{"id":2391,"date":"2009-05-30T17:24:50","date_gmt":"2009-05-30T15:24:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=2391"},"modified":"2023-06-25T07:22:59","modified_gmt":"2023-06-25T05:22:59","slug":"chesterton-the-club-of-queer-trades-und-weitere-godgames","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/05\/chesterton-the-club-of-queer-trades-und-weitere-godgames.htm","title":{"rendered":"Chesterton, The Club of Queer Trades (und weitere Godgames)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/05\/chesterton-the-club-of-queer-trades-und-weitere-godgames.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Aus Gr\u00fcnden wiedergelesen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"138\" height=\"214\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/chesterton_queer_trades.jpg\" alt=\"chesterton_queer_trades\" class=\"wp-image-2394\" title=\"chesterton_queer_trades\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/chesterton_queer_trades.jpg 138w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/chesterton_queer_trades-96x150.jpg 96w\" sizes=\"auto, (max-width: 138px) 100vw, 138px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">G.K. Chesterton, <em>The Club of Queer Trades<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Sechs Kurzgeschichten, lose zusammenh\u00e4ngend. Chestertons erste Kriminalgeschichten, nur dass es eben keine sind. Und das, obwohl Sherlock Holmes das Vorbild ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In der ersten Geschichte wird die Verwandschaft mit Sherlock Holmes noch explizit geleugnet, genauer: dessen Interesse an Fakten und die eindeutigen Schlussfolgerungen, die er daraus ziehen kann. Dennoch ist die Atmosph\u00e4re und die Struktur die gleiche wie bei Arthur Conan Doyle. In der zweiten Geschichte zum Beispiel verfolgen Basil Grant (der wie Holmes meist einen Wissensvorsprung hat) und der weniger durchblickende Gully zwei n\u00e4chtliche Droschkenfahrer:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Before I could count twenty the cab had gone rattling up the street with both of them. And before I could count tweny-three Grant had hissed in my ear: &#8222;Run after the cab; run as if you were running from a mad dog &#8211; run.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Genauso klingt eine Verfolgungsjagd bei Holmes und Watson.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Helden bei Chesterton sind die Watson-Erz\u00e4hlerfigur Gully Swinburne, der etwas \u00fcbereifrige Detektiv Rupert Grant, aber vor allem dessen Bruder, der pensionierte Richter (und jetzige Dichter) Basil Grant. Sie sto\u00dfen auf merkw\u00fcrdige Vorkommnisse, die den Geschichten ihre Namen geben: &#8222;The Awful Reason of the Vicar&#8217;s Visit&#8220; und &#8222;The Singular Speculation of the House Agent&#8220;. Eine der Geschichten h\u00e4tte eigentlich hei\u00dfen m\u00fcssen &#8222;The Adventure of the Dancing Man&#8220; (frei nach dem Holmes-Titel: &#8222;The Adventure of the Dancing Men&#8220;; in beiden Geschichten geht es, wenn auch auf andere Weise, um Sprache).<br>Alles deutet jeweils auf ein Verbrechen hin, doch die tats\u00e4chlichen Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das ungew\u00f6hnliche Ereignis sind viel bunter, \u00fcberraschender, schr\u00e4ger &#8211; wie eine Art <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lateral_(R%C3%A4tsel)\">lateral thinking puzzle<\/a>. Zusammengehalten werden die Geschichten dadurch, dass diese Erkl\u00e4rung jeweils darin besteht, dass eine der Personen in der Geschichte einen v\u00f6llig neuen Beruf erfunden hat &#8211; und damit die Berechtigung erworben hat, im exklusiven <em>Club of Queer Trades<\/em> Mitglied zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Exkurs: Die Weltsicht Chestertons<\/h4>\n\n\n\n<p>Ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/01\/gk-chesterton-the-coloured-lands.htm\">bin ja<\/a> ein Chesterton-Fan. Viele kennen ihn nur von Pater Brown, dabei hat er entz\u00fcckend schr\u00e4ge B\u00fccher geschrieben (etwa <em>The Napoleon of Notting Hill<\/em> oder <em>The Man Who Was Thursday<\/em>). F\u00fcr Sandman-Leser: Chesterton ist die Vorlage f\u00fcr Gilbert a.k.a. Fiddler&#8217;s Green.