{"id":191,"date":"2005-02-08T23:43:19","date_gmt":"2005-02-08T21:43:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/02\/nigeria-lebt.htm"},"modified":"2023-05-26T14:57:14","modified_gmt":"2023-05-26T12:57:14","slug":"nigeria-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/02\/nigeria-lebt.htm","title":{"rendered":"Nigeria lebt"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/02\/nigeria-lebt.htm#comments'>2 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Dear Sir: I will confide to you through this circular a secret by which you can make a speedy fortune. [&#8230;]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich hab mich wirklich gefreut: Nach langer, langer Zeit h\u00e4lt man mich wieder f\u00fcr w\u00fcrdig, ein paar Millionen Geld zu verdienen, in dem ich mich vertrauensvoll an einer kleinen Intrige beteilige, um 10 Millionen Dollar aus einer nigerianischen Bank zu schmuggeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Ah, die Nigeria-Connection! Vor acht oder neun Jahren habe ich dieses Schreiben bei meiner Schw\u00e4gerin sogar noch schwarz auf wei\u00df auf Papier gesehen. Per Post kommt so etwas immer noch besser als per E-Mail. Man hat dann ja auch ein richtiges Artefakt, so zum Einrahmen und Herzeigen. Noch besser gef\u00e4llt mir allerdings die philippinische Diktatorenwitwe, die ebenfalls Geld au\u00dfer Landes bringen muss. Und ich war auserw\u00e4hlt, ihr zu helfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Form von Betrug z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten, ist aber immer noch erstaunlich erfolgreich. Details dazu stehen bei <a href=\"http:\/\/www.tu-berlin.de\/www\/software\/hoax\/419.shtml\">der entsprechenden Seite<\/a> der <a href=\"http:\/\/www.tu-berlin.de\/www\/software\/hoax\/>Hoax-Liste der TU Berlin<\/a> (eine Liste, die man immer zuerst zu Rat ziehen sollte, bevor man irgend etwas glaubt, was einem per Serienbrief in den Briefkasten kommt). Beim Recherchieren dort bin ich auf einen <a href=\">Beitrag von Dirk van den Boom<\/a> gesto\u00dfen, der sich damit besch\u00e4ftigt, warum ausgerechnet Nigeria immer wieder f\u00fcr diesen Schwindel herhalten muss. (Dirk kenne ich noch von ganz, ganz fr\u00fcher. Wir haben zehn Jahre nichts mehr von einander geh\u00f6rt. Das Web ist klein.)<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil ich wissen wollte, wie alt genau dieser Schwindel ist, habe ich zwei B\u00fccher \u00fcber die Geschichte des Betrugs und Trickbetrugs gelesen.<br>Aus <em>Frauds, Deceptions and Swindles<\/em> von Carl Sifakis stammt dieses wunderbare Zitat:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Dear Sir: I will confide to you through this circular a secret by which you can make a speedy fortune. [&#8230;]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So beginnt ein Rundbrief aus dem Jahr 1882. Aber die Geschichte des <em>Spanish prisoner<\/em> (auf der die Nigeria-Connection basiert) ist noch \u00e4lter und geht nach <em>Hustlers &amp; Con Men: An Anecdotal History of the Confidence Man &amp; His Games<\/em> von Jay Robert Nash \u00fcber 400 Jahre zur\u00fcck bis auf die Zeit von Sir Francis Drake.<br>Typischerweise befindet sich dabei ein w\u00fcrdiger Herr in spanischer, sp\u00e4ter mexikanischer Gefangenschaft. Sein Verm\u00f6gen ist au\u00dferhalb der Reichweite seiner H\u00e4scher, wenn er da nur irgendwie herank\u00e4me&#8230; Manchmal ist f\u00fcr ihn selber auch schon keine Hoffnung mehr, aber seiner gutaussehenden Tochter k\u00f6nnte das au\u00dfer Landes geschmuggelte Geld viel helfen (Foto anbei). Im Jahr 1900 z\u00e4hlte die US Post 1431 solcher Briefe, und noch 1952 sch\u00e4tzte die US-Post, dass mit diesem Trick jedes Jahr unvorsichtige US-B\u00fcrger insgesamt um 600.000 Dollar betrogen wurden. Damals machten sich die Betr\u00fcger aber auch noch gro\u00dfe M\u00fche: Man konnte nach Mexiko reisen und pers\u00f6nlich die Gefangenenw\u00e4rter bestechen. Dann wurde der Fluchtversuch ruchbar, und der US-B\u00fcrger musste sich von der mexikanischen Polizei verfolgt glauben. Ach, diese Romantik und Abenteuerlust ist heute leider verloren gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei: Sehr lehrreich, diese B\u00fccher. Sie enthalten die Namen von Leuten, die wirklich die Brooklyn Bridge oder den Eiffelturm verkauft haben (einer sogar zweimal). Vom <em>short con<\/em>, dem kleinen Betrug zwischendurch, bis hin zum <em>big store<\/em> wie im Film <em>The Sting<\/em> (dt. <em>Der Clou<\/em>). Den Film hielt ich immer f\u00fcr am\u00fcsant, aber \u00fcbertrieben. Von wegen, es gibt zahlreiche Vorbilder mit noch elaborierteren Plots.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2 Kommentare.) 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