{"id":12122,"date":"2018-12-29T13:45:02","date_gmt":"2018-12-29T12:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=12122"},"modified":"2023-06-11T06:46:55","modified_gmt":"2023-06-11T04:46:55","slug":"letzte-schulwoche-weihnachten-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2018\/12\/letzte-schulwoche-weihnachten-2018.htm","title":{"rendered":"Letzte Schulwoche, Weihnachten 2018"},"content":{"rendered":"\n<p>In der letzten Schulwoche fiel ein Referat in der Q11 aus. Ich mache gerade eine kleine Runde amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts, auch anhand von Liedern &#8211; Strange Fruit; Buddy, can you spare a dime; Ten cents a dance &#8211; und da f\u00fcllte ich vor Weihnachten die fehlenden drei\u00dfig Minuten mit einem thematisch passenden Film. Erst hielt ich die DVD zu <em>O Brother, Where Art Thou?<\/em> hoch und erkl\u00e4rte den leuchtenden Kinderaugen, dass wir das heute <em>nicht <\/em>ansehen w\u00fcrden. Sondern daf\u00fcr einen anderen Film, schwarzwei\u00df, von 1941, sie sollten sich also darauf einstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere Film war <em>Sullivan&#8217;s Travels<\/em>, \u00fcber den ich hier vor zehn Jahren kurz etwas geschrieben habe, und von dem die Coen-Br\u00fcder den Titel ihres Films entliehen haben. Regie und Drehbuch: Preston Sturges, IMDB nennt als <em>assistant writer (uncredited)<\/em> auch Ernst Laemmle, einen Neffen von Universal-Gr\u00fcnder Carl Laemmle. Gestern war ich in der  <br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.muenchner-stadtmuseum.de\/sonderausstellungen\/ehem-juedischer-besitz-erwerbungen-des-muenchner-stadtmuseums-im-nationalsozialismus.html\" target=\"_blank\">Sonderausstellung \u201e\u201aEhem. j\u00fcdischer Besitz\u2018 \u2013 Erwerbungen des M\u00fcnchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus\u201c<\/a> und stie\u00df dort auf die M\u00fcnchner L\u00e4mmle-Familie, die nach und nach entrechtet und enteignet wurde und von denen Carl Laemmle vielen zur Emigration in die USA verhalf (wie vielen anderen auch). Es ist halt nicht so lange her und nicht so ferne Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sullivan&#8217;s Travels<\/em> ist ein Meisterst\u00fcck. Die Kom\u00f6die beginnt mit aufgeregter Musik und einer ausf\u00fchrlichen Faustkampfszene auf einem fahrenden Zug, an deren Ende die beiden K\u00e4mpfer in t\u00f6dlicher Umklammerung in einen Fluss st\u00fcrzen, worauf &#8222;The End&#8220; eingeblendet wird. Schnitt auf eine kleine Zuschauergruppe im Vorf\u00fchrraum, ein Mensch interpretiert begeistert: &#8222;Das Kapital und die Arbeit zerst\u00f6ren einander!&#8220;, und genau so einen Film m\u00f6chte er &#8211; der erfolgreiche Kom\u00f6dienregisseur John L. Sullivan &#8211; in Zukunft auch machen, einen Film mit Moralischer und Gesellschaftlicher Bedeutung. Und dieser Film soll eben <em>O Brother, Where Art Thou<\/em> hei\u00dfen: Ein ernsthafter Film \u00fcber die Armen und Unterdr\u00fcckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil Sullivan aber keine Erfahrung im Armsein hat, zieht er als Landstreicher los, verfolgt von einem Tross Pressesprecher und Journalisten. Die sch\u00fcttelt er bald ab und erlebt danach in Tonfall und Ernsthaftigkeit sehr unterschiedliche Abenteuer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-dailymotion wp-block-embed-dailymotion wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Sullivans Travels Part 1\/2  Veronica Lake \u2022 Joel McCrea\" frameborder=\"0\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/geo.dailymotion.com\/player.html?video=x2nz3ac&#038;\" allowfullscreen allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich hatte ja bef\u00fcrchtet, dass der Film f\u00fcr den heutigen Geschmack zu langsam sein w\u00fcrde. Pustekuchen. Es gibt theaterhafte Szenen voller schneller Dialoge, rasante Slapstickeinlagen, langsames Kennenlernen von Held und Heldin, lange, stille Szenen &#8211; man muss schauen, dass man mitkommt, weil das von den gewohnten Erz\u00e4hlmustern im Film abweicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Mit der 7. Klassen spielten wir am letzten Schultag vor den Ferien (an dem kein Unterricht mehr stattfindet, sondern nur Gottesdienst und Kuscheln und Fr\u00fcheraus) das &#8222;Alle, die wo&#8220;-Spiel. Man sitzt im Kreis, einer steht in der Mitte. Der oder die sagt dann &#8222;Alle, die wo&#8230;&#8220; zum Beispiel: &#8222;&#8230;eine Brille tragen&#8220;, und alle die m\u00fcssen aufspringen und sich einen neuen Sitzplatz suchen. Zwischendrin sucht sich auch der in der Mitte einen frei gewordenen Platz, so dass am Ende wieder jemand anderes in der Mitte steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reiz am Spiel sind nat\u00fcrlich die Fragen. &#8222;Alle die wo schon einmal besoffen waren&#8220;, &#8222;Alle die schon mal einen perversen Film gesehen haben&#8220;.<br>(Beim Wichteln wird unter den M\u00e4dchen \u00fcbrigens Kosmetik verschenkt. Das wusste ich so noch nicht.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Weihnachten gab es dann viele Familienbesuche, dazwischen machte ich eine Entenpastete <a href=\"http:\/\/cucina-casalinga.com\/2011\/02\/20\/enten-pastete\/\">nach diesem Rezept<\/a>. Das ist nicht gar so aufwendig, wie es klingt, und schon wohl eher ein Einsteigermodell ins Pastetenmachen, aber auch diese Pastete gelang mir erst jetzt einigerma\u00dfen brauchbar. Ich hatte es vor anderthalb Jahren schon einmal versucht. Der Trick: Man braucht eine auseinandernehmbare Pastetenform und eine Anleitung, wie man den Teig ordentlich in die Form kriegt. (Ordentlich abmessen, Ecken nicht abschneiden, leicht bemehlen, zusammenlegen und in die Form legen &#8211; und dort wieder auseinanderbauen.)