{"id":1370,"date":"2008-05-20T15:23:54","date_gmt":"2008-05-20T13:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=1370"},"modified":"2023-05-24T12:42:26","modified_gmt":"2023-05-24T10:42:26","slug":"enja-riegel-schule-kann-gelingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/05\/enja-riegel-schule-kann-gelingen.htm","title":{"rendered":"Enja Riegel, Schule kann gelingen!"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/05\/enja-riegel-schule-kann-gelingen.htm#comments'>11 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Enja Riegel kennt man zumindest dem Namen nach seit der internationalen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PISA-Studien\">PISA<\/a>-Studie von 2001, in der f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Sch\u00fcler aller Schularten unter anderem auf Lesef\u00e4higkeit, Mathematik und naturwissenschaftliches Denken gepr\u00fcft wurden. Inzwischen ist Enja Riegel pensioniert, aber damals leitete sie die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden (<a href=\"http:\/\/helene-lange-schule.templ2.evision.net\">Homepage<\/a>\/<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helene-Lange-Schule_%28Wiesbaden%29\">Wikipedia<\/a>). Die Schule ist nicht nur eine Gesamtschule, sondern sonst p\u00e4dagogisch sehr viel moderner und freier ist als die meisten anderen Schulen. (Und unter anderem eine Unesco-Projektschule, wobei ich mich noch nicht informiert habe, was das genau hei\u00dft.)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Urlaub habe ich ein Buch aus dem Jahr 2004 dazu gelesen, in dem die Schule vorgestellt wird:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"232\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/enjariegel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1374\" title=\"enjariegel\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die erste H\u00e4lfte hat mich etwas genervt. Zum einen musste ich erst einmal den Neid \u00fcberwinden, den ich versp\u00fcre, wenn jemand so tolle Sachen machen kann, macht, und damit so gro\u00dfen Erfolg hat. Da w\u00fcrde ich auch gerne mitmachen, denke ich, aber nat\u00fcrlich h\u00e4lt mich meine Tr\u00e4gheit in Wirklichkeit davon ab, auf die Suche nach einer solchen Schule zu gehen. Zum anderen ist der Tonfall einfach nicht der meine:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Zeig mir doch mal dein Heft.&#8220; Thomas, den der Lehrer, ohne dass die anderen es mitbekommen haben, nach der Stunde zu sich geholt hat, r\u00fchrt sich nicht.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So beginnt das Buch, und diese kleinen Anekdoten und Fallbeispiele im Pr\u00e4sens mag ich nicht. Aber das ist Geschmackssache. Ein weiteres meiner Probleme mit dem Buch ist, dass ich wohl nicht das Zielpublikum bin. All die praktischen und technischen Fragen, die ich mir als Lehrer in Bayern am Gymnasium unwillk\u00fcrlich stelle, wenn Riegel einzelne Projekte schildert, bleiben unbeantwortet.<br>Aber letztlich habe ich eingesehen, dass das Buch diese meine Fragen auch nicht beantworten will. Anders als der kleine St\u00f6rer auf dem eher h\u00e4sslichen Titelbild behauptet, ist es eben <em>nicht<\/em> &#8222;Eine konkrete Anleitung f\u00fcr bessere Schulen&#8220;. Sondern eine Beschreibung der Helene-Lange-Schule, nicht mehr, aber auch nicht weniger, mit gelegentlichen Ausfl\u00fcgen zur Geschichte der Schule und den Problemen, die bei der Umgestaltung der Schule zu bew\u00e4ltigen waren &#8211; zu wenig davon f\u00fcr meinen Geschmack. <em>Wie<\/em> man solche Reformen durchsetzt, das h\u00e4ngt aber auch von Fall zu Fall ab und ist in jeder Schulart, in jedem Bundesland, in jedem Kollegium anders. Riegel zeigt lediglich, wohin man kommen kann, wenn man nur will.