{"id":1404,"date":"2008-06-10T21:44:50","date_gmt":"2008-06-10T19:44:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=1404"},"modified":"2008-06-10T21:44:50","modified_gmt":"2008-06-10T19:44:50","slug":"vom-eroertern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/06\/vom-eroertern.htm","title":{"rendered":"Vom Er\u00f6rtern"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/06\/vom-eroertern.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Gestern habe ich mir den aktuellen (und demnach vorl\u00e4ufigen) Deutsch-Lehrplan f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Jahre genauer angeschaut. F\u00fcr die schriftlichen Aufgaben gibt es immer noch die <strong>zwei Hauptstr\u00e4nge<\/strong>, die sich von der Unterstufe bis zum Abitur durchziehen: Das <strong>Interpretieren<\/strong> und das <strong>Er\u00f6rtern<\/strong>.<\/p>\n<p>Der erste Strang beginnt mit der einfachen Textzusammenfassung, hei\u00dft im Jahr darauf Inhaltsangabe, dann Erweiterte Inhaltsangabe &#8211; weil bei dieser noch Zusatzfragen dazukommen, zum Beispiel zu Erz\u00e4hlperspektive, Stilmittel oder Gattungsmerkmalen. Dieser Zusatzteil wird immer wichtiger, bis die eigentliche Inhaltszusammenfassung nur noch ein kleiner Teil der Interpretation beziehungsweise Analyse ist. <\/p>\n<p>Das Er\u00f6rtern beginnt mit der <strong>Begr\u00fcndeten Stellungnahme<\/strong>, hei\u00dft danach Er\u00f6rtern &#8211; und zwar zuerst in Form einer <strong>steigernden<\/strong> (auch: linearen) Er\u00f6rterung. Der liegt eine Entscheidungsfrage zugrunde: Soll mann&#8230;? Was spricht f\u00fcr&#8230;?<br \/>\nDann kommt die <strong>antithetische<\/strong> (auch: pro-kontra) Er\u00f6rterung. Argumente f\u00fcr beide Seiten einer Frage werden angef\u00fchrt.<br \/>\nUnd im G9-Lehrplan gab es auch noch eine <strong>dialektische<\/strong> Er\u00f6rterung (auch: Problemer\u00f6rterung). Die ist m\u00f6glicherweise aus dem G8-Lehrplan verschwunden, zumindest taucht dort das Wort &#8222;dialektisch&#8220; nicht mehr auf, nur noch noch &#8222;antithetisch&#8220;. Dialektik hei\u00dft: Synthese, und ein Thema zu finden, das sich f\u00fcr echte Dialektik eignet, war schwer, und viele Deutschlehrer haben es auch nicht versucht &#8211; und die meisten Sch\u00fcler waren damit ohnehin \u00fcberfordert.<br \/>\nZu h\u00e4ufig waren Aufs\u00e4tze mit quasi-dreigliedrigem Aufbau: Zuerst ein Block mit Pro-Argumenten, dann einer mit Kontra-Argumenten, und dann in der Gliederung eine einzelne Zeile, die dann auch noch &#8222;eigene Meinung&#8220; hie\u00df. Grrr. Eines meiner pet peeves. <em>Alles<\/em> in der Er\u00f6rterung sollte eigene Meinung sein, denke ich. Sonst m\u00fcsste man ja l\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Themen m\u00fcssen nat\u00fcrlich so gew\u00e4hlt sein, dass Sch\u00fcler die &#8211; tats\u00e4chlich vorhandenen &#8211; Argumente f\u00fcr beide Seiten nachvollziehen k\u00f6nnen. Dass dabei die einen Argumente \u00fcberzeugender sein k\u00f6nnen als die anderen, ist selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>&#8212; In der 9. Klasse machen meine Sch\u00fcler gerade die antithetische Er\u00f6rterung, und ich habe versucht, ihnen das zu erkl\u00e4ren.<br \/>\nDabei kam ein interessanter Punkt zum Vorschein: Eine Sch\u00fclerin brachte als Beispiel die Argumente f\u00fcr oder gegen ein Haustier. Das Argument der Mutter: &#8222;Haustiere machen zu viel Arbeit&#8220; k\u00f6nne man doch nicht selber schreiben, ohne zu l\u00fcgen. Der Meinung k\u00f6nne man doch nicht sein, wenn man ein Haustier will.<\/p>\n<p>Und das stimmt. In dieser Formulierung ist das n\u00e4mlich auch kein gutes Argument f\u00fcr eine Er\u00f6rterung. Denn diesem Argument kann man tats\u00e4chlich nicht viel entgegensetzen.<br \/>\nRichtig muss es in der Er\u00f6rterung hei\u00dfen: &#8222;Haustiere machen viel Arbeit&#8220;. Ohne &#8222;zu&#8220;. <em>Das<\/em> ist eine Aussage, mit der beide Seiten leben k\u00f6nnen. Und sie stimmt ja auch. Ob es zu viel Arbeit ist, das ist aber tats\u00e4chlich Ansichtssache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Gestern habe ich mir den aktuellen (und demnach vorl\u00e4ufigen) Deutsch-Lehrplan f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Jahre genauer angeschaut. F\u00fcr die schriftlichen Aufgaben gibt es immer noch die zwei Hauptstr\u00e4nge, die sich von der Unterstufe bis zum Abitur durchziehen: Das Interpretieren und das Er\u00f6rtern. 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