel, Lolas Freund und der \u00f6rtliche Sheriff, ist \u00fcber Roys R\u00fcckkehr nicht erfreut.<\/p>\n\n\n\n<p>Roy macht sich auf zu Dan; leider ist Paul, der andere Partner, auch aufgetaucht. Paul improvisiert gerne auf der Gitarre:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Welcome back to Riondo, Roy,<br>And if I may be so bold,<br>May I ask, did you come to see an old pal,<br>Or did you come for gold?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Oh yes, we&#8217;re right back in Riondo,<br>Two of the unholy three.<br>We&#8217;re going to take Dan&#8217;s gold away,<br>Half for you and half for me.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein feines P\u00e4rchen: Sie wollen Dans Gold. Nachdem es Roy nicht gelungen ist, Paul abzuh\u00e4ngen, st\u00fcrzt er Paul einen Felsen herunter.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Oh my partner, he does not like me,<br>He slipped out of town and fled,<br>But I found him now, By this oak tree,<br>And I&#8217;ll stick with him till I&#8217;m dead.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Seine Leiche am Fu\u00df des Felsens ist allerdings verschwunden. Roy t\u00f6tet danach den in einer Blockh\u00fctte lebenden Dan, verbirgt die Leiche unter den Bodendielen, und flieht mit dem Gold, das dort versteckt gewesenen ist. Unweit der H\u00fctte ger\u00e4t er in Treibsand: Denselben Treibsand, in dem schon Pauls Leiche versunken ist. Das schwere Gold zieht Roy herunter. Da taucht Manuel, der mexikanische Sheriff auf. Manuel \u00fcberlegt kurz, ob er Roy einfach untergehen lassen soll, aber dann macht er sich doch auf, den Versinkenden zu retten. Dazu braucht er nur einen Ast, oder ein langes, flaches St\u00fcck Holz &#8211; wie die Bodendielen in der Blockh\u00fctte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das alles in gut zwanzig Minuten. Spannend; das Lied als Leitmotiv; einige Wendungen, die ich gar nicht erst erw\u00e4hnt habe; mehrfache Ironien (das geraubte Gold zieht ihn herunter; die Bodendielen bringen Verdammnis statt Rettung; und letztlich auch die Zeile des im Treibsand versunkenen Paul &#8222;And I&#8217;ll stick with him till I&#8217;m dead&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wollte ich mehr \u00fcber den Whistler wissen. Die Namen der Drehbuchautoren, die ich aus dem Abspann der Filme hatte, halfen mir nicht weiter. Aber die Story f\u00fcr zumindest einen der Filme (<em>The Mark of the Whistler<\/em>) stammte von Cornell Woolrich &#8211; zu diesem Autor fand ich viel Material. Ich schrieb einen Brief an AFN, nachdem ich m\u00fchsam deren Adresse herausgekriegt hatte, ob sie mir vielleicht Informationen zu &#8222;The Whistler&#8220; schicken k\u00f6nnten. Immerhin bekam ich eine Antwort: Zwei Zeilen Formbrief, dass sie mir leider bei meinem Anliegen nicht weiterhelfen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit war erst mal aus mit Recherchen. Das Web gab es damals noch nicht; mein Krimilexikon erw\u00e4hnte nur knapp, dass die Filme auf einer alten Radioserie basierten; ich hatte noch keine Erfahrung im Recherchieren. Damit ruhte die Angelegenheit &#8211; auch wenn mich der Anfang der Radioepisode, die ich nur unvollst\u00e4ndig auf Kassette aufgenommen hatte, schon interessierte.<\/p>\n\n\n\n<p>(In der Woche nach der Whistler-Sendung darauf kam eine Episode von <em>The Green Hornet<\/em>. Die hatte ich ganz aufgenommen. Danach muss ich das Interesse verloren haben; oder die Sendungen wurden eingestellt, oder kamen zu unregelm\u00e4\u00dfig.)<\/p>\n\n\n\n<p><b>Kapitel 3: Radio<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Jahre sp\u00e4ter hatte ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/otr.htm\">OTR (Old Time Radio)<\/a> entdeckt. Und jetzt wei\u00df ich, dass <em>The Whistler<\/em> eine Radioserie war (eine von <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/my-radio-shows.htm\">oh so vielen<\/a>), die von 1942-1955 in den USA lief. Jede Episode beginnt damit, dass Dorothy Roberts das <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/whistler.mp3\">Whistler-Thema<\/a> pfeift (komponiert von Wilbur Hatch), darauf h\u00f6rt man:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>I am the Whistler, and I know many things, for I walk by night. I know many strange tales hidden in the hearts of men and women who stepped into the shadows. Yes, I know the nameless terrors of which they dare not speak.