{"id":1043,"date":"2009-08-23T18:47:48","date_gmt":"2009-08-23T16:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=1043"},"modified":"2023-05-31T14:03:07","modified_gmt":"2023-05-31T12:03:07","slug":"robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb.htm","title":{"rendered":"Robert Louis Stevenson, The Bottle Imp (im Papierweb)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/08\/robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb.htm#comments'>10 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Es war einmal vor vielen Jahren, da fragte Michael Ende am Lehrstuhl f\u00fcr englische Literaturwissenschaft in Augsburg nach, ob man ihm mit eine Auskunft dienen k\u00f6nnte. F\u00fcr ein Projekt brauche er Informationen zu den Quellen einer Erz\u00e4hlung von Robert Louis Stevenson, &#8222;Der Flaschenteufel&#8220;. Aber gerne; ich begann zu recherchieren. Die Geschichte selber kannte ich aus meiner Jugendzeit. Hier fasse ich alles zusammen, was ich damals herausgekriegt hatte; nach ein paar Fehlstarts musste ich eigentlich nur den richtigen Aufsatz finden, der sich genau dieser Frage angenommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inhalt der Stevenson-Geschichte:<\/strong> Schauplatz Hawaii, mit Abstechern nach San Francisco und Tahiti. Ein junger Mann, Keawe, kauft einem alten Mann mit einem schmucken H\u00e4uschen eine magische Flasche ab, eine mit einem Flaschenteufel darin: die Flasche erf\u00fcllt einem fast alle W\u00fcnsche. Der Haken: Wer im Besitz der Flasche stirbt, den holt der Teufel. Man kann sie jederzeit weiterverkaufen, allerdings, und das ist der zweite Haken, nur gegen M\u00fcnzgeld und immer nur gegen eine geringere Summe als die, f\u00fcr die man sie gekauft hat.<br>Urspr\u00fcnglich wurde die Flasche f\u00fcr ein Verm\u00f6gen gehandelt; als ein fr\u00fcher Besitzer wird <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Priesterk%C3%B6nig_Johannes\">Priesterk\u00f6nig Johannes<\/a> genannt (dessen Legende in England\/USA wohl verbreiteter ist als bei uns; dort hei\u00dft er <em>Prester John<\/em>). Napoleon war wohl ein weiterer Besitzer. Keawe kauft die Flasche f\u00fcr f\u00fcnfzig Dollar, w\u00fcnscht sich ein Haus, und erbt daraufhin unerwartet Land und Geld. Das Haus wird gebaut. Er verkauft, wie abgemacht, einem Freund die Flasche weiter.<br>Keawe genie\u00dft sein Leben. Das Haus ist zwar viel zu sch\u00f6n und zu gro\u00df, um darin zu wohnen, aber die beiden Verandas sind ganz hervorragend. Schlie\u00dflich verliebt sich Keawe in Kokua, wirbt um sie, sie nimmt an &#8211; und da entdeckt Keawe die ersten Anzeichen von Lepra an sich. Er m\u00fcsste jetzt sein Haus verlassen und die Hoffnung auf Kokua aufgeben. Stattdessen macht er sich auf die Suche nach seinem Freund, der die Flasche aber schon weiterverkauft hat, und sp\u00fcrt der Flasche hinterher. Immer wieder st\u00f6\u00dft er auf neu gebaute H\u00e4user und verd\u00e4chtigen Reichtum. Schlie\u00dflich landet er bei einem hoffnungslosen jungen Mann, der die Flasche tats\u00e4chlich in seinem Besitz hat. Allerdings ist der Preis inzwischen weiter gefallen. Der Mann hatte &#8211; aus Gr\u00fcnden, und voller Verzweiflung &#8211; die Flasche f\u00fcr zwei Cent gekauft. Und findet jetzt nat\u00fcrlich keinen mehr, der sie ihm f\u00fcr eine einzelne Cent-M\u00fcnze abkauft. Aus Liebe zu Kokua geht Keawe allerdings auf den Handel ein. Er w\u00fcnscht sich Gesundheit; die Lepra verschwindet; Keawe und Kokua heiraten.