{"id":13153,"date":"2019-07-11T18:27:10","date_gmt":"2019-07-11T16:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=13153"},"modified":"2023-06-10T07:40:48","modified_gmt":"2023-06-10T05:40:48","slug":"koennen-wir-mal-etwas-schwierigeres-lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/07\/koennen-wir-mal-etwas-schwierigeres-lesen.htm","title":{"rendered":"K\u00f6nnen wir mal etwas Schwierigeres lesen?"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2019\/07\/koennen-wir-mal-etwas-schwierigeres-lesen.htm#comments'>30 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Im Moment liest mein Kurs gerade Theodor Fontane, <em>Irrungen, Wirrungen. <\/em>Ein guter, nicht ausgelasteter Sch\u00fcler fragte mich danach, ob wir nicht mal etwas Schwierigeres lesen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Leseempfehlungen gebe ich immer gerne, das geht hoffentlich allen Lehrern und Lehrerinnen so, insbesondere mit dem Fach Deutsch. Was hei\u00dft schwierig? Ist <em>Irrungen, Wirrungen<\/em> nicht schwierig genug? <em>Faust <\/em>ist schwierig und <em>Iphigenie<\/em> und <em>Nathan<\/em>, weil die Sprache den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen fremd ist, aber das war nicht gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Schule musste ich vertr\u00f6sten: Im b\u00fcrgerlichen Realismus gibt es nichts, was sprachlich schwierig ist, da m\u00fcsse er bis zur Moderne warten. Und dann, ja, <em>Ulysses<\/em>, <em>Berlin Alexanderplatz,<\/em> Lyrik des Expressionismus&#8230; aber war es das, was er meinte? Wann ist Literatur schwierig? &#8222;The past is a foreign country; they do things differently there&#8220; ist der ber\u00fchmte Anfangssatz von <em>The Go-Between<\/em> von L. P. Hartley. Die Vergangenheit verstehen, das ist doch immer schwierig; und jedes Werk der Literatur ist auch immer eine andere Welt, die fremd sein kann, auch wenn sie einfach ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit darstellender Kunst ist es doch auch so. Das hier ist einfach:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"568\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/altamira_bison-700x568.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13155\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/altamira_bison.jpg 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/altamira_bison-150x122.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/altamira_bison-300x243.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/altamira_bison-135x110.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dass ich das nicht malen k\u00f6nnte, darum geht es nicht; das Bild ist einfach zu verstehen. (Glaube ich.) Und trotzdem sehe ich mich nicht satt daran und es fordert mich heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf weitere Nachfrage an einem anderen Tag pr\u00e4zisierte der Sch\u00fcler: Ein Weltbild suche er, das ihn herausforderte, an dem er lernen k\u00f6nnte, und ein Buch pr\u00e4sentiere ja auch immer ein Weltbild. (Ich glaube, das habe ich denen letztes Jahr mal so gesagt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.)<\/p>\n\n\n\n<p>Erz\u00e4hlende Literatur ist f\u00fcr mich zumindest au\u00dferhalb der Schule kein Werkzeug, um zu lernen; aber ein Mittel, sich zu bilden &#8211; im Sinn der Aufkl\u00e4rung &#8211; ist sie auf jeden Fall. Wenn mich Fontane und die von ihm beschriebene Welt auch heute reizen, als Sch\u00fcler h\u00e4tten sie <em>mich<\/em> gelangweilt, gebildet, geformt h\u00e4tten sie mich nicht. (Unterhalten schon gleich gar nicht.) Das gilt \u00fcbrigens nicht f\u00fcr den Sch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche schwierigen B\u00fccher, anders schwierig als Fontane, empfehle ich jetzt dem jungen Mann? Am liebsten im Original auf Deutsch; mir fallen nur \u00dcbersetzungen ein. Kurz meine gelesenen B\u00fccher der letzten Jahre durchgesehen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Homer, Odyssee<\/li><li>Ted Chiang, Stories of Your Life and Others<\/li><li>Isak Dinesen, Seven Gothic Tales<\/li><li>Charlotte Bront\u00eb, Jane Eyre<\/li><li>Salomon H. Mosenthal, Erz\u00e4hlungen aus dem j\u00fcdischen Familienleben<\/li><li>Robert Menasse, Die Hauptstadt<\/li><li>Kazuo Ishiguro,  The Remains of the Day<\/li><li>Rudyard Kipling, Stalky &amp; Co<\/li><li> Ursula K. Le Guin,  The Left Hand of Darkness<\/li><li>Philip K. Dick, Do Androids Dream of Electric Sheep?