{"id":105,"date":"2004-09-14T07:44:13","date_gmt":"2004-09-14T05:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/sir-james-frazer-the-golden-bough.htm"},"modified":"2023-05-31T13:57:40","modified_gmt":"2023-05-31T11:57:40","slug":"sir-james-frazer-the-golden-bough","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/sir-james-frazer-the-golden-bough.htm","title":{"rendered":"Sir James Frazer, The Golden Bough"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/sir-james-frazer-the-golden-bough.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><strong>Folgenden Text habe ich wohl 1988 geschrieben; ich stelle ihn unverbessert hierher. Mehr als \u00fcberflogen habe ich ihn nicht, das w\u00e4re mir zu arg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>&#8222;Abschnitte in solchen mythologischen und anthropologischen Quellenwerken wie Frazers <em>Goldener Zweig<\/em>&#8222;<br>H.P. Lovecraft, &#8222;Chulhus Ruf&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-corecolumns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:165px\">\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/goldenbough.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p id=\"block-042e7f9c-e5e7-4aca-8e1a-097b8924cb87\">Sir James George Frazer<br><em>The Golden Bough<br>A Study in Magic and Religion<\/em><\/p>\n\n\n\n<p id=\"block-e9dbc045-2359-4448-94fe-af258405e702\">Papermac\/Macmillan Press Ltd 1987<br>\u00a3 7,95 \/ DM 37,80<br>756 Seiten<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Mit dem <em>Necronomicon<\/em> des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred ist sicher jeder Lovecraft-Leser bestens vertraut, und von Junzts <em>Unaussprechlichen Kulten<\/em> vergi\u00dft er ebensowenig wie das <em>De Vermiis Mysteriis<\/em> von Ludvig Prinn. Weniger bekannt ist dagegen <em>Der Goldene Zweig<\/em> von J. G. Frazer, und das ist bedauerlich &#8211; denn dies ist eines der wenigen B\u00fccher aus Lovecrafts Listen, das tats\u00e4chlich existiert und, mehr noch, jedem Interessierten mit einem Minimum an Aufwand zug\u00e4nglich ist. Wer ein finsteres Grimoire aus dem Mittelalter erwartet, wird jedoch entt\u00e4uscht werden. Genauso wenig handelt es sich dabei aber auch um eines der zahllosen Necronomicon-Fragmente, die von ihren Herausgebern auf staubigen Dachb\u00f6den in Neuengland &#8211; ersatzweise in unheimlichen Ruinenst\u00e4dten im Orient &#8211; entdeckt worden und eindeutig als Hoax gedacht sind.<\/p>\n\n\n\n<p>James George Frazer wurde am ersten Tag des Jahres 1854 in Glasgow geboren und starb als einer der bedeutendsten Ethnologen Englands im Alter von 87 Jahren in Cambridge. Er sammelte akademische Grade und ver\u00f6ffentlichte eine ganze Reihe von B\u00fcchern, deren bekanntestes wohl <em>The Golden Bough<\/em> ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dessen Ausgangspunkt ist ein ungew\u00f6hnlicher Brauch, der noch in der klassischen Antike ausge\u00fcbt wurde. Am Lago di Nemi in den Albaner Bergen, ein St\u00fcckchen s\u00fcdlich von Rom, in wildromantischer sch\u00f6ner Lage und einst beliebter Zufluchtsort f\u00fcr r\u00f6mische Senatoren w\u00e4hrend der hei\u00dfen Sommermonate, lag eine der \u00e4ltesten St\u00e4dte Latiums, Ariccia. In deren N\u00e4he gab es einen heiligen Hain der Diana Nemorensis, der Diana des Waldes. Dieser Hain, und speziell ein besonderer Baum darin, wurde von dem Priester des Hains und &#8222;K\u00f6nig des Waldes&#8220; (Rex Nemorensis) mit seinem Leben bewacht. Jederzeit hatte ein fl\u00fcchtiger Sklave das Recht, einen Zweig von diesem Baum zu brechen (wenn der &#8222;K\u00f6nig&#8220; das nicht zu verhindern wu\u00dfte) und den &#8222;K\u00f6nig&#8220; zum Kampf auf Leben und Tod herauszufordern. Der \u00dcberlebende dieses Duells bekam den Titel des Rex Nemorensis und das Priesteramt, bis auch er schlie\u00dflich einem st\u00e4rkeren Herausforderer weichen mu\u00dfte. Dieser blutige Brauch, f\u00fcr den es keine Parallelen gab, hielt sich bis mindestens ins erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nun diese Sitte zu erkl\u00e4ren, mu\u00df Frazer etwas weiter ausholen. Im Jahr 1890 erscheint The Golden Bough als zweib\u00e4ndige Ausgabe, bis zum Jahre 1922 ist es mehrmals \u00fcberarbeitet worden, um schlie\u00dflich in der endg\u00fcltigen zw\u00f6lfb\u00e4ndigen Fassung vorzuliegen. Im selben Jahr erscheint auch die von Frazer selbst vorgenommene Zusammenfassung zu einem Band, dem Band, dem meine Besprechung gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Lekt\u00fcre wird der Leser auf eine tour de force durch die Weltgeschichte mitgenommen. Frazer beginnt mit den \u00e4ltesten beziehungsweise urspr\u00fcnglichsten Kulturen, wie den australischen Aborigines, und untersucht ihr Weltbild. Er zeigt, da\u00df vor der Religion die Magie das Leben beherrscht hat, die der wissenschaftlichen