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Daraufhin erz\u00e4hlt der Whistler eine Geschichte, die manchmal gut ausgeht, meist aber nicht. H\u00e4ufig geht es um betrogene Betr\u00fcger. Gerne mal \u00fcbernimmt ein Fl\u00fcchtling oder Kleinganove die Identit\u00e4t eines anderen (eines Toten bei einem Zugungl\u00fcck, eines verschollenen Erben, eines f\u00fcr tot gehaltenen Verschwundenen), nur um festzustellen, dass er mit der neuen Identit\u00e4t jede Menge Schwierigkeiten und Verfolger \u00fcbernommen hat &#8211; und letztlich f\u00fcr eine Tat b\u00fc\u00dfen muss, die er gar nicht begangen hat, die aber in ironischem Verh\u00e4ltnis zu seinem eigenen Verbrechen steht.<br>Oder es geht um ausgekl\u00fcgelte Mordpl\u00e4ne, die dann doch an einem Detail scheitern. In &#8222;Brief Pause For Murder&#8220; (9. August 1946 und 11. September 1949) verschafft sich ein Radiomoderator ein Alibi f\u00fcr einen Mord, indem er einen Kollegen erpresst und vor allem sich selber auf Schallplatte aufnimmt, wie er eine Sendung moderiert. W\u00e4hrend der halben Stunde Schallplattenaufnahme f\u00fchrt er den Mord aus, aber dann h\u00f6rt er beim Zur\u00fcckfahren im Auto, wie die Schallplatte h\u00e4ngt und die Nadel immer wieder zur\u00fcckspringt. (Einige Details sorgen daf\u00fcr, dass der Plot nicht ganz so unwahrscheinlich ist, wie er hier klingt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch sonst klingen viele Geschichten wie Columbo-Episoden: Nur entdeckt nicht der Kriminalinspektor das verh\u00e4ngnisvolle Detail, sondern ein ironischer Zufall oder der Verfolgungswahn des T\u00e4ters selbst entlarvt die Tat. Triefend vor Ironie sagt der erz\u00e4hlende Whistler kurz vor dem Finale etwa: &#8222;It all worked out so perfectly, didn&#8217;t it, Roger&#8220; oder: &#8222;Yes, Roy, you have it all figured out, haven&#8217;t you?&#8220; Und dann f\u00e4ngt es an schlecht auszusehen f\u00fcr Roger, oder Roy, so wie in &#8222;Return to Riondo&#8220; (8. Januar 1950) &#8211; so hei\u00dft n\u00e4mlich die Episode, die ich 1986 bei AFN geh\u00f6rt hatte. F\u00fcnfzehn Jahre hatte es gedauert, bis ich die Geschichte endlich ganz anh\u00f6ren konnte, da ich ja nicht mal ihren Titel wusste.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Yes, Roy, you have it all figured out, haven&#8217;t you. [&#8230;] You have only to pack all the gold you can carry into knapsacks, strap them onto your back and then hurry to the river. At its edge you stop a moment [&#8230;], wondering for a fleeting moment about Paul&#8217;s body. What became of him? And then you have another idea. You can cover your tracks, can&#8217;t you, Roy [&#8230;]. You wade along the river&#8217;s edge, ankle-deep [&#8230;] and then a sudden clutching fear grips you as your feet seem to give way and you begin to sink. Now you know what happened to Paul&#8217;s body. It fell into quicksand, Roy, and you&#8217;ve walked into the same quicksand.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der hinzugekommene Manuel entscheidet sich doch f\u00fcr die Rettung, und das mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>I know this quicksand. You need something long and flat, something you can hold on to while I pull you out. [&#8230;] I will tear up the floorboards in Dan&#8217;s Shack [&#8230;] I&#8217;m sure under these circumstances your old partner Dan Bosley will not mind my pulling them up.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Paukenschlag und <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/whistler.mp3\">Pfeifen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Kapitel 4: Das Handy<\/b><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/whistler.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Seit meiner Fahrt mit dem Leistungskurs Deutsch habe ich auch ein Handy. Ich habe schon gelernt, dass es Spa\u00df macht, telefonierend durch die Stadt zu laufen &#8211; obwohl ich es hasse, wenn Fu\u00dfg\u00e4nger vor mir ein Handy benutzen: Die stellen sich n\u00e4mlich keineswegs aus dem Weg, sondern werden nur langsamer und stehen allen anderen im Weg.<br>Jedenfalls hat mein mp3-f\u00e4higes Handy als Klingelton eben jenes Whistler-Thema. Es hat sich als gute Wahl herausgestellt: Ich selbst erkenne es bereits beim ersten Ton, und jeder andere identifiziert das Pfeifen erst mal gar nicht als Handyton.