<br>Richtig gl\u00fccklich werden sie nicht, da Keawe unter der Last seines Schicksals depressiv wird. Schlie\u00dflich erz\u00e4hlt er Kokua die Geschichte; sie erz\u00e4hlt ihm, dass es ja noch kleine M\u00fcnzen als den Cent gibt, etwa franz\u00f6sische Centimes. Gemeinsam brechen sie auf. Schlie\u00dflich kauft Kokua durch einen Mittelsmann (4 Centimes) selber die Flasche (3 Centimes), um an Keawes Stelle dessen Last und Schicksal zu tragen. Als dieser das mitkriegt, will er durch einen anderen Mittelsmann (2 Centimes) die Flasche endg\u00fcltig in seinen Besitz bringen. Als dieser Zwischenk\u00e4ufer, ein betrunkener, brutaler und verbrecherischer Seemann, sich erfolgreich eine Flasche Rum gew\u00fcnscht hat, r\u00fcckt er die magische Flasche nicht mehr heraus. In die H\u00f6lle wird er ohnehin fahren: &#8222;So off he went down the avenue towards town, and there goes the bottle out of the story.&#8220; (12.500 W\u00f6rter.)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine sch\u00f6ne Geschichte, eine Novelle eigentlich, Teil der Sammlung <em>Island Nights&#8216; Entertainments<\/em> (1893). Distanzierter, leicht m\u00e4rchenhafter Tonfall. Hier <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Bottle_Imp\">Wikipedia dazu<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach einer Quelle war spannend. Leider habe ich fast alle Unterlagen dazu am Lehrstuhl gelassen, aber manches kriege ich noch zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens waren manche Angaben in Artikeln dazu falsch, denn dort hie\u00df es oft, Stevenson habe die Idee aus einem Theaterst\u00fcck von O. Smith. Wenn man die Bemerkung am Anfang der Geschichte aber richtig liest, wei\u00df man, dass das nur der Schauspieler war, der in einer B\u00fchnenfassung das St\u00fcck popul\u00e4r gemacht hat:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Any student of that very unliterary product, the English drama of the early part of the century, will here recognise the name and the root idea of a piece once rendered popular by the redoubtable O. Smith. The root idea is there and identical, and yet I hope I have made it a new thing. And the fact that the tale has been designed and written for a Polynesian audience may lend it some extraneous interest nearer home.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Irgendwann entdeckte ich, dass nat\u00fcrlich schon jemand vor mir die Quellen zu &#8222;The Bottle Imp&#8220; zusammengetragen und mir die ganze Arbeit abgenommen hatte, so dass ich mir nur die jeweiligen Texte besorgen musste. Das war &#8222;The Devious Genealogy of the &#8218;Bottle-imp&#8216; Plot&#8220; von Bacil F. Kirtley in: <em>American Notes &amp; Queries<\/em>, Vol. IX, Number 5, January 1971. (Vollst\u00e4ndiger Text mit Scan-Fehlern <a href=\"http:\/\/www.archive.org\/stream\/americannotesque001070mbp\/americannotesque001070mbp_djvu.txt\">hier<\/a>, einfach nach &#8222;bottle imp&#8220; suchen, oder sich die Datei als pdf anzeigen lassen.) Der Aufsatz greift Ergebnisse auf, die zuvor von Joseph Warren Beach gesammelt wurden, in: &#8222;The Source of Stevenson&#8217;s Bottle Imp&#8220;. <em>Modern Language Notes<\/em> 25 (Jan. 1910), p. 12-18.