{"id":20413,"date":"2022-04-24T09:57:56","date_gmt":"2022-04-24T07:57:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=20413"},"modified":"2024-06-26T20:59:19","modified_gmt":"2024-06-26T18:59:19","slug":"die-evolution-des-deutschaufsatzes-teil-2-erzaehlen-in-der-unterstufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/04\/die-evolution-des-deutschaufsatzes-teil-2-erzaehlen-in-der-unterstufe.htm","title":{"rendered":"Die Evolution des Deutschaufsatzes, Teil 2: Erz\u00e4hlen in der Unterstufe"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/04\/die-evolution-des-deutschaufsatzes-teil-2-erzaehlen-in-der-unterstufe.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberblick \u00fcber Aufsatzarten<\/h2>\n\n\n\n<p><strong><em>Bildergeschichte<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Furchtbar, beim Schreiben und beim Lesen. War noch bis vor 15 Jahren recht verbreitet, ist inzwischen zumindest an meiner Schule ausgestorben. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"286\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Vater_und_Sohn_-_Im_Krieg_sind_alle_Mittel_erlaubt-700x286.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20449\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Vater_und_Sohn_-_Im_Krieg_sind_alle_Mittel_erlaubt-700x286.jpg 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Vater_und_Sohn_-_Im_Krieg_sind_alle_Mittel_erlaubt-300x123.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Vater_und_Sohn_-_Im_Krieg_sind_alle_Mittel_erlaubt-150x61.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Vater_und_Sohn_-_Im_Krieg_sind_alle_Mittel_erlaubt-1536x628.jpg 1536w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/Vater_und_Sohn_-_Im_Krieg_sind_alle_Mittel_erlaubt.jpg 1604w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es hie\u00df immer, die sei zum Einstieg leicht, weil aus der Grundschule bekannt. Aber sie ist langweilig: Man liest beim Korrigieren immer den gleichen Aufsatz, und man muss genau das schreiben, was auf den Bildern ist. Oft wird kleinlich korrigiert: Wehe, man erkennt den Zusammenhang nicht; wehe, man l\u00e4sst Vater oder Sohn etwas machen, das nicht abgebildet ist; wehe, man \u00fcbersieht ein Detail. (Nichts gegen Vater und Sohn, und den Hintergrund von Zeichner Erich Ohser kenne ich seit dem Referendariat.)<\/p>\n\n\n\n<p>Vorteil: Man muss sich keine Geschichte ausdenken. Nachteil: Man darf sich keine Geschichte ausdenken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Reizwortgeschichte<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gestalte eine Erz\u00e4hlung zu den folgenden Reizw\u00f6rtern: Tag am Meer &#8211; D\u00fcne &#8211; Klippe.&#8220; Mache ich nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man gut oder schlecht stellen; ist h\u00e4ufig schlecht gestellt und irgendein Schreiben hat neulich sogar formal davon abgeraten, glaube ich. Wissen die Kinder, was eine D\u00fcne ist? Reizen die W\u00f6rter wirklich dazu, eine Geschichte zu schreiben? Mich nicht, in diesem Fall; aber das l\u00e4sst sich schlecht beurteilen, ohne die konkrete Vorbereitung zu kennen. Vorteil: Man kann leicht verschiedene Themen anbieten. Unklar: Wie zentral m\u00fcssen diese W\u00f6rter verwendet werden? Da kann man schnell kleinlich werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberschriften, Anf\u00e4nge, Schl\u00fcsse erg\u00e4nzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verwandt der Reizwortgeschichte: Man gibt eine \u00dcberschrift vor, &#8222;Auf dem Flohmarkt&#8220; vielleicht, wenn es ums Schildern geht, oder einen Anfang, seltener ein Ende einer Geschichte. Das finde ich etwas besser als die Reizwortgeschichte, aber setze das selber nicht mehr ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Erlebniserz\u00e4hlung<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine sehr alte Bezeichnung. Gemeint ist damit, dass ein echtes, glaubw\u00fcrdiges Erlebnis erz\u00e4hlt werden muss. Urspr\u00fcnglich vielleicht sogar in der Form &#8222;Mein sch\u00f6nstes Ferienerlebnis?