{"id":1187,"date":"2008-01-16T22:09:10","date_gmt":"2008-01-16T20:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/01\/omar-der-zeltmacher.htm"},"modified":"2023-05-24T12:50:03","modified_gmt":"2023-05-24T10:50:03","slug":"omar-der-zeltmacher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/01\/omar-der-zeltmacher.htm","title":{"rendered":"Omar, der Zeltmacher"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schule ist vormittags gerade angenehm, mehr als nachmittags: \u00dcbungsaufsatz, Klausur, Schulaufgabe, Notenschluss. Brr. Nach angenehm ruhigen Weihnachtsferien komme ich jetzt nicht genug dazu, herumzusitzen und bl\u00f6d zu schauen. (Fachausdruck.) Dabei brauche ich das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb nur kurz, ohne konkreten Anlass, ein Hinweis auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Omar_Chayy%C4%81m\">Omar Chayyam<\/a>. Omar war ein persischer Gelehrter des Mittelalters, ein Philosoph und Mathematiker. Laien wie ich kennen ihn aber vor allem \u00fcber seine Rubaiyat, eine lose Sammlung vierzeiliger Verse. In England kennt man vor allem die \u00dcbersetzung durch Edward Fitzgerald, und das Pseudonym &#8222;Saki&#8220; des Autors H. H. Munro stammt vom Namen einer Figur aus den Rubaiyat<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Weltbild der Gedichte ist zutiefst diesseitig, unreligi\u00f6s, naturwissenschaftlich, manchmal zynisch, fatalistisch, aber nicht unfr\u00f6hlich. Wiederkehrende Motive: Der Lehm, aus dem der Mensch kommt und zu dem er wird; der Alkohol, in den man sich fl\u00fcchtet, die Sinnlosigkeit der Existenz, an der man trotzdem nicht verzweifeln muss.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der T\u00f6pfer in der Werkstatt stand<br>Und formte einen Krug gewandt,<br>Den Deckel aus eines K\u00f6nigs Kopf,<br>Den Henkel aus eines Bettlers Hand.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nimm an, dein Leben sei ganz nach Wunsch gewesen &#8211; was dann?<br>Und wenn das Lebensbuch nun ausgelesen &#8211; was dann?<br>Nimm an, du lebtest in Freuden hundert Jahr &#8211;<br>Nimm meinthalb an, es seien zweihundert gewesen &#8211; was dann?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Liederbuch, ein Brot, ein irdner Krug voll Wein,<br>Vom Lamm ein Schenkelst\u00fcck &#8211; und dann so ganz allein<br>In weiter Flur mit dir, du tulpenwang&#8217;ge Maid,<br>Ein Sultan m\u00f6chte wohl an meiner Stelle sein!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Arm den Krug, im andern den Koran,<br>Bald auf dem graden Weg, bald auf verbotner Bahn,<br>So bin ich unter dem t\u00fcrkisgew\u00f6lbten Dom<br>Kein ganzer Heide und kein rechter Muselman.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An sich lese ich die Rubaiyat lieber auf Englisch, so habe ich sie kennen gelernt. Mein liebstes Rubai ist aber diese geniale \u00dcbersetzung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Rosen\">Friedrich Rosen<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der fl\u00fcssige Rubin, der sich ergie\u00dft<br>Und lachend aus dem Hals der Flasche flie\u00dft,<br>Ist eines Herzens Blut &#8211; und der Kristall<br>Ist eine Tr\u00e4ne, die ihn rings umschlie\u00dft.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daran muss ich jedesmal denken, wenn ich aus einer Flasche Rotwein einschenke und der Wein dieses glucksende Ger\u00e4usch macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schule ist vormittags gerade angenehm, mehr als nachmittags: \u00dcbungsaufsatz, Klausur, Schulaufgabe, Notenschluss. Brr. Nach angenehm ruhigen Weihnachtsferien komme ich jetzt nicht genug dazu, herumzusitzen und bl\u00f6d zu schauen. (Fachausdruck.) 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