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Lekt\u00fcre Kirtleys wusste ich:<\/p>\n\n\n\n<p>A. Richard John Smith, Spitzname Obi Smith, spielte 1828 in einem erfolgreichen St\u00fcck namens <em>The Bottle-Imp<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>B. Dessen gedruckte Form erschien ebenfalls 1828 (Autor: R. B. Peake, Esq); das war die Vorlage f\u00fcr Stevenson.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"298\" height=\"459\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/bottle_imp.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2509\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/bottle_imp.jpg 298w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/bottle_imp-97x150.jpg 97w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>D. Beide Texte sind \u00dcbersetzungen von Friedrich de la Motte Fouqu\u00e9, <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Fouqu%C3%A9,+Friedrich+de+la+Motte\/Erz%C3%A4hlungen\/Eine+Geschichte+vom+Galgenm%C3%A4nnlein\">&#8222;Eine Geschichte vom Galgenm\u00e4nnlein&#8220;<\/a> (1810); beim ersten Text ist er als Autor genannt, beim zweiten Text werden die Autoren im Vorwort genannt, die Zuordnung zu den einzelnen Geschichten bleibt aber dem Leser \u00fcberlassen. <p><strong>Inhalt bei Fouqu\u00e9:<\/strong> Zur Zeit des drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges kommt der junge Kaufmann Reichard nach Venedig, ger\u00e4t an eine Kurtisane, verprasst sein Geld, kauft das Fl\u00e4schchen mit dem Galgenm\u00e4nnlein drin. F\u00fcr 3 Dukaten verkauft er es an seinen Arzt, ohne diesen \u00fcber das W\u00fcnschen und den Fluch zu informieren. Der verkauft ihm die Flasche heimlich als Medizin zur\u00fcck (2 Dukaten), Reichard jubelt es seiner ehemaligen Geliebten unter, die ihn verlassen hat (1 Dukaten). Die verkauft es ihm unwissentlich und \u00fcber einen Mittelsmann zur\u00fcck. Reichard geht nach Rom und versucht erfolglos, das Fl\u00e4schchen f\u00fcr drei Groschen zu verkaufen; zieht als Soldat in den Krieg zwischen zwei italienischen Kleinstaaten und wird das Fl\u00e4schchen letztlich f\u00fcr einen Groschen an einen Kameraden los. Versehentlich kauft er es f\u00fcr einen Heller wieder zur\u00fcck, weil er seine Patronen verspielt hat und er bei der bevorstehenden Kontrolle erschossen werden w\u00fcrde. Eine kleinere M\u00fcnze kennt er nicht. Reichard zieht durch die Gegend, ger\u00e4t schlie\u00dflich an eine merkw\u00fcrdige Gestalt (teuflisches Aussehen, schwarzes Pferd, blutrotes Wams), der mit Reichard einen Plan vereinbart: er wird einem \u00f6rtlichen F\u00fcrsten ein Monster auf den Hals hetzen, Reichard soll als Retter auftauchen; der F\u00fcrst wird ihm aus Dankbarkeit entlohnen wollen und Reichard solle sich w\u00fcnschen, dass zumindest zwei Halbheller gepr\u00e4gt w\u00fcrden, so dass der Fremde Reichard das Fl\u00e4schlein abkaufen kann. So geschieht das auch, komplett mit Monster, &#8222;einem ungeheuern, griesgr\u00e4mischen Affen [&#8230;], der noch \u00fcberdem ein gewaltiges Hirschgeweih auf den Kopfe trug&#8220;. Das Pr\u00e4gen neuer M\u00fcnzen ist gar nicht n\u00f6tig, da die Heller in diesem F\u00fcrstentum eh nur ein Drittel eines normalen Hellers wert sind<br>Reichard trifft den Fremden an verabredeter Stelle, durch eine finstere H\u00f6hle zum Schwarzbrunnen, mit dessen Wasser man sich schwarz w\u00e4scht. Dort gesteht der Fremde, einen Bund mit dem Teufel geschlossen zu haben und ohnehin in die H\u00f6lle zu fahren. Die Flasche wechselt f\u00fcr einen Drittelheller ihren Besitzer. Reichard lebt in Zukunft fromm und ehrenwert. (In der englischen Fassung wird darauf hingewiesen, dass der Fremde Reichard aus edlen Motiven die Flasche abnimmt, um dessen Seele zu retten und dadurch vielleicht auch seine eigene. In der deutschen steht nichts davon.)