{"id":18216,"date":"2021-04-19T21:43:57","date_gmt":"2021-04-19T19:43:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=18216"},"modified":"2023-06-09T11:54:35","modified_gmt":"2023-06-09T09:54:35","slug":"vergnuegliche-stunden-in-der-schule-fuer-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/04\/vergnuegliche-stunden-in-der-schule-fuer-mich.htm","title":{"rendered":"Vergn\u00fcgliche Stunden in der Schule (f\u00fcr mich)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/04\/vergnuegliche-stunden-in-der-schule-fuer-mich.htm#comments'>15 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><strong>Englische Konversation, 11. Klasse, heute: <\/strong>Eigentlich schob ich nur kurz ein, dass viele Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen, die ansonsten eher britisches Englisch sprechen, das intervokalische [t] lenisiert aussprechen, also fast wie ein [d]. Das hei\u00dft, sie sprechen &#8222;hot&#8220; [h\u200b<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerundeter_offener_Hinterzungenvokal\">\u200b\u200b<\/a>\u0252t\u200b] aus und &#8222;hotter&#8220; [&#8218;h\u0252d\u0259] &#8211; das st\u00f6\u00dft mir jedesmal auf. Das gibt es im amerikanischen Englisch, ja. Aber der Vokal ist ist bei den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen nicht zum amerikanischen [a] geworden. Also kurze Wiederholung zu stimmhaften und stimmlosen Konsonanten und zu Auslautverh\u00e4rtung &#8211; dem Ph\u00e4nomen, dass urspr\u00fcnglich stimmhafte Konsonanten am Wortende stimmlos werden, so dass sich &#8222;Pferd&#8220; auf &#8222;Wert&#8220; reimt, aber eben nicht &#8222;Pferde&#8220; auf &#8222;Werte&#8220;. Das befolgen Deutschsprechende erst einmal auch, wenn sie Englisch reden, wo es das Ph\u00e4nomen nicht so gibt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sch\u00fcler meinte dann, in England w\u00fcrden die doch eh alle [&#8218;h\u0252\u0294\u0259] sagen, also mit einem glottalen Plosiv, <em>glottal stop, <\/em>Glottisschlag. Deshalb weiter: Nein,  vor allem und typisch in S\u00fcdlondoner Akzent, aber auch im Aussterben begriffen. Aber der Glottisschlag ist so ein interessanter Laut, da holte ich mir die Erlaubnis zum Ausholen. <\/p>\n\n\n\n<p>Den Laut gibt es im Deutschen auch, sogar h\u00e4ufig. Wir haben aber keinen Buchstaben daf\u00fcr. Zwischen &#8222;be-inhalten&#8220; und &#8222;Spiegel-ei&#8220; ist dieser Laut, und zwischen &#8222;hin-auf&#8220; &#8211; au\u00dfer man sagt &#8222;hi-nauf&#8220;, was inzwischen sicher h\u00e4ufiger ist. Aber auch zwischen nicht zusammengesetzten W\u00f6rter steht vor einem Vokal oft dieser Laut: zwischen &#8222;mein Auto&#8220; &#8211; au\u00dfer man sagt &#8222;mei-Nauto&#8220;. Das ist empfohlen, wie auch ge\u00fcbte Vielsprecher einen Halbvokal wie [w] oder [j] als gleitenden Einstieg in einen Vokal w\u00e4hlen, eben um den Knacklaut zu vermeiden, der auf Dauer nicht gut f\u00fcr die Stimmb\u00e4nder ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Aussprache von &#8222;Sch\u00fcler:innen&#8220; oder &#8222;Sch\u00fclerInnen&#8220; ist mit diesem Knacklaut kein Problem &#8211; man darf ja gerne dagegen sein, aber bitte nicht mit dem Argument, das k\u00f6nne man ja nicht aussprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Wort-Abtrennungen wie &#8222;mei-Nauto&#8220; gab es im Englischen auch, so dass &#8222;a nadder&#8220; (die deutsche Natter) zu &#8222;an adder&#8220; wurde und &#8222;an eke name&#8220; (ein, uh, auch-er Name) zu &#8222;a nickname&#8220;. Aber, was hat &#8222;eke&#8220; mit &#8222;auch&#8220; zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Also gut, schnell noch 2. Lautverschiebung und danach auf Wunsch auch noch die 1. eingeschoben. Grimm kennen sie gerade eh aus der Romantik. Das kann ich alles auswendig, und fr\u00fcher war die indoeurop\u00e4ische Sprachfamilie sogar mal Stoff in der 8. Klasse. Vor der kompetenzorientierten Entschlackung der Lehrpl\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deutsch, Q11:<\/strong> In der darauf folgenden Doppelstunde ging es um E.T.A. Hoffmann, &#8222;Der Sandmann&#8220;. Ich hatte eh schon etwas zur Motivgeschichte vorbereitet, angefangen mit Hypnos und Morpheus. Aber ein mythologisch interessierter Sch\u00fcler kam mir zuvor: Er hatte gelesen, dass in der <em>germanischen<\/em> Mythologie Schlaf und Traum als Sendboten galten, und das Wort Sandmann von &#8222;Sendbote&#8220; komme. Ich \u00e4u\u00dferte Skepsis, fand dazu aber zwei Zeilen auf Wikipedia (ohne weitere Quelle). Aber immerhin. Ich blieb bei meiner Skepsis, bat den Sch\u00fcler, das weiter zu recherchieren. <\/p>\n\n\n\n<p><s>Am 10. April 2010 erweiterte der Nutzer &#8222;Jbergner&#8220; den Beitrag &#8222;Sandmann&#8220; unter anderem um folgende Zeilen:<\/s> <em>(nein, aber so \u00e4hnlich jedenfalls):<\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>F\u00fcr die [[Germanen]] waren der Schlaf und der Tod Geschwister. Beide wurden als &#8220;Sandmann&#8220; (&#8220;Sendbote&#8220;) bezeichnet.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und seitdem steht das da wohl so. Der Text hat sich nur wenig ver\u00e4ndert bis heute; es finden sich etliche Stellen im Web, die das gleiche behaupten &#8211; aber nie mehr, und nie mit genaueren Quellenangaben, so dass ich vermute, dass die alle  auf eine einzige Quelle zur\u00fcckgehen, n\u00e4mlich Wikipedia. Und die wiederum geht vielleicht zur\u00fcck auf Hans-J\u00fcrgen M\u00f6ller, <em>Psychiatrie und Psychotherapie<\/em>, Ausgabe von 2005, S. 295 &#8211; da steht, ganz nebenbei, das mit den Sendboten. Diese Quelle fand und schickte mir der Sch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich bin ich kein Experte, und nat\u00fcrlich ist es so, dass Lehrkr\u00e4fte  vielleicht zu oft davon ausgehen, dass etwas, das sie nicht kennen, gar nicht stimmen kann. Und doch bleibe ich bei meiner Skepsis. Im Sandmann-Beitrag in der <em>Enzyklop\u00e4die des M\u00e4rchens<\/em> (15 Bd.) habe ich nichts dazu gefunden; wenn man im Web auf Englisch sucht, findet man gar keine solche Behauptungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Sch\u00fcler und ich, wir recherchieren weiter, und vielleicht findet sich ja jemand, der sich in germanischer Mythologie auskennt &#8211; und in der Etymologie von &#8222;Sandmann&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(15 Kommentare.) Englische Konversation, 11. 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