{"id":2371,"date":"2009-05-20T14:24:08","date_gmt":"2009-05-20T12:24:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2371"},"modified":"2023-07-16T15:34:56","modified_gmt":"2023-07-16T13:34:56","slug":"an-was-ich-mich-noch-aus-meiner-schulzeit-erinnere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/05\/an-was-ich-mich-noch-aus-meiner-schulzeit-erinnere.htm","title":{"rendered":"An was ich mich noch aus meiner Schulzeit erinnere"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/05\/an-was-ich-mich-noch-aus-meiner-schulzeit-erinnere.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Manche Szenen meiner Schulzeit habe ich noch gut in Erinnerung. Viele haben mit Mitsch\u00fclern zu tun, aber etliche betreffen die Interaktion mit Lehrern. An folgende davon kann ich mich noch gut erinnern:<\/p>\n\n\n\n<p>5. Klasse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Herr W. bringt uns bei, was englisches Fr\u00fchst\u00fcck ist (Speck, Schinken, Ei, Tomate, Bohnen) und behauptet, es sei gr\u00e4sslich, so etwas am Morgen zu essen. Ich wusste schon damals, dass er irrte.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00c4ltliche Biologielehrerin zieht an den Ohren. Hat keinen gro\u00df gest\u00f6rt, obwohl wir dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt waren, dass sie das nicht durfte.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>6. Klasse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein Lehrer &#8211; Sport und Mathe, blond, stets gut gelaunt, keiner meiner Favoriten &#8211; macht mit dem Kugelschreiber einen Kringel in meine Zeichnung, an der ich w\u00e4hrend des Unterrichts arbeite. (Es gab mehrere Ordner voller Zeichnungen, alles Raumschiffe. Leider nicht erhalten.) Der Kringel wird sp\u00e4ter zu einem Scheinwerfer umgeformt. Trotzdem \u00e4rgerlich.<\/li>\n\n\n\n<li>Verweis in Bio gekriegt wegen Schw\u00e4tzen. Ungerechtfertigt, aber als Exempel f\u00fcr die Klasse verst\u00e4ndlich. Es ging um Wirbeltiere.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>9. Klasse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im Englischunterricht geh\u00f6rt: Bob Seger and the Silver Bullet Band, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YkfJ3zMIlO0\">Still the Same<\/a> und Bruce Springsteen, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mCpzgcH0QBE\">Darkness on the Edge of Town<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>Kurzgeschichte im Deutschunterricht: Ich wei\u00df nur noch, dass ich als einziger erkannt habe, dass die Zeitungsausschnitte, die am Spiegel der Frau klebten, bildlich zu verstehen waren. Ob ich gelobt worden bin, wei\u00df ich nicht, aber ich habe das als Leistung empfunden. Wei\u00df jemand, was das f\u00fcr eine Geschichte gewesen sein k\u00f6nnte?<\/li>\n\n\n\n<li>In Englisch &#8222;Fire and Ice&#8220; von Robert Frost, das ich bereits kannte, \u00fcbersetzt &#8211; als Herausforderung, also alle Sch\u00fcler selber, eine echte \u00dcbersetzung versucht halt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>10. Klasse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im Schulbuch eine Seite als Fernsehzeitungsseite aufgemacht. &#8222;Topkapi&#8220; kam, glaube ich, und das Wort <em>con man, con job<\/em> oder <em>con<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>11. Klasse<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Deutschlehrer Herr N. kommt rein, geht uns erst mal scharf an, weil wir nicht ruhig waren. Demonstriert uns dann, wie unf\u00e4hig wir sind, einfachen Anweisungen zu folgen: Jeder soll einen Zettel herausnehmen, links oben den Vornamen, rechts oben den Nachnamen hinschreiben, \u00e4hnlich einfache Anweisungen folgen. Danach hat die H\u00e4lfte der Sch\u00fcler irgend etwas falsch gemacht. Hat uns schwer beeindruckt. Alle lieben ihn.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleicher Lehrer erz\u00e4hlt Anekdoten aus dem zweiten Weltkrieg. Zieht sein Bein etwas nach. Nur die H\u00e4lfte der Anekdoten kann wahr sein, wir wissen es, er wei\u00df, dass wir das wissen. Wir wissen aber nicht, welche.<\/li>\n\n\n\n<li>Englischunterricht bei <a href=\"http:\/\/tulgeywood.de\/\">rip<\/a>. Zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/geoffrey-chaucer-the-canterbury-tales.htm\">Chaucer<\/a>. Aber auch Gedichte von Mervyn Peake und viele Lieder von Billy Joel.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>12. und 13. Klasse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Chemielehrer ermahnt mich, nicht so m\u00fcde auf der Bank zu liegen. Fragt mich n\u00e4chste Stunde aus. 12 Punkte gekriegt. Ha!