{"id":22408,"date":"2022-11-22T11:15:13","date_gmt":"2022-11-22T10:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=22408"},"modified":"2024-08-16T17:13:06","modified_gmt":"2024-08-16T15:13:06","slug":"otto-ehrhart-bembes-macht-sich-selbstaendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/11\/otto-ehrhart-bembes-macht-sich-selbstaendig.htm","title":{"rendered":"Otto Ehrhart, Bembes macht sich selbst\u00e4ndig"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/11\/otto-ehrhart-bembes-macht-sich-selbstaendig.htm#comments'>10 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorrede<\/h2>\n\n\n\n<p>Manchmal greife ich ein Buch aus dem Regal, von dem ich sicher war, dass ich es nie wieder lesen w\u00fcrde, und lese es dann doch, und zwar extra. Einmal, um die Existenz solcher B\u00fccher in meinem Regal zu rechtfertigen, aber vor allem, um mich dem allm\u00e4chtigen Vergessen, dem Zahn der Zeit, der unerbitterlichen Herrschaft der Entropie, dem Verfall und dem Vergessen, trotzig entgegenzustellen. \u201eSiehste, es geht doch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/ehrhart_bembes.png\" alt=\"\" style=\"float:right\" \/>\n\n\n\n<p>Dieses Buch stand in einem von mehreren verteilten kleinen B\u00fccherregalen meiner Eltern. In denen stand das Sammelsurium dieser Generation: Buchclub, Alexander Solschenizyn, Agatha Christie, Hildegard Knef, Schiller, 24-b\u00e4ndiges Lexikon, <em>G\u00f6tter, Gr\u00e4ber und Gelehrte, Die drei Musketiere, <\/em>Jules Verne, <em>Der Koran, <\/em>Karl Marx, Johannes Mario Simmel. Da war genug zum Entdecken. Dieses konkrete Buch, 55. &#8211; 59. Tausend 1952, Copyright 1937, mit einem Einkleber der \u201eHausb\u00fccherei Buch- u. Kunstdruckerei J P Himmer KG Augsburg V\u00f6lkstra\u00dfe 1&#8243;. Innen Spuren eines Klebebandes, mit dem entweder der urspr\u00fcngliche Papier- oder ein sp\u00e4terer Plastikumschlag das Buch einst gesch\u00fctzt hatten. Es d\u00fcrfte Lekt\u00fcre f\u00fcr den j\u00fcngsten Bruder meiner Mutter gewesen sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte es als Kind, sicher in der Grundschulzeit, aus dem Regal gezogen, so wie ich mir die meisten B\u00fccher zumindest mal zum Lesen ansah. Und ich hatte es gelesen, ganz und gerne, weil ich wei\u00df, dass ich es auch mehrfach wiedergelesen hatte, oder zumindest einzelne Abschnitte daraus. Dass das Buch in Fraktur gesetzt war, st\u00f6rte mich wenig, daran gew\u00f6hnte ich mich schnell, nur bei kontextlosen Gro\u00dfbuchstaben musste ich gelegentlich raten, muss ich auch heute noch. Wie in Fraktur h\u00e4ufig, waren die Binde- und Silbentrennungsstriche als Doppelstrich gesetzt. So hatte ich das in der zweiten Klasse in der Schule auch noch als Option gelernt, und die ersten Jahre \u00fcber habe ich meine Trennstriche dann auch genau so gesetzt, obwohl ich wohl wusste, dass das nicht mehr ganz \u00fcblich war.<\/p>\n\n\n\n<p>An viel konnte ich mich bei dem Buch nicht erinnern: Da war etwas von einer Dreck- oder Schlamm-Masse, in der die jugendlichen Helden nach Sch\u00e4tzen suchten, ziemlich am Ende; und irgend etwas mit einem St\u00fcck Marzipan. Aber ich vertraute meinem kindlichen Ich genug, um diesem obskuren Buch eine Chance zu geben. Dem Dreck bin ich dann schon im dritten Kapitel begegnet, und in der Mitte des Buchs holen sie sich beim B\u00e4cker \u201eAbfall\u201c, also Reste, und da ist eine zerbrochene Marzipanstange dabei, die einzige des Buchs.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bembes macht sich selbst\u00e4ndig<\/em> ist eine Sammlung von nur sehr lose verbundenen Episoden um Bembes und seine zwei Freunde, die Br\u00fcder Hans und Reinhard, die alle in die sechste oder siebte Klasse der Schwabinger Gisela-Oberrealschule gehen \u2013 heute Gisela-Gymnasium, Bau und Gr\u00fcndung 1904. Tats\u00e4chlich steht im Text, dass sie in die zweite beziehungsweise dritte Klasse gehen, gemeint aber sicher: der Oberrealschule. Am Gymnasium w\u00e4ren das Quinta und Quarta, waren diese Bezeichnungen an der doch ebenfalls neunj\u00e4hrigen Oberrealschule nicht \u00fcblich? (Fu\u00dfnote: Ich profitiere immer wieder davon, dass im Didaktikseminar an der Uni haupts\u00e4chlich um Geschichte der Didaktik gegangen war.