{"id":11418,"date":"2018-07-31T22:03:32","date_gmt":"2018-07-31T20:03:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=11418"},"modified":"2022-11-28T07:23:05","modified_gmt":"2022-11-28T06:23:05","slug":"diplomacy-in-der-klasse-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/07\/diplomacy-in-der-klasse-spielen.htm","title":{"rendered":"Diplomacy in der Klasse spielen"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/07\/diplomacy-in-der-klasse-spielen.htm#comments'>9 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>In den letzten Tagen des Schuljahr habe ich mit meiner 10. Klasse <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/07\/ein-spiel-fuer-die-klasse-super-babel.htm\">nicht nur Super-Babel gespielt<\/a>, sondern auch <em>Diplomacy.<\/em> Diplomacy ist in ernsthaften Brettspielkreisen sehr bekannt, situiert Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa, bei dem sieben Gro\u00dfm\u00e4chte um die Vorherrschaft in Europa k\u00e4mpfen. Weniger als sieben Spieler und Spielerinnen sollten es nicht sein, und f\u00fcrs Klassenzimmer ist es sogar sinnvoll, wenn zu einer Gro\u00dfmacht zwei oder drei Sch\u00fcler oder Sch\u00fclerinnen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Gedacht war Diplomacy als Brettspiel, es wird aber h\u00e4ufig per Brief oder heutzutage \u00fcber Webforen gespielt. Die Besonderheit daran: Alle Z\u00fcge werden gleichzeitig ausgewertet und durchgef\u00fchrt. Das hei\u00dft: Man verbringt erst eine Viertelstunde mit Diskussionen in Plenum oder eher der Lobby, um Unterst\u00fctzung f\u00fcr die eigenen Pl\u00e4ne zu erhalten oder sie anderen zu gew\u00e4hren; dann schreibt man die Z\u00fcge auf, dann folgt eine kurze Phase der Auswertung &#8211; manche Truppenbewegungen gelingen, andere nicht. Und diese Diskussions- und Planungsphase macht den Reiz des Spiels aus.<\/p>\n<p>Das ist das Spielbrett am Anfang, im Klassenzimmer auf dem Stehpult platziert f\u00fcr die, die sich gerne physisch \u00fcber Landkarten beugen, ein ganz besonderes Vergn\u00fcgen:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11439\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy3.jpg\" alt=\"Diplomacy-Spielbrett\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy3.jpg 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy3-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy3-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy3-135x101.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>Eigentlich gibt es nur ganz wenig Regeln, aber sie erm\u00f6glichen viele Situationen, die man erst auf den zweiten Blick als problematisch erkennt. Deshalb ist es ganz praktisch, die Z\u00fcge in ein Computerprogramm einzugeben, das die Auswertung f\u00fcr die Runde \u00fcbernimmt. Ich nutze dazu jDip (<a href=\"http:\/\/jdip.sourceforge.net\/\">Sourceforge<\/a>). Wer sich daf\u00fcr interessiert: In <a href=\"http:\/\/www.diplomacy-archive.com\/resources\/software\/adjudicating.htm\">&#8222;Adjucating Diplomacy Games by Computer&#8220;<\/a> von Stewart Cross wird beschrieben, an was man bei Umsetzung der Regeln in ein Programm alles denken muss.<\/p>\n<p>Hier wird jDip auf dem Monitor im Klassenzimmer dargestellt, nach den ersten paar Z\u00fcgen:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11437\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy1.jpg\" alt=\"Diplomacy auf Monitor\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy1.jpg 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy1-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy1-135x101.