{"id":116,"date":"2004-09-02T16:32:49","date_gmt":"2004-09-02T14:32:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/the-jazz-singer-ii.htm"},"modified":"2023-05-24T11:21:10","modified_gmt":"2023-05-24T09:21:10","slug":"the-jazz-singer-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/the-jazz-singer-ii.htm","title":{"rendered":"The Jazz Singer II"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/the-jazz-singer-ii.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meinem <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/09\/the-jazz-singer-i.htm\">letzten Eintrag<\/a> habe ich meine Vorkenntnisse zu <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0018037\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The Jazz Singer<\/a> dargelegt, den Arte letzte Woche in einer 1998 restaurierten Fassung gezeigt hat. Wie geschrieben, war ich nicht wirklich vorbereitet auf das, was kommen sollte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/jazzsinger0.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcberraschung 1:<\/strong> Der Film, oft gepriesen als erster Tonfilm, ist das nur zum Teil. Nur die Musiknummern und ein paar Zeilen gesprochener Text um sie herum hat synchronisierten Ton, der Rest ist Stummfilm, komplett mit Texttafeln. Aber es gibt etliche Musiknummern: In dem Film geht es um Gesang, er ist gedreht nach einem Theaterst\u00fcck mit Gesang; der Hauptdarsteller war ber\u00fchmt als S\u00e4nger. Ich glaube, man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie der pl\u00f6tzliche Originalton auf das Publikum gewirkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcberraschung 2:<\/strong> Den Film kriegt man weniger oft zu sehen, als er es verdient hat. Stummfilme gehen nicht gut, hierzulande sagt einem dieser Film eh nicht viel, und in den USA ist der Film heute vielen aus Gr\u00fcnden der <em>political correctness<\/em> peinlich. Es gibt n\u00e4mlich die Tradition des <em>blackface<\/em>: Wei\u00dfe Entertainer schminken sich schwarz, die Lippen bleiben ausgespart und sehen so wesentlich gr\u00f6\u00dfer aus; und dann singt der Entertainer in der Rolle eines Schwarzen. In <em>The Jazz Singer<\/em> ist aber nur eine einzige Blackface-Nummer, wenn auch zweimal gebracht: Zuerst hinter, danach vor der B\u00fchne &#8211; und diese Nummer bringt die Handlung voran und gibt Sinn. (Zu <em>blackface<\/em> sp\u00e4ter mehr.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcberraschung 3:<\/strong> Aber j\u00fcdisch ist der Film bis ins Mark; warum hat mir <em>das<\/em> keiner gesagt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir beginnen mit ein paar Stra\u00dfen- und Marktszenen im j\u00fcdischen Ghetto in New York. \u00dcberblendung auf Kantor Rabinowitz, der in der f\u00fcnften Generation Kantor. Sein dreizehnj\u00e4hriger Sohn Jakie Rabinowitz soll einmal nach ihm Kantor werden und am Abend Kol Nidre singen, aber Jakie treibt sich lieber in einer Kneipe herum und singt Jazz (erste Musiknummer). (Das ist aber nicht der Jazz, der heutzutage sp\u00e4t nachts in den Regionalprogrammen kommt, sondern einfach die Erwachsenen-Popmusik dieser Zeit; noch keine Kunstform, sondern verrufene Schwarzen- und vor allem Kneipenmusik. Gute Musik; das, was sp\u00e4ter Bing Crosby und Frank Sinatra singen.)<br>Es kommt zum Streit, auch die liebende Mutter Sara kann nicht schlichten. W\u00e4hrend der Vater am abend Kold Nidre singt (zweite Musiknummer) verl\u00e4sst Jakie die Familie und geht ins Show Business. Er schl\u00e4gt sich recht und schlecht durch (dritte und vierte Musiknummer), nur manchmal denkt er traurig an Mutter und Vater &#8211; etwa wenn er in Chicago das Konzert des Kantors Joseff Rosenblatt besucht (f\u00fcnfte Musiknummer).