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jungen wohnen aber nicht im st\u00e4dtischeren Schwabing, sondern in Oberwiesenfeld, Stadtrand und Truppen\u00fcbungsplatz. Heute ist da unter anderem der Olympiapark. Fr\u00fcher war die Familie wohl noch weiter auf dem Land; Bembes vermisst die Natur sehr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und, hat es sich gelohnt?<\/h2>\n\n\n\n<p>Definitiv. Die ungl\u00e4ubige Verbl\u00fcffung, die bei mir die schiere K\u00fchnheit von <em>Das bayerische Dekameron<\/em> und <em>Stalky &amp; Co<\/em> ausgel\u00f6st hat, fehlt, dennoch hat das Buch ein bisschen was von Oskar Maria Graf und Kiplings Schulgeschichten. Bei Kipling kommt nat\u00fcrlich noch mehr Milit\u00e4r und Empire und Schulsystem hinzu, seine Geschichten sind ausgefeilter, w\u00e4hrend das hier oft nur Vignetten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch, das Buch pr\u00e4sentiert mir, \u00e4hnlich wie die anderen beiden B\u00fccher, eine ganz neue Welt. Und das ist um so spannender, als es die vertraute Welt M\u00fcnchens ist. Stra\u00dfen, Orte, Ladengesch\u00e4fte werden genannt, die es heute noch gibt, oder zumindest ihre Spuren. Das Buch gibt einen Einblick in eine vergangene Welt, auch sprachlich: was f\u00fcr eine F\u00fclle an Dialektausdr\u00fccken, an Situationen, an Gerichten. Gegessen werden: Kutteln (wie bei meiner Mutter in der Kindheit), Schwammerlsuppe und \u201eLungenhaschee vom Pferd\u201c (\u201eKuheuter w\u00e4re ihm lieber gewesen, aber das gab es beim Metzger nicht immer.\u201c) Zwetschgendatschi bringt man zum Backen in die B\u00e4ckerei unten, \u201eGes\u00e4lz\u201c wird eingemacht. (Auf Mastodon erfahre ich: Sagt man im Alemannischen heute noch, &#8222;Breschdlengsgs\u00e4lz&#8220; etwa ist Erdbeermarmelade.) Bei den Kuttelmetzgern am Wurststand (am Viktualienmarkt) kauft man f\u00fcr ein Zehnerl zwei D\u00fcnngeselchte. Beim Konditor kriegt man Warschauer Brot.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Recherchieren, was dieses Geb\u00e4ck ist, st\u00f6\u00dft man auf Anfragen von Leuten, die das aus ihrer Kindheit kennen und ein Rezept oder \u00fcberhaupt genauere Angaben suchen: <a href=\"https:\/\/www.wer-weiss-was.de\/t\/warschauer-altes-restekuchenrezpt-gesucht\/9192139\/12\">https:\/\/www.wer-weiss-was.de\/t\/warschauer-altes-restekuchenrezpt-gesucht\/9192139\/12<\/a> Sigi Sommer wird als Fundort f\u00fcr den Namen angegeben. Ich kann nur folgende Information anbieten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Dann fragte er vorsichtig, ob es eine gute Konditorei sei, eine, die wo Kuchenabf\u00e4lle und viel Gew\u00fcrz und Rosinen ins Warschauer hineintut und nicht altes Hausbrot und gezuckerte Semmeln?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine gr\u00f6bere Vorform der sp\u00e4teren Granatsplitter?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Figuren selbst sind oberfl\u00e4chlich gezeichnet, es gibt nicht viel Charakterisierung. Die Jungs sind meist pr\u00e4pubert\u00e4r ohne viel Selbstreflexion. Aber Karikaturen wie bei Ludwig Thoma gibt es auch keine.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Autor und Rezeption<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt zum Autor keinen Wikipediaeintrag, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ehrhart\">auf der Seite zum Nachnamen Ehrhart<\/a> ist er immerhin mit Geburts- und Todesdaten angelegt: &#8222;Otto Ehrhart (auch Otto Ehrhart-Dachau; 1893\u20131945?), deutscher Schriftsteller, in Polen vermisst.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>In keinem der <a href=\"https:\/\/www.eurobuch.com\">hier gesammelten Online-Antiquariat<\/a>e ist <em>Bembes<\/em> derzeit lieferbar, bei Amazon gibt es <em>einen <\/em>Eintrag und <em>einen <\/em>lobenden Kommentar dazu. Bei Goodreads ist das Buch nicht angelegt. (Also, aktuell, ich hole das bald nach.)