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>Und parallel dazu wirft der Beamer das Bild an die Wand:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11438\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy2.jpg\" alt=\"Diplomacy auf Beamer\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy2.jpg 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy2-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/diplomacy2-135x101.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>Als Besch\u00e4ftigung f\u00fcr das Schuljahresende ideal. Wir haben zweieinhalb Doppelstunden damit verbracht; es h\u00e4tten ruhig mehr sein k\u00f6nnen. Die Spielregeln sind komplex und unvertraut genug, um eine angenehme Herausforderung darzustellen, die Verhandlungen der Gro\u00dfm\u00e4chte untereinander liefen gut. Gerade die kompetitiveren Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen erwischt man sehr gut damit.<\/p>\n<p>Eigentlich will ich auch einmal versuchen, das Spiel unter dem Schuljahr zu spielen. Ich suche noch nach genug Rechtfertigung daf\u00fcr. Klar, <em>Wissen<\/em> kann man damit nicht viel vermitteln (au\u00dfer, und das nicht zu untersch\u00e4tzen, Geographisches), aber Kompetenzen doch ganz bestimmt. Und sei es nur die, sich an Regeln zu halten und Konsequenzen zu sp\u00fcren. Ich k\u00f6nnte im Klassenzimmer eine Pinwand f\u00fcr Proklamationen aufh\u00e4ngen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&#8211; So, ab hier h\u00f6rt der regul\u00e4re Blogeintrag auf; ich halte ab jetzt nur so viel von den Regeln f\u00fcr Diplomacy fest, wie ich mir merken m\u00f6chte; insbesondere ein paar Punkte, die ich immer wieder vergesse. So k\u00f6nnen die Sch\u00fcle rund Sch\u00fclerinnen beim n\u00e4chsten Mal ebendiese nachlesen.<\/p>\n<h3>Die Regeln von Diplomacy<\/h3>\n<p>Jeder Spieler, jede Spielerin \u00fcbernimmt die Rolle einer Gro\u00dfmacht Anfang des 19. Jahrhunderts: Deutschland, England, Frankreich; Italien, \u00d6sterreich-Ungarn; Russland, Osmanisches Reich. Das Spielfeld ist eine Karte Europas, eingeteilt in sogenannte Provinzen. (Die tragen manchmal den Namen von St\u00e4dten, manchmal von Regionen, das ist egal.) \u00c4hnlich wie beim bekannteren <em>Risiko<\/em> geht es darum, die Welt zu erobern, oder zumindest Europa. Allerdings kann hier in jeder Provinz nur h\u00f6chstens <em>eine<\/em> Einheit stehen. Der Hauptunterschied ist allerdings folgender: Es gibt keine W\u00fcrfel, und alle Z\u00fcge aller Spieler und Spielerinnen werden <em>gleichzeitig<\/em> ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: In einer ersten Phase einer Runde planen alle Spieler ihre Z\u00fcge; zu manchen brauchen sie die Unterst\u00fctzung anderer Spielerinnen; zu diesem Zweck sprechen sie sich untereinander ab. Das dauert eine Viertelstunde, wenn man Diplomacy als Brettspiel spielt. Dann werden die Z\u00fcge gleichzeitig aufgedeckt und ausgef\u00fchrt; manche Abmachungen der Mitspieler werden eingehalten, andere vielleicht nicht. Manche Bewegungen laufen so ab, wie man sie erwartet hat, andere werden durch Mitspielerbewegungen unm\u00f6glich gemacht. Diese Phase dauert f\u00fcnf Minuten. Dann geht es wieder mit den Verhandlungen los.