<br>Schlie\u00dflich erh\u00e4lt er seine gro\u00dfe Chance: Eine gro\u00dfe Revue in New York. Er besucht seine Eltern und freut sich immens, seine Mutter wieder zu sehen. Er erz\u00e4hlt ihr begeistert von der Revuew und singt seiner Mutter ein Lied daraus am Klavier vor (&#8222;Blue Skies&#8220; von Irving Berlin) (sechste Musiknummer). Da erscheint sein Vater; der alte Streit ist nicht beigelegt &#8211; Jakie, der sich jetzt Jack Robin nennt, m\u00f6chte auf der B\u00fchne singen und nicht in der Synagoge. &#8222;Verlasse dieses Haus!&#8220; und &#8222;Ich habe keinen Sohn mehr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;The Eve of the Day of Atonement&#8220; \/ &#8222;Der Vorabend des Vers\u00f6hnungstages&#8220; &#8211; W\u00e4hrend der Proben f\u00fcr die Revue erkrankt Jakies Vater &#8211; sein Herz ist gebrochen. Sara Rabinowitz besucht ihren Sohn und will ihn \u00fcberreden, statt des Vaters Kol Nidre zu singen; es w\u00fcrde dem im Sterben Liegenden vielleicht neuen Lebensmut geben. Aber die Revue ist die Chance, auf Jack sein Leben lang gewartet hat. Es ist Generalprobe; die Mutter sieht ihn in <em>blackface <\/em> und meint: &#8222;Jakie, this ain&#8217;t you?&#8220; Der mitgekommene Freund der Familie: &#8222;He talks like Jakie &#8211; but he looks like his shadow.&#8220;<br>W\u00e4hrend Jack &#8222;Mother of mine&#8220; probt (siebte Musiknummer) , sieht die Mutter ein, dass ihr Sohn auf die B\u00fchne geh\u00f6rt, und verl\u00e4sst das Theater. Die Nummer ist hier zwar in <em>blackface<\/em>, aber sonst \u00fcberhaupt nicht in der Rolle eines Schwarzen. &#8222;Mother of mine, I&#8217;m sorry I wandered away, breaking your heart&#8220; &#8211; im Finale wird das noch einmal aufgenommen werden.<br>Jack besucht nach der Probe, kurz vor der Premiere, seinen sterbenden Vater. Sie vers\u00f6hnen sich. Die Szenen sind sentimental, aber wirkungsvoll. Es gibt immer noch keinen S\u00e4nger f\u00fcr Kol Nidre in der Synagoge. Seine B\u00fchnenpartnerin und der Produzent treiben Jack in der Wohnung seiner Eltern auf und verlangen von ihm, sofort mit zum Theater zu kommen. Wie wird sich Jack entscheiden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Die Premiere f\u00e4llt aus. Jack singt Kol Nidre (achte Musiknummer), sein Vater h\u00f6rt ihn vom Krankenbett aus; parallel geschnittene Szenen Synagoge-Krankenzimmer; der Vater stirbt in Frieden, w\u00e4hrend Jack singt.<br>Etwas sehr schnell geht es dann weiter mit &#8222;The season passes &#8211; and time heals &#8211; the show goes on.&#8220; Die Show hat es anscheinend doch noch auf die B\u00fchne gebracht; das Haus ist voll; Jacks Mutter sitzt im Publikum. Al Jolson als Jack Robin singt voller Schwung seine Glanznummer: &#8222;Mammy&#8220; (neunte Musiknummer). Diesmal passt das <em>blackface<\/em> immerhin zum Text: Jolson\/Jack singt von seiner &#8222;mammy&#8220; in &#8222;Alabammy&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ende.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wow. Die Geschichte funktioniert als Film besser, als man vielleicht denkt; anders gesagt, der Film hat sich gut gehalten. (Es gibt zwei Remakes des Films; au\u00dferdem spielt eine Simpsons-Episode darauf an, in der es um die Vergangenheit von Krusty dem Klown geht: Er ist Sohn eines Rabbis, mit dem er sich zerstritten hat, weil Krusty Komiker werden wollte statt Rabbi wie sein Vater. Bart und Lisa vers\u00f6hnen die beiden miteinander.)