<\/p>\n\n\n\n<p>Typisch ist f\u00fcr mich die Weltsicht Chestertons: das Wunderbare im Allt\u00e4glichen sehen. Lieblingszitat, schon mal erw\u00e4hnt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>It is one thing to describe an interview with a gorgon or a griffin, a creature who does not exist. It is another thing to discover that the rhinoceros does exist and then take pleasure in the fact that he looks as if he didn&#8217;t.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nichts gegen Einh\u00f6rner, aber ein Nashorn ist bereits wunderbar genug, wenn man erst einmal \u00fcber die schn\u00f6de Eigenschaft hinwegsehen kann, dass es wirklich existiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>Club of Queer Trades<\/em> \u00e4u\u00dfert sich das nat\u00fcrlich in der Pr\u00e4misse aller Geschichten: Dass die Welt aufregend genug ist, auch wenn kein Kriminalfall dahintersteckt. Aber auch diese Wegwerfbeobachtung liebe ich, mit der eine Geschichte beginnt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Basil Grant and I were talking one day in what is perhaps the most perfect place for talking on earth &#8211; the top of a tolerably deserted tramcar. To talk on the top of a hill is superb, but to talk on the top of a flying hill is a fairy tale.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein englischer Doppeldeckerbus als fahrender H\u00fcgel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die moderne Variante davon hat der Komiker <strong>Louis CK<\/strong> in der Tonight Show mit Conan O&#8217;Brien gebracht: <a href=\"http:\/\/vodpod.com\/watch\/1335606-louis-ck-%E2%80%9Ceverything%E2%80%99s-amazing-nobody%E2%80%99s-happy%E2%80%9D\">Everything is amazing and nobody is happy<\/a>, die Leute haben Hochgeschwindigkeitsitnernet im Flugzeug und jammern dar\u00fcber, dass sie ihren Sitz nicht weit genug zur\u00fcckklappen k\u00f6nnen. &#8222;You&#8217;re sitting IN A CHAIR IN THE SKY&#8220;. How amazing is that?<\/p>\n\n\n\n<p>(Das Wunderbare im Allt\u00e4glichen sehen: Das ist nat\u00fcrlich auch das, was vor allem die \u00e4ltere Generation der Romantiker in Deutschland wollte. Bekanntes <strong>Novalis<\/strong>-Zitat: &#8222;Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gew\u00f6hnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die W\u00fcrde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.&#8220; Mein geliebter <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/06\/james-branch-cabell.htm\">James Branch Cabell<\/a> hat in seinen B\u00fcchern ebenfalls erkannt, dass man die die Welt anders sehen sollte. Allerdings glauben die meisten seiner Helden, dass die Welt chaotisch, sinnlos, willk\u00fcrlich ist, und dass die Gesellschaft und wohlerzogene Helden und Gentlemen einfach so tun, als stimmte das nicht. Moral und Werte sind reine Erfindungen, aber Lebensart hei\u00dft, sich den vorherrschenden Illusionen anzuschlie\u00dfen.)