{"id":1328,"date":"2008-04-28T19:15:49","date_gmt":"2008-04-28T17:15:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=1328"},"modified":"2008-04-28T19:19:43","modified_gmt":"2008-04-28T17:19:43","slug":"erster-sachbuecher-im-deutschunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/04\/erster-sachbuecher-im-deutschunterricht.htm","title":{"rendered":"Erster! (Sachb\u00fccher im Deutschunterricht)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/04\/erster-sachbuecher-im-deutschunterricht.htm#comments'>2 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Heute habe ich in der 9. Klasse eine <strong>Deutsch-Schulaufgabe<\/strong> geschrieben. (So hei\u00dft in Bayern ein benoteter angek\u00fcndigter schriftlicher Test.) Der Inhalt war ein Eintrag aus dem <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/09\/passigscholz-lexikon-des-unwissens.htm\"><strong>Lexikon des Unwissens<\/strong><\/a> von Kathrin Passig und Aleks Scholz. Damit bin ich hoffentlich <em>Erster!<\/em> was den Einsatz dieses Buch als Quelle f\u00fcr Schulaufgaben betrifft. (Wir hatten den Schualufgabentyp &#8222;Analyse eines Sachtexts&#8220; unter anderem an einem weiteren Eintrag aus dem Buch ge\u00fcbt.)<\/p>\n<p>In dem Eintrag ging es vor allem darum, dass man nicht genau wei\u00df, wie eigentlich Klebeband funktioniert. Zur Erkl\u00e4rung werden Geckos und van-der-Waals-Kr\u00e4fte herangezogen; beides kannten die Sch\u00fcler bereits aus dem Chemieunterricht der 9. Klasse. Das war Absicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Schulaufgabe habe ich zus\u00e4tzlich die Stunde eines Kollegen \u00fcbernommen und auch selber Aufsicht gef\u00fchrt. Der Kollege schaute trotzdem kurz im Klassenzimmer frei und bot an, mir eine Tasse Kaffee zu bringen. Das habe ich gern angenommen, schon mal um den Sch\u00fclern zu zeigen, dass sich auch Lehrer gegenseitig freundlich behandeln k\u00f6nnen. Mit dem Kaffee, schwarz, ohne Zucker, kam auch ein St\u00fcckchen Schokolade. Das war sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Nach 100 Minuten Schulaufgabenaufsicht hatt eich dann gleich nochmal 100 Minuten Aufsicht beim Abitur. Das erm\u00fcdet. Der Geschichts-LK hatte \u00fcbrigens ein deutlich h\u00f6heres Handy-pro-Kopf-Vorkommen als der Wirtschafts-LK. Das&#8230; ist eher unwichtig.<\/p>\n<p>&#8212; \u00dcberhaupt, <strong>Sachtexte im Unterricht<\/strong>. Diese Deutschklasse liest als n\u00e4chste <strong>Unterrichtslekt\u00fcre<\/strong> Andreas Eschbach, <strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-Buch-Zukunft-Andreas-Eschbach\/dp\/3499623579\">Das Buch der Zukunft<\/a><\/strong>. Das ist ein Sachbuch, im Lehrplan neben vielen weiteren Werken als m\u00f6gliche Lekt\u00fcre genannt. Nach einleitenden Kapiteln \u00fcber die Problematik von Voraussagen geht es in den meisten der folgenden 19 Kapitel jeweils um einen Aspekt unserer Zukunft: Internet, Raumfahrt, Energie, Klimawandel, Bev\u00f6lkerungsentwicklung, Altersstruktur. Nicht sehr in die Tiefe gehend, aber doch so, dass auch ich noch viel dabei erfahren habe. Die Erstausgabe erschien 2004, das Nachwort zur Taschenbuchausgabe 2007 f\u00fchrt schon die ersten Erg\u00e4nzungen und Kommentare an.<\/p>\n<p>Warum ein Sachbuch statt wie \u00fcblich <strong>Roman, Novelle oder Drama<\/strong>?  Zum einen, weil ich das noch nie gemacht habe. Zum anderen, weil ich vermute (und wissen m\u00f6chte, ob das stimmt), dass Sch\u00fcler daran mehr lernen k\u00f6nnen als an einer \u00fcblichen Deutschlekt\u00fcre. Ich mag die Zukunft und ich mag naturwissenschaftliches Denken.<\/p>\n<p>Ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr das Nachdenken \u00fcber Sachtexte war ein Moment beim <strong>Durchbl\u00e4ttern von Sch\u00fcleraufs\u00e4tzen<\/strong> vor ein paar Wochen. Es ging, mehr oder weniger, um Schulkleidung. Ein Sch\u00fcler schrieb, dass Schuluniformen eine zus\u00e4tzliche finanzielle Belastung f\u00fcr die Familie darstellten, dass sie teurer seien. Und begr\u00fcndete das schlecht und recht. Ein anderer Sch\u00fcler schrieb, dass Schuluniformen die Familie billiger k\u00e4men. Und begr\u00fcndete das schlecht und recht. Ein guter Deutschlehrer nickt zu beidem gleicherma\u00dfen bed\u00e4chtig, Hauptsache, das ist in jeweils vier Zeilen begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Nun haben viele Dinge zwei Seiten. Und vielleicht geh\u00f6rt zu diesen Dingen sogar die Frage, ob Schuluniformen teurer sind als Privatkleidung (genauer, f\u00fcr wen sie teurer sind und f\u00fcr wen nicht). <em>Manche<\/em> Dinge lassen sich aber prinzipiell beantworten, und vermutlich geh\u00f6rt die Frage nach der Schulkleidung dazu. Klar: Man muss wissen, wieviel Geld Haushalte f\u00fcr Kleidung ausgeben, muss wissen, wie teuer oder billig Schulkleidung sein kann. Man muss recherchieren, man muss Daten haben. Wir Deutschlehrer bringen den Sch\u00fclern bei, dass Daten nicht so wichtig sind, wenn man nur in sich schl\u00fcssig begr\u00fcnden kann. <\/p>\n<p>Sollen wir das? Ich sehe schon, ich muss mal wieder <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/07\/besser-argumentieren-koennen.htm\">Pirsig und Platon<\/a> lesen. (Pirsig war der mit <em>Zen &#038; the Art of Motorcycle Maintenance<\/em>. Ich hab&#8217;s vor f\u00fcnf oder sechs Jahren wiedergelesen. Hat sich sehr, sehr gut gehalten. <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Robert_M._Pirsig\">Wikipedia<\/a>.) <\/p>\n<p>Ich wei\u00df nat\u00fcrlich, dass das bei Er\u00f6rterungen schwer anders zu machen ist, so wie sie in der Schule gehalten werden &#8211; ohne echtes Interesse an einem selbst gew\u00e4hlten Thema, ohne Zeit zum Nachdenken, ohne die M\u00f6glichkeit zur Recherche. Bestenfalls liest man vorher ein paar eher oberfl\u00e4chliche Texte und erwartet, dass die Sch\u00fcler deren Inhalte auswendig gelernt haben. Manchmal l\u00e4sst man auch in der Schulaufgabe selber Texte als Grundlage verwenden. Das geht in die richtige Richtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2 Kommentare.) Heute habe ich in der 9. Klasse eine Deutsch-Schulaufgabe geschrieben. (So hei\u00dft in Bayern ein benoteter angek\u00fcndigter schriftlicher Test.) Der Inhalt war ein Eintrag aus dem Lexikon des Unwissens von Kathrin Passig und Aleks Scholz. 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