<br>Jacks Konflikt wird in sentimentalen und herzergreifenden Szenen dargestellt. Das geschieht etwas zu ausf\u00fchrlich; es gibt meiner Meinung nach unn\u00f6tige strukturelle Wiederholungen: Zuerst kommt der Freund der Familie ins Theater, um Jack zu holen (allerdings eine sehr lustige Szene, wie der konservative Jude auf die frivole B\u00fchnenwelt trifft), dann die Mutter; erst muss er sich zwischen Generalprobe und Synagoge entscheiden, dann zwischen Premiere und Synagoge. <em>Variety<\/em> bem\u00e4ngelte 1927 die fehlende Liebesgeschichte, die ich selber nicht vermisst habe; ansonsten schrieben sie Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Undoubtedly the best thing Vitaphone has ever put on the screen. The combination of the religous heart interest story and Jolson&#8217;s singing &#8218;Kol Nidre&#8216; in a synagog [sic] while his father is dying and two &#8218;Mammy&#8216; lyrics as his mother stands in the wings of the theater, and later as she sits in the first row, carries abundant power and appeal.<br>[&#8230;] Al Jolson, when singing, is Jolson. There are six instances of this, each running from two to three minutes. When he&#8217;s without that instrumental spur Jolson is camera-conscious. But as soon as he gets under cork the lens picks up that spark of individual personality solely identified with him. That much goes with or without Vitaphone [i.e. the synchronized sound system]. (<em>Variety<\/em> 1927)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wunderbar, diese Formulierung: &#8222;as soon as he gets under cork&#8220; &#8211; damit ist der verbrannte Korken gemeint, mit dem fr\u00fcher das Gesicht schwarz angemalt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders faszinieren mich an diesem Film zwei Dinge:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Umgang mit dem Judentum.<\/strong> Die Hauptpersonen des Films sind Juden, weil nur so diese Handlung denkbar ist. Ihr Leben findet in einer j\u00fcdischen Welt statt, die dem Publikum damals vertraut gewesen sein muss. Nat\u00fcrlich waren viele Mitglieder des Showbusiness selber Juden &#8211; aber das Publikum doch nicht. (Immerhin war das St\u00fcck schon am Broadway ein Erfolgt.) Und dennoch wird weder erkl\u00e4rt, was ein Kantor ist. Oder was Kol Nidre ist. Warum Jakie auf der B\u00fchne Jack Robin hei\u00dft. Oder dass Kantoren ber\u00fchmt genug sind um Gastkonzerte in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten zu geben. Das scheint alles als bekannt vorausgesetzt worden sein.<br>Dabei ist das kein exklusiv j\u00fcdischer Film. Es geht nicht ums Judentum; Judentum ist nicht das Thema. Es ist Voraussetzung f\u00fcr die Handlung, auf eine Art und Weise, wie das heute kaum mehr m\u00f6glich ist.<br>Den Kantor Rosenblatt, dessen Konzert Jack in Chicago besucht, gab es \u00fcbrigens wirklich: Er spielt und singt sich im Film selber; au\u00dferdem singt er in der ersten Nummer den Vater von Jakie. In einem <a href=\"http:\/\/www.jolson.org\/works\/film\/js\/yossel\/rosenblatt.html\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Auszug aus <em>Yossele Rosenblatt<\/em><\/a>, einem Buch, das sein Sohn 1954 \u00fcber ihn geschrieben hat, wird erz\u00e4hlt, wie es zu Kantor Rosenblatts Rolle in <em>The Jazz Singer<\/em> kam.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/jazzsingerposter.