{"id":20778,"date":"2022-06-25T07:41:46","date_gmt":"2022-06-25T05:41:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=20778"},"modified":"2023-05-16T08:51:19","modified_gmt":"2023-05-16T06:51:19","slug":"the-last-ringbearer-100","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/06\/the-last-ringbearer-100.htm","title":{"rendered":"The Last Ringbearer 100%"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/06\/the-last-ringbearer-100.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Das Wichtige zu diesem Buch steht <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/05\/kirill-eskov-the-last-ringbearer-stand-50.htm\">im ersten Blogeintrag<\/a>, hier nur ein paar nachtr\u00e4gliche Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir verlie\u00dfen die erste H\u00e4lfte des Romans mit einem gro\u00dfen Plan: Der Kristall der Elfen muss zerst\u00f6rt werden, und das geht nur, wenn die eine Partei am einen Ende der Welt eine heikle Aufgabe erledigt und die andere am anderen Ende der Welt (am Schicksalsberg, genau wie in HdR) eine noch viel schwierigere.<\/p>\n\n\n\n<p>Derr <em>Herr der Ringe<\/em> kennt zwar nur eine solche Aufgabe, aber im Prinzip ist der Aufbau beabsichtigt \u00e4hnlich: Ein k\u00fchner Plan, mitten im Herz des Reichs der Gegner, eine Schwachstelle ausnutzend, auf die der Gegner nie gekommen w\u00e4re. (Das gibt es auch in <em>Anno Dracula<\/em> von Kim Newman.) Der Plan in <em>The Last Ringbearer<\/em> ist allerdings sehr weit hergeholt. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit die eine H\u00e4lfte des Plans funktioniert, werden in einer Art Byzanz-Venedig Intrigen geschmiedet &#8211; Spione aus Ithilien und Gondor und Umbar, Polizei aus Umbar, ich konnte nicht immer ganz folgen. Das ist umfangreich, erinnert an die Thriller von John le Carre, die ich kenne; sonst bin ich mit dem Genre nicht vertraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch h\u00f6rt bald auf, eine Parallelgeschichte zum <em>Herr der Ringe<\/em> zu sein, die Stimmung entfernt sich immer weiter davon. Das muss nicht schlecht sein. Das Buch ist nicht so fantasyhaft wie erwartet, eher fr\u00fchneuzeitlich, Renaissance mit etwas angedeutetem Steampunk auf Seiten Mordors. Viele Begriffe stammen aus unserer Welt und nicht aus der Tolkiens: Judo-Griffe, gef\u00fcllte georgische Brote, andere Begriffe sind Portmanteaus; sie werden alle in einem Anhang erkl\u00e4rt. Der Erz\u00e4hler vergleicht das Verhalten der Spione damals mit denen  heute (schallged\u00e4mpfte Pistolen, Mikrokameras; Analyse \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Nachrichtenquellen), das irritiert erst einmal, wird aber am Ende zumindest nachvollziehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn da gibt es einen Epilog, eine Art Herausgeberfiktion: Der Epilog spielt tausend Jahre oder mehr nach dem Ende des dritten Zeitalters. Die Geschichte, die im <em>Herr der Ringe<\/em> in einer allerdings romantisierten Fassung erz\u00e4hlt wird, ist quasi die offizielle Geschichtsschreibung; was in <em>The Last Ringbearer<\/em> pr\u00e4sentiert wird, ist eine abweichende Theorie, die hier zur Information und Ansicht angef\u00fchrt wird. Der Herausgeber stichelt gegen moderne Filmfassungen (&#8222;Alas, the recent Amengian screen version \u2013 The Spy and The Whore \u2013 is no exception: it was rightfully rated XXX in Gondorian theaters and banned outright in puritanical Angmar&#8220;) und, weniger sch\u00f6n, <em>political correctness<\/em>. Beklagt wird, das ist sehr nett, dass die meisten Zeitgenossen ohnehin nur grobe Kenntnisse von den historischen Ereignissen haben, etwa durch literarische \u00dcbertreibungen wie <em>The Lord of the Rings<\/em>, Fernsehserien oder das Ego-Shooter-Computerspiel &#8222;The Galleries of Moria&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nach dem Epilog gibt es noch einen Essay, in dem der Autor erkl\u00e4rt, wie er auf die Idee gekommen ist, den Roman zu schreiben. Der ist interessant. Eskov weist darauf hin, dass schon fr\u00fch Kritik etwa an geologischen Details bei Tolkien aufkam (kein gutes Beispiel, finde ich, weil die Welt zu magisch ist und eben nicht unseren Gesetzen entsprechen muss), die g\u00e4ngige Antwort: da hat sich Tolkien halt geirrt, gefiel ihm nicht &#8211; auch aus Respekt vor Tolkien. Von Fortsetzungen h\u00e4t Eskov nichts, aber viel von etwas, das er Apokryphen nennt. Das deckt sich ein bisschen mit dem, was ich in einem Paar alter Blogeintr\u00e4ge <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/09\/zwischen-den-zeilen-schreiben-1.htm\">\u201eZwischen den Zeilen schreiben\u201c<\/a> genannt habe. Als Urvater dieser Form des Schreibens nennt Eskov Dion Chrysostomos, der in seiner 11. Rede die wahre Geschichte des Trojanischen Kriegs herausgefunden haben will. (Die Achaier haben verloren.)<\/p>\n\n\n\n<p>Alle sin allem: Durchaus mit Genuss gelesen, auch wenn sich die zweite H\u00e4lfte etwas zieht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Das Wichtige zu diesem Buch steht im ersten Blogeintrag, hier nur ein paar nachtr\u00e4gliche Gedanken. 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