{"id":15,"date":"2004-05-10T17:38:33","date_gmt":"2004-05-10T15:38:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/homer-die-odyssee.htm"},"modified":"2023-05-28T17:28:34","modified_gmt":"2023-05-28T15:28:34","slug":"homer-die-odyssee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/homer-die-odyssee.htm","title":{"rendered":"Homer, Die Odyssee"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/homer-die-odyssee.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<blockquote class=\"wp-block-quote scroll is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzo entbl\u00f6\u00dfte sich von den Lumpen der weise Odysseus,<br>Sprang auf die hohe Schwell&#8216;, und hielt in den H\u00e4nden den Bogen<br>Samt dem gef\u00fcllten K\u00f6cher; er go\u00df die gefiederten Pfeile<br>Hin vor sich auf die Erd&#8216;, und sprach zu der Freier Versammlung:<br>Diesen furchtbaren Kampf, ihr Freier, hab&#8216; ich vollendet!<br>Jetzo w\u00e4hl&#8216; ich ein Ziel, das noch kein Sch\u00fctze getroffen,<br>Ob ich&#8217;s treffen kann, und Apollon mir Ehre verleihet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprach&#8217;s, und Antinoos traf er mit bitterm Todesgeschosse.<br>Dieser wollte vom Tisch das zweigehenkelte sch\u00f6ne<br>Goldne Geschirr aufheben, und fa\u00dft&#8216; es schon mit den H\u00e4nden,<br>Da\u00df er tr\u00e4nke des Weins; allein von seiner Ermordung<br>Ahnet&#8216; ihm nichts: und wer in der schmausenden M\u00e4nner Gesellschaft<br>H\u00e4tte geglaubt, da\u00df einer, und wenn er der Tapferste w\u00e4re,<br>Unter so vielen es wagte, ihm Mord und Tod zu bereiten!<br>Aber Odysseus traf mit dem Pfeil ihn grad&#8216; in die Gurgel,<br>Da\u00df im zarten Genick die Spitze wieder hervordrang.<br>Und er sank zur Seite hinab; der Becher voll Weines<br>St\u00fcrzte dahin aus der Hand des Erschossenen; und aus der Nase<br>Sprang ihm ein Strahl dickstr\u00f6mendes Bluts. Er w\u00e4lzte sich zuckend,<br>Stie\u00df mit dem Fu\u00df an den Tisch, und die Speisen fielen zur Erde;<br>Brot und gebratenes Fleisch ward blutig. Aber die Freier<br>Schrien laut auf im Saale, da sie den St\u00fcrzenden sahen,<br>Sprangen empor von den Thronen, und schw\u00e4rmten wild durcheinander,<br>Schaueten ringsumher nach den sch\u00f6ngemauerten W\u00e4nden:<br>Aber da war kein Schild und keine m\u00e4chtige Lanze!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Aus dem 22. Gesang, \u00dcbersetzung von Johann Heinrich Vo\u00df)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Tagen habe ich die Odyssee gelesen. Ausl\u00f6ser war nicht die Ilias-Verfilmung von Petersen mit Brad Pitt, sondern ein episches Gedicht, das mir seit langem im Kopf herumgeht: Die <a href=\"http:\/\/www.anitra.net\/commonwealth\/alamo.html\">Schlacht um die Alamo als germanisches Heldengedicht<\/a> (aus dem Roman <i>Silverlock <\/i>von John Myers Myers).<br>Epischer Stimmung griff ich zur Odyssee, und zwar zur Prosa-\u00dcbersetzung von Wolfgang Schadewaldt, aus der ich lediglich aus Urherberrechtsgr\u00fcnden weniger zitieren m\u00f6chte als aus dem Vo\u00df.<br>Es hat Spa\u00df gemacht, das Buch zu lesen, auch \u00fcber den Reiz hinaus, vor sich selber mit Homer angeben zu k\u00f6nnen. Wenn ich m\u00fcde war, musste ich mich sehr konzentrieren, um gut lesen zu k\u00f6nnen; war ich wach, hatte ich bald vergessen, welche unvertraute Sprache ich da las: So \u00e4hnlich, wie man bei Filmen in der Fremdsprache die Untertitel gar nicht mehr als solche wahrnimmt. Noch sch\u00f6ner als Lesen muss es aber sein, sich die Odyssee vortragen zu lassen. Wie man oben sieht, sind einige Stellen wundersch\u00f6n detailliert und voller lebendiger Einzelheiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Zitate aus der Prosa\u00fcbesetzung von Wolfgang Schadewaldt.