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Al Jolson, der gr\u00f6\u00dfte Entertainer der Welt: <\/strong> Ich hatte keinen Grund, davon auszugehen, dass an dieser Behauptung irgendwas Wahres ist. Und die Frau Rau hat er auch ziemlich kalt gelassen; aber sie hatte vorher auch noch keine seiner Nummern geh\u00f6rt, w\u00e4hrend ich zumindest &#8222;Mammy&#8220; und &#8222;Toot, Toot, Tootsie Goodbye&#8220; in den Jolson-Versionen kannte. Und vor allem bei dieser zweiten Nummer hat sich sein Auftritt als ungemein energiegeladen herausgestellt. Warum mich das so beeindruckt hat? Ich wei\u00df nicht. Nat\u00fcrlich wirkt vieles etwas antiquiert. Und dazu das \u00fcbertriebene Makeup und die Mimik des Stummfilms. Aber trotzdem blieb noch viel Pr\u00e4senz f\u00fcr mich \u00fcbrig; auf ein Konzert mit Al Jolson w\u00fcrde ich gerne gehen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[A] leathery baritone, that could sing like a lark, wail like a wounded animal, declaim like a street-corner soapbox orator, hit the high notes, and then zoom down again in a delightful nasal slur-slide. [&#8230;] And if all these tricks didn&#8217;t work, then Al grabbed their attention by whistling and clapping and snapping his fingers. Or else he went into his own special ragtime dance, full of wriggles and slides and hands on hips. Nobody slept when Al was working. (Ian Whitcomb im Begleitheft zu einer <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000033VZ\/qid=1094203043\/sr=1-4\/ref=sr_1_8_4\/302-5451404-4179201\" target=\"new\" rel=\"noopener\">CD mit den Film-Aufnahmen<\/a> von Jolson)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Gesang ist bei &#8222;Blue Skies&#8220;, ein bisschen &#8211; ist manieriert das richtige Wort? (Ich kenne mich bei Musikterminologie \u00fcberhaupt nicht aus.) Ich sehe das lieber so, dass er einfach zu viel Energie hat; er kann einfach nicht ruhig singen, so wie andere Leute nicht ruhig sitzen k\u00f6nnen. St\u00e4ndig zappelt er mit der Stimme.<br>Ich habe mir jedenfalls gleich bei eine Doppel-CD bestellt; <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0001EMM2O\/qid=1094038551\/sr=1-6\/ref=sr_1_8_6\/302-5451404-4179201\" target=\"new\" rel=\"noopener\">hier bei Amazon<\/a> kann man in einige Nummern reinh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jolson war selber Sohn eines sehr strengen Kantors; der Film basiert auf einem St\u00fcck von Samson Raphaelson, nach seiner Kurzgeschichte, inspiriert von Al Jolsons Leben. Hier ist eine kurze <a href=\"http:\/\/www.srmason-sj.org\/web\/journal-files\/Issues\/mar03\/gunn.htm\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Biographie aus der Sicht eines Freimaurerkollegen<\/a>.<br>Auf der B\u00fchne spielte George Jessel die Rolle von Jakie Rabinowitz; er wollte die Rolle im Film aber nicht \u00fcbernehmen, ebenso wenig wie Eddie Cantor, dem sie nach ihm angeboten wurde. Keine f\u00fcr sie sehr geschickte Entscheidung, im Nachhinein betrachtet.<br>Auf dieser <a href=\"http:\/\/www.jolson.org\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Al-Jolson-Website<\/a> kann man einige Videoclips anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>&#8222;If you don&#8217;t get my letter then you&#8217;ll know that I&#8217;m in jail.&#8220;<\/strong> Das ist eine Zeile aus &#8222;Toot, Toot, Tootsie Goodbye&#8220;; in dem Lied nimmt ein Mann von seiner Freundin (?) Abschied. Ich selber bin der Zeile, die vermutlich weit verbreitet ist und keineswegs in diesem Lied ihren Ursprung haben muss, zum ersten Mal begegnet in <a href=\"http:\/\/www.lyricsdepot.com\/tom-waits\/on-the-nickel.html\" target=\"new\" rel=\"noopener\">&#8222;On the Nickel&#8220;<\/a> von Tom Waits: Ein sehr poetisches und wundersch\u00f6nes Abschiedslied. (Auf der Platte <em>Foreign Affairs<\/em> ist ein Medley &#8222;Jack &amp; Neal\/California, Here I Come&#8220;; letzteres ist eine bekannte Al-Jolson-Nummer.)