{"id":12255,"date":"2019-02-02T09:51:50","date_gmt":"2019-02-02T08:51:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=12255"},"modified":"2023-05-31T20:28:25","modified_gmt":"2023-05-31T18:28:25","slug":"isak-dinesen-seven-gothic-tales","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/02\/isak-dinesen-seven-gothic-tales.htm","title":{"rendered":"Isak Dinesen, Seven Gothic Tales"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/02\/isak-dinesen-seven-gothic-tales.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Diese Sammlung von sieben Geschichten war 1934 die erste Buchver\u00f6ffentlichung von Isak Dinesen (Karen Blixen, in Deutschland auch Tania Blixen). Die Erstausgabe begann mit einem Vorwort von Dorothy Canfield und diesen Worten: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The person who has set his teeth into a kind of fruit new to him, is usually as eager as he is unable to tell you how it tastes.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte mich dem anschlie\u00dfen und fragen: &#8222;War es ein B\u00e4r oder ein Russe oder was?&#8220; Das ist eine Fragen, die Charles G. Finney seinem kurzen Roman <em>The Circus of Dr Lao<\/em> im Anhang &#8222;Offene Fragen, offene Widerspr\u00fcche und Unklarheiten&#8220; anf\u00fcgt. Die Frage, was ich da eigentlich gelesen habe, wird mich noch einige Zeit besch\u00e4ftigen. Eines wurde mir schon im Lauf der ersten Geschichte klar und sp\u00e4ter immer deutlicher: Diesem Erz\u00e4hltonfall, diesen erschaffenen Welten (und Geschichten erschaffen stets wackere neue Welten) war ich noch nicht begegnet.<\/p>\n\n\n\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/dinesen_seven_gothic.jpg\" style=\"float:right;\" margin-left:15px;\"=\"\"><p>Dabei kam mir der Ton gleichzeitig von Anfang an wundersam vertraut vor. Die erste Geschichte beginnt nicht nur im gem\u00e4chlichen Novellentonfall des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts, sie bietet auch tats\u00e4chlich die \u00e4ltere typische Form der Novellensammlung mit einer gef\u00e4hrlichen Situation als Rahmenhandlung und Binnenerz\u00e4hlungen der Figuren darin. Ich musste gleich an Goethes <em>Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter<\/em> denken. Auch wenn die Binnenerz\u00e4hlungen bei Dinesen naturgem\u00e4\u00df kurz sind: Diesen Erz\u00e4hltonfall kenne ich nur aus den Novellen der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. &#8212; Poe wird gelegentlich zum Vergleich mit Dinesen angef\u00fchrt, pah, schreibt ganz anders. Guy de Maupassant, ebenso. Prosper Merim\u00e9e, Th\u00e9ophile Gautier: vielleicht, an die kann ich mich nur dunkel erinnern. Geistergeschichten von M.R. James oder Arthur Machen, Wells oder Kipling: Nein, mindestens der letztere erzeugt auch ganz eigene Welten, aber sie schreiben alle moderner, zeitgem\u00e4\u00dfer. (Le Fanu vielleicht?) Dinesens Geschichten wirken auf mich wie aus der Zeit gefallen, erinnern mich an Motive und Duktus bei Eichendorff und E.T.A. Hoffmann, also die deutsche Romantik hundert Jahre zuvor. <\/p>\n\n\n\n<p>Das allerdings jeweils mit einem Schuss Borges darin. Aber gut, die deutsche Romantik kann auch ziemlich schr\u00e4g sein:  Hoffmann hat &#8222;Heimatochare&#8220;, eine Briefnovelle \u00fcber zwei befreundete Naturkundler auf Hawaii, die sich wegen einer Inselsch\u00f6nheit in die Haare kriegen und einander wegen ihr t\u00f6ten. Erst sp\u00e4t stellt sich heraus, dass es um eine Laus geht, die zu einer unentdeckten Art geh\u00f6rt. Chamisso hat den Mann ohne Schatten, Ludwick Tieck das Paar, das die Treppe zu ihrer Dachwohnung verheizt (so wie Phileas Fogg den Zug), von Achim von Arnim werden in einer Geschichte &#8222;eine alte Hexe, ein Toter, der sich lebendig stellen musste, eine Sch\u00f6ne  aus Tonerde und ein junger Mann, aus einer Wurzel geschnitten&#8220; in einer Kutsche versammelt, und von Karl Immermanns <em><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2013\/04\/karl-immermann-muenchhausen-eine-geschichte-in-arabesken.htm\">M\u00fcnchhausen<\/a><\/em> fange ich erst gar nicht an.