{"id":1393,"date":"2008-05-25T18:00:31","date_gmt":"2008-05-25T16:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=1393"},"modified":"2023-05-31T07:23:02","modified_gmt":"2023-05-31T05:23:02","slug":"gw-dahlquist-the-glass-books-of-the-dream-eaters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/05\/gw-dahlquist-the-glass-books-of-the-dream-eaters.htm","title":{"rendered":"G.W. Dahlquist, The Glass Books of the Dream Eaters"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/05\/gw-dahlquist-the-glass-books-of-the-dream-eaters.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"151\" height=\"232\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/dahlquist_dream_eaters.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1394\" title=\"dahlquist_dream_eaters\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Urlaub gelesen, kleine Vorgeschichte dazu: Vor eineinhalb Jahren hatte ich noch den Penguin Podcast abonniert, und dort wurde <a href=\"http:\/\/thepenguinpodcast.blogs.com\/podcast\/2006\/10\/index.html\">in drei Folgen<\/a> dieses Buch vorgestellt &#8211; Alfred Molina las einige Abschnitte. Es war gerade mal nicht gut genug, als dass ich es damals bestellt h\u00e4tte, aber doch so spannend, dass ich es im Kopf behalten habe. Das lag zum einen am Podcast selber: Auch wenn ich H\u00f6rb\u00fccher eigentlich nicht mag, war das Zuh\u00f6r-Erlebnis bei den Abenteuern der nichtsahnenden Heldin, die sich &#8211; maskiert, heimlich, gefangen, entkommen &#8211; durch ein Anwesen mit Dienstboten, Labor, Operationsraum, geheimen Riten schleicht, doch sehr eindrucksvoll. Da ist mehr h\u00e4ngen geblieben als es nach blo\u00dfer Lekt\u00fcre der Fall gewesen w\u00e4re.<br>Zum anderen lag das an der Publikationsform: Die englische Ausgabe des Buches &#8211; anders als das amerikanische Original &#8211; wurde zuerst in zehn einzelnen Folgen ver\u00f6ffentlicht, die man abonnieren konnte. (<a href=\"http:\/\/treacledown.co.uk\/2007\/01\/11\/the-glass-books-of-the-dream-eaters-installments-reviewed\/\">Rezension<\/a> mit Fotos der <em>installments<\/em>.) Und das schien mir inhaltlich und von der Leseweise sehr zu diesem Roman zu passen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Roman ist &#8211; oder will sein &#8211; ein Schundroman auf hohem Niveau, ein Abenteuerroman, ein trivialer Rei\u00dfer des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts. Und er ist spannend, ich habe die 750 Seiten wirklich halbwegs atemlos gelesen. Der Klappentext wirft um sich mit Dickens, Sherlock Holmes, Rider Haggard, Buffy, Marquis de Sade und Poe. Passt nicht ganz. Alexandre Dumas und Jules Verne, das schon eher. Gar nicht genannt wird das f\u00fcr mich deutlich erkennbare Vorbild <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/League_of_extraordinary_gentlemen\">The League of Extraordinary Gentlemen<\/a> (das &#8211; \u00fcbersch\u00e4tzte &#8211; Comic, nicht die l\u00e4ppische Verfilmung).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben drei Helden, eine gro\u00dfe Verschw\u00f6rung, jede Menge <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Steampunk\">Steampunk<\/a>-Elemente, Gehirnkontrolle, Degenst\u00f6cke; st\u00e4ndig wird durch G\u00e4nge geschlichen und durch Schl\u00fcssell\u00f6cher geschaut &#8211; in Bibliotheken, Laboren, Schl\u00f6ssern, Kerkern, \u00fcber- und unterirdisch, dazu etwas arg aufgesetzte Erotik.<\/p>\n\n\n\n<p>Erz\u00e4hlperspektivisch interessant ist der Schauplatz &#8211; man geht automatisch davon aus, dass die Stadt London ist (Flu\u00df, Nebel, Droschken), auch wenn einem die Stra\u00dfennamen erst einmal unbekannt sind. Und nach und nach merkt man, dass nie der Name der Stadt genannt wird, nie ein bekannter Stra\u00dfenname auftaucht. Es gibt Deutschland, das Baltikum, normannische Architektur, eine alternde K\u00f6nigin, Herz\u00f6ge, aber nie f\u00e4llt das Wort &#8222;England&#8220; oder auch nur &#8222;Englisch&#8220;. Triviales Detail, aber f\u00fcr mich wars reizvoll.