<\/p>\n<p>Und darin liegt der Reiz bei <em>Diplomacy:<\/em> Man muss verhandeln, sich Partner verschaffen, und wird dann \u00fcberrascht von den Entscheidungen der anderen Spieler. (Tats\u00e4chlich halten sich die meisten an Abmachungen, auch die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen.)<\/p>\n<p><strong>Die Regeln in etwas mehr Detail<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Spieler schreibt f\u00fcr jede Einheit auf, was die im n\u00e4chsten Zug tun soll. Zwei h\u00e4ufige M\u00f6glichkeiten sind stehen bleiben (die Standardaktion, falls nichts anderes angegeben ist), und sich in eine erreichbare (meist: benachbarte) Provinz bewegen. Und da gibt es drei F\u00e4lle:<\/p>\n<ol>\n<li>die Zielprovinz ist leer und niemand sonst will dort hin<br \/>\n(Variante: das Ziel ist zwar besetzt, aber die Einheit dort zieht erfolgreich weg)<\/li>\n<li>die Zielprovinz ist leer, und mindestens eine andere Spielerin will auch dorthin<br \/>\n(Variante: das Ziel ist zwar besetzt, aber die Einheit dort zieht erfolgreich weg)<\/li>\n<li>die Zielprovinz ist besetzt, und niemand sonst will dorthin<\/li>\n<li>die Zielprovinz ist besetzt, und mindestens eine andere Spielerin will auch dorthin<\/li>\n<\/ol>\n<p>Fall 1 ist einfach: Na, dann zieht man die Einheit eben dorthin.<\/p>\n<p>Fall 2: Wenn alle Einheiten mit der gleichen St\u00e4rke angreifen, passiert gar nichts, sie blockieren einander &#8211; wer soll denn dann auch rein? Das umstrittene Gebiet bleibt leer. Wenn eine Einheit mehr St\u00e4rke hat als irgendein anderer Angreifer, dann zieht diese dort hin.<\/p>\n<p>Fall 3: Wenn der Angreifer mehr St\u00e4rke hat als der Verteidiger, wird dieser zur\u00fcckgeschlagen und der Angreifer bewegt sich in die umk\u00e4mpfte Provinz. (In einer sp\u00e4teren Phase muss sich der Verteidiger dann entscheiden, in welche benachbarte Provinz er sich zur\u00fcckziehen will; es muss eine leere sein, und darf nicht die sein, aus der der Angriff gekommen ist. Wenn es eine solche nicht gibt, wird die Einheit aufgel\u00f6st.) &#8211; Wenn der Angreifer <em>nicht<\/em> mehr St\u00e4rke hat als der Verteidiger, bleibt alles unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Fall 4: Wenn kein Angreifer eine h\u00f6here St\u00e4rke hat als der Verteidiger, passiert nichts. Wenn ein Angreifer eine h\u00f6here St\u00e4rke als der Verteidiger hat <em>und<\/em> eine h\u00f6here St\u00e4rke als jeder andere Angreifer, gelingt der Angriff. (Der Verteidiger muss sich wie oben in einer sp\u00e4teren Phase zur\u00fcckziehen.) Wenn mehrere Angreifer eine h\u00f6here St\u00e4rke als der Verteidiger haben, aber keiner mehr als die anderen (sich also gegenseitig blockieren), passiert auch nichts, wie in Fall 2.<\/p>\n<p>Sonderfall: Ein unmittelbarer Tausch zweier Einheiten in benachbarten Provinzen ist <em>nicht<\/em> m\u00f6glich. (Die Einheiten k\u00f6nnen nicht einfach aneinander vorbei lauifen.) Ein Ringtausch von drei oder mehr Einheiten <em>ist<\/em> m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Die St\u00e4rke eines Angriffs:<\/strong><\/p>\n<p>Hierin liegt der taktische Kern des Spiels. Eine Einheit kann eine erreichbare, benachbarte Provinz mit einer Einheit darin angreifen. Die Angriffsst\u00e4rke ist 1, die Verteidigung ebenfalls 1 &#8211; erstmal ein Patt. Andere Einheiten k\u00f6nnen den Angreifer unterst\u00fctzen, <em>wenn<\/em> die umk\u00e4mpfte Provinz f\u00fcr sie erreichbar ist. Das erh\u00f6ht die Angriffsst\u00e4rke jeweils um 1. Andere Einheiten k\u00f6nnen auch den Verteidiger unterst\u00fctzen, <em>wenn<\/em> die umk\u00e4mpfte Provinz f\u00fcr sie erreichbar ist. Das erh\u00f6ht die Verteidigungsst\u00e4rke jeweils um 1.