<strong>Unterschiede zu Stevenson:<\/strong> Es gibt viel mehr Hin und Her mit der Flasche; die Flasche wird ohne Wissen der Parteien untergeschoben; jeder betr\u00fcgt den anderen. Bei Stevenson: Liebe statt Habgier als Motiv; kein Betrug; Italien statt Pazifik.<br><strong>Gemeinsamkeiten:<\/strong> Die erste Probe beim Flaschenkauf ist die, sich das ausgegebene Geld zur\u00fcckzuw\u00fcnschen. Die Flasche kehrt jeweils auf magische Weise zum Besitzer zur\u00fcck. In beiden F\u00e4llen nimmt am Schluss ein S\u00fcnder den Fluch freiwillig auf sich. <\/p><\/p>\n\n\n\n<p>E. Als Quelle f\u00fcr Fouqu\u00e9 wird allgemeines Sagengut vermutet. Homunculi, Galgenm\u00e4nnlein, Flaschengeister gibt es viele, und sie haben das Motiv vom <em>Bottle Imp<\/em> sicher beeinflusst. Aber das konstituierende Element ist doch das, dass man die Flasche immer nur f\u00fcr weniger Geld verkaufen kann. Das findet sich auch in den <em>Deutschen Sagen<\/em> der Br\u00fcder Grimm, Nr. 85, <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm\/Sagen\/Deutsche+Sagen\/Erster+Band\/85.+Spiritus+familiaris\">&#8222;Spiritus familiaris&#8220;<\/a>. Dieser<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>bringt gro\u00dfes Gl\u00fcck, l\u00e4\u00dft verborgene Sch\u00e4tze sehen, macht bei Freunden geliebt, bei Feinden gef\u00fcrchtet, im Krieg fest wie Stahl und Eisen, also da\u00df sein Besitzer immer den Sieg hat, auch beh\u00fctet es vor Haft und Gef\u00e4ngnis. Man braucht ihn nicht zu pflegen, zu baden und kleiden wie ein Galgenm\u00e4nnlein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ihn aber beh\u00e4lt, bis er stirbt, der mu\u00df mit ihm in die H\u00f6lle, darum sucht ihn der Besitzer wieder zu verkaufen. Er l\u00e4\u00dft sich aber nicht anders verkaufen als immer wohlfeiler, damit ihm einer bleibe, der ihn n\u00e4mlich mit der geringsten M\u00fcnze eingekauft hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Soldat, der ihn f\u00fcr eine Krone gekauft und den gef\u00e4hrlichen Geist kennenlernte, warf ihn seinem vorigen Besitzer vor die F\u00fc\u00dfe und eilte fort; als er zu Hause ankam, fand er ihn wieder in seiner Tasche. Nicht besser ging es ihm, als er ihn in die Donau warf. Ansonsten l\u00e4uft die Geschichte bei den Grimms anders ab als bei Fouqu\u00e9, erschien auch sechs Jahr nach diesem, ist als direkte Quelle also wenig wahrscheinlich. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>F. Quellen f\u00fcr Grimm? Kirtley nennt als Ausgangspunkt eine Episode in den <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Grimmelshausen,+Hans+Jakob+Christoffel+von\/Romane\/Trutz+Simplex\/Das+18.+Kapitel\">Kapiteln 18<\/a> bis <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Grimmelshausen,+Hans+Jakob+Christoffel+von\/Romane\/Trutz+Simplex\/Das+22.+Kapitel\">22<\/a> in Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens &#8222;Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetr\u00fcgerin und Landst\u00f6rtzerin Courasche&#8220; (1670). (Auch bei Fouqu\u00e9 spielte die Handlung w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriegs.) Auch hier muss man das Fl\u00e4schlein billiger verkaufen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Ach Frau Courasche!