<\/p>\n\n\n\n<p>Blixen\/Dinesen war D\u00e4nin. Ich wei\u00df nichts \u00fcber d\u00e4nische Literatur, ich wei\u00df nicht, welche Wurzeln Blixens Geschichten dort haben. Die auf Englisch geschriebenen Geschichten hei\u00dfen &#8222;gothic tales&#8220;; sie enthalten meist \u00fcbernat\u00fcrliche Elemente, sind aber nie Geistergeschichten im klassischen Sinn. Schr\u00e4g sind sie. Die sieben Geschichten h\u00e4ngen nicht zusammen. Aber sie verwirren, und so suchte ich auch zwischen den Geschichten nach Sinn und Zusammenh\u00e4ngen. In der einen taucht eine irritierende Spiegelszene auf, in der anderen gibt es eine ganz \u00e4hnliche Szene. Derselbe Spiegel am Ende? \u00dcberhaupt, Spiegel tauchen immer wieder auf. Und Don Giovanni, und Elsinore. Totensch\u00e4del spielen immer wieder eine kleine Rolle. Die eine Geschichte erw\u00e4hnt Sklaverei, die n\u00e4chste beginnt mit einem Sklaven; in der einen h\u00f6rt man von einem, der vor der Hochzeit flieht, in der n\u00e4chsten gibt es das in anderer Form wieder; in einer wird von einem Affen erz\u00e4hlt, die n\u00e4chste hei\u00dft gleich so. Die Hauptperson in einer Geschichte ist eine Nebenfigur in der folgenden. <\/p>\n\n\n\n<p>Und immer wieder tauchen kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Heresien auf, hier gesammelt, weil ich sie interessant fand:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li> Vor dem S\u00fcndenfall war die Erde flach, und der Teufel war es, der die  dritte Dimension hinzugef\u00fcgt hat. Der Apfel war ja auch rund. (&#8222;The Deluge at Norderney&#8220;) <\/li>\n\n\n\n<li>Nicht die Menschheit ist gefallen, sondern Gott: Die heutige Generation im Himmel ist nicht mehr das, was sie mal war; der Gott, der die Sterne, das Meer und die W\u00fcste erschaffen hat, Homer und die Giraffe, der kann nicht derselbe sein, der heute &#8222;the King of Belgium, the Poetical School  of Schwaben, and the moral ideas of our day&#8220; unterst\u00fctzt.  (&#8222;The Deluge at Norderney&#8220;) <\/li>\n\n\n\n<li>Wir lieben das, was Nein zu uns sagt. Die Erde sagt Ja und das Meer sagt  Nein, und deshalb lieben wir das Meer, und Gott Nein zu uns sagen zu  h\u00f6ren, das ist gut. (&#8222;The Supper at Elsinore&#8220;) <\/li>\n\n\n\n<li>Nachdem man sich nicht vorstellen kann, dass Gott eine Ewigkeit mit dem  Kaiser von \u00d6sterreich und der Schwiegermutter des (aktuellen) Erz\u00e4hlers  verbringen will, sind Himmel und H\u00f6lle f\u00fcr fiktive Gestalten wie Don  Giovanni oder Odysseus oder Don Quixote erschaffen worden \u2013 Ziel von  Gottes Sch\u00f6pfung sind die fiktiven Figuren der Literatur; die Menschen  sind nur das Mittel zum Zweck. (&#8222;The Roads Round Pisa&#8220;) <\/li>\n\n\n\n<li> Wer Gott liebt, muss Spa\u00df verstehen. (&#8222;The Dreamers&#8220;) <\/li>\n\n\n\n<li>Hat der heilige Petrus die Geschichte mit dem dreifachen Hahnenschrei herumerz\u00e4hlt, oder woher wei\u00df man davon? (&#8222;The Poet&#8220;)<\/li>\n\n\n\n<li>Religionen sind wie ein Schild &#8222;Hier W\u00e4scherei&#8220;, das man im Fenster eines Ladens sieht, aber der Laden ist ein Tr\u00f6delladen und verkauft Schilder und w\u00e4scht keine W\u00e4sche. Aber das Schild ist Beweis daf\u00fcr, dass zumindest irgendwer irgendwann an den Sinn des W\u00e4schewaschens geglaubt hat und die Existenz einer W\u00e4schemangel. (&#8222;The Poet&#8220;)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Zu den einzelnen Geschichten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Deluge at Norderney<\/strong>: An der Nordsee gibt es in den 1830er Jahren eine \u00fcberraschende Sturmflut, vier Fl\u00fcchtende verbringen eine Nacht im oberen Stock eines einsturzgef\u00e4hrdeten Bauernhauses: Ein alter Kardinal, ein junger Mann, eine feine alte Dame auf Urlaub, ihre Ziehtochter Calypso von Platen (auf der Flucht vor ihres Onkels August Gedichten; kein Scherz). W\u00e4hrend unklar ist, ob sie gerettet werden, erz\u00e4hlen sie sich ihre Geschichten. Tats\u00e4chlich nimmt die Handlung dann auch einen unerwarteten Verlauf, der Boden des Lesers ist so unsicher wie die Situation der Figuren. Und: Ich musste viel nachschlagen und ein bisschen Franz\u00f6sisch herauskramen; ein englisches Publikum h\u00e4tte mit Norderney, August von Platen, der franz\u00f6sischen Revolution vielleicht noch mehr Schwierigkeiten. (Mit: Totensch\u00e4del, Spiegel, Marionetten.