{"id":18956,"date":"2021-08-13T11:07:47","date_gmt":"2021-08-13T09:07:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=18956"},"modified":"2026-04-09T18:03:21","modified_gmt":"2026-04-09T16:03:21","slug":"e-e-kellett-the-lady-automaton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/08\/e-e-kellett-the-lady-automaton.htm","title":{"rendered":"E. E. Kellett, The Lady Automaton"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2021\/08\/e-e-kellett-the-lady-automaton.htm#comments'>2 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p>In der 6. und 7. Klasse las ich William Tenn, weil mir dessen Werke zuf\u00e4llig \u00fcber einen Freund in den Weg gesp\u00fclt wurden. Sonst w\u00e4re mir dieser Autor zwar da und dort in Anthologien begegnet, aber ich h\u00e4tte wahrscheinlich nicht vor ein paar Jahren die dreib\u00e4ndige Werksausgabe (einschlie\u00dflich <em>nonfiction)<\/em> gelesen und w\u00e4re nicht auf den Aufsatz &#8222;&#8218;The Lady Automaton&#8216; by E. E. Kellett: A Pygmalion Source?&#8220; gesto\u00dfen. Ver\u00f6ffentlicht hat Tenn, b\u00fcrgerlich Englischprofessor, diesen Aufsatz unter seinem b\u00fcrgerlichen Namen Philip Klass in <em>Shaw<\/em>, 1982, Vol. 2 (1982), pp. 75-100, zusammen mit Kelletts urspr\u00fcnglicher Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;The Lady Automaton&#8220; erschien im Juni 1901 in <em>Pearson&#8217;s Magazine<\/em> (Vol 11, und danach nur <a href=\"http:\/\/www.isfdb.org\/cgi-bin\/title.cgi?95724\">in einer Anthologie aus dem Jahr 1979<\/a>, sie ist eine etwas gek\u00fcrzte Version von &#8222;The New Frankenstein&#8220; aus Kelletts Kurzgeschichtensammlung  <em>A Corner in Sleep and Other Impossibilities<\/em>  aus dem Jahr 1900. Ver\u00f6ffentlicht wurde die \u00e4ltere Fassung seitdem wohl nur noch einmal <a href=\"http:\/\/www.isfdb.org\/cgi-bin\/title.cgi?1060640\">in einer Anthologie aus dem Jahr 1994<\/a>. Lesen kann man die j\u00fcngere Fassung, auf die sich Tenn bezieht, <a href=\"http:\/\/www.forgottenfutures.com\/game\/ff9\/aut.htm\">hier,<\/a> auf einer Domain, in der es um ein selbst geschriebenes Pen-and-Paper-Rollenspielsystem geht, das vor dem Hintergrund der <em>scientific romances<\/em> aus dem sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert geht. Dort gibt es Spielregeln, Szenarios, und viele Kurzgeschichten und Aufs\u00e4tze aus dieser Zeit. Internet, yay!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Kellett findet man <a href=\"https:\/\/battlegroundproductions.org\/forgotten-futurists-e-e-kelly\/\">hier<\/a> (mit Bild) und <a href=\"http:\/\/www.sf-encyclopedia.com\/entry\/kellett_e_e\">da<\/a> Interessantes, gar neugierig Machendes, aber insgesamt nicht viel; eine eigene Wikipediaseite gibt es nicht, und selbst nach dem vollen Namen (&#8222;Ernest Edward Kellett&#8220;, 1864-1950) muss man eine Weile suchen. Dennoch, <em>A Corner in Sleep and Other Impossibilities<\/em> w\u00fcrde ich gerne mal lesen, der Titel klingt vielversprechend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe nicht weiter nach Literatur zu dem Thema gesucht und wei\u00df nicht, ob es viele oder wenige weitere Aufs\u00e4tze dazu gibt; in der <em>Zeitschrift f\u00fcr Anglistik und Amerikanistik <\/em>63(1), 2015, S. 89\u2013100 gibt es zumindest noch &#8222;My Fair Lady Automaton&#8220; von John M . Picker, in dem es um weibliche sprechende Maschinen von der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts bis zu <em>Pygmalion<\/em> von George Bernard Shaw geht, mit Exkursen in die Gegenwart. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Hypothese von William Tenn, um jetzt endlich mal zu seinem Aufsatz zu kommen, ist nun eben die, dass &#8222;The Lady Automaton&#8220; eine Quelle f\u00fcr Shaws Drama <em>Pygmalion<\/em> war (Grundlage des Musicals <em>My Fair Lady)<\/em>, und Tenn\/Klass weist auf viele Parallelen hin, die ich hier gar nicht wiederholen will.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"199\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton1-199x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19054\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton1-199x300.jpg 199w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton1-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton1.jpg 514w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Die Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Erz\u00e4hler, ein Arzt, erz\u00e4hlt von seinem Freund Arthur, den er gelegentlich besucht. Arthur ist Wissenschaftler, oder eher Erfinder; er hat einen perfekten Phonographen entwickelt. Auf Anregung Arthurs entwickelt er danach ein Ger\u00e4t, das nicht nur aufgezeichnete Stimmen wiedergeben, sondern selbstst\u00e4ndig antworten kann. Die beiden kommen sofort darauf, dass so ein Ger\u00e4t den Turing-Test bestehen w\u00fcrde:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>[W]hat an achievement it would be to contrive a sort of anti-phonograph, that should give the appropriate answer to each question I like to put!\u201d<br>\u201cWhy, a thing that could do that would be nothing less than man.\u201d<br>\u201cWell,\u201d I said, \u201cwhat is man but a bundle of sensations \u2013 a machine that answers pretty accurately to the questions daily put to it?\u201d For I was, or pretended to be, a full-blown materialist.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Das Rechenproblem dahinter wird kleingeredet, das sei ja auch nicht viel aufwendiger als das, was &#8222;Babbage&#8217;s calculating machine&#8220; bereits vorgemacht hat. Eher geht es um die mechanische Umsetzung, die thematisiert wird.)<\/p>\n\n\n\n<p>Beim ersten Testen der Maschine, dem Anti-Phonographen,  wei\u00df der Erz\u00e4hler nicht recht, was er sagen soll. Engl\u00e4nder halt: &#8222;I was at a loss how to begin the conversation, so called the weather to my aid&#8220;, gefolgt vom Sto\u00dfseufzer: &#8222;Oh, for the inventive powers of a Frenchman, in order to begin the conversation naturally!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Maschine ist nur der erste Schritt. Arthur will sie mit einer anderen Maschine kombinieren, die sich bewegen kann, wobei der Anti-Phonograph &#8222;the brain power&#8220; dazu liefern wird. Au\u00dferdem soll dieser neue Automat eine feine Dame sein, &#8222;behave like a lady&#8220;. Das w\u00fcrde so ein Automat doch wohl hinkriegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Automat &#8211; Miss Amelia Brooke &#8211; wird gebaut und als Nichte des Erz\u00e4hlers der Gesellschaft pr\u00e4sentiert. Sie ist ein gro\u00dfer Erfolg, gleich zwei junge M\u00e4nner, Burton und Calder, verlieben sich in sie. Zwischendurch kriegt Amelia ein Hardware-Update. Die zwei jungen M\u00e4nner halten beide um ihre Hand an, und weil Amelia als Automat auf gleiche Eingaben immer gleich reagiert und junge M\u00e4nner zumindest in solchen Situationen immer das gleiche sagen, sagt Amelia beiden zu und auch noch f\u00fcr den gleichen Tag. <\/p>\n\n\n\n<p>Der immer entsetztere Erz\u00e4hler informiert jedoch Calder, der daraufhin den seinigen Hochzeitstermin verschiebt, um zu beobachten, was geschieht. Und tats\u00e4chlich, es kommt zur Trauungszeremonie. Calder ersticht Amelia. (&#8222;There was a whirr, a rush. The anti-phonograph was broken.