{"id":11919,"date":"2018-10-27T09:04:15","date_gmt":"2018-10-27T07:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=11919"},"modified":"2018-10-27T09:04:15","modified_gmt":"2018-10-27T07:04:15","slug":"daphne-du-maurier-dont-look-now","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/10\/daphne-du-maurier-dont-look-now.htm","title":{"rendered":"Daphne du Maurier, Don&#8217;t Look Now"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:right; margin-left:15px;\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/du_maurier_dont_look_now.jpg\" alt=\"Buchtitelbild\" width=\"200\" height=\"326\" class=\"alignnone size-full wp-image-11922\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/du_maurier_dont_look_now.jpg 200w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/du_maurier_dont_look_now-92x150.jpg 92w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/du_maurier_dont_look_now-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/du_maurier_dont_look_now-135x220.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><em>Don&#8217;t Look Now<\/em> (britischer Titel: <em>Not After Midnight<\/em>) ist das erste Buch von Daphne du Maurier, das ich gelesen habe; <em>Rebecca<\/em> kenne ich dem Namen nach und von dem ber\u00fchmten Anfangssatz (dessen Ruhm ich nie ganz nachvollziehen konnte), und vielleicht habe ich mal in einer Horror-Anthologie &#8222;Die V\u00f6gel&#8220; von ihr gelesen. Anlass war ein Podcast zur titelgebenden, bekannt verfilmten Geschichte; insgesamt sind f\u00fcnf recht lange Kurzgeschichten in dieser Sammlung.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Don&#8217;t Look Now&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>(Habe neulich schon von dieser Geschichte erz\u00e4hlt, daher kurze Doppelung.) Spielt in Venedig, und der Film hei\u00dft auf Deutsch &#8222;Wenn die Gondeln trauer tragen&#8220;, und nat\u00fcrlich habe ich das fr\u00fcher immer mit Thomas Manns &#8222;Tod in Venedig&#8220; durcheinandergebracht. Und es gibt ja auch Gemeinsamkeiten: Ein Protagonist auf der Suche nach einer oder der Flucht nach einer anderen Sache in Venedig, die Farbe Rot als Symbol des Todes, ein gescheiterter Versuch, der Stadt zu entkommen. In beiden Geschichten halten die Autorit\u00e4ten Wissen um eine Gefahr in der Stadt zur\u00fcck &#8211; bei Mann die Cholera, und bei du Maurier&#8230; da ist es etwas schwieriger. Bei Mann passiert nichts Spektakul\u00e4res, die Geschichte lebt von der Erz\u00e4hlweise; bei du Maurier ist die Erz\u00e4hlweise solides Handwerk, aber nichts Besonderes, interessant ist da allerdings die Frage, <em>was<\/em> \u00fcberhaupt Geschehen ist und warum. Die Hauptfigur sieht Dinge, die nicht da sind, oder nicht mehr, oder noch nicht, oder nur so \u00e4hnlich sind; gleichzeitig gibt es eine Reihe von Todesf\u00e4llen in Venedig, die vermutlich nichts mit ihm und seiner Geschichte zu tun haben, eine zweite, verborgene Handlung. Die Geschichte weist Leerstellen auf, insbesondere die eine am Ende, und man hat kaum Chancen, sie befriedigend zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Not After Midnight&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist das in der zweiten Geschichte. Auch sie enth\u00e4lt sinistre Elemente, erz\u00e4hlt wird sie r\u00fcckblickend von einem in der Zwischenzeit in Ungnade gefallenen Schulmeister, und am Ende wei\u00df man vielleicht, wie das kam. Dennoch bleiben wieder Fragen offen &#8211; nicht so wie beim \u00fcblichen offenen Ende, wo nicht klar gesagt wird, was <em>nach<\/em> dem Ende der erz\u00e4hlten Handlung passiert; es geht vielmehr darum, was <em>w\u00e4hrend<\/em> der erz\u00e4hlten Handlung eigentlich genau passiert ist. Der Schulmeister ist im Urlaub in Kreta, wird gest\u00f6rt von einem \u00fcberzeichneten \u00e4lteren amerikanischen Paar, das er gerne besuchen darf, aber nicht nach Mitternacht. Warum? Und was macht die \u00e4ltliche reiche Amerikanerin wirklich nachts im Taucheranzug?