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zur\u00fcck zum Buch<\/h4>\n\n\n\n<p>Zwei der Geschichten, die vierte und vor allem die f\u00fcnfte, finde ich weniger gelungen, zu konstruiert, und auch ein wenig von der Zeit \u00fcberholt. Die erste ist nicht ganz typisch f\u00fcrs Buch, aber eine meiner Favoriten:<\/p>\n\n\n\n<p>Rupert Grant, der M\u00f6chtegerndetektiv, hat einen Klienten zu Basil in die Wohnung bestellt. Dieser, ein eher prosaischer Major Brown, erz\u00e4hlt ihnen von den merkw\u00fcrdigen Erlebnissen des Tages. Ein Garten mit Blumen, zu einer Nachricht arrangiert: &#8222;Death to Major Brown&#8220; . In der Wohnung zum Garten ein Mann mit der Warnung &#8222;For heavens&#8217;s sake, don&#8217;t mention jackals&#8220;, im haus eine geheimnisvolle Sch\u00f6nheit, Schreie von drau\u00dfen, ein Mann, der in der Kanalisation verschwindet &#8211; der Major hinterher, Schl\u00e4gerei, Flucht, ein unverst\u00e4ndlicher Brief als einziges \u00dcberbleibsel. Das Haus pl\u00f6tzlich verlassen, als h\u00e4tte nie jemand darin gelebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schluss stellt sich heraus, und das kommt im Buch weniger platt als in dieser Zusammenfassung, dass es sich um eine Verwechslung handelt. Der Vormieter der Wohnung trug den gleichen Namen wie Major Brown und hatte bei der <em>Adventure and Romance Agency<\/em> ein Abenteuer bestellt. Das Gesch\u00e4ftsmodell erkl\u00e4rt der Firmeninhaber:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Now the man who feels this desire for a varied life pays a yearly or a quarterly sum to the Adventure and Romance agency; in return, the Adventure and Romance Agency undertakes to surround him with startling and weird events. As a man is leaving his front door, n excited sweep approaches him and assures him of a plot against his life; he gets into a cab, and is diven to an opium den; he receives a mysterious telegram or a dramatic visit, and is immediately in a vortex of incidents. A very picturesque and moving story is first written by one of the staff of distinguished novelists who are at present hard at work in the adjoining room. Yours, Major Brown (designed by our Mr. Grigsby), I consider peculiarly forcible and pointed; it is almost a pity you did not see the end of it.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wir erfahren nat\u00fcrlich nie, genauso wenig wie der dann doch neugierig gewordene Major Brown, was es mit den Schakalen und so weiter auf sich hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war 1905, neunzig Jahre vor <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0119174\/\">The Game<\/a>, einem Film mit Michael Douglas mit \u00e4hnlichem Plot. Aber auch schon vor diesem Film hat es vergleichbare Werke gegeben. Als \u00dcberleitung passt ein letztes Zitat des Firmengr\u00fcnders in der Chesterton-Geschichte, als der von seiner Agentur schw\u00e4rmt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>We give him a glimpse of that great morning world [&#8230;] when one great <strong>game<\/strong> was played under the splendig sky. We give him back his childhood, that <strong>godlike<\/strong> time when we can act stories, be our own heroes [&#8230;]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Godgames<\/h4>\n\n\n\n<p>Godgames sind ein kleines Literaturgenre, in das ich auch diese Geschichte aus dem <em>Club of Queer Trades<\/em> einreihen will. Wikipedia kennt keinen Eintrag dazu, aber &#8211; ha! &#8211; die <em>Encyclopedia of Fantasy<\/em> definiert ein <em>godgame<\/em> als:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>a tale in which an actual game (which may incorporate broader implications) is being played without the participants&#8216; informed consent, and which (in some sense) is being scored by its maker.