{"id":1443,"date":"2008-07-13T16:47:59","date_gmt":"2008-07-13T14:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=1443"},"modified":"2008-07-13T20:48:28","modified_gmt":"2008-07-13T18:48:28","slug":"michael-winterhoff-warum-unsere-kinder-tyrannen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/07\/michael-winterhoff-warum-unsere-kinder-tyrannen-werden.htm","title":{"rendered":"Michael Winterhoff, Warum unsere Kinder Tyrannen werden"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/07\/michael-winterhoff-warum-unsere-kinder-tyrannen-werden.htm#comments'>54 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Warum-unsere-Kinder-Tyrannen-werden\/dp\/3579069802\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1215851748&#038;sr=8-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float:left; margin-right:10px;\"  src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/winterhoff_tyrannen.jpg\" alt=\"\" title=\"winterhoff_tyrannen\" width=\"130\" height=\"205\" class=\"alignnone size-full wp-image-1444\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mir hat das Buch weniger gebracht als <a href=\"http:\/\/croco.myblog.de\/croco\/art\/269607116\/Lesebefehl\">Croco<\/a>, \u00fcber die ich darauf gekommen bin. Vielleicht bin ich durch die Lekt\u00fcre <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/06\/kognitive-dissonanz.htm\">meines letzten Sachbuchs<\/a> verw\u00f6hnt, aber ich vermisse Quellenangaben, Fu\u00dfnoten, einen Index und eine Bibliographie. Vielleicht kann man das von einem Buch mit gro\u00dfer Zielgruppe nicht erwarten, aber f\u00fcr mich ist das ein Zeichen, dass ich nicht Teil der Zielgruppe bin.<\/p>\n<p>Diese fehlenden Teile kann ich verschmerzen, aber nicht die Tatsache, dass Winterhoffs Thesen auch sonst durch keinerlei andere Quellen unterst\u00fctzt werden &#8211; keine Forschungsergebnisse, keine wissenschaftlichen Untersuchungen, keine Fachkollegen. Er mag durchaus Recht haben, aber seine Ansichten bleiben blo\u00dfe Meinung, unterst\u00fctzt lediglich durch anekdotische Erfahrungen aus der eigenen Praxis. Es scheint tats\u00e4chlich niemand anderen zu geben, der den Ernst der Lage so erkannt hat wie Winterhoff: &#8222;Mein Ansatz [&#8230;] ist die einzige M\u00f6glichkeit, diesen Trend sinnvoll zu analysieren und Strategien zu entwickeln&#8220;. Einzige M\u00f6glichkeiten machen mich skeptisch. Winterhoff ist au\u00dferdem Psychiater und bem\u00fcht Freud. Ich glaube nicht sehr an Freud. <\/p>\n<p>Die Grundthese des Buches, wenn ich es richtig verstanden habe: Kinder heutzutage wachsen nicht kindgerecht auf, die Entwicklung ihrer Psyche wird beeintr\u00e4chtigt, und danach helfen auch keine neumodischen Erziehungs- und Unterrichtsmethoden mehr.<br \/>\nDie Entwicklung der Psyche ist kein Reifungsprozess, der unabh\u00e4ngig vom Verhalten der Umwelt  stattfindet. Falsche Beziehungsmodelle zwischen erziehenden Erwachsenen (Eltern, Kindergarten, Schule) und Kindern f\u00fchren zu Fehlentwicklung der Psyche. Diese Modelle sind: Partnerschaft, Projektion und Symbiose.<\/p>\n<p>Partnerschaft hei\u00dft, dass man dem Kind zu fr\u00fch Entscheidungen zumutet, die es nicht leisten kann. Dass man mit dem Kind alles diskutiert und es das Recht hat, alles erkl\u00e4rt zu bekommen, statt das man einfach mal sagt: <em>Das ist nun mal so.<\/em><br \/>\nDas sehe ich auch so. Als Lehrer bin ich nicht der Partner der Sch\u00fcler, habe andere Pflichten und andere Rechte, und das sollte den Sch\u00fclern klar sein. Manche Entscheidungen treffe ich, auch ohne Diskussion, andere nach und nach mit den Sch\u00fclern. <\/p>\n<p>Projektion: Man holt sich seine Best\u00e4tigung durch die Kinder. Die Gesellschaft gibt dem Lehrer nicht genug Liebe, und die Eltern sind durch die moderne technische Welt \u00fcberfordert (wie es sich etwa beim Bestellen eines Telefons zeigt, was heute viel komplexer ist als noch zu Bundespostzeiten): Deshalb  holen die sich die Liebe vom Kind ab.<br \/>\nAuch hier leuchtet mir Winterhoff ein; Aufgabe des Lehrers ist nicht, gemocht zu werden. Allerdings kann ich seine Begr\u00fcndungen nicht nachvollziehen, und ich wei\u00df nicht, ob diese Projektion wirklich so verbreitet ist, wie er sagt. Gl\u00fccklicherweise habe ich mit der modernen Technik keine Schwierigkeiten und kriege genug Liebe zu Hause.<\/p>\n<p>Nachvollziehbar ist der Gedanke, dass man sich gegen\u00fcber Menschen anders verh\u00e4lt als zu Gegenst\u00e4nden. Und dass Kleinkinder erst lernen m\u00fcssen, dass ein Stuhl etwas anderes ist als ein Onkel: Das eine darf man aus dem Weg schieben, das andere nicht; das eine hat keine Gef\u00fchle, das andere schon. Diese Unterscheidung scheint tats\u00e4chlich nicht immer ausreichend ausgepr\u00e4gt zu sein.<\/p>\n<p>Vielleicht hat Winterhoff mit seiner Meinung Recht. Aber mit seinen dramatischen Warnungen und den flachen Erkl\u00e4rungen (siehe Telefon) \u00fcberzeugt er mich nicht. Zwanzig Seiten wissenschaftlicherer Prosa w\u00e4ren mir leiebr gewesen.<\/p>\n<p><em>Nachtrag: Diskussion dar\u00fcber auch in der <a href=\"http:\/\/markusmaerkl.wordpress.com\/2008\/07\/07\/immer-mehr-kinderpsychiater-muss-zum-arzt\/\">Sprechstunde<\/a>.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(54 Kommentare.) Mir hat das Buch weniger gebracht als Croco, \u00fcber die ich darauf gekommen bin. Vielleicht bin ich durch die Lekt\u00fcre meines letzten Sachbuchs verw\u00f6hnt, aber ich vermisse Quellenangaben, Fu\u00dfnoten, einen Index und eine Bibliographie. 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