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Kapitel 5: Vergleichendes<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Anders als bei den meisten Filmen und H\u00f6rspielen gibt es bei <em>The Whistler<\/em> einen echten Erz\u00e4hler, wie man ihn sonst nur aus der Epik kennt. Erz\u00e4hlt wird im epischen Pr\u00e4sens (das ist das, was Sch\u00fcler in der Unterstufe am H\u00f6hepunkt ihrer Erlebniserz\u00e4hlung verwenden sollen). Es handelt sich dabei allerdings weder um einen Ich-Erz\u00e4hler, noch um einen Erz\u00e4hler in der 3. Person, sondern um einen Du-Erz\u00e4hler. Den habe ich sonst nur erlebt in einem missgl\u00fcckten Unterstufenaufsatz, und vor allem in dem Roman <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0743200187\/qid=1092746468\/ref=sr_8_xs_ap_i1_xgl\/302-3013074-1872821\" target=\"new\" rel=\"noopener\"><em>Complicity<\/em><\/a> von Iain Banks (deutsch: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3442429315\/qid=1092746589\/sr=1-1\/ref=sr_1_2_1\/302-3013074-1872821\" target=\"new\" rel=\"noopener\"><em>Verschworen<\/em><\/a>). Nochmal zum Veranschaulichen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Yes, Roy, you have it all figured out, haven&#8217;t you. [&#8230;] You have only to pack all the gold you can carry into knapsacks, strap them onto your back and then hurry to the river. At its edge you stop a moment [&#8230;], wondering for a fleeting moment about Paul&#8217;s body. What became of him? And then you have another idea. You can cover your tracks, can&#8217;t you, Roy [&#8230;]. You wade along the river&#8217;s edge, ankle-deep [&#8230;] and then a sudden clutching fear grips you as your feet seem to give way and you begin to sink. Now you know what happened to Paul&#8217;s body. It fell into quicksand, Roy, and you&#8217;ve walked into the same quicksand.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Konzept des Fremden, der einem Passanten eine Geschichte erz\u00e4hlt, ist alt. Meistens stellt sich der Fremde selbst als Teil der Geschichte heraus &#8211; als Pointe unz\u00e4hliger Horrorgeschichten, oder bei &#8222;The Ancient Mariner&#8220; von Coleridge.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine Serie ist so etwas weniger geeignetet, also h\u00e4lt sich der Whistler aus der Handlung heraus. \u00c4hnlich war es vorher bei der Radioserie <a href=\"http:\/\/www.radiohof.org\/adventuredrama\/shadow.html\" target=\"new\" rel=\"noopener\"><em>The Shadow<\/em><\/a> (1930-1954) : Bis der Shadow dann Woche um Woche Teil der Handlung wurde, damit aber die die Erz\u00e4hlerrolle aufgab. Der <a href=\"http:\/\/www.old-time.com\/weekly\/mysterioustraveler.html\" target=\"new\" rel=\"noopener\"><em>Mysterious Traveler<\/em><\/a> (1943-1952) sa\u00df im Zug und erz\u00e4hlte dort seine Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei DC Comics gibt es einen Phantom Stranger, der zumindest <a href=\"http:\/\/www.milehighcomics.com\/cgi-bin\/backissue.cgi?action=list&amp;title=61071943080&amp;snumber=1\" target=\"new\" rel=\"noopener\">in seiner eigenen Serie<\/a> ebenfalls Erz\u00e4hler ist, aber auch aktiv in das Geschehen eingreift. Weil DC Superheldencomics produziert, tr\u00e4gt der Phantom Stranger statt Trenchcoat ein Cape, und das Gesicht liegt nicht nur im Schatten des Hutes, sondern hat auch noch eine kleine Maske gekriegt. Au\u00dferdem sind seine Geschichten Geistergeschichten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/phantomstranger.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Drei Goldgr\u00e4ber, die sich gegenseitig umbringen, gibt es auch bei Emanuel Geibel. Allerdings sind in dieser Ballade alle drei \u00e4hnlich schuldig und habgierig, w\u00e4hrend in der Whistler-Episode von oben zumindest einer der drei schuldlos bleibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Die Goldgr\u00e4ber<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren gezogen \u00fcber das Meer,<br>Nach Gl\u00fcck und Gold stand ihr Begehr,<br>Drei wilde Gesellen, vom Wetter gebr\u00e4unt,<br>Und kannten sich wohl und waren sich freund.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatten gegraben Tag und Nacht,<br>Am Flusse die Grube, im Berge den Schacht,<br>In Sonnengluten und Regengebraus,<br>Bei Durst und Hunger hielten sie aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und endlich, endlich, nach Monden von Schwei\u00df,<br>Da sahn aus der Tiefe sie winken den Preis,<br>Da gl\u00fcht es sie an durch das Dunkel so hold,<br>Mit Blicken der Schlange, das feurige Gold.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie brachen es los aus dem finsteren Raum,<br>Und als sie&#8217;s fassten, sie hoben es kaum,<br>Und als sie&#8217;s wogen, sie jauchzten zugleich:<br>&#8222;Nun sind wir geborgen, nun sind wir reich!