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Konzept der Helene-Lange-Schule, so wie es in diesem Buch dargestellt wird und ich es verstanden habe, geh\u00f6ren neben vielen weiteren Punkten auch folgende Rahmenbedingungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Jeder Jahrgang (5-10) besteht aus vier Klassen mit jeweils 25 Sch\u00fclern.<\/li>\n\n\n\n<li>Jede Klasse hat ein eigenes Zimmer, das nicht von anderen Klassen mitbenutzt wird und in dem auch m\u00f6glichst oft die F\u00e4cher unterrichtet werden, die \u00fcblicherweise in Fachr\u00e4umen stattfinden.<\/li>\n\n\n\n<li>Jeder Jahrgang hat einen gemeinsamen Raum und ein gemeinsames kleines Lehrerzimmer.<\/li>\n\n\n\n<li>Jede Klasse wird von einem Team von 8-10 Lehrern unterrichtet, die m\u00f6glichst viel Zeit in dieser Klasse verbringen, also in m\u00f6glichst viel F\u00e4chern eingesetzt werden, oft auch fachfremd.<\/li>\n\n\n\n<li>Diese Lehrer bleiben auch in den folgenden Jahrgangsstufen bei dieser Klasse.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Stundentafel wird insofern ge\u00e4ndert, als alle Fachunterrichte Stunden abgeben; dieser Pool wird f\u00fcr offenes Lernen und Projektarbeit eingeplant.<\/li>\n\n\n\n<li>Projekte und deren Pr\u00e4sentation spielen eine gro\u00dfe Rolle im Schulleben.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Lehrerteams einer Klasse sprechen sich ab und machen einen themenorientierten Jahresplan.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Schule muss als Gesamtschule zwischen Leistungsgruppen differenzieren; dies geschieht nicht, wie eigentlich vorgesehen, in verschiedenen Kursgruppen, sondern durch Differenzierung im Unterricht (und zweierlei unterschiedlich schwierige Tests f\u00fcr die verschiedenen Sch\u00fcler).<\/li>\n\n\n\n<li>Die Sch\u00fcler putzen ihre R\u00e4ume selber. Und eben nicht wie bei uns halbscharig und weil der Sachaufwandstr\u00e4ger kein Geld f\u00fcr Putzpersonal hat &#8211; im Gegenteil, das Putzgeld l\u00e4sst sich die Schule von ihm auszahlen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Religionsunterricht findet nicht konfessionell getrennt statt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und was dergleichen Unm\u00f6glichkeiten mehr sind. Die Lehrer zeigen viel Einsatz, von Eltern wird das auch erwartet. Theater wird viel gespielt. Geld ist da, aber das verdient sich die Schule auch selber.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten, und das ist das, was ich von dem Buch vor allem mitnehme, gelten f\u00fcr diese \u00f6ffentliche Schule im Prinzip die gleichen Lehrpl\u00e4ne, Vorschriften, Erlasse wie f\u00fcr alle anderen Schulen. Manche davon muss man kreativ erf\u00fcllen, andere umgehen. Und das kann man anscheinend, wenn man will. Das Buch von Riegel sagt leider nicht, wie man dorthin kommt, wo die Helene-Lange-Schule ist, und auch das hat schlie\u00dflich zwanzig Jahre gedauert &#8211; aber es zeigt, <em>dass<\/em> es m\u00f6glich ist. Man muss wohl ein Ziel haben, auf das man nach und nach hinarbeitet. Man braucht die richtigen Lehrer und die richtige Schulleitung. Reinhard Kahl stellt in einem Nachwort Enja Riegel vor und beschreibt dabei auch andere Schulleitermodelle, die ich aus der Praxis, \u00e4hem, wiedererkannt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls geht mehr als man denkt. Selbst in Bayern k\u00f6nnen die Hindernisse nicht so viel un\u00fcberwindlicher sein als in Hessen. Also, bis auf das mit dem Religionsunterricht, versteht sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(11 Kommentare.) 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