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Old Chevalier:&nbsp;<\/strong>Die konventionellste Geschichte. Aber immer noch mit reichlich Leerstellen. (Mit: Totensch\u00e4del, Spiegel, Don Giovanni, Affe. Keine Marionetten, aber Puppen.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Monkey:&nbsp;<\/strong>Boris, ein junger Offizier, flieht vor einem Homosexuellen-Skandal zu seiner Tante, \u00c4btissin eines Klosters, die f\u00fcr ihn schnell eine Braut aussuchen soll. Die hei\u00dft Athena, wohnt mit ihrem Vater in Draculas Schloss, und will nicht heiraten. Und es gibt einen Affen. Erinnerte mich an Eichendorff, &#8222;Die Entf\u00fchrung&#8220;, nur sinistrer, und wenn Athena Boris ins Gesicht schl\u00e4gt, schl\u00e4gt sie ein paar Z\u00e4hne aus. (Mit: Affe, Totensch\u00e4del, Spiegel, Don Giovanni, Marionetten.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Roads Round Pisa:<\/strong> Graf Augustus, ein junger melancholischer d\u00e4nischer Adliger, hilft einer alte Dame, die mit ihrer Kutsche verungl\u00fcckt ist (&#8222;The Old Lady&#8217;s Story&#8220;). In ihrem Auftrag reist er Richtung Pisa und \u00fcbernachtet in einer Osteria, andere G\u00e4ste sind eine junge Frau, als Mann verkleidet (&#8222;The Young Lady&#8217;s Sorrows&#8220;) und ein \u00f6rtlicher Prinz (&#8222;The Story of the Bravo&#8220;), dessen ein wenig kryptische Geschichte ein Duell mit einem jungen Mann provoziert, ohne dass recht klar wird, was da eigentlich genau vor sich geht. Auch die Marionettentheater-Auff\u00fchrung hilft nicht viel, bevor es am Morgen zum Duell und so etwas wie einer Aufkl\u00e4rung kommt. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngen s\u00e4mtliche Binnengeschichten zusammen, und wer die Puzzlesteine richtig zusammenbaut, erf\u00e4hrt, was da eigentlich alles vor sich gegangen ist. Nun bin ich ein wirklich gr\u00fcndlicher Leser, aber auch ich habe erst zwei Tage nach der Lekt\u00fcre und mit Hilfe eines Kommentars im Web das allerletzte Fragezechne schlie\u00dfen k\u00f6nnen, dann aber mit einem &#8222;Ahh&#8230; nat\u00fcrlich!&#8220; Man muss \u00fcbrigens nicht hinter alles kommen wollen; das R\u00e4tsel in &#8222;The Old Chevalier&#8220; hat vermutlich keine greifbare L\u00f6sung, und auch das ist in Ordnung. Dinge geschehen, manchmal kann man sie sich erkl\u00e4ren, manchmal nicht. (Mit: Elsinore\/D\u00e4nemark, Spiegel, Don Giovanni, Goethe, Graf Augustus, Marionetten.) <\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Supper at Elsinore: <\/strong>Zwei alte Damen treffen sich mit dem Geist ihres geliebten, toten Bruders, der einst kurz vor seiner bevorstehenden Hochzeit verschwunden war. Er erz\u00e4hlt &#8211; wieder Binnenerz\u00e4hlungen, aber nur knappe &#8211; von seinen Erlebnissen. (Mit: Spiegel, Totensch\u00e4del, Elsinore\/D\u00e4nemark, Sklaverei, Flucht vor der Hochzeit, Schiff, Marionetten.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Dreamers:<\/strong> 1863 ist eine Dau im indischen Ozean auf dem Weg nach Sansibar, an Bord befinden sich drei M\u00e4nner: Aus dem zweij\u00e4hrigen Exil zur\u00fcck ist Said Ben Ahamed, &#8222;der Sohn von Tippo Tips Schwester, und selbst ein Favorit dieses gro\u00dfen Mannes.&#8220; Er f\u00e4hrt nach Hause, um Rache zu \u00fcben. Viele m\u00e4chtige M\u00e4nner in Sansibar w\u00fcrde eiligst ihren Besitz packen und fliehen, wenn sie von seiner Ankunft w\u00fcssten. Klingt spannend? Pech gehabt: Mehr erfahren wir nicht \u00fcber ihn, die Rache, Tippo Tip, seine Schwester. &#8222;Von seiner Rache, als sie denn kam, haben andere Erz\u00e4hlungen berichtet.