<\/p>\n<p><strong>&#8222;A Border-Line Case&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wenige Seiten der Einstieg: Eine junge Schauspielerin, in Trauer \u00fcber den Tod ihres Vaters, will einem seiner alten Kriegskameraden und fr\u00fcheren Familienfreund einen \u00dcberraschungsbesuch abstatten. In Irland beginnt dann die eigentliche Geschichte, und zwar wie eine R\u00fcckbesinnung auf die <em>weird menace<\/em> der Pulps: Die Schauspielerin erf\u00e4hrt, dass der zu Besuchende auf einer Insel lebt, wird von Unterlingen dorthin entf\u00fchrt, auch noch auf einen Turm, mit einem charmanten \u00e4lteren Gastgeber, der seine Insel milit\u00e4risch streng f\u00fchrt und geheime Experimente macht. Ich habe beim Lesen wild spekuliert, wenn auch nicht so wild wie die Heldin, die zwischendurch entt\u00e4uscht auf die L\u00f6sung &#8222;They were all homos&#8220; kommt. Die tats\u00e4chliche Aufl\u00f6sung (eine Gruppe von IRA-Terrroristen) war dann so entt\u00e4uschend, und die Aufl\u00f6sung nach der Aufl\u00f6sung so offensichtlich f\u00fcr alle au\u00dfer der Heldin, dass ich vermutet habe, die Geschichte ist aus irgendeiner Absicht heraus schlecht gemacht. Vielleicht ist sie einfach nur aus der Zeit gefallen. (Immerhin gibt es eine Fahrt\/Entf\u00fchrung zum verdeckten Einsatz im Wagen des \u00f6rtlichen B\u00e4ckers, noch mit dem Backwerk des Tages beladen. Das kann keine ganz unbewusste Absurdit\u00e4t sein.)<\/p>\n<p><strong>&#8222;The Way of the Cross&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Eine kleine englische Reisegruppe ist auf einem Abstecher in Jerusalem, ersatzweise von einem unvertrauten Geistlichen geleitet: reicher Amerikaner mit Frau, alte Jungfer, jungverheiratetes Paar mit Eheproblemen, feine Leute mit altklugem Enkel. Alle haben verschiedene Probleme, die zum Ausbruch kommen &#8211; und hat mich an nichts so sehr erinnert wie einen Slasher-Film, sagen wir: <em>Nightmare on Elm Street.<\/em> Die Gruppe wird getrennt, die Paare werden aufgel\u00f6st, treiben durch eine &#8211; f\u00fcr sie &#8211; fast schon alptraumhaft fremde Stadt und erleiden jeweils ein ironisch passendes Schicksal. (Aber alle \u00fcberleben.) Hat mir gefallen, auch weil ich die wechselnden Perspektiven mal in der Schule einsetzen kann.<\/p>\n<p><strong>&#8222;The Breakthrough&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Diese Geschichte hat bei mir am wenigsten Spuren hinterlassen. Ein Geheimlabor besch\u00e4ftigt sich statt mit offizieller geheimer Forschung mit eigener geheimer Forschung, es geht darum, die Seele eines sterbenden messbar zu machen, vielleicht einzufangen. Auf f\u00fcr mich unbestimmte Art und Weise geht es daneben. Es blieben keine Fragen offen, die mich interessiert h\u00e4tten, und ich habe nichts Neues gelernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Don&#8217;t Look Now (britischer Titel: Not After Midnight) ist das erste Buch von Daphne du Maurier, das ich gelesen habe; Rebecca kenne ich dem Namen nach und von dem ber\u00fchmten Anfangssatz (dessen Ruhm ich nie ganz nachvollziehen konnte), und vielleicht habe ich mal in einer Horror-Anthologie &#8222;Die V\u00f6gel&#8220; von ihr gelesen. 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