&#8220; Ansonsten wei\u00df ich nicht, wie man da ein Thema stellt, es sei denn eben als eine der anderen hier vorgestellten Formen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Phantasieerz\u00e4hlung<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch eine alte Bezeichnung. Gemeint ist damit vermutlich, dass ein unglaubw\u00fcrdiges, phantastisches Erlebnis erz\u00e4hlt werden muss. Aus der Grundschule erinnere ich mich noch an irgendetwas mit Schlaraffenland. Auch das ist wohl eher ein \u00dcberbegriff und Gegenbegriff zur Erlebniserz\u00e4hlung. Wer in einer Erlebniserz\u00e4hlung etwas Wundersames geschehen l\u00e4sst, begeht n\u00e4mlich eine Themaverfehlung. Wurde dieses Gegensatzpaar eingef\u00fchrt, weil den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern immer die Phantasie durchging? So oder so muss man da Regeln vereinbaren. &#8222;Keine Schusswaffen,&#8220; meistens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ausgestaltung einer Zeitungsnachricht<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mache ich sehr gerne, weil dadurch die Handlung vorgegeben ist und sich die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen ganz aufs Erz\u00e4hlen konzentrieren k\u00f6nnen. Ein kleines Kind am Steuer, ein <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/04\/erzaehlen-mit-perspektivenwechsel-eisbaer-im-haus.htm\">Eisb\u00e4r im Haus<\/a>, Tiere stellen irgendwo Unfug an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Erz\u00e4hlen nach literarischen Vorlagen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich neben der Zeitungsnachricht die beste L\u00f6sung!<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Eulenspiegel-Geschichte<\/strong><br>Ausgestorben. Im Referendariat und den Jahren danach habe ich das noch erlebt, meist in der Form, dass eine Redwendung vorgegeben ist, die Eulenspiegel w\u00f6rtlich nimmt und dadurch Durcheinander anrichtet.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>M\u00fcnchhausen-Geschichte<\/strong><br>Ausgestorben, leider.  Kenne ich noch aus meinen ersten Jahren, gerne auch modernisiert: &#8222;M\u00fcnchhausen verhindert ein Flugzeug- oder Schiffsungl\u00fcck.&#8220; Da kann man endlich mal einen auktorialen Erz\u00e4hler \u00fcben, \u00fcberhaupt das Erz\u00e4hlen thematisieren, mit einem unzuverl\u00e4ssigen Erz\u00e4hler obendrein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Krabat und andere Lekt\u00fcren<\/strong><br>Bei einem Kollegen gesehen: Zwei der Gesellen benutzen Zauberei auf dem Markt, wenn ich mich richtig erinnere; Vorbild sind \u00e4hnliche Sequenzen im Buch. Das Beispiel steht stellvertretend f\u00fcr andere an die jeweilige Lekt\u00fcre angelegte Erz\u00e4hlformen. Das ist meist eine gute Idee. Auch selbst erfundene Serienhelden, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/06\/moderne-sagen-ii.htm\">etwa so<\/a>, geh\u00f6ren dazu, oder <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/04\/die-deutschstunde.htm\">Parallelgeschichten<\/a> zu einem gegebenen Text.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erkl\u00e4rungssage<\/strong><br>Traditionell oder <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/06\/moderne-sagen-i.htm\">modern<\/a>. Wie Stra\u00dfen zu ihrem Namen kamen (&#8222;Am Kugelfang&#8220;), Teufelsabdr\u00fccke im Stein, solche Sachen. Mache ich gerne.