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Sch\u00f6ne Bilder:<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Mein Kind, welch Wort entfloh dem Gehege deiner Z\u00e4hne?&#8220; (1, p. 8, Zeus zu Athene)<br>&#8222;Mein Kind! welch Wort entfloh dem Gehege deiner Z\u00e4hne!&#8220; (23, p. 298, Eurykleia zu Penelopeia)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So auch: Athene zu Telemachos, Eurykleia zu Odysseus. Das ist doch viel anschaulicher, als das blo\u00dfe &#8222;kam \u00fcber die Lippen&#8220;, wie es bei Vo\u00df hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Gefl\u00fcgelte Worte<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der w\u00f6rtlichen Rede gibt es das die Rede einleitende Verb gerne mal doppelt: &#8222;Sprach und benannte das Wort&#8220;. Oft sind es aber auch Einzelformen, mein Favorit &#8222;sprach zu ihr die gefl\u00fcgelten Worte&#8220;. Das kann ich mir richtig gut vorstellen, wie Comic-Sprechblasen mit kleinen Fl\u00fcgelchen dran.<br>Dann bin ich auf diese Stellen gesto\u00dfen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;So sprach er. Der aber blieb die Rede unbefl\u00fcgelt&#8220; (17, p. 220) (Telemachos und Peneleopeia)<br>&#8222;So sprach er. Ihr aber blieb die Rede unbefl\u00fcgelt&#8220; (19, p.246) (Telemachos und die Pflegerin Eurykleia)<br>&#8222;So sprach er, ihr aber blieb die Rede unbefl\u00fcgelt.&#8220; (21, p. 281) (Odysseus und die Pflegerin Eurykleia)<br>&#8222;So rief er. Der aber blieb die Rede unbefl\u00fcgelt&#8220; (22, p.294 ~V. 398) (Telemachos und die Pflegerin Eurykleia)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Ich z\u00e4hle die Stellen nur deshalb auf, weil ich zutiefst organisierungssinnig bin &#8211; und gerne endlich die Einmerk-Zettelchen aus dem Homer nehmen m\u00f6chte. Die Seitenzahlen beziehen sich auf meine Insel-Ausgabe, die leider die Verse nicht genau mitz\u00e4hlt.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ah ja. Hei\u00dft das jetzt, dass in den angesprochenen Frauen die Rede schon vorhanden war, aber eben unbefl\u00fcgelt, und deshalb nur nicht herauskam zum anderen? Unbefl\u00fcgelte Rede entspricht Gedanken; kriegen sie Fl\u00fcgel, werden W\u00f6rter daraus?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Sandman<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Denn zwiefach sind die Tore der wesenlosen Tr\u00e4ume. Die einen sind aus Horn gefertigt, die anderen aber von Elfenbein. Und welche nun von den Tr\u00e4umen kommen aus dem ges\u00e4gten <i>Elfenbein<\/i>, die <i>\u00e4ffen rein<\/i>, indem sie unerf\u00fcllbare Worte bringen. Doch die da ausgehen aus dem gegl\u00e4tteten <i>Horn<\/i>, die sind zur Wahrheit <i>auserkoren<\/i>, wenn einer der Sterblichen sie sieht.&#8220; (19, p. 259f)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Daher <\/i>also die Tore aus Horn und Elfenbein bei Neil Gaimans Sandman-Comic. Im Original wohl auch ein Wortspiel, ich selber bin des Griechischen ja nicht so recht m\u00e4chtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Zuletzt<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt wei\u00df ich endlich, wo der Witz herkommt, der mich seit Jahren plagt: Ein Seemann mit einem Ruder auf dem R\u00fccken, das eine Landratte als solches nicht erkennt. Nach seiner Heimkehr soll Odysseus mit einem geschulterten Ruder n\u00e4mlich solange landeinw\u00e4rts laufen, bis man ihn fragt, was das denn eigentlich f\u00fcr ein Teil sei. Und <i>da<\/i> soll er dann dem Poseidon opfern.<br>Was ich allerdings nicht mehr wei\u00df: Warum ich diese Anekdote mit mir herumtrage, nach ihrer Quelle suche. Ich muss sie irgendwo mal gelesen haben, vielleicht sogar mit einem Bezug zu Homer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) 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