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gemeint ist in der Regel eine Geschichte, in der die Hautperson ohne ihr Wissen Teilnehmer eines Spiels im weitesten Sinn ist &#8211; gerne auch eines b\u00f6ses Spiels, dass mit ihr getrieben wird. Ein Urvater ist der erste Roman von John Fowles, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Magus\"><em>The Magus<\/em><\/a> (1965, \u00fcberarbeitete Version 1977); aus diesem Roman stammt auch das Wort &#8222;godgame&#8220;. Nicholas Urfe, der Held, erlebt Abenteuer auf einer griechischen Insel, lernt Leute kennen, kn\u00fcpft Beziehungen &#8211; und sp\u00e4t im Buch stellt sich heraus, f\u00fcr ihn wie f\u00fcr den Leser \u00fcberraschend, dass die Ereignisse manipuliert, die Personen zum Teil bezahlte Schauspieler waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel weniger bekannt ist <em>Masks of the Illuminati<\/em> von Robert Anton Wilson (1981), oder <em>Illuminatus!<\/em> von Shea und Wilson selber; in kleinerem Ma\u00dfstab geh\u00f6rt auch <em>The Ghost Writer<\/em> von John Harwood dazu (2004). Als Beispiel wird auch <em>The Tempest<\/em> von William Shakespeare genannt. Dem fehlt allerdings, wenn ich mich richtig erinnere, ein f\u00fcr mich wichtiges Element: Dass der Leser sich in der gleichen Lage befindet wie der Held, dass er also ebenso wie jener Spieler ist, dem mitgespielt wird. Sonst w\u00e4r&#8217;s ja auch nicht postmodern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein <a href=\"http:\/\/ralphriver.blogspot.com\/2005\/10\/lost-as-godgame.html\">Blogeintrag von Ralph the Sacred River<\/a> (love that name) bringt weitere Beispiele, darunter die <em>Truman Show<\/em> und <em>Lost<\/em>. (Letztere Serie verfolge ich nicht, daher kann ich nicht beurteilen, wie sehr das zutrifft.)<\/p>\n\n\n\n<p><small>Nachtr\u00e4gliche Fu\u00dfnote: Ein nichtliterarischer Verwandter des Godgame sind vielleicht der <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_confidence_tricks#Other_confidence_tricks_and_techniques\">Big Store<\/a>, wie man ihn aus dem Film <em>The Sting<\/em> (dt. <em>Der Clou<\/em>) kennt, und andere confidence tricks.<\/small><\/p>\n\n\n\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr diesen Blogeintrag und das Wiederlesen von Chesterton war die Performance-Art-Gruppe <strong>Improv Everywhere<\/strong>. Und das kam so.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Improv Everywhere<\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/improveverywhere.com\/\">Improv Everywhere<\/a> sind eine Gruppe von Leuten, die verschiedene \u00f6ffentliche Aktionen veranstalten &#8211; Happenings, Stra\u00dfentheater, Streiche. Eine der besten und bekanntesten Aktionen ist die hier:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Frozen Grand Central\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jwMj3PJDxuo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Mitten im Bahnhof bleiben hunderte Leute mitten in ihrer Bewegung stehen, wie eingefroren, alle gleichzeitig. F\u00fcnf Minuten lang. Und nach diesen f\u00fcnf Minuten erwachen sie alle wieder zum Leben und gehen weiter, als w\u00e4re nichts geschehen. Sieht toll aus. So \u00e4hnlich sind die meisten Aktionen von Improv Everywhere.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Aktionen waren <a href=\"http:\/\/improveverywhere.com\/2004\/10\/24\/best-gig-ever\/\">Best Gig Ever<\/a> und <a href=\"http:\/\/improveverywhere.com\/2003\/09\/19\/ted%27s-birthday\/\">Ted&#8217;s Birthday<\/a>. Und die haben mich auf Godgames und Chesterton gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei <strong>&#8222;Ted&#8217;s Birthday&#8220;<\/strong> (2003) feierten drei\u00dfig Agenten von Improv Everywhere in einer Bar den Geburtstag von Ted, machten ihm Geschenke, plauderten mit ihm. Nur dass Ted in Wirklichkeit Chris hie\u00df, nicht Geburtstag hatte und auch sonst nichts von der Aktion wusste. Alle Agenten hatten vorher einen fiktiven Steckbrief von &#8222;Ted&#8220; bekommen und sollten sich \u00fcberlegen, woher sie ihn kannten. In den Kommentaren gibt es auch einiges an Kritik, angeheizt durch einen negativen Radiobeitrag dar\u00fcber bei This American Life, einer NPR-Radiosendung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich <strong>&#8222;Best Gig Ever&#8220;<\/strong> (2004): Die Leute suchten sich ein kleines, m\u00f6glichst wenig besuchtes Musikkonzert aus, eine Amateurband in einem Club. Tats\u00e4chlich waren dann auch nur 3 normale Besucher da. Und 35 Agenten von Improv Everywhere. Und deren Aufgabe bestand darin, sich m\u00f6glichst gut zu am\u00fcsieren, mitzumachen, die Band anzufeuern, die Lieder mitzusingen (deren Text alle vorher ge\u00fcbt hatten, man informiert sich ja als Agent). Und der Beschreibung nach war das dann auch ein tolles Konzert. Und nach der Zugabe verschwanden alle 35 Agenten dann pl\u00f6tzlich, ohne Erkl\u00e4rung, Autogrammwunsch, Drinks. Auch da gab es b\u00f6se Kommentare.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte beide Aktionen f\u00fcr noch in den Grenzen des Erlaubten und Sinnvollen. Aber dieses Jahr schien es so, als h\u00e4tten Improv Everywhere end\u00fcltig den Verstand verloren. Am 1.4. gab es <a href=\"http:\/\/improveverywhere.com\/2009\/04\/01\/best-funeral-ever\/\"><strong>&#8222;Best Funeral Ever&#8220;<\/strong><\/a>: Die Leute suchten sich eine Beerdigung aus, auf der m\u00f6glichst wenig Trauerg\u00e4ste zu erwarten waren. Und dann wollten sie den Familienmitgliedern ein sch\u00f6nes Begr\u00e4bnis bescheren, indem sie die Trauergruppe vergr\u00f6\u00dferten. Das Video dazu gibt es unter dem Link oben, daneben gibt es zwei weitere Blogeintr\u00e4ge zur gleichen Aktionen und auch zu deren Wiedergabe in den Medien.<br>Was die erbosten Kommentarschreiber nicht beachtet hatten, war die Tatsache, dass es sich um einen Streich zum 1. April handelte. Einfach mal aufs Datum schauen, und f\u00fcr die Presse: einfach mal im Friedhof nachfragen h\u00e4tte gereicht, statt den Blogeintrag einfach f\u00fcr bare M\u00fcnze zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"137\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/improv_everywhere.jpg\" alt=\"improv_everywhere\" class=\"wp-image-2396\" title=\"improv_everywhere\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/improv_everywhere.jpg 137w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/improv_everywhere-102x150.jpg 102w\" sizes=\"auto, (max-width: 137px) 100vw, 137px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8212; Wer mehr wissen will: vor zwei Wochen ist <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Causing-Scene-Extraordinary-Ordinary-Everywhere\/dp\/006170363X\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1243676762&amp;sr=8-1\">Causing a Scene: Extraordinary Pranks in Ordinary Places with Improv Everywhere<\/a> erschienen. Eine sch\u00f6ne Erg\u00e4nzung zum Blog.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachtrag: Habe das Buch erst jetzt ausgelesen. Sehr inspirierend. Die meisten Missionen sind keine Godgames, sondern nur bizarre, aber sch\u00f6ne, manchmal poetische Einf\u00e4lle. Eines der j\u00e4hrlichen mp3-Experimente k\u00f6nnte ich mal als Listening Comprehension machen, im Sommer, drau\u00dfen auf dem Schulgel\u00e4nde. Empfehlenswert, nur an das Layout muss man sich erst gew\u00f6hnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"clear: both;\">&nbsp;<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Aus Gr\u00fcnden wiedergelesen: G.K. Chesterton, The Club of Queer Trades Sechs Kurzgeschichten, lose zusammenh\u00e4ngend. Chestertons erste Kriminalgeschichten, nur dass es eben keine sind. Und das, obwohl Sherlock Holmes das Vorbild ist. 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