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>M\u00e4rchen<\/strong><br>Gibt es gelegentlich immer noch, aber nicht mehr so h\u00e4ufig wie fr\u00fcher. Mit M\u00e4rchen als Aufsatzform habe ich meine Schwierigkeiten: Echte M\u00e4rchen sind oft sprunghaft, unlogisch, willk\u00fcrlich. Dass man das anders in Erinnerung hat, liegt daran, dass man den wei\u00dfen Schwan aus &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220; ausblendet und vergisst. Nat\u00fcrlich kann man das nachmachen, und das ist vielleicht auch okay, aber dann darf man nicht beim Korrigieren darunterschreiben, dass das Verhalten nicht nachvollziehbar ist.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Handreichungen &#8222;Schriftlicher Sprachgebrauch&#8220; im Deutschunterricht am Gymnasium (1992)<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-corecolumns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"286\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/handreichungen_schriftlicher_sprachgebrauch_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20477\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/handreichungen_schriftlicher_sprachgebrauch_1.jpg 200w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/handreichungen_schriftlicher_sprachgebrauch_1-105x150.jpg 105w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Das waren zwei B\u00e4nde, herausgegeben vom ISB, einer f\u00fcr Unter- und Mittel, einer f\u00fcr Oberstufe. Die zu kaufen wurde uns im Referendariat sehr nahegelegt, wohl auch um as Quelle f\u00fcr eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung zu dienen; sie enthalten viele sch\u00f6ne Anregungen, darunter:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zwei  Seiten &#8222;Little Nemo: Adventures in Slumberland&#8220; von Windsor McKay.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Karte von Mordor.<\/li>\n\n\n\n<li>Historische Werbeanzeigen.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Rube-Goldberg-Machine (aus einem Buch, das sie als &#8222;Professor B\u00fctters Erfindungen&#8220; \u00fcbersetzt).<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Illustration zu Ray Bradburys Geschichte&#8220;A Sound of Thunder&#8220; &#8211; der Titel wird nicht genannt, aber das erkennt man doch.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Sammlung von Zeitungsausschnitten als Erz\u00e4hlkern, aus denen ich mich heute noch manchmal bediene.<\/li>\n\n\n\n<li>Illustrationen von Paul Klee, Semp\u00e9, Gustave Dor\u00e9 und John Tenniel und anderen, zu klassischen und modernen phantastischen Geschichten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn ich an das viele Grundwissen darin denke, bin ich mir nicht sicher, ob die Inhalte der B\u00e4nde noch im Referendariat vermittelt werden. Aber inzwischen gibt es ja <em>Neues Schreiben (Band 1 und Band 2). Kompetenzorientierte Schreibformen im Deutschunterricht,<\/em> <a href=\"https:\/\/www.isb.bayern.de\/gymnasium\/faecher\/sprachen\/deutsch\/materialien\/neues-schreiben-band-1-und-band-2\/\">gleichfalls vom ISB.<\/a> [Ent\u00e4uschend, siehe Kommentar.] Das nun kenne ich wiederum nicht, muss mal schauen, das haben wir bestimmt an der Schule.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6gliche Kriterien beim Erz\u00e4hlen<\/h2>\n\n\n\n<p>Was soll man \u00fcberhaupt benoten beim Erz\u00e4hlaufsatz? Klar, Sprachrichtigkeit z\u00e4hlt immer, auch allgemeiner Stil, angemessene Verwendung von Haupt- und Nebens\u00e4tzen. Aber dar\u00fcber hinaus gibt es ja noch mehr.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wie gut oder interessant ist die Geschichte selber, also der Plot, jenseits vom Stil?