<\/li><li>Martin Amis, Time&#8217;s Arrow<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ja, wenig auf Deutsch. Max Frisch?  Thomas-Mann-Novellen? Ich suche weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Empfehlungen aus den Kommentaren zusammengetragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez, Hundert Jahre Einsamkeit<\/li><li>Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini <\/li><li>Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter <\/li><li>Herta M\u00fcller: Atemschaukel <\/li><li>Sa\u0161a Stani\u0161i\u0107: Wie der Soldat das Grammofon repariert <\/li><li>Pia Ziefle: Suna <\/li><li>Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens <\/li><li>Stefan Zweig: Die Welt von Gestern <\/li><li>Arno Schmidt: KAFF auch Mare Crisium <\/li><li>Franz Kafka: Der Prozess <\/li><li>Jonathan Safran Foer <\/li><li>Christoph Hein <\/li><li>Raoul Schrott: Tristan da Cunha (Einsamste Insel der Welt, missgl\u00fcckter Roman r\u00fcckw\u00e4rts)   <\/li><li>Matthias Politycki: Der Herr der H\u00f6rner (Voodoo in Santiago de Chile; hierzu auch Hubert Fichte?) <\/li><li>Chris Kraus: Sommerfrauen, Winterfrauen (Subjektive Perspektive auf die Filmavantgarde der 80er Jahre in New York und anderswo)   <\/li><li>Josef Bierbichler: Mittelreich (Bayern Post 1945)  <\/li><li>Herbert Achternbusch: Die Atlantikschwimmer  <\/li><li>Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts (Post-DDR)  <\/li><li>Seiler: Kruso (Wende und Post-DDR)  <\/li><li>Thomas Hettche: Pfaueninsel (Vor-DDR Preu\u00dfen)  <\/li><li>Juri Brezan: Krabat oder Die Verwandlung der Welt (Sorbischer Mythos)   <\/li><li>Michael K\u00f6hlmeier: Das M\u00e4dchen mit dem Fingerhut (Minderj\u00e4hriges Fl\u00fcchtlingsm\u00e4dchen in Wien)  <\/li><li>Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste <\/li><li>Timoth\u00e9e de Fombelle: Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle.  <\/li><li>Robert Musil, Die verwirrungen des Z\u00f6glings T\u00f6rle\u00df <\/li><li>Marlen Haushofer, Die Wand <\/li><li>Gabriele Tergit: Effingers  <\/li><li>Andreas Moster: Wir leben hier, seit wir geboren sind (Wenn es ganz modern zugehen darf. Aber harter Stoff.) <\/li><li>Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege <\/li><li>Alexander Lernet-Holenia, Der Baron Bagge  <\/li><li>Karl Philipp Moritz: Anton Reiser. Grosse Empfehlung. <\/li><li>Gottfried Keller, Das Meretlein <\/li><li>Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus <\/li><li>G\u00fcnter Grass, Das Treffen in Telgte <\/li><li>Bettina Brentano: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde <\/li><li>Max Frisch, Homo Faber \/ Gantenbein \/ Montauk (keine \u201eguten\u201c B\u00fccher, aber mit Weltbild) <\/li><li>Fritz Zorn, Mars (siehe Frisch) <\/li><li>Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (siehe Frisch) <em>(Ich rate ab. Auch, weil zu Gemisch aus Fiction und Nonfiction. Herr Rau)<\/em><\/li><li>Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne <\/li><li>Albert Meyer, Berndeutsche Odyssee parallel zur klassischen deutschen \u00dcbersetzung <\/li><li>Walter Kempowski <\/li><li>Herbert Rosendorfer, Der Ruinenbaumeister<\/li><li> Steffen Mensching, Schermanns Augen<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(30 Kommentare.) Im Moment liest mein Kurs gerade Theodor Fontane, Irrungen, Wirrungen. Ein guter, nicht ausgelasteter Sch\u00fcler fragte mich danach, ob wir nicht mal etwas Schwierigeres lesen k\u00f6nnten. Leseempfehlungen gebe ich immer gerne, das geht hoffentlich allen Lehrern und Lehrerinnen so, insbesondere mit dem Fach Deutsch. Was hei\u00dft schwierig? Ist Irrungen, Wirrungen nicht schwierig genug? 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