<\/li>\n\n\n\n<li>Englisch-Leistungskurs: Lehrer geht davon aus, wir w\u00fcrden Shelley nicht kennen. Sch\u00fcler protestieren. Lehrer verlangt zum Beweis seinen zweiten Vornamen. Zwei Sch\u00fcler im LK kennen ihn. Ein \u00e4hnliches Ergebnis w\u00fcrde mich bei aktuellen Leistungskursen \u00fcberraschen.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleicher Lehrer behauptet, Kaufhausmusik w\u00fcrde &#8222;Bozart&#8220; hei\u00dfen. Ich korrigiere ihn, er meine &#8222;Muzak&#8220;. Schon damals Klugschei\u00dfer.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleicher Lehrer erw\u00e4hnt nebenbei Autoren und Titel. Ich schreibe sie mit und lese sie nach und nach. <em>Puckoon<\/em> von Spike Milligan zum Beispiel. Einer seiner Vorschl\u00e4ge f\u00fcr seine Facharbeit: <em>Lost Horizon<\/em> von meinem geliebten <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/james-hilton.htm\">James Hilton<\/a>, Gr\u00fcnde f\u00fcr den gro\u00dfen Erfolg des Romans in den fr\u00fchen 30er Jahren. Das Buch kannte ich vom H\u00f6rensagen bzw. Literaturgeschichte-Lesen schon vorher, aber das war wohl der Anlass, dass ich es mir kaufte.<\/li>\n\n\n\n<li>Deutsch-Leistungskurs: Lehrerin thematisiert Kitsch. Bringt zwei Texte mit, einen literarisch wertvollen, einen verkitschten. (<a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=bvJETobc4LgC&amp;printsec=frontcover#PPA90,M1\">Quelle<\/a>, ergoogelt.) Wir sollen herausfinden, welcher Text Kitsch ist, welcher nicht. Bin der erste, vielleicht einzige, der antwortet. Tippe allerdings auf den falschen Text. Das geht mir seitdem nicht aus dem Kopf: Kitsch liegt mir, deutsche Literatur ist mir suspekt, vielleicht verdorben durch Science Fiction, vielleicht sind die Kriterien auch nicht sinnvoll. Sollte ich mal mit Sch\u00fclern ausprobieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Kunstunterricht: Kunstlehrer hat Videokassette dabei, die ihm ein anderer Sch\u00fcler gegeben hat. &#8222;Irgendein Western,&#8220; erkl\u00e4rt er uns. Vermutlich ist er auf die Idee gekommen, weil der Film das Wort &#8222;Kentucky&#8220; im Namen hatte. Als der Film begann, war da kein Western, sondern&#8230; anderes. Bei &#8222;katholische Schulm\u00e4dchen in Not&#8220; spult er hastig vor, in Erwartung des eigentlichen Films sp\u00e4ter auf dem Band. Als er Play dr\u00fcckt, lautet der n\u00e4chste Satz &#8222;Willkommen in der wunderbaren Welt des Sex&#8220;. Spult sofort weiter vor. Wir kl\u00e4ren ihn auf, dass es sich bei &#8222;Kentucky Fried Movie&#8220; um eine Kom\u00f6die und keinen Pornofilm handelt; er ist beruhigt. Kriegt trotzdem Schwierigkeiten mit Eltern und Vorgesetzten, eher wegen der Zombiefilme und wegen &#8222;Die Klasse von 1984&#8220;.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich hatte eine sch\u00f6ne Schulzeit, habe die Schule aber auch sehr gerne und ganz unsentimental verlassen. Ans Abitur kann ich mich kaum erinnern; es lief sehr gut, aber das wei\u00df ich nur noch aufgrund der Noten. Meinem sehr wortkarg gef\u00fchrten Tagebuch entnehme ich, dass ich in der Kollegstufe gelegentlich nicht zum Unterricht erschienen bin, sondern Kaffee getrunken habe. Mantel des Schweigens.<br>Ich war zuverl\u00e4ssig, schw\u00e4tzte wohl viel, beteiligte mich gelegentlich am Unterricht (vor allem aus Mitleid, wenn sonst keiner wollte), kriegte so ziemlich alles vom Unterricht mit und hatte demnach zu Hause nicht viel zu tun. Es gab sehr wenig Gruppenarbeit, sehr gelegentlich Rollenspiel, das ich stets als unangenehm empfand. Mangel an Gewohnheit.<br>Im Lehrerzimmer war ich zum ersten Mal nach meiner Schulzeit; ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich jemals etwas an der Lehrerzimmert\u00fcr von einem Lehrer wollte. In der Schulbibliothek war ich ein einziges Mal, im Sprachlabor ebenso. Im gro\u00dfen und ganzen lief der Unterricht in Form von Lehrer-Sch\u00fcler-Gespr\u00e4ch ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich h\u00e4tte ich von anderen Schul- und Unterrichtsformen auch profitieren k\u00f6nnen. Aber f\u00fcr mich war diese Art Unterricht effektiv und goldrichtig: Lehrer stellt sich hin, sagt was, ich merke es mir, rede mit ihm dar\u00fcber. Passe im Unterricht auf, schaue am Anfang der Stunde kurz ins Heft.<br>Es gibt auch heute in jeder meiner Klassen Sch\u00fcler, f\u00fcr die diese Art des Unterrichts effektiv und goldrichtig ist. Der Ruf nach neuen Formen des Unterrichts hat weniger damit zu tun, dass die alten Formen schlechter sind, als damit, dass man damit vielleicht mehr Sch\u00fcler erreicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) Manche Szenen meiner Schulzeit habe ich noch gut in Erinnerung. Viele haben mit Mitsch\u00fclern zu tun, aber etliche betreffen die Interaktion mit Lehrern. 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