{"id":10600,"date":"2018-02-03T16:03:26","date_gmt":"2018-02-03T15:03:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=10600"},"modified":"2018-02-07T06:25:16","modified_gmt":"2018-02-07T05:25:16","slug":"das-internet-ist-nicht-mehr-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/02\/das-internet-ist-nicht-mehr-boese.htm","title":{"rendered":"Das Internet ist nicht mehr b\u00f6se"},"content":{"rendered":"<p>Thomas Kn\u00fcwer von Indiskretion Ehrensache <a href=\"http:\/\/www.indiskretionehrensache.de\/2018\/01\/goldene-blogger-2017-sieger\/\">schreibt anl\u00e4sslich der Verleihung der Goldenen Blogger,<\/a> dass sich die Wahrnehmung von Blogs ge\u00e4ndert hat: Die Presse beschm\u00e4ht sie nicht, sondern interessiert sich daf\u00fcr. Selber f\u00e4llt mir auf, dass in der Tagesschau regelm\u00e4\u00dfig von Twitter die Rede ist, mehr noch als von Facebook. (Gut, das liegt an Trump.) Und vor ein paar Tagen war ich auf einer Fortbildung, wo ich mich ins Jahr 2005 zur\u00fcckversetzt w\u00e4hnte: Das Internet war pl\u00f6tzlich kein Ort des B\u00f6sen mehr, sondern auch ein Ort der Verwirklichung, der Kommunikation und Zusammenarbeit. Das war ja bereits die Sicht der Minderheit, die 2005 im Web war &#8211; bevor dann das Internet Massenph\u00e4nomen wurde und Facebook das Web 2.0 kaputt gemacht hat. Ganz kaputt? Nein, die Urgesteine von damals gab und gibt es immer noch. Und jetzt pl\u00f6tzlich h\u00f6re ich auf das Fortbildungen f\u00fcr Lehrer und Lehrerinnen und Schulleitungen pl\u00f6tzlich wieder.<\/p>\n<p>Und das kommt wohl so:<\/p>\n<h4>1. Die Europ\u00e4ische Union<\/h4>\n<p>Es gibt einen <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/jrc\/en\/digcomp\/digital-competence-framework\">Europ\u00e4ischen Referenzrahmen f\u00fcr digitale Kompetenzen<\/a> (Digital Competence Framework). \u00dcber welche digitale Kompetenzen soll ein europ\u00e4ischer B\u00fcrger in Zukunft verf\u00fcge? In der aktuellen Fassung werden 21 Kompetenzen aufgez\u00e4hlt, eingeteilt in f\u00fcnf Bereiche:<\/p>\n<ol>\n<li>Informations- und Datenkompetenz<\/li>\n<li>Kommunikation und Kooperation<\/li>\n<li>Erstellung digitaler Inhalte<\/li>\n<li>Sicherheit<\/li>\n<li>Probleml\u00f6sung<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bemerkenswert vor allem die Kommunikation und Kooperation und das Erstellen digitaler Inhalte. <\/p>\n<h4>2. Die Kultusministerkonferenz<\/h4>\n<p>Die KMK hat ein Strategiepapier entworfen (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2016\/12\/digitale-strategie-der-kmk.htm\">Blogeintrag dazu<\/a>), in dem sich die L\u00e4nder dazu verpflichten, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die kommendes Schuljahr in die 5. Klasse kommen, Gelegenheit erhalten, eine lange Reihe digitaler Kompetenzen zu erwerben. Hier hei\u00dfen die Bereiche so:<\/p>\n<ol>\n<li>Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren<\/li>\n<li>Kommunizieren und Kooperieren<\/li>\n<li>Produzieren und Pr\u00e4sentieren<\/li>\n<li>Sch\u00fctzen und sicher Agieren<\/li>\n<li>Probleml\u00f6sen und Handeln<\/li>\n<li>Analysieren und Reflektieren<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Kompetenzen gehen dabei von &#8222;Digitale Technologien gesundheitsbewusst nutzen&#8220; und &#8222;Digitale Technologien f\u00fcr soziales Wohlergehen und Eingliederung nutzen&#8220; \u00fcber &#8222;Digitale Werkzeuge f\u00fcr die Zusammenarbeit bei der Zusammenf\u00fchrung von Informationen, Daten und Ressourcen nutzen&#8220; und &#8222;Digitale Werkzeuge bei der gemeinsamen Erarbeitung von Dokumenten nutzen&#8220; bis zu &#8222;Mit Hilfe verschiedener digitaler Kommunikationsm\u00f6glichkeiten kommunizieren&#8220; oder &#8222;Algorithmische Strukturen in genutzten digitalen Tools erkennen und formulieren&#8220;.