&#8220; antwortet er, &#8222;es ist hiermit nicht wie mit anderer War beschaffen; sie hat ihren gewissen Kauf und Verkauf, verm\u00f6g dessen die Frau zusehen mag, wann sie dies Kleinod wieder hingibt, da\u00df sie es n\u00e4mlich wohlfeiler verkaufe, als sie es selbsten erkauft hat.&#8220; <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Fl\u00e4schlein hat magische F\u00e4higkeiten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Frau Courasche! es ist ein dienender Geist, welcher demjenigen Menschen, der ihn erkauft und bei sich hat, gro\u00df Gl\u00fcck zuwegen bringt. Er gibt zu erkennen, wo verborgene Sachen liegen, er verschafft zu jedwederer Handelschaft genugsame Kaufleute und vermehret die Prosverit\u00e4t; er macht, da\u00df sein Besitzer von seinen Freunden geliebt und von seinen Feinden gef\u00fcrchtet werde. Ein jeder, der ihn hat und sich auf ihn verl\u00e4\u00dft, den macht er so fest als Stahl und beh\u00fctet ihn vor Gef\u00e4ngnis; er gibt Gl\u00fcck, Sieg und \u00dcberwindung wider die Feinde und bringt zuwegen, da\u00df seinen Besitzer fast alle Welt lieben mu\u00df.&#8220; <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es ist pflegeleicht:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>dann ich h\u00e4tte geh\u00f6ret, da\u00df diejenige Zauberer, welche andere Leute in Gestalt eines Galgenm\u00e4nnels bestehlen, das sogenannte Galgenm\u00e4nnel mit wochentlicher gewisser Badordnung und anderer Pfleg verehren m\u00fc\u00dften. Der Alte antwortet, es d\u00fcrfte des Dings hier gar nicht; es sei viel ein anders mit einem solchen M\u00e4nnel als mit einem solchen Ding, das ich von ihm gekauft h\u00e4tte. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch hier findet die Flasche immer wieder ihren Weg zum Besitzer, und der letzte K\u00e4ufer, der daf\u00fcr die kleinste M\u00fcnze gegeben hat, hat Schwierigkeiten damit:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>er konnte ihn aber drum nicht wieder verkaufen, weil der Satz oder der Schlag seines Kaufschillings aufs Ende kommen war. Ehe er nun selbst Haar lassen wollte, gedachte er, mir denselbigen wieder anzuhenken und zuruckzugeben, wie er mir ihn dann auch auf dem Generalrendevous, als wir vor Regenspurg ziehen wollten, vor die F\u00fc\u00dfe warf. Ich aber lachte ihn nur aus und solches zwar nicht darum vergebens, dann ich hube ihn nicht allein nicht auf, sondern da Springinsfeld wieder in sein Quartier kam, da fande er ihn wieder in seinem Schubsack. Ich hab mir sagen lassen, er habe den Bettel etlichmal in die Donau geworfen, ihn aber alleweg wieder in seinem Sack gefunden, bis er endlich denselbigen in einen Bachofen geworfen und also seiner losworden. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Parallelen zu der Sage bei Grimm sind so offensichtlich, dass die Grimmsche Version wohl auf die von Grimmelshausen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. <\/p>\n\n\n\n<p>G. Weiter zur\u00fcck geht Kirtley nicht mehr. Grimmelshausen habe durch die Kombination vom M\u00e4nnchen in der Flasche und dem Galgenm\u00e4nnlein (eigentlich der unter bestimmten Umst\u00e4nden gepfl\u00fcckten Wurzel der Alraune) die Urform der Geschichte geschaffen. Laut Kirtley sei ein Kennzeichen des Galgenm\u00e4nnleins: &#8222;it must be sold more cheaply than bought; and it brings damnation upon anyone who dies while possessing it.