&#8220;) S\u00e4gesp\u00e4ne rinnen aus der Wunde; ihr gleichfalls anwesender Sch\u00f6pfer Moore stirbt. Und der Erz\u00e4hler deutet im letzten Satz an, dass er kein &#8222;fashionable physician&#8220; mehr ist, sondern mitunter sogar eher als Patient betrachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnenswerte Einzelheiten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Von Anfang an wird Amelia &#8222;doll&#8220; (Puppe) genannt oder &#8222;creature&#8220; &#8211; das  erinnert an <em>Frankenstein,<\/em> der einmal explizit genannt wird und ja ohnehin im urspr\u00fcnglichen Titel auftaucht. Der Erz\u00e4hler hasst den Automaten geradezu, er ist ihm unheimlich, das Wort &#8222;uncanny&#8220; taucht f\u00fcnfmal auf, daneben gibt es &#8222;fatal, detestable, fiendish, monotonous.&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li>Der Erfinder Arthur dagegen entwickelt eine fast symbiotisch geschilderte Beziehung zu Amelia, allerdings auch eine manisch besitzergreifende:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>&#8222;She shall walk drawing-rooms like a lady, or I will break her to pieces myself!&#8220;<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>&#8222;[S]he is more than a doll; she is <\/em>Me<em>. I have breathed into her myself&#8220;<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>Als Amelia bluten k\u00f6nnen soll, um \u00fcberzeugender zu sein, will Arthur keinesfalls aufgeben: <em>&#8222;Rather would I drain my own veins into hers. Rather go out and kill somebody. What did Mephistopheles say? \u2018Blood is a peculiar sort of juice.\u2019 But I will make it.&#8220;<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Moore\u2019s extraordinary success had turned his brain.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Could it be that by some unholy means Moore had succeeded in conveying some portion of his own life to this creature of his brain?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>[H]is wonderful toy was broken, and the cord of Moore\u2019s life was broken with it.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das komplizenhafte Verh\u00e4ltnis zwischen Erz\u00e4hler und Erfinder ist dementsprechend nicht ungetr\u00fcbt. &#8222;I tried to enter a feeble protest, but he overbore me. You ask how; I cannot tell. Call it magic \u2013 anything you like; but it overbore me. I yielded; I promised my assistance.&#8220; Und dann sitzen die beiden da in ihrem K\u00e4mmerchen und basteln: &#8222;We sat like two mischief-making children far into the small hours of the night, plotting how we could carry out the plan best. Moore had enslaved me, body and mind; I was carried away in a kind of drunken enthusiasm and almost as feverishly excited as Moore himself. Nothing would now have stopped me. Would Frankenstein have paused the very hour before his creature took life?&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt Sticheleien auf die (gehobene) Gesellschaft, insbesondere Frauen. \u201c\u2018The Society woman of our time,\u2019 you proclaimed, \u2018what is she but a doll? Her second-hand opinions, so daintily expressed, would not a parrot speak them as well?\u2019\u201d Ein Herz ist nicht Teil des Innenlebens von Amelia, scherzhaft: sie soll ja auch eine feine Dame sein. Amelia kann ein bisschen Franz\u00f6sisch parlieren und &#8222;[s]he can enter a room, bow, smile, and dance&#8220; &#8211; was auf jeden Fall reichen d\u00fcrfte, die anderen Frauen auszustechen.<\/li>\n\n\n\n<li>Arthur zieht Amelia echten Frauen auf jeden Fall vor, er sieht als Vorteile des Automaten: &#8222;she is not touchy&#8220;, &#8222;she can&#8217;t blush&#8220;.