{"id":233,"date":"2005-04-28T06:27:21","date_gmt":"2005-04-28T04:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/03\/kontaktfreudige-grundschueler.htm"},"modified":"2008-03-21T16:03:57","modified_gmt":"2008-03-21T15:03:57","slug":"kontaktfreudige-grundschueler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/04\/kontaktfreudige-grundschueler.htm","title":{"rendered":"Kontaktfreudige Grundsch\u00fcler"},"content":{"rendered":"<p>(Ein Gastbeitrag aus der 9. Klasse, um zuk\u00fcnftige Blogger heranzuziehen. Ich habe gefragt, ob ich den Text hier noch einmal ver\u00f6ffentlichen darf.)<\/p>\n<p>Manchmal wundere ich mich, wie viele eigenartige Leute doch hier in F\u00fcrstenfeldbruck frei herumlaufen. Heute habe ich eine sehr interessante Zweitkl\u00e4sslerin getroffen. F\u00fcr gew\u00f6hnlich haben sie meisten Grundsch\u00fcler, die mich nicht kennen, Respekt vor mir, so wie ich in der Grundschule auch Respekt vor den \u0084Gro\u00dfen\u0093 hatte. Man wusste ja nie, wozu die f\u00e4hig waren und wenn sich 14-j\u00e4hrige auf einer Schaukel langweilen, dann machte man einen Bogen um darum. Wenn man Gl\u00fcck hatte, hat eine aufpassende Mutter die \u0084b\u00f6sen Gro\u00dfen\u0093 verscheucht.<br \/>\nAber scheinbar sind nicht alle Grundsch\u00fcler so. Auf meinem halben Schulweg liegt eine Grundschule. Oft tr\u00f6deln die Grundsch\u00fcler auf ihrem Heimweg ziemlich, so dass ich oft auf dem zweiten Teil des Weges direkt in der Grundsch\u00fclerparade bin, obwohl ich doppelt so weit laufen muss. Gew\u00f6hnlich kann man die Kleinen ganz leicht \u00fcberholen, schlie\u00dflich m\u00fcssen sie alle zwei Meter stehen bleiben um neuen Schnee f\u00fcr Schneeb\u00e4lle aufzusammeln oder um sich den besagten Schnee wieder aus dem Genick zu entfernen, nachdem der Freund ihn dorthin bef\u00f6rdert hat. Heute aber, nachdem ich gleitzeitig mit zwanzig Grundsch\u00fclern die Stra\u00dfe \u00fcberquert hatte (und 19 davon \u00fcberholt hatte) bemerkte ich eine Grundsch\u00fclerin, die mich \u00fcberholte. Ich wurde schneller, so was darf man sich nicht gefallen lassen, nicht von Grundsch\u00fclern. Ich \u00fcberholte sie, sie \u00fcberholte mich wieder. Dann wurde es mir zu bl\u00f6d, au\u00dferdem war die Kleine mit dem pinken Schulranzen sowieso schon aus der Puste. Jetzt war sie aber sichtlich zufrieden mit sich und wurde auch langsamer. \u0084In welche Klasse gehst du?\u0093, fragte sie mich. Ich war im ersten Moment mehr als \u00fcberrascht. Warum sprach dieses Kind mich an? Schlie\u00dflich schaue ich nicht besonders \u0084zum-ansprechen-einladend\u0093 aus, eigentlich konzentriere ich mich auf dem Schulweg mehr auf das Muster des Pflasters. Aber man kann ja den Grundsch\u00fclern ihren Spa\u00df lassen, also antwortete ich \u00849.\u0093 Die kleine grinste \u0084Ich geh\u0092 in die 2. Wie hei\u00dft du?\u0093 Ich h\u00e4tte mich das fr\u00fcher nicht getraut. Sp\u00e4testens bei \u00849.\u0093 w\u00e4re ich davongelaufen. Wei\u00df dieses Kind nicht, dass 9-Kl\u00e4ssler gro\u00df und b\u00f6se sind? \u0084Nina\u0093, murmelte ich. Kleine Kinder soll man ja nicht anl\u00fcgen. \u0084Ich bin die Stephanie.