<br \/>\nEine Unterst\u00fctzung wird unwirksam, wenn die unterst\u00fctzende Einheit selbst angegriffen wird.<\/p>\n<p><strong>Flotten, und Truppentransporte:<\/strong><\/p>\n<p>In jeder Provinz kann maximal eine Einheit stehen, eine Armee (Land-, K\u00fcstenprovinz) oder eine Flotte (K\u00fcsten-, Meerprovinz).<\/p>\n<p>Bei den Flotten muss man manchmal darauf achten, an welcher K\u00fcste sie liegen, da das dar\u00fcber entscheidet, wohin sie sich bewegen k\u00f6nnen. Man kann vom Schwarzen Meer nach Bulgarien, aber nur an die Ostk\u00fcste; man kann von dort aus nicht is \u00c4g\u00e4ische Meer, obwohl das Bulgarien benachbart ist. \u00c4hnlich ist das mit St. Petersburg und Spanien.<\/p>\n<p>Eine Flotte kann angreifen oder unterst\u00fctzen wie eine Armee auch (aber nat\u00fcrlich nur in erreichbare Provinzen hinein, also K\u00fcsten- und Seeprovinzen). Wenn Sie in einer Meer-Provinz ist (also nicht an einer K\u00fcste), kann sie auch eine Art Seebr\u00fccke f\u00fcr eine Armee bilden und einer Armee so die Bewegung (also einen Angriff) \u00fcbers Meer erm\u00f6glichen. An solch einer Seebr\u00fccke k\u00f6nnen auch mehrere Flotten beteiligt sein, dieser Truppentransport geht dann gleich \u00fcber mehrere Provinzen. (Nat\u00fcrlich kann man auch Truppen anderer Spielerinnen transportieren.) Eine Flotte, die angegriffen wird, kann nicht geleiten; in diesem Fall bricht der Truppentransport zusammen.<\/p>\n<p><strong>Die Sache mit den Versorgungszentren<\/strong><\/p>\n<p>Die mit schwarzen Punkten markierten Provinzen besitzen Versorgungszentren, die sp\u00e4ter f\u00fcr den Aufbau und Erhalt von Einheiten wichtig sind. Es gibt Fr\u00fchlings- und Herbstz\u00fcge, die sich abwechseln. Nach jedem Herbstzug wird gez\u00e4hlt, wer wie viele Versorgungszentren kontrolliert. (Man kontrolliert ein Versorgungszentrum, wenn man nach einem Herbstzug eine Einheit darauf stehen hatte &#8211; danach kann man die Einheit wegbewegen und man kontrolliert weiter die Provinz, bis ein anderer Spieler nach einem Herbstzug darauf eine Einheit stehen hat.) Hat man mehr Einheiten als Versorgungszentren, muss man im Anschluss Einheiten aufl\u00f6sen; hat man weniger, kann man im Anschluss neue Einheiten bauen &#8211; aber <em>nur<\/em> in den Versorgungszentren von leeren Provinzen, die man bereits bei Spielstart kontrolliert hat; die alte Heimat sozusagen.<\/p>\n<p><em>Nachtrag 2022: <a href=\"https:\/\/newsroom.unsw.edu.au\/news\/science-tech\/ai-named-cicero-can-beat-humans-diplomacy-complex-alliance-building-game-heres-why\">KI spielt erfolgreich Diplomacy<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(9 Kommentare.) In den letzten Tagen des Schuljahr habe ich mit meiner 10. Klasse nicht nur Super-Babel gespielt, sondern auch Diplomacy. Diplomacy ist in ernsthaften Brettspielkreisen sehr bekannt, situiert Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa, bei dem sieben Gro\u00dfm\u00e4chte um die Vorherrschaft in Europa k\u00e4mpfen. 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