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"362\" height=\"438\" data-id=\"12128\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_09_Entenpastete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12128\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_09_Entenpastete.jpg 362w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_09_Entenpastete-124x150.jpg 124w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_09_Entenpastete-248x300.jpg 248w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_09_Entenpastete-135x163.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"363\" height=\"290\" data-id=\"12133\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_10_Entenpastete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12133\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_10_Entenpastete.jpg 363w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_10_Entenpastete-150x120.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_10_Entenpastete-300x240.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_10_Entenpastete-135x108.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"332\" height=\"385\" data-id=\"12132\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_14_Entenpastete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12132\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_14_Entenpastete.jpg 332w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_14_Entenpastete-129x150.jpg 129w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_14_Entenpastete-259x300.jpg 259w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_14_Entenpastete-135x157.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"361\" height=\"468\" data-id=\"12131\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_15_Entenpastete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12131\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_15_Entenpastete.jpg 361w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_15_Entenpastete-116x150.jpg 116w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_15_Entenpastete-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_15_Entenpastete-135x175.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 361px) 100vw, 361px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"375\" data-id=\"12130\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_21_Entenpastete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12130\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_21_Entenpastete.jpg 500w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_21_Entenpastete-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_21_Entenpastete-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_21_Entenpastete-135x101.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"333\" height=\"444\" data-id=\"12129\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_22_Entenpastete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12129\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_22_Entenpastete.jpg 333w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_22_Entenpastete-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_22_Entenpastete-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/181224_22_Entenpastete-135x180.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p><br>(Bilder gro\u00dfteils von Frau Rau.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Und eben habe ich drei kurze B\u00fccher gelesen, n\u00e4mlich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Shauna Tan, <em>The Arrival: <\/em>Eine Graphic Novel ganz ohne Text, nur mit Zeichnungen erz\u00e4hlt, um Immigration und Fremdheit und Vertrautheit. Ein Mann aus einer uns vertraut erscheinenden westlichen Kultur emigriert arbeitssuchend in eine vage an ein fantastisches New York um 1900 erinnernde Stadt, die f\u00fcr ihn wie f\u00fcr den Leser fremd und exotisch und erst einmal unerkl\u00e4rt ist. Maschinen und Tiere sehen m\u00e4rchenhaft und zutiefst unvertraut aus. EMpfehlung meiner Nichte, die das als Schullekt\u00fcre in der 7. Klasse gelesen hat. Respekt.<\/li>\n\n\n\n<li>Birte Alber\/Carsten Cording, <em>Eichh\u00f6rnchen entdecken! <\/em>Alles \u00fcber Eichh\u00f6rnchen am Balkon, und ich bin ja Eichh\u00f6rnchenbeobachter.<\/li>\n\n\n\n<li>Miriam und Ezra Elia, <em>Wir gehen in eine Ausstellung.<\/em> Ein Mistk\u00e4fer-Buch, von denen es inzwischen wohl schon vier gibt, angelehnt an die Ladybird-Serie von Penguin Books, vergleichbar den Conny-B\u00fcchern bei uns. Nur eben mehr f\u00fcr Erwachsene. Mutti, John und Susan gehen in eine Ausstellung; neben den Illustrationen im  1970er-Jahre-Stil steht in freundlich runden serifenlosen Buchstaben der Text:<br><br><em>&#8222;In dem Raum ist nichts, weil Gott tot ist&#8220;, sagt Mutti.<br>&#8222;Oje&#8220;, sagt John&#8220;Ich konnte keine K\u00fcnstlerin werden, weil ich euch bekommen habe&#8220;, sagt Mutti.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ach ja, noch als Nachtrag: Bei Amazon.de sind \u00fcber 20.000 nahezu identische Titel lieferbar, wenn man nach &#8222;All-Inclusive Self-Assessment&#8220; sucht. Blah-Text f\u00fcr 69 Euro, der sich nur in dem einen Computerschlagwort des Titels unterscheidet. Darauf gekommen bin ich auf der Suche nach dem Buch <em>IBM and the Holocaust, <\/em>die dann eben auch zu folgendem automatisch generierten Band f\u00fchrt: <em>IBM and the Holocaust All-Inclusive Self-Assessment &#8211; More than 720 Success  Criteria, Instant Visual Insights, Comprehensive Spreadsheet Dashboard,  Auto-Prioritized for Quick Results<\/em>. Ich nehme mal an, diese angeblichen CD-ROMs gibt es nicht einmal zu kaufen, sondern sie dienen nur als Spam von irgendeiner Art? Spammen sich die Systeme gegenseitig zu, um Eindruck zu machen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Schulwoche fiel ein Referat in der Q11 aus. Ich mache gerade eine kleine Runde amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts, auch anhand von Liedern &#8211; Strange Fruit; Buddy, can you spare a dime; Ten cents a dance &#8211; und da f\u00fcllte ich vor Weihnachten die fehlenden drei\u00dfig Minuten mit einem thematisch passenden Film. 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