&#8220; Ich kenne keine, aber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tippu-Tip\">Wikipedia bietet einen Ansatz.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist da der Geschichtenerz\u00e4hler Mira Jama, der erkl\u00e4rt, warum er keine Geschichten mehr erz\u00e4hlt: Er hat zu viel erlebt, so viel B\u00f6ses ist ihm zugesto\u00dfen, so viele Geister hat er gesehen, dass er die Dinge zu gut kennt und keine Furcht mehr hat, und damit kann er nicht mehr erz\u00e4hlen. Nur im Traum, da kennt er noch Furcht und freut sich an ihr.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cWell, yes, alas,\u201d said Lincoln, turning around on his side, \u201cwhat is life, Mira, when you come to think upon it, but a most excellent, accurately set, infinitely complicated machine for turning fat playful puppies into old mangy blind dogs, and proud war horses into skinny nags, and succulent young boys, to whom the world holds great delights and terrors, into old weak men, with running eyes, who drink ground rhino-horn?\u201d<br> \u201cOh, Lincoln Forsner,\u201d said the noseless story-teller, \u201cwhat is man, when you come to think upon him, but a minutely set, ingenious machine for turning, with infinite artfulness, the red wine of Shiraz into urine?\u201d <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und es gibt Lincoln, einen jungen Europ\u00e4rer, der eigentlich eine junge Witwe heiraten soll, aber ausb\u00fcchst. Sein Vater schreibt ihm einen wunderbar passiv-aggressiven Brief: Er (der Vater) verzeiht ihm, weil er bei der Besch\u00e4ftigung mit den Familienarchiven herausgefunden hat, dass es die Familie nur deshalb zu Reichtum und Ansehen gebracht hat, weil es in jeder Generation ein schwarzes Schaf gibt, sozusagen ein Opferlamm. All die Makel und Fehler, die sonst auf die ganze Familie verteilt w\u00fcrden, liegen bei diesem einen Auserw\u00e4hlten, und so gibt der Vater diesem Sohn seinen Segen \u2013 er soll so ungehorsam, schwach und s\u00fcndhaft sein, wie er will, um der Familie das n\u00f6tige abschreckende Beispiel zu sein. (Worauf der Vater selber die zur\u00fcckgelassene Braut heiratet.)<\/p>\n\n\n\n<p>In Rom trifft Lincoln Olalla, eine Kurtisane, gro\u00dfe Liebesgeschichte, bis ein alter Jude auftaucht, von dem sie behauptet, sie habe ihm ihren Schatten verkauft. Dann ist sie pl\u00f6tzlich verschwunden. Auf der Suche nach Olalla trifft er einen alten und nicht sehr gesch\u00e4tzten Bekannten, Pilot:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p> If he ever found in himself any original taste at all, he made the most of it. Thus he would go on talking of his preference for one wine over another, as if he meant to impress such a precious finding deeply upon you. A philosopher, about whom I was taught in school and whom you would have liked, Mira, has said: \u201cI think; consequently I am.\u201d In this way did my friend Pilot repeat to himself and to the world: \u201cI prefer Moselle to Rhenish wine; consequently I exist.\u201d <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Pilot erz\u00e4hlt seine eigene Geschichte, n\u00e4mlich wie er in Luzern in eine Putzmacherin verliebt war und durch sie in Revolutionswirren geriet und den Bischof von St. Gallen erschoss. Die Geliebte verschwindet spurlos, ein alter Jude erscheint. (Lincoln horcht auf; seine eigene Geschichte kennen seine Gegen\u00fcber noch nicht.) &#8212; Der Begleiter dieses Bekannten, Baron Guildenstern, erz\u00e4hlt nun wiederum seine Geschichte: Unter alten gefl\u00fcchteten Aristokraten weilend warb er einst um eine nicht ganz so alte Dame, zur\u00fcckgezogen und brav, aber wohl mit Vergangenheit. Auch hier taucht ein alter Jude als Vertrauter auf. Der Baron, ein gef\u00fchlskalter serieller Verf\u00fchrer, nimmt an einem Wettbewerb teil: An einem Tag drei Meilen reiten, drei Flaschen des \u00f6rtlichen Weins trinken und mit drei Frauen schlafen. (Reihenfolge egal.) Er schafft es auch ins Zimmer der zu Verf\u00fchrenden. Die dreht die Situation um:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p> \u2018Listen for one moment,\u2019 she said. \u2018Here we are all alone. There is no one in the house but we and my maid who brought you here, that pretty girl. Are you not afraid?