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/jazzsingerposter2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Exkurs: Blackface<\/strong> Die Konvention, sich als Wei\u00dfer schwarz zu schminken, stammt aus einer Zeit, als Schwarze praktisch nicht auf der B\u00fchne zugelassen waren. Und sp\u00e4ter mussten teilweise auch diese <em>blackface<\/em> auftragen, wenn ihre Haut nicht dunkel genug war; das stand zumindest bei dieser <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/racism\/Story\/0,2763,202981,00.html\">kurzen Verteidigung und historischen Einordnung des <em>blackface<\/em><\/a> anl\u00e4sslich einer Amateurauff\u00fchrung von <em>Show Boat<\/em>. <em>Blackface<\/em> wird dort unterschieden von der Tradition der <em>minstrel show<\/em>, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dieser Quelle auch folgendes Zitat:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Just before the show opened, I went to New Orleans to talk to black blues singers &#8211; about Jolson and the whole business of whites blacking their faces. It was the artist rejoicing in the name Tugboat Henry who put it all into perhaps astonishing perspective for me: &#8222;No, you couldn&#8217;t do it today with anything like the same effect,&#8220; he said. &#8222;But we should always be grateful for Jolson. He gave us a dignity which no one else was letting us have.&#8220; And then he said, pointedly, &#8222;The only other person who did that for us was Jerome Kern with Show Boat&#8220;.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles hei\u00dft nicht, dass es nicht auch K\u00fcnstler in <em>blackface<\/em> gab, die lediglich negative Stereotypen darstellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ber\u00fchmtesten K\u00fcnstler in <em>blackface<\/em> waren vielleicht <em>Amos &amp; Andy<\/em> &#8211; als Radioprogramm, das von den sp\u00e4ten 20ern bis in die 40er Jahre lief (und dar\u00fcber hinaus, aber das ist eine lange, andere Geschichte; und 1932 gab&#8217;s auch einen Kinofilm). Heute ist die Show aus Gr\u00fcnden der <em>political correctness<\/em> nicht mehr zu sehen oder zu h\u00f6ren; dabei sind vor allem die fr\u00fchen Episoden immer noch gut und keinesfalls rassistisch &#8211; wenn man die Pr\u00e4misse, dass Wei\u00dfe Schwarze spielen, nicht schon als Rassismus gelten lassen will. (Das gilt \u00fcbrigens keinesfalls f\u00fcr alle Radiosendungen dieser Zeit, oder alle Sendungen, in denen Wei\u00dfe Schwarze spielen; Amos &amp; Andy beziehungsweise Freeman S. Gosden und Charles V. Correll waren nun mal die besten ihrer Art.) Vor allem die fr\u00fchen Episoden &#8211; t\u00e4glich 15 Minuten &#8211; waren Stra\u00dfenfeger, und das weniger wegen des Klamauks, sondern wegen der spannenden Soap-Opera-Fortsetzungshandlung: damals ein v\u00f6llig neues Konzept. Kinos unterbrachen ihre Vorstellung f\u00fcr 15 Minuten, damit das Publikum <em>Amos &amp; Andy<\/em> h\u00f6ren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jongleure waren als Tramp verkleidet, Komiker kleideten sich irisch oder als Cowboys; Clowns schminkten sich wei\u00df, Minstrels schwarz. Und sangen dann irische Schnulzen oder erz\u00e4hlten, wie Eddie Cantor, witzige Monologe mit yiddischen Wortfetzen. Ay caramba, ich glaube, f\u00fcr heute lasse ich es gut sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) In meinem letzten Eintrag habe ich meine Vorkenntnisse zu The Jazz Singer dargelegt, den Arte letzte Woche in einer 1998 restaurierten Fassung gezeigt hat. Wie geschrieben, war ich nicht wirklich vorbereitet auf das, was kommen sollte. \u00dcberraschung 1: Der Film, oft gepriesen als erster Tonfilm, ist das nur zum Teil. 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