<br>Es gibt drei Helden und drei Perspektiven. Zuerst erleben wir die Abenteuer von Miss Temple mit, an deren vorl\u00e4ufigem Ende sie einem Mann im roten Mantel begegnet. Der ist der Held des zweiten Abschnittes, er trifft auf die Spuren von Miss Temple und in einer dramatisch Szene helfen er und ein Unbekannter sich gegenseitig. Der Unbekannte ist der Held des dritten Abschnittes, Dr Svenson. Das n\u00e4chste Gro\u00dfkapitel verbringen die Helden gemeinsam, stellen sich einander vor, tauschen Informationen aus. Und da wusste ich schon, dass sie sich gleich wieder aus nichtigen Gr\u00fcnden trennen w\u00fcrden &#8211; und so geschah es, bis sie erst wieder im letzten der zehn Abschnitte Seite an Seite stehen. Trotzdem, und das fand ich interessant, kriegt man ungef\u00e4hr mit, was die anderen Helden so treiben. Das eine Team st\u00f6\u00dft auf den blutbefleckten Mantel eines Mitstreiters im Gang, und man wei\u00df, dass man in n\u00e4chsten Abschnitt lesen wird, wie der dorthin gekommen ist. Es ist fast wie <em>Split Screen<\/em> im Film &#8211; eine Technik, die ich liebe, auch wenn mich die Serie <em>24<\/em>, in der das viel eingesetzt wird, kalt l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>An Fernsehserien dachte ich trotz des Fortsetzungscharakters des Buches nicht, sondern an Computerspiele. Ich konnte mir genau vorstellen, wie meine Spieleversion des Buches aussehen w\u00fcrde. Ein Ego-Shooter mit wechselnden Helden, je Abschnitt eine Teilmission, dazwischen cut scenes zum Schauplatzwechsel. Die Kapitel im Luftschiff vielleicht als taktisches RPG.<br>Die Helden laufen st\u00e4ndig durch Korridore und m\u00fcssen darauf achten, nicht entdeckt zu werden, k\u00f6nnen aber auch einfach nur beliebig viele Unterlinge niederkn\u00fcppeln. Die &#8211; nur ihren Dienst erf\u00fcllenden &#8211; Soldaten des Captain Smythe sollte man verschonen, also umgehen oder vorbeischleichen, damit einem beim Showdown gen\u00fcgend davon zur Seite stehen k\u00f6nnen, um zum n\u00e4chsten Level vorzur\u00fccken. \u00dcberhaupt, je mehr Leute man umbringt, desto empf\u00e4nglicher wird man f\u00fcr das geheimnisvolle blaue Glas in seinen verschiedenen Spielarten &#8211; als Pulver, als Karte, als Buch. (Angezeigt durch einen blauen Balken, wie das bei solchen Spielen gerne mal ist.) Deshalb sollte man sich da zur\u00fcckhalten. Zwischendurch sammelt man Gesundheitselixiere ein &#8211; es ist ohnehin nur durch diese zu erkl\u00e4ren, wie die Helden des Buchs all die K\u00e4mpfe und Jagden gegen weitaus m\u00e4chtigere Gegner \u00fcberstehen. Informationen und Gegenst\u00e4nde mit Hinweisen (Glasbuch, Glasschl\u00fcssel) sammelt man ebenso ein wie Waffen, und zwischendurch erf\u00e4hrt man von einem Nichtspielercharakter eine Zusammenfassung des Plots. Der ist im Buch \u00e4hnlich undurchschaubar wie in Computerspielen und bedarf der regelm\u00e4\u00dfigen Zusammenfassung.<br>Bleibt nur, und das ist wieder reizvoll, der Perspektivenwechsel. Wie kriegt man es hin, dass sich die Helden gegenseitig T\u00fcren aufschlie\u00dfen und Gegenst\u00e4nde bereitstellen, ohne dass sich sich \u00fcber den Weg laufen? Aber das kriegt man sicher auch hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Tage ist der zweite Band als Taschenbuch erschienen. Werde ich ihn lesen? Vermutlich. Aber erst wieder im Urlaub, wenn ich ihn als Sonderangebot sehe und Lesefutter brauche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Im Urlaub gelesen, kleine Vorgeschichte dazu: Vor eineinhalb Jahren hatte ich noch den Penguin Podcast abonniert, und dort wurde in drei Folgen dieses Buch vorgestellt &#8211; Alfred Molina las einige Abschnitte. 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