{"id":109,"date":"2004-08-25T13:53:42","date_gmt":"2004-08-25T11:53:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/benotung-von-englisch-schulaufgaben-i.htm"},"modified":"2023-05-08T07:35:30","modified_gmt":"2023-05-08T05:35:30","slug":"benotung-von-englisch-schulaufgaben-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/benotung-von-englisch-schulaufgaben-i.htm","title":{"rendered":"Benotung von Englisch-Schulaufgaben I"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/benotung-von-englisch-schulaufgaben-i.htm#comments'>100 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><strong>Teil Eins:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schulaufgabennoten in Englisch f\u00fchren gelegentlich zu Missstimmung zwischen Eltern und Lehrer. Ein Elternteil kommt in die Sprechstunde, weil das Kind eine 5 oder 6 gekriegt hat, und hat eine berechtigte Frage: &#8222;Ist das nicht zu streng?&#8220; F\u00fcr die Eltern sieht die Schulaufgabe n\u00e4mlich ganz ordentlich aus, und au\u00dferdem haben sie vielleicht mitbekommen, wie sehr das Kind auf die Schulaufgabe gelernt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gelegentlich folgen darauf zwei Bemerkungen. Erstens, es wird erkl\u00e4rt, dass es doch sonst \u00fcblich sei, bei 50% der Punkten noch eine 4 zu geben, und wieso man das hier nicht eingehalten habe. Zweitens, es wird eine befreundete Lehrkraft zitiert, die sich die Schulaufgabe angeschaut habe und sie f\u00fcr gar nicht so schlecht halte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum ersten Punkt:<\/p>\n\n\n\n<p>Folgendes gilt <strong>nur f\u00fcr Gymnasien in Bayern<\/strong>, bei allen anderen Schulen kenne ich mich nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt erstmal f\u00fcr kein Fach und &#8211; abgesehen <span style=\"text-decoration: line-through;\">von der Kollegstufe<\/span> vom Abitur &#8211; f\u00fcr keine Jahrgangsstufe irgendwelche Vorgaben und Vorschriften, was den Notenschl\u00fcssel betrifft. Das gilt f\u00fcr Mathematik ebenso wie f\u00fcr Englisch. Stattdessen legt jeder Lehrer den Notenschl\u00fcssel selbst fest. Das ist dem Kultusministerium sogar so wichtig, dass es in einem Schreiben an die Lehrer betont hat, dass man sich an fest ausgemachte Notenschl\u00fcssel nicht halten muss, und seien sie auch von der Fachlehrerkonferenz an der Schule festgelegt.<br>Denn \u00fcblicherweise einigen sich die Fachlehrer (zum Beispiel in Mathematik, Englisch, Franz\u00f6sisch) tats\u00e4chlich auf einen Richtwert. Das ist aber wirklich nur ein Richtwert. In Englisch gilt in der Unterstufe und im Gro\u00dfteil der Mittelstufe am h\u00e4ufigsten die Faustregel, dass man mit 60% der Punkte gerade noch eine 4 erh\u00e4lt. Das ist aber nur eine Faustregel.<br>Ich wei\u00df ehrlich gesagt nicht, wo die Vorstellung herkommt, die Grenze zwischen 4 und 5 m\u00fcsse bei 50% liegen. Ist das in Mathematik so \u00fcblich, oder an anderen Schularten, vielleicht an der Grundschule? Oder war das fr\u00fcher so?<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt zu den Gr\u00fcnden daf\u00fcr, dass es einen Richtwert gibt, dass man ihn nicht immer einhalten darf, und warum er bei uns bei 60% liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schulaufgaben sind unterschiedlich schwer. Das liegt am Lehrer, der entweder lieber schwere Schulaufgaben schreibt und sie freundlicher bewertet, oder leichtere, und daf\u00fcr strenger ist. Das liegt an der Vorbereitung: Manchmal bleibt weniger Zeit, als man will, oder Klassenfahrten kommen dazwischen. Das liegt am Stoff, der ja tats\u00e4chlich manchmal schwerer und manchmal leichter ist. Das liegt vor allem auch an der Art der Schulaufgabe: Wenn man nur W\u00f6rter in L\u00fccken einsetzen muss, dann hat man weniger Gelegenheit, Fehler zu machen. Wenn man da die H\u00e4lfte der W\u00f6rter richtig hat, ist das sehr schwach. (H\u00e4ufig ist das bei Exen so.) M\u00fcssen die Sch\u00fcler dagegen eigene Texte produzieren, machen sie nat\u00fcrlich mehr Fehler. Wenn da die H\u00e4lfte der S\u00e4tze richtig ist, ist das schon eine viel bessere Leistung.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann es so sehen: Entweder man stellt leichte Aufgaben, dann sind zwei Drittel der Punkte eine schwache Leistung. Was muss man von einem Sekret\u00e4r halten, der zwei Drittel aller Worte richtig schreibt? Oder von einem, der sogar 90% aller Worte richtig schreibt? Das ist absolut ungen\u00fcgend. Oder man stellt schwerere Aufgaben, dann kann man auf zwei Drittel der Punkte schon ein bisschen stolzer sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein strenger Notenschl\u00fcssel ist bei leichten Aufgaben also sinnvoll, bei schweren nicht. Wir Lehrer haben uns darauf geeinigt, dass der Schwierigkeitsgrad in der Unterstufe eben so liegen sollte, dass 60% der Punkte eine noch ausreichende Leistung sind.