{"id":2110,"date":"2008-11-08T08:41:32","date_gmt":"2008-11-08T07:41:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2110"},"modified":"2023-05-24T13:09:58","modified_gmt":"2023-05-24T11:09:58","slug":"grammatik-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/11\/grammatik-3.htm","title":{"rendered":"Grammatik 3"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/11\/grammatik-3.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Schwierig ist das <strong>Pr\u00e4positionalobjekt<\/strong>. Es beginnt mit einer Pr\u00e4position (<em>auf, in, nach&#8230;<\/em>), aber das gilt auch f\u00fcr viele Adverbialien. Anders als diese ist das Pr\u00e4positionalobjekt aber in der Valenz des Verbes festgeschrieben &#8211; in Schulgrammatik-Sprache: &#8222;man kann es nicht weglassen&#8220;. Au\u00dferdem, und das ist vielleicht wichtiger, wird die Pr\u00e4position des Pr\u00e4positionalobjekts bereits durch das Verb mehr oder weniger bestimmt, w\u00e4hrend das Verb keinerlei Einfluss auf die Pr\u00e4position eines Adverbials hat. Beispiele folgen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/satz_warten.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>1. Ich warte auf einer Br\u00fccke auf meine Freundin.<br>2. Markus wartet schon sehr lange auf sein Geld.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>Auf einer Br\u00fccke\/schon sehr lange<\/em> sind Adverbialien &#8211; Orts- beziehungsweise Zeitangaben, die man weglassen kann oder nicht. Das erste davon beginnt mit einer Pr\u00e4position, das zweite nicht. Andere Adverbialien mit anderen Pr\u00e4positionen sind leicht denkbar: auf einer Couch, unter einer Br\u00fccke, \u00fcber einer Br\u00fccke, vor einer Br\u00fccke.<br><em>Auf meine Freundin\/auf sein Geld<\/em> sind Pr\u00e4positionalobjekte, man kann sie (erz\u00e4hlen wir den Sch\u00fclern) nicht weglassen, da die Valenz des Verbs sie erfordert. Entsprechende Satzglieder mit anderer Pr\u00e4position sind nur gelegentlich zu finden. Falsch sind jedenfalls: *Ich warte f\u00fcr\/von\/\u00fcber meine(r) Freundin.<\/p>\n\n\n\n<p>(In der englischen Grammatik w\u00fcrde man die Pr\u00e4position einfach dem Verb &#8222;warten auf&#8220; zuschlagen, \u00fcbrig bliebe ein simples Objekt &#8222;meine Freundin&#8220;. Siehe auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Objekt_(Grammatik)\">Objekt<\/a> bei Wikipedia.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Allerdings gibt es auch bei der Valenzgrammatik Probleme. Ist <em>eilen<\/em> wirklich einwertig?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/satz_eilen.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>1. Wir eilten.<br>2. Wir eilten nach Hause.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der erste Satz wirkt unvollst\u00e4ndig. Der zweite ist richtiger &#8211; hei\u00dft das, dass ein Adverbiale doch zur Valenz geh\u00f6ren kann? Dass es gar nicht stimmt, wenn wir Sch\u00fclern sagen, dass man die immer weglassen kann?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/satz_rufen.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>1. Sie riefen laut meinen Namen.<br>2. Sie riefen laut: &#8222;Guten Morgen!&#8220;<br>3. Sie riefen laut um Hilfe.<br>4. Sie riefen laut, dass die T\u00fcr verschlossen sei.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bei 1 ist das Akkusativobjekt klar, bei 3 ist das sicher keines, sondern wohl ein Pr\u00e4positionalobjekt (auch m\u00f6glich: <em>nach<\/em> Hilfe). Und 2 und 4? Man wird wohl sagen, dass hier ein Nebensatz beziehungsweise eine satzwertige \u00c4u\u00dferung die Akkusativobjekt-Rolle \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; Und wie ist das mit den Dativobjekten bei folgenden S\u00e4tzen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>1. Ich schreibe einen Brief. S-P-O<sub>A<\/sub><br>2. Ich schreibe ein Buch. S-P-O<sub>A<\/sub><br>3. Ich schreibe ihm ein Buch. S-P-O<sub>D<\/sub>-O<sub>A<\/sub><br>4. Ich schreibe ihm einen Brief. S-P-O<sub>D<\/sub>-O<sub>A<\/sub><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Welche der Dativobjekte in 3 und 4 sind in der Valenz vorgeschrieben, welche nicht? Letztere hei\u00dfen auch &#8222;freie Dative&#8220; (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dativ#Typen\">Wikipedia<\/a>) und sind Objekte, die man eben <em>doch<\/em> weglassen kann. Traditionell w\u00fcrde man sagen, dass das sowohl f\u00fcr 3 als auch f\u00fcr 4 gilt. Aber schreibt man nicht immer jemandem Briefe, und selten jemandem B\u00fccher? Oder ist das bereits Semantik und nicht mehr Syntax?<\/p>\n\n\n\n<p>Als Zuckerchen zum Schluss ein paar Aussages\u00e4tze ohne Subjekt, weil ich die sonst nirgendwo untergebracht habe:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>1. Mir ist kalt. O<sub>D<\/sub>-P-Pr\u00e4dikativ<br>2. Mich friert. O<sub>A<\/sub>-P.<br>Und mit Quasi-Subjekt:<br>3. Es friert mich. S-P-O<sub>A<\/sub><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>Nachtrag: Es hei\u00dft das Adverbiale, oder auch das Adverbial, glaube ich. Beim Plural bin ich mir nicht einig: Adverbialien, Adverbialen, Adverbialia, Adverbiale? Wer hilft? Und der Genitiv?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Schwierig ist das Pr\u00e4positionalobjekt. Es beginnt mit einer Pr\u00e4position (auf, in, nach&#8230;), aber das gilt auch f\u00fcr viele Adverbialien. Anders als diese ist das Pr\u00e4positionalobjekt aber in der Valenz des Verbes festgeschrieben &#8211; in Schulgrammatik-Sprache: &#8222;man kann es nicht weglassen&#8220;. 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