<\/p>\n\n\n\n<p>Am meisten erf\u00e4hrt man auf der Seite beim Literaturportal Bayern: <a href=\"https:\/\/www.literaturportal-bayern.de\/autorinnen-autoren?task=lpbauthor.default&amp;pnd=116440228\">https:\/\/www.literaturportal-bayern.de\/autorinnen-autoren?task=lpbauthor.default&amp;pnd=116440228<\/a> N\u00e4mlich: Ja, das Buch ist so autobiographisch, wie man meint, einschlie\u00dflich des Endes. Und: So unbedeutend war Ehrhart als Schriftsteller gar nicht. Interessantes Leben. Auch die Kommentare lesen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background has-global-padding is-layout-constrained wp-container-coregroup-is-layout-80fb368b wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#fcb90026;padding-top:var(--wp--preset--spacing--30);padding-right:var(--wp--preset--spacing--30);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--30);padding-left:var(--wp--preset--spacing--30)\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Inhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier sehr ausf\u00fchrlich, sonst gibt es nicht so viel zu dem Buch online. Ich habe jedes Kapitel aufgef\u00fchrt, auch wenn ich zu manchen nicht viel zu schreiben habe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Schulausflug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einf\u00fchrung der Hauptfiguren: Eine Schulklasse geht singend in die Natur, der Naturgeschichtsprofessor f\u00fchrt sie ins Dachauer Moos. Abseits der Hauptgruppe und keinesfalls mitsingend halten sich Bembes und seine zwei Freunde, die Br\u00fcder Hans und Reinhard. Frembezeichnung \u201edie Bankerten\u201c, Selbstbezeichnung \u201eMorganaten\u201c, nach dem verehrten Captain Morgan. Sie besorgen sich ein Alibi und klauen Kr\u00e4heneier, Bembes nimmt eine ganz junge Kr\u00e4he mit nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oberwiesenfeld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-container-corequote-is-layout-8a368f38 wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p style=\"padding-top:0;padding-right:0;padding-bottom:0;padding-left:0\">M\u00fcnchen war damals noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig klein. Hinter der Adalbert- und Georgenstra\u00dfe lagen bereits Wiesen. Die \u00c4u\u00dfere Schlei\u00dfheimerstra\u00dfe war schier unbebaut, vereinzelte H\u00e4usergruppen standen frei im offenen Gel\u00e4nde. [\u2026] Die Landschaft im S\u00fcden war wenig reizvoll. Einzeln verstreut in den ausgedehnten, der Stadt vorgelagerten Wiesen lagen alte H\u00e4uschen, kleine Geh\u00f6fte, in denen die Buben mit von den Baupl\u00e4tzen gestohlenem Material Zelte und H\u00fctten bauten, und in denen sie auch sonst allerlei Unfug zu treiben pflegten.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wir erfahren: Bembes\u2019 Vater ist Fabrikant mit einer Fabrik am Stadtrand. Bembes\u2019 Zimmer ist voller Getier: ausgest\u00f6pfte V\u00f6gel, Schmetterlinge und K\u00e4fer, aber auch lebende Eidechsen, Sumpfschildkr\u00f6ten, Blindschleiche in Terrarien. Zwergwels, Goldfische, Wassersalamander, Raupenzucht, Brachvogel. Auch Technik gibt es: Laterna Magica, Dampfmaschine. Totenkopfflagge, Fechts\u00e4bel, Luftgewehr, Beil.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pepi<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kr\u00e4he gew\u00f6hnt sich ans Haus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ringelnattern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am ehesten noch eine Lausbubengeschichte. Das Dienstm\u00e4dchen wird von ausgeb\u00fcxten Ringelnattern erschreckt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Schwabinger Schlacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Oberwiesenfelder liegen mit den Schwabingern im Streit. Schuld sind nat\u00fcrlich immer die anderen. Jedenfalls kommt es zu einer gro\u00dfen Schlacht. Ich habe <em>Das fliegende Klassenzimmer<\/em> von Erich K\u00e4stner nie gelesen, kenne nur die Verfilmung mit Fuchsberger. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Jetzt drehte sich alles nur noch um den Krieg. \u201eMir nehmen unsere Luftdruckg\u2019wehr mit\u201c, entschied Reinhard, \u201eund wenn der Fliegenkas mit seiner Pistolen schie\u00dft, schie\u00dfen mir auch!\u201c Und Bembes meinte: \u201eD\u2019Georgenstra\u00dfler f\u00fcrcht\u2019 i alle miteinander net. Aber d\u2019Belgrad- und d\u2019Herzogstra\u00dfler, die sind net schlecht! Mir m\u00fcss\u2019n schau\u2019n, da\u00df mir z\u2019erst d\u2019Georgenstra\u00dfler verhau\u2019n, wenn die amal lauf\u2019n, verlier\u2019n die anderen auch bald d\u2019Schneid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jede freie Minute wurde eifrig exerziert. Flaschen, T\u00f6pfe, und Blecheimer wurden stundenlang beworfen, bis sie beim besten Willen nimmer verwendbar waren. Wer ein \u00fcbriges Zehnerl hatte, kaufte sich beim Alth\u00e4ndler in der Schellingstra\u00dfe einen ausrangierten Studentenschl\u00e4ger. Er wurde wieder kampft\u00fcchtig gemacht, indem man ihn mit der Spitze solange an den Randstein schlug, bis er wieder eine Schneid hatte. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen ein Uhr sammelten sich die Oberwiesenfelder K\u00e4mpfer in der gro\u00dfen Schustergrube. Die Armee wurde in drei Gruppen eingeteilt, deren st\u00e4rkste Bembes f\u00fchrte, w\u00e4hrend Hans und Reinhard die beiden anderen Abteilungen befehligten. Es waren kampflustige, schneidige Burschen darunter, vor allem die Morganaten, man sah aber auch einige, die sich am liebsten im letzten Augenblick noch verzogen h\u00e4tten. Ein halbes Dutzend dieser Art dr\u00fcckte sich unschl\u00fcssig am Grubenrand herum, bis sie Bembes anschrie: \u201eWer Schi\u00df hat, soll heimgeh\u2019n, Feiglinge k\u00f6nnen mir keine brauch\u2019n.\u201d Worauf sich viere bedeppert empfahlen. Die andern schlossen sich der Hauptgruppe an. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>Man beobachtete einstweilen, hinter den Weiden versteckt, den Feind. Die Georgenstra\u00dfler, an die drei\u00dfig Mann stark, dr\u00fcckten sich an der Josephskirche herum. Von den Herzogs- und Belgradstra\u00dflern war noch nichts zu sehen. Wahrscheinlich lagen sie in einem Neubau am Rande der Herzogstra\u00dfe, denn dort konnte man ab und zu die eigenen und fremde Kundschafter ausmachen. Jetz kam die erste Meldung: \u201eDie Georgenstra\u00dfler r\u00fccken aus!\u201c Und tats\u00e4chlich, da kamen sie daher, mit einer sch\u00f6nen blauen Fahne, und einer hatte sogar eine Trommel mit. \u201eDie Fahne m\u00fcssen mir kriegen!\u201c sagte der Reinhard. \u201eUnd d\u2019Trommel nehmen mir ihnen a!\u201c der Hans.<\/p>\n\n\n\n<p>Bembes war etwas wortkarg geworden. Die Verantwortung dr\u00fcckte. So ein richtiger Krieg war nichts Einfaches. Die Morganaten waren ja schon gut, aber auch die ander konnte man sich nicht ganz verlassen. Wenn er sich selber ansah, im kriegerischen Schmuck, mit S\u00e4bel und Luftdruckgewehr, mit dem H\u00e4uptlingsabzeichen aus Vorhanglitzen, die er sich selber angen\u00e4ht, kam er sich recht w\u00fcrdig vor. Fad war nur, da\u00df man als H\u00e4uptling am meisten abkriegte, weil einen jeder gleich kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich wurde er wach. Was die Georgenstra\u00dfler eben machten, war ein gro\u00dfer Fehler. Die gingen ja viel zu weit vor. So verloren sie jede F\u00fchlung mit den andern. \u201ePa\u00df auf, Hans! Die krieg\u2019n mir! Du gehst jetzt heimlich \u00fcber die Rosenau an d\u2019Josephskirchen vor, bis ihr im R\u00fccken seid. Und du Reinhard, du gehst nachher, wenn die andern weit g\u2019nug sin, offen gegen den Feind vor. Dann meint er, d\u00f6s w\u00e4r\u2019 alles. Und auf einmal hamms dann den Hans mit seinen Leuten im G\u2019nick. Und wenn d\u2019Belgradstra\u00dfler vorbrechen und glauben, da\u00df s\u2019 mit euch leicht fertig werden t\u00e4ten, komm i mit dem Ganzen daher, wie der Sturm! Da k\u00f6nnt ihr euch drauf verlass\u2019n!