<\/p>\n\n\n\n<p>(Wir h\u00e4tten auch eine andere Zahl w\u00e4hlen k\u00f6nnen: Bei 50% w\u00e4ren die Schulaufgaben alle etwas schwerer geworden, bei 70% alle etwas leichter. Der Grund, warum wir uns \u00fcberhaupt auf eine Zahl geeinigt haben, ist der, dass die Schulaufgaben so vergleichbarer werden und einsichtiger f\u00fcr Eltern und Sch\u00fcler. So richtig w\u00fcrde das aber wohl nur funktionieren, wenn wir tats\u00e4chlich 50% genommen und schwerere Schulaufgaben in Kauf genommen h\u00e4tten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ist die Schulaufgabe leichter als im Durchschnitt, dann w\u00e4ren 60% noch viel zu gut. Ist sie, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, schwerer als im Durchschnitt geworden, dann w\u00e4ren 60% tats\u00e4chlich nicht fair.<br>Die Frage ist also nicht: &#8222;Sind 60% zu streng?&#8220;, sondern: &#8222;Passen 60% zu den gegebenen Aufgaben?&#8220; Und diese Frage ist auch f\u00fcr Lehrer nicht immer leicht zu beantworten. Erfahrung, Vergleich mit anderen Lehrern, das alles hilft ein bisschen. Vor allem hilft der Vergleich innerhalb der Klasse: Wenn zumindest ein Teil der Sch\u00fcler bei gegebenem Notenschl\u00fcssel gute Leistungen erbracht hat, dann war der Notenschl\u00fcssel vermutlich passend. Das hei\u00dft nicht, dass immer ein Schnitt von 3,50 oder 3,30 herauskommen muss, mit ein paar Einsern und Sechsen, etwas mehr Zweiern und F\u00fcnfern, und einem Haufen Dreier und Vierer &#8211; aber bei durchschnittlichen Klassen ist das nun mal das zu erwartende Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sind nicht alle Klassen durchschnittlich leistungsf\u00e4hig. Es gibt besonders starke und und besonders schwache Klassen, auch wenn die meisten Klassen im Mittel liegen. Da gibt es tats\u00e4chlich die Versuchung, einen Notendurchschnitt um 3,50 oder 3,30 anzupeilen &#8211; aus Gewohnheit sozusagen. Man versucht als Lehrer darauf zu achten, dass das nicht geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf jeden Fall schaut sich der Lehrer die Schulaufgaben im Grenzbereich 4\/5 und 5\/6 noch einmal insgesamt an, und entscheidet, ob die Note 4, 5 oder 6 hier wirklich passt &#8211; im Vergleich zu dem, was man erwarten kann. Erwarten kann hinsichtlich der Schwierigkeit der Aufgaben, hinsichtlich Art und Umfang der Vorbereitung in der Schule, und hinsichtlich dessen, welche Leistungen Sch\u00fcler in dieser Jahrgangsstufe bringen k\u00f6nnen. Und nur, wenn die Note 4, 5 oder 6 wirklich passt, dann sollte auf der Schulaufgabe eben diese Note stehen. Lehrer geben keine 5, weil die Punkte das so erzwingen, sondern weil die Leistung nun mal in den Augen des Lehrers insgesamt mangelhaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>(Ich werde in Zukunft einige Sch\u00fcleraufs\u00e4tze posten, damit man sieht und vergleichen kann, welche Leistungen von Sch\u00fcler der einzelnen Jahrgangsstufen zu erwarten sind.)<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt ist es nat\u00fcrlich m\u00f6glich, dass bei einem Lehrer oder einer Schulaufgabe Schwierigkeitsgrad und Punkteskala nicht zusammenpassen. Das ist dann tats\u00e4chlich ein Fehler des Lehrers. Wenn gar keine gute Noten dabei sind, oder gar keine schlechten, dann sollte man misstrauisch werden: In diesen F\u00e4llen bespricht sich der Lehrer rechtzeitig mit anderen Kollegen, dem Fachrespizienten oder gar der Schulleitung (das ist sogar Vorschrift bei uns). Wenn es gute Gr\u00fcnde f\u00fcr diese extremen Ergebnisse gibt, dann sind diese Ergebnisse selbstverst\u00e4ndlich zugelassen. Wenn es keine guten Gr\u00fcnde gibt, dann hat der Lehrer tats\u00e4chlich etwas falsch gemacht. Dann muss man mit dem Lehrer reden, und wenn das nicht hilft, zur Schulleitung gehen. Das kommt aber sehr selten vor, viel seltener, als Eltern unzufrieden mit einer Schulaufgabe sind.<\/p>\n\n\n\n<p>(Teil Zwei: <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/benotung-von-englisch-schulaufgaben-ii.htm\">Morgen<\/a>.)<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/255527e2b94145959c6e2d5e09c56750\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(100 Kommentare.) Teil Eins: Die Schulaufgabennoten in Englisch f\u00fchren gelegentlich zu Missstimmung zwischen Eltern und Lehrer. 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