<em> <\/em><\/li>\n\n\n\n<li>Dem Erz\u00e4hler ist sie dagegen zu mechanisch: &#8222;She was] dancing beautifully but a little mechanically [&#8230;], saying always the right things, answering questions always in the same way, and wearing at pretty regular intervals the same detestable smile.&#8220; Ihr Erfolg ist &#8222;too monotonous. Human beings sometimes put their foot in it; she never.&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li>Auch die beiden jungen M\u00e4nner ziehen Amelia den anderen vor. Und diesmal ist es genau anders herum, die anderen Frauen erscheinen wie Puppen und Amelia wird eine gro\u00dfe innere Tiefe zugeschrieben: <em>&#8222;They <\/em>have nothing to say for themselves, they are mere bundles of conventionality; but she \u2013 she is all soul.&#8220; Es ist ironisch, dass gerade die Puppe ganz Seele sein soll.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der Text allein ist schon interessant, jenseits der Parallelen zu <em>Pygmalion,<\/em> die man bei Tenn\/Klass nachlesen kann und die ich deshalb nicht wiederhole. Man kann ihn unter dem Science-Fiction-\/Steampunk-Aspekt lesen, vielleicht mit etwas Informatik darin. Man kann ihn verbessern: Ist die Doppelung der beiden Verlobten n\u00f6tig; k\u00f6nnte nicht einfach gleich der Erz\u00e4hler am Ende den Automaten zerst\u00f6ren? Man kann ihn mit <em>Frankenstein <\/em>und <em>Pygmalion <\/em>vergleichen und \u00fcberhaupt mit weiblichen Automaten in Literatur und Film. Arthur und der Erz\u00e4hler als Junggesellen, die sich die perfekte Frau basteln, aber unterschiedliche Vorstellungen davon haben. Und vor allem nat\u00fcrlich: die Frau als Besitztum, die v\u00f6llige Abwesenheit von Amelias Blickwinkel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"243\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton2-243x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19056\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton2-243x300.jpg 243w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton2-122x150.jpg 122w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/the_lady_automaton2.jpg 568w\" sizes=\"auto, (max-width: 243px) 100vw, 243px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Der Sandmann<\/h2>\n\n\n\n<p>Das hat man doch kommen sehen, oder? Die Parallelen zu &#8222;Der Sandmann&#8220; von E.T.A. Hoffmann finde ich mindestens so interessant wie die zu Shaw. Zugegeben, die anderen Geschichten um weibliche Automaten aus dem 19. Jahrhundert, von denen im Picker-Aufsatz oben einige aufgez\u00e4hlt werden, kenne ich nicht; vermutlich gibt es da bereits Zwischenstufen und verbreitete Motive. Und nat\u00fcrlich gibt es Offenbachs Oper auch noch als Zwischenschritt. <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Es gibt zwei Wissenschaftler, oder jedenfalls zwei Erbauer einer k\u00fcnstlichen Frau, Eingeweihte in eine Art Komplott.<\/li>\n\n\n\n<li>Amelia hei\u00dft die Frau in der einen, Olimpia in der anderen Geschichte &#8211; ich finde die Namen \u00e4hnlich. (Eliza ist auch nicht weit davon entfernt.)<\/li>\n\n\n\n<li>Beide Ingenieure hecken einen Plan aus, stellen den Automaten als eine junge weibliche Verwandte vor und f\u00fchren sie in die Gesellschaft ein. <\/li>\n\n\n\n<li>In beiden Werken gibt es eine Ballszene, wo der Automat erfolgreich auftritt &#8211; wo allerdings gerade das Tanzen als zu mechanisch geschildert wird, und in Olimpia wohl nur ein Teil des Publikums get\u00e4uscht wird. <\/li>\n\n\n\n<li>In beiden F\u00e4llen wird die k\u00fcnstliche Frau den nat\u00fcrlichen Frauen als Kontrast gegen\u00fcbergestellt, aber gut, das ist nur zu nat\u00fcrlich bei diesem Motiv. <\/li>\n\n\n\n<li>In beiden Geschichten verliebt