\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Das Verh\u00f6r<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachwehen der Schlacht: Die Polizei kommt und verh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Dieb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bembes f\u00e4llt in Ungnade und wird f\u00fcr einen Dieb gehalten, weil Gegenst\u00e4nde im Haus verschwinden. Stellt sich heraus, es ist die Kr\u00e4he, die einen Hort angelegt hat. Als Wiedergutmachung gibt es ein Angebot: die Kr\u00e4he weggeben und mit den Eltern in die Sommerfrische, oder sie behalten und nicht mitfahren. Unter Freudentr\u00e4nen bedankt sich Bembes bei den \u00fcberraschten Eltern, dass er den Vogel behalten darf. (Die n\u00e4chsten Episoden \u00fcber ist Bembes dann alleine zu Hause, zusammen mit dem Dienstm\u00e4dchen Anna.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Ferientag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nur nebenbei: In Milbertshofen erbetteln sie in der Georgenschwaige \u201egegen das \u00fcbliche Vaterunser\u201c bei Schwester Afra ein St\u00fcck Brot, was sie als besonders spannend empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Geld im Batz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Geschichte ohne gro\u00dfe Spannungskurve. Der M\u00fcnchner Stra\u00dfendreck wird an den Stadtrand gefahren und dort ausgekippt, und die Jungen w\u00fchlen sich gerne durch den frischen Dreck, um M\u00fcnzen und andere Sch\u00e4tze zu finden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Und richtig, drunten hinter der Schusterschen G\u00e4rtnerei bogen die hochgebauten, zweir\u00e4drigen Eisenkarren bereits um die Ecke, die den in den Stra\u00dfenablaufsieben M\u00fcnchens gesammelten Stra\u00dfendreck \u2013 den \u201eBatz\u201c \u2013 in ihren Beh\u00e4ltern sammelten, um ihn in die Versitzgruben zu sch\u00fctten. Einige dieser Karren standen schon da und entleerten ihren Inhalt platschend in die Tiefe.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Schustergrube war die Goldmine der Oberwiesenfelder. Sie kamen sich hier wie echte Goldw\u00e4scher vor. Nur da\u00df das Gesch\u00e4ft viel dreckiger war. Sobald die Kutscher den Inhalt der Wagen, die graufl\u00fcssige, stinkende Masse \u00fcber den Hang hinuntergesch\u00fcttet hatten, st\u00fcrzten sich die Buben hinein und begannn, knietief im Dreck stehend, den Stoff zu durchw\u00fchlen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWo is er denn her?\u201c fragte Bembes. \u201eAus der inneren Stadt!\u201c \u2013 \u201eAu fein!\u201c \u2013 Das war Edelware.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Die Ranch am Mississippi<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAm Rande des Oberwiesenfeldes, weit drau\u00dfem bei der Moosacher Fasanerie\u201c befindet sich ein Bau, den das Milit\u00e4r f\u00fcr \u00dcbungen nutzt, so eine Art Geb\u00e4udeattrappe, gro\u00df, mit T\u00fcren und offenen, unverglasten Fensterl\u00f6chern und zwei Stockwerken, aber keinen Zimmern oder M\u00f6beln. Das, und weil die Offiziere des Schweren Reiterregiments im Fasching zuvor eine Cowboy-und-Indianer-Show mit viel Schie\u00dferei aufgef\u00fchrt haben, bringt die Buben dazu, selbst so ein Programm aufzuf\u00fchren. Es ist mehr ein Reenactment, ein Live-Rollenspiel, eine dramatische Auff\u00fchrung. M\u00e4dchen werden angeworben, die die alleine zur\u00fcckgelassenen \u201eSquaws\u201c (Frauen der der wei\u00dfen Farmer) in dem Geb\u00e4ude spielen. Eine andere Gruppe gibt die Sklaven auf der Plantage vor der Farm, eine weitere die angreifenden Indianer, eine letzte die zur Rettung doch noch auftauchenden Farmer. H\u00f6hepunkt ist die Z\u00fcndung von drei selbst gebastelten Schwarzpulverbomben (\u201evom Geringer Seppl, der ein fast ausgelernter Schlosserlehrling beim Maffei war\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Als Beleidigung f\u00fcr diejenigen, die am Anfang nicht mitmachen wollten (inzwischen ist die Mitspielergruppe auf eine erkleckliche Zahl gewachsen): <strong>\u201eIhr k\u00f6nnt&#8217;s uns jetzt hinten frisieren\u201c<\/strong> \u2013 gegen Zahlung eines Zehnerls werden sie aber noch aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieblingssatz: <strong>\u201eAlarm! D\u2019Sioux kemmen!