<\/p>\n<h4>3. Bayern<\/h4>\n<p>Als Teil der Umsetzung dieser Strategien hat sich Bayern einen <a href=\"https:\/\/www.mebis.bayern.de\/infoportal\/konzepte\/kompetenzrahmen\/\">Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen<\/a> gegeben, mit folgenden digitalen Kompetenzen:<\/p>\n<ol>\n<li><b>Basiskompetenzen<\/b>\n<ol>\n<li>Medienangebote und Informatiksysteme (Hardware-, Software und\/oder Netzwerkkomponenten) sach- und zielorientiert handhaben<\/li>\n<li>Funktionsweisen und grundlegende Prinzipien von Medienangeboten und Informatiksystemen durchdringen und zur Bew\u00e4ltigung neuer Herausforderungen einsetzen<\/li>\n<li>Probleme insbesondere in Medienangeboten und Informatiksystemen identifizieren und auch mit Hilfe von Algorithmen l\u00f6sen<\/li>\n<li>Eigene Kompetenzen im Umgang mit Medienangeboten und Informatiksystemen zur Optimierung entwickeln<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><b>Suchen und Verarbeiten<\/b>\n<ol>\n<li>Aufgabenstellungen kl\u00e4ren, Informationsbedarfe ableiten und Suchstrategien entwickeln<\/li>\n<li>Mediale Informationsquellen begr\u00fcndet ausw\u00e4hlen und gezielt Inhalte entnehmen<\/li>\n<li>Daten und Informationen analysieren, vergleichen, interpretieren und kritisch bewerten<\/li>\n<li>Daten und Informationen zielorientiert speichern, zusammenfassen, strukturieren, modellieren und aufbereiten<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><b> Kommunizieren und Kooperieren<\/b>\n<ol>\n<li>Mit Hilfe von Medien situations- und adressatengerecht interagieren<\/li>\n<li>Analoge und digitale Werkzeuge zur effektiven Gestaltung kollaborativer als auch individueller Lernprozesse verwenden und Resultate mit anderen teilen<\/li>\n<li>Medien zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft aktiv und selbstbestimmt nutzen<\/li>\n<li>Umgangsregeln, ethisch-moralische Prinzipien sowie Pers\u00f6nlichkeitsrechte bei digitaler Interaktion und Kooperation ber\u00fccksichtigen<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><b>Produzieren und Pr\u00e4sentieren<\/b>\n<ol>\n<li>Werkzeuge zur Realisierung verschiedener Medienprodukte ausw\u00e4hlen und zielgerichtet einsetzen<\/li>\n<li>Medienprodukte unter Ber\u00fccksichtigung formaler und \u00e4sthetischer Gestaltungskriterien und Wirkungsabsichten erstellen<\/li>\n<li>Arbeitsergebnisse unter Einsatz ad\u00e4quater Pr\u00e4sentationstechniken und medialer Werkzeuge sach- und adressatenbezogen darbieten<\/li>\n<li>Publikationswege erschlie\u00dfen, Medienprodukte unter Wahrung von Pers\u00f6nlichkeits- und Urheberrecht erstellen und ver\u00f6ffentlichen<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><b>Analysieren und Reflektieren<\/b>\n<ol>\n<li>Inhalte, Gestaltungsmittel, Strukturen und Wirkungsweisen von Medienangeboten und Informatiksystemen analysieren und bewerten<\/li>\n<li>Interessengeleitete Setzung und Verbreitung medialer Inhalte erkennen und Einfluss der Medien auf Wertvorstellungen, Rollen- und Weltbilder sowie Handlungsweisen hinterfragen<\/li>\n<li>Bedeutung der Medien und digitaler Technologien f\u00fcr die Wirtschaft, Berufs- und Arbeitswelt reflektieren<\/li>\n<li>Potenziale und Risiken der Digitalisierung und des Mediengebrauchs f\u00fcr das Individuum und die Gesellschaft beurteilen<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auch hier sind es wieder die Bereiche 3 und 4, die mich besonders freuen.<\/p>\n<hr\/>\n<p>Erf\u00fcllt werden soll dieser Kompetenzrahmen unter anderem dadurch, dass sich Schulen ein Medienkonzept geben m\u00fcssen, das aus einem Mediencurriculum besteht (was davon sollen die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen wann lernen?), einem Fortbildungsplan (was m\u00fcssen die Lehrer und Lehrerinnen dazu lernen?) und Absprachen mit dem Sachaufwandstr\u00e4ger (welche Ausstattung ist daf\u00fcr n\u00f6tig?). Und darum ging es auf der Fortbildung.