{"id":13083,"date":"2019-07-26T17:25:19","date_gmt":"2019-07-26T15:25:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=13083"},"modified":"2023-06-10T07:42:36","modified_gmt":"2023-06-10T05:42:36","slug":"schuljahresende-2019-und-malteserfalken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/07\/schuljahresende-2019-und-malteserfalken.htm","title":{"rendered":"Schuljahresende 2019 und Malteserfalken"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/07\/schuljahresende-2019-und-malteserfalken.htm#comments'>7 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>&#8222;Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne&#8220; &#8211; ja, aber manchem Ende auch. Heute war Schuljahresende, das dienstlich und privat mehr gefeiert wird als Ferienanfang, glaube ich. In den ersten sechs oder sieben Jahren meines Lehrerseins brauchte ich immer ein paar Tage, um mich an die Ferien zu gew\u00f6hnen. Ich glaube, dieses Jahr habe ich einfach schon in der vorletzten Woche angefangen, mich in die Ferien zu verabschieden, also gedanklich und emotional.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten zehn Tage und mehr findet ja eh nur eine Art Schule spielen statt. Wandertag, die sogenannten Projekttage, Konferenzen mit effizienzorientierten (quasi automatisierten) Abstimmungen. Da wird nicht viel gedankliche Anwesenheit von mir gefordert. Zugegeben: Ich k\u00f6nnte mit gedanklicher Anwesenheit daf\u00fcr sorgen, dass etwa die Projekttage besser w\u00e4ren. Aber schon zu meiner Schulzeit waren diese SMV-Tage anarchische Phasen ohne ordentliche Aufsicht und ohne nachvollziehbares Programm; diese Erfahrung will ich den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen nicht nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Dieses Jahr wieder ausgez\u00e4hlt, wieviel Unterricht ich tats\u00e4chlich gehalten habe und wieviel Prozent durch schulinterne Aktionen ausgefallen ist (zwischen 5,7% und 21% je nach Klasse; Nachmittagsunterricht ist immer ein Problem, aber das h\u00f6rt im G9 ja auf). Bevor ich das der Schulleitung noch einmal explizit mitteile warte ich sicherheitshalber, bis mir die n\u00e4chste Fortbildung genehmigt ist. Ich gehe n\u00e4mlich auf drei Fortbildungen pro Jahr; die machen aber nur einen kleinen Teil der ausfallenden Stunden aus. Krank bin ich eh nie.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Frustrierend die sich abzeichnende Zukunft von Bring Your Own Device der Schule. Was man von Sachaufwandstr\u00e4ger und Kultusministerium h\u00f6rt, sieht das so aus, als werden Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen zumindest im n\u00e4chsten Jahrzehnt nie mit eigenen Handys oder Tablets ins Internet d\u00fcrfen. Keine Moodle-App, keine S\u00fcddeutsche-Zeitung-App. Nicht mal freiwillig. Ich glaube ja immer noch, dass das der Einfluss der Hardwarelobby ist. (Datenschutz, Sicherheitsbedenken.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Rein technisch bietet das bayrische Mebis-Moodle ja schon eine Art datenschutzsichere Schulcloud. Alle Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen haben 1 GB Speicherplatz, es m\u00fcsste doch auch zu machen sein, dass sie Daten kursweise freigeben k\u00f6nnen. So oder so ist das aber nicht einsetzbar, da die Interfaces dazu &#8211; die Webseite und die Moodle-App &#8211; zu umst\u00e4ndlich dazu sind. das m\u00fcsste doch einfach per Kommandozeile gehen, und dann halt mit ordentlicher grafischer Oberfl\u00e4che dazu. Das KuMi schreibt auch regelm\u00e4\u00dfig Stellen zur technischen Weiterentwicklung aus, am End wissen die noch, was geboten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Da Frau Rau drei Wochen auf Reha war, habe ich an langen, einsamen Abenden einige der Filme nachgeholt, zu denen ich sonst nicht komme. Unter anderem die ersten zwei Verfilmungen von Dashiell Hammetts <em>The Maltese Falcon:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>The Maltese Falcon<\/em> (1931). Gar nicht schlecht, gar nicht schlecht. Ich mag das Buch sehr gerne, und die Verfilmung von 1941 ist zu Recht ein Klassiker. (Sydney Greenstreet in seiner ersten Filmrolle!) Die Fassung von 1931 dagegen kennt kaum jemand, dabei ist um L\u00e4ngen besser als die von 1936 <em>(Satan Met A Lady)<\/em> &#8211; eine freiere Fassung mit Bette Davis und Screwball-Elementen: Mit dem Stetson-Hut und dem weiten Mantel sieht da das Spade-\u00c4quivalent (&#8222;Shane&#8220;) den Gro\u00dfteil des Films \u00fcber wie ein Sch\u00e4fer aus. Es geht auch nicht um einen Falken, sondern ein Horn mit \u00e4hnlich historischer Vorgeschichte, und statt Casper Gutman gibt es eine sehr interessante Madame Barabbas (Alison Skipworth, viermalige Filmpartnerin von W.C. Fields). Alle drei Filme zeigen mehrfach Zeitungsseiten zur Informationsvermittlung, aber nur 1936 hat &#8211; in \u00e4hnlichem Stil &#8211; eine Art Poster au\u00dferhalb der Filmhandlung, das die gegenw\u00e4rtige Situation zusammenfasst: &#8222;Who Will Be Next -&#8222;, gefolgt von Fotos der Schurken. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Fassung von 1931 sieht weit mehr als zehn Jahre \u00e4lter aus als die von 1936. Die Kleidung ist \u00e4lter. Die M\u00f6bel. Alte Telefone, und auf der Post schreibt man noch mit Feder und Tintenfass seine Adresse auf. Und weil der Film entstand, bevor der Selbstzensur-Code Hollywoods (&#8222;Hays Code&#8220;, &#8222;Motion Picture Production Code&#8220;) umgesetzt wurde, gibt es anz\u00fcgliche Stellen &#8211; halbnackte Frauen, deutlichere Anspielungen auf Homosexualit\u00e4t. Die Schauspieler sind nicht so gut, die Handlung zieht sich, die Gesichter sind manchmal fast noch stummfilmhaft. Aber Ricardo Cortez, der den Sam Spade spielt, hat ein sehr unsympathisches Lachen, und das passt gut zum Buch; und eine Gef\u00e4ngnis-Coda am Ende illustriert das Verh\u00e4ltnis zwischen Spade und Brigid O&#8217;Shaughnessy sehr sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Damit ist der gleiche Roman 1931, 1936 und 1941 verfilmt worden, und damals hat wohl auch keiner gemeckert und ich finde das voll in Ordnung. Auch Romane sollte man in verschiedenen Versionen haben, finde ich, aber da kenne ich nur <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/02\/bernhard-hennen-die-nacht-der-schlange.htm\">die Fantasy-Fassung<\/a> von <em>Der Richter und sein Henker<\/em>, ein paar Gottfried-Keller-Reminiszenzen bei Walter Moers und \u00dcbersetzungen wie der <em>Simplicissimus <\/em>in modernem Deutsch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(7 Kommentare.) &#8222;Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne&#8220; &#8211; ja, aber manchem Ende auch. Heute war Schuljahresende, das dienstlich und privat mehr gefeiert wird als Ferienanfang, glaube ich. In den ersten sechs oder sieben Jahren meines Lehrerseins brauchte ich immer ein paar Tage, um mich an die Ferien zu gew\u00f6hnen. 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