&#8220; Das w\u00e4re der Ansatzpunkt f\u00fcr weitere Forschung, oder zumindest weiteres Zusammentragen.<\/p>\n\n\n\n<p>H. Neben Grimmelshausen ist eine weitere m\u00f6gliche Quelle f\u00fcr Grimm <em>Der leipziger Avanturieur oder eines gebornen Leipzigers eigenh\u00e4ndiger Entwurf seiner Schicksale<\/em>, 2 B\u00e4nde 1756. In einer Episode auf Seite 37-43 (Band 2) gibt es zwei Binnenerz\u00e4hlungen. In der ersten geht es um ein Sch\u00e4chtelchen mit unbekanntem Inhalt (stellt sich heraus: eine Fliege, Symbol des Teuflischen), das Reichtum verleiht. Der Besitzer versucht es einmalig loszuwerden an denjenigen, von dem er es hat; der ist aber verschwunden. In der zweiten Geschichte wird dem Erz\u00e4hler eine sch\u00f6ne neue Hose \u00fcberraschend billig verkauft; er hat daraufhin viel Gl\u00fcck, wird misstrauisch und entdeckt an der Hose einen Knopf, den man \u00f6ffnen kann und in dem sich ein merkw\u00fcrdiger Wurm befindet. Der Beichtvater r\u00e4t ihm, die Hose weiter zu verkaufen, &#8222;um eben so vieles Geld, als [er] daf\u00fcr gegeben&#8220;. Er findet lange keinen K\u00e4ufer, weil alle entweder meinen, dass f\u00fcr den niedrigen Preis etwas nicht stimmen kann mit der Hose, oder noch weniger daf\u00fcr zahlen wollen (und das geht in dieser Variante nicht). Es ist wieder ein &#8222;abgedankter Soldat&#8220;, bei dem der magische Gegenstand am Schluss landet.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Inzwischen war Michael Ende gestorben, ich bereitete mich aufs Examen vor, und aus der weiteren Recherche wurde bis heute nichts. Beim Aufr\u00e4umen bin ich auf meine wenigen Kopien von damals gesto\u00dfen und habe das jetzt mal alles zusammengeschrieben. K\u00f6nnte man ja mal eine Recherche-Webquest daraus machen, wenn ich nicht eh schon alles hier verlinkt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Gedanken und Hinweise:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Spielverderber werden nat\u00fcrlich auf Gremlins-Modus umschalten: Was passiert, wenn die M\u00fcnze ihren Kurs \u00e4ndert? Geht es nur um den Nennwert? (Vermutlich schon. K\u00f6nnte man eine sch\u00f6ne moderne Geschichte daraus machen, bei der eine wertvolle M\u00fcnze mit niedrigem Nennwert gestohlen wird.) Und was passiert eigentlich mit der Flasche, wenn der Besitzer stirbt und zur H\u00f6lle f\u00e4hrt? Zu welchem Preis geht es dann weiter?<\/li>\n\n\n\n<li>Vergleich mit anderen <a href=\"http:\/\/images.google.de\/images?hl=de&amp;safe=off&amp;client=firefox-a&amp;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&amp;hs=oIj&amp;um=1&amp;sa=1&amp;q=%22deals+with+the+devil%22+%22basil+davenport%22&amp;btnG=Bilder-Suche&amp;aq=f&amp;oq=\">Deals-with-the-devil-Geschichten<\/a>: Die Methode scheint mir sicher. Der Teufel kriegt so oder so eine Seele, auch wenn er m\u00f6glicherweise l\u00e4nger darauf warten muss. Daf\u00fcr ist es sicher viel leichter, einen ersten K\u00e4ufer f\u00fcr die Flasche zu finden, als sonst jemanden, der einen Pakt mit dem Teufel eingehen w\u00fcrde. Das Risiko f\u00fcr den Teufel besteht darin, dass er am Schluss die Seele von jemandem kriegt, der ohnehin zur H\u00f6lle gefahren w\u00e4re, wie es in den Geschichten oben ja auch geschieht.