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lachten und kreischten mit jubelndem Schall,<br>Sie tanzten im Kreis um das blanke Metall,<br>Und h\u00e4tte der Stolz nicht bez\u00e4hmt ihr Gel\u00fcst,<br>Sie h\u00e4tten&#8217;s mit br\u00fcnstiger Lippe gek\u00fcsst.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprach Tom, der J\u00e4ger: &#8222;Nun lasst uns ruhn!<br>Zeit ist&#8217;s, auf die M\u00fchsal uns g\u00fctlich zu tun.<br>Geh, Sam, und hol uns Speisen und Wein,<br>Ein lustiges Fest muss gefeiert sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie trunken schlenderte Sam dahin<br>Zum Flecken hinab mit verzaubertem Sinn;<br>Sein Haupt umnebelnd umschlichen ihn sacht<br>Gedanken wie er sie nimmer gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die andern sa\u00dfen am Bergeshang.<br>Sie pr\u00fcften das Gold, und es blitzt&#8216; und es klang.<br>Sprach Will, der Rote: &#8222;Das Gold ist fein.<br>Nur schade, da\u00df wir es teilen zu Drein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du meinst?&#8220; &#8211; &#8218;Je nun, ich meine nur so.<br>Zwei w\u00fcrden des Schatzes besser froh -&#8222;<br>&#8218;Doch wenn -&#8220; &#8222;-Wenn was?&#8220; &#8222;Nun nehmen wir an,<br>Sam w\u00e4re nicht da&#8220; &#8211; &#8222;Ja, freilich dann -&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schwiegen lang; die Sonne glomm<br>Und glei\u00dft&#8216; um das Gold; da murmelte Tom:<br>&#8222;Siehst du die Schlucht dort unten?&#8220; &#8211; &#8222;Warum?&#8220;<br>&#8222;Der Schatten ist tief, und die Felsen sind stumm.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Versteh ich dich recht?&#8220;-&#8222;Was fragst du noch viel!<br>Wir dachten es beide und f\u00fchren&#8217;s ans Ziel.<br>Ein t\u00fcchtiger Sto\u00df und ein Grab im Gestein.<br>So ist es getan und wir teilen allein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schwiegen aufs neu. Es vergl\u00fchte der Tag.<br>Wie Blut auf dem Golde das Sp\u00e4trot lag;<br>Da kam er zur\u00fcck, ihr junger Genoss,<br>Von bleicher Stirne der Schwei\u00df ihm floss.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nur her mit dem Korb und dem bauchigen Krug!&#8220;<br>Und sie a\u00dfen und tranken mit tiefem Zug.<br>&#8222;Hei lustig Bruder! Dein Wein ist stark;<br>Er rollt wie Feuer durch Bein und Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>Komm, tu uns Bescheid&#8220; &#8211; &#8222;Ich trank schon vorher;<br>Nun sind vom Schlafe die Augen mir schwer.<br>Ich streck ins Gekl\u00fcft mich.&#8220; &#8211; &#8222;Nun, gute Ruh!<br>Und nimm den Sto\u00df, und den dazu!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie trafen ihn mit den Messern gut;<br>Er schwankt&#8216; und glitt im rauchenden Blut.<br>Noch einmal hob er sein blass Gesicht:<br>&#8222;Herr Gott, im Himmel, du h\u00e4ltst Gericht!<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl um des Goldes erschlugt ihr mich.<br>Weh euch! Ihr seid verloren wie ich.<br>Auch ich, ich wollte den Schatz allein<br>Und mischt&#8216; euch t\u00f6dliches Gift in den Wein.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Fast die gleiche Geschichte erz\u00e4hlt <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/geoffrey-chaucer-the-canterbury-tales.htm\">Chaucer<\/a> \u00fcbrigens in &#8222;The Pardoner&#8217;s Tale&#8220; in den Canterbury Tales, es wird sich also um europ\u00e4isches Novellengut handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(11 Kommentare.) 1. Die Filme2. Erste Folgen3. Radio4. Das Handy5. Vergleichendes Kapitel 1: Die Filme Ich bin der Whistler. Niemand kennt mein Gesicht. Ich wei\u00df viele Dinge, denn ich wandere durch die Nacht. Ich wei\u00df viele seltsame Geschichten. Ich wei\u00df die tiefsten Geheimnisse von M\u00e4nnern und Fraue, die das Dunkle gesucht haben. Ja, ich kenne [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5048,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[107,19],"tags":[159,111,125,312],"class_list":["post-101","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesehene-filme","category-audio","tag-audiobeitraege","tag-filme","tag-geoffrey-chaucer","tag-radio"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/phantomstranger.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=101"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57565,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101\/revisions\/57565"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}