<\/strong><br>Das ist besonders bei solchen Themen relevant, die einem die Handlung <em>nicht <\/em>vorgeben, also Reizwortgeschichte oder sch\u00f6nste Ferienerlebnisse; weniger wichtig ist das, wenn etwa ein Zeitungsausschnitt umgeformt werden muss. Ich halte das Erfinden von Geschichten f\u00fcr nicht sehr relevant f\u00fcr den Deutschunterricht, deshalb verlange ich hier wenig und gebe gerne kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Teile der Handlung vor, entweder durch das Thema oder durch die \u00dcbungen vorher &#8211; aber auch nicht gleich alles bis ins Detail wie bei der Bildergeschichte. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wie gut ist das Thema eingehalten, also insbesondere die Textsorte?<\/strong><br>Sind die strukturellen und sprachlichen Eigenheiten von Sage oder M\u00fcnchhausengeschichte getroffen? Das halte ich f\u00fcr gut bewertbar.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gibt es einen erkennbaren Aufbau?<\/strong><br>Am einfachsten ist das mit Spannungssteigerung hin bis zu einem H\u00f6hepunkt Und zwar mit einer Erz\u00e4hl<em>treppe<\/em>, wie in meiner alten Handreichung, und nicht mit einer Erz\u00e4hl<em>maus<\/em>, der glattgeb\u00fcgelten Variante davon. Die Handlung entwickelt sich, die Spannung steigt n\u00e4mlich nicht kontinuierlich, sondern in Abschnitten, markiert durch <em>Abs\u00e4tze<\/em>. Abs\u00e4tze fallen den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern oft schwer, und die meisten Deutschlehrkr\u00e4fte an meiner Schulen scheinen das auch gar nicht zu verlangen. Ich dagegen w\u00fcnsche mir sogar Leerzeilen dazwischen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wie gut ist das erz\u00e4hlt, was erz\u00e4hlt ist? <\/strong><br>Das halte ich f\u00fcr das Wichtigste \u00fcberhaupt; da sollte der Schwerpunkt liegen, nicht auf dem Erfindenm\u00fcssen. Das hei\u00dft: Stimmungsvolles <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/04\/ueber-die-ersten-saetze-von-erzaehlenden-schulaufsaetzen.htm\">Schildern<\/a> (Sinneseindr\u00fccke, Bilder), wechselnde Erz\u00e4hlperspektive (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/04\/erzaehlen-mit-perspektivenwechsel-eisbaer-im-haus.htm\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/05\/erzaehlen-mit-perspektive-die-schulaufgabe.htm\">hier<\/a>), Zeitdehnung, nichtlineare Erz\u00e4hlweise, erlebte Rede, von mir aus auch das von mir als altbacken empfundene szenische Pr\u00e4sens am H\u00f6hepunkt. Da gibt es viele M\u00f6glichkeiten, und da sollte auch Progression stattfinden: Jedes Jahr ein paar Tricks mehr.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>In der Mittel- und vor allem Oberstufe sollen die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen dann bei der Epik-Analyse die Elemente wiedererkennen, die sie einst selbst verwendet haben<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anhang: Wann wird \u00fcberhaupt erz\u00e4hlt in der Schule?<\/h2>\n\n\n\n<p>Erz\u00e4hlt wird in der Grundschule und in der Unterstufe an den weiterf\u00fchrenden Schulen. Am Gymnasium hei\u00dft das, dass in der 5. und 6. und zum Teil auch noch in der 7. Jahrgangsstufe erz\u00e4hlende Aufs\u00e4tze geschrieben werden. Danach gab es lange kein Erz\u00e4hlen, und de facto gibt es auch jetzt keines. Allerdings hat vor wenigen Jahren das Kultusministerium beschlossen, dass es drei Grundformen des Schreibens gibt: das <strong>Erz\u00e4hlen, <\/strong>das <strong>Informieren <\/strong>und das <strong>Argumentieren. <\/strong>Und diese drei Str\u00e4nge z\u00f6gen sich durch die gesamte Aufsatzlaufbahn. Themenstellungen, in denen sich diese Str\u00e4nge mischen, seien besonders zu begr\u00fc\u00dfen. Nach dem Erz\u00e4hlen einen Absatz Argumentieren, und beim Essay g\u00e4be es ohnehin kurze erz\u00e4hlende Passagen, oder bei der Einleitung zur Er\u00f6rterung. Diese Schreibformen &#8222;werden von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe weiterentwickelt und k\u00f6nnen in geeigneten Textsorten zunehmend kombiniert werden. Dabei kommt den in der Realit\u00e4t vorfindlichen Textsorten eine besondere Bedeutung zu.