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Es war jetzt wundersch\u00f6n, wie die Squaws hin und her liefen, die H\u00e4nde rangen und schrien: \u201eOh Gott! Wie schrecklich! Verrat! Mir san verlor\u2019n!\u201c Noch feiner war es dann, wie der Maillinger mit seinen Kundschaftern aufsprang und mit den Kapselrevolvern und Pflederern das Gefecht begann.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gelernt: Was <strong>Pflederer <\/strong>sind:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Waffen, die man trug, waren nicht so gef\u00e4hrlich wie bei einer Schlacht. Man sah viel h\u00f6lzerne Dolche mit Blut vom Feind an der Spitze, Kapselrevolver, Lassos, Speere, Pflederer. Das waren Patronenh\u00fclsen, in die man zuerst unten etwas Bl\u00e4ttchenpulver legte, dann kamen ein paar Kapfeln darauf, auf die man ein rundes, dem Durchmesser entsprechendes Eisenst\u00fcck legte, das jedoch gen\u00fcgend Spielraum haben mu\u00dfte. Die \u00d6ffnung wurde mit einem handlangen Holzgriff verschloffen. Wenn man dann den Pflederer fest auf den Boden warf, ging die Geschichte los. Der Eisenbolzen schlug auf die Kapseln, und es haute das Holzst\u00fcck weit hinaus.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Ende ist dann nat\u00fcrlich dramatischer als geplant, weil die Bomben deutlich heftiger explodieren als geplant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Verschw\u00f6rung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Buben verschw\u00f6ren sich gegen einen b\u00f6sen B\u00e4cker und Vermieter, der auf die Sozis und die \u201eroten Br\u00fcder\u201c schimpft. Man kauft nicht mehr dort und sorgt f\u00fcr \u00c4rger, indem man die Beutel mit dem bestellten Geb\u00e4ck, die morgens an die T\u00fcrgriffe der Wohnungen geh\u00e4ngt werden, vertauscht \u2013 so dass die feinen Leute das schlechtere, die armen das bessere Brot kriegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann holt Bembes einen Zwetschgendatschi vom B\u00e4cker ab, vermutlich vom Dienstm\u00e4dchen gemacht, abe rzum Backen dorthin gegeben. Die B\u00e4ckersfrau klagt ihm ihr Leid und will wissen, warum er denn nicht mehr zu ihnen komme, bis Bembes fast Mitleid kriegt; dabei siezt sie ihn: \u201eDie besseren Leute sind ja viel vern\u00fcnftiger in dieser Hinsicht, sonst w\u00fcrde ich das auch gar nicht zu Ihnen sagen. Aber was die Sozialdemokraten sind, das sind die reinsten Verbrecher, die uns am liebsten zu Tod hetzen t\u00e4ten.\u201c Dennoch, der B\u00e4cker nimmt eine angek\u00fcndigte Mieterh\u00f6hung zur\u00fcck, und die Verschw\u00f6rung, ein heimlicher Boykott, wird aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Schwere Reiter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bembes kriegt mit, dass das Dienstm\u00e4dchen Anna heiraten fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Familie verlassen will. Beide weinen viel. Die Aussicht auf Besuche in der Stadt, also M\u00fcnchen, wo es dann in der Konditorei von Annas Schwager immer ein <strong>Warschauerbrot<\/strong> f\u00fcr Bembes gebe, soll ihn beschwichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Soller: Eine Wirtschaft im Tal, wo viele Lukis verkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Konditor Schmid in der Ledererstra\u00dfe: dann Caf\u00e9 Schmid, seit Ende 1998 Bar Centrale.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der geheimnisvolle Schuppen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Buben pl\u00fcndern einen Schuppen, der zwar durch einen Zaun und ein Schild Schild \u201eWarnung vor dem Hunde\u201c gesch\u00fctzt werden soll, aber das macht eher neugierig auf den Hund. Im Schuppen ausranhiertes Klinikmaterial, das am Anfang gruslig ist \u2013 Glasaugen, Pr\u00e4parate.