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich mag Geschichten mit Teufelspakten. Irgendwann wollte ich mal eine Kurzgeschichte schreiben um jemanden, der einen solchen Pakt eingeht: der Teufel f\u00fchrt in eine zauberische Buchhandlung, wo sich der junge Mann so viele B\u00fccher mitnehmen darf (auch seltene Ausgaben, verschollene Werke) wie er will. Bedingung: Wenn er sie bis zum Ende seines Lebens gelesen hat, ist er frei; wenn er vorher stirbt, kommt er in die H\u00f6lle. Der junge Mann nimmt sich nat\u00fcrlich zu viele B\u00fccher mit. Das Lesen wird ihm verleidet, er macht es aus Pflicht. Oder: Seine kleine Bibliothek wird gestohlen\/f\u00e4llt einem Brand zum Opfer, er muss also versuchen, diese B\u00fccher, gerne auch in anderen Ausgaben, wieder zu bekommen und zu lesen. Das ist bei manchen B\u00e4nden, eben den seltenen, gar nicht so einfach. Die Geschichte w\u00fcrde mit dem jungen Mann beginnen, irrer, fiebriger Blick, der versucht, dem Besitzer eines selten Buches dieses abzukaufen, und ihm deshalb seine Geschichte erz\u00e4hlt. &#8212; Inzwischen gibt es das Internet und E-Texte, und mir sind B\u00fccher nicht mehr so wichtig. Also, falls jemand anderes diese Geschichte schreiben m\u00f6chte, nur zu.<\/li>\n\n\n\n<li>Sollte man die Flasche f\u00fcr einen Cent kaufen? Nein, weil man sie ja nie wieder loswerden w\u00fcrden. Sollte man zwei Cent daf\u00fcr zahlen? Nein, weil man ja nie einen dummen K\u00e4ufer finden w\u00fcrde, Transparenz vorausgesetzt, der sie einem f\u00fcr einen Cent abnehmen w\u00fcrde. Sollte man drei Cent daf\u00fcr zahlen? Nein, weil es ja keinen 2-Cent-K\u00e4ufer geben sollte, wie wir gerade gesehen haben. Originelles Beispiel f\u00fcr das (vielleicht nur scheinbare) <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/06\/das-gefangenenparadoxon-abistreich-version.htm\">Paradoxon der angek\u00fcndigten Hinrichtung<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt ein sch\u00f6n gemachtes <a href=\"http:\/\/www.flaschenteufel.info\/\">Kartenspiel<\/a> zu Stevensons Erz\u00e4hlung. Man kann es auch online spielen; sieht nach einem Stichspiel mit einer Art Schwarzem Peter aus.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(10 Kommentare.) Es war einmal vor vielen Jahren, da fragte Michael Ende am Lehrstuhl f\u00fcr englische Literaturwissenschaft in Augsburg nach, ob man ihm mit eine Auskunft dienen k\u00f6nnte. F\u00fcr ein Projekt brauche er Informationen zu den Quellen einer Erz\u00e4hlung von Robert Louis Stevenson, &#8222;Der Flaschenteufel&#8220;. Aber gerne; ich begann zu recherchieren. Die Geschichte selber kannte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2509,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[224,270,264,290,162],"class_list":["post-1043","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-buecher","tag-buecher","tag-literarische-motive","tag-phantastik","tag-robert-louis-stevenson","tag-romantik"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/bottle_imp.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1043","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1043"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1043\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58056,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1043\/revisions\/58056"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}