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war die Fortbildung richtig, weil sie vor allem das vorstellte, was ich mir seit Jahren vorstelle, und ich war froh, dass das auch meine Kollegen geh\u00f6rt haben. Zugegeben, ein bisschen hinkt das noch hinterher &#8211; Linklisten als Beispiel zur Zusammenarbeit unter Kollegen und Kolleginnen sind ein bisschen altbacken, aber das war auch nicht der Ort f\u00fcr konkrete Vorschl\u00e4ge. Es wurde viel von M\u00fcndigkeit und Selbstverwirklichung gesprochen, sehr gut, auch wenn konkrete Vorschl\u00e4ge dann doch zu oft auf &#8222;braucht man sp\u00e4ter im Beruf&#8220; hinausliefen. Nein, das sollte nicht der Kern sein. &#8211; Auch vom Aufbau her war die Fortbildung f\u00fcr mich richtig: Vier Nachmittagsstunden, sehr eng getaktet, kurze Vortragsphasen gefolgt von vielen kurzen Gruppenarbeitsphasen, wo die Vertreter der Schulen mal miteinander mussten. Keine expliziten Pausen.<\/p>\n<p>Bei den konkreten \u00dcberlegungen f\u00fcr meine Schule fiel mir wieder auf, dass wir dort auf recht hohem Niveau jammern. Wir brauchen, wie alle Schulen, fl\u00e4chendeckende WLAN; sonst haben wir alles. (Andere Kollegen beklagten, dass sie ihre konkreten Apple-Produkte nicht kriegten; wieder andere halten konkrete Microsoft-Software f\u00fcr unabdingbar. Beide irren sich. Abh\u00e4ngigkeit von konkreter Hard- und Software ist schon vom Ansatz her ein Fehler.) Das mit dem WLAN wird sicher teuer und damit ein Problem; ob man das erst f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte oder sp\u00e4ter auch f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00f6ffnet, k\u00f6nnen die Schulen ja selber entscheiden.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt ist also die Erstellung des Mediencurriculums, gefolgt vom restlichen Medienkonzept, gefolgt von der &#8211; sicher allm\u00e4hlichen &#8211; Implementierung. Ich freue mich darauf und bin gespannt, wie das bei uns laufen wird. Man kann entweder schauen, was der Lehrplan jetzt schon hergibt, und daraus ein Curriculum bauen &#8211; dann landet man schnell bei &#8222;machen wir eh alles schon&#8220;, wobei geflissentlich \u00fcbersehen wird, was beim Lehrplan am Ende tats\u00e4chlich herauskommt.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir eher, dass man darauf schaut, was Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen am Ende der 10. oder 11. Jahrgangsstufe k\u00f6nnen sollen, was sie bisher tats\u00e4chlich k\u00f6nnen, und wie sich das, was sie noch nicht k\u00f6nnen, am geeignetsten auf die Jahrgangsstufen und F\u00e4cher verteilen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Neu ist f\u00fcr mich der Gedanke, dass es jetzt nicht mehr nur darum geht, wie ein Lehrer oder eine Lehrerin ihren bisherigen Unterricht mit digitalen Mitteln besser machen kann. Vielmehr sind digitale Medien ein eigener Unterrichtsinhalt, den die Schule auf die verschiedenen F\u00e4cher verteilen muss. Dabei wird es sicher noch Platz geben f\u00fcr die funktionalen Digitalverweigerer, die auch zur Vielfalt an einer Schule geh\u00f6ren. Aber die Schule als ganze kann sich hoffentlich nicht dr\u00fccken &#8211; es sei denn, das Mediencurriculum geht den Weg der Verkehrserziehung.<\/p>\n<p>(Hier bei Mebis <a href=\"https:\/\/www.mebis.bayern.de\/medienkonzepte\/\">mehr \u00fcber Medienkonzepte<\/a>, kann man auch ohne Zugang lesen.)<\/p>\n<p>&#8211; Und einen Neffen habe ich bei der Fortbildung auch getroffen, darauf hatte ich gehofft. Der geht auf die Schule dort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Kn\u00fcwer von Indiskretion Ehrensache schreibt anl\u00e4sslich der Verleihung der Goldenen Blogger, dass sich die Wahrnehmung von Blogs ge\u00e4ndert hat: Die Presse beschm\u00e4ht sie nicht, sondern interessiert sich daf\u00fcr. Selber f\u00e4llt mir auf, dass in der Tagesschau regelm\u00e4\u00dfig von Twitter die Rede ist, mehr noch als von Facebook. 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