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sie spielt auf Don Giovanni an, wo die r\u00e4chende Figur des Commandante den Verf\u00fchrer holt, deutet ein \u00e4hnliches Schicksal f\u00fcr den Baron an. Dann bezeichnet sie sich als \u201eshining bubble\u201c, dessen Zeit zu gehen gekommen ist: \u201eThe people, and her creator even, were becoming too fond of her. You give her her great tragic end. No other man in the world, I think, could have done that so well.\u201c Sie k\u00fcndigt sozusagen die Schritte der Statue an, der Baron-Erz\u00e4hler beschreibt beim Erz\u00e4hlen noch einmal diese Frau, insbesondere die Narbe an ihrem Hals \u2013 die Pilot als Narbe seiner revolution\u00e4ren Putzmacherin erkennt, worauf wir aus der Geschichte geworfen werden. Auch Lincoln erkennt anhand der Narbe (sie ist in seiner Erz\u00e4hlung erw\u00e4hnt) seine Olalla. W\u00e4hrend sich alle mit offenen Mund anstarren, kommen G\u00e4ste in die Gastwirtschaft: Eine Frau \u2013 vielleicht die Frau? \u2013 und unabh\u00e4ngig von ihr ein alter Jude. Die Frau, angeblich eine angesehene Ratsherrengattin, verschwindet gleich wieder; die drei in einer Kutsche hinterher. Schneesturm. Es folgt nach einigen dramatischen Szenen die Geschichte des alten Juden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sp\u00e4ter aus seinem Freund wurde, hat Lincoln einmal von einem deutschen Geistlichen am Kap der Guten Hoffnung erz\u00e4hlt bekommen. Oder er, Lincoln, habe sich das ausgedacht; er wei\u00df es nicht mehr genau. War es ein B\u00e4r oder ein Russe oder was? (Mit: Don Giovanni, Sklaverei, Flucht vor der Hochzeit, Schiff.) <\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Poet: <\/strong>Eine ungl\u00fcckliche Liebesgeschichte. Mathiesen, ein alter D\u00e4ne, der gerne Dichter w\u00e4re, aber doch nur M\u00e4zen ist, benutzt seine Verlobte (die wieder ihre ganz eigene Geschichte hat und in einer zauberhaften Szene nachts heimlich Ballett tanzt) und einen jungen Dichter, den er zu Gro\u00dfem berufen sieht, als Marionetten. Pfl\u00fcckte Mathiesen das gelbe Stiefm\u00fctterchen absichtlich? War der Vater der Braut Handelskapit\u00e4n oder Theaterleiter? Ein B\u00e4r oder ein Russe?  (Mit: Goethe, Spiegel, Graf Augustus, Elsinore\/D\u00e4nemark. Keine Marionetten, aber Puppen. Haschisch &#8211; nicht wichtig, ist mir nur aufgefallen, weil mich die vorhergehende Geschichte an Lord Dunsany erinnert hatte. Kein Don Giovanni, aber ein schwarzer Opernmantel.)<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Zum Wiederlesen: Alle. &#8222;The Monkey&#8220;, weil ich noch ein bisschen mehr verstehen m\u00f6chte, &#8222;The Roads Round Pisa&#8220; und &#8222;The Dreamers&#8220;, weil ich verschachtelte Geschichten mag und noch ein bisschen mehr nachvollziehen m\u00f6chte, und &#8222;The Poet&#8220;. Auf Deutsch \u00fcbersetzt, aber nur antiquarisch erh\u00e4ltlich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) Diese Sammlung von sieben Geschichten war 1934 die erste Buchver\u00f6ffentlichung von Isak Dinesen (Karen Blixen, in Deutschland auch Tania Blixen). Die Erstausgabe begann mit einem Vorwort von Dorothy Canfield und diesen Worten: The person who has set his teeth into a kind of fruit new to him, is usually as eager as he [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[224,304],"class_list":["post-12255","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-buecher","tag-isak-dinesen"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12255"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58521,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12255\/revisions\/58521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}