<\/p>\n\n\n\n<p>Neues Verb gelernt: <strong>&#8222;Und auch weil an der Ecke der Hohenzollernstra\u00dfe ein neuer Eismann standelte.&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zitat: \u201eB\u00fccher!\u201c \u2013 \u201eLateinische!\u201c \u2013 \u201eSo a Dreck!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Stra\u00dfe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Verh\u00e4ltnis von feinen Buben und Stra\u00dfenbuben, und wer zu wem nach Hause darf. Die Eltern kommen aus der Sommerfrische zur\u00fcck, die Schule beginnt wieder, insbesondere Franz\u00f6sisch macht gar keinen Spa\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir lernen: Wenn man Geld braucht, kann man \u201emit einem Stock bewaffnet nach Schlei\u00dfheim hinausgehen und damit die vielen zwischen den Pflastersteinen steckengebliebenen Hufeisenstollen herausstechen\u201c und verkaufen. \u201eDas gab immer ein paar Pfennige.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem gelernt: Tafernwirtschaft. (<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Tafernwirtschaft\">Wikipedia.<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf dem Hasenmarkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir lernen: Jeden Sonntag findet <strong>am Viktualienmarkt hinter der Kuttelhalle der Hasenmarkt<\/strong> statt. Dort verkauft Bembes seine Hasen und Meerschweinchen, weil es Winter wird und sie zu viel fressen, und kauft sich vom Erl\u00f6s ein Paar wei\u00dfe M\u00e4use, um Futter f\u00fcr seine verbliebenen Tiere zu z\u00fcchten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ileana<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bembes lernt Ileana aus Rum\u00e4nien kennen, schwarzhaarig, \u201evon einer Sauberkeit, die er nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.\u201c Sauberkeit im Wortsinn, Bembes ist es peinlich, dass er doch ziemlich verdreckt ist. Er ist schwer verliebt, es kommt zu Stelldichein und K\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein tapferer Junge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pepi, die Kr\u00e4he, fliegt davon, wird aber in einer Rettungsaktion zur\u00fcckgebracht, die es in Zeitung schafft; Bembes\u2019 Eulen sterben, weil er ihnen \u2013 unabsichtlich \u2013 vergiftete M\u00e4use verf\u00fcttert hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fischen im Eis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bankerten stehlen einen Karpfen aus einem Weiher, werden dabei erwischt, entkommen aber. Gelernt: Karpfen (oder allgemein Fische?) f\u00e4ngt man, indem man sie \u201eprellt\u201c also mit einem Steinwurf oder auf \u00e4hnliche Weise bet\u00e4ubt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Dampfmaschine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00fcnchner Schneeabladewagen fahren t\u00e4glich vor die Wiesen der Stadt, um dort den Schnee zu deponieren. In dieser Schneelandschaft bauen sich die Bankerten eine Wohnung. Der Hauptteil der Geschichte ist ein R\u00fcckblick auf das vergangenen Weihnachten, wo Bembes eine in der <strong>Spielwarenabteilung von Obletter<\/strong> gesehene Dampfmaschine vorzeitig als Weihnachtsgeschenk entdeckt, ausprobiert und in die Luft jagt. Geld daf\u00fcr hatte der Vater vom \u201eOnkel Max aus Transvaal [&#8230;], der sich Vater f\u00fcr sein Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend des Burenkrieges erkenntlich zeigen wollte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Dreckkanone<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bembes wird verpetzt und muss im Karzer nachsitzen, von dort aus Blick auf den <strong>Elisabethmarkt.<\/strong> Am Gruber wollen die Morganaten Rache nehmen und locken ihn mit einem gef\u00e4lschten Liebesbrief in einen Hinterhalt zu einer Art Feme-Gerichtsverfahren. Zu dessen Er\u00f6ffnung wird <strong>\u201edas Enebene\u201c<\/strong> gesprochen \u2013 auch als Abz\u00e4hlreim verwendbar, <strong>\u201eEne, bene, subtrahene, divel, dabel, domino, eter, brocker, kasinocker, zinker, zanker, da\u00df.