sich mindestens ein junger Mann in den Automaten, in beiden wird der Automat am Ende zerst\u00f6rt und ein junger Mann macht sich ungl\u00fccklich. <\/li>\n\n\n\n<li>In beiden Geschichten geht es um Wahnsinn, auch wenn der bei Kellett einen der Sch\u00f6pfer und weitaus milder betrifft und bei Hoffmann den jungen Mann. Clara-Lothar-Siegmund und der Erz\u00e4hler auf der anderen Seite stehen dabei f\u00fcr diejenigen, die dem Wahn nicht verfallen, sie bieten eine andere, realistische Sichtweise. <\/li>\n\n\n\n<li>Freud sch\u00f6pfte f\u00fcr seinen Aufsatz &#8222;Das Unheimliche&#8220; sehr aus dem Sandmann; als &#8222;uncanny&#8220; (unheimlich) bezeichnet Kelletts Erz\u00e4hler f\u00fcnfmal das Geschehen. <\/li>\n\n\n\n<li>Amelias Verehrer sieht unglaubliche Tiefe in ihr, im Gegensatz zu anderen Frauen: \u201cWhat are all these painted dolls to her? <em>They<\/em> have nothing to say for themselves, <em>they<\/em> are mere bundles of conventionality; but <em>she<\/em> \u2013 she is all soul.\u201d Und Nathanael geht es ebenso mit Olimpia: \u00bbO&nbsp;du herrliches, du tiefes Gem\u00fct\u00ab, rief Nathanael auf seiner Stube: \u00bbnur von dir, von dir allein werd ich ganz verstanden.\u00ab<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Vielleicht muss man den &#8222;Sandmann&#8220; neu erz\u00e4hlen: Einmal aus Spalanzanis Perspektive (als Watson-Figur, mit einem verkleidungslustigen Coppola-Coppelius als Holmes, und einer Erkl\u00e4rung f\u00fcr ihren Streit am Ende), und einmal aus der von Olimpia.<\/p>\n\n\n\n<p>Siehe auch: L&#8217;\u00c8ve future von Auguste Villiers de l&#8217;Isle-Adam <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Future_Eve\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Future_Eve<\/a> &#8211; wie seit Hoffmann: Ein Mann baut unter Mitwissen eines zweiten eine t\u00e4uschend echte k\u00fcnstliche Frau, in diesem Fall, weil er unzufrieden mit echten Frauen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Siehe auch: &#8222;DIe Automate&#8220; von E.T.A: Hoffmann, als Fragment bezeichnet; auch darin kriegt ein Mann seine Geliebte nicht, allerdings sind hier der Automat und die Geliebte noch zwei verschiedene Objekte. Aber auch der Automat hat sozusagen zwei V\u00e4ter, den \u00f6ffentlichen Vorf\u00fchrer und den Professor X. im Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Fu\u00dfnote<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit zw\u00f6lf Jahren gibt es und h\u00f6re ich den <em>H. P. Lovecraft Literary Podcast.<\/em> Die ersten hundert Folgen sind kostenlos und \u00f6ffentlich, danach gibt es einen Gro\u00dfteil der Episoden nur im Abonnement, aber eine Folge pro Monat ist weiterhin \u00f6ffentlich. Diesmal ist es die erste Folge von wahrscheinlich zweien, in denen sich die beiden Gastgeber mit E.T.A. Hoffmanns Sandmann besch\u00e4ftigen. Es ist ein bisschen viel Gepl\u00e4nkel dabei diesmal, aber f\u00fcr mich als Deutschlehrer besonders interessant, wie sie diese Erz\u00e4hlung aus einer ganz anderen Perspektive und mit anderem Hintergrund angehen. Es hat ein bisschen was vom Genre der First-Time-Listening-Videos, wo (junge) Leute zum zumindest anscheinend ersten Mal Musikklassiker wie &#8222;Bohemian Rhapsody&#8220; h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.patreon.com\/posts\/episode-558-part-54567913\">https:\/\/www.patreon.com\/posts\/episode-558-part-54567913<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2 Kommentare.) 1. Hintergrund In der 6. und 7. Klasse las ich William Tenn, weil mir dessen Werke zuf\u00e4llig \u00fcber einen Freund in den Weg gesp\u00fclt wurden. 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