{"id":12159,"date":"2019-01-01T21:40:06","date_gmt":"2019-01-01T20:40:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=12159"},"modified":"2023-06-15T20:42:06","modified_gmt":"2023-06-15T18:42:06","slug":"laurie-r-king-the-moor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/01\/laurie-r-king-the-moor.htm","title":{"rendered":"Laurie R. King, The Moor"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/01\/laurie-r-king-the-moor.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Vielleicht ist das ja ein ganz gutes Buch, es ist ja immerhin ein Bestseller. Aber f\u00fcr mich war es wohl nichts. Gelesen habe ich es, weil ich mich gerade mit Arthur Conan Doyles <em>The Hound of the Baskervilles<\/em> besch\u00e4ftige, und damit hat dieses Buch etwas zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p><em>The Moor<\/em> (1998) ist der 4. Band der sehr erfolgreichen Krimi-Reihe um Mary Russell. Das Erscheinen des ersten Bands vor \u00fcber zwanzig Jahren hatte ich mitgekriegt (inzwischen gibt es wohl 18 B\u00e4nde), darin trifft die f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Mary Russell auf den knapp vierzig Jahre \u00e4lteren Sherlock Holmes und l\u00e4sst sich von ihm zur Detektivin ausbilden. In den erz\u00e4hlten Geschichten, hatte ich gelesen, geht es eher um Mary als um Holmes. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Erwartungen wurde ich von <em>The Moor<\/em> entt\u00e4uscht. Inzwischen sind Holmes und Russell (sie beh\u00e4lt ihren M\u00e4dchennamen) verheiratet, auch wenn sie viel Zeit getrennt von einander verbringen. Der betagte Reverend Sabine Baring-Gould, ein versierter Heimatkundler und viel ver\u00f6ffentlichter Universalamateur, kennt Holmes von fr\u00fcher und bittet ihn, einen Todesfall und Ger\u00fcchte um sein geliebtes Dartmoor aufzukl\u00e4ren. So richtig klar wird mir der Anlass nicht, aber Holmes ist nun einmal da und schickt nach Russell.  Die kommt auch, mit den verlangten Karten und einem Kompass, und leistet Holmes eheliche und andere Gesellschaft. &#8212; Erst ab der zweiten H\u00e4lfte gewinnt die Handlung an Fahrt. Da trennen sich Holmes und Russell auch mal f\u00fcr eine kleine Weile. Russell kommt dem Geheimnis auf die Spur, letztlich indem sie eine Stelle in einem Buch von Baring-Gould auf eine Idee bringt. Viel mehr detektivische Arbeit ist nicht n\u00f6tig, auch wenn Russell viel Zeit im durchaus atmosph\u00e4risch geschilderten Moor verbringt. (Holmes kommt w\u00e4hrenddessen zu den gleichen Erkenntnissen wie Russell. Das einzige, was Russell wirklich beisteuert, ist die Erkenntnis, dass die Vorbesitzerin von Baskerville Hall mit einem unerwarteten Verd\u00e4chtigen verlobt ist. Aber was der sich \u00fcberhaupt dabei gedacht hat, erfahren wir nie, es kann auch kein sinnvoller Bestandteil eines Plans gewesen sein.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte mir mehr erhofft.  Russell ist eher noch weniger selbstst\u00e4ndig als Watson. Verrirt erschrickt sie im dichten Nebel im Hochmoor (&#8222;the sharp terror of a  looming figure, which would turn out to be a standing stone&#8220;, S. 77),  statt sich dar\u00fcber zu freuen, einer Menschenseele zu begegnen. Die  Atmosph\u00e4re von Dartmoor macht ihr zu schaffen (S. 76).  Auch Holmes ist weit davon entfernt, der \u00dcbermensch zu sein, von dem Watson erz\u00e4hlt: Nur ein einziges Mal macht er einen angeberischen Schluss (S. 118). Das ist vielleicht realistischer, aber wenn ich Realismus m\u00f6chte, lese ich doch keinen Holmes. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch sprachlich \u00fcberzeugt mich das Buch nicht. Ich bin da pingelig. Baring-Gould erkl\u00e4rt den Namen seiner Familie: &#8222;My name combines two families: the Crusader John Gold, or Gould, [\u2026] and that of the Baring family.&#8220; Diese Konstruktion geht im Schriftlichen, aber nicht m\u00fcndlich. &#8212; Das Buch spielt 1923, die Sprache klingt aber modern. Russell h\u00e4ngt in der Vorratskammer an den Fingerspitzen am Regal &#8222;like a rock climber&#8220; (S. 136);  sie sagt: &#8222;I need to ask&#8220; statt &#8222;I must&#8220; oder &#8222;have to&#8220; (S. 245) &#8212; f\u00fcr meine Ohren klingt das modern, und <a href=\"https:\/\/books.google.com\/ngrams\/graph?content=I+need+to+know&amp;year_start=1800&amp;year_end=2000&amp;corpus=15&amp;smoothing=3&amp;share=&amp;direct_url=t1%3B%2CI%20need%20to%20know%3B%2Cc0\">Google Ngrams stimmt mir da zu.<\/a> Aber gut, vielleicht ist Russell ihrer Zeit voraus. Ohnehin ist das Manuskript ja unbestimmt j\u00fcnger als 1923, denn wie bei den Flashman-Romanen fungiert King nur als Herausgeberin angeblich gefundener Manuskripte. Aber w\u00e4hrend mir bei Flashman und Watson klar ist, f\u00fcr welches Publikum und aus welchem Anlass sie schreiben, sehe ich das bei den Russell-Erz\u00e4hlungen nicht. Russell schreibt ihr Manuskript nicht aus einer erkennbaren historischen Distanz, also nicht auktorial-r\u00fcckblickend-allwissend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchle mich n\u00f6rgelig. Aber ich hatte mir halt mehr erhofft. Wer wei\u00df, vielleicht mildert die Zeit wieder mal mein Urteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Vielleicht ist das ja ein ganz gutes Buch, es ist ja immerhin ein Bestseller. Aber f\u00fcr mich war es wohl nichts. Gelesen habe ich es, weil ich mich gerade mit Arthur Conan Doyles The Hound of the Baskervilles besch\u00e4ftige, und damit hat dieses Buch etwas zu tun. The Moor (1998) ist der 4. 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