{"id":10663,"date":"2018-03-03T21:02:08","date_gmt":"2018-03-03T20:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=10663"},"modified":"2023-05-24T11:49:43","modified_gmt":"2023-05-24T09:49:43","slug":"gedichterunde-im-englischunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/03\/gedichterunde-im-englischunterricht.htm","title":{"rendered":"Gedichterunde im Englischunterricht"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/03\/gedichterunde-im-englischunterricht.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte pr\u00e4sentiert. Erst mein \u00fcblicher Dreischritt von &#8211; im weitesten Sinn &#8211; Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im <strong>Sonett 15<\/strong> aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (<a href=\"http:\/\/www.bartleby.com\/358\/781.html\">Link zum Text<\/a>) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die H\u00e4ndler aus Ost- udn Westindien zur\u00fcckbringen &#8211; Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist nat\u00fcrlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (<a href=\"https:\/\/en.wikisource.org\/wiki\/Sonnet_130_(Shakespeare)\">Link zum Text<\/a>), <strong>&#8222;My mistress&#8216; eyes are nothing like the sun&#8220;<\/strong>, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt sch\u00f6ner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund &#8211; und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit \u00fcbertriebenen vergleichen \u00fcberh\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Als drittes <strong>&#8222;Reported Missing&#8220;<\/strong> von Barry Cole (<a href=\"https:\/\/addictedtopoems.wordpress.com\/2017\/05\/13\/reported-missing-by-barry-cole\/\">Text<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oKv8aOsF_fo\">Audio<\/a>): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst &#8211; in blumigen Vergleichen, w\u00e4ren der Polizist gerne konkrete Angaben h\u00e4tte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht l\u00e4sst sich auch gut das Vorlesen \u00fcben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonf\u00e4lle daf\u00fcr braucht<\/p>\n\n\n\n<p>(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. <strong>&#8222;My love is like a red, red rose&#8220;<\/strong>, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich f\u00fcr den Adressaten oder die Adressatin zu erkl\u00e4ren:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Go, lovely Rose &#8211;<br>Tell her that wastes her time and me,<br>That now she knows,<br>When I resemble her to thee,<br>How sweet and fair she seems to be.<\/p>\n\n\n\n<p>Tell her that\u2019s young,<br>And shuns to have her graces spied,<br>That hadst thou sprung<br>In deserts where no men abide,<br>Thou must have uncommended died.<\/p>\n\n\n\n<p>Small is the worth<br>Of beauty from the light retired:<br>Bid her come forth,<br>Suffer herself to be desired,<br>And not blush so to be admired.<\/p>\n\n\n\n<p>Then die &#8211; that she<br>The common fate of all things rare<br>May read in thee;<br>How small a part of time they share<br>That are so wondrous sweet and fair!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aber es stimmt schon, j\u00fcngere Gedichte kommen besser an bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr gesch\u00e4tzten e.e.cummings (experimentell und zug\u00e4nglich, also irgendwie <em>safe<\/em>), beide wieder mit viel Symbolik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;o by the by&#8220;<\/strong> ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (<a href=\"http:\/\/teaganlynnpoetry.blogspot.de\/2008\/07\/little-you-i.html\">Hier ist der Text.<\/a>) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein gr\u00fcner H\u00fcgel, darauf eine Person oder zwei (&#8222;little you-i&#8220;), dar\u00fcer blauer Himmel&#8230; wenn man nur w\u00fcsste, was mit &#8222;threw\/his wish at blue&#8220; gemeint ist&#8230; aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>(it dived like a fish<br>but it climbed like a dream)<br>throbbing like a heart<br>singing like a flame<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Singing like a flame? Sind das die Gasflammen fr\u00fcher, die ein kleines Ger\u00e4usch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach sch\u00f6n, besonders in den letzten Versen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings&#8216; bekanntesten Gedichten: <strong>&#8222;Somewhere I have never travelled&#8220;<\/strong> (<a href=\"https:\/\/www.poets.org\/poetsorg\/poem\/somewhere-i-have-never-travelledgladly-beyond\">Text hier<\/a>). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer f\u00fcr ein Liebesgedicht gehalten, weil&#8230; na ja, man ist so gepr\u00e4gt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gef\u00fchl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich wei\u00df es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erkl\u00e4rt auch &#8222;in your most frail gesture&#8220;, &#8222;the power of your intense fragility&#8220; und den feinen letzten Vers: &#8222;nobody,not even the rain,has such small hands&#8220;. Das \u00d6ffnen und Schlie\u00dfen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht \u00fcber eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person \u00fcbt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tats\u00e4chlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte pr\u00e4sentiert. Erst mein \u00fcblicher Dreischritt von &#8211; im weitesten Sinn &#8211; Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. 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