Weltauffassung gar nicht so un\u00e4hnlich ist. Es gab die &#8222;Naturgesetze&#8220;, da\u00df Dinge, die einmal in Kontakt miteinander waren, immer in Kontakt bleiben (deshalb braucht man f\u00fcr viele Beschw\u00f6rungen zum Beispiel einige Haare oder Kleidungsst\u00fccke des Opfers), und da\u00df Gleichartiges Gleichartiges erzeugt (einer der \u00e4ltesten Regenzauber ist einfach, Wasser auf dem Boden zu verspritzen). Erst sp\u00e4ter, als man erkannt hatte, da\u00df das so einfach nun doch nicht ging, wurden die G\u00f6tter ins Spiel gebracht, um einen Grund f\u00fcr die mi\u00dflungenen Zauber zu liefern. Und so geht die Geschichte weiter, \u00fcber G\u00f6tter in Menschenform als K\u00f6nige, \u00fcber G\u00f6tter in Tier- und Pflanzenform, \u00fcber Opfer, Br\u00e4uche, Tabus und Fruchtbarkeitsrituale &#8211; sie liefert ein zusammenh\u00e4ngendes, logisches Bild von Magie, Religion und Aberglauben durch alle Kulturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wird endlich das Geheimnis um die heidnische Bedeutung des Weihnachtsbaumes gel\u00fcftet und darauf hingewiesen, da\u00df die meisten christlichen Feste Weihnachten und Ostern eingeschlossen unter anderen Namen am selben Datum vor dem Christentum existierten. Da wird erkl\u00e4rt, weshalb Miraculix denn ausgerechnet Mistelzweige f\u00fcr seinen Zaubertrank braucht und welchen Sinn ein Tabu hat. Wenn man sich \u00fcber die Urspr\u00fcnge des Maibaumes oder von Hallowe&#8217;en informieren, oder \u00fcber die Parallellen zwischen dem germanischen Balder, dem \u00e4gyptischen Osiris, dem Tammuz der Babylonier, dem griechischen Adonis und dem phrygischen Attis staunen will &#8211; dann ist dieses Buch nur zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wozu das Ganze? Frazer f\u00fchrt den Leser manchmal scheinbar zusammenhanglos durch seine Wunderwelt &#8211; bis, ja, bis sich der bunte Reigen am Schlu\u00df zum gro\u00dfen Finale vereinigt, sich die Details zu einem Gesamtbild formen, das Personal sich am sonnigen Ufer des Lago di Nemi versammelt, um &#8211; man hat schon fast nicht mehr daran gedacht &#8211; eine umfassende und glaubw\u00fcrdige Erkl\u00e4rung f\u00fcr den ungew\u00f6hnlichen Nachfolgebrauch im Hain der Diana Nemorensis zu bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zw\u00f6lfb\u00e4ndige Ausgabe von <em>The Golden Bough<\/em> ist auch auf Deutsch erschienen, wird aber nur in gr\u00f6\u00dferen Bibliotheken vorhanden sein. Das Englisch der zusammengefa\u00dften Paperback-Ausgabe ist nicht allzu schwierig, wenn auch die 756 gro\u00dfformatigen Seiten mit ihren knappen zwei Pfund Gewicht schon eine gewisse Herausforderung darstellen. Trotz dieser Gr\u00f6\u00dfe kann man den Band allerdings bequem lesen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, da\u00df die Seiten aus dem Leim gehen. Wenn es auch nicht besonders lesefreundlich gesetzt ist, so strapaziert es die Augen doch nicht \u00fcber Geb\u00fchr. Im Gegensatz zur kompletten Ausgabe fehlen aus Platzgr\u00fcnden leider s\u00e4mtliche Belegstellen sowie die Bibliographie. Beides w\u00e4re f\u00fcr jemanden, der sich weiter in die Materie vertiefen will, sicher von gro\u00dfem Interesse. Nat\u00fcrlich ist der Inhalt auch nur eine Auswahl aus den zw\u00f6lf B\u00e4nden, der jedoch repr\u00e4sentativ genug ist und f\u00fcr die Argumentation des Autors ausreicht. Ich hatte jedenfalls an keiner Stelle das Gef\u00fchl, nur Fragmente vor mir zu haben. Aufgrund des doch relativ hohen Alters des Buches haben sich wohl sicher einige Fehler eingeschlichen, die jedoch nur f\u00fcr den ernsthaften Wissenschaftler von Bedeutung sind. Durch den lockeren und in seinen Landschaftsbeschreibungen oft poetischen Stil Frazers, gepaart mit trockenem schottischen Humor, und den gezielten Aufbau auf das Finale hin wirkt das Buch manchmal direkt romanhaft und l\u00e4\u00dft sich auf jeden Fall spannend lesen. Sicher tr\u00e4gt auch das Flair dieses alten W\u00e4lzers (die Respektlosigkeit mag mir verziehen sein) dazu bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedem, der sich f\u00fcr das Thema interessiert und keine Zuflucht zu trockenen modernen Sachb\u00fcchern suchen will, und der vor dem Umfang der Aufgabe nicht verzweifelt, kann ich <em>The Golden Bough<\/em> nur empfehlen. \u00dcber den deutschen Buchhandel ist es problemlos innerhalb von etwa zwei Wochen zu bestellen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong> Wer &#8222;keine Zuflucht zu trockenen modernen Sachb\u00fcchern suchen will&#8220; &#8211; heute w\u00fcrde ich weit eher die trockenen modernen Sachb\u00fccher empfehlen, von denen ich ja auch damals nicht die geringste Ahnung hatte.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) Folgenden Text habe ich wohl 1988 geschrieben; ich stelle ihn unverbessert hierher. 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