{"id":18635,"date":"2021-06-07T17:09:43","date_gmt":"2021-06-07T15:09:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=18635"},"modified":"2021-08-07T13:28:10","modified_gmt":"2021-08-07T11:28:10","slug":"der-it-imperativ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/06\/der-it-imperativ.htm","title":{"rendered":"Der IT-Imperativ"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/06\/der-it-imperativ.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hessen stellt f\u00fcr das Abitur in Informatik in Java Namenskonventionen auf: <a href=\"https:\/\/arbeitsplattform.bildung.hessen.de\/fach\/informatik\/bezeichner.html\">Java-Styleguides der Abiturkommission<\/a>, orientiert an anderen Konventionsgebern. Vieles davon ist sinnvoll. Aber an folgende, auch in Bayern verbreitete Regelung halte ich mich schon einmal nicht:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Attributnamen beginnen im Englischen immer mit einem Kleinbuchstaben und im Deutschen mit einem Gro\u00dfbuchstaben, da sonst gegen die Lesegewohnheiten versto\u00dfen wird. Ich erg\u00e4nze: da sonst auch gegen die Rechtschreibung versto\u00dfen wird. Im Deutschen beginnen Substantive wie Alter, Gehalt und Verbrauch mit einem Gro\u00dfbuchstaben. Im Informatikunterricht diese mit Kleinbuchstaben beginnen zu lassen, ist im Sinne des sprachsensiblen Fachunterrichts vollkommen kontraproduktiv.<\/p><cite>via Twitter: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/a_siebel\/status\/1401618841533358084\">https:\/\/twitter.com\/a_siebel\/status\/1401618841533358084<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Attributsbezeichner haben auch im Deutschen einen Kleinbuchstaben vorn, in Java und in Python. Warum: m\u00fc\u00dfig. Ich habe auch nichts dagegen, wenn andere das anders machen, aber dann bitte mit legitimen Begr\u00fcndungen. Das mit der Rechtschreibung und dem sprachsensiblen Fachunterricht halte ich f\u00fcr Humbug. Dass diese Nichtsprachler immer meinen, f\u00fcr ihren v\u00f6llig legitimen Geschmack fachwissenschaftliche Argumente heranziehen zu m\u00fcssen. Die Richtlinien gehen dann ja auch so weiter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Operationsnamen beginnen in der Regel mit einem Verb, gefolgt von einem Substantiv, z. B. <code>zeigeFigur, leseAdresse<\/code> und hei\u00dfen <code>getAttributname<\/code> bzw. <code>setAttributname<\/code>, wenn nur ein Attributwert eines Objektes gelesen bzw. gespeichert wird. Wenn eine Operation mehr macht als nur Attributwerte zu lesen oder zu speichern, wird <code>get<\/code> bzw. <code>set<\/code> durch z. B. <code>gib<\/code> und <code>setze<\/code> ersetzt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgesehen von dem get-gib-Mischmasch sagt der sprachsensibel Unterrichtende in mir: Der Imperativ Singular von &#8222;lesen&#8220; ist &#8222;lies&#8220;. Es m\u00fcsste hei\u00dfen, wenn man hier Richtigkeit einfordert, <code>liesAdresse<\/code>. Klar ist hier nur von Verben die Rede, ohne eine bestimmte Form des Verbs zu nennen &#8211; aber in allen Beispielen und in der Konvention geht es immer um den Imperativ Singular &#8211; gelegentliche Hilfsverben allerdings in der 3. Person. Die Form &#8222;lese&#8220; ist, hm, vielleicht Konjunktiv I? Im Spanischen wird zumindest bei der verneinten Befehlsform das Konjunktiv-\u00c4quivalent verwendet, das w\u00e4re also schon denkbar. Aber wahrscheinlich ist es einfach so, dass sich der urspr\u00fcngliche Konjunktiv des starken Verbs &#8222;lesen&#8220; der Form eines schwachen Verbs ann\u00e4hert. So wie: <em>H\u00f6ren\/h\u00f6r(e), springen\/spring(e), setzen\/setz(e), zeigen\/zeig(e) <\/em> &#8211; und dann eben auch <em>lesen\/lese.<\/em> Aber nie &#8222;lese&#8220;, komisch. Etwas stabiler sind \u00e4hnlich starken Verben <em>geben<\/em> und <em>nehmen<\/em> &#8211; obwohl da der Konjunktiv des Kochbuchs auch schon imperativische Bedeutung hat: &#8222;man nehme&#8220;, und &#8222;gebe Antwort&#8220; habe ich sicher auch schonb \u00f6fter gelesen, n\u00e4mlich: in der IT.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich gebe n\u00e4mlich der IT die Schuld. Da lese ich n\u00e4mlich, wie im Beispiel oben, fast nur von &#8222;lese&#8220; &#8211; lese die Anleitung, lese auf Seite 4 nach, auch auf schlecht \u00fcbersetzten GUI-Buttons steht dann mitunter mal &#8222;lese&#8220;. Fehlt nur noch eine Kampagne: &#8222;Lese \u00f6fter mal ein Buch!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tats\u00e4chlich habe ich mit dem Sprachwandel an sich kaum ein Problem. Und gerade starke Verben nehmen immer mehr schwache Konjugationsmuster an, es gibt sehr viele Mischformen. Und so ist heutzutage, vielleicht, der Imperativ von &#8222;lesen&#8220; tats\u00e4chlich auch schon &#8222;lese&#8220; &#8211; ich traue mich nicht, nachzuschlagen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht kann die IT auch gar nicht so viel daf\u00fcr und das ist bei, sagen wir, den Fischern \u00e4hnlich verbreitet. Ich lese halt mehr IT-Texte statt Angelsport-Material. Und vermutlich bin ich halt nur als Deutschlehrer so pingelig. Andererseits: Siehe oben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Hessen stellt f\u00fcr das Abitur in Informatik in Java Namenskonventionen auf: Java-Styleguides der Abiturkommission, orientiert an anderen Konventionsgebern. Vieles davon ist sinnvoll. 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