\u0093 Ich h\u00e4tte eher auf \u0082Fabienne\u0092 getippt. Jedenfalls entsprach dieses Kind mit dem pinken Schulranzen genau meinen Vorstellungen einer Fabienne. F\u00fcnf Meter sp\u00e4ter st\u00f6hnt Stephanie. \u0084Mein Schulranzen is heute voll schwer, ich glaub, da sind Steine drin.\u0093 Ich l\u00e4chle, anstandshalber. In der Grundschule hatte ich genau drei B\u00fccher: das Deutschbuch, das Mathebuch und das Religionsbuch. Au\u00dferdem gab es da noch das \u0084unter-der-Bank\u0093-Fach f\u00fcr B\u00fccher, die man nur in der Schule braucht. \u0084In der 9. is der Schulranzen noch viel schwerer, geh?\u0093 Ha. Wenigstens Etwas. \u0084Wie viele B\u00fccher hast du?\u0093 Ich sagte in der Hoffnung, Stephanie zu verbl\u00fcffen : \u0084Etwa f\u00fcnfzehn insgesamt, heute aber nur sechs\u0093 Leider beeindruckte das die Kleine nicht sehr. Nicht mal ein erstaunter Blick. Oder Respekt. Oder Mitleid. Stattdessen setzte sie ihre Fragerei fort. \u0084In der 9. is es bestimmt voll schwer, geh?\u0093 Ja, besonders wenn man auf dem Heimweg auch noch ausgefragt wird. \u0084M-hm\u0093, brummte ich. Hoch etwa 200 Meter bis zu meiner Stra\u00dfe. \u0084In der Zweiten is es auch schon voll schwer. Besonders in Mathe. In der Ersten war das aber alles noch voll baby. So 5 + 5. Voll einfach.\u0093 Noch f\u00fcnfzig Meter. \u0084Und dann heute, da hab ich voll viel gemacht, geh. Da hab ich dann den ganzen Wochenplan* fertig gemacht. Und dann..\u0093 Ha. Geschafft. \u0084Du, ich muss jetzt da in die Stra\u00dfe rein. Tsch\u00fcss.\u0093 \u0084Tsch\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcs! und sch\u00f6nes Wochenende, Nina!\u0093 Komisch, dass dieses Kind mir ein sch\u00f6nes Wochenende gew\u00fcnscht hat. Bei der \u00fcberfreundlichen Schulweghelferin hat sie sich noch mal f\u00fcr das Wochenend-Bonbon bedankt. Vielleicht sollte ich in Zukunft wieder auf der andern Stra\u00dfenseite gehen. Aber eigentlich habe ich ja nichts gegen Grundsch\u00fcler. Eigentlich.<\/p>\n<p>*Einen Wochenplan wird wohl niemand aus seiner Grundschulzeit kennen\u0085 In der 1. und 2. Klasse ist die erste Stunde jeweils zur Freiarbeit. Naja, fast. Jeder Sch\u00fcler bekommt am Montag ein Blatt mit Aufgaben, die er bis zum Freitag in diesen Stunden erledigen muss. Das kann lesen sein, oder malen, oder \u00dcbungen im Buch. Alles, was man bis Freitag nicht schafft, muss man als Hausaufgabe \u00fcbers Wochenende machen. Ich kenne den Wochenplan von meiner Schwester (jetzt 4. Klasse), das gibt es noch nicht so lange, wurde eingef\u00fchrt als sie in der 1. Klasse war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ein Gastbeitrag aus der 9. Klasse, um zuk\u00fcnftige Blogger heranzuziehen. Ich habe gefragt, ob ich den Text hier noch einmal ver\u00f6ffentlichen darf.) Manchmal wundere ich mich, wie viele eigenartige Leute doch hier in F\u00fcrstenfeldbruck frei herumlaufen. Heute habe ich eine sehr interessante Zweitkl\u00e4sslerin getroffen. 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