\u201c<\/strong> Ziel der Verhandlung ist, dass der Gruber eine \u201eMannesprobe\u201c ablegen soll, deren H\u00f6hepunkt das Schie\u00dfen aus einer aus einem Ofenrohr gebastelten Kanone ist. Die ist aber pr\u00e4pariert, so dass nicht vorne ein Kugel, sondern hinten viel Dreck und Batz herauskommt. Und so geschieht es auch. Mit dem Gruber gibt es in der Schule danach viel weniger Schwierigkeiten: Mobbing erfolgreich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anna geht fort<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Annas Verlobter, der Schwere Reiter Xaver Hundsreuther, kommt zum Essen. Keine dramatischen Ereignisse, aber Trennungsschmerz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gewitter im Moos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Seiten lyrische Beschreibung der Nordm\u00fcnchner Schotterebene im erwachenden Fr\u00fchling. Viele, viele Namen von V\u00f6geln, Insekten, Pflanzen. Bembes wird von einem heftigen Gewitter \u00fcberrascht und kommt sp\u00e4t und m\u00fcde und tropfnass nach Hause, wo die Eltern sich schon gro\u00dfe Sorgen gemacht haben. Die fehlende Handlung deutet schon an, dass hier kurz vor dem Ende retardiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein bunter Tag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bembes und Hans und Reinhard (seine zwei besten Freunde, Br\u00fcder) treiben sich in der Natur herum, fangen und t\u00f6ten und essen Tiere, schauen einer Schl\u00e4gerei zwischen Soldaten der Infanterie und Schweren Reiter zu, verdienen sich ein bisschen Geld beim Kegelaufstellen \u2013 kein zentraler Konflikt, keine steigende oder fallende Handlung. Am Ende am Rande die Nachricht, dass die Freunde vielleicht wegziehen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Welt ruft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Wegziehen der Freunde wirft Bembes aus der Bahn. Als er nach einer kleineren Erkrankung wieder gesund ist und wieder zur Schule soll, geht er einfach nicht hin, weil sie ihn langweilt, er schw\u00e4nzt und verbringt die Tage im Dachauer Moos \u2013 Fische fangen und braten, beobachten, tagtr\u00e4umen. Er plant halbherzig, nach Italien durchzubrennen. Abends ist er immer zuhause, aber tags\u00fcber stiehlt er sich Essen aus G\u00e4rtnereien, wird aber endlich erwischt und alles fliegt auf. Von der Schule wird er fliegen, die Eltern hat er entt\u00e4uscht. Schlie\u00dflich verl\u00e4sst er tats\u00e4chlich heimlich die Familie und schickt nach f\u00fcnf Tagen eine Karte aus Ascona. \u201eIch bin jetzt ein Mann\u201c und \u201eMeine n\u00e4chste Adresse ist hauptpostlagernd Padua.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nachklang<\/h2>\n\n\n\n<p>Meine Eltern erz\u00e4hlen heute noch, gl\u00fccklicherweise nicht zu oft, wie mein Zwillingsbruder und ich einmal abhauen wollten. Allerdings kamen wir nur aus der Wohnungs-, nicht aber aus der abgeschlossenen Haust\u00fcr. Also mussten wir fr\u00fchmorgens klingeln und wieder zur\u00fcck, ohne eine echte Erkl\u00e4rung f\u00fcr diesen haneb\u00fcchenen Plan angeben zu k\u00f6nnen. War das Grundschulzeit und angeregt durch das Ende dieses Buchs, oder, wahrscheinlicher, doch eher zuvor zur Kindergartenzeit? Immerhin, mein Vater, Jahrgang 1937, dem Erscheinungsjahr des Buchs, ist als Teenager mal mit einem Spezl abgehauen und hat sich einige Wochen oder Monate herumgetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>(Schwarzpulvererfahrungen habe ich auch gesammelt, allerdings ohne mich dabei an die Bembes-Geschichten zu erinnern, die waren damals, in der oberen Mittel- und fr\u00fchen Oberstufe, schon wieder vergessen.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(10 Kommentare.) Vorrede Manchmal greife ich ein Buch aus dem Regal, von dem ich sicher war, dass ich es nie wieder lesen w\u00fcrde, und lese es dann doch, und zwar extra. 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