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirklichkeit sieht anders aus. Beim Abitur ist man bei dreieinhalb von f\u00fcnf Themen stolz darauf, dass die nichts mit in der Realit\u00e4t vorfindlichen Textsorten zu tun haben, weil die &#8222;epistemisch-heuristisch&#8220; sind. Und das Erz\u00e4hlen wird nach der 7. Jahrgangsstufe nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht weiterentwickelt. Zwar l\u00e4sst der Lehrplan an sich viel Spielraum. Da steht f\u00fcr die 7. Jahrgangsstufe im Abschnitt &#8222;Schreiben&#8220; unter anderem, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>wenden die Grundformen schriftlicher Darstellung (Erz\u00e4hlen, Informieren und Argumentieren) der Schreibsituation angemessen an.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Genauer gesagt, sie:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>erz\u00e4hlen zu unterschiedlichen Impulsen wirkungsvoll von Erlebtem und Erfundenem.<\/li>\n\n\n\n<li>verfassen informierende Texte \u00fcber einfache Sachverhalte, indem sie geeignete Materialien &#8230; auswerten.<\/li>\n\n\n\n<li>informieren \u00fcber das Thema und wesentliche Handlungsschritte literarischer Texte.<\/li>\n\n\n\n<li>nehmen begr\u00fcndet Stellung zu Themen ihres Erfahrungsbereichs, formulieren Behauptungen, st\u00fctzen sie mit Begr\u00fcndungen und veranschaulichen diese durch Beispiele.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Dieser Lehrplan ist liebevoll von Experten und Expertinnen in langem Austausch entstanden. Konterkariert wird er im Fach Deutsch stets durch ein erg\u00e4nzendes KMS, das vermutlich auf andere Weise entstanden ist. In dem KMS &#8222;Unterricht im Fach Deutsch \u2013 Lernbereich Schreiben&#8220; aus dem Jahr 2016, das die Vorg\u00e4ngerversion von 2006 abl\u00f6st, steht dann n\u00e4mlich, aber erst im Anhang, und dann auch nur unterhalb einer Tabelle im Anhang: &#8222;Die grau hinterlegten Felder zeigen die Bereiche an, aus denen Schulaufgaben gestellt werden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Schulaufgaben: So hei\u00dfen in Bayern die Aufs\u00e4tze, die tats\u00e4chlich ge\u00fcbt und geschrieben und benotet werden. Damit hat sich das mit dem Erz\u00e4hlen nach der 7. Jahrgangsstufe erledigt: geht nicht mehr als Schulaufgabe. Und nur das wird nat\u00fcrlich ge\u00fcbt. Und indirekt ist der Tabelle zu entnehmen, dass in der 7. keine Inhaltsangabe als Schulaufgabe m\u00f6glich ist. Das ist vielleicht sogar sinnvoll, passt aber gar nicht zur  k\u00fchnen Lehrplanbehauptung, die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen &#8222;informieren \u00fcber das Thema und wesentliche Handlungsschritte literarischer Texte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten gibt es halt weiterhin die \u00fcberlieferten Formen wie Vorgangsbeschreibung (&#8222;Informieren&#8220;), Inhaltsangabe (&#8222;Informieren&#8220;), Bericht (&#8222;Informieren&#8220;), Textanalyse (&#8222;Informieren&#8220;).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) \u00dcberblick \u00fcber Aufsatzarten Bildergeschichte Furchtbar, beim Schreiben und beim Lesen. War noch bis vor 15 Jahren recht verbreitet, ist inzwischen zumindest an meiner Schule ausgestorben. Es hie\u00df immer, die sei zum Einstieg leicht, weil aus der Grundschule bekannt. 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